Ingrid Babendererde

Andererseits lief der Schnellzug D16 am Sonnabend wie üblich seit Mitternacht durch die sogenannte norddeutsche Tiefebene; [...]. Einerseits kam am Dienstag kurz vor Mittag ein langes graues Motorboot auf dem Fluss aus dem kühlen Weitendorfer Wald unter die Sonne.1  

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsangabe

    Der Roman "Ingrid Babendererde" beginnt mit dem Wort "andererseits", sowie auch das zweite Kapitel mit dem Wort "andererseits" anfängt. Das ist eine der Besonderheiten des Werks, das sich mit dem Thema DDR, Sozialismus und den Folgen, die es hat, sich gegen das Regime zu stellen, befasst.

    Regime ist französisch und heißt übersetzt "Herrschaft" oder "Lenkung". Wird von einem Regime gesprochen, ist damit meistens eine totalitäre, nicht demokratische Regierung gemeint.

    "Ingrid Babendererde" von Uwe Johnson wurde 1953 verfasst und 1985 posthum veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte einer Abitur-Abschlussklasse, eine Woche vor der Reifeprüfung. Es geht um die Repression von Kirchenmitgliedern und die Folgen für drei Freunde, die eine Mitschülerin verteidigen, die Mitglied einer christlichen Jugendgruppe ist.

    Die Bedeutung vom Namen "Babendererde", gesprochen, "Baben der Erde", kommt aus dem Plattdeutschen und heißt "über der Erde". Als Reifeprüfung werden hier die Abitur-Abschlussprüfungen bezeichnet.

    "Ingrid Babendererde" – Kapitel Zusammenfassung

    Uwe Johnson erzählt die Geschichte der Freunde Ingrid, Klaus und Jürgen, die im Jahr 1953 kurz vor den Abiturprüfungen stehen. Die Freunde leben in einer kleinen Stadt in Mecklenburg in der DDR und verteidigen eine Mitschülerin, die Mitglied in der "Jungen Gemeinde" ist und von der Schule verwiesen werden soll, weil sie ihr FDJ-Mitgliedsbuch wegwirft.

    DDR, SED, FDJ und Junge Gemeinde

    Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Gebiete Deutschlands unter den Siegermächten Frankreich, Großbritannien, der Sowjetunion und den USA aufgeteilt. Es entstanden zunächst vier, später zwei sogenannte Besatzungszonen, in denen sich das Leben der Menschen stark voneinander unterschied. Aus einer dieser Besatzungszonen wurde die DDR, die Deutsche Demokratische Republik.

    In der DDR war eine Partei an der Macht: die Sozialistische Einheitspartei, kurz SED. Andere Parteien wurden zwar geduldet, hatten aber keinen politischen Einfluss. Die SED hatte die komplette Kontrolle über die Öffentlichkeit. Somit war die DDR eine Diktatur des SED-Regimes, da es keine Gewaltenteilung gab und die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger stark eingeschränkt war.

    Die DDR war ein sozialistischer Staat. Im Sozialismus gibt es kein Privateigentum an Produktionsmitteln mehr, sondern der Staat plant zentral, was produziert wird. Er hat die Macht über die Verteilung von Fabriken, Boden für Landwirtschaft oder Kapital. Die Werte von Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind im Sozialismus die Basis für Wirtschaft und Gesellschaft.

    Die Freie Deutsche Jugend, kurz FDJ, war die einzige zugelassene Jugendorganisation in der DDR. Ihre Aufgabe war es, junge Menschen nach sozialistischen Vorbild zu erziehen und zu formen. Die Mitgliedschaft war freiwillig, jedoch hatten Jugendliche viele Nachteile, wenn sie kein Mitglied waren. Das betraf sowohl den Besuch weiterführender Schulen, als auch die Zulassung zum Studium oder zur Berufsausbildung.

    Der Begriff "Junge Gemeinde" bezeichnete in der DDR eine Jugendgruppe innerhalb der evangelischen Kirche. Im Frühjahr 1953 wurde die Junge Gemeinde als illegale Organisation eingestuft. Eine wesentliche Rolle kam dabei der FDJ zu, die durch Hetzartikel der christlichen Jugendgruppe schaden sollte.

    Wenn Du mehr zur DDR wissen möchtest, schau Dir gern die Erklärungen im Fach Geschichte zu diesen Themen an.

    Der Roman "Ingrid Babendererde" ist in vier Teile gegliedert. Die Kapitel sind dabei fortlaufend nummeriert. Diese Angaben finden sich auch in den Teilüberschriften in dieser Zusammenfassung wieder.

    Teil 1: Kapitel 1 bis 15

    Im Sommer 1953 stehen die Freunde Ingrid, Klaus und Jürgen kurz vor den Abschlussprüfungen für ihr Abitur, den Reifeprüfungen. Klaus und Ingrid sind ein Liebespaar und auch Jürgen ist in Ingrid verliebt. Die Freunde lernen gemeinsam für die Prüfungen, verbringen aber auch in ihrer Freizeit viel Zeit miteinander, z.B. bei gemeinsamen Segeltouren.

    In der Schule wird nach dem sozialistischen Weltbild unterrichtet. Aber während Jürgen ein überzeugter Sozialist ist, verhalten sich Ingrid und Klaus den Lehrern gegenüber gleichgültig und ironisch. Einige Mitschülerinnen und Mitschüler sind in der "Jungen Gemeinde" aktiv, was vom sozialistischen Staat nicht gern gesehen wird. Die Mitglieder der FDJ verlangen auf einer Versammlung, dass eine Mitschülerin ihre Zugehörigkeit zur "Jungen Gemeinde" rechtfertigt. Diese wirft dem FDJ-Leiter ihr Mitgliedsbuch vor die Füße, woraufhin sie einen Schulverweis erhalten soll.

    Teil 2: Kapitel 16 bis 28

    Die Freunde Ingrid, Klaus und Jürgen sprechen über den Schulverweis ihrer Mitschülerin und sind sich einig, dass sie etwas dagegen unternehmen müssen. Jürgen wendet zwar ein, dass sie sich bisher nie für die christliche Gruppe interessiert hätten, aber er ist auch der Meinung, dass niemand wegen seines Glaubens bestraft werden sollte.

    Jürgen gibt der Mitschülerin vormittags in der Schule ihr FDJ-Mitgliedsbuch zurück und versucht abends, ihr auf einer Sitzung der FDJ zu helfen. Er sagt, seine Mitschülerin sei provoziert worden, als behauptet wurde, die "Junge Gemeinde" sei eine westliche Spionagegruppe. Jürgen wird ermahnt, weil er das Mitgliedsbuch ohne Rücksprache mit der FDJ-Führung zurückgegeben hatte.

    Teil 3: Kapitel 29 bis 48

    Der Direktor der Schule beruft eine Versammlung an der Schule ein, bei der er vor allen Schülerinnern und Schülern eine Rede gegen die "Junge Gemeinde" hält. Außerdem soll sich Ingrid auf dieser Versammlung zu dieser christlichen Gruppe äußern. Doch anders, als vom Schulleiter erwartet, spricht sie nicht gegen die "Junge Gemeinde" oder über den Fall ihrer Mitschülerin, sondern über Persönlichkeitsrechte. Sie spricht sich dafür aus, dass die Schülerinnen und Schüler anziehen dürfen, was sie wollen und die Bücher lesen dürfen, die ihnen wichtig seien. Ihre Rede erntet Applaus von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern.

    Teil 4: Kapitel 49 bis 61

    Ingrid verlässt nach ihrer Rede die Versammlung. In ihrer Abwesenheit wird indessen darüber abgestimmt, ob Ingrid vom Abitur ausgeschlossen werden soll. Obwohl die Schülerinnen und Schüler Ingrid bei ihrer Rede applaudierten, stimmen die meisten für ihren Ausschluss. Ingrid darf die Schule daraufhin nicht mehr betreten und wird von einem Stasi-Mitarbeiter verfolgt.

    Ingrid und Klaus beschließen, nach West-Berlin zu fliehen. Jürgen unterstützt die beiden, bleibt aber selbst in der DDR zurück.

    Der Staatssicherheitsdienst, auch bekannt als Stasi, überwachte Menschen, die unter Verdacht standen, politischen Widerstand gegen die SED, Republikflucht oder Spionage zu planen oder zu verüben.

    "Ingrid Babendererde" – Charakterisierung / Figuren

    Für die Handlung von Uwe Johnsons Roman sind die drei Freunde Ingrid, Klaus und Jürgen zentral. Daneben gibt es noch weitere Figuren, die in Nebenrollen auftauchen, dazu gehören Mitschülerinnern und Mitschüler sowie einige Lehrkräfte.

    Ingrid

    • in einer Beziehung mit Klaus
    • ist mit Klaus und Jürgen befreundet
    • gut aussehend, bodenständig und freundlich
    • setzt sich für andere ein und kann andere überzeugen
    • hält in der Schule eine Rede über Meinungsfreiheit
    • flieht mit Klaus nach West-Berlin

    Klaus

    • in einer Beziehung mit Ingrid
    • nutzt Ironie und Sarkasmus, um Kritik am System zu äußern
    • liebt es zu segeln und ist naturverbunden
    • wächst bei Onkel und Tante auf, weil seine Eltern von den Nationalsozialisten ermordet wurden
    • flieht mit Ingrid nach West-Berlin

    Jürgen

    • ist in Ingrid verliebt und neidisch auf seinen Freund Klaus
    • lehnt Überwachung ab
    • ist Sozialist und engagiert sich in der FDJ
    • möchte demokratische Strukturen im Sozialismus etablieren
    • hilft seinen Freunden bei der Flucht nach West-Berlin

    "Ingrid Babendererde" – Analyse von Aufbau und Sprache

    Der Roman "Ingrid Babendererde" wurde vom Autor Uwe Johnson im Jahr 1953 in der DDR verfasst. Die Zeit, in der der Roman entstand, war geprägt vom Aufbau des Sozialismus nach sowjetischem Vorbild, von Repressionen, die u.a. gegen die Kirche erfolgten sowie von politischer Verfolgung. Viele Menschen flohen in den frühen Fünfzigerjahren in den Westen. Kritischen Stimmen begegnete die Regierung der DDR mit Zensur, Verboten und Gefängnisstrafen.

    Als Zensur wird die Kontrolle einer übergeordneten Instanz über die Veröffentlichung von Werken und Äußerung von Meinungen bezeichnet. Sie tritt in verschiedenen Formen auf, z.B. in dem Verbot bestimmte Themen zu behandeln, dem Verbot der Veröffentlichung einzelner Werke oder dem Verbot von Änderungen und Streichungen im Nachhinein.

    "Ingrid Babendererde" ist ein Werk, das sich kritisch mit der DDR auseinandersetzt. Der Autor versuche erfolglos, das Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Erst 1985 wurde es posthum veröffentlicht. Viele Erzähltechniken und Motive, die auch in Johnsons späteren Werken zu finden sind, verwendete er bereits in seinem Erstlingswerk.

    "Ingrid Babendererde" – Aufbau und Erzählweise

    Uwe Johnsons Roman "Ingrid Babendererde" umfasst 61 Kapitel mit 265 Seiten und ist in vier Teile gegliedert. Jeder dieser vier Teile beginnt mit einem kursiv gedruckten Abschnitt, der die Flucht von Ingrid und Klaus nach West-Berlin schildert. Damit wird das Ende der Geschichte der restlichen Handlung vorweggenommen. Durch diesen Verfremdungseffekt wird die Aufmerksamkeit der Lesenden gesteuert. Im Fokus steht dadurch nicht mehr, was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird.

    Die eigentliche Handlung umfasst den Zeitraum von vier Tagen vor der Flucht. Jeder der vier Teile erzählt dabei von einem Schultag. Eine Ausnahme bildet der dritte Teil, denn dort wird in einer längeren Rückblende vom Beginn der Freundschaft zwischen Ingrid, Klaus und Jürgen erzählt.

    Auffällig sind die häufigen Orts,- Zeit- und Perspektivwechsel in der Geschichte. Dadurch werden Lesende herausgefordert, mitzudenken und sich eine eigene Meinung zu bilden. Außerdem arbeitet Uwe Johnson immer wieder mit Gegensätzen. Das zeigt sich erzähltechnisch darin, dass die Szenen der Schule in einer kleinen Stadt in Mecklenburg spielen, die Nachmittage aber ländlich geprägt sind und meist auf Seen spielen. Die Schule steht dabei für politische Indoktrination und Reglementierung und die Nachmittage am See für das Segeln, vertraute Gespräche unter Freunden und Freiheit.

    Mit Indoktrination wird die Beeinflussung Einzelner oder ganzer Gesellschaftsgruppen in Hinblick auf die Bildung einer bestimmten Einstellung oder Meinung bezeichnet.

    Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953 – Erzähler

    "Ingrid Babendererde" wird in personaler Erzählform geschildert. Dabei wechselt die Perspektive immer wieder. Neben den Hauptfiguren Ingrid, Klaus und Jürgen, nehmen auch andere Figuren die Rolle des Erzählers ein, darunter Lehrkräfte und Familienangehörige. Diese Wechsel erschweren eine Identifikation mit einer Figur und fordern Lesende auf, mitzudenken.

    Wenn Du mehr über den personalen Erzähler wissen möchtest, schau doch in die Erklärungen "Erzähler", "Erzählverhalten" und "Erzählform" an.

    "Ingrid Babendererde" – Redeanalyse

    Im dritten Abschnitt, Kapitel 41, hält Ingrid auf einer Versammlung vor allen Schülerinnen und Schülern eine Rede, zu der sie vom Schulleiter aufgefordert wurde. Diese Rede transportiert ein wichtiges Thema von Uwe Johnsons "Ingrid Babendererde".

    Ingrid soll über die Junge Gemeinde und die Rechte der Kirche sprechen, allerdings lehnt sie das ab, denn sie kennt sich, so sagt sie, mit diesem Thema nicht aus. Stattdessen spricht sie über die Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrechte. Sie leitet das Thema ein, indem sie von einer Mitschülerin spricht, die nach den Ferien mit neuen Hosen zur Schule kam. Diese Hosen waren aus West-Berlin und die Schülerin durfte diese nicht mehr tragen.

    Ich möcht nu wirklich sagen dass das nicht so gut ist. Wir können ja wohl nicht alle Herrn Siebmanns Anzug tragen, wir mögen uns auch nicht alle so benehmen wir er. Ich bin also dafür dass Eva Mau ihre Hosen tragen dürfen soll. Und ich bin also auch dafür, dass Peter Beetz sein Abzeichen tragen darf, wenn es auch ein Kreuz auf einer Kugel ist.1

    Der erste Satz in diesem Zitat zeigt deutlich, wie sie zu Verboten steht, die die Meinungsfreiheit der Schülerinnen und Schüler einschränken. Sie lehnt die Haltung der Schule – und damit auch die des DDR-Regimes – ab. Danach nennt sie Beispiele, in denen die Meinungsfreiheit eingeschränkt wurde. Sie spricht sich dafür aus, dass ihre Mitschülerinnen und Mitschüler tragen dürfen, was sie wollen, wobei sie auch das Zeichen der Jungen Gemeinde einbezieht.

    Ingrid bezieht als Einzige auf der Versammlung Stellung zu dem Konflikt, den es zwischen der Jungen Gemeinde und der FDJ gibt. Sie sagt zwar, dass sie sich mit den Rechten der Kirche nicht auskenne, macht aber dennoch deutlich, dass sie das, was die Schule vorhat, verurteilt. Es wird deutlich, dass sie die Macht des Staates auf Schule und Erziehung verurteilt.

    "Ingrid Babendererde" – Sprache

    Die Sprache in Johnsons "Ingrid Babendererde" ist anspruchsvoll. Der Satzbau ist parataktisch und es gibt viele Aneinanderreihungen. Zudem weicht die Syntax an vielen Stellen von der Norm ab.


    Bei der Parataxe werden eigenständige Hauptsätze nebeneinandergestellt. Diese Sätze sind durch Konjunktionen, Kommas, Semikolons oder Gedankenstriche voneinander getrennt.

    Diese sprachlichen Merkmale finden sich bereits im ersten Kapitel des Buches. Dort wird im vorangestellten Teil Ingrids und Klaus' Flucht nach West-Berlin beschrieben.

    Neben ihr auf der anderen Seite des Koffers sass eine Frau schon seit Güstrow, und ihr wurde übel wegen der raschen Fahrt bei geschlossenen Fenstern, und sie gurgelte in ihrem Hals und hatte keine Besinnung; sie kam erst zu sich als der Zug hielt im Ostbahnhof von Berlin.1

    Bereits im ersten Teilsatz wird deutlich, dass die Stellung der Satzglieder nicht der grammatikalischen Norm entspricht. Die Wortgruppe "schon seit Güstrow" müsste an den Anfang des Satzes oder vor "eine Frau". Des Weiteren wird an diesem Beispiel deutlich, wie Aneinanderreihungen verwendet werden. Johnson schreibt hier mehrere Sachverhalte in einen Satz, die durch ein Komma getrennt und mit "und" eingeleitet werden. Der letzte Teilsatz ist durch ein Semikolon abgetrennt, was deutlich macht, dass die Trennung zu den anderen Satzteilen hier größer ist und diesem damit eine größere Bedeutung gibt.

    Johnson verwendet in "Ingrid Babendererde" vielfach niederdeutschen Dialekt, wenn es sich um Dialoge im privaten Umfeld handelt. Damit wird Vertrautheit und Nähe zwischen den Figuren gezeigt.

    Als die alte Frau Niebuhr mit Teller und Handtuch in den Händen an das Becken trat, sah sie erstaunt auf Heini Holtz und sagte: Se sünd sche woll nich de >>Schwanhavel<<? Goden Dag ok: setzte sie hinzu.1

    Frau Niebuhr spricht Plattdeutsch. Auf Hochdeutsch würde ihre Dialogzeile heißen: "Sie sind ja wohl nicht die "Schwanhavel"? Guten Tag auch."

    Unter Niederdeutsch, auch Plattdeutsch genannt, werden mehrere Dialekte zusammengefasst, die hauptsächlich in Norddeutschland und im Osten der Niederlande gesprochen werden.

    Für die Dialoge in der Schule verwendet Uwe Johnson hingegen Hochdeutsch. Damit wird einerseits die fehlende Vertrautheit und Nähe gezeigt, aber auch die politische Indoktrinierung durch die SED-Parteimitglieder, die sowohl durch Lehrer, als auch durch FDJ-Mitglieder deutlich wird.

    Ein Stilmittel, das Uwe Johnson in "Ingrid Babendererde" häufig verwendet, ist die Personifikation.

    Eine Personifikation verleiht Tieren, Pflanzen oder Gegenständen menschliche Charakterzüge, indem sie mit menschlichen Eigenschaften oder Handlungen in Verbindung gebracht werden.

    An mehreren Stellen beschreibt er den Dom in Güstrow und immer wieder kommen Personifikationen zum Einsatz.

    Über die Bäume am Mittelschiff hob sich der Turm in den Himmel, seine groben Kanten zitterten im Licht.1

    In diesem Zitat verleiht er dem Turm menschliche Eigenschaften, indem er beschreibt, dass dieser sich in den Himmel erhebt. Die Sprache wird dadurch sehr bildhaft und lebhaft.

    "Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953" – Interpretation / Bedeutung

    Der Titel von "Ingrid Babendererde" enthält den Zusatz "Reifeprüfung 1953", womit der Zeitraum der Handlung klar eingegrenzt wird. Es geht in dem Roman also um die Reifeprüfungen im Jahr 1953. Der Autor Uwe Johnson hat sein Abitur im Jahr 1952 gemacht. Es ist also anzunehmen, dass es autobiografische Bezüge im Werk gibt. Zudem befand der Autor sich im Jahr 1953 in einem Konflikt mit der SED-Leitung der Universität Rostock, an der er studierte. Dabei ging es um Religions- und Meinungsfreiheit in Bezug auf Mitglieder der Jungen Gemeinde.

    Ein Interpretationsansatz hat aufgrund der Thematik und der Handlung eine besonders große Bedeutung in "Ingrid Babendererde". Uwe Johnson kritisiert mit dem Roman das DDR-Regime.

    Die Kritik am DDR-Regime

    Johnsons Kritik an dem Regime wird auf unterschiedliche Weise dargestellt. So zeigt sich der Gegensatz zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft daran, dass im privaten Umfeld anders und freier gesprochen wird als in Gruppen. Das zeigt sich am Dialekt ebenso wie daran, dass Klaus und Ingrid privat über ihre Fluchtpläne sprechen, die sie in der Öffentlichkeit nicht äußern könnten. Auch das Gespräch darüber, wie die drei Freunde Klaus, Ingrid und Jürgen ihrer Mitschülerin vor einem Schulverweis helfen können, findet im privaten Raum statt.

    Dem gegenüber stehen der Staat und seine Institutionen. Der Unterricht an der Schule folgt den Richtlinien der sozialistischen Regierung. Die Schülerinnen und Schüler lernen das, was sich mit den Vorstellungen des Sozialismus deckt, wie er in der Sowjetunion existiert und auch in der DDR umgesetzt werden soll. Doch nicht nur im Unterricht wird darauf geachtet, dass die Schülerinnen und Schüler entsprechend den Vorstellungen des Staates erzogen werden, sondern auch in deren Beschäftigungen am Nachmittag geschieht das.

    Die FDJ war eine Jugendgruppe in der DDR, in der die meisten Jugendlichen Mitglied waren. Zwar war diese Mitgliedschaft freiwillig, aber wer sich dieser entzog, hatte mit Nachteilen bei der Berufs- und Studienwahl zu rechnen. Das Mitgliedsbuch öffnete Türen für die Zukunft der jungen Menschen. Wer hingegen der Jungen Gemeinde, einer evangelischen Jugendgruppe der DDR, angehörte, lief Gefahr, aufgrund seines Glaubens ebenfalls Schwierigkeiten zu bekommen. Die Mitglieder dieser Jugendgruppe wurden u.a. bezichtigt, Spione der USA zu sein.

    Uwe Johnson zeigt mit dieser Geschichte um die drei Jugendlichen Ingrid, Klaus und Jürgen, wie groß der Druck in der DDR war, sich dem Regime zu beugen, denn die, die es nicht taten, hatten mit Konsequenzen wie Schulverweisen zu rechnen. Obwohl Mitgliedschaften in sozialistischen Gruppen kein Zwang waren, war es dennoch von Nachteil, kein Mitglied zu sein. Damit wird gezeigt, dass es den Menschen in der DDR kaum möglich war, sich den Maßnahmen der SED-Regierung, zu einem Bürger nach Vorstellungen des Regimes zu werden, zu entziehen.

    Uwe Johnson – "Ingrid Babendererde"

    Uwe Johnson wurde am 20. Juli 1934 in Cammin in Pommern geboren. Er wohnte mit seiner Familie in Anklam und besuchte dort auch die Grundschule. Danach wechselte er auf eine Schule in einer anderen Stadt, die jedoch 1945 geschlossen wurde. Aufgrund des Kriegs musste die Familie zu Verwandten in die Nähe von Güstrow ziehen.

    Der Ort, in dem der Roman "Ingrid Babendererde" spielt, erinnert stark an Güstrow.

    Johnsons Vater wurde 1946 verhaftet und in die Sowjetunion deportiert, wo er ein Jahr später verstarb. Die Mutter zog mit ihren beiden Kindern nach Güstrow, wo Uwe Johnson 1952 die Reifeprüfung ablegte.

    Von 1952 bis 1956 studierte Johnson in Rostock und Leipzig Germanistik. Im Jahr 1953 setzte er sich für die Junge Gemeinde und die Meinungs- und Religionsfreiheit ein, womit er sich gegen die SED-Leitung der Universität stellte. Nach den Auseinandersetzungen wurde er der Hochschule verwiesen, jedoch 1953 wieder zum Studium zugelassen. Er beendete sein Studium 1956 in Leipzig. Im selben Jahr floh seine Mutter nach West-Berlin. Johnson blieb zunächst in der DDR, floh aber 1959 ebenfalls.

    Uwe Johnson starb am 24. Februar 1984 in England. Er war einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit. Er wurde mit u.a. dem Georg-Büchner-Preis (1971) und dem Fontane-Preis (1960) geehrt.

    Ingrid Babendererde – Das Wichtigste

    • Der Roman "Ingrid Babendererde" von Uwe Johnson wurde 1953 verfasst und 1985 posthum veröffentlicht, umfasst 265 Seiten und ist in vier Teile gegliedert.
    • In "Ingrid Babendererde" wird die Geschichte einer Abitur-Abschlussklasse, eine Woche vor der Reifeprüfung erzählt. Inhaltlich geht es um die Repression von Kirchenmitgliedern und die Folgen für drei Freunde, die eine Mitschülerin einer christlichen Jugendgruppe verteidigen.
    • Für die Handlung von Uwe Johnsons Roman sind die drei Freunde Ingrid, Klaus und Jürgen zentral. Daneben spielen auch Mitschülerinnern und Mitschüler sowie einige Lehrkräfte eine Nebenrolle.
    • Die Geschichte wird in der personalen Erzählweise geschildert. Uwe Johnson verwendet häufig Orts,- Zeit- und Perspektivwechsel. Außerdem nimmt er der Geschichte außerdem das Ende vorweg und baut längere Rückblenden ein.
    • Die Sprache in Johnsons "Ingrid Babendererde" ist anspruchsvoll. Der Satzbau ist parataktisch und es gibt viele Aneinanderreihungen. Zudem weicht die Syntax an vielen Stellen von der Norm ab. Johnson verwendet in "Ingrid Babendererde" vielfach niederdeutschen Dialekt. Außerdem finden sich in der Geschichte sehr viele Personifikationen.
    • Ingrid soll nach Aufforderung des Schulleiters über die Junge Gemeinde und die Rechte der Kirche sprechen, spricht stattdessen aber über Meinungsfreiheit und wird daraufhin von der Schule verwiesen.
    • Der Autor Uwe Johnson zeigt in "Ingrid Babendererde", wie groß der Druck in der DDR war, sich dem Regime zu beugen und dass es den Menschen in der DDR kaum möglich war, sich den Maßnahmen der SED-Regierung, zu einem Bürger nach Vorstellungen des Regimes zu werden, zu entziehen.

    Nachweise

    1. Uwe Johnson (1992). Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953. Suhrkamp Verlag.
    2. Marion Lühe (2015): Königs Erläuterungen - Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953. Bange Verlag.
    3. Inhaltsangabe.de: Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953. (06.09.2022)
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    Häufig gestellte Fragen zum Thema Ingrid Babendererde

    Um was geht es in "Ingrid Babendererde"? 

    In "Ingrid Babendererde" wird die Geschichte einer Abitur-Abschlussklasse, eine Woche vor der Reifeprüfung, erzählt. Es geht um die Repression von Kirchenmitgliedern und die Folgen für drei Freunde, die eine Mitschülerin verteidigen, die Mitglied einer christlichen Jugendgruppe ist. 

    Wer schrieb "Ingrid Babendererde"? 

    Der Roman "Ingrid Babendererde" wurde von Uwe Johnson geschrieben.

    In welchen historischen Hintergrund ist "Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953" einzuordnen?  

    Der Roman "Ingrid Babendererde" wurde vom Autor Uwe Johnson im Jahr 1953 in der DDR verfasst. Die Zeit, in der der Roman entstand, war geprägt vom Aufbau des Sozialismus nach sowjetischem Vorbild, von Repressionen, die u.a. gegen die Kirche erfolgten sowie von politischer Verfolgung. Viele Menschen flohen in den frühen Fünfzigerjahren in den Westen. Kritischen Stimmen begegnete die Regierung der DDR mit Zensur, Verboten und Gefängnisstrafen.

    Wann wurde "Ingrid Babendererde" veröffentlicht?

    Der Roman "Ingrid Babendererde" wurde 1985 veröffentlicht. Geschrieben wurde er aber bereits 1953.

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