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Unter der Drachenwand

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Unter der Drachenwand

"Unter der Drachenwand" ist ein Roman des österreichischen Autors Arno Geiger aus dem Jahr 2018. Die Erzählung handelt von dem jungen Wehrmachtssoldaten Veit Kolbe, der im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront schwer verwundet wird und in seine Heimat Österreich zurückkehrt, um sich am Mondsee von seinen Verletzungen zu erholen. Die Drachenwand sowie der Mondsee sind reale Orte in Oberösterreich unweit von Salzburg entfernt.

Der Roman, dessen Handlung auf einem Bündel Briefe aus dem Zweiten Weltkrieg beruht, beleuchtet die Rückkehr des jungen Soldaten in sein Privatleben und die neuen Bekanntschaften, die er vor dem Hintergrund des Kriegsalltags macht.

Der Zweite Weltkrieg dauerte von 1939 bis 1945 an und gilt als der schlimmste Krieg der Menschheitsgeschichte mit ca. 60 Millionen Todesopfern. Auslöser des Zweiten Weltkriegs war das nationalsozialistische Regime Deutschlands unter der Führung von Adolf Hitler, der in seiner Ausbreitungspolitik zunächst Polen und anschließend die umliegenden Staaten einnahm.

Als Wehrmacht wurde im nationalsozialistischen Deutschland die gesamten Streitkräfte bezeichnet. Sie wurden in Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine unterteilt. Gegründet wurde die Wehrmacht im Jahr 1935, als sie aus der damaligen Armee, der Reichswehr, hervorging. Die Wehrmacht kämpfte als deutsche Armee im Zweiten Weltkrieg unter dem Oberbefehlshaber Adolf Hitler und wurde im Jahr 1946 offiziell abgeschafft. Insgesamt umfasste die Wehrmacht 17,3 Millionen aktive Soldaten, wobei überwiegend Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren berufen wurden.

Eine Front oder auch Kriegsfront ist der Bereich, den die Streitkräfte eins Staates der Breite nach zwischen den äußeren Grenzen, an denen sich die letzten Streitkräfte befinden, einnimmt. Im Krieg wird auch die Grenze der sich gegenüberstehenden Streitkräfte als Front bezeichnet.

Zusammenfassung von "Unter der Drachenwand"

Der Roman ist in insgesamt 34 Kapitel und Nachbemerkungen gegliedert und umfasst einen Zeitraum von etwa einem Jahr zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Handlungsort ist die Marktgemeinde Mondsee im oberösterreichischen Salzkammergut. Daneben werden die Schauplätze Darmstadt, Wien, Hainburg und Budapest genannt.

Das Salzkammergut ist ein landschaftliches Gebiet in Oberösterreich am Nordrand der Alpen und endet im Westen an der Stadtgrenze zu Salzburg. Die Region gilt als äußerst beliebt bei Bergtouristen und umfasst neben dem Mondsee auch den Wolfgangsee und den Fuschlsee.

Die Verletzung an der Front

Der 23-jährige Wehrmachtssoldat Veit Kolbe wird an der Ostfront in Russland durch einen Granatsplitter schwer am Oberschenkel verletzt. Daraufhin wird er in ein Lazarett abtransportiert. Abseits von den kriegerischen Auseinandersetzungen an der Front vergegenwärtigt er sich die Geschehnisse der letzten fünf Jahre. Für Veit gilt diese Zeit als verlorene Jahre, in denen er Tag ein Tag ausgekämpft hatte. Welche Auswirkungen der Krieg auch auf die Ärzte und Schwestern hat, sieht er am Lazarettpersonal, als ein erschöpfter und überarbeiteter Arzt nach fünf vergeblichen Versuchen, ein Streichholz anzuzünden eine der Schwestern um Hilfe bitten muss.

Ein Lazarett ist ein Krankenhaus für kranke oder verwundete Soldaten. Sogenannte Feldlazarette sind bewegliche Lazarette, die ebenfalls der Behandlung von kranken oder verletzten Soldaten dienen und in der Nähe der Front aufgebaut werden.

Nachdem sich Veits Zustand im Krankenlager verbessert hat, wird er zurück zu seiner Familie nach Wien geschickt. Doch auch Zuhause verfolgt ihn der Schrecken des Krieges. Mit seinem Vater wird ein Zusammenleben immer schwieriger, da dieser sich selbst nach fünf Jahren der blutigen Auseinandersetzungen immer noch positiv über den Krieg äußert. Veit teilt die Meinung seines Vaters nicht, da er das Leid der Menschen hautnah erfahren hat. Auch der Alltag in der Stadt macht dem jungen Soldaten zu schaffen, denn mit seiner Verletzung ist es ihm nicht einmal möglich, die Straßenbahn zu erwischen, da sie bei der Einfahrt lediglich nur das Tempo verringern, damit die Leute aufspringen können.

Der Umzug zum Mondsee

Veit beschließt, Wien hinter sich zu lassen und zieht zu seinem Onkel, der als Postenkommandant im kleinen Dorf St. Lorenz im oberösterreichischen Salzkammergut am Mondsee arbeitet. Der Soldat kommt bei der strengen Trude Dohm unter, die ein schmutziges und kaltes Quartier leitet, womit sich Veit aber zufriedengibt. Die Ruhe vor dem Krieg, die er sich hier versprochen hatte, findet er jedoch nicht. Sein Onkel, der in seinem Posten die Nationalsozialisten in dem kleinen Ort vertritt, lehnt die Kritik des Soldaten am Krieg vehement ab.

Ein Postenkommandant ist in Österreich der Leiter einer Polizeidienststelle.

Der Nationalsozialismus ist eine politische Strömung, die in Deutschland 1918 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstand. Im Rahmen des Nationalsozialismus etablierte sich 1933 unter der Leitung von Adolf Hitler eine Diktatur in Deutschland. Angehörige und Vertreter dieser politischen Strömung wurden als Nationalsozialisten bezeichnet.

Die Ziele der Nationalsozialisten waren es, das deutsche Volk zu bewahren, indem Hass gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen, insbesondere den Juden und Minderheiten geschürt wurde. Zudem expandierte das Deutsche Reich, indem die Wehrmacht benachbarte Länder besetzte. Um die "deutsche Rasse" zu bewahren, verübten die Nationalsozialisten Verbrechen an Minderheiten, insbesondere den Massenmord an der jüdischen Bevölkerung, der auch als Holocaust bezeichnet wird. In dessen Verlauf verloren schätzungsweise 6 Millionen Juden ihr Leben.

Veit lernt viele Ortsansässige kennen, die teilweise mit ihm in der Unterkunft leben oder nur unweit davon entfernt. Dazu gehört auch Robert Raimund Perrtes, der von allen "der Brasilianer" genannt wird, weil er einige Zeit in Rio de Janeiro gelebt hatte. Er und Veit schließen schnell Freundschaft. Daneben lernt er noch Margot kennen, eine Frau aus Darmstadt, deren Mann auch bald an die Front geschickt wird. An der Drachenwand, wie die Felswand im Salzkammergut genannt wird, trifft Veit zudem eine Gruppe junger Mädchen aus Wien, die auf Klassenfahrt sind.

Das Leben in Mondsee

Kurz darauf lernt Veit auch die Lehrerin der Mädchengruppe, Margarete Bildstein, kennen. Den Mädchen erzählt er Geschichten aus dem Krieg, an denen sie sich sehr interessiert zeigen. Sie zitieren sogar die Kriegsparolen der Nationalsozialisten, was Veit missfällt. Unter dem Blick seines Onkels traut er sich aber nicht, etwas zu sagen. Am Abend führen Veit und die aus Darmstadt stammende Margot oft Gespräche durch die dünnen Wände der Unterkunft, in der sie mit ihrer kleinen Tochter Lilo lebt. Von ihr erfährt Veit auch, dass der Brasilianer der Bruder der Quartierleiterin ist und Margot Veits Meinung über den Krieg und die Situation in Österreich teilt.

Auch die Unterhaltungen mit der Schulklasse aus Wien nehmen zu, sodass Veit sich mit seinen ganzen Kontakten bald eingelebt hat. Frau Bildstein stellt jedoch gleich zu Beginn klar, dass der Kontakt zwischen Veit und den Mädchen nicht über die Gespräche hinausgehen dürfe. Entgegen der Aufforderung der Lehrerin lernt Veit die Schülerin Annemarie Schaller näher kennen, die ihm berichtet, mit ihrem Cousin Kurt die Drachenwand besteigen zu wollen.

Künftig muss sich Veit mit den alltäglichen Schwierigkeiten des Lebens auseinandersetzen. Zum einen kann er Trude Dohm, die Besitzerin seiner Unterkunft, nicht leiden. Er hält sie für eine kalte und boshafte Frau, die nichts für sich behalten kann und alles im Dorf weitererzählt. Zum anderen macht die Rückkehr in einen alltäglichen Beruf dem verwundeten Soldat zu schaffen, denn die meisten seiner Kompetenzen, die er vor dem Krieg erworben hatte, mittlerweile verlernt wurden. Hinzu kommt, dass die Geschehnisse an der Front den jungen Mann immer noch verfolgen, sodass Veit manchmal in Panik verfällt. Zusätzlich holen ihn die Erinnerungen an die Zeit vor dem Krieg, wie der Tod seiner Schwester, wieder ein.

Die Briefe

Die Briefe sind Einschübe, die die Haupthandlung unterbrechen und als Nebenhandlung die Schicksale der Menschen außerhalb von Mondsee darstellen. Die Mutter von Margot in Darmstadt macht sich Sorgen um ihre Enkelkinder und darum, dass die Töchter ihre Männer an der Front verlieren könnten. In einem weiteren Brief stellt sich heraus, dass Annemarie Schaller und ihr Cousin Kurt eine Beziehung führen. Der Brief wird von Frau Bildstein gelesen und an Annemaries Vater weitergeleitet, der erbost über die Beziehung ist und Kurt damit droht, ihn zur Wehrmacht zu schicken.. In diesem Perspektivwechsel wird deutlich, dass die meisten Menschen Angst vor dem Krieg und seinen Folgen haben.

In einem weiteren Brief wird die Angst des jüdischen Zahnarztes Oskar Meyer deutlich, der der Verfolgung der Nationalsozialisten ausgesetzt ist und gerne ins Ausland fliehen würde. Da die Einreisebestimmungen für die meisten Länder sehr hoch sind, ist es seiner Familie bis dato nicht gelungen, Österreich zu verlassen. Schlussendlich gelingt der Familie dennoch die Flucht nach Ungarn.

Die Panikattacken

Veit wird nun vermehrt von Panikattacken heimgesucht, sobald er an einschneidende Erlebnisse, wie den bevorstehenden Geburtstag seiner verstorbenen Schwester, denkt. Um die Angstzustände zu unterdrücken, nimmt er Pervitin, ein Aufputschmittel vom Militär. In dieser schweren Zeit kann er sich auf seine Freund, den Brasilianer, verlassen. Dieser teilt ebenfalls Veits Ablehnung gegenüber dem Krieg und äußert sich kritisch über die Nationalsozialisten, wird jedoch auch von Veit gewarnt, seine Meinung nicht in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Während sich der Kriegszustand in Deutschland zuspitzt und mehrere Städte durch Bomben zerstört werden, erregt in Mondsee das Verschwinden von Annemarie Schaller Aufsehen.

Pervitin und andere Aufputschmittel sind Arzneimittel, die dem körpereigenen Adrenalin ähnlich sind. Sie rufen einen Zustand von Euphorie, Selbstsicherheit und Mut hervor.

Es wird vermutet, dass Annemarie sich mit ihrem Cousin und Geliebten Kurt abgesetzt hat. Der Brasilianer wird indes verhaftet, weil er in der Öffentlichkeit die Ansichten und Maßnahmen der Nationalsozialisten kritisiert hatte. Dies ist ein weiterer Auslöser für Veits Panikattacken. Ebenso macht ihm das Gerede der Dorfbewohner zu schaffen, das sich wegen seiner Unterstützung des Brasilianers nur noch um ihn dreht.

Die Liebesbeziehung

Während das Verschwinden von Annemarie ein anhaltendes Thema im Dorf bleibt, kommen sich Veit und Margot durch ihre nächtlichen Gespräche näher. Sie beginnen eine Liebesbeziehung, wodurch sich Veits mentaler Zustand langsam verbessert. Mit Margot kann er in der Gegenwart leben und sie genießen. Auch für den Brasilianer gibt es gute Neuigkeiten, denn er muss wider Erwarten nur sechs Monate in Haft.

Lange hält das Glück von Margot und Veit aber nicht an, denn es wird Zeit für Veit, sich einer Musterung zu stellen. Das führt zu erneuten Angstzuständen. Bei der Untersuchung wird Veit für tauglich erklärt, wieder aktiv am Krieg teilzunehmen. Da er das aber nicht akzeptieren will, konsultiert er einen weiteren Facharzt, was ihm einige Wochen an Zeit verschafft. Die verbringt er mit Margot und Gesprächen über seine Schwester und die neue Kriegssituation, da die Alliierten mittlerweile in der Normandie gelandet sind.

Als Musterung wird die Untersuchung der geistigen und körperlichen Eignung zum militärischen Dienst bezeichnet.

Die Normandie ist eine Region im Norden Frankreichs. Dort landeten am 6. Juni 1944 die alliierten Streitkräfte (im Zweiten Weltkrieg galten die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion als Alliierte, die gegen Deutschland und seine Verbündeten kämpften), um das von den deutschen Streitkräften eingenommene Gebiet zu befreien. Die Landung der Alliierten gilt als erster Schritt zur Öffnung der Westfront und ist bis heute eine der größten militärischen Operationen aller Zeiten.

Die Briefe II

Wieder werden im Perspektivwechsel die Briefe von Kurt, Oskar Meyer und Margots Mutter beschrieben. Kurt berichtet in seinem Brief an Annemarie von seinen Aufgaben in der Hitlerjugend, die ihm das Leid der Menschen vor Augen führt. Der Brief wird jedoch erneut von der Lehrerin abgefangen. Weiter heißt es, Kurt vermisse Annemarie sehr, was Aufschluss darüber gibt, dass sich das Paar nicht zusammen abgesetzt hatte. Zahnarzt Oskar Meyer berichtet in dem Brief an seine Cousine davon, dass es ihnen in Ungarn viel besser geht, nur die Unterkunft sei heruntergekommen.

Im Folgenden sieht sich die Familie Meyer jedoch wieder verfolgt, als die Nationalsozialisten in Budapest einmarschieren. Oskar erfährt zudem von einem Polen, dass in den Konzentrationslagern Arbeitsunfähige im Gas getötet werden. Auch Margots Mutter meldet sich erneut zu Wort und meldet, dass Darmstadt komplett zerstört wurde und es keine Versorgung mehr für die Bevölkerung gibt. Deshalb beschwert sie sich auch, dass Margot und ihre Schwester immer um Pakete von ihr bitten.

Die Diensttauglichkeit

Die Beziehung zwischen Veit und Margot entwickelt sich weiter, was unter den Bürgern von Mondsee für Aufsehen sorgt, denn schließlich ist die Frau aus Darmstadt verheiratet und ihr Mann kämpft gerade an der Front. Dort spitzt sich die Situation immer weiter zu, da ein Attentat auf Adolf Hitler fehlschlägt und die Alliierten Paris einnehmen. Am Mondsee kehrt schließlich der Brasilianer aus dem Gefängnis zurück, wo er seine Beschwerden über die Zustände im Land fortsetzt und davon träumt, nach Brasilien zurückzukehren.

Um nicht an die Front zurückkehren zu müssen, geht Veit nicht zu dem Arzttermin, wo seine Diensttauglichkeit überprüft werden soll. Das stellt ein großes Risiko für den jungen Soldaten dar, denn jetzt wird er sogar von Trude, der Quartierleiterin, bezichtigt, sich vor dem Dienst zu drücken. Wenn diese Information an die falschen Leute gerät, müsste er mit einer hohen Strafe rechnen, weshalb er schlussendlich doch den Arzt aufsucht und durch gefälschte Papiere seine Rückkehr an die Front hinauszögern kann.

Veits Freude über seinen verlängerten Aufenthalt am Mondsee wird durch eine Nachricht seines Onkels getrübt, denn der erzählt ihm, dass die Leiche von Annemarie Schaller gefunden wurde. Der Polizeibericht zum Leichenfund lässt vermuten, dass es sich um ein Verbrechen handele, da Annemarie nahezu unkenntlich gemacht wurde. Veits Onkel, der als Postenkommandant verantwortlich für die Polizeiarbeit am Mondsee ist, sieht den Vermisstenfall aufgeklärt, da Annemaries Leiche an der Drachenwand gefunden wurde und von einem Unfall ausgegangen wird.

Auch der Brief von Margots Mann von der Front, der seiner Frau die Treue schwört und das Gleiche auch von ihr verlangt, trübt die Stimmung Veits, denn er möchte Margot nicht aufgeben.

Untertauchen

Der Brasilianer gerät in eine handgreifliche Auseinandersetzung mit dem Mann von Trude, der aus dem Nichts wieder am Mondsee auftaucht. Im Streit beschimpft der Brasilianer Hitler, den Rassismus im Land sowie die Propaganda der Nationalsozialisten. Da er bereits einmal für Systemkritik im Gefängnis saß, beschließt er zu verschwinden, denn noch einmal würde er vor Gericht nicht so glimpflich davonkommen.

Als Propaganda wird die Verbreitung von politischen oder die Weltanschauung betreffenden Ideen bezeichnet, um das Bewusstsein der breiten Masse oder eine bestimmten Bevölkerungsgruppe zu beeinflussen. Als Systemkritik wird die Kritik an einer politischen, wirtschaftlichen oder auch sozialen Ordnung eines Systems bezeichnet.

Veits Onkel plagen indes die gleichen Sorgen wie seinen Neffen, denn er möchte auch nicht zurück an die Front. Außerdem steigt die Gefahr an der Front weiter, denn die Alliierten gewinnen immer mehr Gebiete zurück, weshalb Veit aus Panik wieder zu seinen Aufputschmitteln greift. Obwohl er Margot seine Liebe gesteht und versucht, sich seine Angst nicht anmerken zu lassen, bemerkt sie seine bedrückte Stimmung.

Bevor sie jedoch herausfinden kann, welche Sorgen Veit plagen, wird er zur Untersuchung nach Wien bestellt. Kurz vor seiner Abreise in die österreichische Hauptstadt erfährt der junge Soldat, dass sein Onkel dem Brasilianer auf der Spur ist und diesen verhaften möchte. Veit kann nicht zulassen, dass sein einziger Freund am Mondsee verhaftet wird, greift deshalb zur Waffe und erschießt seinen Onkel. Daraufhin kann der Brasilianer ungesehen den Ort verlassen.

Die Briefe III

Margots Mutter schreibt wieder an ihre Tochter und berichtet von einem Soldaten, der von der russischen Front zurückgekehrt ist. Als er erfahren hat, dass seine Frau und Kinder bei den Luftangriffen unter den Trümmern begraben wurden, griff er zur Waffe und erschoss sich selbst. Sie kritisiert außerdem Margots Untreue und rät ihr, Veit zu verlassen, um zu ihrem Ehemann zu stehen. Auch Kurt schreibt erneut Briefe, dieses Mal jedoch an seinen Freund Ferdl, dem er berichtet, dass er zum Krieg an der Front eingezogen wurde und jeden Tag grausame Dinge erlebt.

Außerdem erfährt man im Briefwechsel, dass Kurt von Annemaries Tod erfahren hat und Veit ihm die Briefe seiner Cousine und Geliebten übergeben hatte. Oskar Meyer und seiner Familie geht es nach dem Rückzug der Deutschen schlecht in Budapest. Die Stationierung der Truppen hat dazu geführt, dass die jüdische Bevölkerung in Quartieren in Nähe des Bahnhofs untergebracht wurde. Der Zahntechniker befürchtet, dass dies geschehen sei, da hier besonders oft Bomben einschlagen würden. Außerdem sind Oskars Frau und sein Sohn verschwunden, weshalb er sich schuldig fühlt.

Rückkehr an die Front

Der Einzug Veits ist für Margot absehbar. Sie plant jedoch ihren Mann zu verlassen und nach dem Krieg ein neues Leben mit Veit zu beginnen. Die Untersuchung in Wien verläuft wie befürchtet. Veit wird für einsatzbereit erklärt und muss an die Front zurückkehren. Auch die Bestechungsversuche gegenüber dem Arzt sind erfolglos. Er erhält weitere Tabletten für seine psychischen Zustand und einen Aufschub von zwei Tagen, um sich von seinen Bekannten zu verabschieden. In seiner Heimatstadt besucht Veit seinen Vater, mit dem er wieder in Streit gerät, da dieser seine Meinung zum Krieg nicht ändert.

Auf dem Nachhauseweg macht er Halt an Kurts Kaserne, damit er ihm die Briefe von Annemarie übergeben kann. Dabei begegnet er in Hainburg dem ihm unbekannten Oskar Meyer, der dort als Zwangsarbeiter Grenzzäune aufbaut. Die letzten Tage verbringt Veit mit Margot und ihrer Tochter. Für das Paar steht fest, dass sie sich nach dem Krieg wiedersehen würden, weshalb sie einen Treffpunkt vereinbaren. Veit möchte seine im Krieg verlorenen Jahre nachholen und mit Margot ein neues Leben anzufangen.

Im Nationalsozialismus wurden KZ-Gefangene und jüdische Bürger*innen zur Zwangsarbeit gezwungen. Als Zwangsarbeit werden Tätigkeiten bezeichnet, zu denen Menschen unter der Androhung von Strafe oder eines anderen Übels gegen ihren Willen gezwungen werden.

Bei der Verabschiedung fehlen dem jungen Soldaten die Worte. Er ist dankbar für die Erlebnisse und die gemeinsame Zeit. Schließlich verabschiedet er sich im Stillen vom Mondsee, der Drachenwand und Annemarie Schaller, denn all diese Dinge haben sein Leben geprägt.

Die Nachbemerkung

Den Nachbemerkungen des Romans kann man entnehmen, dass Veit den Krieg überlebt hat und zu Margot zurückgekehrt sei. Die beiden heiraten, nachdem sich Margot von ihrem Mann scheiden lässt und bekommen zwei Kinder. Veit stirbt im Jahr 2004. Darüber hinaus erfährt man, dass die Frau und der Sohn von Oskar Meyer im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurden und auch Oskar 1945 bei der Deportation in ein Konzentrationslager getötet wurde. Auch Kurt Ritler verstirbt in den letzten Kriegstagen an der Front.

Als Deportation wird die Zwangsverschleppung oder Verbannung von politischen Gegnern oder ganzen Volksgruppen bezeichnet, wie es mit der jüdischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg der Fall war.

Charaktere in "Unter der Drachenwand"

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der junge Soldat Veit Kolbe, der im Verlauf der Erzählung die weiteren Hauptfiguren am Mondsee kennenlernt. Weitere Personen sind nur aus den Perspektivwechseln im Rahmen der Briefe bekannt.

Veit Kolbe

  • 23 Jahre alt,
  • seit 1939 als Soldat im Krieg,
  • wurde an der Ostfront in Russland von einem Granatsplitter verletzt und in die Heimat zurückgeschickt,
  • möchte nicht weiter am Krieg teilnehmen,
  • steht dem Krieg und der Führung kritisch gegenüber,
  • leidet unter Panikattacken wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung,
  • versucht die Angstzustände mit Tabletten zu unterdrücken,
  • verliebt sich in die verheiratete Margot,
  • zögert seine Rückkehr an die Front hinaus,
  • befreundet mit dem Brasilianer, dem er bei der Flucht hilft,
  • erschießt seinen Onkel,
  • muss schließlich zurück an die Front.

Eine posttraumatische Belastungsstörung ist die Reaktion auf ein psychisch extrem belastendes Ereignis, welche erst mit ein paar Monaten Abstand zu der verstörenden Situation eintritt.

Margot

  • kommt aus Darmstadt,

  • ihr Mann wird an die Ostfront berufen,

  • hat eine kleine Tochter namens Lilo,

  • wohnt neben Veit in der Unterkunft und führt Gespräche mit ihm durch die Wand,

  • kümmert sich um Veit,

  • verliebt sich in Veit und möchte ein neues Leben mit ihm beginnen,

  • bekommt Briefe von ihrer Mutter, in denen ihr Verhalten kritisiert wird.

Der Brasilianer

  • heißt eigentlich Robert Raimund Perrtes,

  • lebte lange in Brasilien und würde gerne dahin zurückkehren,

  • ist der Bruder von Trude Dohm der Quartierleiterin,

  • ist nicht zufrieden mit der politischen Situation und kritisiert die Zustände,

  • wird zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt,

  • gerät in einen handfesten Streit mit Trudes Ehemann, der die politische Führung befürwortet,

  • muss untertauchen, um einer längeren Gefängnisstrafe zu entgehen,

  • wird von Veit beschützt, indem dieser seinen Onkel erschießt, der dem Brasilianer auf der Spur war.

Annemarie Schaller

  • 13-jährige Schülerin aus Wien,

  • ist mit ihrer Klasse am Mondsee, weil es dort sicherer ist,

  • schreibt Briefe mit ihrem Cousin Kurt Ritler, der gleichzeitig ihr Geliebter ist,

  • verschwindet zunächst und wird später tot an der Drachenwand aufgefunden, an der sich verunglückte,

  • Kurt wird vom Militär eingezogen und fällt in den letzten Kriegstagen.

Oskar Meyer

  • überwiegend aus den Briefen bekannt,

  • trifft kurz auf Veit, als dieser Kurt die Briefe von Annemarie überbringt,

  • er und seine Familie sind jüdischen Glaubens und fliehen nach Budapest,

  • werden auch in Ungarn verfolgt,

  • kann seine Familie nicht retten und macht sich Vorwürfe,

  • seine Frau und sein Sohn verschwinden,

  • er stirbt auf einem Transport zum Arbeitsdienst.

Figurenkonstellation in "Unter der Drachenwand"

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Aufbau und Sprache in "Unter der Drachenwand"

"Unter der Drachenwand" umfasst 476 Seiten und ist in 34 Kapitel und eine Nachbemerkung gegliedert. Die Handlung findet im Zeitraum von November 1943 bis Dezember 1944 statt, aber durch einige Rückblicke wird teilweise auch die Zeit davor dargestellt. Der Roman besteht aus einer Haupthandlung, die die Geschehnisse rund um Veit Kolbe beschreibt und drei Nebenhandlungen, die aus Perspektivwechseln in Form von Briefen bestehen.

Den größten Teil des Romans nimmt die Haupthandlung ein, die ungefähr 2/3 des Buches ausmacht. Unterbrochen wird sie von den drei Nebenhandlungen in Form der Briefe von Margots Mutter, Kurt und Oskar Meyer, die jeweils ungefähr den gleichen Anteil an Seiten umfassen. Die Einschübe der Perspektivwechsel durch die Briefe erfolgt regelmäßig. Auf sechs Kapitel der Haupthandlung folgen drei Kapitel der Nebenhandlung.

Unter der Drachenwand, Aufbau und Kapiteleinteilung Grafik, StudySmarterAufbau der Handlung in "Unter der Drachenwand"

Die Erzählperspektive

"Unter der Drachenwand" wird aus der Sicht von fünf verschiedenen Ich-Erzählern wiedergegeben.

Der Ich-Erzähler beschreibt die Handlung aus der Ich-Perspektive, also aus der Sicht eine bestimmten Person, die sich in der fiktionalen Welt befindet. Daher erfährt der Leser nur die Gefühle und Gedanken dieser einen Person oder Informationen, die im Gespräch mit anderen Personen geäußert werden. Über die Hintergründe oder Gedanken anderer Figuren kann der Ich-Erzähler keine Angaben machen. Zu erkennen ist diese Erzählperspektive an der Ich-Form.

  • Haupthandlung: In der Haupthandlung stellt Veit Kolbe den Ich-Erzähler dar, der in seinen Tagebucheinträgen überwiegend chronologisch von den Geschehnissen erzählt, die mit seiner Verletzung an der Ostfront im November 1943 beginnen. Obwohl der gesamte Text Veits Niederschrift in sein Tagebuch darstellt, werden einzelne Auszüge daraus im Text immer wieder besonders durch Kursivschrift hervorgehoben. Dadurch wird verdeutlicht, dass Veit gewisse Zeitpunkte, die von besonderer Bedeutung sind, festhält. Durch die Ich-Perspektive wird die Gefühlswelt Veits für den Leser offengelegt, die von Angst- und Panikattacken aufgrund seiner Erlebnisse im Krieg geprägt sind.

  • 1. Nebenhandlung: Die erste Nebenhandlung wird aus der Ich-Perspektive von Margots Mutter erzählt, die in Briefen an ihre Tochter von der Lage in Darmstadt erzählt. Sie beschreibt die Zerstörung der Stadt durch die Luftangriffe, die Sorge um ihre Töchter und ermahnt Margot zur Treue zu ihrem Ehemann an der Front.

  • 2. Nebenhandlung: In der zweiten Nebenhandlung ist Kurt Ritler der Ich-Erzähler. In seinen Briefen an seine Cousine Annemarie Schaller drückt er seine Zuneigung aus, sowie seine Gedanken und Verzweiflung in Sorge vor dem Einzug zum Militär. Außerdem schreibt Kurt seinem Freund Ferdl und berichtet von den Zuständen an der Front.

  • 3. Nebenhandlung: Oskar Meyer ist der Ich-Erzähler der dritten Nebenhandlung, in der er an seine Cousine Jeanette schreibt. Er schildert darin die Flucht der Familie nach Budapest und die tragische Verschlechterung der Zustände durch den Einmarsch der deutschen Truppen und das Verschwinden seiner Frau und seines Sohnes.

  • Nachbemerkungen: Der letzte Ich-Erzähler ist unbekannt und meldet sich in den Nachbemerkungen zu Wort, in denen über das Schicksal der Figuren nach dem Ende des Krieges berichtet wird. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Ich-Erzählern ist der Erzähler der Nachbemerkungen nicht Teil des Geschehens bzw. der fiktionalen Welt, sondern berichtet mit einem gewissen Abstand zu den Figuren.

Die Sprache

Die Sprache, die der Alltagssprache entspricht, variiert je nach Erzähler, sodass eine Unterscheidung der Figuren anhand ihrer Sprache vorgenommen werden kann. Veit Kolbe verwendet in seinen Tagebucheinträgen überwiegend einfache Sprache, die funktionell der Darstellung seines Alltags dient, weshalb er häufig nur Hauptsätze aneinanderreiht.

Doch für einen mit Krücken war das ausgeschlossen. Ich humpelte über den Gehsteig. In den Straßen herrschte ein Gedränge zum Verrücktwerden.

Alle Zitate stammen aus "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger erschienen im Carl Hanser Verlag München (2018).

Darüber hinaus finden sich jedoch auch stilistisch ausgestaltete Sätze mit einer großen Variation im Wortschatz von Veit Kolbe, die auf einen hohen Bildungsgrad des Soldaten hindeuten.

Die Drachenwand zeichnete sich deutlich ab, ein über die klirrenden Wälder gereckter Schädel, der mit leeren Augen auf die Landschaft herabstierte. Es dämmerte, und über das dünne Eis des an seinen Rändern zugefrorenen Sees schienen die ersten Lichter zu huschen.

Aufgrund seiner Wiener Herkunft und dem Handlungsort in Oberösterreich werden von Veit häufig mundartliche Begriffe wie "Jänner" (Januar), "Gewurl" (Gedränge) oder "Germ" (Hefe) verwendet. Dadurch ist es möglich, dass sich der Leser besser in die Örtlichkeiten und Geschehnisse hineinversetzen kann.

Mundartliche österreichische Begriffen, die eine Variante der deutschen Sprache darstellen, werden auch Austriazismen genannt.

Auch Veits Abneigung zum Krieg und der politischen Führung wird durch seine Sprache verdeutlicht, da er sich über die Wehrmacht und seine Vorgesetzten sowie die Geschehnisse überwiegend ironisch und sarkastisch äußert. Dadurch wahrt er eine gewisse Distanz zu den Geschehnissen, obwohl er als Soldat direkt an den Kampfhandlungen beteiligt ist.

Leider wollte der F. dem Thron nicht entsagen, und der Krieg, der zu einer chronischen Krankheit geworden war, wurde mit noch größerer Verbissenheit fortgesetzt.

In diesem Beispielsatz – und durch den gesamten Roman hinweg – bezeichnet Veit Adolf Hitler sarkastisch nur als "F.". Dadurch wird deutlich, dass er dessen Rang nicht anerkennt und eine solche Abneigung empfindet, dass er den gesamten Namen nicht aussprechen möchte. Zum anderen nutzt er Metaphern, indem er den Krieg mit einer chronischen Krankheit und Hitler mit einem sturen König, der nicht abdanken will, vergleicht. Mit dieser Aussage unterstellt er der politischen Führung ein komplettes Versagen und verspottet die Verantwortlichen des Krieges.

Die Metapher ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem der eigentlich gemeinte Begriff durch einen anderen sprachlichen Ausdruck ersetzt wird. Dabei wird eine sprachliche Bedeutungsübertragung vollzogen. Zwei Bereiche werden miteinander verbunden, die im eigentlichen Sinne nicht zusammengehören.

Die anderen Figuren heben sich in ihrer Einstellung zum Krieg von Veit ab. Sie äußern sich besorgt über ihre Familie und angstvoll angesichts der Luftangriffe und Situation an den Fronten über den Krieg.

Die Ich-Erzähler unterscheiden sich sprachlich darin, dass Margots Mutter aufgrund ihrer Herkunft einen leicht hessischen Dialekt besitzt, Kurt überwiegend Wendungen der Jugendsprache in seinen Briefen verwendet und Oskar Meyer in gehobener Sprache schreibt, was von einem hohen Bildungsgrad zeugt und seinem Beruf als Zahntechniker entspricht.

Interpretation von "Unter der Drachenwand"

"Unter der Drachenwand" bietet verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, da neben der allgemeinen Kritik am Krieg und dem daraus resultierenden Trauma auch auf die Liebe und Hoffnung der einzelnen Figuren eingegangen wird. Zudem stellt die Drachenwand ein Leitmotiv des Romans dar.

Die Drachenwand

Die Drachenwand ist namensgebend für den Roman, obwohl der Handlungsort der Erzählung die Ortschaft Mondsee ist. Jedoch befindet sich am Ufer des Mondsees eine hochragende Felswand, die als Touristenziel im oberösterreichischen Salzkammergut gilt und an die umliegenden Orte Sankt Lorenz, Plomberg und Mondsee grenzt. Der Titel des Romans weist darauf hin, dass Mondsee buchstäblich unter der Drachenwand liegt, was auch die Bedeutung des immer wiederkehrenden Motivs bestätigt, denn für Veit galt die Drachenwand immer als etwas Bedrohliches.

[...] die schroff über dem Ort aufragende Drachenwand [...]

Diese Vorahnung bzw. Einstellung gegenüber der Drachenwand bestätigt sich, als die Leiche von Annemarie Schaller am Fuße des Berges gefunden wird. Die junge Schülerin sah in der Drachenwand immer das Abenteuer und wollte mit Kurt im Frühling das Felsmassiv besteigen.

Darüber hinaus bietet die Drachenwand Veit einen Schutzwall vor dem Krieg. Er hat Mondsee als seinen Rückzugsort ausgewählt, um zum ersten Mal seit seinem Eintritt in den Krieg ein normales Leben zu führen.

Für Veit hat die Drachenwand eine besondere Symbolkraft, die ihm zum einen Schutz gewährt, aber zum anderen auch daran erinnert, was ihn auf der anderen Seite des Felsen erwartet. In seinen Tagebucheinträgen nutzt er daher häufig Personifikationen, um die Bedeutung der Drachenwand für ihn darzustellen.

Bei einer Personifikation werden einer Sache menschliche Eigenschaften oder Verhaltensweisen zugeschrieben, damit die Sprache lebendiger wirkt und Sachverhalte veranschaulicht werden. Man spricht auch von der Vermenschlichung einer Sache.

Die Drachenwand schaute schroff herüber [...].

Kritik am Krieg

"Unter der Drachenwand" übt zum einen Kritik an der politischen Führung und der Ideologie, die hinter dem Krieg steckt. Dies verdeutlicht vor allem die Figur des Brasilianers, der wegen seiner Systemkritik ins Gefängnis muss. Zum anderen geht der Roman auf die Begleiterscheinungen ein, die die Menschen abseits der Kriegsfronten plagen. Dazu gehören die Ängste der Menschen um ihre Angehörigen und ihre Zukunft. Das wird durch Margots Mutter besonders deutlich, die sich um ihre Töchter sorgt und um ihr Leben in Darmstadt, nachdem die Stadt zerbombt wurde.

Es wird ebenfalls die Angst der Männer vor einer Berufung an die Front beschrieben. Diese Sorge plagt Veit, der seine Eignungsuntersuchung so lange wie möglich herauszögert, aber auch seinen Onkel Johann und Kurt. Veits Angst und posttraumatische Belastungsstörung resultieren aus seinen Erfahrungen und den Geschehnissen, die er in den vier Kriegsjahren bereits erlebt hat. Er wird von den traumatischen Erinnerungen seiner Zeit an der Front geplagt, was sich in Panikattaken und Angstzuständen äußert.

Dieser psychische Zustand des jungen Soldaten wirkt sich auch auf sein Sozialleben aus, da es ihm schwerfällt wieder Kontakte zu knüpfen und ein alltägliches Leben zu führen. Zudem wird er abhängig von Pervitin, einem Aufputschmittel, das im Zweiten Weltkrieg zur Leistungssteigerung der Soldaten verwendet wurde. Häufige Nebenwirkungen des Mittels sind starke Stimmungsschwankungen und Überreaktionen. Durch Veits häufige Einnahme des Mittels wirken sich die Nebenwirkungen ein so stark auf sein Verhalten aus, dass er in einer Überreaktion seinen Onkel erschießt, um seinen Freund zu schützen.

Und das Pervitin war bestimmt nicht ganz schuldlos, dass ich abdrückte.

"Unter der Drachenwand" als Liebesroman

Neben der Kriegsthematik spielt die Liebe eine bedeutende Rolle für die Hauptfiguren. Am deutlichsten zeigt das wieder die Figur Veit, der als gebrochener Mann mit körperlichen Verwundungen und einer psychischen Störung aus dem Krieg zurückkehrt, aber durch seine Liebe zu Margot wieder Fuß im Leben fasst. Die Aussicht auf ein gemeinsames Leben mit Margot motiviert Veit sogar dazu, ein zweites Mal in den Krieg zu ziehen.

Die Beziehung zu Margot erfüllt Veit zudem mit neuer Hoffnung, die kurz nach seiner Rückkehr nicht vorhanden schien, als er seine Zeit im Krieg als verlorene Jahre beschrieben hat. Diese Hoffnung führt den Soldaten durch seinen zweiten Einsatz an der Front, sodass er nach dem Krieg wieder mit Margot vereint wird.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund

"Unter der Drachenwand" spielt vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs in den Kriegsjahren 1943/44. Durch die unterschiedlichen Perspektiven, die im Roman beleuchtet werden, erfasst die Erzählung mehrere Aspekte, die bezeichnend für den Zweiten Weltkrieg waren. Dazu zählen die Judenverfolgung, Luftangriffe oder die Berufung an die Front von Jungen aus der Hitlerjugend.

Die Judenverfolgung

Die Propaganda der Nationalsozialisten im Dritten Reich richtete sich auf die Abwertung, Vertreibung und schließlich die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Diese Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie beruhte auf der Anschuldigung, dass die Juden Sozialisten seien und aufgrund ihres Reichtums für den Kapitalismus verantwortlich seien. Somit wurde ein Feindbild geschaffen gegen das sich die restliche Bevölkerung wendete. Zur Folge hatte dies, dass der jüdischen Bevölkerung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ihre bürgerlichen Rechte entzogen wurde. Darüber hinaus waren sie systematischer Verfolgung ausgesetzt, was einige zur Flucht in andere Staaten bewegte.

Das ist auch der Grund für die Flucht von Oskar Meyer und seiner Familie nach Budapest. Die Lage dort verschlechterte sich jedoch im März 1944, als die deutschen Truppen Ungarn besetzten, da der ungarischen Regierung Kontakte mit den Alliierten zur Last gelegt wurden. Es folgten Deportationen der jüdischen Bevölkerung in Konzentrationslager und die Verfolgung in den Budapester Ghettos, was zu vielen weiteren Todesopfern führte.

Die Luftangriffe und Hitlerjugend

Margots Mutter beschreibt in ihren Briefen die Luftangriffe auf Darmstadt und die Zerstörung der Läden und der Infrastruktur. Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg erfolgten als Reaktion der alliierten Mächte USA und des Vereinigten Königreichs auf die gewaltsame Ausbreitung des Deutschen Reichs in Europa. Vor allem in den letzten Kriegsjahren wurden die großen deutschen Städte bombardiert und nahezu komplett vernichtet, um die Wirtschaft und die Infrastruktur des Deutschen Reichs zu zerstören.

Um die Ideologie der Nationalsozialisten nachhaltig zu sichern wurden bereits Jugendliche ab 14 Jahren zur sogenannten Hitlerjugend berufen, um sie auf einen künftigen Einsatz beim Militär vorzubereiten. Vor allem zu Ende des Krieges wurden viele Jugendliche der Hitlerjugend an die Front berufen, da die Wehrmacht zu dieser Zeit große Verluste erlitt und nur noch wenige Soldaten zu Verfügung standen, weshalb auch Kurt 1944 vom Militär eingezogen wurde.

Ein Bündel Briefe

Der Roman basiert auf einem Bündel Briefe aus dem Zweiten Weltkrieg, die Arno Geiger auf einem Flohmarkt erworben hat. Daraufhin bemühte sich der Autor um weitere Briefe, die aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen. Die Inhalte der Briefe entsprechen dem Kontext des Romans, worin die Leute versuchen ein normales, alltägliches Leben zu führen, obwohl um sie herum der Krieg tobt. Daher liegt die Hauptthematik des Romans auf den Begleiterscheinungen des Krieges und seinen Auswirkungen auf das Sozialleben.

Der Autor Arno Geiger

Arno Geiger wurde am 22. Juli 1968 in Bregenz geboren und ist ein mehrfach ausgezeichneter österreichischer Schriftsteller. Er studierte in Innsbruck und in Wien Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaften. Vor seiner Tätigkeit als Schriftsteller war er als Videotechniker tätig und veröffentlichte im Jahr 1997 seinen ersten Roman "Kleine Schule des Karussellfahrens". 2005 wurde er mit dem Deutschen Buchpreis für seinen Roman "Es geht uns gut" ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen darüber hinaus "Der alte König in seinem Exil", worin er die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters thematisiert, "Unter der Drachenwand" und "Alles über Sally".

Unter der Drachenwand - Das Wichtigste

  • "Unter der Drachenwand" ist ein Roman des österreichischen Autors Arno Geiger, der von dem jungen Soldaten Veit Kolbe handelt, der nach einer Kriegsverletzung in die Gemeinde Mondsee unter der Drachenwand zurückkehrt und versucht seinen Weg zurück ins Leben zu finden.
  • Die Handlung findet in den Jahren 1943/44 statt und umfasst eine Haupthandlung, sowie drei Nebenhandlungen, die durch Briefe von Margots Mutter sowie Kurt Ritler und Oskar Meyer dargestellt werden und aus der jeweiligen Sicht in Form eines Ich-Erzählers wiedergegeben werden.
  • "Unter der Drachenwand" ist überwiegend in einfacher Alltagssprache verfasst, durch sprachliche Besonderheiten wie Ironie und Sarkasmus wird jedoch die Abneigung gegenüber der Ideologie des Krieges und der politischen Führung dargestellt.
  • Der Roman thematisiert überwiegend die Begleiterscheinung des Krieges abseits der Fronten und seine Auswirkung auf das Sozialleben, sowie den Alltag der Menschen.
  • Die Judenverfolgung, die Luftangriffe und die Bedeutung der Hitlerjugend zur Zeit des Nationalsozialismus sind Aspekte, die im Roman thematisiert werden.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Unter der Drachenwand


"Unter der Drachenwand" basiert auf vielen, voneinander unabhängigen, Tagebucheinträgen und Briefen, wodurch es Aspekte wahrer Begebenheiten enthält, aber nicht auf einer einzigen wahren Geschichte beruht. 

Als Anlass für den Roman gilt der Fund von einem Bündel Briefe aus dem zweiten Weltkrieg auf einem Wiener Flohmarkt. Außerdem war Arno Geigers Vater als Soldat im zweiten Weltkrieg und gilt als Inspiration für die Figur des Veit.

"Unter der Drachenwand" ist ein Antikriegsroman, der aber überwiegend von den Auswirkungen des Krieges auf das soziale Leben und den Alltag zur damaligen Zeit handelt. Außerdem kann "Unter der Drachenwand" als Liebesroman eingeordnet werden, da vor allem die Liebe zu Margot Veit zurück in ein normales Leben führt und ihn seinen zweiten Einsatz an der Front durchstehen lässt.

"Unter der Drachenwand" ist kein Kriegsroman, sondern ein Antikriegsroman, da er den Krieg, die Ideologie dahinter und die politischen Führung kritisch betrachtet. Der Roman kann ebenfalls als Liebesroman kategorisiert werden, da vor allem die Liebe zu Margot Veit zurück in ein normales Leben führt und ihn seinen zweiten Einsatz an der Front durchstehen lässt.

Finales Unter der Drachenwand Quiz

Frage

Wer schrieb "Unter der Drachenwand"? 

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Arno Geiger 

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Wann spielt "Unter der Drachenwand"? 

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"Unter der Drachenwand" beginnt im November 1943 und endet im Dezember 1944. 

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Wo war Veit Kolbe stationiert? 

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Veit Kolbe war an der Ostfront in Russland stationiert. 

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Warum kehrte Veit aus dem Krieg nach Österreich zurück? 

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Veit wurde an der Front von einem Granatsplitter verletzt und wurde zur Erholung zurück nach Österreich geschickt. 

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Frage

Warum will Veit nach seiner Rückkehr nicht in Wien bei seinen Eltern wohnen? 

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Antwort

Veits Vater ist nach fünf Jahren immer noch kriegsbegeistert. Veit ist hingegen kriegsmüde, er unterstützt das System bzw. die politische Führung nicht und ist schwer traumatisiert von seinen Erlebnissen. Deshalb möchte er sich zurückziehen und nicht mit seinem Vater unter einem Dach leben. 

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Frage

Was ist die "Drachenwand"? 

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Antwort

Die Drachenwand ist eine Felswand im oberösterreichischen Salzkammergut, die als beliebter Ort für Bergtouristen gilt. Sie liegt am Ufer des Mondsees und an sie grenzen die Orte Sankt Lorenz, Plomberg und Mondsee. 

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Frage

In welcher Erzählperspektive ist der Roman verfasst? 

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Ich-Erzähler

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Aus der Perspektive welcher Figuren ist "Unter der Drachenwand" verfasst? 

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Antwort

"Unter der Drachenwand" ist aus der Ich-Perspektive von Veit, Kurt, Margots Mutter und Oskar Meyer verfasst. 

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Frage

Was unternimmt Veit gegen seine Panikattacken? 

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Er nimmt Pervitin, ein bekanntes Aufputschmittel im zweiten Weltkrieg, ein. 

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Mit wem beginnt Veit eine Liebesbeziehung? 

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Margot 

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Wie viele Nebenhandlungen weist der Roman auf? 

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Antwort

drei 

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Frage

Was versteht man unter einem Austriazismus

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Austriazismen sind mundartliche österreichische Begriffe, die eine Variante der deutschen Sprache darstellen.

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Frage

Wie äußert sich die Ablehnung Veits gegenüber dem Nationalsozialismus sprachlich

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Antwort

Veit schreibt stets ironisch und sarkastisch über die politische Führung, sodass er sie abwertet. Er nutzt außerdem Metaphern, um sie zu verspotten

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Frage

Welche symbolische Bedeutung hat die Drachenwand? 

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Antwort

Die Drachenwand steht zum einen für Bedrohung und zum anderen dient sie als Schutzwall vor dem Krieg der dahinter tobt. 

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Frage

Was wird in "Unter der Drachenwand" kritisiert

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Antwort

"Unter der Drachenwand" übt zum einen Kritik an der politischen Führung und der Ideologie, die hinter dem Krieg steckt und zum anderen geht der Roman auf die Begleiterscheinungen ein, die die Menschen abseits der Kriegsfronten plagen.

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Frage

Auf welche Aspekte des zweiten Weltkriegs wird im Roman besonders eingegangen? 

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  • Judenverfolgung
  • Luftangriffe 
  • Hitlerjugend 
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