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Das Versprechen Dürrenmatt

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Das Versprechen Dürrenmatt

"Das Versprechen" ist der dritte Kriminalroman des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt und erschien 1958. Der Roman war keine Auftragsarbeit, wie andere Werke Dürrenmatts, sondern erschien, während Dürrenmatt bereits ein angesehener Schriftsteller war.

In seinem Roman befasst sich Dürrenmatt mit der typischen Handlung von Kriminalgeschichten, die er kritisiert. In "Das Versprechen" geht es darum, wie der Zufall die Wirklichkeit bestimmt und dass ein genialer Plan an banalen Ereignissen scheitern kann.

Zusammenfassung des Inhalts von "Das Versprechen"

"Das Versprechen" ist in eine Rahmen- und eine Binnenerzählung gegliedert. Diese Binnenhandlung handelt von dem Kommissar Matthäi, der an einem Kriminalfall scheitert.

Rahmen- und Binnenhandlungen sind Bezeichnungen für verschiedene Teile eines Textes. Eine Rahmenhandlung ist daran zu erkennen, dass sie vor und nach der Binnenhandlung erzählt wird und meist zu einer anderen Zeit stattfindet. Sie umgibt die Binnenhandlung wie ein Rahmen.

Die Binnenhandlung ist überwiegend aus der Sicht einer Figur geschrieben, die bereits in der Rahmenhandlung vorkommt. Häufig handelt es sich bei der Binnenhandlung um eine Geschichte, die in der Rahmenhandlung erzählt wird.

Die Rahmenerzählung – Der Anfang

Zu Beginn hält der Ich-Erzähler, der Autor von Kriminalgeschichten ist, einen Vortrag über seine Arbeit. Nach seiner Rede lernt er Dr. H. kennen, der auf den Autor zukommt und dessen Vortrag kritisiert. Die beiden trinken zusammen an der Hotelbar und Dr. H erzählt, dass er einmal Polizeipräsident war. Er lädt den Autor ein, ihn am nächsten Tag in seinem Auto wieder zurück nach Zürich mitzunehmen.

Auf der Fahrt behauptet Dr. H., der Ich-Erzähler verpflichte sich mehr der Dramaturgie als der Wahrhaftigkeit. Er erklärt dem Schriftsteller auch, dass in Kriminalgeschichten dem Zufall nicht genug Raum eingeräumt werde. Sie stoppen auf der Fahrt an einer Tankstelle. Dort treffen sie auf einen betrunkenen älteren Mann, dessen Geschichte Dr. H. im Auto erzählt. Als Chef Kantonspolizei kennt H. den betrunkenen Mann, der früher einer seiner besten Ermittler war.

Die Binnenhandlung

Die Geschichte beginnt mit Matthäi, der ein verschlossener, aber genialer Kommissar ist. Er soll bald nach Amman gehen, nachdem er von der Eidgenossenschaft dorthin versetzt wurde. Er erhält Meldung davon, dass ein totes Mädchen gefunden wurde, das mit einem Rasiermesser ermordet wurde. Es stellt sich bald heraus, dass es sich um die siebenjährige Gritli Moser handelt.

Der Anruf stammt von dem Hausierer von Gunten, der die Leiche in einem Wald bei Mägendorf gefunden hatte. Matthäi informiert zunächst die aufgebrachten Eltern des Kindes, denen er verspricht, dass er den Mörder finden würde, obwohl er schon bald die Schweiz verlassen muss.

Als Eidgenossenschaft bezeichnet man in der Schweiz den Verbund der einzelnen Kantone. Kantone kann man mit den Bundesländern in Deutschland oder Österreich vergleichen. Die Eidgenossenschaft wäre dann der Bund, in dem die Kantone zusammengeschlossen sind.

Der Kommissar hört sich in Mägendorf um, wo alle den Hausierer für den Täter halten. Dieser ist bereits wegen eines Sittenverbrechens an einem vierzehnjährigen Mädchen vorbestraft und wird von der Dorfbevölkerung misstrauisch behandelt. Die Dorfbewohner*innen möchten selbst über den Hausierer richten.

Matthäi verspricht, dass die Polizei ihnen von Gunten ausliefern würde, sofern sie in der Lage seien, ein gerechtes Urteil zu fällen. Matthäi glaubt dabei aus seiner Erfahrung und Intuition heraus nicht, dass von Gunten der Mörder ist. Die Bauern verstricken sich daraufhin in viele Widersprüche und überlassen der Polizei die Weiterarbeit an dem Fall.

"Sittenverbrechen" ist ein veraltetes Wort für Straftaten, die mit sexueller Gewalt zusammenhängen.

Von Gunten wird bei der Polizei in einem zwanzigstündigen Verhör vernommen, welches in diesem Ausmaß nicht erlaubt ist. Matthäi besucht inzwischen die Dorfschule, wo der Schulchor gerade für die Beerdigung Gritlis probt. Ursula, eine Freundin von Gritli, berichtet dem Kommissar, dass das Mädchen vor ihrem Tod kleine Igel von einem Riesen geschenkt bekommen hätte.

Dr. H. findet in der Zwischenzeit heraus, dass der Mord zwei anderen gleicht, die zuvor in anderen Kantonen verübt und nie aufgeklärt wurden. Nachdem von Gunten in dem Verhör die Tat gestanden hat, bringt er sich in seiner Zelle um. Matthäi glaubt jedoch weiterhin nicht an die Schuld des Verstorbenen.

Der Fall gilt nun als offiziell gelöst und Matthäi fährt zum Flughafen, um nach Amman abzureisen. Auf dem Weg zum Flugzeug sieht er eine Schulklasse. Diese Begegnung macht ihm klar, dass der Täter noch immer frei ist und weiteren Kindern etwas antun könnte. Da er jedoch nicht zu seiner alten Arbeitsstelle zurückkehren kann, muss er privat ermitteln. Er beginnt daraufhin zu rauchen und zu trinken.

Der Kommissar findet ein Bild, das Gritli kurz vor ihrem Tod gemalt hatte, auf dem mehrere Igel, ein Riese mit einem Auto und ein Tier mit Hörnern abgebildet sind. Er bittet einen Psychiater um eine Analyse. Dieser sieht kein Sexualdelikt, sondern ein Racheakt an Frauen im Allgemeinen vorliegen und hält den Täter für primitiv. Sowohl das Tier mit den Hörnern, als auch die Igel bleiben ein Rätsel.

Der Psychiater wurde heimlich von Dr. H engagiert, Matthäi zu beobachten. Dr. H. ist besorgt über seinen früheren Arbeitskollegen und befürchtet, dass er in den Wahnsinn abgleiten könnte. Der Psychiater befragt Matthäi über seinen psychischen Zustand, während der ehemalige Kommissar weiterhin glaubt, nur wegen des Bildes dort zu sein.

Matthäi ist davon überzeugt, dass er den Täter herauslocken könne, um ihn so zu überführen und versucht deshalb, ein Mädchen aus dem Waisenhaus zu adoptieren, was ihm verwehrt wird. Daraufhin stellt er eine Haushälterin ein, die eine kleine Tochter namens Annemarie hat. Das Mädchen ist ungefähr im Alter Gritlis und Matthäi freundet sich mit ihm an.

Außerdem übernimmt Matthäi eine Tankstelle, die an der (damals) einzigen Straße liegt, die von Graubünden nach Zürich führt, da er mittlerweile davon überzeugt ist, dass der Täter von Graubünden aus operieren müsse.

Gegenüber Dr. H. bezeichnet Matthäi seine Methode als Fischen, da man sowohl Täter als auch Raubfische nur mit dem richtigen Köder am richtigen Ort fangen könne. Matthäi findet die Bedeutung des Tieres mit den Hörnern heraus, welches sich als Steinbock herausstellt und das Wappentier von Graubünden ist. Dementsprechend muss es am Nummernschild des Autos abgebildet gewesen sein.

Dr. H. zeigt sich von der unkonventionellen Methode zwar beeindruckt, glaubt allerdings nicht an ihren Erfolg.

Annemarie, mit der Matthäi mittlerweile ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, fehlt häufiger in der Schule. Als sie an einem Vormittag früher aus der Schule zurückkehrt, erzählt sie Matthäi, die Schule sei aufgrund einer Lehrerkonferenz ausgefallen. Als Matthäi bei ihr auch Schokoladentrüffel in der Form von Igeln findet, glaubt er, dass Annemarie ihn anlügt.

Das Mädchen erzählt Matthäi, dass es sich mit einem Zauberer treffen würde. Er hofft, dass es sich dabei um den Täter handelt und bestärkt Annemarie darin, den Zauberer noch einmal zu treffen.

Annemarie geht zu dem Treffpunkt, den sie mit dem Zauberer vereinbart hatte, wird dabei aber heimlich von umstehenden Polizisten beobachtet. Sie sitzt auf einem Stein und singt wartend vor sich hin. Allerdings erscheint der vermeidliche Täter nicht. Alle Beteiligten müssen Tag für Tag wieder an den Treffpunkt kommen und auf den Zauberer warten.

Nach einer Woche werden einige der Polizisten ungeduldig und halten den Gesang des Mädchens nicht mehr aus. Der Staatsanwalt kommt aus seinem Versteck und schreit Annemarie an. Daraufhin entlädt sich auch die Wut der Polizisten und sie schlagen Annemarie. Annemaries Mutter geht schließlich dazwischen und die Aktion wird beendet.

Matthäi verbleibt derweil weiterhin an der Tankstelle, überzeugt, dass der Täter noch auftauchen wird, und er ihn stellen kann.

Die Rahmenerzählung

Dr. H. und der Ich-Erzähler befinden sich nun in der Kronenhalle und essen. Dr. H. sagt, dass es nichts Schlimmeres gäbe, als ein Genie, das durch etwas Idiotisches stolpere. Daraufhin erzählt er das Ende der Geschichte, das er durch einen Besuch bei einer alten Frau erfahren hatte. Diese hatte ihn gerufen, um kurz vor ihrem Tod ihr Gewissen zu bereinigen.

Die Kronenhalle ist ein gehobenes Restaurant in Zürich.

Sie habe Dr. H. berichtet, dass sie mit dem über dreißig Jahre jüngeren Mann Albertchen Schrott verheiratet gewesen sei, der die Mädchenmorde begangen hätte. Dieser hätte gesagt, dass ihm eine Stimme von Oben befohlen hätte, die Kinder zu töten. Sie wollte ihn von weiteren Taten abhalten, wodurch es zu einem Streit gekommen wäre. Daraufhin sei er in die Nähe der Tankstelle gefahren, um auch Annemarie umzubringen. Auf dem Weg zu dieser Tat geriet er allerdings in einen Unfall mit einem Lastwagen und verstarb.

Dr. H. erzählt, er sei zu der Tankstelle gefahren, um Matthäi von diesen neuen Entwicklungen zu berichten. Dieser habe ihn aber ignoriert und warte noch heute auf den Täter. Dr. H. beendet die Geschichte mit dem Satz:

Und nun mein Herr, können Sie mit dieser Geschichte anfangen, was Sie wollen. Emma, die Rechnung.

Alle Zitate in diesem Artikel stammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus: Dürrenmatt, Friedrich: "Das Versprechen", dtv-Verlag, 2021.

Charakterisierung der wichtigsten Personen

Die wichtigsten Figuren erfüllen in dem Roman von Friedrich Dürrenmatt bestimmte Funktionen. Im Folgenden werden diese Figuren und ihre Verhältnisse zueinander genauer beschrieben.

Kommissar Dr. Matthäi

Matthäi ist die eigentliche Hauptfigur des Romans, da es um seinen Absturz in den Wahnsinn geht. Die erste Charakterisierung wird durch Dr. H. formuliert, der ihn als genial bezeichnet, allerdings auch als kühl und humorlos. Dr. H vermutet, dass Matthäi kein Privatleben hat und nur für seine Arbeit leben würde.

Diese Eigenschaften spiegeln ein Klischee des Kriminalromans wider, in dem häufig der emotional unerreichbar scheinende Kommissar den Fall durch seine kriminalistische Genialität auflösen kann. Dürrenmatt verwendet diese klassischen Eigenschaften, um anhand des scheinbar perfekten Kommissars zu zeigen, dass Genialität zur Klärung eines Kriminalfalles nicht ausreicht.

Obwohl Matthäi als emotionsloser Mann beschrieben wird, veranlasst ihn die Schulklasse am Flughafen dazu, zurückzukehren. Die emotionale Notlage, in der sich der sonst sehr nüchterne Polizist befindet, wird auch durch seinen schnellen Verfall erkennbar, was von dem Psychiater als sprunghafte Charakterveränderung bezeichnet wird.

Die Observation durch die Polizei wird später nur wegen Matthäi durchgeführt, berichtet Dr. H. in der Geschichte.

Wir warteten und warteten. Es ging uns jetzt eigentlich nicht mehr um das Kind und nicht mehr um den Mörder, es ging uns um Matthäi, der Mann mußte recht behalten, an sein Ziel kommen, sonst geschah ein Unglück; […].

Es wird deutlich, dass alle Menschen, die Matthäi kennen, seinen Verfall bemerken, dieser aber durch nichts anderes aufzuhalten ist, als durch das Fassen des Mörders. Als dieser dann nicht erscheint, verfällt der Kommissar endgültig in eine psychische Notsituation. Er ist in seinem Wahn eingeschlossen, den Mörder noch zu finden. Als ihn Dr. H in der Tankstelle besucht, reagiert Matthäi weder auf die Anwesenheit, noch auf die Worte seines alten Bekannten.

Auch der Name der Hauptfigur spielt bereits auf die dramatischen Wendungen an. Die Redewendung "Matthäus am Letzten" bezieht sich auf den Apostel Matthäus, der als letzter Apostel zu Jesus gekommen war. Zur Zeit der Entstehung des Romans war diese Redewendung weitverbreitet und bedeutet im Zusammenhang mit dem Protagonisten, dass dieser am Ende nichts mehr hätte, woran er sich festhalten kann.

Polizeichef Dr. H.

Der ehemalige Chef der Kantonspolizei, Dr. H., ist der Erzähler der Binnenhandlung. Er konfrontiert den Ich-Erzähler mithilfe von Dürrenmatts Kritik an der klassischen Handlung eines Kriminalromans. Er ist ein eigenwilliger Mann, den allerdings eine tiefe Verbundenheit zu dem ehemaligen Kommissar Matthäi auszeichnet. Obwohl Dr. H. von Anfang an nicht an den Erfolg der unkonventionellen Methode Matthäis glaubt, unterstützt er diesen und besucht ihn weiterhin an der Tankstelle.

Um die Wichtigkeit des Zufalls in der Polizeiarbeit zu unterstreichen, stellt Dr. H. dem Schriftsteller, aus dessen Perspektive in Form des Ich-Erzählers der Roman geschrieben ist, den verwahrlosten Tankstellenbesitzer vor.

Dr. H ist ein konservativer Polizeichef, der auch das illegale Verhör des Beschuldigten von Gunten damit rechtfertigt, dass sich die Polizei nicht immer an die Regeln halten könne.

Der Autor

Der Ich-Erzähler der Rahmenerzählung verkörpert einen Schriftsteller. Dieser hält zu Beginn einen Vortrag über die Kunst, Kriminalgeschichten zu verfassen, wobei er die klassischen Handlungsverläufe erklärt. Dr. H. kritisiert später diese Herangehensweise, allerdings scheint der Autor selbst auch leidenschaftslos gegenüber seiner eigenen Arbeit zu sein, da er gleichgültig bleibt, als sein Vortrag von den Besucher*innen nicht angenommen wird.

Analyse von "Das Versprechen" Aufbau und Sprache

Der Roman "Das Versprechen" ist in eine Rahmen- und eine Binnenhandlung aufgeteilt. Die Rahmenhandlung ist aus der Sicht des Autors geschrieben. Die Binnenhandlung besteht aus der Geschichte, die Dr. H. dem Ich-Erzähler im Auto berichtet.

Während die Rahmenhandlung des Romans bloß einen Tag umfasst, erstreckt sich die Binnenhandlung über insgesamt vierzehn Jahre. Die Rahmenhandlung findet zum größten Teil auf der Autofahrt nach Zürich statt. Die Orte, die für die Binnenhandlung wichtig sind, werden dabei auch in der Rahmenhandlung abgefahren.

Friedrich Dürrenmatts nutzt eine nüchtern und relativ einfach gehaltene Sprache. Die Sätze sind kurz und enthalten keine Ausschmückungen. Deshalb fühlt es sich an manchen Stellen so an, als würde ein Bericht vorliegen.

Die Privatklinik lag weit von der Stadt, beim Dorfe Röthen. Matthäi hatte die Bahn genommen und mußte eine größere Strecke gehen. Er war zu ungeduldig gewesen, auf das Postauto zu warten, das ihn denn auch bald überholte, und dem er leicht verärgert nachsah.

In der wörtlichen Rede ändert sich Art der Sprache. Anfangs spricht Matthäi sehr rational und fast emotionslos. Seine Wortwahl ist sehr bedacht. Daran ist zu erkennen, dass er sachbezogen sowie rational ist und genaue Formulierungen sucht.

Ihr habt nun beschlossen, dieses Gericht selbst zu bilden. Ob ihr das Recht dazu habt, wollen wir hier nicht untersuchen, ihr habt euch das Recht genommen.

Später wird Matthäis Zustand erkennbar schlechter und seine Begründungen werden vage und unlogisch. Seine Sprache wird immer bildlicher.

'Das ist ein Mordort', sagte er, 'das spürt man, ich werde weiterwarten.'

Wo dieser Ort liegen soll, lässt sich nicht nachvollziehen. Matthäi erklärt seine Anliegen und Erkenntnisse nicht mehr so rational wie am Anfang des Romans.

Interpretation von "Das Versprechen"

"Das Versprechen" kann auf verschiedene Weisen gedeutet und interpretiert werden. Die wichtigsten Aspekte des Werkes sind einerseits Dürrenmatts Kritik an dem Genre des Kriminalromans und andererseits die Uneindeutigkeit von Gut und Böse.

Kritik am Kriminalroman

Der Untertitel des Werkes, "Requiem auf den Kriminalroman", beschreibt bereits die wichtigste Aussage der Geschichte. Friedrich Dürrenmatt erzählt von dem genialen Kommissar Matthäi, der durch seinen scharfen Verstand überzeugt ist, das Verbrechen aufklären zu können, allerdings an einer Banalität scheitert.

Der Begriff "Requiem" kommt aus der Kirche und bezeichnet eine Messe, die für Verstorbene abgehalten wird.

Dürrenmatts Überzeugung ist, dass es unmöglich sei, die Welt nur mit Rationalität zu erklären. Die Vorfälle in der Wirklichkeit seien seiner Meinung nach stark vom Zufall bestimmt. Diese Ansicht beschreibt Dr. H. zu Beginn von "Das Versprechen":

Auch spielt das Zufällige, Unberechenbare, Inkommensurable eine zu große Rolle. Unsere Gesetze fußen nur auf Wahrscheinlichkeit, auf Statistik, nicht auf Kausalität, treffen nur im allgemeinen zu, nicht im besonderen. Der Einzelne steht außerhalb der Berechnung.

Es scheint unwahrscheinlich, dass der Hausierer die Tat nicht begangen hat, da er bereits wegen Sittenverbrechen vorbestraft war. Bei ihm wird nicht nur die Mordwaffe, ein Rasiermesser, sondern auch die Schokolade, die im Magen des Mädchens gefunden wurde, sichergestellt.

"Das Versprechen" ist formal ein Kriminalroman, der allerdings das Genre des Krimis kritisiert. Die Handlung des Romans ist darauf ausgelegt, die Fehler von klassischen Kriminalromanen aufzuzeigen.

Die Figur des Kommissars kann niemals mit dem Fall abschließen, weil er nicht versteht, dass seine rationale Weltsicht nicht genügt, um die Realität erklären zu können. Dadurch, dass Matthäi wie der typische erfolgreiche Kriminalkommissar angelegt ist, zeigt Dürrenmatt, dass Kriminalromane nicht der Realität entsprechen.

Gut und Böse

Ein weiteres Motiv, das in "Das Versprechen" deutlich wird, ist die Ungenauigkeit von Gut und Böse. Es gibt keine Figur, die sich eindeutig in eine dieser beiden Kategorien einordnen lässt. Der Täter ermordet die Mädchen zwar auf eine schreckliche Art und Weise, allerdings wird in der Erzählung seiner Frau deutlich, dass er eigentlich ein gebrochener Mann war, mit dem der Leser beinahe Mitleid empfinden könne.

Matthäi möchte zwar um alles in der Welt sein Versprechen an die Eltern von Gritli halten und den Mord aufklären, allerdings sind seine Methoden unmoralisch. Er benutzt Annemarie und ihre Mutter dafür, den Mörder herauszulocken. Außerdem bestärkt er Annemarie lange darin, den gefährlichen Mann wiederzusehen, obwohl er weiß, dass dieser das Kind umbringen möchte.

Auch die Bürger*innen von Mägendorf möchten zwar den Fall aufklären, weil sie die kleine Gritli geliebt haben, allerdings wollen sie einen Verdächtigen ohne Gerichtsurteil bestrafen. Sie wollen Gerechtigkeit in Form von Selbstjustiz verüben.

Kritik an der Nachkriegsgesellschaft

Es ist auch möglich, die Polizei und die Mägendorfer als Kritik an der Nachkriegsgesellschaft zu interpretieren. In den 50-er Jahren war die europäische Gesellschaft zwar noch stark vom Zweiten Weltkrieg geprägt, allerdings gab es durch das Wirtschaftswunder auch einen neuen Wohlstand, der zu einer, vor allem äußerlichen, Ruhe beitrug.

Diese Tendenz war auch in der Schweiz erkennbar, wo der Roman 1958 erschien. Gezeigt wird das am Verhalten der Bewohner*innen Mägendorfs, denn diese sind bereit Lynchjustiz zu begehen. Ebenso wird das bei der Polizei deutlich, die von Gunten so lange verhört, bis er gesteht. Die Ruhe herzustellen, wird von beiden Parteien als wichtiger erachtet als die Möglichkeit, dass ein Unschuldiger bestraft wird.

Lynchjustiz bezeichnet ein illegales Verfahren, bei dem Verdächtige vor einem rechtskräftigen Urteil hingerichtet werden.

Das Verhör hatte über zwanzig Stunden gedauert. Das war natürlich nicht erlaubt; aber wir von der Polizei können uns schließlich nicht immer nach den Vorschriften richten.

An dem Zitat von Dr. H. wird deutlich, dass der Hausierer so lang verhört wurde, dass er gestehen musste.

Über den Autor Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt ist ein Schweizer Schriftsteller, der besonders für seine komischen Dramen "Der Besuch der alten Dame" und "Die Physiker" bekannt ist. Er lebte von 1921 bis 1990. Dürrenmatt gilt als einer der wichtigsten Vertreter deutschsprachiger Literatur in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg. Macht und Verantwortung sind zentrale Themen, die er in seinen Werken verarbeitet.

Entstehungsgeschichte von "Das Versprechen"

Auch wenn der Roman "Das Versprechen" keine Brotarbeit für Dürrenmatt war, ist die Grundlage des Werkes ein Auftrag für ein Drehbuch. Dürrenmatt sollte abschreckend über Sexualdelikte an Kindern schreiben, woraus später der Film "Es geschah am helllichten Tage" entstand. In dem Film glückt das Vorgehen Matthäis und der Täter wird festgenommen.

Friedrich Dürrenmatt war nicht vollständig zufrieden mit dem Film und hatte später die Idee für die Rahmenhandlung. Er veränderte auch die Binnenhandlung dahin gehend, dass Matthäis Plan nicht erfolgreich ist und der Täter stirbt, bevor er gefasst werden kann.

Das Versprechen Das Wichtigste

  • "Das Versprechen" ist ein Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt und 1958 erschienen.
  • In der Rahmenhandlung trifft ein Autor von Kriminalgeschichten auf den pensionierten Polizeichef Dr. H., der ihm die Geschichte von Kommissar Matthäi erzählt.
  • Die Binnenhandlung erzählt, wie Matthäi daran scheitert, den Mörder eines Mädchens zu fassen, weil der Täter bei einem Unfall stirbt, kurz bevor er in die von dem Kommissar gelegte Falle tappen kann.
  • Der Roman kritisiert die typische Handlung von Kriminalromanen und zeigt, dass der Zufall letztlich entscheidend ist.
  • Die Sprache in "Das Versprechen" ist nüchtern und gut verständlich. Teilweise erinnert die Schreibweise an einen Bericht.
  • Ursprünglich schrieb Dürrenmatt das Drehbuch für "Es geschah am helllichten Tage", entwickelte die Idee allerdings später weiter.
  • In "Das Versprechen" geht es auch darum, dass Gut und Böse oftmals nicht voneinander trennbar sind.
  • "Der Kriminalroman ist in eine Rahmen- und eine Binnenhandlung gegliedert.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Das Versprechen Dürrenmatt

"Das Versprechen" von Friedrich Dürrenmatt handelt von einem Kommissar, der versucht einen Mörder zu überführen, allerdings an einem Zufall scheitert und wahnsinnig wird. 

Das Hauptmotiv in "Das Versprechen" ist die Kritik an dem typischen Kriminalroman, in dem die Verbrecher durch Logik gefasst werden. Ein weiteres Motiv ist, dass Gut und Böse nicht immer eindeutig voneinander trennbar sind. 

Der Titel "Das Versprechen" spielt auf die Hauptfigur Matthäi an, der den Eltern des ermordeten Mädchens verspricht, den Mörder zu finden, daran allerdings scheitert. 

Finales Das Versprechen Dürrenmatt Quiz

Frage

Wann hat Friedrich Dürrenmatt "Das Versprechen" verfasst?

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Antwort

1958

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Frage

Welchen Genre kann man "Das Versprechen" zuordnen?

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Antwort

"Das Versprechen" ist ein Kriminalroman.

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Frage

Was wollte Dürrenmatt am klassischen Kriminalroman kritisieren? 

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Antwort

Dass in den Romanen alles rational gelöst wird und es keine Zufälle gibt.

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Frage

"Das Versprechen" war ursprünglich ein Drehbuch zu einem Film, der vor dem Roman erschienen ist. Wie hieß der FIlm?

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Antwort

Der Film hieß "Es geschah am hellichten Tage".

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Frage

Was ist der Auslöser dafür, dass Matthäi am Flughafen umkehrt und nicht nach Amman fliegt?

Antwort anzeigen

Antwort

Matthäi sieht am Flughafen eine Schulklasse und ihm wird bewusst, dass die Kinder in Gefahr sind, weil der echte Täter noch nicht gefasst ist. 

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Frage

Warum glaubt die Polizei, dass von Gunten der Täter ist?

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Antwort

Von Gunten war wegen eines Sittendeliktes an einem 14-jährigen Mädchen vorbestraft und hatte ein Rasiermesser und Schokolade bei sich. Ein Rasiermesser war auch die Tatwaffe und in dem Magen des Mädchens wurde Schokolade gefunden. 

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Frage

Wie versucht Matthäi den echten Täter zu fassen?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Matthäi betreibt eine Tankstelle an einer Straße, an der der Täter vorbeikommen muss.
  • Er lässt eine Frau als Haushälterin bei sich arbeiten und mit ihrer Tochter bei sich wohnen. 
  • Das kleine Mädchen soll der Köder für den Mörder sein.
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Frage

Warum wird der Täter nicht geschnappt?

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Antwort

Weil er auf dem Weg zu dem Mädchen einen Unfall hat, bei dem er tödlich verunglückt.

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Frage

Woher weiß Dr. H., was mit dem echten Täter geschehen ist?

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Antwort

Eine alte Dame bestellt Dr. H. zu sich, weil sie vor ihrem Tod beichten will, dass sie wusste, dass ihr Ehemann die Morde begangen hat.

Frage anzeigen

Frage

Was ist auf dem Bild zu sehen, das Matthäi für eine Zeichnung des Täters hält?

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Antwort

  • ein Riese
  • mehrere Igel, die der Riese Gritli überreicht
  • ein Auto 
  • ein Tier mit Hörnern 
Frage anzeigen

Frage

Nachdem Matthäi erfährt, dass er nicht in seinen alten Job zurückkehren kann, verändert er sich plötzlich. Was erstaunt alle Menschen, die ihn kennen, an ihm?

Antwort anzeigen

Antwort

Matthäis Bekannte sind verwundert darüber, dass er plötzlich begonnen hat zu rauchen und zu trinken. 

Frage anzeigen

Frage

Wer sind die Ich-Erzähler in der Rahmen- und der Binnenhandlung in "Das Versprechen"?

Antwort anzeigen

Antwort

In der Rahmenhandlung ist der Autor der Ich-Erzähler, der auf Dr. H. trifft. 

In der Binnenhandlung ist Dr. H. der Ich-Erzähler, der dem Autoren die Geschichte von Dr. Matthäi erzählt.

Frage anzeigen

Frage

Wo erzählt Dr. H. dem Autoren die Geschichte von Matthäi?

Antwort anzeigen

Antwort

Dr. H. beginnt die Geschichte im Auto zu erzählen. Er beendet sie in der Kronenhalle, in der die beiden gemeinsam essen. 

Frage anzeigen

Frage

Warum war Dürrenmatt mit dem Film nicht zufrieden und schrieb den Roman?

Antwort anzeigen

Antwort

In dem Film glückt das Vorhaben von Dr. Matthäi und der echte Täter wird gefasst. Dürrenmatts Hauptanliegen war aber, dass der Plan wegen eines Zufalls nicht aufgeht. 

Frage anzeigen

Frage

Warum heißt der Roman "Das Versprechen"?

Antwort anzeigen

Antwort

Der Roman heißt "Das Versprechen", weil Kommissar Matthäi den Eltern des ermordeten Kindes das Versprechen gibt, dass er den Täter fassen wird und schließlich daran zerbricht, dass er dieses Versprechen nicht halten kann. 

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