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Michael Kohlhaas

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In Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas" geht es um den gleichnamigen Protagonisten, einen Pferdehändler, der um zwei Pferde betrogen wird. Nachdem die ihm zustehende Gerechtigkeit vor Gericht verweigert wird, nimmt Kohlhaas das Recht in seine eigenen Hände und übt Rache aus, die die Dimensionen des ursprünglichen Betrugs mehr und mehr übersteigt. Das Werk wurde 1810 veröffentlicht.

Eine Novelle ist eine kurze Erzählung, die realistisch wirkt und mindestens ein besonderes Ereignis enthält.

Wenn Du mehr zur Textform der "Novelle" wissen möchtest, lies Dir gerne unseren Artikel dazu durch.

"Michael Kohlhaas" - Zusammenfassung

Der Pferdehändler Michael Kohlhaas ist auf einer Geschäftsreise von seinem Heimatort an der Havel (in Brandenburg) nach Dresden (in Sachsen). An der Grenze zu Sachsen muss er dem Junker Wenzel von Tronka Zoll bezahlen. Da er keinen Passierschein besitzt und diesen in Dresden besorgen und dementsprechend erst auf der Rückreise vorzeigen kann, muss er zudem zwei seiner Rappen als Pfand auf der Tronkenburg lassen.

Ein "Junker" ist ein Mitglied des Adels von niederem Rang. Ein Rappe ist ein Pferd mit schwarzem Fell.

Der Betrug

Nachdem Kohlhaas in Dresden erfährt, dass es einen solchen Passierschein gar nicht gibt, kehrt er an die Tronkenburg zurück und findet seine beiden Pferde in einem schlechten Zustand vor. Diese wurden in seiner Abwesenheit für die harte Feldarbeit eingesetzt und sind dadurch abgemagert. Kohlhaas Knecht, den er zur Aufsicht dort gelassen hatte, wurde verjagt. Daraufhin versucht Kohlhaas, sich Recht zu verschaffen. Seine Klage an den sächsischen Kurfürsten wird jedoch abgelehnt, da die Familie des Junkers Wenzel in engem Kontakt zum Kurfürsten steht.

Kohlhaas Frau Lisbeth möchte dem brandenburgischen Kurfürsten die Anklage bringen. Sie erhofft sich durch Kontakte über einen ehemaligen Liebhaber Vorteile. Liesbeth kommt jedoch bei dieser Unternehmung durch eine Wache ums Leben. Daraufhin übt Kohlhaas Selbstjustiz und überfällt die Tronkenburg. Dabei tötet er alle Bewohner, der Junker selbst kann jedoch rechtzeitig fliehen. Kohlhaas verfolgt ihn bis nach Wittenberg, steckt auch dort Häuser in Brand und führt einen regelrechten Krieg gegen das fürstliche Heer. Er gelangt auf seiner Verfolgung auch nach Leipzig und hinterlässt auch dort eine Spur der Verwüstung.

Vermeintliche Amnestie

In einem Aushang von Martin Luther wird Kohlhaas vorgeworfen, er verübe Gewaltverbrechen, ohne das legale Rechtssystem ausreichend in Anspruch genommen zu haben. Nach einem klärenden Gespräch zwischen den beiden gewährt Luther ihm mithilfe einer Bittschrift freies Geleit nach Dresden. Er bittet beim Kurfürsten von Sachsen um Strafmilderung unter der Bedingung, dass Kohlhaas erneut rechtmäßige Klage einreicht.

Unter einer sogenannten "Bittschrift" versteht man einen verfassten Brief an eine höher gestellte Institution oder eine Person.

Martin Luther (1483–1546) war ein bedeutender Reformator der katholischen Kirche in Deutschland. Er kritisierte vor allem den Ablasshandel. Darunter versteht man den Verkauf von Briefen, die eine Person oder Verwandte das Leben im Himmel versprachen und somit vor der Hölle bewahren sollten.

Seine wichtigsten Kritikpunkte an der katholischen Kirche hielt er in 95 Thesen fest und schlug sie 1518 an das Tor der Schlosskirche in Wittenberg. Da er seine Thesen nicht widerrufen wollte, geriet er in den Jahren 1521/1522 in Gefangenschaft auf der Wartburg. In dieser Zeit übersetzte er die Bibel ins Deutsche.

Durch seine Kritik an der katholischen Kirche und dem Wunsch nach Reformen spaltete er sie (ungewollt) in einen katholischen und evangelischen Teil. Er gilt somit als Begründer der lutherisch-protestantischen Kirche.

Der Strafmilderung (Amnestie) wird zunächst stattgegeben, vor allem, um das Volk nicht gegen sich aufzubringen, welches ihn unterstützt. Kohlhaas reicht erneut Klage ein. Diese geht aber durch die Intrigen eines Anhängers von Wenzel verloren. Zusätzlich wird die Amnestie aufgrund eines Streits um die Ausreisegenehmigung für Kohlhaas wieder aufgehoben und er wird unter Hausarrest gesetzt.

Die Falle

In der Zwischenzeit hat sich ein ehemaliger Vertrauter Kohlhaas, Johann Nagelschmidt, als Anführer seines aufgelösten Heerhaufens etabliert. Diese ziehen plündernd und mordend durch das Land. Kohlhaas kann den Verdacht entkräften, mit Nagelschmidt zu kooperieren, zumal er diesen aufgrund von Gräueltaten hängen lassen wollte.

Zum Schein bekommt Kohlhaas ein Angebot eines Boten von Nagelschmidt. Dieser wolle ihm helfen, aus seiner Gefangenschaft in Dresden zu entkommen. In der Hoffnung auf Freiheit und der Flucht nach Ostindien geht Kohlhaas auf das Angebot ein. Dabei weiß er nicht, dass es sich um eine Falle der Obrigkeit handelt. Aufgrund des Fluchtversuchs wird Kohlhaas verhaftet.

Die Prophezeiung

Für einen fairen Prozess soll Kohlhaas nach Berlin überführt werden. Der Kurfürst von Sachsen erfährt in der Zwischenzeit von einem silbernen Amulett, das Kohlhaas von einer "Zigeunerin" zu Beginn seines Rachefeldzugs erhalten habe. In dem Amulett befinde sich eine Prophezeiung auf Papier, welche die Zukunft über das sächsische Fürstengeschlecht voraussage. Darin stehe der Name des letzten Kurfürsten geschrieben sowie das Datum, wann er sein Reich verlieren werde sowie der Name des Verursachers.

Das Wort "Zigeuner" ist eine von Klischees überlagerte Bezeichnung der Mehrheitsgesellschaft und wird von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend erachtet. So haben sich die Sinti und Roma nämlich nie selbst genannt. Da in dem Werk "Michael Kohlhaas" der abwertende Begriff verwendet wird, wird er mit diesem Hinweis in dem Artikel in Anführungszeichen geschrieben.

Der Kurfürst von Sachsen möchte dieses Amulett daher unbedingt haben und versucht seine Anklage zurückzunehmen. Das gelingt ihm jedoch nicht und Kohlhaas wird wegen Landfriedensbruch zum Tode verurteilt. Auf dem Schafott verschluckt Kohlhaas die Prophezeiung, wodurch der Kurfürst einen Nervenzusammenbruch erleidet.

Das "Schafott" war eine Richtstätte in Form einer Bühne. Auf ihr fanden öffentliche Enthauptungen statt, um dem einfachen Volk die Macht der Obrigkeit zu demonstrieren und sie abzuschrecken.

Vor seinem Tod erfährt Kohlhaas noch, dass Wenzel von Tronka zu zwei Jahren Haft verurteilt worden ist und die Rappen wieder gesund pflegen muss. Somit erhält Kohlhaas noch die Gerechtigkeit, für die er gekämpft hatte und kann zufrieden sterben.

"Michael Kohlhaas" - Charakterisierung der wichtigsten Figuren

Michael Kohlhaas Figurenkonstellation StudySmarterFigurenkonstellation in "Michael Kohlhaas"

Michael Kohlhaas

  • Protagonist der Novelle und Pferdehändler,
  • mit Lisbeth verheiratet, hat 5 Kinder,
  • wohltätig und in der Nachbarschaft anerkannt,
  • religiös (protestantisch),
  • Gerechtigkeit ist ihm sehr wichtig,
  • nimmt alles in Kauf, um Gerechtigkeit zu bekommen,
  • verliert seine Frau und sein Familienleben im Kampf um Gerechtigkeit,
  • übt Selbstjustiz aus,
  • im Besitz einer Prophezeiung über das Geschlecht des Kurfürsten von Sachsen,
  • wird am Ende wegen Landfriedensbruch hingerichtet; stirbt in Frieden, weil er kurz vor seinem Tod die Gerechtigkeit erhält, für die er gekämpft hat.

Lisbeth Kohlhaas

  • Frau von Michael Kohlhaas,
  • ebenfalls Anhängerin Luthers,
  • treue Ehefrau, Hausfrau und Mutter,
  • wird als mutig und klug beschrieben,
  • stirbt bei dem Versuch, ihrem Mann im Kampf um Gerechtigkeit zu helfen.

Wenzel von Tronka

  • Besitzer der Tronkenburg in Sachsen (niederer Adel),
  • über familiäre Beziehungen hat er Kontakt zum Kurfürsten von Sachsen,--> kann so rechtlichen Strafen entgehen,--> sowie auch der Klage von Kohlhaas,
  • wird "Junker" genannt,
  • ruht sich auf seiner gesellschaftlichen Position aus,
  • betrügt Kohlhaas um zwei Rappen und ist damit Urheber des Rachefeldzugs von Kohlhaas.

Kurfürst von Sachsen

  • Gegenspieler von Michael Kohlhaas,
  • hat viel Macht,
  • Führungsschwäche,
  • Ausübung seines Amts beruht vor allem auf familiärer und freundschaftlicher Verbundenheit und seinem eigenen Nutzen,
  • er dreht das Recht so, dass es zu seinen Gunsten oder zu den Gunsten eines Bekannten von ihm ausgelegt wird,
  • abergläubisch,
  • will Hinrichtung verhindern, um die Prophezeiung zu bekommen.

Kurfürst von Brandenburg

  • ebenfalls viel Macht,
  • gilt im Gegensatz zum Kurfürsten von Sachsen als führungsstark und gerecht,
  • Ablehnung der Klage von Kohlhaas ging nicht direkt von ihm aus,
  • überträgt Klage an Graf von Kallheim, der mit dem Haus der Tronka verwandt ist und daraufhin ablehnt,
  • strategisch und politisch orientiert, prinzipientreu.

Aufbau und Sprache in "Michael Kohlhaas"

Der Aufbau der Novelle wirkt zunächst unstrukturiert, vor allem, weil es keine Gliederung durch Kapitel gibt. Allerdings ist die Handlung überwiegend chronologisch aufgebaut, abgesehen von dem Rückblick zum Treffen mit der "Zigeunerin". Das ermöglicht es dem/der Leser*in, der Geschichte gut zu folgen.

Bei genauerem Betrachten gleicht die Novelle dem Aufbau eines klassischen Dramas:

Sie beginnt mit einer Exposition, in der der Diebstahl der Pferde von Kohlhaas thematisiert wird. Dies stellt die Grundlage der Handlung dar.

Die Problematik steigert sich im Folgenden und führt letztlich zum Wendepunkt der Geschichte. Dieser findet sich im Gespräch mit Martin Luther und eröffnet damit ein letztes Mal die Hoffnung auf Freiheit und Anerkennung der Klage von Kohlhaas.

Danach neigt sich die Handlung dem Ende zu und mündet zugleich in einer harmonischen Lösung und in einem dramatischen Ende. Zwar wird Kohlhaas hingerichtet, dennoch kann er Frieden finden und beruhigt sterben, da seine Anklage erhört wurde und der Junker seine gerechte Strafe erhält.

Falls Du mehr zum Aufbau eines klassischen Dramas erfahren möchtest, dann lies Dir doch den Artikel "Drama" durch.

Michael Kohlhaas Aufbau der Novelle StudySmarterAufbau der Novelle "Michael Kohlhaas"

Sprache und Erzählverhalten

Die Sprache in "Michael Kohlhaas" ist sehr komplex. Der Autor Heinrich Kleist bedient sich langer, verschachtelter Sätze, der hypotaktische Satzbau ist geprägt von vielen Nebensätzen:

Die Hypotaxe beschreibt das Verhältnis zwischen Hauptsatz und Nebensatz. Ein Hauptsatz kann im Gegensatz zum Nebensatz allein stehen, eine Satzstruktur aus Haupt- und Nebensätzen bezeichnet man als "Satzgefüge".

An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.

Alle Zitate stammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus Heinrich Kleists "Michael Kohlhaas" (2007, Köln: Anaconda Verlag).

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dieser ist nicht Teil der Geschichte und nimmt überwiegend eine neutrale, beobachtende Perspektive ein. Auf die innere Gefühlslage einzelner Figuren bezieht er sich nur selten, was eine berichtartige und eher objektive Wirkung erzeugt.

Der Erzähler entspricht einem Chronisten aus der eigenen Epoche Heinrich Kleists. Er basiert seine Erzählung auf historischen Quellen, was ihr einen dokumentarischen Charakter verleiht. Dies wird unterstützt durch die zahlreichen Nennungen von Namen und konkreten Orts- und Zeitangaben:

Ein Chronist verfasst Chroniken, also Darstellungen von geschichtlichen Ereignissen und Abläufen.

In Dresden, wo er, in einer der Vorstädte der Stadt, ein Haus mit einigen Ställen besaß, weil er von hier aus seinen Handel auf den kleineren Märkten des Landes zu bestreiten pflegte, begab er sich, gleich nach seiner Ankunft, auf die Geheimschreiberei, wo er von den Räten, deren er einige kannte, erfuhr, was ihm allerdings sein erster Glaube schon gesagt hatte, daß die Geschichte von dem Paßschein ein Märchen sei.

Trotz der berichtartigen Wirkung baut der Erzähler an einigen Stellen subjektive Wertungen ein. Er fordert den/die Leser*in also einerseits auf, sich selbst eine Meinung zu Personen oder Handlungen zu bilden, andererseits beeinflusst er ihn/sie aber unterbewusst in seiner Meinungsbildung.

Der Junker antwortete, mit einem verlegenen Gesicht, indem er abging: ja, Kohlhaas, den Paß mußt du lösen. Sprich mit dem Schloßvogt, und zieh deiner Wege.

"Michael Kohlhaas" - Interpretationsansätze

Die Novelle besticht durch ihre Gesellschaftskritik. Das beginnt mit der Rückverlagerung der Handlung um rund drei Jahrhunderte in die Vergangenheit. Dies weist auf Kritik an der veralteten Struktur der Gesellschaft hin.

Die Kritik wird an einigen Aspekten konkretisiert, unter anderem an der willkürlichen Herrschaftsweise der Fürsten. In der Novelle steht dabei nicht das Recht der Bürger im Vordergrund, sondern Eigennutz, gegenseitiger Schutz zwischen den Adelsgeschlechtern und Korruption. Zudem wird ein Teil der Herrscher durch den Kurfürsten von Sachsen als regierungsunfähig und abergläubisch dargestellt. Das lässt Kritik an der Herrschaft aus Gottes Gnaden mitklingen, die keine Rechtfertigung ihrer Macht erfordert.

Die Herrschaft aus Gottes Gnaden befugte die Fürsten bis ins 19. Jahrhundert zu herrschen, ohne von jemandem dazu beauftragt zu werden. Die Fürsten zu der Zeit wurden in die Herrschaftsfamilien hinein geboren und nicht vom Volk oder einem übergeordneten Herrscher gewählt. Sie rechtfertigten Ihre Macht damit, nur von Gott auserwählt worden zu sein und nannten sich deshalb "Herrscher aus Gottes Gnaden".

Das hatte auch zur Folge, dass diese Herrscher nicht immer geeignet für ihre Position waren. Sie trafen teilweise strategisch und moralisch falsche Entscheidungen und waren oft abergläubisch und korrupt.

Diese Eigenschaften erfüllt auch der Kurfürst von Sachsen. Die Kritik daran äußert sich durch die offensichtliche, teils satirische Darstellung der Charaktereigenschaft des Kurfürsten. Zu Beginn des Werks lässt er sich durch den Einfluss der Familie des Junkers von Tronka überreden, die Anklage von Kohlhaas abzulehnen. Außerdem ist er im späteren Handlungsverlauf darauf besessen, Michael Kohlhaas hinrichten zu lassen. Als er vom Amulett der "Zigeunerin" erfährt, unternimmt er jedoch alles Mögliche, um die darin enthaltende Prophezeiung zu bekommen.

Zudem wird auch Kritik an der Kleinstaaterei deutlich. Der Zoll und das Wegerecht für Kohlhaas auf seinem Weg nach Sachsen sind der Auslöser für die ganzen Straftaten, die im Folgenden begangen werden.

Der Begriff "Kleinstaaterei" meint im abwertenden Sinn eine sehr ausgeprägte föderale Struktur. In diesem Zusammenhang sind die territorialen Kleinstaaten in Deutschland gemeint, auf denen die jeweiligen Herrscher ihr selbst ernanntes Recht ausübten.

Wichtig sind Kohlhaas Reaktion und sein Umgang mit diesen Missständen. Zum einen ist seine Selbstjustiz in gewisser Hinsicht nachvollziehbar. Immerhin ist er im Recht und seine Enttäuschung von der Obrigkeit kann seinen Rachefeldzug in gewisser Weise rechtfertigen. In diesem Ausmaß ist sein Handeln aber maßlos übertrieben.

Letzten Endes verliert Kohlhaas seine Frau, sein harmonisches Familienleben und später sein eigenes Leben, nur um die Bestrafung des Junkers für das Misshandeln seiner Pferde durchzusetzen. Das steht in keiner Relation zueinander. Daher kann die Novelle auch zum Teil sarkastisch in Bezug auf Menschen gemeint sein, die um jeden Preis ihr Recht verteidigen wollen. Das macht es zu einem zeitlosen Werk, da das auch heute noch ein gängiges Phänomen ist.

Ein alltägliches Beispiel können belanglose Nachbarschaftsstreitereien sein. Dabei kann es um nächtliche Ruhestörung gehen, oder auch um eine Hecke, die fünf Zentimeter zu weit auf das Grundstück des Nachbarn gewachsen ist. Es beginnt mit einer kleinen Auseinandersetzung und endet nicht selten vor Gericht. Dabei geht es den Betroffenen meist darum, Recht zu haben.

Die Anklage von Kohlhaas zeigt vor allem sein ursprüngliches Vertrauen in das Rechtssystem und die daraufhin umso größere Enttäuschung, als sein Antrag abgelehnt wird. Die Bedeutung des Rechts für Michael Kohlhaas zeigt sich in seinem darauffolgenden Handeln. Er lässt sein altes harmonisches Familienleben hinter sich und beginnt mit seiner brutalen und maßlos übertriebenen Rache.

In der Hinrichtung wird der Wert der Gerechtigkeit für Kohlhaas deutlich. Alles, was er je wollte, war die Bestrafung des Junkers, die ihm kurz vor seinem Tod erfüllt wird. Dass er als Preis dafür sein eigenes Leben hergeben muss, spielt für ihn in der Situation keine Rolle mehr.

Zudem kommt der Aberglaube und die eigennützige Regierungsweise einiger Fürsten zum Ausdruck. Der Kurfürst von Sachsen will um jeden Preis die Prophezeiung einer "Zigeunerin" haben. Sie ist ihm wichtiger als die Vollstreckung eines Urteils.

"Michael Kohlhaas" - Historischer Hintergrund

Heinrich von Kleist lebte zwischen 1777 und 1811 und stand daher unter dem Einfluss der Aufklärung sowie den Ideen und Auswirkungen der Französischen Revolution. Diese breiteten sich auch später in Deutschland aus. In den Freiheitskämpfen gegen Napoleon, die bis 1806 andauerten, entstand ein aufkommendes Nationalgefühl. Diese Einstellung etablierte sich in den folgenden Jahren und löste den Wunsch nach einem nationalgeeinten Rechtsstaat in Deutschland aus.

Allerdings spielt Kleists Novelle nicht in der Zeit, in der er lebte, sondern im mittelalterlichen 16. Jahrhundert. In dieser Zeit erlebte die Gesellschaft den ersten Aufschwung einer Aufklärung, der sich unter anderem in der Reformation zeigte. Dennoch prägte das Stände- und Feudalsystem weiterhin die Gesellschaft.

Somit sind die beiden Zeiten vergleichbar. Trotz wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Aufklärung sind keine Änderung in Bezug auf die Kleinstaaterei im heutigen deutschen Gebiet entstanden. Bis 1806 waren die Kleinstaaten im heutigen Deutschland zu einem losen Staatenbund, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zusammengefasst.

Die Nachteile werden in der Novelle deutlich:

  • Zölle an den Kleinstaatsgrenzen,
  • kompliziertes Wegerecht,
  • Zusammenhalt und Intrigen der Fürsten untereinander und
  • unterschiedliche Maßeinheiten und Währungen, die den Handel erschwerten.

Wahre Begebenheit

Tatsächlich soll im 16. Jahrhundert ein Kaufmann namens Hans Kohlhase aus dem Fürstentum Brandenburg gelebt haben, der auf dem Weg nach Leipzig von einem Junker um zwei seiner Pferde betrogen wurde. Als ihm auf legalem Weg das Recht verwehrt blieb, steckte er Häuser in Wittenberg in Brand und wurde daraufhin von Martin Luther zur Rechenschaft gezogen. Das brachte ihn jedoch nicht von seinen Gewalttaten ab – als Folge dessen wurde er festgenommen und in Berlin hingerichtet.

Schon der Untertitel der Novelle "Aus einer alten Chronik" lässt darauf schließen, dass diese reale Begebenheit Kleist als Grundidee für die Handlung seiner Novelle diente.

"Michael Kohlhaas" als Werk der Romantik und Klassik

Die Novelle weist sowohl Merkmale der Weimarer Klassik als auch der Romantik auf. Die beiden Epochen verliefen parallel und standen in Widerspruch zueinander.

Weimarer Klassik

Die Weimarer Klassik reichte von 1786 bis 1832. Sie stand unter dem Einfluss der Aufklärung, woraus sich vorwiegend vernunftbetonte und humanitäre Themen ableiteten. Anders als noch im Sturm und Drang, der sich allen Konventionen widersetzte und besonders gefühlsbetont war, besonnten sich Autoren in der Klassik zurück auf antike Prinzipien. Es sollte bei den Figuren eine Harmonie zwischen Gefühlen und Verstand entstehen.

Zentrale Motive:

  • Toleranz
  • Selbstbestimmung
  • Humanität

Die Gerechtigkeit, der Wunsch nach dessen Erfüllung und die Selbstbestimmung des Protagonisten sprechen dafür, dass die Novelle der Weimarer Klassik zuzuordnen ist. Allerdings wirkt die Novelle eher unstrukturiert und scheint keiner formalen Ordnung zu folgen, was einer Zuordnung zur Klassik widerspricht.

Romantik

Die Romantik (1795–1848) war eine Gegenbewegung zur Weimarer Klassik. Vertreter dieser Literaturepoche waren gegen die Rückbesinnung auf die Antike und vor allem gegen neue technische und wissenschaftliche Errungenschaften der Industrialisierung. Die Folge war die Flucht in eine Traumwelt, die oft etwas Mystisches und Wunderbares an sich hatte.

Die Literatur der Romantik setzte einen Fokus auf die Gefühle des Individuums und folgte keinen formalen Vorgaben. Häufig gab es auch eine Rückbesinnung auf das Mittelalter, welches bisher in der Literatur einen schlechten Ruf innehatte.

Zentrale Motive:

  • Sehnsucht,
  • unberührte Natur
  • Fantasie- und Traumwelten.

Diese Rückbesinnung auf das Mittelalter ist ein markantes Merkmal der Novelle in der Romantik. Auch etwas Mystisches und Wunderbares wird durch das Auftreten der "Zigeunerin" und ihrer Prophezeiung eingebaut. Die Individualität des Protagonisten und sein Abwenden vom bestehenden Rechtssystem steht im Fokus. Durch das Fehlen von Kapiteln wirkt die Geschichte unstrukturiert und scheint keinen formalen Regeln zu folgen.

Wenn Du mehr über die Literaturepochen der "Weimarer Klassik" und "Romantik Literatur" wissen möchtest, lies Dir gerne unsere Artikel dazu durch.

Der Autor von "Michael Kohlhaas": Heinrich von Kleist

Michael Kohlhaas, Autor Heinrich von Kleist Porträt, StudySmarterAbbildung 1: Der Autor Heinrich von Kleist Quelle: wikicommons.org

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist wurde 1777 als jüngster von fünf Geschwistern in Frankfurt an der Oder geboren. Er entstammte einem pommerschen Uradelsgeschlecht. Kleist widmete seine frühere Lebenszeit dem Militär sowie dem Staatsdienst und fokussierte sich später überwiegend auf das Schreiben.

Um sich finanziell über Wasser zu halten, schrieb er in seinen letzten Jahren überwiegend aus Geldnot. Hinzu kam, dass seine Werke immer weniger Anklang fanden und sein Theaterstück "Der Prinz von Homburg" verboten wurde. Das Stück stieß auch bei der Regierung auf so großen Widerstand, dass Kleist keine Anstellung im Staatsdienst mehr erhielt.

Aufgrund von Geldsorgen und der Unzufriedenheit, notgedrungenen schreiben zu müssen, nahm er sich 1811 gemeinsam mit seiner Gefährtin Henriette Vogel am kleinen Wannsee bei Potsdam das Leben.

"Das Erdbeben von Chile", "Die Marquise von O....", "Prinz Friedrich von Homburg", "Der gebrochene Krug" gehören zu seinen wichtigsten Werken.

Michael Kohlhaas - Das Wichtigste

  • Michael Kohlhaas ist eine Novelle von Heinrich von Kleist aus dem Jahr 1810.
  • Der Protagonist Michael Kohlhaas wird vom Junker Wenzel von Tronka um zwei Pferde betrogen.
  • Nachdem seine Anklage sowohl vom Kurfürsten von Sachsen als auch vom Kurfürsten von Brandenburg abgewiesen wird, beginnt er, Selbstjustiz zu verüben und zündet Häuser in Wittenberg an.
  • Nach einem Gespräch mit Martin Luther versucht Kohlhaas, ein letztes Mal auf legalem Weg Gerechtigkeit zu erlangen. Er erhält zunächst Strafmilderung, seine Anklage geht aber erneut unter. Auch die Strafmilderung wird aufgrund eines Streits über die Ausreisegenehmigung für Kohlhaas wieder aufgehoben und er wird gefangen genommen.
  • Schlussendlich wird Kohlhaas zum Tode verurteilt, stirbt aber befriedigt von der Tatsache, dass Wenzel von Tronka seine gerechte Strafe erhält.
  • Die Novelle wurde zwar im 19. Jahrhundert geschrieben, spielt allerdings im 16. Jahrhundert.
  • Neben der Frage nach der Rechtfertigung von Selbstjustiz kommt auch Gesellschaftskritik zum Ausdruck.
  • Das Werk weist sowohl Merkmale der Klassik als auch der Romantik auf.

Michael Kohlhaas

Michael Kohlhaas wird wegen Landfriedensbruchs zum Tode verurteilt und im Anschluss auf dem Schafott enthauptet.

Michael Kohlhaas ist mit Lisbeth verheiratet und hat mit ihr fünf Kinder.

Sein Handeln rechtfertigt Kohlhaas mit dem Unrecht, was ihm aufgrund der Korruption angetan wurde. Vom Junker wurde er um seine Pferde betrogen und seine Frau kommt bei ihrer Unternehmung, Kohlhaas zu helfen, zu Tode. 

Michael Kohlhaas weist sowohl Merkmale der Klassik als auch der Romantik auf. Die beiden Epochen verliefen parallel und standen im Widerspruch zueinander.

Finales Michael Kohlhaas Quiz

Frage

Wer schrieb "Michael Kohlhaas"?

Antwort anzeigen

Antwort

Heinrich von Kleist schrieb "Michael Kohlhaas".

Frage anzeigen

Frage

Welcher Textgattung ist "Michael Kohlhaas" zuzuordnen?

Antwort anzeigen

Antwort

Bei "Michael Kohlhaas" handelt es sich um eine Novelle.

Frage anzeigen

Frage

Wie ist "Michael Kohlhaas" aufgebaut?

Antwort anzeigen

Antwort

Der Aufbau der Novelle "Michael Kohlhaas" folgt inhaltlich der Struktur eines Dramas:


  • Exposition (Einführung der handelnden Figuren und des zentralen Konflikts)
  • steigende Handlung
  • Peripetie (Höhepunkt)
  • fallende Handlung mit einem retardierenden Moment
  • Auflösung in einer Katastrophe (in diesem Fall der Tod des Protagonisten)
Frage anzeigen

Frage

Welche Erzählperspektive nimmt der Erzähler in "Michael Kohlhaas" ein?

Antwort anzeigen

Antwort

Der Erzähler nimmt die Position eines Chronisten ein.

Frage anzeigen

Frage

Warum greift Michael Kohlhaas zur Selbstjustiz?

Antwort anzeigen

Antwort

Er möchte Gerechtigkeit, die er vom korrupten Rechtssystem nicht erhält.

Frage anzeigen

Frage

Warum stirbt Lisbeth Kohlhaas?

Antwort anzeigen

Antwort

Lisbeth Kohlhaas wird von einer Wache umgebracht, als sie sich beim Kurfürsten von Brandenburg für Gerechtigkeit für ihren Mann einsetzen möchte.

Frage anzeigen

Frage

Warum wird Kohlhaas' Anklage beim Kurfürsten von Sachsen abgelehnt?

Antwort anzeigen

Antwort

Der Angeklagte Wenzel von Tronka hat Beziehungen zum Kurfürsten. Diese bringen ihn dazu, die Anklage fallen zu lassen.

Frage anzeigen

Frage

Wer ist der Gegenspieler von Michael Kohlhaas?

Antwort anzeigen

Antwort

Der hauptsächliche Gegenspieler ist der Kurfürst von Sachsen.

Frage anzeigen

Frage

Welcher grundlegende Konflikt löst den Rachefeldzug von Michael Kohlhaas aus?

Antwort anzeigen

Antwort

Michael Kohlhaas wird an der Grenze von Brandenburg nach Sachsen von Wenzel von Tronka um zwei Pferde betrogen.

Frage anzeigen

Frage

Welche Rolle spielt Martin Luther?

Antwort anzeigen

Antwort

Ein Gespräch mit Martin Luther bringt Kohlhaas dazu, ein letztes Mal auf legalem Weg nach Gerechtigkeit zu suchen.

Frage anzeigen

Frage

Wie endet "Michael Kohlhaas"?

Antwort anzeigen

Antwort

Der Protagonist Michael Kohlhaas wird enthauptet. Er stirbt aber befriedigt von der Tatsache, dass Wenzel von Tronka seine gerechte Strafe erhält.

Frage anzeigen

Frage

Warum möchte der Kurfürst von Sachsen die Hinrichtung von Michael Kohlhaas verhindern?

Antwort anzeigen

Antwort

Kohlhaas hat von einer Zigeunerin ein Amulett erhalten. Die darin enthaltene Prophezeiung über das sächsische Fürstengeschlecht möchte er unbedingt haben.

Frage anzeigen

Frage

In welchem Jahrhundert spielt "Michael Kohlhaas"?

Antwort anzeigen

Antwort

im 16. Jahrhundert

Frage anzeigen

Frage

Beruht das Werk auf einer wahren Begebenheit?

Antwort anzeigen

Antwort

ja

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Frage

Die Einflüsse welcher Epochen zeigen sich in "Michael Kohlhaas"?

Antwort anzeigen

Antwort

Klassik

Frage anzeigen
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