Binomische Formeln einfach erklärt.

Alle drei binomischen Formeln mit Herleitung, Kopfrechen-Tricks, Rückwärts-Anwendung und Klausuraufgaben — kompakt für Mathe in der Mittelstufe.

SS
AutorStudySmarter Mathe Redaktion
Erstellt 10.04.2023·Aktualisiert 03.06.2026·⭐ 4,8 (26.140 Stimmen)
Mini-Quiz · 5 Fragen
📐 Mathe Algebra 🎓 Klasse 8–10 ⏱ 11 Min. Lesezeit (a+b)² (a-b)² (a+b)(a-b) Faktorisieren

Was sind die binomischen Formeln?

Die binomischen Formeln sind drei algebraische Identitäten, die Produkte zweier Summen oder Differenzen in eine Summe umformen: (a+b)² = a² + 2ab + b², (a-b)² = a² - 2ab + b² und (a+b)(a-b) = a² - b². Sie sind zentrale Termumformungs-Regeln der Schulalgebra.

(a+b)² = a² + 2ab + b² · (a-b)² = a² - 2ab + b² · (a+b)(a-b) = a² - b²

Die drei binomischen Formeln gehören zu den absolut zentralen Werkzeugen der Schulalgebra. Sie helfen dir, Klammern aufzulösen, Terme zu faktorisieren und große Zahlen im Kopf zu quadrieren — und wer sie sicher beherrscht, spart in jeder Mathe-Klausur Minuten. Statistisch sind sie in über 60 % aller Algebra-Klausuren ab Klasse 8 vertreten und bilden zudem die Basis für die quadratische Ergänzung, das Lösen quadratischer Gleichungen ohne pq-Formel und die spätere Polynomdivision in der Oberstufe.

Woher der Name kommt

Der Name leitet sich von „Binom" ab — dem lateinischen Wort für „zweigliederiger Ausdruck". Ein Binom ist ein algebraischer Ausdruck aus genau zwei Termen, etwa a+b oder x-3. Die binomischen Formeln zeigen, wie sich solche Ausdrücke beim Quadrieren oder Multiplizieren verhalten. Mathematisch sind die drei Schulfälle Spezialfälle des binomischen Lehrsatzes, den Isaac Newton im 17. Jahrhundert verallgemeinerte. Wichtig zu wissen: Die Formeln gelten nicht nur für Zahlen und einfache Variablen, sondern auch für komplexere Ausdrücke — du kannst a oder b problemlos durch ganze Terme wie (2x) oder (x+1) ersetzen, solange du Vorzeichen und Klammern sorgfältig setzt.

Geschichte und schulischer Stellenwert

Historisch tauchen die binomischen Formeln bereits in den Werken der Babylonier und Griechen auf, lange bevor sie als algebraische Identitäten formal niedergeschrieben wurden. Euklid beschreibt sie in seinen „Elementen" (Buch II) als geometrische Wahrheiten — als Eigenschaften von Quadraten und Rechtecken. Erst mit der modernen Algebra im 16. und 17. Jahrhundert wurden sie in der heutigen Buchstaben-Schreibweise formuliert; die Notation (a+b)² mit hochgestelltem Quadrat geht auf René Descartes (ab 1637) zurück. Heute lernt jeder Schüler in Deutschland die drei Formeln zwischen Klasse 7 und Klasse 9 — sie sind in den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz fest verankert und auch international („binomial expansions") Pflichtstoff der Mittelstufe.

Wie möchtest du
die binomischen Formeln lernen?

Wie werden die binomischen Formeln hergeleitet?

Die binomischen Formeln folgen direkt aus dem Distributivgesetz. Du multiplizierst (a+b)(a+b) Glied für Glied aus und erhältst a² + ab + ba + b² = a² + 2ab + b². Die anderen beiden Formeln entstehen auf identische Weise mit einer Differenz statt einer Summe.

Das Distributivgesetz besagt: Wenn du eine Klammer mit einem Faktor multiplizierst, multiplizierst du den Faktor mit JEDEM Term der Klammer. Bei zwei Klammern werden alle Kombinationen multipliziert. Genau das passiert in der Herleitung.

Für die erste binomische Formel: (a+b)·(a+b) = a·a + a·b + b·a + b·b = a² + ab + ab + b² = a² + 2ab + b². Der mittlere Term 2ab entsteht, weil ab und ba dasselbe sind und sich addieren.

Für die zweite binomische Formel: (a-b)·(a-b) = a·a + a·(-b) + (-b)·a + (-b)·(-b) = a² - 2ab + b². Das Minuszeichen wandert in beide gemischten Glieder, das Produkt zweier negativer Zahlen ist positiv.

Für die dritte binomische Formel: (a+b)·(a-b) = a² - ab + ab - b² = a² - b². Die gemischten Glieder heben sich auf, weil sie einander entgegengesetzt sind. Übrig bleibt die berühmte Differenz zweier Quadrate.

Geometrisch lässt sich die erste Formel als Fläche eines Quadrats mit Seitenlänge (a+b) deuten: Das große Quadrat zerfällt in vier Teilflächen — ein a×a-Quadrat, ein b×b-Quadrat und zwei a×b-Rechtecke. Genau das entspricht a² + 2ab + b².

Wie lautet die erste binomische Formel?

Die erste binomische Formel lautet (a+b)² = a² + 2ab + b². Sie beschreibt das Quadrat einer Summe und ist die wichtigste der drei Formeln in der Schule. Anwendung: (x+3)² = x² + 6x + 9.

(a + b)² = a² + 2ab + b²

Die erste binomische Formel wird auch „Plus-Formel" oder „Summenformel" genannt. Sie ist die häufigste der drei in Schulaufgaben — etwa die Hälfte aller binomischen Aufgaben in Klasse 8 nutzen sie. Du kannst sie daran erkennen, dass ein Quadrat einer Summe vorliegt.

Beispiel mit konkreten Zahlen: (3+4)² = 9 + 24 + 16 = 49. Probe ohne Formel: (3+4)² = 7² = 49. Beide Wege liefern dasselbe Ergebnis. Das zeigt: Die Formel ist keine Behauptung, sondern eine bewiesene Identität.

Beispiel mit Variablen: (x+5)² = x² + 10x + 25. Hier ist a = x und b = 5. Die mittlere Zahl 10x entsteht aus 2·x·5. Aufmerksame Schüler sehen den Term sofort, ohne die ganze Herleitung im Kopf durchzugehen.

Wichtig: a und b müssen nicht nur Zahlen sein. Auch (2x+3y)² funktioniert: a = 2x, b = 3y. Ergebnis: (2x)² + 2·2x·3y + (3y)² = 4x² + 12xy + 9y². Achte hier auf die Klammern und Faktoren.

Falsch wäre (a+b)² = a² + b². Das ist einer der häufigsten Schülerfehler — der mittlere Term 2ab wird vergessen. Lehrer markieren ihn rot, weil er den Unterschied zwischen einem korrekten und einem falschen Ergebnis ausmacht.

💡
Eselsbrücke

„Erstes Plus, Plus Zweimal, Zweites Plus" — so behältst du die Struktur a² + 2ab + b² im Kopf. Drei Pluszeichen, kein Minus.

Wie lautet die zweite binomische Formel?

Die zweite binomische Formel lautet (a-b)² = a² - 2ab + b². Sie beschreibt das Quadrat einer Differenz. Beispiel: (x-4)² = x² - 8x + 16. Achtung: der mittlere Term ist negativ, das letzte Glied bleibt positiv.

(a − b)² = a² − 2ab + b²

Die zweite binomische Formel ist nahezu identisch zur ersten — nur das Vorzeichen des mittleren Terms ist umgekehrt. Das letzte Glied b² bleibt positiv, weil das Quadrat einer negativen Zahl immer positiv ist. Diesen Punkt unterschätzen Schüler oft.

Beispiel: (5-2)² = 25 - 20 + 4 = 9. Probe: (5-2)² = 3² = 9. Auch hier stimmt das Ergebnis perfekt — die Formel funktioniert für jede Differenz.

Mit Variablen: (y-7)² = y² - 14y + 49. Hier ist a = y und b = 7. Beachte: das Endergebnis hat -14y in der Mitte, +49 am Ende. Bei einer mündlichen Abfrage musst du beide Vorzeichen auf Anhieb richtig setzen.

Auch komplexere Terme funktionieren: (3a-2b)² = 9a² - 12ab + 4b². Hier wurden die Faktoren 3 und 2 mit in die Quadrate eingerechnet. Vergiss niemals die Faktor-Quadrate — (3a)² = 9a², nicht 3a².

Die zweite binomische Formel ist auch der Grundbaustein der quadratischen Ergänzung. Beim Lösen quadratischer Gleichungen ohne pq-Formel ergänzt du den Term so, dass die zweite (oder erste) Formel rückwärts angewendet werden kann.

Wie lautet die dritte binomische Formel?

Die dritte binomische Formel lautet (a+b)(a-b) = a² - b². Sie zerlegt eine Differenz zweier Quadrate in das Produkt aus Summe und Differenz. Beispiel: x² - 25 = (x+5)(x-5). Diese Formel ist beim Faktorisieren besonders mächtig.

(a + b)(a − b) = a² − b²

Die dritte binomische Formel ist anders gebaut als die ersten beiden: Statt einer quadrierten Klammer hast du das Produkt aus einer Plus-Klammer und einer Minus-Klammer. Das Ergebnis hat nur zwei Glieder, weil sich die gemischten Terme aufheben.

Beispiel mit Zahlen: (7+3)(7-3) = 49 - 9 = 40. Direkte Probe: 10·4 = 40. Auch hier funktioniert die Formel reibungslos. In der Praxis wirst du sie aber öfter rückwärts anwenden — vom Ergebnis zur faktorisierten Form.

Mit Variablen rückwärts: x² - 36 = (x+6)(x-6). Diese Form ist die häufigste Anwendung der dritten Formel. Du erkennst sie an einer Differenz zweier Quadrate — beide Glieder müssen Quadratzahlen oder quadrierte Variablen sein.

Auch mit komplexeren Termen: 4x² - 9 = (2x+3)(2x-3). Hier sind 4x² = (2x)² und 9 = 3². Die dritte binomische Formel hilft enorm beim Lösen von Gleichungen — sobald du eine Differenz von Quadraten hast, kannst du faktorisieren und den Satz vom Nullprodukt anwenden.

Wichtig: Eine SUMME zweier Quadrate wie x² + 25 lässt sich mit der dritten binomischen Formel NICHT faktorisieren (zumindest nicht in den reellen Zahlen). Nur Differenzen funktionieren. Wer diesen Unterschied übersieht, kommt zu falschen Lösungen.

Wie wendet man binomische Formeln in der Praxis an?

Binomische Formeln werden in vier Hauptfeldern angewendet: Klammern auflösen, Terme faktorisieren, Kopfrechnen großer Zahlen und beim Lösen quadratischer Gleichungen. Jede Anwendung nutzt eine andere Richtung der Formel — vorwärts oder rückwärts.

Die binomischen Formeln sind keine Schultheorie ohne Praxisbezug — sie tauchen in allen quantitativen Fächern auf, sobald Klammern quadriert oder Differenzen multipliziert werden. Im Wesentlichen gibt es zwei Anwendungsrichtungen: vorwärts (Klammern auflösen) und rückwärts (Faktorisieren). Beide Richtungen werden in der Schule trainiert, doch das Rückwärts-Mustererkennen ist deutlich anspruchsvoller — und entscheidet in der Klausur oft über die Note.

Vorwärts und rückwärts in der Algebra

In der Vorwärts-Anwendung beginnst du mit einer Klammer wie (x+3)² und entwickelst sie zu x² + 6x + 9 — typisch beim Umformen einer Gleichung. In der Rückwärts-Anwendung erkennst du an einem Term wie x² + 10x + 25 sofort, dass es sich um (x+5)² handelt; dieses Mustererkennen ist Voraussetzung für quadratische Ergänzungen und das Lösen quadratischer Gleichungen ohne pq-Formel. Klassisches Beispiel: x² + 6x + 9 = 0 ist nichts anderes als (x+3)² = 0 und hat die Lösung x = −3. Auch beim Rationalmachen von Brüchen mit Wurzeln ist die dritte binomische Formel unschlagbar — 1 / (√5 + √2) wird durch Erweitern mit (√5 − √2) zu (√5 − √2) / 3.

Statistik, Physik und Wirtschaft

Außerhalb der reinen Algebra begegnen dir die Formeln in vielen Anwendungsfächern. In der Statistik nutzt die Verschiebungsformel der Varianz eine binomische Identität — auch die Standardabweichung profitiert von dieser Umformung. In der Physik tauchen die Formeln immer dann auf, wenn Geschwindigkeit, Spannung oder Beschleunigung quadriert werden, etwa bei Ausdrücken wie (v+Δv)². In der Wirtschaft sind sie bei Zinseszins-Berechnungen Standard: (1+0,05)² = 1 + 0,1 + 0,0025 = 1,1025 ergibt 10,25 % Gesamtzins nach zwei Jahren — eine Rechnung in unter zehn Sekunden im Kopf.

Geometrie und Informatik

In der Geometrie liefert die erste binomische Formel direkt die Fläche eines vergrößerten Quadrats: Ein Quadrat mit Seite x, das um 5 cm verlängert wird, hat die neue Fläche (x+5)² = x² + 10x + 25. Dieselbe Logik gilt für zusammengesetzte Rechtecke und Differenzflächen. In der Informatik wiederum nutzen effiziente Quadrierungs-Algorithmen für sehr große Zahlen rekursive Anwendungen der binomischen Formeln — sie sind Grundlage schneller Exponentialfunktionen in Kryptographie und Computer-Algebra-Systemen. Die scheinbar harmlose Schulformel arbeitet also auch im Hintergrund moderner Verschlüsselungstechnik mit.

Wie helfen binomische Formeln beim Kopfrechnen?

Mit binomischen Formeln kannst du große Quadrate und Produkte im Kopf berechnen. Statt 97² direkt zu rechnen, schreibst du 97² = (100-3)² = 10.000 - 600 + 9 = 9.409. Solche Tricks sparen in Klausuren ohne Taschenrechner viel Zeit.

Binomische Formeln sind nicht nur ein Rechenwerkzeug für die Klausur, sondern auch ein leistungsstarker Trick fürs Kopfrechnen. Wer sie im Alltag automatisiert hat, löst große Quadrate und Produkte in Sekunden, für die andere zum Taschenrechner greifen. In Wettbewerben wie der Mathe-Olympiade und in Klausuren ohne erlaubten Rechner ist das ein klarer Zeitvorteil. Drei Tricks lohnen sich besonders.

Quadrate nahe runder Zahlen

Liegt eine Zahl nahe an einer runden Zahl, zerlegst du sie mit der ersten oder zweiten binomischen Formel: 102² = (100+2)² = 10.000 + 400 + 4 = 10.404, und 98² = (100−2)² = 10.000 − 400 + 4 = 9.604. Diese Methode ist schneller als die schriftliche Multiplikation, besonders bei Zahlen nahe an 10, 100 oder 1.000. Eine elegante Spezialvariante: Quadrate von Zahlen, die auf 5 enden. So wird 35² = (30+5)² = 900 + 300 + 25 = 1.225 in einer Zeile gelöst — oder noch schneller mit der Faustregel „Zehnerstelle · Nachfolger, dann 25 anhängen": 3·4 = 12 → 1.225.

Produkte mit konstanter Mitte

Die dritte binomische Formel hilft bei Produkten, deren Faktoren symmetrisch um einen Mittelwert liegen: 96 · 104 = (100−4)(100+4) = 10.000 − 16 = 9.984, oder 51 · 49 = (50+1)(50−1) = 2.500 − 1 = 2.499. Sobald du diese Symmetrie erkennst, ist die Rechnung trivial. Auch beim Wurzelziehen ist die Rückwärts-Anwendung praktisch: √(x² + 10x + 25) = x+5, weil unter der Wurzel die erste binomische Formel steckt. Übe diese Tricks an konkreten Zahlen aus dem Alltag — Geburtstagsjahre, Hausnummern, Telefonziffern. Nach etwa 50 Wiederholungen passiert das Kopfrechnen mit binomischen Formeln fast automatisch.

Häufige Klausuraufgaben zu binomischen Formeln

In Klausuren zu binomischen Formeln gibt es drei klassische Aufgabentypen: Klammern auflösen, Terme faktorisieren und vermischte Anwendung. Wer diese drei Typen sicher erkennt, schreibt in der Regel über 80 % der Punkte.

In Algebra-Klausuren machen binomische Formeln etwa 30 % der Gesamtpunkte aus — wer die drei Formeln und ihre Rückwärts-Anwendung sicher beherrscht, kann allein damit eine Drei oder besser sichern. Die Aufgabentypen sind erstaunlich konstant, sodass sich gezielte Vorbereitung lohnt.

Auflösen und Faktorisieren

Die häufigste Aufgabe ist das Auflösen einer quadrierten Klammer wie (3x+2y)² = 9x² + 12xy + 4y² — Standardanwendung der ersten Formel, vorkommend in nahezu jeder Klausur ab Klasse 8. Spiegelbildlich dazu wird das Faktorisieren geprüft: „Schreibe x² − 16 als Produkt" verlangt die dritte Formel rückwärts und ergibt (x+4)(x−4). Hier wird Mustererkennung getestet — sieht der Schüler die Differenz zweier Quadrate? Eine dritte häufige Variante kombiniert die binomische Formel mit dem Satz vom Nullprodukt: x² + 8x + 16 = 0 ist nichts anderes als (x+4)² = 0 und hat die Doppellösung x = −4.

Theorie und Kopfrechnen

Ab Klasse 9 tauchen auch Theorie-Aufgaben auf, etwa: „Zeige, dass (a+b)² ≠ a² + b² gilt." Lösung durch Einsetzen konkreter Zahlen, etwa a=2, b=3: (2+3)² = 25, aber 2²+3² = 13 — die Terme sind nicht identisch. Bonus-Aufgaben verlangen oft Kopfrechnen ohne Taschenrechner: 51² = (50+1)² = 2.500 + 100 + 1 = 2.601 ist in unter zehn Sekunden im Kopf gelöst, wenn die Formel automatisiert ist. Profis bereiten vor der Klausur eine kleine Mustertabelle mit den drei Formeln plus je einem Auflösen- und Faktorisieren-Beispiel vor — so sind die Standard-Anwendungen in den ersten zwei Minuten sicher gelöst.

Abitur und mündliche Prüfung

In Abschlussprüfungen wie dem Mittleren Schulabschluss (MSA) und in Abituraufgaben kommen binomische Formeln meist als Teilaufgabe einer größeren Aufgabe vor. Eine typische Falle: Die Formel ist nicht sofort erkennbar, sondern muss erst durch Umformungen sichtbar gemacht werden. Beispiel: x² + 6x + 13 = (x² + 6x + 9) + 4 = (x+3)² + 4 — hier kombinierst du quadratische Ergänzung mit der ersten binomischen Formel. In mündlichen Prüfungen ab Klasse 9 wird zudem häufig die Herleitung mindestens einer Formel verlangt. Schreibe dir die Distributiv-Schritte für (a+b)·(a+b) im Kopf vor, damit du sie an der Tafel sicher reproduzieren kannst — eine Frage, die in über 50 % der mündlichen Mathematikprüfungen gestellt wird.

Welche Fehler sollte man bei binomischen Formeln vermeiden?

Vier Klausur-Klassiker führen zu Punktverlust: den Mittelterm 2ab vergessen, das letzte Glied beim Differenz-Quadrat negativ schreiben, Faktor-Quadrate falsch bilden und die Summe von Quadraten faktorisieren wollen. Diese vier Fallen treffen rund 75 % aller Schüler.

⚠️
Fehler 1: Mittelterm vergessen

Falsch: (a+b)² = a² + b². Richtig: (a+b)² = a² + 2ab + b². Der mittlere Term 2ab ist kein Schmuckwerk, sondern essenziell — er macht die Formel überhaupt erst korrekt.

⚠️
Fehler 2: Endglied falsches Vorzeichen

Falsch: (a-b)² = a² - 2ab - b². Richtig: (a-b)² = a² - 2ab + b². Das Quadrat einer negativen Zahl ist immer positiv. Nur der mittlere Term wird negativ.

⚠️
Fehler 3: Faktor-Quadrate übersehen

Falsch: (3x+2)² = 3x² + 12x + 4. Richtig: (3x+2)² = 9x² + 12x + 4. Der Faktor 3 wird mit-quadriert: (3x)² = 9x², nicht 3x².

⚠️
Fehler 4: Summe von Quadraten faktorisieren

Falsch: x² + 25 = (x+5)(x-5). Richtig: lässt sich in den reellen Zahlen nicht faktorisieren. Die dritte binomische Formel funktioniert nur bei einer Differenz.

Ein weiterer subtiler Fehler ist die fehlerhafte Reihenfolge beim Lesen: Manche Schüler vertauschen a und b und kommen so zu falschen Vorzeichen. Notiere dir vor jeder Anwendung explizit, welches Glied a und welches b ist.

Klausur-Tipp: Mach die Probe durch Einsetzen einer einfachen Zahl. Wenn (x+3)² zu x² + 6x + 9 wird, setze x = 1: linke Seite (1+3)² = 16, rechte Seite 1 + 6 + 9 = 16. Stimmt — dann ist die Formel richtig angewendet.

Wie übt man binomische Formeln? (Übungsaufgaben)

Fünf Übungen zu allen drei binomischen Formeln — von einfacher Anwendung bis zum kombinierten Faktorisieren. Klicke „Lösung", wenn du fertig bist.

Aufgabe 1 · Niveau 1
Löse die Klammer auf: (x+4)²
Lösung

Erste binomische Formel: a = x, b = 4. (x+4)² = x² + 8x + 16.

Aufgabe 2 · Niveau 1
Löse die Klammer auf: (y-5)²
Lösung

Zweite binomische Formel: a = y, b = 5. (y-5)² = y² - 10y + 25.

Aufgabe 3 · Niveau 2
Faktorisiere: x² - 49
Lösung

Dritte binomische Formel rückwärts: x² - 49 = x² - 7² = (x+7)(x-7).

Aufgabe 4 · Niveau 2
Berechne im Kopf: 99²
Lösung

(100-1)² = 10.000 - 200 + 1 = 9.801.

Aufgabe 5 · Niveau 3
Faktorisiere: 4x² - 12xy + 9y²
Lösung

Zweite binomische Formel rückwärts: (2x)² - 2·2x·3y + (3y)² = (2x-3y)².

Welche Karteikarten helfen bei binomischen Formeln?

Sechs Karteikarten zu allen drei Formeln, Anwendungen und häufigen Fehlern. Klicke zum Umdrehen.

Karteikarte 1/6
Wie lautet die erste binomische Formel?
Klicke zum Umdrehen
Antwort
(a+b)² = a² + 2ab + b²
Klicke zum Umdrehen
1/6

Erklärvideo zu den binomischen Formeln

Das Video von „planet schule" (ARD-Bildungskanal) erklärt alle drei binomischen Formeln in unter 10 Minuten — mit geometrischer Herleitung, Beispielen und Anwendung beim Kopfrechnen.

Binomische Formeln Video — planet schule

Häufige Fragen zu binomischen Formeln

Die wichtigsten Fragen zu binomischen Formeln auf einen Blick: Definition, alle drei Formeln, Anwendung und Kopfrechen-Tricks.

Die binomischen Formeln sind drei algebraische Identitäten, die Produkte zweier Summen oder Differenzen in eine Summe umformen: (a+b)² = a² + 2ab + b², (a-b)² = a² - 2ab + b² und (a+b)(a-b) = a² - b². Sie sind zentrale Termumformungs-Regeln der Schulalgebra.

Die erste binomische Formel lautet (a+b)² = a² + 2ab + b². Sie beschreibt das Quadrat einer Summe und ist die wichtigste der drei Formeln in der Schule. Anwendung: (x+3)² = x² + 6x + 9.

Die dritte binomische Formel lautet (a+b)(a-b) = a² - b². Sie zerlegt eine Differenz zweier Quadrate in das Produkt aus Summe und Differenz. Beispiel: x² - 25 = (x+5)(x-5).

Binomische Formeln werden zum Auflösen von Klammern, zum Faktorisieren von Termen, zum Kopfrechnen großer Quadrate und beim Lösen quadratischer Gleichungen verwendet. Sie sind die Grundlage für die quadratische Ergänzung und das Erkennen von Nullstellen-Mustern.

Beim Faktorisieren erkennst du am Term, welche binomische Formel rückwärts passt: a² + 2ab + b² wird zu (a+b)², a² - b² zu (a+b)(a-b). Übung mit den Mustern macht das Erkennen automatisch — die wichtigste Voraussetzung für quadratische Ergänzung.

Statt 97² direkt zu rechnen, schreibst du 97² = (100-3)² = 10000 - 600 + 9 = 9409. Auch 102 · 98 = (100+2)(100-2) = 10000 - 4 = 9996. Diese Tricks gehen mit der zweiten und dritten binomischen Formel oft schneller als der Taschenrechner.

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