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Mein Katalonien

Mein Katalonien

Dieser Krieg, in dem ich eine so wirkungslose Rolle spielte, hat vor allem schlechte Erinnerungen in mir hinterlassen, und doch würde ich es bedauern, nicht daran teilgenommen zu haben.

- George Orwell

Der Schriftsteller George Orwell ging 1936 nach Spanien, um journalistische Texte über den gerade begonnenen Bürgerkrieg zu schreiben. Sofort nach seiner Ankunft schloss er sich einer linksorientierten Miliz an, um selbst auf der Seite der Republikaner gegen die Faschisten, die versucht haben, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, zu kämpfen. Innerhalb eines halben Jahres erlebte er herbe Enttäuschungen, darunter Kälte, Hunger und auch Langeweile.

Eine Miliz ist eine militärische Kampfeinheit von Menschen, die keine Berufssoldatinnen und Berufssoldaten sind. Sie verfügen meist nur über eine geringe Ausbildung und minderwertige Ausrüstung.

Nach seiner Rückkehr nach England verfasste Orwell die Reportage "Mein Katalonien", die 1938 unter dem englischen Originaltitel "Homage to Catalonia" herausgekommen ist. Darin beschreibt Orwell zunächst die Hoffnung auf eine klassenlose Gesellschaft, aber auch die Zerwürfnisse und Enttäuschungen, die er während des Krieges erlebt hat.

Eine Reportage ist ein journalistischer Text, der subjektiven Erfahrungen und Eindrücken der Journalistin oder des Journalisten folgt. Reportagen sind in der Ich-Perspektive verfasst und die persönlichen Wahrnehmungen wechseln sich mit recherchierten Einordnungen ab.

Spanischer Bürgerkrieg

1931 wurde durch eine Wahl mit einer großen Mehrheit die Monarchie in Spanien abgeschafft. Das Land wurde zu einer demokratischen Republik und es kam zunächst zu einigen Reformen. Zu diesem Zeitpunkt waren viele Teile des Staates stark veraltet, weshalb die Reformen in der Landwirtschaft, im Militär und auch in der Bildung auf viel Zustimmung trafen.

Eine Republik ist eine Staatsform, in der das Oberhaupt für einen bestimmten Zeitraum vom Volk gewählt ist.

Nur kurze Zeit später wurde eine konservative Regierung gewählt, die alle zuvor getroffenen Reformen wieder rückgängig machte. Es kam zu einem Aufstand von Linken, Arbeiterinnen und Arbeiter, wie auch Gewerkschaften, der von dem General Francisco Franco niedergeschlagen wurde. In der darauffolgenden Wahl im Jahr 1936 bekam ein Bündnis aus linken und liberalen Parteien die Mehrheit, wodurch es zum Putsch durch konservative, monarchistische und faschistische Militärs kam.

Ein Putsch oder auch Staatsstreich ist eine gewaltsame und überraschende Aktion, um die derzeitige Regierung eines Staates zu stürzen und die Macht an sich zu nehmen. Ein Putsch wird meist von Angehörigen des Militärs, militärähnlichen Gruppen oder einer Gruppe von Politikerinnen und Politiker durchgeführt.

Die Putschisten bekamen Unterstützung aus dem von Benito Mussolini geführten, faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland. Sie gingen deshalb davon aus, den Republikanern militärisch weit überlegen zu sein und einen schnellen Sieg über ganz Spanien zu erringen. Da sich die verschiedenen linken und liberalen Bündnisse aber erbittert wehrten, kam es zum Bürgerkrieg.

"Mein Katalonien" – Historisch

Das Zentrum des Widerstandes gegen die Putschisten war Barcelona, die Hauptstadt Kataloniens. Katalonien ist ein Teil Spaniens, der schon über einen langen Zeitraum für seine Unabhängigkeit gekämpft hatte und dadurch bereits auf viele anarchistische Aufstände zurückblickte. Viele Gebiete wurden schnell unter die Herrschaft von Arbeiter- und Bauernräten gestellt, also unter die Herrschaft der arbeitenden Klasse. Betriebe wurden enteignet und die Besitztümer wurden unter den Menschen verteilt.

Der Anarchismus ist eine linksgerichtete politische Ideologie, nach der jegliche Form der Herrschaft abgelehnt wird. Jede Form der Hierarchie unter Menschen sollte nach Anarchistinnen und Anarchisten abgeschafft werden, da sie nach ihren Ansichten auf Ausbeutung beruhe. Der Anarchismus steht im linken Spektrum dem Sozialismus und Kommunismus gegenüber.

Nach wenigen Monaten kam es auch innerhalb der linken Lager zu Machtkämpfen. Die kommunistischen Parteien PCE und PSUC wurden von der stalinistischen Sowjetunion mit Waffen und Finanzmitteln unterstützt. Sie wollten eine Revolution verhindern, während die Partei POUM für eine Revolution und gegen die Sowjetunion stand. Der Arbeiterpartei POUM hatten sich auch viele internationale freiwillige Kämpfer angeschlossen.

Als Stalinismus wird die Herrschaft von Joseph Stalin in der Sowjetunion von 1927 bis 1953 bezeichnet.

Eine Revolution ist der radikale und oft gewaltsame Umsturz von politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen.

Letztendlich kam es zu blutigen Straßenkämpfen zwischen den beiden linken Ausrichtungen. Die Mitglieder der POUM wurden verfolgt, gefoltert, inhaftiert und hingerichtet. Die Nationalisten, angeführt von General Francisco Franco, triumphierten schließlich und errichteten eine Diktatur, die zwar offiziell neutral war, aber im Zweiten Weltkrieg profaschistisch agierte.

"Mein Katalonien" – Zusammenfassung

"Mein Katalonien" von George Orwell ist eine Reportage der Erfahrungen, die er in der Zeit zwischen Dezember 1936 und Juni 1937 als Teil der POUM-Miliz im spanischen Bürgerkrieg machte. Nach einer Grundausbildung kämpfte er in Schützengräben, beschreibt aber vor allem die Stimmung, die er in dieser Zeit wahrgenommen hat. Im Mittelpunkt stehen dabei auch seine Enttäuschungen mit den linken Parteien, die der Sowjetunion nahestanden.

Ankunft und Hoffnung

Zu Beginn des Textes beschreibt Orwell Barcelona, das von den linken Kräften regiert wird. Er ist begeistert von der Stadt, weil er noch nie zuvor einen Ort erlebt hat, die wirklich von Arbeiterinnen und Arbeitern und nicht von Machthabern geführt wird. Alle Betriebe sind in der Hand der Arbeiterinnen und Arbeiter und es gibt keine Hierarchien unter den Menschen. Trinkgeld ist in der gesamten Stadt verpönt, da alle Menschen über dasselbe verfügen und es deshalb nicht nötig ist.

Auch Formen der Anrede, die zuvor gegenüber Höhergestellten verwendet wurde, sind in Barcelona nun abgeschafft worden. Zwar ist Orwell auch entsetzt über die Ausrüstung, wie die fehlenden oder veralteten Gewehre, aber er zeigt sich hauptsächlich optimistisch. Er beschreibt, dass in der Miliz hauptsächlich junge Menschen kämpfen, die die Tragweite eines Krieges nicht verstehen. Trotzdem glaubt er, dass die Klassengesellschaft hier überwunden wurde.

Im Januar 1937 kommt Orwell mit seiner Einheit in die Provinz Alcubierre. Er erhält ein extrem veraltetes und kaum funktionstüchtiges Gewehr. Die Soldaten müssen im Gebirge in der Winterkälte und mit Versorgungsknappheiten auskommen. Der größte Feind ist laut Orwell die Langeweile. Er ist aber begeistert vom Aufbau des katalanischen Militärs, in dem alle gleichgestellt sind und es keine Befehlshaber gibt.

Die Unterschiede in der Linken

Nach ungefähr drei Wochen in dem Gebirge, schließt sich Orwell zusammen mit einem anderen Engländer einer militärischen Gruppe an, die von der ILP (Independent Labour Party) gesendet wurde. Sie werden an eine Station im Monte Oscuro, einen Berg in Spanien, versetzt. Dort hört George Orwell zum ersten Mal von unterschiedlichen Zielen der verschiedenen linken Parteien.

Die ILP (Independent Labour Party) war eine linke Arbeiterpartei in England. Sie wurde 1893 gegründet und existierte bis 1975. Die Mitglieder sind zum Großteil in die einflussreichere Labour Party eingetreten.

Es gehen Gerüchte um, dass Malaga von den Putschisten eingenommen wurde, weil einige Linke die anderen Parteien verraten hätten. Orwell beschreibt, dass auf den Straßen die verschiedenen Parteien ihre Propaganda schreien, die sich mit dem Fall von Malaga beschäftigen.

Als Propaganda bezeichnet man die Verbreitung von weltanschaulichem und ideologischem Gedankengut, die darauf abzielt, die Menschen in einer gewissen Weise zu erziehen. Medien werden in autoritären Staaten meist dazu verwendet, die Regierung und den eigenen Staat als besser darzustellen, als andere Länder und Systeme.

Daraufhin wird Orwell von der POUM wieder versetzt und kommt diesmal nach Huesca. Dort wird er wieder von einer lähmenden Langeweile ergriffen, da es kaum zu Kampfhandlungen kommt. Die Kämpfenden sind die meiste Zeit zum Warten in der Kälte gezwungen. Außerdem kommt es mit dem beginnenden Frühling zur Verbreitung von Krankheiten. Nach einer Handverletzung entzündet sich seine Hand und der Autor muss für zehn Tage in ein Krankenhaus gehen, in dem es Ratten gibt, die er als ebenso groß wie Katzen beschreibt.

Kampfhandlungen

Nach seinem Krankenhausaufenthalt kämpft Orwell für einige Zeit an der Front. Er kann nur schwer mit der Tatsache leben, dass durch die von ihm geworfenen Granaten wahrscheinlich Menschen zu Tode gekommen sind. Allerdings kann er nicht nachverfolgen, was tatsächlich passiert ist. Zur selben Zeit denkt er über die Religiosität in Katalonien nach.

Die katholische Kirche verfügt traditionell über viel Macht in den Gebieten. In Katalonien, so Orwell, wurde der christliche Glaube, zumindest zu einem großen Teil, durch den Glauben an den Anarchismus ersetzt. Im Folgenden vergleicht er auch das gesellschaftliche Klima in den sozialistisch geführten Gebieten mit dem kapitalistischen England, seiner Heimat. Er glaubt, dass die Klassengesellschaft in Katalonien abgeschafft wurde und beschreibt, dass er durch seine Zeit dort zu einem überzeugten demokratischen Sozialisten geworden wäre.

Barcelona

Am 26. April 1937 kehrt George Orwell wieder zurück nach Barcelona und sagt, dass seine Schwierigkeiten dort begannen. Die Stadt hat sich seit seinem letzten Aufenthalt drastisch verändert. Die Atmosphäre einer klassenlosen Gesellschaft ist nicht mehr erkennbar, es gibt wieder Hierarchien, wenige reiche und viele arme Menschen.

Es gibt Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Parteien, wobei die anarchistischen Parteien für eine Weiterführung der Revolution sind und die kommunistischen Parteien nicht. Die Kommunisten werden durch die stalinistische Sowjetunion unterstützt und treten deshalb für eine gesellschaftliche Ordnung nach sowjetischem Vorbild ein.

Orwell denkt darüber nach, sich den Anarchisten anzuschließen. Allerdings hat er den Plan in Madrid zu kämpfen, um an der Einnahme der Hauptstadt Spaniens beteiligt zu sein. Deshalb schließt er sich der Internationalen Brigade an. Daraufhin beschreibt er brutale Straßenkämpfe zwischen den republikanischen Parteien, die später als "Die Maiereignisse von Barcelona" bezeichnet werden würden. Innerhalb dieser Kämpfe kam es immer wieder zur Bezeichnung der POUM als trotzkistisch und zu anderen Diffamierungen.

Als Trotzkismus bezeichnet man die Auslegungen der Schriften von Marx und Engels durch den sowjetischen Politiker Lew Trotzki. Er wurde in der von Josef Stalin geführten Sowjetunion als Verräter gebrandmarkt und letztendlich im Exil ermordet.

Orwell beteiligt sich auch selbst an den Straßenkämpfen, wobei er sich aber enttäuscht von dieser allgemeinen Entwicklung zeigt. Er beschreibt, dass seine großen politischen Ziele, wegen derer er nach Spanien gegangen war, durch solche Kämpfe untergraben würden. George Orwell fällt auf, dass die von der Sowjetunion unterstützte Gegenseite über moderne Gewehre verfügt, die nicht vergleichbar sind, mit denen, die an der eigentlichen Front verwendet werden.

Enttäuschung und Verletzung

George Orwell beginnt, seinen Glauben daran zu verlieren, dass nach dem Bürgerkrieg eine linke Regierung eingesetzt werden würde. Er kehrt an die Front zurück, wo er nach nur kurzer Zeit einen Schuss durch den Hals erleidet. Zunächst verbringt er einige Tage in einem Krankenhaus und wird daraufhin verlegt. Erst eine Woche nach der Verletzung wird seine Wunde eingehend untersucht.

Wieder in Barcelona erfährt er die größte Enttäuschung des Krieges. Die POUM hat die Auseinandersetzungen verloren und ist in der Stadt offiziell verboten. Mitglieder der POUM werden von Mitgliedern der PSC verhaftet und teilweise umgehend umgebracht. Er übernachtet in den Ruinen einer Kirche, da er in seinem Hotel verhaftet werden könnte.

Er besucht vor seiner Abreise Kopp, einen Kämpfer der ILP, der mittlerweile in einem provisorischen Gefängnis festgehalten wird. Orwell versucht alles, um ihn befreien zu können, allerdings bleiben seine Bemühungen erfolglos. Schließlich entscheidet er sich, Spanien zu verlassen. Er flieht über die Front und die Pyrenäen nach Frankreich und reist von dort zurück nach England.

"Mein Katalonien" – Analyse von Aufbau und Sprache

"Mein Katalonien" von George Orwell ist eine Reportage und folgt so den Erfahrungen, die der Autor persönlich während des spanischen Bürgerkrieges gemacht hat. Der Aufbau entspricht dadurch dem Kriegsverlauf, aber besonders den persönlichen Stationen Orwells. Die Sprache in "Mein Katalonien" ist lakonisch und von vielen Metaphern beeinflusst.

Als lakonisch wird eine Art der Beschreibung bezeichnet, die ohne viele Ausschmückungen auskommt und oft über einen trockenen Humor verfügt.

Aufbau

"Mein Katalonien" folgt in seinem Aufbau der persönlichen Entwicklung George Orwells während des spanischen Bürgerkrieges. Der Autor hat sich als überzeugter Sozialist der POUM-Partei angeschlossen, da er die Demokratie vor dem Faschismus bewahren wollte. Schon bald kollidieren aber seine Vorstellungen von dem Bürgerkrieg mit der Realität.

Zuerst ist es die Langeweile, die er an der Front erfährt. Außerdem leiden die Kämpferinnen und Kämpfer unter der Kälte des Winters und Versorgungsengpässen. Der Krieg ist zunächst nicht so heroisch, wie ihn Orwell sich vorgestellt hatte. Trotzdem glaubt er noch, dass Gut und Böse klar verteilt sind und er mit allen andere republikanischen Gruppen gemeinsam gegen den Faschismus kämpft.

Später bemerkt er erst die ideologischen Unterschiede zwischen den anarchistischen und den kommunistischen Bewegungen. Als die Straßenkämpfe ausbrechen und er von der Propaganda erfährt, wird ihm das Ausmaß dieser Streitigkeiten bewusst. Die Parteien, die von der Sowjetunion unterstützt werden, wehren sich nicht nur gegen eine Fortführung der Revolution, sondern unter ihrer Herrschaft wird auch das Klassensystem wieder eingeführt.

Die Enttäuschung darüber erreicht ihren Höhepunkt, als sich George Orwell vor den kommunistischen Herrschern in Barcelona verstecken muss, weil auch er Gefahr läuft, verhaftet und getötet zu werden. Die Reportage "Mein Katalonien" begleitet den Prozess, in dem Orwell realisiert, dass Propaganda und autoritäre Herrschaft auch von linken Parteien ausgehen können. Andererseits erkennt er auch die gesellschaftliche Wichtigkeit eines wirklich demokratischen Sozialismus.

Als autoritär bezeichnet wird eine Form der Herrschaft bezeichnet, die den unbedingten Gehorsam der Untergebenen fordert. Eine liberale Regierungsform bedeutet hingegen, dass die Freiheit des Einzelnen im Mittelpunkt steht und jeder in einem gewissen Maße über sich selbst bestimmen kann.

Sprache

Die Sprache in "Mein Katalonien" von George Orwell ist von den subjektiven Eindrücken des Schriftstellers geprägt. Er stellt den Krieg aus seiner Perspektive aus dar, die er immer wieder erklärt und die sich über das Buch hinweg auch entwickelt. Sein Stil ist dabei häufig humorvoll und lakonisch, auch wenn er die Schrecken beschreibt, die sich während der Schlachten zutragen.

Außerdem ist Orwells Stil von einer bildlichen Sprache und der Verwendung von vielen Vergleichen und Metaphern geprägt. So macht er den Lesenden die Eindrücke deutlich, die der Krieg auf einen Einzelnen haben kann. Im folgenden Zitat wird dies besonders deutlich:

"Es" – das Gefecht in den Straßen – wurde jetzt wie eine Naturgewalt betrachtet, wie ein Hurrikan oder ein Erdbeben, von dem alle gleichzeitig betroffen wurden und das aufzuhalten niemand von uns die Kräfte besaß.1

Der Vergleich der Straßenkämpfe mit einer Naturkatastrophe stellt die Unmittelbarkeit des Gefechtes heraus und auch die Unausweichlichkeit für alle Betroffenen. Einem Hurrikan oder einem Erdbeben ist es kaum möglich zu entkommen. Diese Erfahrung hat Orwell mit den Kämpfen in Barcelona gemacht.

George Orwell nutzt auch sein eigenes Bild des Krieges, das er hatte, bevor er sich der Miliz angeschlossen hat. Er vergleicht dieses mit der Realität, die er in Spanien vorfindet. So können sich die Lesenden mit ihm identifizieren. Er kritisiert die Berichterstattung im europäischen Ausland dafür, dass sie den Bürgerkrieg sehr einseitig darstelle. Deshalb versucht er diesem weitverbreiteten Bild einen genaueren Eindruck entgegenzusetzen.

Statt heroisch zu sein, musste man auf seinem Posten bleiben, voller Langeweile, vor Schlaf umfallend und vollständig desinteressiert daran, worum es eigentlich ging.1

Er setzt dem Bild des heroischen Kämpfers in diesem Zitat die Worte "Langeweile", "Schlaf" und "Desinteresse" entgegen, die illustrieren, was die Realität eines Krieges mit einem Menschen macht.

George Orwell – "Mein Katalonien"

Es handelt sich bei "Mein Katalonien" von George Orwell um eine Reportage. Der journalistische Text ist aber für viele folgende Werke Orwells entscheidend, wie auch für Orwells politische Entstellung prägend. Auch die Bezeichnung "orwellsch" geht auf die Beschreibung des Verhältnisses zwischen kommunistischen und anarchistischen Parteien zurück.

Orwellsch ist eine Bezeichnung für literarische Werke, die dem Stil von George Orwell entsprechend, aufzeigen, wie eine Herrschaft nach einer Revolution zu einer totalen Diktatur werden kann. Dies hat Orwell in seinen beiden berühmtesten Werken "Farm der Tiere" und "1984" beschrieben.

Eine totalitäre Diktatur ist eine Staatsform, von der alle Bereich des Lebens betroffen sind. Häufig steht sie im Kontext des Zieles, den "neuen Menschen" zu erschaffen und beeinflusst deshalb die Erziehung von Kindern, das Arbeitsleben der Menschen und das Familienleben, um das Denken und Handeln aller Menschen zu verändern. In totalitären Diktaturen werden Menschen, die entgegen den Vorstellungen des oder der Machthaber handeln, meist verbannt, inhaftiert oder getötet.

Die Kritik, die Orwell am Totalitarismus übt, ist das wahrscheinlich wichtigste Merkmal seines Gesamtwerkes. Sie bezieht sich dabei besonders auf den Totalitarismus, der aus einer linken Revolution entstanden ist, dementsprechend vor allem dem Stalinismus.

Die zuvor linken Ideale, die eigentlich auf die Abschaffung von ungerechten Besitzverhältnissen und Herrschaftsstrukturen basierten, wurden während der Herrschaft Stalins für die Errichtung einer Diktatur verwendet. Angesichts dessen stellte sich George Orwell gegen die Kriegsparteien, die von der stalinistischen Sowjetunion unterstützt wurden.

Er sympathisierte mit den anarchistischen Gruppen und denjenigen kommunistischen Gruppen, die sich klar gegen die Sowjetunion stellten. Dadurch wurde auch er zu einem späteren Zeitpunkt des Krieges verfolgt. Er bleibt zwar überzeugter demokratischer Sozialist, allerdings schätzte er die Gefahr, die von linken Ideologien ausgehen kann, neu ein, wie in dem folgenden Zitat deutlich wird:

Als eine der traurigsten Wirkungen dieses Krieges erkannte ich, dass die Presse der Linken bis ins Kleinste genauso falsch und unehrlich ist wie die der Rechten.1

Dabei vergisst er aber nicht die erste Zeit des Bürgerkrieges, die er in Barcelona erlebt hat. In dieser Zeit, in der die Enteignungen geglückt und die Klassen innerhalb der Stadt abgeschafft waren, fand sich Orwell in einer fast idealen Gesellschaft wieder, wie er in dem folgenden Zitat beschreibt.

Man hatte in einer Gemeinschaft gelebt, in der die Hoffnung normaler war als die Gleichgültigkeit oder der Zynismus, wo das Wort Kamerad für Kameradschaft stand und nicht, wie in den meisten Ländern, für Schwindel.1

"Mein Katalonien" von George Orwell war zwar zunächst sehr erfolglos, allerdings nahm die Nachfrage nach dem Buch später erheblich zu. Nachdem Orwell mit "Farm der Tiere" und "1984" zu großer Berühmtheit gelangt war, wurde "Mein Katalonien" häufig als ein Schlüsseltext zum Verständnis orwellscher Literatur gesehen.

George Orwell

George Orwell, der eigentlich Eric Arthur Blair hieß, wurde 1903 in Motihari in Britisch-Indien geboren und starb 1950 in London. Er war ein englischer Schriftsteller und Journalist. Er wuchs mit seiner Mutter in England auf, während sein Vater als Kolonialbeamter in Indien arbeitete. Im Alter von 12 Jahren wechselte Blair auf die Eliteschule Eton, die er 1921 abschloss.

Nach seinem Schulabschluss machte er eine Ausbildung zum Polizisten im indischen Burma. 1927 gab er den Beruf wieder auf und wurde freier Journalist. Er zog nach Paris, wo er sich nach einiger Zeit nur noch als Tellerwäscher über Wasser halten konnte. Nach wenigen Jahren kehrte er schließlich zurück nach England, wo er die Texte, die er in Frankreich verfasst hatte, veröffentlichte. Dafür verwendete er erstmals das Pseudonym "George Orwell".

Nachdem er im spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte, arbeitete er während des Zweiten Weltkrieges wieder als Journalist in England. 1945 erschien die Satire "Farm der Tiere", die seinen Durchbruch als Schriftsteller bedeutete. Blair zog bald auf die Insel Jura zurück, auf der er allein mit seinem Sohn lebte. Er erkrankte schwer an Tuberkulose und verfasste das Manuskript für "1984", seinem größten Erfolg, in seinem Krankenbett. 1948 vervollständigte er den Roman und verstarb nur zwei Jahre später im Alter von 56 Jahren.

Orwell war selbst Sozialist, allerdings kritisierte er die kommunistische Partei in England scharf, da diese sich mit der Sowjetunion solidarisierte. "Farm der Tiere" ist dadurch ein Werk, das zwar mit der Sowjetunion abrechnet, allerdings nicht mit den prinzipiellen Idealen des Sozialismus.

Mein Katalonien – Das Wichtigste

  • "Mein Katalonien" ist eine Reportage des Schriftstellers George Orwell und 1938 unter dem englischen Originaltitel "Homage to Catalonia" erschienen.
  • Die Reportage beschreibt Orwells Zeit im spanischen Bürgerkrieg, in dem er für eine kommunistische Miliz gekämpft hat. Das Zentrum der Beobachtungen bilden aber die Kämpfe, die sich nach den ersten Monaten des Krieges zwischen sowjetisch unterstützten, linken Parteien und Gruppierungen, die sich gegen die Sowjetunion stellten.
  • "Mein Katalonien" ist ein subjektiver Bericht, der die Erfahrungen des Autors und die Veränderung seines Weltbildes darstellt.
  • Die Sprache in "Mein Katalonien" lakonisch und humorvoll, obwohl die beschriebenen Begebenheiten oft tragisch sind. Orwell beschreibt die Geschehnisse mit einer bildlichen Sprache und verwendet viele Vergleiche und Metaphern.
  • Die Erlebnisse, die George Orwell in "Mein Katalonien" beschreibt, bilden die Grundlage für seine spätere Kritik an der stalinistischen Diktatur in der Sowjetunion. Die Entwicklung einer linken Revolution zu einer totalitären Diktatur ist auch das Thema von Orwells berühmtesten Werken "Farm der Tiere" und "1984".

Nachweise

  1. George Orwell (2000). Mein Katalonien: Bericht über den spanischen Bürgerkrieg. Diogenes.
  2. Inhaltsangabe.de: Mein Katalonien. 19.08.2022.
  3. Peter Davison (2001). Orwell in Spain. Penguin Books.
  4. Michael Sheldon (1991). Orwell: The authorised biography. Heinemann.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Mein Katalonien

Die Reportage "Mein Katalonien" wurde von George Orwell geschrieben. 

Der fette Russe ist russischer Spion in Spanien. 

"Mein Katalonien" ist eine Reportage über die Erlebnisse, die George Orwell während des spanischen Bürgerkrieges als Teil einer linken Miliz gemacht hat. 

George Orwell war ca. ein halbes Jahr Teil der POUM Miliz im spanischen Bürgerkrieg und hat in dieser Zeit auf der Seite der Republikaner gekämpft. 

Finales Mein Katalonien Quiz

Frage

Wer hat die Reportage "Mein Katalonien" verfasst?

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Antwort

George Orwell

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Frage

Wann ist "Mein Katalonien" erschienen?

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Antwort

1938

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Frage

Von welchem politischen Ereignis handelt "Mein Katalonien"?

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Antwort

Dem spanischen Bürgerkrieg

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Frage

Warum war George Orwell zunächst nach Spanien gegangen?

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Antwort

George Orwell ging zuerst als Journalist nach Spanien, um über den Bürgerkrieg zu schreiben, schloss sich aber schnell einer Miliz an.

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Frage

In der Wahl vor dem Bürgerkrieg bekam ein Bündnis aus linken und liberalen Parteien die Mehrheit, wodurch es zum Putsch durch ________, ____________ und __________ Militärs kam.

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Antwort

In der Wahl vor dem Bügerkrieg bekam ein Bündnis aus linken und liberalen Parteien die Mehrheit, wodurch es zum Putsch durch konservative, monarchistische und faschistische Militärs kam.

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Frage

Die faschistischen Putschisten bekamen aus zwei weiteren, zur damaligen Zeit faschistisch geführten Staaten Unterstützung. Welche Staaten waren das?

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Antwort

Die Putschisten bekamen Unterstützung aus dem von Mussolini geführten, faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland.

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Frage

George Orwell beschreibt, dass er zu Beginn des Bürgerkrieges eine fast ideale sozialistische Gesellschaft erlebt hat. In welcher Stadt hat er dies wahrgenommen?

Antwort anzeigen

Antwort

Die klassenlose Gesellschaft hat er für einen kurzen Zeitraum in Barcelona erlebt. 

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Frage

In Barcelona kam es zu Straßenschlachten zwischen verschiedenen linken Bewegungen. Welche linken Ideologien standen sich dabei vor allem gegenüber?

Antwort anzeigen

Antwort

Die Straßenschlachten fanden vor allem zwischen kommunistischen Gruppierungen statt, die von der Sowjetunion unterstützt wurden und anarchistischen Gruppierungen, die die Revolution fortsetzen wollten. 

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Frage

Womit kämpfte Orwell an der Front besonders?

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Antwort

Er kämpfte mit der Langeweile, der Kälte, Versorgungsknappheiten und schlechter Ausrüstung.

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Frage

Wegen welcher Verletzung muss George Orwell letztendlich Spanien verlassen?

Antwort anzeigen

Antwort

Er verlässt Spanien, wegen einer Schusswunde an seinem Hals.

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Frage

Was wird mit dem Adjektiv "orwellsch" beschrieben?

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Antwort

Orwellsch ist eine Bezeichnung für literarische Werke, die dem Stil von George Orwell entsprechend, illustrieren, wie eine Herrschaft nach einer Revolution zu einer totalen Diktatur werden kann.

Frage anzeigen

Frage

Von welcher Partei und Miliz war Orwell Mitglied? 

Antwort anzeigen

Antwort

Orwell war Mitglied der sozialistischen POUM-Partei, die aber nicht von der Sowjetunion unterstützt wurde. 

Frage anzeigen

Frage

Die Entwicklung einer linken Revolution zu einer totalitären Diktatur ist auch das Thema von zwei anderen Werken George Orwells. Welche Werke sind das?

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Antwort

Die Entwicklung einer linken Revolution zu einer totalitären Diktatur ist auch das Thema von Orwells berühmtesten Werken "Farm der Tiere" und "1984".

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