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Der Verlorene

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Der Verlorene

Der Roman "Der Verlorene" des deutschen Schriftstellers Hans-Ulrich Treichel erschien 1998 und behandelt das Schicksal einer Familie in der Nachkriegszeit. Die Handlung wird aus der Sicht eines zwölfjährigen Jungen erzählt, wobei der Buchtitel auch als Anspielung an das Gleichnis des verlorenen Sohnes aus der Bibel verstanden werden kann.

Das Gleichnis des verlorenen Sohnes

Das Gleichnis des verlorenen Sohnes ist eine nach dem Lukasevangelium von Jesus erzählte Geschichte. In der Handlung verlangt der jüngere Sohn von seinem Vater das Erbe und verprasst es anschließend. Er wird zum Bettler und sehnt sich wieder nach dem Haus seines Vaters. Gleichzeitig ist er sehr beschämt, kehrt aber dennoch nach Hause zurück. Sein Vater freut sich über die Rückkehr seines tot geglaubten jüngsten Sohnes und veranstaltet ein Fest.Der ältere Sohn, der in diesem Zeitraum stets an der Seite seines Vaters gewesen ist, beklagt das Verhalten. Sein Vater antwortet ihm aber, er solle sich freuen, dass der totgeglaubte jüngere Bruder wohlbehalten zurückgekehrt sei.

Der Verlorene - Inhaltsangabe

Die Handlung findet in einer Kleinstadt in Ostwestfalen in der Nachkriegszeit (Mitte der 1950er- bis Anfang der 1960er-Jahre) statt.

Der ältere Bruder Arnold

Zu Beginn der Geschichte wird eine Fotografie beschrieben, die den verlorenen Sohn Arnold auf einer Wolldecke zeigt. Dieser ist der ältere Bruder des Ich-Erzählers und ist anscheinend bei der Flucht der Familie vor russischen Soldaten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verhungert. Das Bild ist das Einzige, was der Familie vom verlorenen Sohn geblieben ist.

Der Ich-Erzähler ist stolz auf seinen angeblich verstorbenen Bruder und die Umstände seines Todes, da ihn dies von seinen Spielkameraden abhebt. Gleichzeitig ist er es aber leid, dass seine Mutter jedes Mal weint, sobald sie das Bild von Arnold betrachtet – die Bilder des Ich-Erzählers werden dabei immer zügig überblättert.

Es vergehen einige Jahre und die Mutter klärt den Ich-Erzähler über die wahren Umstände der damaligen Flucht aus dem Osten auf: Arnold sei gar nicht tot, sondern werde lediglich vermisst. Die Mutter habe das Kind damals einer fremden Frau in die Arme gelegt, als der Flüchtlingskonvoi von den rusisschen Soldaten herausgeholt wurde. Sie hatte nicht einmal die Gelegenheit, der fremden Frau den Namen des Kindes anzuvertrauen.

Diese Entscheidung lastet sehr schwer auf der gesamten Familie und dem Ich-Erzähler wird klar, dass er nur eine nebensächliche Rolle in diesem Gefüge spielt. Das Gefühl von Schuld und Scham zöge sich – so der Erzähler – durch seine gesamte Kindheit. Als Beispiel nennt er die regelmäßigen Sonntagsspaziergänge der Familie, die jedoch immer von einer negativen Atmosphäre begleitet wurden. Der Ich-Erzähler habe sich dann irgendwann in eine Reisekrankheit geflüchtet, um nicht mehr an solchen Aktivitäten teilnehmen zu müssen.

Der Werdegang der Familie

Seine Zeit vertreibt sich der Ich-Erzähler mit Radiohören, wobei er auch ab und zu russische Sender entdeckt. Das Fernsehen wird vom Vater jedoch missbilligt, sodass der Ich-Erzähler nur ab und zu mit der Mutter zusammen schauen kann. Die Familie veranstaltet zwei Mal im Jahr ein großes Schweinekopfessen, zu dem auch regelmäßig Bekannte aus dem Osten eingeladen werden. Der Ich-Erzähler ekelt sich zwar vor dem Verzehr, genießt aber die fröhliche Stimmung der Familie zu diesen Festtagen. Nur die Mutter wirkt weiterhin sehr bedrückt und introvertiert.

Die Eltern flüchten sich in gegensätzliche Aktivitäten. Während die Mutter immer ruhiger wird, beschließt der Vater, das komplette Haus zu sanieren. Die Familie erlebt den Wirtschaftsboom der 1950er Jahre mit und profitiert finanziell davon. Diese Erfolge zeigen sich für den Erzähler in den immer größer werdenden Autos des Vaters. Zu dieser Zeit hat der Vater auch den starken Drang, seine Karriere als Lebensmittelhändler in Fahrt zu bringen und macht eine Fortbildung zum Großhandelskaufmann. Schließlich wird er Großhändler für Fleischwaren, wobei sein Unternehmen schnell wächst.

Das Findelkind Nummer 2307

Die Hoffnung der Eltern auf eine glückliche Familienidylle verstärkt sich, als sie auf das Findelkind mit der Nummer 2307 stoßen. Dieses weist eine große Ähnlichkeit mit dem verloren geglaubten Arnold auf und die Eltern unternehmen intensive Anstrengungen, um mögliche Verwandtschaftsverhältnisse aufzudecken. Dazu werden Tests durchgeführt, in denen Blutproben und Fingerabdrücke entnommen werden. Diese vielen Prozeduren erinnern in gewisser Weise an die nationalsozialistische Rassenhygiene.

Die nationalsozialistische Eugenik beziehungsweise Erbgesundheitslehre wurde in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus eingesetzt, um die Ideale und Ideen der NS-Führung radikal umzusetzen. Hierfür galten die Nürnberger Rassengesetze als Grundlage: die Nationalsozialisten verabschiedeten darin Eheverbote zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen, sowie Zwangssterilisierungen bei verschiedenen Krankheitsbildern in der Bevölkerung. Ziel war es, durch diese Trennung den Gen-Pool des deutschen Volkes insoweit zu beeinflussen, dass nur noch "positive" Geninformationen vererbt werden konnten.

Die Tests ergeben aber negative Resultate im Bezug auf das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Findelkind und der Eltern. Das möchten sie nicht hinnehmen und lassen im nächsten Schritt durch einen Fotografen einen Bildvergleich ziehen. Doch auch hier kommt es zu Schwierigkeiten, denn Arnolds Ohren sind aufgrund der Mütze im Bild nicht zu erkennen. Zum Schluss ergibt das Gutachten, dass das Findelkind und Arnold höchstwahrscheinlich nicht ein und dieselbe Person sind. Das löst beim Ich-Erzähler Schadenfreude aus.

Das gerichtsantrophologische Institut in Heidelberg

Die Eltern sind aufgrund der Ergebnisse verzweifelt und die Mutter sogar nervlich am Ende. Es kommt nun öfters auch zu Streitigkeiten zwischen den beiden, sodass sich der Vater in seine Arbeit stürzt. Er kann nun sogar Fahrer einstellen und verdient gutes Geld. Als es zu einem neuen Streit zwischen den Eltern kommt, bietet der Vater als letzten Ausweg an, ein anthropologisch-erbbiologisches Abstammungsgutachten anfertigen zu lassen. Die Mutter willigt ein und gemeinsam fährt die Familie nach Heidelberg. Der Ich-Erzähler ist nur widerwillig mitgekommen.

Am gerichtsanthropologischen Institut in Heidelberg werden die Untersuchungen vorgenommen, wobei die Vermessungen des Professors Freiherr von Liebstedt für den Sohn schmerzhaft sind, was die Eltern ignorieren. Den Rest des Tages verbringt die Familie mit der Besichtigung der Stadt. Dabei fällt dem Ich-Erzähler der Austausch von Zärtlichkeiten zwischen seinen Eltern auf, die er zuvor noch nie in so einer Art beobachtet hatte.

Am nächsten Morgen erhalten sie das Ergebnis der Fußuntersuchungen, wobei eine Verwandtschaft mit dem Findelkind zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bestätigt werden kann.

Der Tod des Vaters

Auf der Heimfahrt wirkt der Vater aufgrund des Gutachtens sehr aufgebracht. Zu Hause erwartet die Familie der Revierpolizist Herr Rudolph, der von einem Einbruch ins Kühlhaus des Vaters berichtet. Ein Großteil der Waren sei daraufhin verdorben – ein zusätzlicher Stressfaktor für den Vater, der letztlich zu einem Herzinfarkt führt. Er stribt zwei Tage später und der Ich-Erzähler wahrt bei der Beerdigung zwar den Schein des trauernden Sohnes, ist dann aber heilfroh, die schwarze Armbinde endlich abnehmen zu können.

Die Mutter übernimmt das Geschäft und wird bald als strenge Chefin von der Belegschaft respektiert. Sie bleibt jedoch unnahbar für den Ich-Erzähler, der zu einem schwierigen Jungen heranwächst, da ihm die Zuneigung der Mutter fehlt. Gleichzeitg wächst seine Wut auf die Mutter, da er spürt, dass er den verlorenen Sohn nie ersetzen können wird. In der Folge entwickelt sich eine Beziehung zwischen der Mutter und Herrn Rudolph. Der Ich-Erzähler ist zwar fasziniert vom Polizisten, bleibt aber misstrauisch.

Die Fahrt nach Porta Westfalica

Das Gutachten aus Heidelberg kommt an, welches eine Verwandtschaft zwischen dem Findelkind und der Familie ausschließt, aber eine hohe Ähnlichkeit im Hinblick auf den Kopf- und Gesichtsumriss zwischen dem Findelkind und dem Ich-Erzähler aufweist. Beim zusätzlichen biomathematischen Zusatzgutachten wird die Verwandtschaft mit einer beinahe 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit verneint. Das beruhigt zwar den Ich-Erzähler, die Mutter hält aber dennoch an der fast schon gegen Null gehenden Wahrscheinlichkeit fest, bei dem Findelkind handle es sich um Arnold.

Sie beschließt, das Findelkind aufzusuchen, um es wenigstens ein Mal gesehen zu haben. Über ihren neuen Freund, den Polizisten Herrn Rudolph, kann sie die Adresse in Erfahrung bringen. Das Findelkind hört auf den Namen Heinrich, lebt in einer kleinen Stadt in der Nähe der Porta Westfalica und macht eine Lehre zum Metzger. Am Zielort angekommen, sehen sich die Mutter und der Ich-Erzähler am Schaufenster mit dem Findelkind konfrontiert. Sowohl der Ich-Erzähler als auch das Findelkind sind über die große Ähnlichkeit schockiert. Die Mutter wendet sich jedoch ab und fordert Herrn Rudolph auf, sofort zurückzufahren.

Der Verlorene - Charakterisierung der zentralen Figuren

Der Verlorene, Charakterisierung, StudySmarter

Der Ich-Erzähler

  • bleibt namenlos,
  • ist etwa 5 Jahre alt, als er von Arnold erfährt,
  • fühlt sich durch seinen Bruder bedroht,
  • spürt schon als Kind die Scham und Reue seiner Eltern und hat eine instabile Beziehung zu ihnen,
  • Ich-Erzähler verspürt Schadenfreude über die unwahrscheinliche Verwandtschaft des Findelkinds mit Arnold,
  • fühlt sich vernachlässigt, ungewollt und verspürt keine Empathie für die Eltern,
  • ist wenig betroffen vom Tod des Vaters und wütend auf die trauernde Mutter,
  • Ich-Erzähler wird undankbar und gereizt
  • ist am Ende schockiert von seiner Ähnlichkeit mit Heinrich.

Die Eltern

  • kommen aus Rakowiec in Polen und sind nach Ostwestfalen geflüchtet,
  • leiden sehr unter dem Verlust von Arnold und sind beharrlich bei der Suche nach ihm,
  • können keine Liebe und Zuneigung gegenüber dem Ich-Erzähler zeigen,
  • Vater ist besessen von seiner Arbeit und hat Vorurteile Russen gegenüber,
  • redet nie offen mit seinem Sohn und erleidet einen Herzinfarkt als Folge von finanziellen Sorgen,
  • Mutter gab auf der Flucht Arnold in die Hände einer Fremden,
  • sie wirft sich vor, ihn voreilig weggegeben zu haben,
  • sie wurde von den Russen vergewaltigt, spricht aber niemals darüber,
  • ihr Trauma prägt das Familienleben, wobei sie ihrem Sohn keinerlei Zärtlichkeiten erweist,
  • wird emotional abgestumpft und depressiv,
  • nach dem Tod des Vaters übernimmt sie die Firma und wird eine strenge und respektierte Chefin,
  • nimmt den Antrag von Herrn Rudolph aus Selbstbestrafung nicht an,
  • Mutter möchte das Findelkind adoptieren,
  • akzeptiert am Ende der Handlung und nach langer Zeit, dass das Findelkind nicht ihres ist.

Arnold

  • wurde als Einjähriger auf der Flucht weggegeben,
  • hat einen Ehrenplatz im Fotoalbum der Familie,
  • stellt eine Bedrohung für den jüngsten Sohn dar,
  • Arnold hat die bedingungslose Liebe seiner Eltern,
  • taucht im Findelkind Heinrich wieder auf,
  • die Verwandtschaft kann nicht bestätigt werden,
  • sieht dem jüngeren Sohn sehr ähnlich,
  • Heinrich oder Arnold (?) erbleicht beim Anblick des jüngeren Bruders.

Aufbau, Sprache und Erzählverhalten in Der Verlorene

Die Erzählung hat keine Kapitel, sondern ist in vier unterschiedlich lange Absätze gegliedert, wobei die Sprache in einem nüchternen, sachlichen Stil wiedergegeben wird.

Aufbau und Sprache

Zu Beginn der Erzählung und auch am Ende thematisiert der Ich-Erzähler seinen verloren geglaubten Bruder Arnold (Das Bild Arnolds im Fotoalbum, sowie die Begegnung mit dem erwachsenen Findelkind Heinrich). Dieser Fokus bildet in gewisser Weise den Rahmen für die sonstige Handlung.

Handlungszeit

Die erzählte Handlung umfasst circa zwanzig Jahre und wird linear dargestellt. Dabei werden genaue Jahreszahlen nicht angegeben, einzig der Tag, an dem die Mutter Arnold weggibt, wird mit dem 20. Januar 1945 datiert. Ansonsten kann die zeitliche Einordnung anhand der immer größer werdenden Autos des Vaters vorgenommen werden.

Gattungszuordnung

Die Gattung von "Der Verlorene" ist der Erzählung zuzuordnen. Zwar wird das Werk in vielen Quellen als Roman bezeichnet, jedoch trifft dies im Hinblick auf die Handlung nicht ganz zu. Es wird nämlich nur ein Handlungsstrang linear widergegeben, wohingegen in Romanen oft mehrere Handlungsstränge miteinander verknüpft werden.

Sprachstil

Die Sprache ist sachlich und nüchtern, wobei auch kaum rhetorische Stilmittel verwendet werden. Die Begriffe Schuld und Reue spielen eine zentrale Rolle in der Erzählung, da sie den Zustand der Eltern beschreiben und diese Stimmung den Ich-Erzähler durchgehend begleitet. So werden viele negative Emotionen aus diesen Wortfeldern verwendet (Schande, Unbehagen, Einsamkeit, ... ).

Das Erzählverhalten

Es hat den Anschein, dass die Erzählweise des Textes aus der Sicht eines Zwölfjährigen erfolgt, der mit seinem älteren Bruder um die Gunst der Eltern konkurriert. So ist der Ich-Erzähler von der Trauer der Mutter über den verloren geglaubten älteren Sohn genervt und empfindet auch selbst kein Betrübnis im Hinblick auf Arnold. Vielmehr ist er erleichtert, sein Zimmer nicht mit seinem älteren Bruder Arnold teilen zu müssen.

Diese Eindrücke werden dann jedoch auch von Kommentaren eines älteren, reflektierteren Ich-Erzählers begleitet, der die geschilderte Lage nüchtern analysiert. Der Wechsel zwischen dem kindlichen-naiven und dem erwachsenen-analysierenden Erzählstil zieht sich durch die gesamte Handlung.

Der Verlorene - Interpretationsansätze

Das Werk ist durchzogen von komischen Übertreibungen, die in ihrer Folge in grauenhafte Schilderungen umschlagen. So wird die Widersprüchlichkeit der Nachkriegszeit in Deutschland in der Rede des grotesken Leichenwagenfahrers dargestellt, dem der Ich-Erzähler mit seinen Eltern in der Kantine des gerichtsanthropologischen Instituts in Heidelberg begegnet. Dieser wiederholt in seinen Reden bestimmte Schlüsselwörter, wodurch eine gewisse Absurdität beim Leser ausgelöst wird. So redet er über die neuen Öfen des Krematoriums und der Begeisterung des Direktors darüber und löst mit seiner Beschreibung beim Leser makabre Bilder des Holocausts aus.

Damit zeigt der Autor, wie die NS-Vergangenheit in der Nachkriegszeit zwar verdrängt, aber dennoch überall präsent war:

Mit den Öfen stehe und falle alles. Taugten die Öfen nichts, tauge das ganze Krematorium nichts. Die neuen Öfen seien allerdings phantastisch..."

In der Passage, in der das Schweinekopfessen der Familie behandelt wird, nennt der Autor das Wort "Schweinekopf" über zwanzig Mal. Alleine dadurch wirkt dieser Textteil komisch beziehungsweise befremdlich, wobei auch noch anlässlich dieses Essens absurderweise Bekannte aus dem Osten eingeladen werden (um einen einzigen Schweinekopf zu essen). Zwar sind die Teilnehmer dieses Festes allesamt heiter und froh, reden jedoch nur über das Essen und das Schlachten. Die fröhliche Stimmung kippt jedoch wieder ins Grauenhafte, als der Ekel des Ich-Erzählers im Bezug auf das Schweinehirn beschrieben wird. Gleichzeitig attestiert der Vater ihm, Hirn mache klug, wobei er sich damit auch abfällig über seinen jüngsten Sohn äußert und damit seine wahren Gefühle ihm gegenüber offenbart:

...in den Augen des Vaters fehlte mir nichts so sehr wie eine anständige Portion Hirn."

Die Begegnung mit dem Findelkind Heinrich am Ende des Werks bildet den Höhepunkt der Geschichte. Hier werden viele zentrale Themen abschließend aufgenommen. Die Suche nach dem verlorenen Sohn findet hier ein Ende. Der Ich-Erzähler ist nicht begeistert davon, denn er wünscht sich, dass die Mutter die Tatsache, es handele sich bei dem Findelkind nicht um Arnold, akzeptiert. Gleichzeitig ist er wütend auf sie, da er nie wirklich von ihr wahrgenommen wurde.

Das ist auch der Grund dafür, warum der Ich-Erzähler seine Mutter am Ende nicht trösten kann. In seiner ambivalenten Beziehung weiß er, dass er eigentlich für sie da sein müsste, kann es aber nicht, da noch zu viel Spannung in ihm herrscht. Hier verspürt er auch wieder das Gefühl der Schuld und Reue. Arnold sorgt indirekt dafür, dass der Ich-Erzähler keine intime Beziehung zu seiner Mutter aufbauen kann.

Der Verlorene - Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Rakowiec liegt ungefähr 100 km westlich von Warschau in Polen. Der Bauernhof der Familie des Ich-Erzählers befindet sich dort an einem kleinen Weiher. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden viele Einheimische von den Nationalsozialisten vertrieben und durch Deutschstämmige ersetzt. Auf diese Weise sei auch der Vater des Autors zu einem Bauernhof in Rakowiec gekommen.

Als im Januar 1945 die Winteroffensive der Roten Armee begann, durchbrachen die Alliierten schnell die Verteidigungslinien der Nationalsozialisten, da sie ihnen in Zahl und Ausrüstung weit überlegen waren. Es heißt, dass fast 2,5 Millionen Menschen damals versuchten, vor den russischen Soldaten zu fliehen. Dabei kam es zu unzähligen Übergriffen und viele Flüchtlinge gerieten in Gefangenschaft. Dabei wurden zahlreiche Familien auseinandergerissen – mehr als dreißigtausend Findelkinder gingen auf der Flucht verloren.

In der neuen Heimat waren die Flüchtlinge meist nicht gerade willkommen. Sie wurden als "Rucksackdeutsche" und als "Polacken" bezeichnet. Konflikte waren an der Tagesordnung.

Der Verlorene - Das Wichtigste

  • Der Roman "Der Verlorene" des deutschen Schriftstellers Hans-Ulrich Treichel erschien 1998 und behandelt das Schicksal einer Familie in der Nachkriegszeit.
  • Die Handlung wird aus der Sicht eines zwölfjährigen Jungen erzählt, wobei der Buchtitel auch als Anspielung an das Gleichnis des verlorenen Sohnes aus der Bibel verstanden werden kann.
  • Die Handlung spielt in einer Kleinstadt in Ostwestfalen in der Nachkriegszeit (Mitte der 1950er- bis Anfang der 1960er-Jahre).
  • Die Erzählung hat keine Kapitel, sondern ist in vier unterschiedlich lange Absätze gegliedert, wobei die Sprache in einem nüchternen, sachlichen Stil wiedergegeben wird.
  • Das Werk ist gattungsspezifisch eher der Erzählung einzuordnen.
  • Der Wechsel zwischen dem kindlich-naiven und dem erwachsenen-analysierenden Erzählstil zieht sich durch die gesamte Handlung.
  • Der Bauernhof der Familie des Ich-Erzählers befindet sich in Rakowiec, etwa 100 km westlich von Warschau an einem kleinen Weiher. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden viele Einheimische von den Nationalsozialisten vertrieben und durch Deutschstämmige ersetzt.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Der Verlorene

"Der Verlorene" wird in vielen Quellen als Roman bezeichnet, verfügt aber über Elemente einer Erzählung.

Die Mutter fährt zusammen mit dem Ich-Erzähler und ihrem Freund Rudolph nach Porta Westfalica, um das Findelkind Nummer 2307 zu besuchen. Als ihnen die große Ähnlichkeit zwischen dem zum Metzgergesellen heranarbeitenden Findelkind und dem Ich-Erzähler auffällt, flieht die Mutter vor einer Begegnung und möchte zurückfahren.

Der Roman "Der Verlorene" des deutschen Schriftstellers Hans-Ulrich Treichel erschien 1998 und behandelt das Schicksal einer Familie in der Nachkriegszeit. Die Handlung wird aus der Sicht eines Jungen erzählt, wobei der Buchtitel auch als Anspielung an das Gleichnis des verlorenen Sohnes aus der Bibel verstanden werden kann.

Der Ich-Erzähler bleibt für den Verlauf der gesamten Handlung namenlos.

Finales Der Verlorene Quiz

Frage

Wer hat die Erzählung "Der Verlorene" geschrieben?

Antwort anzeigen

Antwort

Hans-Ulrich Treichel

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Frage

Wann und wo spielt die Erzählung?

Antwort anzeigen

Antwort

Die Erzählung spielt Mitte der 1950er- bis Anfang der 1960er- Jahre in einer Kleinstadt in Ostwestfalen.

Frage anzeigen

Frage

Was geschah mit Arnold auf der Flucht?

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Antwort

Die Mutter hat ihn einer Frau in die Arme gedrückt, als die Russen sie aus dem Flüchtlingstrack herauszogen. Nichtmal den Namen des Kindes konnte sie der Frau noch sagen.

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Frage

Wie steht der Ich-Erzähler zu Arnold?

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Antwort

Er fühlt sich von ihm bedroht, da sich in der Familie stets alles um Arnold dreht und er selbst dabei untergeht.

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Frage

Welcher Auslöser lässt die Familie wieder hoffen Arnold zu finden?

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Antwort

Als das Findelkind 2307 auftaucht und es sogar Ähnlichkeit mit dem Ich-Erzähler aufweist.

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Frage

Mit welcher körperlichen Reaktion reagiert der Ich-Erzähler auf das Findelkind?

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Antwort

Er leidet unter Gesichtskrämpfen, die sich in einem verzerrten Dauergrinsen äußern. Es wird eine nicht behandelbare Trigeminusneuralgie festgestellt.

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Frage

Was ergeben die zahlreichen Verwandtschaftstests?

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Antwort

Das es sehr unwahrscheinlich ist, dass das Findelkind wirklich der verlorene Arnold ist.

Frage anzeigen

Frage

Wie endet die Erzählung?

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Antwort

Die Familie sieht das erwachsene Findelkind durchs Schaufenster. Es sieht dem Ich-Erzähler unglaublich ähnlich. Die Mutter beschließt, daraufhin wieder heim zu fahren.

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Frage

Wie würdest du den Charakter des Ich-Erzählers beschreiben?

Antwort anzeigen

Antwort

Er ist ein gebrochenes Kind, dass kaum Liebe von den Eltern bekommt. 

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Frage

Wie ist der Charakter der Mutter?

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Antwort

Ihr Trauma prägt das ganze Familienleben. Kann ihrem Sohn keine Zärtlichkeiten schenken. Ist emotional abgestumpft und depressiv. Strenge und respektierte Chefin.

Frage anzeigen

Frage

Wie ist die Erzählung aufgebaut?

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Antwort

In vier unterschiedlich lange Absätze ohne Überschriften.

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Frage

Welche Zeitspanne umfasst die erzählte Zeit?

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Antwort

Ungefähr 20 Jahre. Eine zeitliche Orientierung ist anhand der Automobile des Vaters möglich.

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Frage

Welcher Gattungsform gehört "Der Verlorene" an?

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Antwort

Es verfügt über keine klare Gattungszuordnung. Am ehesten trifft die Gattungsform Erzählung zu.

Frage anzeigen

Frage

Welche Form von Erzähler wurde eingesetzt?

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Antwort

Ein Ich-Erzähler, der aus naiv-kindlicher Sicht erzählt. Kommentiert wird das Geschehen dann von einem älteren, reflektierendem Erzähler.

Frage anzeigen

Frage

Welches komische Gestaltungsmittel wird in der Erzählung verwendet?

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Antwort

Die Übertreibung. Mit diesen komischen Elementen wird eine belastende Schwere in der Erzählung vermieden.

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Frage

Welches Thema wurde, wie in der Erzählung, auch in der realen Welt lange verschwiegen?

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Antwort

Bis in die 1990er Jahre, wurde das Thema der millionenfachen Vergewaltigungen von Frauen auf der Flucht, während des Vormarsches der Roten Armee, verschwiegen.

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