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Das Haus in der Dorotheenstraße

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Das Haus in der Dorotheenstraße

"Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle von Hartmut Lange, die 2013 in dem gleichnamigen Sammelband erschienen ist und der Epoche der Gegenwartsliteratur angehört. Sie handelt von Gottfried Klausen, der mit seiner Frau Xenia in einer Villa im Süden von Berlin wohnt und vor allem für seine Arbeit als Wirtschaftsjournalist lebt. Als er nach London versetzt wird, kommt ihm der Verdacht, dass seine Frau ihm fremdgehen könnte.

Eine Novelle ist eine epische Erzählung mittlerer Länge. Novellen haben meist nur eine begrenzte Anzahl an Figuren und nur einen Handlungsstrang. Nach einigen Definitionen müssen Novellen auch über ein sogenanntes "unerhörtes Ereignis" verfügen, von dem aus sich die Handlung weiter entspinnt oder das die Handlung verursacht.

"Das Haus in der Dorotheenstraße" – Zusammenfassung

Hartmut Lange gilt als ein Meister der Novelle. Der Dramatiker und Schriftsteller beleuchtet in seinen Werken vorwiegend die moralischen Fragen des Alltags. Auch in "Das Haus in der Dorotheenstraße" geht es um ein gediegenes Ehepaar. Gottfried und Xenia Klausen kennen sich bereits aus ihrer gemeinsamen Schulzeit und leben zusammen in einem großen Haus, das zwar an einigen Stellen Verschleißerscheinungen zeigt, insgesamt aber einen imposanten Eindruck macht.

Gottfried Klausen geht nach London

Klausen ist Korrespondent einer überregionalen Tageszeitung und beschäftigt sich primär mit Wirtschaftsfragen. Er wird als ein sehr gewissenhafter und genauer Mann beschrieben, für den seine Arbeit den wichtigsten Teil seines Lebens darstellt.

Im Februar 2011 bekommt Klausen die Nachricht, dass er einen Kollegen in London vertreten soll und nimmt das Jobangebot an. Xenia möchte vorerst in dem gemeinsamen Haus in Berlin bleiben und Gottfried plant, dass Xenia nach London zieht, sobald er eine geeignete Wohnung gefunden hat.

Nach sechs Wochen allein in England kommen Gottfried erste Zweifel aufgrund seiner Entscheidung. Er wohnt in einer kleinen Wohnung und ihm schlägt das schlechte Wetter aufs Gemüt. Dennoch findet er weiterhin Erfüllung in seinem Beruf.

Im Theater schaut sich Gottfried eine Vorstellung von Shakespeares "The Tragedy of Othello" an. Dabei entwickelt er eine starke Abneigung gegenüber dem Protagonisten des Stückes. Der Protagonist Othello wird in dem Stück davon überzeugt, dass seine Frau ihm fremdgehen würde. Othello steigert sich derart in die vermeintliche Gewissheit hinein, sodass er zunächst seine Frau und dann sich selbst umbringt. Gottfried empfindet diese Handlung Othellos als irrational. Er versteht nicht, warum sich Othello so schnell hat überzeugen lassen und keine eigenen Nachforschungen angestellt hat.

Gottfried kann Xenia nicht erreichen

Am Abend des Theaterbesuchs versucht Gottfried Xenia anzurufen, allerdings geht sie nicht ans Telefon. Zunächst macht Gottfried sich keine großen Sorgen, doch in der Nacht schreckt er schweißgebadet aus dem Schlaf hoch. Er ist vollkommen orientierungslos und stellt sich die Frage, warum ihn Xenia nicht zurückruft.

Die Eheleute schaffen es doch noch zu telefonieren und vereinbaren, dass Xenia ihren Mann in London besuchen wird. Gottfried hat eine Wohnung gefunden, die sie gemeinsam besichtigen können. Er freut sich auf den ersehnten Besuch. Als er mit einem Strauß Veilchen am Flughafen auf sie wartet, erscheint Xenia jedoch nicht.

Gottfried ist verstört darüber, dass seine Frau nicht erschienen ist und versucht sie zunächst anzurufen. Als eine Männerstimme am anderen Ende der Leitung erklingt, weiß er nicht, wie er reagieren soll und legt auf. Als Xenia ihn zurückruft, geht er nicht an sein Telefon und so verpassen sich Xenia und Gottfried weiterhin.

Gottfried sucht die Schuld für Xenias Verbleiben bei sich selbst. Er vermutet, dass er sie zu sehr gedrängt habe, nach London zu kommen, ist gleichzeitig aber noch immer enttäuscht über den Ausgang der Situation.

Gottfrieds Vermutung wird stärker

Gottfried bittet seinen Chef um eine Woche Urlaub und bucht einen Flug nach Berlin. Am Flughafen angekommen erfährt er jedoch, dass der isländische Vulkan Grimsvötn ausgebrochen und der Luftraum über Europa von einer Aschewolke bedeckt ist. Es können keine Flugzeuge abheben und Gottfried bleibt vorerst in London.

Der Vulkan Grimsvötn befindet sich in Island und ist ca. 1700 m hoch. Das letzte Mal ist er am 24. Mai 2011 ausgebrochen.

Als Gottfried versucht, Xenia erneut zu erreichen, meldet sich an ihrem Telefon erneut eine fremde Männerstimme. Gottfried ist erschrocken, verlangt dieses Mal aber danach, mit seiner Frau zu sprechen. Er hört ein Lachen im Hintergrund und glaubt, dass es von Xenia stammt. Er vermutet hinter dem Mann eine Affäre seiner Frau.

Wie ferngesteuert geht Gottfried ein weiteres Mal ins Theater und findet sich wieder in "The Tragedy of Othello" wieder, worüber er selbst erschrocken ist, da er sich selbst nicht bewusst über seine Handlung war. Er verlässt das Stück, um den Mord an Othellos Frau nicht ein weiteres Mal ansehen zu müssen. Gleichzeitig forscht er nicht nach, um seinen Verdacht zu widerlegen oder zu bestätigen.

Der Höhepunkt der Novelle

Gottfried kann sich kaum noch auf seine Arbeit konzentrieren und Othellos Zitat "Put out the Light!" geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Bei dem Zitat handelt es sich um den Satz, den Othello sagt, kurz bevor er seine Frau ermordet. Das Zitat treibt Gottfried in den Wahnsinn und sein Chef beschwert sich bei ihm für seine schlecht recherchierten Artikel. Gottfried bittet um eine Versetzung, da er London nicht mehr ertragen kann und verlässt die Stadt schließlich.

Die Handlung wird nicht zu Ende erzählt, sondern von dem Erzähler nur noch angedeutet. Er sagt, dass es sein kann, dass Gottfried sich ein Vorbild an dem tragischen Helden Othello genommen habe. Es wäre in der Nacht ein Mann in das Haus in der Dorotheenstraße eingedrungen und hätte "Put out the light!" gerufen, woraufhin alle Lichter erloschen seien. Die Vermutung liegt nahe, dass Gottfried der Eindringling ist und das Ausgehen der Lichter die Ermordung Xenias symbolisiert.

"Das Haus in der Dorotheenstraße" – Analyse

Eine Novelle ist meist stringent aufgebaut, d. h. sie erzählt einen Handlungsstrang ohne viel Nebenhandlung und in chronologischer Reihenfolge. Ebenso gibt es meist ein Leitmotiv, an dem sich der Text orientiert.

Ein Leitmotiv ist ein wiederkehrender Satz oder eine Situation, die bei Lesenden ein bestimmtes Gefühl auslösen soll. Meist stammt das Leitmotiv aus dem nicht literarischen Bereich oder aus einem anderen literarischen Werk.

"Das Haus in der Dorotheenstraße" – Aufbau

Die Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" ist in sechs durchnummerierte Kapitel unterteilt. Der Aufbau ist an sich typisch für eine Novelle, da es nur eine kleine Anzahl an handelnden Figuren gibt und die Geschichte stringent und chronologisch erzählt wird.

Ungewöhnlich an Hartmut Langes Werk ist, dass die Katastrophe am Ende des Werkes nur angedeutet wird. Der Erzähler sagt, dass es möglich sei, dass Gottfried in das Haus eingedrungen wäre, um seine Frau umzubringen, allerdings bleibt das wirkliche Geschehen offen. Der Erzähler deutet an, dass sich auch in der gemeinsamen Villa des Ehepaares noch etwas hätte zutragen können.

Und war es überhaupt möglich, dass Gottfried Klausen, so wie sich die Verhältnisse nun einmal entwickelt hatten, dass er dort, als wäre nichts geschehen, wieder hätte auftauchen können, um wenigstens seine persönlichen Sachen zusammen zu suchen?1

"Das Haus in der Dorotheenstraße" – Sprache

Die Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" wird linear erzählt. Das bedeutet, dass alles Ereignisse in chronologischer Reihenfolge erzählt werden. Die Novelle verfügt die meiste Zeit über einen auktorialen Erzähler, der allerdings auch manchmal nur Gottfrieds Sichtweise darstellt.

Er war wie betäubt. Dabei wäre es naheliegend gewesen, sich, so oder so, Klarheit zu verschaffen. Aber er unterließ es, vielleicht, weil er fürchtete, der Vorgang könnte sich wiederholen.1

In dem obigen Zitat ist der auktoriale, also allwissende Erzähler deutlich zu erkennen, da er die Gefühle von Gottfried über den ausbleibenden Besuch seiner Frau einordnen kann.

Und wer weiß, vielleicht waren die beiden, als Xenia über den Anruf ihres Mannes lachte, nicht etwa im Flur oder in der Küche, sondern im Schlafzimmer! Und war Klausens Ehe mit dieser Frau vielleicht schon seit Jahren derart verlogen, dass er ihre Untreue nicht bemerkt hatte?1

In dem zweiten Zitat wird nur die Sichtweise von Gottfried Klausen dargestellt. Der Erzähler ordnet nicht ein, ob Gottfrieds Gefühle angebracht sind, oder ob sie unbegründet sind. Insgesamt taucht in "Das Haus in der Dorotheenstraße" fast ausschließlich wörtliche Rede von Gottfried auf.

Hartmut Langes Schreibstil zeichnet sich durch einen hypotaktischen Satzbau aus. Außerdem ist das Erzählverhalten in der Novelle nicht besonders dramatisierend, sondern ähnelt eher einem Bericht. Lange verzichtet in seiner Sprache weitestgehend auf rhetorische Stilmittel oder eine bildhafte Sprache.

Die Hypotaxe ist eine Form des Satzbaus, bei der Nebensätze grammatikalisch einem Hauptsatz untergestellt sind. Das Gegenteil einer Hypotaxe ist die Parataxe, bei der die Nebensätze grammatikalisch gleichgestellt nebeneinander stehen.

Charakterisierung von Gottfried Klausen

Gottfried Klausen lässt sich als Rationalist charakterisieren. Er ist Korrespondent einer überregionalen Tageszeitung und hat eine enge und strenge Haltung gegenüber seiner Arbeit, die den Großteil seines Lebens ausmacht. Außerdem wird von ihm eine sorgfältige Recherche und eine intensive und sachliche Auseinandersetzung mit Themen verlangt.

Sein Privatleben ist gekennzeichnet durch seine langjährige Beziehung zu seiner Frau Xenia. Diese kennt er bereits seit der Schulzeit, wodurch sich eine gewisse Gewohnheit und Alltäglichkeit im Eheleben der Klausen eingespielt hat. Unklar ist, ob es sich um eine erfüllte und glückliche Ehe handelt. Beispielsweise sind beide mit den Eigenarten und Interessen ihres Partners vertraut. Außerdem halten beide den Erwerb eines Grundstücks in der Dorotheenstraße für eine vernünftige Entscheidung.

Daraus kann man zum einen ziehen, dass es in Gottfrieds Leben zwei Konstanten gibt: seinen Beruf und seine Ehe. Zum anderen gibt es keine Konflikte, die den Eindruck von Harmonie stören. Die Eheleute scheinen in ihrem Leben angekommen zu sein und sind bereit, sich an einem festen Ort niederzulassen.

"Das Haus in der Dorotheenstraße" – Motive

Langes Novelle beinhaltet einige Symbole und Leitmotive, die im Lauf der Novelle zum Teil wiederholend auftauchen und Einfluss auf die Handlung nehmen. Die Motive zeichnen sich dadurch aus, dass sie stellvertretend für die Ehe von Gottfried und Xenia stehen. Sie lassen sich in Dingsymbole und Leitmotive unterscheiden.

Dingsymbole sind alle Symbole, die in einem Text als leblose Gegenstände auftreten und eine leitmotivische Rolle spielen.

Das Haus

Das Haus ist eines der Leitmotive, das im Verlauf der gesamten Handlung auftaucht. Gleichzeitig handelt es sich dabei um ein Dingsymbol. Bereits durch den Titel wird deutlich, dass das Haus eine wichtige Rolle spielt. Die Bedeutung dieses Symbols wandelt sich dabei im Verlauf der Novelle.

Zu Beginn der Novelle

Das Haus wird als ein Haus beschrieben, das den Eheleuten Klausen das Gefühl von Geborgenheit gibt. Überdies befindet es sich an einem Kanal und ist von Bäumen umgeben. Daraus kann man ziehen, dass das Haus als ein Rückzugsort interpretiert werden kann. Auch besitze es eine exklusive, fast märchenhafte Lage, die ruhig und abgelegen ist. Somit findet das Leben des Paares in einer idyllischen Umgebung fernab von der Zivilisation statt.

Im nächsten Abschnitt wird der Garten als verwildert beschrieben und die Behauptung wird aufgestellt, dass die Fassaden hätten erneuert werden müssen. Daraus kann geschlossen werden, dass sich das Haus in einem Zustand des Verfalls befindet. Deutet man dies im Hinblick auf die Beziehung der Klausens, kann man von einem drohenden Zerfall der Ehe ausgehen.

Wo der Putz breitflächig abgebröckelt war, zeigten sich hässliche Ziegel, aber die Vorderfront, eine gewölbte Wand mit langgestreckten Fenstern, wirkte auf moderne Weise elegant [...].1

Besonders in diesem Zitat wird ein Widerspruch deutlich hervorgehoben: Lange beschreibt das Haus erst als verfallen, geht jedoch noch im gleichen Satz auf die nach außen hin wirkende Modernität ein. Im Hinblick auf die Ehe von Gottfried und Xenia Klausen kann man diesen Abschnitt so deuten, dass das Paar nach außen als geschlossene Einheit auftritt, es jedoch gleichzeitig zwischen den Eheleuten kriselt.

Gegen Ende der Novelle

Zu Beginn der Schlussszene wird das Haus als hell beleuchtet beschrieben, dadurch wirkt es als ein belebtes und lebendiges Haus: Somit wird durch diesen Kontrast die zu Beginn in den Vordergrund gestellte Ruhe und Abgeschiedenheit durchbrochen. Darauffolgend geht Lange auf die Raumaufteilung ein und legt damit das Innere des Hauses frei.

Diese Offenlegung des Hauses kann gleichermaßen als die Offenlegung der Ehe und der unglücklichen Beziehung zwischen den Protagonisten interpretiert werden. Direkt darauf erweckt der Autor ein Gefühl des Schreckens:

Hin und wieder hörte man ein Frauenlachen, und wer da lachte, der sollte sich nicht allzu sicher fühlen.1

Das Haus verliert das Gefühl der Sicherheit und der Widerspruch zwischen dem Lachen, das eigentlich Glück oder Freude symbolisiert, und der Unsicherheit über das folgende Geschehen verstärkt die Vorsehung, dass etwas Schreckliches passieren wird.

Zuletzt gehen die Lichter des Hauses aus. Durch diese plötzliche Dunkelheit wird vorausgedeutet, dass etwas Dramatisches passiert ist.

Zusammenfassend kann man das Haus als ein Spiegelbildmotiv interpretieren, das auf die Entwicklung der Beziehung der Klausens verweist. Es charakterisiert die Ehe als bröckelnd und krisenhaft. Das Ausgehen der Lichter lässt sich letztlich als das Ende der Ehe interpretieren. Dadurch wird der Rückzugsort zum Sehnsuchtsort von Gottfried und letztlich zum angedeuteten Tatort.

Der Vulkan

Ein weiteres Leitmotiv stellt der Vulkan dar. Im vierten Kapitel wird beschrieben, dass Gottfried aufgrund eines Brandgeruchs die Fenster verschließt. Am nächsten Morgen erfährt er von einem Vulkanausbruch in Island. Wegen der Aschewolke kann Klausen nicht zu seiner Frau nach Berlin fliegen, weil der Flugverkehr eingestellt wird.

Symbolisch lässt sich dieser Vulkanausbruch als Ausbruch der verdrängten Gefühle und Gedanken interpretieren. Gottfrieds Gemüt verdüstert sich, so wie der Himmel durch die Aschewolke verdunkelt wird, und die Kommunikation zu Xenia bricht ab.

Othello

Othello ist eine Tragödie von William Shakespeare aus dem beginnenden 17. Jahrhundert, die von Liebe, Eifersucht und Verrat handelt.

Othello ist in Shakespeares "The Tragedy of Othello" mit Desdemona verheiratet, allerdings hält ihr Vater nicht viel von der Ehe, da Othello schwarz ist. Sein Fähnrich – ein Soldat, der eine Fahne trägt – Iago will sich an Othello rächen, weil dieser Desdemona geheiratet hat, obwohl Iago sie für seinen Freund Roderigo vorgesehen hatte. Deshalb bringt er Othello durch Intrigen dazu, zu glauben, dass seine Frau eine Affäre hätte. Othello glaubt ihm und bringt erst Desdemona und dann sich selbst um.

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Die Theaterbesuche

Das Shakespeare-Stück spielt in der Novelle eine bedeutende Rolle. Zweimal besucht Gottfried das Theater. Zu Beginn hat er noch keine Kenntnisse über die Handlung. Als rationaler Vernunftmensch ruft die Tragödie Verwunderung bei ihm hervor, da er Othellos Verhalten als unglaubwürdig und irrational bewertet. Othello steht zunächst im Kontrast zu Gottfried Klausen.

Beim nächsten Besuch kennt er das Stück bereits. In Gottfried wird ein innerer Konflikt hervorgerufen, woraufhin er die Vorstellung verfrüht verlässt. Der Satz "Put out the light", den Othello während des Mordes an seiner Frau sagt, geht Gottfried nicht mehr aus dem Kopf. Auf einmal ist Othello ein Spiegel für Gottfried Klausen, vor dem er sich fürchtet.

Die Bedeutung der Tragödie für Gottfried wandelt sich: Erst ist er distanziert und weist eine Ablehnungshaltung auf, dann identifiziert er sich unbewusst mit dem Protagonisten Othello, was sich insbesondere durch das Zitat "Put out the light" am Ende der Novelle zeigt.

"Das Haus in der Dorotheenstraße" – Interpretation

Hartmut Langes Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" lässt verschiedene Deutungsebenen zu, die alle miteinander verbunden sind. Die psychologische Deutung bezieht sich auf die Krise des Ehepaars Klausen, die nach und nach deutlicher wird, während eine philosophische Deutung den Menschen als fühlendes Wesen in den Mittelpunkt setzt. Eine poetologische Sichtweise setzt die Novelle mit Shakespeares "Othello" in Zusammenhang. Soziologisch kann der Text auch gedeutet werden, indem die speziellen Herausforderungen der modernen Welt und des Arbeitslebens beleuchtet werden. Im Folgenden werden verschiedene Interpretationsansätze thematisiert.

Als Poetologie bezeichnet man die Auseinandersetzung mit Literatur und Dichtkunst. Ein poetologisches Werk setzt sich dementsprechend selbst mit einem anderen Werk und der Literatur an sich auseinander.

Psychologische Deutung

Die Verfassung der Ehe wird zu Beginn bereits symbolisch durch das Haus dargestellt, dessen Fassade an manchen Stellen bröckelt, das aber nach Außen trotzdem einen imposanten Anschein erweckt. Auch Gottfried und Xenia scheinen erst ein harmonisches Paar zu sein, doch im Laufe der Geschichte wird die fehlende Kommunikation zwischen beiden immer deutlicher.

Gottfried wird durch den Umzug und den damit verbundenen Verlust sozialer Kontakte stark belastet. Als die Vermutung in ihm aufkeimt, dass seine Frau eine Affäre haben könnte, ist es ihm nicht möglich diese Angst zu kommunizieren. Sie staut sich in ihm an, bis er sicher ist, dass seine Frau ihn betrügt.

Die immer wieder scheiternden Versuche Kontakt mit Xenia aufzunehmen, verändern seinen zuvor rationalen Charakter und Gottfried beginnt irrational zu handeln. Er lebt mehr und mehr in einer Scheinrealität, die durch den Satz "Put out the light" angedeutet wird.

Philosophische Deutung

Eine philosophische Frage über den Menschen stellt die Frage dar, inwieweit das menschliche Handeln von Rationalität und inwieweit von Emotionen beeinflusst wird. Diese Gespaltenheit der menschlichen Verfassung kann vorrangig an der Figur Gottfried Klausen beobachtet werden.

Gottfried wird als besonders nüchterner und rationaler Charakter eingeführt, der in seiner Arbeit viel Wert auf Vernunft und Gründlichkeit legt. Die Ehe zwischen ihm und Xenia wird als ruhig dargestellt. Als er das erste Mal "The Tragedy of Othello" im Theater sieht, kann er die emotional gesteuerte Handlungsweise des Protagonisten nicht nachempfinden.

Als ein fremder Mann an das Telefon seiner Frau geht und sie nicht zu dem vereinbarten Besuch in London erscheint, wird seine Verfassung immer mehr von seiner emotionalen Seite bestimmt. Er steigert sich in die Vorstellung hinein, dass Xenia ihn betrügt und wird deshalb auch in seiner Arbeit nachlässig. Die angedeutete Katastrophe spielt darauf an, dass er nur noch emotional und nicht mehr rational handeln kann.

Die Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" zeigt, dass der Mensch von seinen Emotionen derart überwältigt werden kann, dass jede Vernunft den Emotionen weichen muss. Die Novelle vermittelt dementsprechend den Lesenden die Auffassung, dass der Mensch an sich primär ein Gefühlswesen und niemals rein rational ist.

Poetologische Deutung

Hinsichtlich des Theaterstückes "Othello" wird im Verlauf der Novelle deutlich, welchen Einfluss Kunst auf das Leben nehmen kann. Zuerst hat Gottfried einen negativen Eindruck von der Tragödie aufgrund der Unglaubwürdigkeit der Geschehnisse. Zum Ende jedoch nimmt der Satz "Put out the light" Einfluss auf sein eigenes Leben. Die Unglaubwürdigkeit der Kunst wird durch die Handlung der Novelle widerlegt, da auch Gottfried, wie Othello, die Untreue seiner Frau nicht hinterfragt und sie letztlich vielleicht ebenfalls ermordet.

Soziologische Deutung

Durch die Versetzung Gottfrieds nach London wird die Beziehung zu seiner Frau belastet. Daraus geht besonders die Mobilitätsanforderungen der modernen Arbeitswelt als Herausforderung für zwischenmenschliche Beziehungen hervor: Umzüge sind oftmals eine notwendige Voraussetzung, um beruflich aufzusteigen und auch Fernbeziehungen können durch die digitalen Medien häufiger geknüpft werden und Umzüge nach sich ziehen. Außerdem leidet Gottfried unter der Einsamkeit in London, wodurch die Anonymität in der Großstadt als eine weitere Schwierigkeit betrachtet werden kann, die als Gesellschaftskritik in der Novelle dargestellt wird.

"Das Haus in der Dorotheenstraße" – Über Hartmut Lange

Hartmut Lange wurde 1937 in Berlin-Spandau geboren. 1939 wurden seine Eltern in das damals von Deutschland besetzte Polen versetzt, allerdings wurde seine Mutter bereits 1946 wieder ausgewiesen. Sie kehrte mit ihrem Sohn nach Berlin zurück, wo Lange die Oberschule besuchte, aber 1955 abbrach. Im Jahr 1957 begann er trotzdem das Studium der Dramaturgie in Potsdam Babelsberg, allerdings wurde er drei Jahre nach Beginn von der Hochschule verwiesen.

Hartmut Lange schaffte es 1965 aus der DDR zu fliehen und arbeitete in Westdeutschland an verschiedenen Theatern als Regisseur. Seit Beginn der 1980er-Jahre verfasst er vornehmlich Erzählungen und Novellen. Hartmut Lange hat verschiedene Literaturpreise für sein Werk verliehen bekommen, unter anderem den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Das Haus in der Dorotheenstraße - Das Wichtigste

  • "Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle von Hartmut Lange, die 2013 in einem gleichnamigen Band erschienen ist.
  • Das Werk handelt von dem Journalisten Gottfried Klausen, der von Berlin nach London versetzt wird.
  • Seine Frau bleibt zunächst in dem gemeinsamen Haus in Berlin zurück, allerdings scheitern bald die Kommunikationsversuche zwischen beiden und Gottfried geht davon aus, dass seine Frau ihn betrügt.
  • Am Ende der Novelle wird angedeutet, dass Gottfried seine Frau umbringt, allerdings kann auch ein anderer Ausgang angenommen werden.
  • In der Novelle gibt es verschiedene Leitmotive, wie das Haus, das den Zustand der Ehe darstellt und Shakespeares Drama "The Tragedy of Othello", das erst als Gegensatz zu Gottfried, aber später als seine Spiegelung gesehen werden kann.
  • Der Autor Hartmut Lange verwendet eine nüchterne Sprache.
  • Der größte Teil der Novelle verfügt über einen auktorialen Erzähler, der aber stellenweise auch nur Gottfrieds Wahrnehmung ohne allwissende Einordnung wiedergibt.
  • Es ist möglich, die Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" psychologisch, philosophisch, poetologisch sowie soziologisch zu deuten.

Nachweise

  1. Lange, Hartmut (2016): Das Haus in der Dorotheenstraße, Diogenes.
  2. Pohlw: Das Haus in der Dorotheenstraße – Inhaltsangabe / Zusammenfassung – Hartmut Lange, Pohlw - Deutsche Literaturgeschichte und Literaturepochen.
  3. Lektürehilfe.de: Das Haus in der Dorotheenstraße. (24.06.2022)

Häufig gestellte Fragen zum Thema Das Haus in der Dorotheenstraße

Das Werk "Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle, da es einen straffen, einsträngigen Handlungsaufbau aufweist. Außerdem wird eine "unerhörte" Begebenheit angedeutet, in diesem Fall handelt es sich um die Andeutung eines Mordes. 

Gottfried Klausen besucht das Theater, um Abwechslung zu seiner üblichen Routine zu erhalten. Er besucht das Theaterstück "Othello" von William Shakespeare. 

"Das Haus in der Dorotheenstraße" wurde 2013 von dem Autor Hartmut Lange geschrieben.

Zum Ende der Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" wird vom Erzähler das Ende der Handlung nur angedeutet. Dieser berichtet von einem Einbruch in dem Haus des Ehepaares, und dass nach dem Ausruf "Put out the lights" alle Lichter erloschen wären. Dies kann als ein angedeuteter Mord durch Gottfried an seiner Frau Xenia gedeutet werden, allerdings lässt die Novelle das offen. 

Finales Das Haus in der Dorotheenstraße Quiz

Frage

Wer hat "Das Haus in der Dorotheenstraße" geschrieben?

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Antwort

Hartmut Lange 

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Frage

Wo liegt das Haus, in dem das Ehepaar Klausen lebt?

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Antwort

Das Haus liegt im Süden von Berlin.

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Frage

Wohin wird Gottfried Klausen am Anfang der Erzählung versetzt?

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Antwort

Nach London

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Frage

Welcher Textsorte gehört "Das Haus in der Dorotheenstraße an"?

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Antwort

"Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle.

Frage anzeigen

Frage

In welchem Jahr spielt "Das Haus in der Dorotheenstraße"?

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Antwort

2011

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Frage

Welchen Beruf hat Gottfried Klausen?

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Antwort

Gottfried Klausen ist Wirtschaftsjournalist bei einer überregionalen Tageszeitung.

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Frage

Warum gefällt Gottfried das Stück "The Tragedy of Othello" nicht, als er es das erste Mal sieht?

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Antwort

Gottfried hält das Verhalten des Protagonisten Othello unglaubwürdig, weil dieser vermutet, dass seine Frau eine Affäre haben könnte, diese Vermutung jedoch nicht hinterfragt.

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Frage

Wodurch kommt Gottfried zu der Vermutung, dass Xenia eine Affäre haben könnte?

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Antwort

Als Gottfried Xenia anruft, geht ein fremder Männeran Xenias Telefon.

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Frage

Warum kann Gottfried nicht nach Berlin fliegen?

Antwort anzeigen

Antwort

In Finnland ist ein Vulkan ausgebrochen, weshalb der Flugverkehr in Europa lahmgelegt ist. 

Frage anzeigen

Frage

Welcher Satz von Othello geht Gottfried nicht mehr aus dem Kopf?

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Antwort

Der Satz heißt "Put out the light" und Othello sagt ihn, während er seine Frau Desdemona ermordet.

Frage anzeigen

Frage

Welche verschiedenen Deutungsansätze sind bei der Interpretation von "Das Haus in der Dorotheenstraße" möglich?

Antwort anzeigen

Antwort

Man kann die Novelle psychologisch, philosophisch, poetologisch oder soziologisch deuten.

Frage anzeigen

Frage

Was sind die wichtigsten Leitmotive in "Das Haus in der Dorotheenstraße"?

Antwort anzeigen

Antwort

Die wichtigsten Leitmotive sind das Haus des Ehepaars, der Mord von Othello in Shakespeares Drama und der Vulkan in Island.

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