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Das Haus in der Dorotheenstraße

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Deutsch

"Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle von Hartmut Lange, die 2013 in dem gleichnamigen Sammelband erschienen ist. Sie handelt von Gottfried Klausen, der mit seiner Frau Xenia in einer Villa im Süden von Berlin wohnt und vor allem für seine Arbeit als Wirtschaftsjournalist lebt. Als er nach London versetzt wird, kommt in ihm der Verdacht hoch, dass seine Frau ihm fremdgehen könnte.

Zusammenfassung von "Das Haus in der Dorotheenstraße"

Hartmut Lange gilt als ein Meister der Novelle. Der Dramatiker und Schriftsteller beleuchtet in seinen Werken vor allem die moralischen Fragen des Alltags. Auch in "Das Haus in der Dorotheenstraße" geht es um ein gediegenes Ehepaar. Gottfried und Xenia Klausen kennen sich bereits aus ihrer gemeinsamen Schulzeit und leben zusammen in einem großen Haus, das zwar an einigen Stellen Verschleißerscheinungen zeigt, insgesamt aber einen imposanten Eindruck macht.

Gottfried Klausen geht nach London

Klausen ist Korrespondent einer überregionalen Tageszeitung und beschäftigt sich vor allem mit Wirtschaftsfragen. Er wird als ein sehr gewissenhafter und genauer Mann beschrieben, für den seine Arbeit den wichtigsten Teil seines Lebens ausmacht.

Im Februar 2011 bekommt Klausen die Nachricht, dass er einen Kollegen in London vertreten soll und nimmt das Jobangebot an. Xenia möchte vorerst in dem gemeinsamen Haus in Berlin bleiben und Gottfried plant, dass sie nach London kommt, sobald er eine geeignete Wohnung gefunden hat.

Nach sechs Wochen allein in England kommen Gottfried erste Zweifel wegen seiner Entscheidung. Er wohnt in einer kleinen Wohnung und ihm schlägt das schlechte Wetter aufs Gemüt, aber er findet trotzdem weiterhin Erfüllung in seinem Beruf.

Er schaut sich im Theater eine Vorstellung von Shakespeares "The Tragedy of Othello" an und entwickelt eine starke Abneigung gegenüber dem Protagonisten des Stückes. Othello wird in dem Stück davon überzeugt, dass seine Frau ihm fremdgehen würde und steigert sich so sehr in die vermeidliche Gewissheit rein, dass er erst seine Frau und dann sich selbst umbringt. Gottfried empfindet die Handlung als irrational. Er versteht nicht, warum sich Othello so schnell hat überzeugen lassen und keine Nachforschungen angestellt hat.

Gottfried kann Xenia nicht erreichen

Am Abend des Theaterbesuchs versucht Gottfried Xenia anzurufen, allerdings nimmt sie nicht ab. Zunächst macht er sich keine großen Sorgen, doch in der Nacht schreckt er schweißgebadet aus dem Schlaf hoch. Er ist vollkommen orientierungslos und stellt sich die Frage, warum ihn Xenia nicht zurückruft.

Die Eheleute schaffen es doch noch zu telefonieren und vereinbaren, dass Xenia ihren Mann in London besuchen kommt. Gottfried hat eine Wohnung gefunden, die sie gemeinsam besichtigen können und freut sich auf den ersehnten Besuch. Als er mit einem Strauß Veilchen am Flughafen auf die wartet, erscheint Xenia aber nicht.

Gottfried ist verstört darüber, dass seine Frau nicht erschienen ist und versucht sie zunächst anzurufen. Als eine Männerstimme an dem anderen Ende der Leitung ertönt, weiß er nicht, wie er reagieren soll und legt auf. Als sie ihn zurückruft, geht er nicht an das Telefon und so verpassen sich Xenia und Gottfried weiterhin.

Gottfried sucht die Schuld für Xenias Verbleiben bei sich selbst. Er vermutet, dass er sie zu sehr gedrängt habe, nach London zu kommen, ist gleichzeitig aber noch immer enttäuscht darüber, wie die Situation ausgegangen ist.

Gottfrieds Vermutung wird stärker

Gottfried bittet seinen Chef um eine Woche Urlaub und bucht einen Flug nach Berlin. Am Flughafen angekommen erfährt er aber, dass der isländische Vulkan Grimsvötn ausgebrochen ist und der Luftraum über Europa von einer Aschewolke bedeckt ist. Es können keine Flüge starten und Gottfried bleibt vorerst in London.

Der Vulkan Grimsvötn befindet sich in Island und ist ca. 1700 m hoch. Das letzte Mal ist er am 24. Mai 2011 ausgebrochen.

Wieder am Telefon antwortet wieder eine fremde Männerstimme anstatt Xenia. Gottfried ist erschrocken, verlangt dieses Mal aber danach, mit seiner Frau zu sprechen. Er hört ein Lachen im Hintergrund und glaubt, dass es von Xenia stammt. Er vermutet hinter dem Mann eine Affäre seiner Frau.

Wie ferngesteuert geht Gottfried ein weiteres Mal ins Theater und findet sich wieder in "The Tragedy of Othello" wieder, worüber er selbst erschrocken ist. Er verlässt das Stück, um den Mord an Othellos Frau nicht ein weiteres Mal ansehen zu müssen. Gleichzeitig versucht er nicht, durch Nachforschungen seinen Verdacht zu widerlegen oder bestätigen.

Der Höhepunkt der Novelle

Gottfried kann sich kaum noch auf seine Arbeit konzentrieren und Othellos Zitat "Put out the Light!" geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Der Satz, den Othello sagt, kurz bevor er seine Frau ermordet, treibt Gottfried in den Wahnsinn und sein Chef beschwert sich bei ihm für seine schlecht recherchierten Artikel. Gottfried bittet um eine Versetzung, da er London nicht mehr ertragen kann und verlässt die Stadt schließlich.

Die Handlung wird nicht zu Ende erzählt, sondern von dem Erzähler nur noch angedeutet. Er sagt, dass es sein kann, dass Gottfried sich ein Vorbild an dem tragischen Helden Othello genommen hätte. Es wäre in der Nacht ein Mann in das Haus in der Dorotheenstraße eingedrungen und hätte "Put out the light!" gerufen, woraufhin alle Lichter erloschen seien. Die Vermutung liegt nahe, dass Gottfried der Eindringling ist und das Ausgehen der Lichter die Ermordung Xenias symbolisiert.

Analyse von Aufbau und Sprache

Das Haus in der Dorotheenstraße / Spannungsaufbau einer Novelle / Das Haus in der Dorotheenstraße Analyse StudySmarterAbbildung 1: Spannungsaufbau einer Novelle

Die Novelle ist zwar ein Genre der Epik, allerdings ist der Spannungsbogen an den eines klassischen Dramas angelehnt. Anhand der typischen sich auf- und wieder abbauenden Spannung, ist das 5-Akt-Modell aus der Dramatik erkennbar.

Eine Novelle ist meist stringent aufgebaut, also ohne viel Nebenhandlung, sondern erzählt einen Handlungsstrang chronologisch aus. Ebenso gibt es meist ein Leitmotiv an dem sich der Text orientiert.

Ein Leitmotiv ist ein wiederkehrender Satz oder eine Situation, die ein bestimmtes Gefühl auslösen soll. Meist kommt ein Leitmotiv aus dem nicht-literarischen Bereich, beziehungsweise aus einem anderen literarischen Werk.

Der Aufbau von "Das Haus in der Dorotheenstraße"

Die Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" ist in sechs durchnummerierte Kapitel unterteilt. Der Aufbau ist an sich typisch für eine Novelle, da es nur eine kleine Anzahl an handelnden Figuren gibt und die Geschichte stringent und chronologisch erzählt wird.

Ungewöhnlich an Hartmut Langes Werk ist, dass die Katastrophe am Ende des Werkes nur angedeutet wird. Der Erzähler sagt, dass es möglich sei, dass Gottfried in das Haus eingedrungen wäre, um seine Frau umzubringen, allerdings bleibt das wirkliche Geschehen offen. Der Erzähler deutet an, dass sich auch in der gemeinsamen Villa des Ehepaares noch etwas hätte zutragen können.

Und war es überhaupt möglich, dass Gottfried Klausen, so wie sich die Verhältnisse nun einmal entwickelt hatten, dass er dort, als wäre nichts geschehen, wieder hätte auftauchen können, um wenigstens seine persönlichen Sachen zusammen zu suchen?

Alle Zitate stammen, falls nicht anders gekennzeichnet aus: Lange, Hartmut "Das Haus in der Dorotheenstraße", Zürich, Diogenes, 2016.

Das Haus in der Dorotheenstraße / Spannungsaufbau / Das Haus in der Dorotheenstraße Analyse StudySmarterAbbildung 2: Spannungsaufbau

Sprache

"Das Haus in der Dorotheenstraße" ist linear erzählt. Das bedeutet, dass alles Ereignisse in chronologischer Reihenfolge erzählt werden. Die Novelle verfügt die meiste Zeit über einen auktorialen Erzähler, der allerdings auch manchmal nur Gottfrieds Sichtweise darstellt.

Er war wie betäubt. Dabei wäre es naheliegend gewesen, sich, so oder so, Klarheit zu verschaffen. Aber er unterließ es, vielleicht, weil er fürchtete, der Vorgang könnte sich wiederholen.

In dem Zitat ist der auktoriale, also allwissende Erzähler deutlich, der die Gefühle von Gottfried über den ausbleibenden Besuch seiner Frau einordnen kann.

Und wer weiß, vielleicht waren die beiden, als Xenia über den Anruf ihres Mannes lachte, nicht etwa im Flur oder in der Küche, sondern im Schlafzimmer! Und war Klausens Ehe mit dieser Frau vielleicht schon seit Jahren derart verlogen, dass er ihre Untreue nicht bemerkt hatte?

Hier wird nur die Sichtweise von Gottfried Klausen dargestellt. Der Erzähler ordnet nicht ein, ob seine Gefühle angebracht sind, oder ob sie unbegründet sind. Wörtliche Rede ist in "Das Haus in der Dorotheenstraße" fast ausschließlich von Gottfried zu finden.

Hartmut Langes Schreibstil zeichnet sich durch einen hypotaktischen Satzbau aus. Außerdem ist der Erzählstil nicht besonders dramatisierend, sondern ähnelt eher einem Bericht. Lange verzichtet in seiner Sprache weitgehend auf rhetorische Mittel oder bildhafte Sprache.

Hypotaxe ist eine Form des Satzbaus, bei der Nebensätze grammatikalisch einem Hauptsatz untergestellt sind. Das Gegenteil von Hypotaxe ist die Parataxe, bei der die Nebensätze grammatikalisch gleichgestellt nebeneinander stehen.

Charakterisierung von Gottfried Klausen

Gottfried Klausen lässt sich als Rationalist charakterisieren. Er ist Korrespondent einer überregionalen Tageszeitung und hat eine enge und strenge Haltung gegenüber seiner Arbeit, die den Großteil seines Lebens ausmacht. Außerdem wird von ihm eine sorgfältige Recherche und eine intensive und sachliche Auseinandersetzung mit Themen verlangt.

Sein Privatleben ist gekennzeichnet durch seine langjährige Beziehung zu seiner Frau Xenia. Diese kennt er bereits seit der Schulzeit, wodurch Gewohnheit und Alltäglichkeit im Eheleben der Klausen herrscht. Unklar ist, ob es sich um eine erfüllte und glückliche Ehe handelt. Beispielsweise sind beide mit den Eigenarten und Interessen ihres Partners vertraut. Außerdem halten beide den Erwerbe eines Grundstücks an der Dorotheenstraße als eine vernünftige Entscheidung.

Daraus kann man zum einen ziehen, dass es in Gottfrieds Leben zwei Konstante gibt: sein Beruf und seine Ehe. Zum anderen gibt es keine Konflikte, die den Eindruck von Harmonie stören. Die Eheleute scheinen in ihrem Leben angekommen zu sein und sind bereit, sich an einem festen Ort niederzulassen.

Die Motive der Novelle

Langes Novelle beinhaltet einige Symbole und Leitmotive, die teilweise wiederholend auftauchen und Einfluss auf die Handlung nehmen. Die Motive zeichnen sich dadurch aus, dass sie etwas stellvertretend für die Ehe von Gottfried und Xenia darstellen. Sie lassen sich in Dingsymbole und Leitmotive unterscheiden.

Das Haus

Das Haus ist eines der Leitmotive, die sich über die ganze Handlung hinwegziehen. Gleichzeitig handelt es sich dabei um ein Dingsymbol. Bereits durch den Titel wird deutlich, dass es eine wichtige Rolle spielt. Die Bedeutung dieses Symbols wandelt sich dabei im Verlauf der Novelle.

Zu Beginn der Novelle

Das Haus wird als ein Haus beschrieben, das den Eheleuten Klausen das Gefühl von Geborgenheit gibt. Darüberhinaus findet es sich an einem Kanal und ist von Bäumen umgeben. Daraus kann man ziehen, dass das Haus als ein Rückzugsort interpretiert werden kann. Auch besitze es eine exklusive, fast märchenhafte Lage, die ruhig und abgelegen ist. Somit ist das Leben des Paares in einer idyllischen Umgebung fernab von der Zivilisation.

Im nächsten Abschnitt wird der Garten als verwildert beschrieben und die Behauptung wird aufgestellt, dass die Fassaden hätten erneuert werden müssen. Daraus lässt sich schließen, dass sich das Haus in einem Zustand des Verfalls befindet. Deutet man dies im Hinblick auf die Beziehung der Klausens, kann man von einem drohenden Zerfall der Ehe ausgehen.

Wo der Putz breitflächig abgebröckelt war, zeigten sich hässliche Ziegel, aber die Vorderfront, eine gewölbte Wand mit langgestreckten Fenstern, wirkte auf moderne Weise elegant [...].

Besonders in diesem Zitat wird ein Widerspruch deutlich hervorgehoben: Lange beschreibt das Haus erst als verfallen, geht jedoch noch im gleichen Satz auf die nach außen hin wirkende Modernität ein. Im Hinblick auf die Ehe der Klausen kann man diesen Abschnitt so deuten, dass das Paar nach außen als geschlossene Einheit auftritt, gleichzeitig jedoch eine Krisenstimmung zwischen den Eheleuten herrscht.

Zum Ende der Novelle

Zuerst wird das Haus als hell beleuchtet beschrieben, dadurch wirkt es als ein belebtes und lebendiges Haus: Somit ist die zu Beginn in den Vordergrund gestellte Ruhe und Abgeschiedenheit durchbrochen. Darauffolgend geht Lange auf die Raumaufteilung ein und legt das Innere des Hauses frei.

Diese Offenlegung des Hauses kann gleichermaßen als die Offenlegung der Ehe und der unglücklichen Beziehung zwischen den Protagonisten interpretiert werden. Direkt darauf erweckt der Autor ein Gefühl des Schreckens:

Hin und wieder hörte man ein Frauenlachen, und wer da lachte, der sollte sich nicht allzu sicher fühlen.

Das Haus verliert das Gefühl der Sicherheit und der Widerspruch zwischen dem Lachen, das eigentlich Glück oder Freude symbolisiert, und der Unsicherheit über das folgende Geschehen verstärkt die Vorsehung, dass etwas Schreckliches passieren wird.

Zuletzt gehen die Lichter des Hauses aus. Durch diese plötzliche Dunkelheit wird ebenfalls unterstrichen, dass etwas Dramatisches passiert ist.

Zusammenfassend kann man das Haus als ein Spiegelbildmotiv interpretieren, das auf die Entwicklung der Beziehung der Klausens verweist. Es charakterisiert die Ehe als bröckelnd und krisenhaft. Das Ausgehen der Lichter lässt sich letztlich als das Ende der Ehe interpretieren.

Dadurch wird der Rückzugsort zum Sehnsuchtsort von Gottfried und letztlich zum angedeuteten Tatort.

Der Vulkan

Ein weiteres Motiv ist der Vulkan. In Kapitel Vier wird beschrieben, dass Gottfried aufgrund eines Brandgeruchs die Fenster verschließt. Am nächsten Morgen erfährt er von einem Vulkanausbruch in Island. Aufgrund der Aschewolke kann Klausen nicht zu seiner Frau nach Berlin fliegen, da der Flugverkehr eingestellt wird.

Symbolisch lässt sich dieser Vulkanausbruch als Ausbruch der verdrängten Gefühle und Gedanken interpretieren. Gottfrieds Gemüt verdüstert sich, so wie der Himmel durch die Aschewolke verdunkelt wird, und die Kommunikation zu Xenia bricht ab.

Othello

Othello ist eine Tragödie von William Shakespeare aus dem beginnenden 17. Jahrhundert, die von Liebe, Eifersucht und Verrat handelt.

Othello ist in Shakespeares "The TRagedy of Othello" mit Desdemona verheiratet, allerdings hält ihr Vater nicht viel von der Ehe, da Othello schwarz ist. Sein Fähnrich Iago will sich an Othello rächen und bringt ihn durch Intrigen dazu, zu glauben, dass seine Frau eine Affäre hätte. Othello bringt schließlich erst Desdemona und dann sich selbst um.

Die Theaterbesuche

Das Shakespeare Stück spielt in der Novelle eine bedeutende Rolle. Zweimal besucht Gottfried das Theater. Zu Beginn hat er noch keine Kenntnisse über die Handlung. Als rationaler Vernunftmensch ruft die Tragödie Verwunderung bei ihn hervor, da er Othellos Verhalten als unglaubwürdig und irrational bewertet. Othello steht im Kontrast zu Gottfried Klausen.

Beim nächsten Besuch kennt er das Stück bereits. In Gottfried wird ein innerer Konflikt hervorgerufen, woraufhin er die Vorstellung verfrüht verlässt. Der Satz "Put out the light", den Othello während des Mordes an seiner Frau sagt, geht Gottfried nicht mehr aus dem Kopf. Auf einmal ist Othello ein Spiegel für Gottfried Klausen, vor dem er sich fürchtet.

Die Bedeutung der Tragödie für Gottfried wandelt sich: Erst ist er distanziert und weist eine Ablehnungshaltung auf, dann identifiziert er sich unbewusst mit dem Protagonisten Othello, was sich besonders durch das Zitat am Ende der Novelle zeigt.

Interpretation von "Das Haus in der Dorotheenstraße"

Hartmut Langes Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" lässt verschiedene Deutungseben zu, die alle miteinander verbunden sind. Die Psychologische Deutung bezieht sich auf die Krise des Ehepaars Klausen, die nach und nach deutlicher wird, während eine philosophische Deutung den Menschen als fühlendes Wesen in den Mittelpunkt setzt. Soziologisch kann der Text auch gedeutet werden, indem die speziellen Herausforderungen der modernen Welt und des Arbeitslebens beleuchtet werden.

Psychologische Deutung

Die Verfassung der Ehe wird zu Beginn bereits symbolisch durch das Haus dargestellt, dessen Fassade an manchen Stellen bröckelt, das aber nach Außen trotzdem einen imposanten Anschein macht. Auch Gottfried und Xenia scheinen erst ein harmonisches Paar zu sein, doch im Laufe der Geschichte wird die fehlende Kommunikation zwischen beiden immer deutlicher.

Gottfried wird durch den Umzug und den damit verbundenen Verlust sozialer Kontakte stark belastet. Als die Vermutung in ihm aufkeimt, dass seine Frau eine Affäre haben könnte, ist es ihm nicht möglich diese Angst zu kommunizieren. Sie wird in ihm aufgestaut, bis er darin eine Gewissheit vermutet.

Die immer wieder scheiternden Versuche, Kontakt mit Xenia aufzunehmen, verändern seinen zuvor rationalen Charakter und Gottfried beginnt seinen Halt zu verlieren und irrational zu handeln. Er lebt mehr und mehr in einer Scheinrealität, die durch den Satz "Put out the light" angedeutet wird.

Philosophische Deutung

Eine philosophische Frage über den Menschen ist, inwieweit das Handeln von Rationalität und inwieweit von Emotionen beeinflusst wird. Diese Gespaltenheit der menschlichen Verfassung kann auch an der Figur Gottfried Klausen beobachtet werden.

Er wird als besonders nüchterner und rationaler Charakter eingeführt, der in seiner Arbeit viel Wert auf Vernunft und Gründlichkeit legt. Die Ehe zwischen ihm und Xenia wird als ruhig dargestellt. Als er das erste Mals "The Tragedy of Othello" im Theater sieht, kann er die emotional gesteuerte Handlungsweise des Protagonisten nicht nachempfinden.

Als ein fremder Mann das Telefon seiner Frau abnimmt und sie nicht zu dem vereinbarten Besuch in London erscheint, wird seine Verfassung immer mehr von seiner emotionalen Seite bestimmt. Er steigert sich in die Vorstellung hinein, dass Xenia ihn betrügt und wird deshalb auch in seiner Arbeit nachlässig. Die angedeutete Katastrophe spielt darauf an, dass er nur noch emotional und nicht mehr emotional handeln kann.

"Das Haus in der Dorotheenstraße" zeigt, dass der Mensch von seinen Emotionen derart überwältigt werden kann, dass jede Vernunft ihnen weichen muss. Die Menschen sind nach der Novelle Gefühls- und keine Denkwesen.

Poetologische Deutung

Hinsichtlich des Theaterstückes "Othello" wird im Verlauf der Novelle deutlich, welchen Einfluss Kunst auf das Leben nehmen kann. Zuerst hat Gottfried einen negativen Eindruck von der Tragödie aufgrund der Unglaubwürdigkeit der Geschehnisse. Zum Ende jedoch nimmt der Satz "Put out the light" Einfluss auf sein eignes Leben. Die Unglaubwürdigkeit der Kunst wird durch die Novellenhandlung widerlegt, da auch Gottfried, wie Othello, die Untreue seiner Frau nicht hinterfragt und sie letztlich vielleicht ebenfalls ermordet.

Soziologische Deutung

Durch die Versetzung Gottfrieds nach London steht die Beziehung unter einer Belastung. Daraus geht besonders die Mobilitätsanforderungen der modernen Arbeitswelt als Herausforderung für zwischenmenschliche Beziehungen hervor. Außerdem leidet Gottfried unter der Einsamkeit in London, wodurch die Anonymität in der Großstadt als eine weitere Schwierigkeit betrachtet werden kann.

Das Haus in der Dorotheenstraße - das Wichtigste auf einen Blick!

  • Hartmut Lange, verfasst 2013, Novelle aus gleichnamiger Novellensammlung
  • Es handelt von dem Journalisten Gottfried Klausen, der von Berlin nach London versetzt wird. Seine Frau bleibt zunächst in dem gemeinsamen Haus wohnen, allerdings scheitern bald die Kommunikationsversuche zwischen beiden und Gottfried geht davon aus, dass seine Frau ihn betrügt. Am Ende wird angedeutet, dass Gottfried seine Frau umbringt, allerdings kann auch ein anderer Ausgang angenommen werden.
  • In der Novelle gibt es verschiedene Leitmotive, wie zum Beispiel das Haus, das den Zustand der Ehe darstellt und Shakespeares Drama "The Tragedy of Othello", das erst als Gegensatz zu Gottfried, aber später als seine Spiegelung gesehen werden kann.
  • Hartmut Lange hat eine nüchterne Sprache. Der größte Teil der Novelle verfügt über einen auktorialen Erzähler, der aber stellenweise auch nur Gottfrieds Wahrnehmung wiedergibt.
  • Es ist möglich "Das Haus in der Dorotheenstraße" psychologisch, philosophisch, poetologisch oder soziologisch zu deuten.

Das Haus in der Dorotheenstraße

Die Novelle "Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle, da es einen straffen, einsträngigen Aufbau aufweist. Außerdem wird eine "unerhörte" Begebenheit angedeutet, i.d.F. ein Mord. 

Als Abwechslung zu seiner üblichen Routine besucht er das Theaterstück "Othello". 

"Das Haus in der Dorotheenstraße" wurde 2013 von Hartmut Lange verfasst.

Finales Das Haus in der Dorotheenstraße Quiz

Frage

Wer hat "Das Haus in der Dorotheenstraße" geschrieben?

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Antwort

Hartmut Lange 

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Frage

Wo liegt das Haus, in dem das Ehepaar Klausen lebt?

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Antwort

Das Haus liegt im Süden von Berlin.

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Frage

Wohin wird Gottfried Klausen am Anfang der Erzählung versetzt?

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Antwort

Nach London

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Frage

Welcher Textsorte gehört "Das Haus in der Dorotheenstraße an"?

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Antwort

"Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle.

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Frage

In welchem Jahr spielt "Das Haus in der Dorotheenstraße"?

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Antwort

2011

Frage anzeigen

Frage

Welchen Beruf hat Gottfried Klausen?

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Antwort

Gottfried Klausen ist Wirtschaftsjournalist bei einer überregionalen Tageszeitung.

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Frage

Warum gefällt Gottfried das Stück "The Tragedy of Othello" nicht, als er es das erste Mal sieht?

Antwort anzeigen

Antwort

Gottfried findet das Verhalten des Protagonisten unglaubwürdig, weil der die Vermutung, dass seine Frau eine Affäre haben könnte, nicht hinterfragt.

Frage anzeigen

Frage

Wodurch kommt Gottfried zu der Vermutung, dass Xenia eine Affäre haben könnte?

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Antwort

Als Gottfried Xenia anrufen möchte, antwortet eine fremde Männerstimme an Xenias Telefon.

Frage anzeigen

Frage

Warum kann Gottfried nicht nach Berlin fliegen?

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Antwort

In Finnland ist ein Vulkan ausgebrochen, weshalb der Flugverkehr in Europa lahmgelegt ist. 

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Frage

Welcher Satz von Othello geht Gottfried nicht mehr aus dem Kopf?

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Antwort

Der Satz heißt "Put out the light" und Othello sagt ihn, während er seine Frau Desdemona ermordet.

Frage anzeigen

Frage

Welche verschiedenen Deutungsansätze sind bei der Interpretation von "Das Haus in der Dorotheenstraße" möglich?

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Antwort

Man kann die Novelle psychologisch, philosophisch, poetologisch oder soziologisch deuten.

Frage anzeigen

Frage

Was sind die wichtigsten Leitmotive in "Das Haus in der Dorotheenstraße"?

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Antwort

Die wichtigsten Leitmotive sind das Haus des Ehepaars, der Mord von Othello in Shakespeares Drama und der Vulkan in Island.

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