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Der Junge im gestreiften Pyjama

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Der Junge im gestreiften Pyjama

Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun. Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt.1

Stell Dir vor, dass Dein Leben davon abhängt, auf welcher Seite dieses Zauns Du stehst. Deine Position ist nicht frei wählbar, sondern hängt von der Willkür einer radikalen Staatsregierung ab, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens und ihres Aussehens kategorisiert. Wer nicht ihrem Ideal nicht entspricht, wird misshandelt, ausgebeutet und eingesperrt.

Was nach der Handlung eines düsteren Gesellschaftsszenarios klingt, war während des Zweiten Weltkriegs der Alltag für viele unschuldige Menschen. John Boynes fiktiver Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" orientiert sich an den historischen Ereignissen des Dritten Reichs und begleitet den neunjährigen Bruno, der sich mit dem jüdischen Gefangenen Schmuel anfreundet.

Fiktiv bedeutet, dass die Handlung des Romans erfunden ist. Die historischen Rahmenbedingungen der Erzählung entsprechen allerdings der Realität.

Das Dritte Reich ist eine Bezeichnung für das nationalsozialistisch regierte Deutschland während des Zweiten Weltkriegs.

Historischer Kontext zu "Der Junge im gestreiften Pyjama"

Weil "Der Junge im gestreiften Pyjama" auf den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs basiert, ist es wichtig, sich vorab mit ein paar Begriffen vertraut zu machen. Der Roman begleitet Bruno, der die damalige Politik sehr naiv und unwissend betrachtet. Um der Handlung folgen zu können, wird vom Lesenden historisches Vorwissen gefordert.

Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus beschreibt eine extrem rassistische und radikale politische Bewegung, die von Adolf Hitler ein- und angeführt wurde. Ziel war es, Deutschland von politischen Gegnern zu befreien und die Bevölkerung in einem ausgeklügelten und allumfassenden Prozess vom NS-Regime und seinen Vorhaben zu überzeugen. Im Zuge dessen brach 1939 der Zweite Weltkrieg aus. Der heute als dunkelstes Kapitel der deutschen Geschichte bezeichnete Krieg endete 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.

Antisemitismus und Holocaust

Als Antisemitismus wird der Hass gegen Juden bezeichnet, der im frühen Mittelalter seinen Ursprung fand. Der Holocaust steht für die daraus resultierte Judenverfolgung während des Zweiten Weltkriegs. Hitler verfolgte das Ziel, Juden systematisch auszulöschen und überzeugte sein Volk Schritt für Schritt davon, dass Juden die Feinde in der Mitte der Deutschen seien.

Die Ausgrenzung der Juden wurde mit Hitlers Rassenlehre begründet, die Juden im Gegensatz zur sogenannten "deutschen Rasse" als eine schwache Volksgruppe abwertete. Dieser Fantasie lagen jedoch ausschließlich menschenrechtsverletzende und diskriminierende Begründungen zugrunde, weshalb sie keinerlei Geltung hat.

Zunächst wurden Juden von der Gesellschaft abgegrenzt, in dem sie eine Armbinde mit dem Judenstern tragen mussten. In weiteren Schritten mussten sie in schlecht ausgebaute und menschenunwürdige Gettos ziehen, schließlich wurden sie in Konzentrations- und Arbeitslager deportiert.

Konzentrationslager

Konzentrationslager ist ein Überbegriff für die zahlreichen Arbeits- und Vernichtungslager, die das NS-Regime dazu nutze, um Juden einzusperren, auszubeuten und umzubringen. Bewacht und schikaniert von bewaffneten Soldaten mussten Gefangene ihre gesamten Besitztümer sowie ihre Menschenrechte abgeben.

Nicht nur Juden wurden festgenommen, auch politisch Andersdenkende, geistig und körperlich Behinderte sowie Straftäter.

Gewalttaten, Krankheiten und Hunger standen auf der Tagesordnung. Der Aufenthalt in Konzentrationslagern gipfelte meist in der sogenannten "Desinfektion". Die Häftlinge wurden in Gaskammern gelotst, in denen sie durch hineinströmendes Gas getötet wurden. Das größte Konzentrationslager befand sich in der polnischen Stadt Auschwitz. In diesem Vernichtungslager wurden allein über eine Million Menschen umgebracht.

Menschen in Gefangenenlagern trugen Sträflingskleidung, die blau-weiß gestreift war.

Inhaltszusammenfassung "Der Junge im gestreiften Pyjama"

Vorherrschende Settings des Romans sind Berlin und Auschwitz in den 1940er-Jahren.

Neues Zuhause

Das Buch beginnt, als Brunos Familie ihr großes Haus in Berlin verlassen muss, weil Brunos Vater dienstlich versetzt wurde. Bruno weiß nicht genau, was sein Vater arbeitet. Er kann sich aber daran erinnern, dass Adolf Hitler vor Kurzem zu Besuch war und mit seinem Vater über eine mögliche Versetzung gesprochen hatte.

Brunos neues Haus ist nicht annähernd so schön wie sein altes und wirkt sehr kalt auf ihn. Ebenso unzufrieden ist Bruno mit der Gegend, in der das Haus liegt: Sie ist trostlos und dreckig. Seine große Schwester Gretel fühlt sich auch nicht wohl. Sie erklärt Bruno, dass ihr neuer Wohnort Auschwitz heißt und sie angeblich nur einige Wochen bleiben müssen.

Als die Geschwister aus dem Fenster von Brunos Zimmer schauen, erkennen sie einen Garten, der von einem hohen Stacheldrahtzaun abgegrenzt wird. Hinter dem Zaun stehen Baracken, zwischen denen Männer und Kinder in gestreifter Sträflingskleidung von Soldaten bewacht werden. Bruno hält die gestreiften Kleider für Pyjamas.

Baracken sind Holzhütten, die nur eine Etage haben.

Bruno ist neugierig

Brunos Vater verlangt von seinem Sohn absoluten Gehorsam und erzählt ihm, dass seine Arbeit sehr wichtig für sein Land sei. Tiefgehenderen Fragen über den Stacheldrahtzaun weicht er aus, sodass Bruno sich an das Dienstmädchen Maria wendet. Aus Angst vor der Wahrheit fordert diese Bruno dazu auf, seine Neugier zu vergessen und sich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Oberleutnant Kotler ist zu Besuch und flirtet mit der jungen Gretel, die sich geschmeichelt fühlt. Bruno beschließt währenddessen seinem Lieblingshobby nachzugehen und beginnt die Gegend zu erforschen. Am Stacheldrahtzaun angekommen sieht er auf der anderen Seite des Zauns einen Jungen in seinem Alter, der verwahrlost aussieht und auf dem Boden hockt. Auch er trägt einen blau-weiß gestreiften Pyjama.

Bruno erfährt, dass der Junge Schmuel heißt und dass die beiden am selben Tag Geburtstag haben. Schmuel kommt aus Polen und ist Sohn eines Uhrmachers aus Krakau. Er berichtet Bruno davon, wie sich sein Leben in letzter Zeit verändert hat. Zuerst musste er eine Armbinde mit dem Judenstern tragen, dann wurden er und seine Familie in ein Getto abgeschoben. Schließlich wurden sie in dieses Lager geführt. Bruno identifiziert sich mit Schmuel, weil beide in den letzten Wochen umziehen mussten und nun Heimweh haben.

Bruno und Schmuel

Bruno und Schmuel treffen sich nun fast jeden Tag am Zaun und werden Freunde. Schmuels Sorgen und Ängste, die sich auf die Geschehnisse im Lager beziehen, kann Bruno nicht nachvollziehen. Er sieht das Konzentrationslager als Feriencamp an. Bruno versucht dem abgemagerten Schmuel Essen mitzubringen, was er aber meist schon auf dem Weg zum Zaun selbst isst.

Eines Tages ist Oberleutnant Kotler zum Abendessen eingeladen. Die Stimmung ist angespannt und als die polnische Küchenhilfe Pawel etwas Wein verschüttet, erschlägt Kotler sie vor den Augen der Familie.

Die nächsten Tage sind von starkem Regen geprägt, weshalb Bruno nicht zum Zaun gehen kann. Als Schmuel plötzlich in Brunos Küche steht, ist Bruno überglücklich. Im Zuge einer Geburtstagsfeier für Brunos Vater wurde Schmuel als Küchenhilfe beauftragt. Die beiden Jungen reden aufgeregt miteinander, was Oberleutnant Kotler mitbekommt. Schockiert fragt er Bruno, woher er den jüdischen Jungen kennt. Aus Angst vor Kotler leugnet Bruno, dass er Schmuel kennt und rennt aus der Küche.

Eine Woche später treffen sich Bruno und Schmuel am Zaun. Schmuel ist schwer verletzt, weil er von Kotler misshandelt wurde und Bruno entschuldigt sich für seinen Verrat. Schmuel verzeiht ihm.

Letzte Erforschung

Mittlerweile leben Bruno und seine Familie über ein Jahr in Auschwitz. Gretel informiert Bruno darüber, dass Juden in dem Lager hinter dem Zaun wohnen, worauf Bruno überrascht reagiert.

Später bekommt Bruno mit, wie sich seine Eltern streiten. Schließlich erlaubt Brunos Vater seiner Frau, mit ihren Kindern zurück nach Berlin zu ziehen. Bruno möchte sich vorher von Schmuel verabschieden und geht zum Zaun. Dort erzählt Schmuel ihm, dass er seinen Vater nicht mehr finden kann und die beiden Freunde planen, anlässlich Brunos Abschied einen Forschungsversuch zu starten und Schmuels Vater zu finden.

Bruno zieht sich die Sträflingskleidung an, die Schmuel ihm mitgebracht hatte. Motiviert schlüpft er unter einem Loch des Zauns hindurch und macht sich auf die Suche nach Schmuels Vater. Als Bruno sieht, wie verdreckt das Lager und die Baracken aussehen, bekommt er Angst und möchte gehen, doch die Soldaten treiben inzwischen alle Juden zusammen, um sie zu "desinfizieren". Schmuel nimmt Brunos Hand, während die beiden Jungen in die "Duschkabine“ geführt werden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um eine Gaskammer handelt ­­­­­­­­­­­– Bruno und Schmuel sterben.

Weil Bruno nicht mehr nach Hause zurückkehrt, machen sich seine Eltern Sorgen. Als sie seine Kleidung am Rand des Zauns sehen, geht Brunos Vater vom Schlimmsten aus. Er gibt sich selbst die Schuld und zerbricht innerlich am Tod seines Sohns. Trotzdem bleibt er in Auschwitz, bis das Lager von der russischen Armee befreit wird.

Charakterisierung der wichtigsten Figuren aus "Der Junge im gestreiften Pyjama"

Die Figuren des Romans erhalten durch unterschiedliche Charaktereigenschaften eine individuelle Persönlichkeit.

Bruno

  • wurde am 15. April 1934 geboren.
  • ist zu Beginn der Geschichte neun Jahre alt und lebt in Berlin.
  • zieht mit seiner Familie nach Auschwitz.
  • ist sensibel und wohlerzogen.
  • liebt es, Dinge zu erforschen und ist neugierig.
  • hat ein warmes, offenes Verhältnis zu seiner Mutter.
  • empfindet Stolz für seinen Vater und idealisiert ihn.
  • kann seine Schwester Gretel nicht leiden, weil sie sehr pubertär ist.
  • fühlt sich in Auschwitz oft einsam und vermisst seine Heimat und Freunde.
  • ist sehr kindlich und naiv.
  • versteht nicht, was das Lager hinter dem Stacheldrahtzaun zu bedeuten hat.
  • ahnt nicht, dass Schmuel in Lebensgefahr schwebt.
  • betrachtet den Ausflug ins Lager als Abenteuer.

Schmuel

  • wurde auch am 15. April 1934 geboren und ist auch neun Jahre alt.
  • ist der Sohn einer Lehrerin und eines jüdischen Uhrmachers.
  • kommt aus dem polnischen Krakau, was er zwangsweise verlassen musst.
  • leidet im Konzentrationslager stark unter der Trennung von seiner Mutter.
  • hungert und hat Angst vor den brutalen Soldaten.
  • verliert später auch seinen Großvater und Vater.
  • riskiert jeden Tag an den Zaun zu schleichen, weil er Trost in der Freundschaft mit Bruno findet.
  • zeigt ebenfalls kindliche Naivität, weil er Bruno mit ins Lager nimmt.

Gretel

  • ist zu Beginn der Geschichte zwölf Jahre alt.
  • ist Brunos große Schwester.
  • ärgert Bruno und provoziert ständig Streit mit ihm.
  • wirkt arrogant und egoistisch.
  • beginnt mit Oberleutnat Kotler zu flirten.
  • versucht Erwachsen zu wirken und scheint die Wahrheit über das Konzentrationslager zu kennen, was sie ihrem Bruder allerdings verschweigt.

Brunos Vaters

  • ist Lagerkommandant von Auschwitz und genießt hohes Ansehen bei Adolf Hitler.
  • verhält sich streng und autoritär gegenüber seiner Frau und Kinder.
  • nimmt nicht am Familienleben teil und steht abseits.
  • ist von seiner Arbeit absolut überzeugt und hält sie für sehr wichtig.
  • wird von seiner Familie respektiert und verteidigt.
  • zeigt Einsicht, als seine Frau wieder zurück nach Berlin ziehen will.
  • zerbricht am Tod seines Sohnes.

Analyse von "Der Junge im gestreiften Pyjama"

Damit es Dir gelingt, Zusammenhänge zwischen Inhalt und Gestaltungsmitteln zu erkennen, lohnt es sich, einen Blick auf den Aufbau, die Erzähltechnik und die Sprache zu werfen.

Aufbau

Der Roman ist in 20 Kapitel eingeteilt, die in ihrem Aufbau an ein Drama erinnern. Das klassische Drama, bestehend aus Exposition, aufsteigender Handlung, Höhepunkt, fallender Handlung und Katastrophe, entspricht in groben Zügen dem Verlauf des Buches.

Wenn Du Dich näher mit dem klassischen Dramenaufbau beschäftigen willst, dann schau gerne in der Erklärung zu "Dramen" vorbei.

ExpositionSteigende HandlungHöhepunktFallende HandlungKatastrophe
In Kapitel Eins bis Acht wird der Leser in die Handlung eingeführt und mit den zentralen Figuren bekannt gemacht. Außerdem findet eine räumliche Orientierung statt. Kapitel Neun bis Zwölf begleiten Bruno auf seiner Erkundungstour durch Auschwitz und beschreiben, wie sich Bruno mit Schmuel anfreundet.Kapitel Dreizehn bis Fünfzehn sind von Kotlers Prügelattacke auf Pawel am Esstisch geprägt sowie dem Aufeinandertreffen von Bruno und Schmuel in der Küche. Das endet darin, dass Bruno seinen Freund verleugnet und Kotler auch ihn brutal zusammenschlägt.Kapitel Sechzehn bis Achtzehn bereiten die Katastrophe vor: Brunos Haar wird geschoren, seine Mutter plant den Umzug nach Berlin und Bruno plant gemeinsam mit Schmuel eine Suchaktion im Lager. Die letzten beiden Kapitel drehen sich um die Vergasung von Schmuel und Bruno sowie das innerliche Zerbrechen der Familie, als sie Bruno nicht mehr finden können.

Autor John Boyne selbst beschreibt seinen Roman als Fabel. Typisch für diese Textsorte sind eigentlich überschaubare Geschichten, die sich auf wenige Zeilen erstrecken. Dieses Merkmal erfüllt Boynes Roman nicht.

Fabeln beinhalten außerdem meist eine Lehre, die entweder konkret genannt wird oder sich aus dem Kontext der Geschichte ergibt. Im übertragenen Sinn können in "Der Junge im gestreiften Pyjama" tatsächlich mehrere Lehren gefunden werden. Im Folgenden findest Du zwei Beispiele:

  • Hätte Brunos Vater nicht über seinen Beruf gelogen, wäre Bruno vermutlich nie ins Konzentrationslager gegangen und würde noch leben. Daraus ergibt sich die Lehre, dass nicht gelogen werden sollte.
  • Schmuel wird gefangen gehalten und für seine Herkunft bestraft, obwohl er genauso wie Bruno ein unschuldiges Kind ist. Weil Brunos Vater kein Problem damit hat, unschuldige (jüdische) Kinder zu töten, wird nun auch sein eigenes vergast – Brunos Vater erlebt das Schicksal, welches durch ihn zahlreiche Häftlinge erfuhren. Die Lehre: Alle Menschen sind gleich und sollten auch gleich behandelt werden.

Um mehr über "Fabeln" zu erfahren, klick Dich gerne in die Erklärung auf StudySmarter!

Erzähltechnik

In Boynes Roman tritt ein auktorialer Er-/Sie-Erzähler auf, der von Beginn bis zum Ende durch die Geschichte führt. Als allwissende Instanz gibt er alle nötigen Grundinformationen zu der Handlung und den Figuren an die Lesenden weiter.

Als auktorialer Erzähler wird eine Erzählinstanz bezeichnet, die allwissend ist und nicht nur auf die Handlung, sondern auch die Gefühle und Gedanken jeder Person zugreifen kann.

Ein Er-/Sie-Erzähler ist ein Erzähler, der über Figuren in der dritten Person Singular (er und sie) berichtet.

Der Fokus des Erzählers liegt stark auf Bruno, der sich im Mittelpunkt der Geschehnisse befindet. So erhalten Lesende einen intensiven Einblick in sein Gefühlsleben und seine Gedankenwelt. Dadurch, dass die Gefühle und Gedanken der anderen Figuren nur wenig aufgegriffen werden, erscheinen sie blass.

Eine weitere Auffälligkeit ist Brunos naives Verhalten und Denken sowie der Einfluss derer auf die Erzählweise. Aufgrund Brunos Naivität werden Wissenslücken erzeugt, die durch das historische Wissen des Lesenden über den Holocaust gefüllt werden. Als Folge dessen liegt eine nicht realistische Darstellung der Judenverfolgung vor.

Bruno wüsste, hätte er wirklich existiert, sehr viel über die Judenfeindlichkeit. Hitlers Herrschaftssystem beruhte darauf, schon in frühen Kindertagen das Feindbild der Juden zu vermitteln und Kinder in der sogenannten "Hitlerjugend" zu jungen Nationalsozialisten zu erziehen.

Sprache

Boyne charakterisiert seine Figuren durch individuelle Sprechweisen. Bruno spricht seinen neuen Wohnort Auschwitz falsch aus und nennt ihn "Aus-Wisch". Auch als seine Eltern und Schwester ihn verbessern, bleibt er bei "Aus-Wisch". Adolf Hitler, den damaligen Führer, bezeichnet Bruno als "Furor". Beide falschen Aussprachen erinnern den Lesenden zum einen daran, dass Bruno noch ein Kind ist und zum anderen daran, dass er nichts von den nationalsozialistischen Machenschaften weiß.

Ein weiteres sprachliches Merkmal, das sich durch die gesamte Erzählung zieht, sind intensive atmosphärische Beschreibungen.

"Wenn er die Augen schloss, fühlte sich alles um ihn herum leer und kalt an, als befände er sich am einsamsten Ort der Welt" 1

Durch Schilderungen wie diese, gelingt es Boyne seiner Leserschaft ein genaues Bild der Umgebung zu vermitteln. Weil sich die Atmosphäre nicht nur auf Räume, sondern auch auf die Stimmung einer Situation bezieht, erhalten Lesende einen tiefgehenden Einblick in die Geschichte. So wird insbesondere die Anspannung beim Abendessen mit Oberleutnant Kotler vermittelt und auch die Angst Brunos, als er die dreckigen Innenräume der Baracken des Lagers sieht.

Nicht nur Situationen, sondern auch die Beschreibung der einzelnen Personen fällt sehr detailliert aus:

Seine Haut war fast grau, aber nicht ganz so wie irgendein Grau, das Bruno je zuvor gesehen hatte. Er hatte sehr große Augen und sie waren die Farbe von Karamellbonbons; das Weiß war sehr weiß, und als der Junge ihn ansah, konnte Bruno nur ein riesiges Paar trauriger Augen sehen, die zurückblickten. 1

Interpretationsansätze zu "Der Junge im gestreiften Pyjama"

Um einen Kontext zwischen Inhalt und Gestaltung des Romans herzustellen, ist es wichtig, sich mit der Interpretation auseinanderzusetzen.

Freundschaft und Grenzüberschreitung

In "Der Junge im gestreiften Pyjama" steht die verbotene Freundschaft zwischen Bruno und Schmuel im Mittelpunkt. Sie scheinen wie Zwillinge, die in zwei völlig unterschiedlichen Welten leben. Es gelingt den beiden, sich mit ihren jeweiligen Situation abzufinden und durch regelmäßige Treffen Normalität zu erleben. Die Gespräche am Zaun machen ihnen Spaß und spenden Trost.

Die Tatsache des gleichen Geburtstages unterstreicht die Gleichheit der beiden Jungen, obwohl sie laut der nationalsozialistischen Ideologie unterschiedlich sind und eigentlich verfeindet sein müssten. Sie überwinden die gesellschaftliche Grenze zwischen Juden und Deutschen und freunden sich an.

Unwissenheit, Unschuld und Naivität

Sowohl durch Bruno als auch durch Schmuel werden Unschuld und Unwissenheit gezeigt.

(Bruno zu Schmuel:) Es ist so unfair. Ich verstehe nicht, warum ich auf dieser Seite des Zauns festsitzen sollte, wo es niemanden zum Reden und niemanden zum Spielen gibt, und man Dutzende von Freunden haben kann und wahrscheinlich jeden Tag stundenlang spielt...1

Besonders an dieser Stelle wird deutlich, dass Bruno den Holocaust in seiner Grausamkeit nicht wahrnimmt und den Ernst der Situation nicht versteht. Bruno verehrt seinen Vater und traut ihm keine bösen Handlungen zu. Auch den Zusammenhang zwischen Schmuels Verletzungen und der Küchensituation mit Kotler kann Bruno nicht herstellen, obwohl er mit eigenen Augen gesehen hat, wie Kotler die Küchenhilfe Pawel erschlagen hat. Selbst die gestreiften Pyjamas kann Bruno nicht als Sträflingskleidung identifizieren, weil er das Konzentrationslager als Feriencamp ansieht.

Bruno ahnt nicht, wie gefährlich seine letzte Forschungsaktion im Lager ist. Damit wird deutlich, dass Bruno sehr naiv und unbesorgt an sämtliche Geschehnisse herantritt und kaum eine Vorstellung von den wahren Ausmaßen des Nationalsozialismus hat.

Über den Autor John Boyne

John Boyne ist ein irischer Romanautor, der vorwiegend im Genre der Kinder- und Jugendliteratur schreibt. Geboren wurde er am 30. April 1971 in Dublin, wo er später auch Englische Literatur studierte.

Mit "The Boy In The Stripped Pyjamas", der auf dem ersten Platz der New-York-Times-Bestenliste stand, hatte Boyne seinen größten Erfolg. Über neun Millionen Exemplare des Romans wurden weltweit verkauft. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung kam 2008 die Verfilmung des Buches mit gleichnamigem Titel in die Kinos.

Der Junge im gestreiften Pyjama - Das Wichtigste

  • "Der Junge im gestreiften Pyjama" wurde 2006 von John Boyne veröffentlicht und begleitet den neunjährigen Bruno zur Zeit des Nationalsozialismus.
  • Die Geschichte dreht sich um Bruno, der mit seiner Familie nach Auschwitz ziehen muss, weil sein Vater dienstlich versetzt wurde. Bruno befreundet sich mit dem inhaftierten jüdischen Schmuel und trifft sich jeden Tag am Zaun des Konzentrationslagers mit ihm. Weil Bruno naiv ist und kein Wissen über die Vorgänge im Lager hat, beschließt er eines Tages unter dem Zaun durchzuschlüpfen und wird daraufhin mit Schmuel vergast.
  • Bruno ist naiv, kindlich und ahnt nichts über die Tätigkeit seines Vaters oder den Holocaust.
  • Schmuel ist verängstigt, weil er als jüdischer Gefangener im Konzentrationslager bleiben muss und leidet unter der Brutalität der Situation.
  • Brunos Vater ist Lagerkommandant von Auschwitz und hinterfragt seine Arbeit erst, als er Bruno verliert.
  • Der Aufbau des Romans erinnert an den klassischen Dramenaufbau. Boyne bezeichnet sein Werk hingegen als Fabel.
  • Sprachlich auffällig sind intensive atmosphärische Beschreibungen und ein auktorialer Er-/Sie-Erzähler, der sich weitestgehend auf Bruno beschränkt.
  • Zentrale Themen des Romans sind Freundschaft, Grenzüberschreitung und Unwissenheit.


Nachweise

  1. John Boyne (2006). Der Junge im gestreiften Pyjama. S. Fischer Verlag GmbH

Häufig gestellte Fragen zum Thema Der Junge im gestreiften Pyjama

Bruno stirbt gemeinsam mit Schmuel, weil er im Konzentrationslager vergast wird.

Die Geschichte ist fiktiv, also nicht wahr. Der Roman ist allerdings von den historischen Rahmenbedingungen des Zweiten Weltkriegs inspiriert.

John Boyne hat den Roman geschrieben, um den Menschen zu lehren, dass gesellschaftliche Grenzen überwunden werden sollten.

Bruno und Schmuel planen, im Lager nach Schmuels Vater zu suchen. Die Aktion endet darin, dass beide Jungen vergast werden. Brunos Eltern finden seine Kleider am Rand des Stacheldrahtzauns und zerbrechen am Tod von Bruno.

Finales Der Junge im gestreiften Pyjama Quiz

Frage

Ist die Geschichte von Bruno, die in "Der Junge im gestreiften Pyjama" erzählt wird, real? 

Antwort anzeigen

Antwort

Ja, der Roman erzählt eine wahre Begebenheit nach.

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Frage

An welchen Merkmalen können Lesende erkennen, dass Bruno nichts vom Holocaust weiß?

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Antwort

  • Bruno verweigert die richtige Aussprache von Auschwitz ("Aus-Wisch") und Führer ("Furor")
  • Bruno vergleicht sich mit Schmuel, weil beide Heimweh haben
  • Bruno hilft Schmuel seinen Vater zu suchen und betritt das Konzentrationslager 
  • ...
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Frage

Warum muss Bruno sein Zuhause in Berlin verlassen?

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Antwort

Brunos Vater wurde zum Lagerkommandanten von Auschwitz ernannt. Aufgrund dessen ist Bruno gezwungen, mit seiner Familie nach Polen zu ziehen. 

Frage anzeigen

Frage

Was verbindet Bruno und Schmuel?

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Antwort

Sie sind beide einsam.

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Frage

Was bewegt Bruno dazu, sich ins Konzentrationslager einzuschleusen?

Antwort anzeigen

Antwort

Er möchte Schmuel dabei helfen, seinen Vater zu finden.

Frage anzeigen

Frage

Ist "Der Junge im gestreiften Pyjama" eine historisch realistische Geschichte? 

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Antwort

Nein, weil Bruno im Alter von neun Jahren definitiv durch die Hitlerjugend über den Judenhass Bescheid gewusst hätte. 

Frage anzeigen

Frage

Wie tritt Brunos Vater auf?

Antwort anzeigen

Antwort

  • autoritär
  • streng
  • befehlerisch 
  • distanziert zum Familienleben
  • zeigt Einsicht im Streit über die Rückkehr nach Berlin
Frage anzeigen

Frage

Warum versteht Bruno die Vorgänge im Lager nicht?


Antwort anzeigen

Antwort

Weil er einen niedrigen IQ hat.

Frage anzeigen

Frage

Was fällt Bruno sofort an Schmuel auf?

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Antwort

abgemagerter Körper

Frage anzeigen

Frage

Welche Aussagen über die stilistische Analyse zu "Der Junge im gestreiften Pyjama" stimmen? 

Antwort anzeigen

Antwort

Es gibt einen auktorialen Ich-Erzähler.

Frage anzeigen

Frage

Welche Themen/Interpretationsansätze passen zu "Der Junge im gestreiften Pyjama"?

Antwort anzeigen

Antwort

Freundschaft

Frage anzeigen

Frage

Vervollständige den Lückentext:


Der Aufbau von "Der Junge im gestreiften Pyjama" erinnert an ein __________ _____. Im Gegensatz dazu beschreibt John Boyne seinen Roman als _____.

Antwort anzeigen

Antwort

Der Aufbau von "Der Junge im gestreiften Pyjama" erinnert an ein klassisches Drama. Im Gegensatz dazu beschreibt John Boyne seinen Roman als Fabel.

Frage anzeigen

Frage

Wer hat diesen Satz gesagt: "Es ist so unfair. Ich verstehe nicht, warum ich auf dieser Seite des Zauns festsitzen sollte, wo es niemanden zum Reden und niemanden zum Spielen gibt, und man Dutzende von Freunden haben kann und wahrscheinlich jeden Tag stundenlang spielt..."

Antwort anzeigen

Antwort

Bruno

Frage anzeigen

Frage

Warum bezeichnet Boyne seinen Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" als Fabel?

Antwort anzeigen

Antwort

Laut ihm soll das Buch eine Moral aufweisen.  

Frage anzeigen

Frage

Wann wurde der Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" veröffentlicht?

Antwort anzeigen

Antwort

2006

Frage anzeigen
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