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Buddenbrooks

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Buddenbrooks

"Buddenbrooks" von Thomas Mann aus dem Jahr 1901 beschreibt den allmählichen Untergang der angesehenen und erfolgreichen Kaufmannsfamilie Buddenbrook aus Lübeck über einen Zeitraum von 1835 bis 1877. Der Roman porträtiert den Verfall von vier Generationen und ist das erfolgreichste und bekannteste Werk des deutschen Literaturnobelpreisträgers.

"Buddenbrooks" – Zusammenfassung

Der Roman beginnt im Oktober 1835 als Johann Buddenbrook, der Inhaber eines erfolgreichen Getreidehandels, eine Feier anlässlich des Umzugs seiner Familie in ein großes neues Anwesen veranstaltet. Im Unternehmen wird er von seinem Sohn Johann, genannt Jean, der das Amt des Honorarkonsuls innehat.

Im Jahr 1846 existierte noch kein deutscher Nationalstaat mit 16 Bundesländern wie heute, sondern der sogenannte Deutsche Bund, der aus 35 Fürstentümern, dem Kaiserreich Österreich und dem Königreich Preußen bestand. Lübeck war zu dieser Zeit eine freie Hansestadt und gehörte zum Fürstentum Lübeck, das Bestandteil des Großherzogtums Oldenburg war.

Ein Konsul ist eine diplomatische Amtsperson, die von einem Staat zur Vertretung seiner Interessen und Wahrung des Handels in einem fremden Land ernannt wird. Das Amt des Honorarkonsul wurde überwiegend ehrenamtlich von Kaufleuten übernommen, da zu den Aufgaben des Amtes die Erleichterung der Handelsbeziehungen gehörten.

Jean Buddenbrook und seine Frau Elisabeth haben drei Kinder: den jüngsten Sohn Christian, die achtjährige Tochter Tony und den neunjährigen Sohn Thomas. Zudem hat Jean einen Halbbruder Gotthold, der eine große Summe an Geld für seinen Erbausgleich verlangt. Gotthold hat nämlich durch seinen Vater überwiegend Ablehnung erfahren, da dieser ihn für den Tod seiner geliebten ersten Frau verantwortlich macht, die bei der Geburt starb. Obwohl die Familie durch den Getreidehandel über ein großes Vermögen verfügt, möchte Jean das Erbe nicht mit dem Kapital der Firma bezahlen.

1838 – Die Erziehung der Kinder

Im April 1838 wird das vierte Kind von Jean und Elisabeth Buddenbrook, Tochter Clara, geboren. Durch die Erziehung der Kinder lässt sich langsam erkennen, wer von ihnen künftig welche Aufgaben in der Familie übernehmen wird.

Der älteste der Geschwister, Thomas, ist fleißig und wird zur Ernsthaftigkeit erzogen, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Sein Bruder Christian macht gerne mit Späßen auf sich aufmerksam und ist oft launisch. Tony genießt den Reichtum und die hohe Stellung der Familie Buddenbrook in der Stadt, weshalb sie auch auf die Tochter der neureichen Familie Hagenström herabblickt und mit ihr konkurriert.

1842 – Der Tod von Jeans Eltern

Die Frau von Johann Buddenbrook Senior stirbt, woraufhin dieser seine Position im Getreidebetrieb an seinen Sohn Konsul Jean Buddenbrook abtritt und sich zurückzieht. Wenige Monate danach verstirbt auch Johann.

Da sich Thomas gut in der Schule macht, wird er in den Betrieb der Familie eingearbeitet. Seine Schwester Tony schlägt mit ihrer Eitelkeit über die Stränge und muss deshalb in ein Mädchenpensionat. Auch Christian bereitet seinen Eltern Sorgen, denn er hält sich nicht an die gesellschaftliche Etikette und wird so zum Gespött in Lübeck.

Ab dem 18. Jahrhundert wurden Erziehungsanstalten für Mädchen als Mädchenpensionat bezeichnet. Ein anderer Begriff dafür ist Mädcheninternat.

1846 – Die Heirat mit Bendix Grünlich

Bendix Grünlich, ein Geschäftspartner der Buddenbrooks, hält um Tonys Hand an. Als Sohn eines Pastors und durch sein geschäftliches Verhältnis zur Familie gilt er als Favorit. Tony lehnt die Heirat jedoch ab, denn sie findet Bendix zu arrogant und fühlt sich zudem unter Druck gesetzt, weil eine Heirat ihrer Familie viele Vorteile bringen würde.

Um sich eine Auszeit zu nehmen, verbringt Tony einen Sommer in Travemünde, wo sie den Medizinstudent Morten Schwarzkopf kennenlernt. Sie verliebt sich in den revolutionären Monarchie-Gegner. Bendix Grünlich übt jedoch Druck auf Jean Buddenbrook aus, um eine Verbindung mit Tony zu erreichen. Der Konsul sieht sich aus geschäftlicher Perspektive allmählich gezwungen, seine Tochter zu der Heirat zu drängen. Tony lenkt schließlich ein und stimmt der Hochzeit zu. Im Herbst des gleichen Jahres bringt sie ihre Tochter Erika zur Welt.

Jeder Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes verfügte über eine eigene monarchische Regierung, an deren Spitze Kaiser, Könige, Fürsten oder Herzöge standen.

Die Krisenjahre 1846/1847

Die Jahre 1846 und 1847 gelten als Krisenjahre, da durch witterungsbedingte Missernten und die sogenannte Kartoffelfäule die Grundversorgung in den Staaten des Deutschen Bunds nicht mehr gewährleistet war. Dadurch wurden die Lebensmittelpreise stark erhöht, was zur Folge hatte, dass geringer verdienende Arbeiter ihre Familien nicht mehr mit Nahrung versorgen konnten. Ein Großteil der Bevölkerung verarmte durch diese Hungersnot.

Da der Mangel an Nahrungsmittel nicht allein auf die Missernte zurückzuführen ist, sondern auch auf die Ausfuhr der Güter an Gebiete, die hohe Preise zahlten, wurden die Bürger des Deutschen Bundes zunehmend unzufriedener. Es folgten Proteste gegen die Regierungen der deutschen Staaten, die als Grundstein für die Revolution in den Jahren 1848/1849 gelten.

Zunächst begannen die Proteste im Jahr 1847 in den westlichen Teilen Preußens, wie Böhmen und Schlesien. Sie verbreiteten sich anschließend auf das gesamte Gebiet der deutschen Staaten und erreichten auch große Städte wie Berlin und Dresden. Bei den Aufständen wurden überwiegend Lagerhallen für Getreide und Bäckereien geplündert, woraufhin zahlreiche Personen verhaftet wurden.

1848 – Tonys Rückkehr ins Elternhaus

Bendix Grünlich ist bankrott, wodurch Tony erfährt, dass er sie nur wegen ihrer Mitgift in Höhe von 80.000 Courantmark geheiratet hatte. Unverzüglich reicht sie die Scheidung ein und zieht mit ihrer Tochter zurück in ihr Elternhaus, denn ein einfaches Leben ohne ihre gewohnten Standards kommt für die eitle Tony nicht infrage. Ihren Vater Jean plagt ein schlechtes Gewissen, weil er sie zu der Hochzeit mit einem Betrüger gedrängt hatte.

Eine Mitgift bezeichnet eine Form von Vermögen in Geld oder Hausrat, die anlässlich einer Hochzeit vom Brautvater an den Vater des Bräutigams übergeben wird.

Courantmark war die Einheit für Silbergeld in den norddeutschen Handelsstädten.

Die Revolution von 1848 hat auch Auswirkungen auf die Geschäfte, die mittlerweile von Thomas geführt werden. Er muss nun auf sichere Geschäfte setzen, die Geld einbringen und kein Risiko für Verluste beinhalten. Es kommt zu Krawallen und Aufständen in den Straßen, die Jean Buddenbrook in seiner Position als Konsul versucht zu schlichten.

Revolution in Deutschland 1848

Bei der Deutschen Revolution von 1848/49, auch Märzrevolution genannt, wurde die Herrschaft der Fürsten im Deutschen Bund durch die Bürger gestürzt, um politische Reformen herbeizuführen. Die Märzrevolution gilt als Folge der Verarmung der Gesellschaft, die auf die Krisenjahre 1846/47 zurückzuführen ist.

Ein Anstoß für die Revolution war zudem die im Februar 1848 erfolgte Revolution in Frankreich, bei der König Louis-Philippe gestürzt und die Republik ausgerufen wurde. Ihren Beginn hatte die Deutsche Revolution in Baden, wo durch die Mannheimer Volksversammlung die "Märzforderungen" formuliert wurden. Diese weiteten sich auf die restlichen Staaten des Deutschen Bundes aus. In den deutschen Staaten Preußen und Österreich folgten Demonstrationen und Straßenkämpfe, was im Sturz der Staatsoberhäupter resultierte.

Die Folge der Märzrevolution waren politische Reformen, die Einführung der Grundrechte und die Einberufung einer gesamtdeutschen Volksversammlung, die die Gründung eines deutschen Nationalstaates einleiten sollte.

1855 – Der Tod von Jean Buddenbrook

Jean Buddenbrook verstirbt nach einer schweren Krankheit und Thomas übernimmt mit 29 Jahren das Familienunternehmen. Den Konsultitel seines Vaters tritt er an seinen Onkel Gotthold ab. Thomas, der bereits Erfahrungen in den Geschäftsangelegenheiten besitzt, etabliert sich rasch in der Branche.

Ein Jahr später kehrt Christian aus London zurück, wo er eine kaufmännische Lehre abgeschlossen hat, um im Unternehmen zu arbeiten. Er verfällt jedoch schnell in alte Gewohnheiten, indem er sich leicht ablenken lässt und anstatt zu arbeiten lieber das Theater oder andere Vergnügungsstätten besucht.

Die verwitwete Elisabeth Buddenbrook verliert sich immer mehr in religiöse Lehren, veranstaltet deshalb Gebetsabende und empfängt Gäste, die ihren Glauben verbreiten. Auch ihre jüngste Tochter Clara schließt sich den religiösen Ritualen an. Nach einem Besuch des Pastors Tiburtius begleitet Clara ihn nach Riga und die beiden heiraten im selben Jahr.

1857 – Christians Abschied und Tonys zweite Heirat

Als Thomas nach dem Tod seines Onkels den Honorarkonsultitel der Niederlande in Amsterdam verliehen bekommt, verliebt er sich in die Kaufmannstochter Gerda Arnoldsen, die bei ihrer gemeinsamen Vermählung eine Mitgift von 300.000 Courantmark in die Firma einbringt.

Christian wird der Firma verwiesen, da er die Beschäftigung nicht ernst nimmt und sich weiterhin in Klubs herumtreibt. Um Christian loszuwerden, zahlt Thomas ihm sein Erbe in Höhe von 500.000 Courantmark aus. Der jüngste Sohn der Buddenbrooks verabschiedet sich daraufhin nach Hamburg, wo er sich mit der Theaterstatistin Aline Puvogel um die gemeinsame Tochter kümmern möchte.

Tony Buddenbrook unternimmt eine Reise nach München und lernt den bayrischen Hopfenhändler Alois Permaneder kennen. Trotz der anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten besucht Alois sie in Lübeck und Tony ist von ihrem Verehrer entzückt. Die beiden beschließen zu heiraten und auch Thomas stimmt zu, da Alois ein erfolgreiches Geschäft betreibt.

Nach der Hochzeit entschließt sich der Hopfenhändler allerdings dazu, sich zur Ruhe zu setzen. Das missfällt Tony, da dies ihren Traum von einem luxuriösen Leben zunichtemachen würde. Nachdem das zweite Kind kurz nach der Geburt verstirbt und Tony entdeckt, dass ihr Mann sie betrügt, lässt sie sich von Alois scheiden und kehrt erneut nach Lübeck zurück.

1861 – Die langsam einsetzende Pleite

Thomas' Frau Gerda bringt nach langer Kinderlosigkeit endlich ihren Sohn Hanno zur Welt. Thomas führt die Geschäfte der Familie allein weiter und ist dabei sehr erfolgreich. Zusätzlich möchte er ein unbesetztes Senatorenamt ausfüllen und konkurriert mit Hermann Hagenström.

Ein Senator ist wie ein Minister für einen bestimmten Fachbereich innerhalb einer Regierung verantwortlich.

Thomas Buddenbrook kann sich schließlich im Kampf um das Amt des Senators durchsetzen. Dadurch wird dem Firmenchef eine große Ehre zuteil, die aber auch einige Verpflichtungen mit sich bringt. Die Belastungen führen dazu, dass der noch junge Konsul bald an Erschöpfungszuständen leidet. Außerdem beginnt die wachsende Familie mit dem Bau eines neuen Anwesens, in welches sie ein Jahr später einzieht.

Die jüngste Schwester Clara Buddenbrook stirbt 1864 in Riga. Daraufhin vermacht ihre Mutter Elisabeth aufgrund ihres religiösen Bezugs ihrem Schwiegersohn Pastor Tiburtius Claras gesamtes Erbe. Dies empört Thomas, da sein Rat zur Auszahlung des Erbes nicht eingeholt wurde und er durch den Verlust des Vermögens das Unternehmen in Gefahr sieht. Christian Buddenbrook ist indes mittellos und zieht zu seiner Mutter zurück. Das Unternehmen muss Verluste wegen des preußisch-österreichischen Krieges verzeichnen.

Der preußisch-österreichische Krieg, auch Deutscher Krieg oder Bruderkrieg genannt, war eine kriegerische Auseinandersetzung im Jahr 1866 zwischen dem Deutschen Bund unter der Führung Österreichs auf der einen Seite und Preußen mit seinen Verbündeten auf der anderen Seite. Die Ursache des Krieges war die Rivalität zwischen Österreich und Preußen im Deutschen Bund.

Im Jahr 1867 heiratet Tonys Tochter Erika, ganz zur Freude ihrer Mutter, den wohlhabenden Hugo Weinschenk, der Vorsitzender einer Feuerversicherung ist. Tony zieht mit in das Haus des frisch vermählten Paares und erfreut sich an dem Leben ihrer Tochter, das ihr nie vergönnt war. Außerdem unterbreitet sie ihrem Bruder die Idee einer weiteren Investition in Getreide. Obwohl der Konsul und Senator an dem Geschäft zweifelt, investiert er. Da die Ernte in diesem Jahr aber sehr schlecht ausfällt, verliert die Firma große Teile ihres Vermögens.

1868 – Das Ende der Familienchronik

Am 7. Juli 1868 findet das hundertjährige Firmenjubiläum statt. Thomas Buddenbrook ist jedoch nicht zum Feiern zumute, da er weiterhin unter Erschöpfung leidet und sein Sohn Hanno die Erwartungen seines Vaters nicht erfüllen kann. Bei den Feierlichkeiten soll Hanno ein Gedicht aufsagen, dass er jedoch nur stotternd über die Lippen bringen kann und dadurch schlussendlich in Tränen ausbricht.

Der Konsul ist von seinem Kind enttäuscht, schließlich wollte er ihm in Zukunft das Geschäft übergeben. Sein Sohn ist hingegen auf dem Klavier sehr begabt, was Thomas Buddenbrook aber kaltlässt. Auch in den nächsten Jahren kann sich Hanno nicht für die Geschäfte der Familie begeistern und so entschließt er sich, in der Familienchronik unter seinem Namen die folgenden Generationen wegzustreichen.

1870 – Die Auflösung des Hausrats

Erikas Ehemann Hugo Weinschenk wird wegen Versicherungsbetruges verurteilt, woraufhin Tony mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin erneut zurück nach Hause zieht. Im Jahr darauf stirbt Elisabeth Buddenbrook an einer Lungenentzündung, was zu einer Aufteilung des gesamten Hausrates führt. Vor allem Christian, der sein gesamtes Vermögen verschwendet hat, greift zu, um die Mutter seiner Tochter heiraten zu können. Dadurch bricht ein erneuter Streit zwischen ihm und Thomas aus.

Im Rahmen der Hausauflösung wird das Heim der Familie an einen Makler verkauft, wobei der Erlös nicht besonders hoch ausfällt. Das Haus wird schließlich an die verfeindete Familie Hagenström vermarktet, was besonders Tony verzweifeln lässt. Mit der Firma geht es in den Folgejahren immer weiter bergab. Thomas weiß, dass die Firma ihren Zenit überschritten hat und da er seinen Sohn weiterhin nicht in der Lage sieht, das Unternehmen zu führen, ist er wenig hoffnungsvoll.

1875 – Thomas' Tod

Thomas Buddenbrook beschäftigt sich vermehrt mit religiösen und philosophischen Werken. Er empfindet zunehmend Hass auf die Welt. Nach einer Sitzung des Senats sucht Senator Buddenbrook mit starken Schmerzen einen Zahnarzt auf. Auf dem Nachhauseweg bricht er auf der Straße bewusstlos zusammen und stirbt ein paar Tage später.

Im Anschluss wird das Familienunternehmen auf testamentarischen Wunsch hin aufgelöst. Da die Verkäufe der Anteile jedoch überstürzt vorgenommen werden, ist die Firmenauflösung für die beteiligten Familienmitglieder nicht sehr ertragreich.

1877 – Das Ende der Buddenbrooks

Christian hat die Mutter seiner Tochter, Aline Puvogel, geheiratet. Er wird jedoch bald darauf in eine Heilanstalt eingewiesen, da er sich in einem schlechten psychischen Zustand befindet. Thomas' Ehefrau Gerda muss mit Hanno in ein kleines Haus in einem Vorort von Lübeck ziehen, da sie das Familienheim zu günstig verkauft hatte.

Hanno hat es nicht leicht in der Schule, denn er wird von seinen Mitschülern geärgert und die Lehrer sind streng mit ihm, was ihn zusätzlich stresst. Da Hanno immer häufiger an Erschöpfung leidet und seit früher Kindheit in schlechter gesundheitlicher Verfassung ist, kann er sich von einer Typhusinfektion nicht erholen und stirbt daran. Seine Mutter Gerda kehrt daraufhin nach Amsterdam zurück. So verbleibt Tony als einzige Buddenbrook in Lübeck.

"Buddenbrooks" – Figuren

Die Hauptpersonen des Romans entstammen alle der Familie Buddenbrook. Im Vordergrund stehen vor allem die Kinder von Jean Buddenbrook. Sie sind die gesamte Erzählung über an der Handlung beteiligt und für den Untergang der Familie verantwortlich.

Thomas Buddenbrook

  • ist das älteste Kind von Jean und Elisabeth Buddenbrook
  • wird von Kindesalter an dazu erzogen, später das Familienunternehmen weiterzuführen
  • tritt mit 16 Jahren in die Firma ein und übernimmt auch den Konsultitel seines Vaters
  • heiratet Gerda Andersen
  • wird in das Senatorenamt gewählt
  • ist mit seinen Ämtern und seiner Position als Chef der Firma überfordert
  • befindet sich in ständigem Streit mit seinem Bruder Christian
  • hat kein Verständnis für das Verhalten seines Sohnes und ist sehr streng
  • Nach missratener Ernte hat er den finanziellen Ruin seiner Familie bereits vor Augen
  • flüchtet sich in religiöse und philosophische Schriften
  • stirbt, als er nach einer Zahnbehandlung auf offener Straße zusammenbricht

Antonie "Tony" Buddenbrook

  • ist bereits als Kind sehr stolz auf ihre Herkunft, dadurch aber auch hochnäsig und herablassend
  • wird auf ein Mädchenpensionat geschickt
  • liebt das extravagante und luxuriöse Leben
  • lehnt die Hochzeit mit Bendix Grünlich als 18-Jährige ab
  • verliebt sich in Morten Schwarzkopf, heiratet aber aus Pflichtbewusstsein und finanziellem Druck heraus schließlich Grünlich
  • bekommt Tochter Erika
  • lässt sich nach Grünlichs Bankrott von ihm scheiden
  • heiratet den Münchner Hopfenhändler Alois Permanenter
  • lässt sich nach dem Tod ihres zweiten Kindes auch von Alois scheiden
  • kehrt immer wieder nach Lübeck zurück und verbleibt dort am Ende als letzte Buddenbrook

Christian Buddenbrook

  • ist der zweite Sohn der Familie
  • macht gerne Späße und ist übermütig
  • macht eine Ausbildung in London und tritt danach in das Familienunternehmen ein
  • ist mehr am Nachtleben und Theater als an der Arbeit im Familienunternehmen interessiert
  • gerät oft mit seinem Bruder Thomas in Streit
  • hat ein Kind mit der Theaterstatistin Aline Puvogel und möchte sie heiraten
  • tritt aus dem Familienunternehmen aus und bekommt sein Erbe ausgezahlt
  • ist daraufhin schnell mittellos
  • wird in eine psychische Heilanstalt eingewiesen

Hanno Buddenbrook

  • Ist als Sohn von Thomas Buddenbrook und Gerda Andersen der letzte Erbe der Buddenbrooks
  • hat gesundheitliche Probleme
  • interessiert sich nicht für das Familienunternehmen, sondern für Musik
  • wird in der Schule verspottet
  • kann den Erwartungen seines Vaters nicht entsprechen
  • ist 15 Jahre alt, als sein Vater stirbt, und zieht mit seiner Mutter in die Vorstadt
  • stirbt wenig später an einer Typhuserkrankung

Figurenkonstellation in "Buddenbrooks"

In "Buddenbrooks" wird eine Vielzahl an Figuren vorgestellt. Durch die Darstellung von vier Generationen und vieler Eheschließungen entstehen komplexe Verwandtschaftsverhältnisse. Im Mittelpunkt der Handlung stehen jedoch die drei Kinder von Jean Buddenbrook, deren Einzelschicksale das Schicksal des Familienunternehmens beeinflussen.

Buddenbrooks Figuren Stammbaum der Hauptfiguren StudySmarterAbbildung 1: Stammbaum der vier Generationen in "Buddenbrooks"

Analyse des Aufbaus, der Sprache und der Erzählperspektive in "Buddenbrooks"

Der Roman folgt einem chronologischen Aufbau in elf Teilen, wobei die einzelnen Kapitel die Jahre von 1835 bis 1877 darstellen. Durch den Fokus der Handlung auf die Geschichte einer Familie, ähnelt der Roman dem Aufbau einer Chronik.

Das Wort "Chronik" stammt von den altgriechischen Wörtern chrónika, chrónos und bedeutet übersetzt "Zeitbuch". Eine Chronik ist die prosaische Darstellung von geschichtlichen Ereignissen in ihrer geordneten zeitlichen Reihenfolge.

Die einzelnen Teile des Romans umfassen unterschiedlich viele Seitenzahlen und Handlungsjahre.

Buddenbrooks Aufbau Chronik StudySmarter Abbildung 2: Aufbau von "Buddenbrooks" in elf Teilen und die Zeit der Handlung

Der Verlauf der Handlung entspricht einer Abwärtsspirale. In den ersten zwei Kapiteln wird über die Kindheit der Geschwister Thomas, Christian, Tony und Clara, berichtet. Die Figuren blicken positiv in die Zukunft. Mit dem Tod von Johann Buddenbrook Senior am Ende des zweiten Teils beginnen die Schicksalsschläge, die die Familie ruinieren.

Sprachliche Besonderheiten in "Buddenbrooks"

Thomas Mann verwendet in diesem Werk eine überwiegend sachliche Sprache, deren Beschreibungen sich in hypotaktischen Sätzen oft über mehrere Zeilen erstrecken.

Als hypotaktischen Satz beschreibt man ein Satzgefüge, das aus einem Hauptsatz und mindestens einem Nebensatz besteht.

Mit ihrem schweren dunkelroten Haar, ihren nahe beinander liegenden, braunen, von fein bläulichen Schatten umlagerten Augen, ihren breiten, schimmernden Zähnen, die sie lächelnd zeigte, ihrer geraden, starken Nase und ihrem wundervoll edel geformten Munde war dieses siebenundzwanzigjährige Mädchen von einer eleganten, fremdartigen, fesselnden und rätselhaften Schönheit.

Alle Zitate stammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus Thomas Manns "Buddenbrooks" (1989, Berlin: Fischer Taschenbuch Verlag).

Durch diese langen, verschachtelten Sätze werden die Figuren vor allem zu Anfang des Romans in ihren Äußerlichkeiten und auch ihrem Verhalten detailliert beschrieben. Dadurch hat der Leser ein genaues Bild der Person vor sich.

Dies steht im Gegensatz zum weiteren Verlauf und vor allem zum Ende des Romans, wo dazu übergegangen wird, die Personen überwiegend in ihren Charakterzügen und Gefühlen genau zu beschreiben. Im folgenden Zitat aus dem achten Teil des Romans wird deutlich, dass der Fokus der Beschreibung auf Hannos Emotionen liegt. Der Verfall der Familie wird bereits deutlich.

Er würde weinen müssen, vor Weinen dies Gedicht nicht beenden können, bei dem sich einem das Herz Zusammenzog, wie wenn am Sonntag in der Marienkirche Herr Pfahl, der Organist, die Orgel auf eine gewisse, durchdringend feierliche Weise spielte...weinen, wie es immer geschah, wenn man von ihm verlangte, dass er sich produzierte, ihn examinierte, ihn auf seine Fähigkeit und Geistesgegenwart prüfte, wie Papa das liebte.

Die Beschreibung der psychischen Zustände der Figuren stehen insbesondere beim Verfallsprozess der Familie im Vordergrund, da sich daran der Niedergang der Figuren passend verdeutlichen lässt. So kann die Beschreibung von Hanno als gebrechlicher und labiler Junge als Personifikation des Untergangs der Familie Buddenbrook gesehen werden.

Eine bedeutungsvolle Funktion nimmt die Verwendung von Dialekten und Akzenten bei der Charakterisierung der Figuren in "Buddenbrooks" ein. Dabei werden verschiedene Mundarten wie Plattdeutsch und Bayerisch verwendet. Außerdem werden französische Begriffe und ganze Sätze an einigen Stellen des Romans genutzt, da Johann Buddenbrook Senior die Sprache fließend spricht.

Excusez, mon cher! Mais c'est une folie! Du weißt, dass solche Verdunkelungen er Kinderköpfe mir verdrießlich ist! Wat, de Dunner sleit in? Da sall doch gliek de Dunner inslahn! Geht mir mit eurer Preußin...

Die plattdeutschen Einwürfe etablieren die Herkunft und den Wohnort der Familie in Lübeck.

Auch Tonys zweiter Ehemann, Alois Permaneder, verfügt über einen starken Dialekt, der im Werk wiedergegeben wird.

Ja, Himmi Sakrament, werd' i a Freid' ha'm!”

Hier wird durch die Verwendung des bayerischen Dialekts eine Unterscheidung der Handlungsorte vorgenommen, denn Alois Permanenter stammt aus München, während der Roman im Norden Deutschlands spielt. Außerdem kommt es durch den starken Dialekt des Hopfenhändlers oft zu Missverständnissen mit Tony Buddenbrook, was bereits ein Scheitern ihrer Ehe andeutet.

Zudem verwendet Thomas Mann eine durchgängig ironische Erzählweise. Das wird vor allem dadurch deutlich, dass die Tragik der Handlung oftmals dem Ton der Erzählung entgegengesetzt ist. So wird etwa der Zusammenbruch und Tod von Thomas Buddenbrook sehr nüchtern und fast beiläufig erzählt.

Der Senator starb. Er schluchzte zwei- oder dreimal leise, verstummte und hörte auf, die Lippen zu bewegen. Das war die ganze Veränderung, die mit ihm vor sich ging; seine Augen waren schon vorher tot gewesen.

Auch die Eitelkeit von Tony Buddenbrook, das leichtsinnige Leben von Christian oder die Geistlichen, die Elisabeth Buddenbrook immerzu eingeladen hat, stehen für die Ironie Thomas Manns. Diese Motive ziehen sich durch die ganze Erzählung und werden im Verhältnis zur Ernsthaftigkeit der Situation überspitzt dargestellt.

Die Ironie bei Thomas Mann gilt als Kritik oder Spott über das Geschehene, indem es lächerlich gemacht wird oder für die Situation unpassend abgehandelt wird.

Erzählperspektive in "Buddenbrooks"

"Die Buddenbrooks" wird überwiegend aus der Sicht eines auktorialen Erzählers wiedergegeben. Jedoch sind über den Roman verteilt auch immer wieder Passagen aus der Sicht eines personalen Erzählers zu finden.

Der auktoriale Erzähler wird auch als allwissender Erzähler bezeichnet, weil er als außenstehende Person, die nicht Teil der Handlung ist, alles über die Geschichte weiß. Der auktoriale Erzähler kennt die Zusammenhänge der Erzählung und weiß, was die Figuren denken, fühlen oder künftig tun werden. Neben der Innenperspektive der Figuren kann der auktoriale Erzähler als Außenstehender auch die Außenperspektive beschreiben. Er ist zudem nicht auf eine Figur festgelegt, sondern kann die Sicht jeder Figur einnehmen.

Der personale Erzähler gibt das Geschehen aus der Perspektive von einer oder mehreren Figuren wieder. Dabei kann der personale Erzähler auch zwischen den einzelnen Figuren wechseln, jedoch eine bestimmte Erzählsituation immer nur aus der Sicht einer Person wiedergeben.

In Abgrenzung zum Ich-Erzähler berichtet der personale Erzähler nicht direkt aus der Innensicht dieser Figur, bleibt aber dennoch nah an ihr und berichtet dem Leser von den Erlebnissen und Gefühlen des Charakters. Zudem weiß der Erzähler nur, was auch der Figur bekannt ist.

Dass es sich überwiegend um einen auktorialen Erzähler handelt, erkennt man vorwiegend an den Teilen des Romans, in denen eine neue Figur vorgestellt oder charakterisiert wird. Dies wird auch an der Einführung von Elisabeth Buddenbrook, geb. Kröger, deutlich:

Sie war, wie alle Krögers, eine äußerst elegante Erscheinung und war sie auch keine Schönheit zu nennen, so gab sie doch mit ihrer hellen und besonnenen Stimme, ihren ruhigen, sicheren und sanften Bewegungen aller Welt ein Gefühl von Klarheit und Vertrauen.

An diesem Beispiel erkennt man die Allwissenheit des Erzählers. Neben den Äußerlichkeiten von Elisabeth Buddenbrook, weiß er auch, dass alle Krögers eine elegante Erscheinung sind und welche Wirkung Elisabeth mit ihren Bewegungen auf ihre Umwelt hat.

Die personale Erzählperspektive wird verwendet, wenn sich einschneidende Erlebnisse zu einer einzelnen Figur zutragen.

Tony blickte lange Zeit auf ihren Namen und auf den freien Raum dahinter. Und dann, plötzlich, mit einem Ruck, mit einem nervösen und eifrigen Mienenspiel – sie schluckte hinunter, und ihre Lippen bewegten sich einen Augenblick ganz schnell aneinander – ergriff sie die Feder, tauchte sie nicht, sondern stieß sie in das Tintenfass und schrieb mit gekrümmten Zeigefinger [...] »...Verlobte sich am 22. September 1845 mit Herrn Bendix Grünlich, Kaufmann zu Hamburg

Durch die personale Darstellungsweise aus der Sicht von Tony kann der Leser ihren Gedanken folgen, was ihre Entscheidung, sich dem Willen ihrer Familie zu beugen, dramatisiert.

"Buddenbrooks" – Interpretation

"Buddenbrooks" lässt mehrere Interpretationsansätze zu. Zum einen wird das Bild der Familie in den Vordergrund gerückt bzw. mit dem Zerfall der Familie ein Tabu des 19. Jahrhunderts thematisiert. Zum anderen wird das Thema Dekadenz insbesondere in der Figur des Hanno aufgegriffen, der als letzter Buddenbrook beispielhaft für den Untergang der Familie steht.

Als Dekadenz wird der Zustand des Verfalls beschrieben, der auf zu hohen Ansprüchen oder einer ausschweifenden Lebensweise beruht.

Familienroman

"Buddenbrooks" ist ein Familienroman, da sich die komplette Handlung innerhalb einer Familie abspielt. Obwohl große historische Ereignisse wie die Revolution 1848 oder der preußisch-österreichische Krieg angesprochen werden, werden lediglich ihre Auswirkungen auf die Buddenbrooks und das Familienunternehmen beschrieben. Obwohl Kriege und Missernten Einfluss auf das Geschäft haben, wird der Verfall überwiegend durch Schicksalsschläge und Streitereien unter den Geschwistern ausgelöst.

Zu Beginn des Romans wird das Familienideal des 19. Jahrhunderts von den Buddenbrooks erfüllt. Es gibt eine geschlechterspezifische Aufteilung der Arbeit, die Ehen von Johann Buddenbrook und Jean Buddenbrook werden aus Liebe geschlossen, die Männer führen das Getreideunternehmen, kümmern sich in ihrer Position als Konsul um politische Belange und verwirklichen sich in ihrem Beruf.

Dieses Ideal zerfällt im Laufe des Romans, vor allem durch die Geschwister Thomas, Tony und Christian.

  • Keine von Tonys Ehen wird aus Liebe geschlossen. Die erste Ehe erfolgt aufgrund ihres Pflichtbewusstseins gegenüber ihrer Familie und durch die Hochzeit mit ihrem zweiten Mann Alois Permaneder erhofft sich Tony ein luxuriöses Leben.
  • Christian ist nie wirklich in der Lage ein Geschäft zu führen, da er nicht die nötige Ernsthaftigkeit besitzt, nicht mit Geld umgehen kann und eine labile Psyche aufweist.
  • Thomas zerbricht an der Fülle seiner Verpflichtungen als Geschäftsführer, Konsul und Senator, sowie an seiner Ablehnung gegenüber seines Sohnes Hanno.

Verfall

Die Thematik des Verfalls wird vor allem an der Figur des Hanno Buddenbrook deutlich. Obwohl sein Vater Thomas ihn zu einem künftigen Geschäftsführer erziehen möchte, ist der schwächliche und introvertierte Hanno nur an seinen Fantasiespielen, wie seinem Puppentheater oder an der Musik, interessiert. Gegen die Zwänge seines Vaters, gute Noten zu schreiben und künftig das Geschäft zu übernehmen, hegt er eine tiefe Ablehnung.

Ein Symbol für den Verfall ist die, mit den Generationen zunehmende, Abneigung gegenüber ihren gesellschaftspolitischen sowie geschäftlichen Aufgaben und der Hinwendung zu psychischen sowie körperlichen Erkrankungen.

Buddenbrooks Interpretation Dekadenz StudySmarterAbbildung 3: Abwärtsspirale des Verfalls der Familie Buddenbrook

Die Farbe und Beschaffenheit der Zähne der Figuren steht über der gesamten Handlung des Romans hinweg als Motiv für die Verfallsthematik.

Seine Zähne waren nicht besonders schön, sondern klein und gelblich.

So werden bereits zu Anfang des Romans die Zähne von Thomas Buddenbrook beschrieben. Das Motiv der Zähne ist am Beispiel von Thomas besonders gut nachzuvollziehen. Er war der letzte Geschäftsführer des Unternehmens und starb nach der Behandlung eines schlechten Zahns, was letztlich den Untergang der Familie besiegelte.

Besonders seine Zähne hatten von jeher die Ursache von mancherlei schmerzhaften Störungen und Beschwerden ausgemacht. [...] Die Zähne, die äußerlich so schön und weiß wie die seiner Mutter, dabei aber außerordentlich weich und verletzlich waren, wuchsen falsch [...].

Das Motiv der schlechten Zähne setzt sich, wie in diesem Zitat zu erkennen ist, auch bei Hanno in der nächsten Generation fort. Dadurch wird symbolisch ausgedrückt, dass der Untergang der Familie nicht mehr aufzuhalten ist.

"Buddenbrooks" – Epoche

Durch die detailgetreue Beschreibung der Figuren in ihrem Aussehen, Handeln und der Handlungsorte, sowie in Zusammenhang mit der Entstehungszeit des Romans lässt sich "Buddenbrooks" dem Naturalismus zuordnen.

Der Naturalismus

Der Naturalismus ist eine literarische Epoche, die ca. von 1880 bis 1900 andauerte. Ziel des Naturalismus war es, die Wirklichkeit originalgetreu und ohne die Subjektivität des Autors darzustellen. Er thematisierte so auch soziale Missstände und den gesellschaftlichen Verfall. Damit stellt die Epoche eine Gegenströmung zum Realismus (1848–1890) dar, der das Schöne an der Wirklichkeit in den Vordergrund stellte.

Der Naturalismus entstand vor dem Hintergrund tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche wie die Industrielle Revolution und die darauffolgende Verstädterung, die Arbeitslosigkeit, Armut und steigende Kriminalitätsraten zur Folge hatte. Dementsprechend wird in naturalistischen Werken häufig das Elend der Arbeiterschaft, mit Schauplätzen wie Fabriken oder heruntergekommenen Mietskasernen, beschrieben.

In "Buddenbrooks" werden die Figuren durch ihre unterschiedlichen Dialekte so realitätsgetreu wie möglich dargestellt und die Wirklichkeit durch den Einbezug historischer Geschehnisse originalgetreu wiedergegeben.

Das Werk lässt sich jedoch nicht eindeutig nur einer literarischen Epoche zuordnen. Neben den naturalistischen Elementen enthält das Werk einige Elemente des literarischen Realismus, wie die Komplexität der Handlung und die Länge der erzählten Zeit von 42 Jahren.

Der Realismus

Die literarische Epoche des Realismus von 1848 bis 1890 befasste sich wie der Naturalismus mit der Darstellung der Wirklichkeit. Im Vordergrund stand jedoch, eine schönere und ästhetischere Version der Realität wiederzugeben. Statt einer originalgetreuen Darstellung der Wirklichkeit wurde beschrieben, wie die Realität sein könnte.

Auch der Realismus beruht auf den gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das zeichnet sich ebenfalls in den Motiven der Epoche ab, da überwiegend das Individuum in der sich verändernden Welt sowie die Rolle des Bürgertums in den Städten behandelt wurde. Außerdem umfasst die Handlung in vielen Werken des Realismus lange Zeitspannen, wie beispielsweise in Theodor Fontanes Roman "Effi Briest".

Darüber hinaus finden sich Merkmale des Symbolismus wieder. Dazu gehören die philosophischen Schriften von Arthur Schopenhauer, die Thomas Buddenbrook im bevorstehenden Untergang der Familie liest.

Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph und Begründer des empirischen und metaphysischen Pessimismus.

Pessimisten haben eine negative Grundeinstellung und glauben nicht, dass sich die Welt zum Besseren entwickeln wird.

Empirisch bedeutet, dass die Theorie auf Beobachtungen und Erfahrungen beruht.

Metaphysische Erscheinungen gehen über das Wahrnehmbare hinaus, sie sind also übersinnlich.

Auch Thomas Buddenbrook beschäftigt sich mit den Lehren Schopenhauers. Nach Theorie dieses Philosophen ist die Welt durch und durch schlecht und ein "Jammertal" voller Leiden durch den vernunftlosen Weltwillen der Menschen. Daher hält Schopenhauer den Tod für besser als das leidvolle Leben.

Außerdem wird durch den gesamten Roman hinweg die Farbe der Zähne der Figuren motivisch als ein Maßstab des Verfalls der Familie genutzt. Denn auch die Nutzung einer Person, eines Gegenstandes bzw. in diesem Fall die Verwendung der Zähne als Symbol ist ein wichtiges Merkmal des Symbolismus.

Der Symbolismus

Der Symbolismus (ca. 1890–1920) ist eine Strömung der Moderne, die sich zur Jahrhundertwende etablierte. Geprägt wurde die Epoche durch die Vielseitigkeit der damaligen Zeit, durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Industrialisierung. Da der Symbolismus eine Gegenströmung zum Realismus und Naturalismus darstellt, steht nicht die Abbildung der Wirklichkeit im Vordergrund, sondern die Erschaffung einer möglichst schönen Welt.

Die Werke des Symbolismus sind geprägt von bildhafter Sprache und Symbolen, die einen tieferen Sinn des Motivs darstellen sollen. Dem Symbolismus entstammen überwiegend lyrische Werke, aber auch Romane, die sich ebenfalls durch poetische Sprache auszeichnen. Vor allem der lyrische Symbolismus wurde von den Philosophen Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche beeinflusst.

Mehr zu den Literaturepochen Naturalismus und Realismus findest Du in den entsprechenden Erklärungen.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund von "Buddenbrooks"

Der zeitgeschichtliche Hintergrund ist eng verknüpft mit dem Handlungsort Lübeck. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Lübeck eine Handelsstadt von großer Bedeutung. Im Jahr 1834, kurz vor Beginn der Erzählung, wurde der Zollverein gegründet, der allen Mitgliedern die gleichen Rahmenbedingungen für ihren Handel garantieren konnte. Der kaufmännische Bereich blühte unter diesen Bedingungen auf, da es durch die vielen Mitglieder des Zollvereins eine enge Verknüpfung der Regionen gab, was die Bereitschaft zu investieren erhöhte.

Auch Lübeck profitierte von dem Zollverein und war zudem wirtschaftlich durch die Handelsflotte gestärkt, die ebenfalls dem Getreidehandel zugutekam, wie auch bei den Buddenbrooks. Nach 1866 verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für Lübeck als Handelsstadt, denn einige Rechte, von denen die Kaufleute profitierten, wurden abgeschafft. Dies wirkte sich schnell auf die Lübecker Unternehmen und den Wohlstand der Stadt aus.

Als Handelsflotte wird die Gesamtheit der Handelsschiffe eines Staates bezeichnet.

Ein wichtiges Ereignis, das ebenfalls in "Buddenbrooks" thematisiert wird, ist die Revolution in den Jahren 1848/49. Sie beruhte auf dem Unmut des Bürgertums und vor allem der Arbeiter, die unter schlechten Bedingungen arbeiten mussten. Außerdem stieg die Arbeitslosigkeit zu dieser Zeit rapide an, da die eingeführte Gewerbefreiheit ein Überangebot an Waren und damit den Niedergang einiger Unternehmen verursachte.

Die bürgerliche Schicht protestierte gegen die Willkürherrschaft der Obrigkeit und forderte die Bindung der Herrscher an eine Verfassung sowie die Schaffung einer demokratischen Gesellschaftsordnung.

Thomas Mann als Autor von "Buddenbrooks"

Thomas Paul Mann wurde 1875 in Lübeck geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Thomas Mann hatte kein Abitur, war jedoch nach dem Tod seines Vaters in der Lage, allein von dessen Erbe zu leben und entschloss sich, freier Schriftsteller zu werden. Damit folgte er beruflich seinem älteren Bruder Heinrich Mann. Bereits Thomas Manns erster Roman "Buddenbrooks", der 1901 erschien, verhalf ihm zu großem Ruhm. Im Jahr 1929 erhielt er dafür den Nobelpreis für Literatur.

In der Zeit nach seiner Hochzeit mit Katia Pringsheim im Jahr 1905 und der Geburt seiner sechs Kinder, folgten weitere große Erfolge mit den Werken "Tod in Venedig" und "Der Zauberberg". Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden Thomas Manns Werke verboten. Außerdem wurde seine Familie verfolgt, da Mann das Regime offen kritisierte. Als Resultat verließ er Deutschland und zog zunächst in die Schweiz. Anschließend emigrierte er 1938 in die USA. Auch nach dem Krieg kehrte Thomas Mann nicht nach Deutschland zurück, sondern zog erneut nach Zürich, wo er 1955 starb.

Buddenbrooks - Das Wichtigste

  • "Buddenbrooks" ist ein 1901 erschienener Roman des deutschen Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, in dem der Verfall der vier Generationen der Familie Buddenbrook über die Jahre 1835 bis 1877 beschrieben wird.
  • Den Hauptteil der Erzählung nimmt die Beschreibung der dritten Generation bestehend aus den Geschwistern Thomas, Christian und Tony Buddenbrook ein, da sie den Untergang des Unternehmens und der Familie Buddenbrook einläuten.
  • Ursächlich für den Verfall der Familie sind einige Schicksalsschläge und der Streit unter den Familienmitgliedern der Buddenbrooks.
  • Der Roman folgt einem chronologischen Aufbau in elf Teilen und weist Besonderheiten in der detaillierten Beschreibung der Charaktere, sowie der Verwendung von Dialekten als Charakterisierung der Figuren auf.
  • "Buddenbrooks" spielt vor dem zeithistorischen Hintergrund der Entstehung der Zollvereine im Jahr 1834, was zu einer Blütezeit der kaufmännischen Betriebe führte, aber auch vor dem Hintergrund der Revolution von 1848/49, was zum Untergang einiger Unternehmen führte.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Buddenbrooks

Die Familie Buddenbrook des Romans "Buddenbrooks" von Thomas Mann lebte in Lübeck.

"Buddenbrooks" wurde von Thomas Mann von 1896 bis 1900 verfasst und im Jahr 1901 veröffentlicht.

"Buddenbrooks" lässt sich nicht eindeutig nur einer literarischen Epoche zuordnen. Das Werk stammt zeitliche aus der Epoche des Naturalismus, enthält aber auch Elemente des Realismus und Symbolismus.

"Buddenbrooks" wurde von dem deutschen Schriftsteller Thomas Mann verfasst.

Finales Buddenbrooks Quiz

Frage

Wer schrieb "Buddenbrooks"?

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Antwort

Thomas Mann

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Frage

In welchem Zeitraum spielt der Roman "Buddenbrooks"?

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Antwort

"Buddenbrooks" spielt über einen Zeitraum von 42 Jahren von 1835 bis 1877.

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Frage

Wie viele Generationen der Familie Buddenbrook werden im Roman dargestellt?

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Antwort

vier 

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Frage

Wie heißen die Kinder von Johann "Jean" Buddenbrook und Elisabeth Buddenbrook?

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Antwort

Die Kinder von Jean und Elisabeth Buddenbrook heißen Thomas, Tony, Christian und Clara.

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Frage

Was für ein Unternehmen führt die Familie Buddenbrook?

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Antwort

Ein Getreideunternehmen

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Frage

Welcher der Söhne von Jean Buddenbrook übernimmt nach dessen Tod das Unternehmen?

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Antwort

Das Unternehmen wird von Thomas Buddenbrook übernommen. 

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Frage

Wen heiratet Tony Buddenbrook nach ihrer Scheidung von Bendix Grünlich?

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Antwort

Tony heiratet den wohlhabenden Hopfenhändler Alois Permanenter aus München. 

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Frage

Welche Personen der Familie Buddenbrook fühlen sich im Laufe der Erzählung zu religiösen und philosophischen Schriften hingezogen?

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Antwort

Elisabeth Buddenbrook

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Frage

Warum wird Christian Buddenbrook der Firma verwiesen?

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Antwort

Christian nimmt die Geschäfte nicht besonders ernst und hält sich abends lieber im Theater und in Klubs auf.

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Frage

Warum übernimmt Hanno Buddenbrook das Unternehmen nicht? 

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Antwort

Hanno verabscheut die kaufmännische Arbeit und leidet unter mangelndem Selbstbewusstsein. Da er ein talentierter Pianist ist, gilt sein Interesse der Musik. 

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Frage

Was sind die Auslöser für den Untergang der Familie Buddenbrook?

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Antwort

Verantwortlich für den Untergang sind viele Schicksalsschläge, Fehlinvestitionen und die Dekadenz der Familienmitglieder. 

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Frage

Welches Mitglied der Familie Buddenbrook verbleibt in Lübeck?

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Antwort

Tony Buddenbrook ist das einzige Familienmitglied, dass nach der Auflösung des Unternehmens in Lübeck bleibt.

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Frage

Wie ist "Buddenbrooks" aufgebaut?

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Antwort

  • Der Roman ist in elf Teile gegliedert.
  • Der Verlauf der Handlung entspricht einer Abwärtsspirale, mit dem Wendepunkt im 7. und 8. Teil, da dort das Schicksal der Familie besiegelt wird. 
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Frage

Wie werden die Figuren sprachlich charakterisiert?

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Antwort

Viele der Figuren sprechen in Dialekten wie Plattdeutsch, Bayrisch oder verwenden französische Begriffe. 

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Frage

Welche Arten des Erzählers werden in "Buddenbrooks" verwendet?

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Antwort

Der Roman wird überwiegend von einem auktorialen Erzähler wiedergegeben, jedoch wird stellenweise auch ein personale Erzählweise verwendet.

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