Thomas Mann im Steckbrief
Thomas Mann (1875 bis 1955) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er stammte aus einer Lübecker Kaufmannsfamilie, wurde mit dem Roman Buddenbrooks berühmt und erhielt 1929 den Nobelpreis für Literatur. Sein Werk kreist um den Verfall des Bürgertums und den Gegensatz von Künstler und Bürger.
| Steckbrief | Thomas Mann |
|---|---|
| Geboren | 6. Juni 1875 in Lübeck |
| Gestorben | 12. August 1955 in Zürich |
| Beruf | Schriftsteller (Romane, Novellen, Essays) |
| Herkunft | Lübecker Kaufmannsfamilie; Bruder Heinrich Mann |
| Ehefrau | Katia Pringsheim (Heirat 1905), sechs Kinder |
| Hauptwerke | Buddenbrooks, Der Zauberberg, Doktor Faustus |
| Auszeichnung | Nobelpreis für Literatur 1929 |
Kindheit in Lübeck und Herkunft
Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 als Sohn des Kaufmanns und Senators Thomas Johann Heinrich Mann in Lübeck geboren. Die wohlhabende, angesehene Kaufmannsfamilie prägte sein Werk tief: Der Untergang genau dieser bürgerlichen Welt wurde später zum großen Thema seines Debütromans Buddenbrooks.
In der Familie trafen zwei Welten aufeinander. Der Vater verkörperte das nüchterne, pflichtbewusste Lübecker Bürgertum, die Mutter Julia da Silva-Bruhns dagegen, in Brasilien geboren, stand für Musik, Fantasie und das Künstlerische. Diesen Gegensatz von bürgerlicher Ordnung und künstlerischer Sehnsucht verarbeitete Thomas Mann sein Leben lang in seinen Figuren.
1891 starb der Vater früh, die traditionsreiche Getreidefirma wurde aufgelöst, und die Familie zog nach München. Thomas Mann verließ die Schule ohne Abitur und arbeitete kurz als Volontär bei einer Versicherung. Schon bald widmete er sich jedoch ganz dem Schreiben und veröffentlichte erste Novellen.
Das Elternhaus und die Kaufmannswelt Lübecks lieferten die Vorlage für Buddenbrooks. Das Buddenbrookhaus in der Lübecker Mengstraße erinnert bis heute an den Roman und an die Familie Mann.
Die Familie Mann
Die Familie Mann gilt als berühmteste Schriftstellerfamilie Deutschlands. Thomas Manns älterer Bruder Heinrich war ebenfalls Romancier. 1905 heiratete Thomas Katia Pringsheim; das Paar bekam sechs Kinder. Mehrere von ihnen, vor allem Erika, Klaus und der Historiker Golo Mann, wurden selbst als Autorinnen und Autoren bekannt.
Zu seinem Bruder Heinrich hatte Thomas Mann ein spannungsreiches Verhältnis. Die beiden stritten über Politik und Kunst, versöhnten sich aber 1922 wieder. Heinrich Mann schrieb den Roman Professor Unrat, der als Vorlage für den berühmten Film Der blaue Engel diente.
Katia stammte aus einer wohlhabenden Münchner Professorenfamilie. Ihr Zuhause wurde zum Mittelpunkt eines außergewöhnlich produktiven Familienlebens: Die Kinder Erika und Klaus arbeiteten als Schriftsteller und Publizisten, Golo Mann wurde ein bekannter Historiker. Im Exil hielt die Familie eng zusammen und wirkte als intellektuelles Zentrum der deutschen Emigration.
Hauptwerke im Überblick
Thomas Manns Werk umfasst große Romane und berühmte Novellen. Den Durchbruch brachte 1901 Buddenbrooks; es folgten die Novelle Der Tod in Venedig (1912), der Roman Der Zauberberg (1924), die biblische Tetralogie Joseph und seine Brüder und der späte Künstlerroman Doktor Faustus (1947).
| Werk | Jahr | Gattung | Worum es geht |
|---|---|---|---|
| Buddenbrooks | 1901 | Roman | Verfall einer Lübecker Kaufmannsfamilie über vier Generationen |
| Tonio Kröger | 1903 | Novelle | Zwiespalt zwischen Künstlertum und bürgerlichem Leben |
| Der Tod in Venedig | 1912 | Novelle | Der Schriftsteller Aschenbach und seine verhängnisvolle Leidenschaft |
| Der Zauberberg | 1924 | Roman | Jahre in einem Davoser Sanatorium als Bild einer kranken Zeit |
| Joseph und seine Brüder | 1933-1943 | Tetralogie | Neuerzählung des biblischen Josef-Stoffs in vier Bänden |
| Doktor Faustus | 1947 | Roman | Der Komponist Leverkühn als Sinnbild für Deutschlands Weg in die Katastrophe |
| Felix Krull | 1954 | Roman (unvollendet) | Bekenntnisse eines charmanten Hochstaplers |
Buddenbrooks erzählt über vier Generationen, wie eine angesehene Kaufmannsfamilie wirtschaftlich und seelisch zerfällt, je feinfühliger und künstlerischer ihre Mitglieder werden. Der Roman gilt als erster großer deutscher Gesellschaftsroman der Moderne und war der Hauptgrund für den Nobelpreis.
Der Zauberberg spielt in einem Lungensanatorium in Davos und verhandelt am Beispiel des jungen Hans Castorp große Fragen von Zeit, Krankheit und Geist vor dem Ersten Weltkrieg. Der späte Doktor Faustus deutet den Aufstieg des Nationalsozialismus als deutsches Schicksal und zählt zu Manns anspruchsvollsten Büchern.
Neben den großen Romanen prägen berühmte Novellen sein Werk. In Tonio Kröger verarbeitet Mann seinen eigenen Zwiespalt zwischen bürgerlicher Herkunft und Künstlerberuf, in Der Tod in Venedig erzählt er vom Verfall des disziplinierten Schriftstellers Gustav von Aschenbach. Viele seiner Texte wurden verfilmt und gehören bis heute zum festen Bestand des Deutschunterrichts in der Oberstufe.
Stil und zentrale Themen
Thomas Manns Stil ist geprägt von ironischer Distanz, feiner Psychologie und langen, kunstvoll gebauten Sätzen. Immer wieder kehren dieselben Motive wieder, die er als Leitmotive durch den Text zieht. Seine großen Themen sind der Verfall des Bürgertums, der Gegensatz von Künstler und Bürger sowie Krankheit und Tod.
Verfall des Bürgertums
Immer wieder zeigt Mann, wie die sichere Welt des Bürgertums brüchig wird. In Buddenbrooks steht der wirtschaftliche Niedergang der Familie zugleich für das Ende einer ganzen Lebensform. Verfall bedeutet bei ihm nicht nur Verlust, sondern auch eine Verfeinerung, die ins Künstlerische und Kränkliche kippt.
Künstler und Bürger
Manns Figuren stehen oft zwischen zwei Welten: der geordneten bürgerlichen Existenz und dem einsamen, gefährdeten Künstlertum. Tonio Kröger und Gustav von Aschenbach verkörpern diesen Zwiespalt besonders deutlich. Der Künstler gewinnt Tiefe, zahlt dafür aber mit Entfremdung von der Gesellschaft.
Ein Leitmotiv ist eine wiederkehrende Formel, etwa eine bestimmte Geste, ein Satz oder ein Gegenstand, die eine Figur oder ein Thema kennzeichnet. Mann übernahm die Technik aus der Musik Richard Wagners und verwob sie kunstvoll in seine Prosa.
Der Nobelpreis 1929
1929 erhielt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur. Die Begründung der Schwedischen Akademie hob vornehmlich seinen Roman Buddenbrooks hervor, der da schon als moderner Klassiker galt. Die Auszeichnung machte Mann endgültig zum berühmtesten deutschen Schriftsteller seiner Zeit und stärkte seine öffentliche Stimme.
Als Mann den Preis bekam, war er 54 Jahre alt und längst eine feste Größe der Literatur. Dass die Akademie den fast dreißig Jahre alten Erstlingsroman so stark betonte, überraschte manche Zeitgenossen, unterstrich aber die bleibende Bedeutung des Buches. Der Nobelpreis verschaffte Mann internationales Gewicht, das ihm später im Exil half, als er zur Stimme des anderen, demokratischen Deutschlands wurde.
Exil und politische Haltung
Politisch wandelte sich Thomas Mann vom konservativen Autor der Betrachtungen eines Unpolitischen (1918) zum entschiedenen Verteidiger der Demokratie. Nach 1933 ging er ins Exil, zuerst in die Schweiz, ab 1938 in die USA. Von dort rief er in den BBC-Ansprachen Deutsche Hörer zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf.
Im Ersten Weltkrieg hatte Mann noch die deutsche Monarchie verteidigt. Nach der Ermordung des Außenministers Walther Rathenau 1922 bekannte er sich in der Rede Von deutscher Republik zur Weimarer Demokratie. In der Deutschen Ansprache von 1930 warnte er offen vor der Gefahr des Nationalsozialismus.
| Jahr | Station im Exil |
|---|---|
| 1933 | Verlässt Deutschland, lebt in Küsnacht bei Zürich |
| 1936 | Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft |
| 1938 | Übersiedlung in die USA, zunächst Princeton |
| 1941 | Umzug nach Pacific Palisades in Kalifornien |
| 1944 | Thomas Mann erhält die US-Staatsbürgerschaft |
| 1952 | Rückkehr in die Schweiz, später Kilchberg bei Zürich |
Von 1940 an sprach Mann monatlich Radiobotschaften, die über die BBC nach Deutschland gesendet wurden. In diesen Ansprachen an die Deutschen Hörer verurteilte er die Verbrechen des NS-Regimes und ermutigte zum Widerstand.
Nach dem Krieg kehrte Mann nicht dauerhaft nach Deutschland zurück. Wegen der Spannungen des Kalten Krieges verließ er 1952 die USA und ließ sich wieder in der Schweiz nieder. Am 12. August 1955 starb er in Zürich; sein Grab liegt in Kilchberg am Zürichsee.
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Thomas Mann, das Wichtigste
Thomas Mann (1875 bis 1955) war ein deutscher Schriftsteller aus einer Lübecker Kaufmannsfamilie und Nobelpreisträger von 1929. Mit Buddenbrooks, Der Zauberberg und Doktor Faustus schuf er Schlüsselwerke der literarischen Moderne. Seine Themen waren der Verfall des Bürgertums und der Künstler; ab 1933 lebte er als Gegner des Nationalsozialismus im Exil.
- Steckbrief: geboren 6. Juni 1875 in Lübeck, gestorben 12. August 1955 in Zürich.
- Herkunft: Lübecker Kaufmannsfamilie; Bruder Heinrich Mann, Ehefrau Katia, sechs Kinder.
- Hauptwerke: Buddenbrooks (1901), Der Tod in Venedig (1912), Der Zauberberg (1924), Doktor Faustus (1947).
- Stil und Themen: Verfall des Bürgertums, Künstler gegen Bürger, Ironie und Leitmotivtechnik.
- Nobelpreis 1929; ab 1933 Exil in der Schweiz und den USA, Gegner des Nationalsozialismus.
Häufige Fragen zu Thomas Mann
Thomas Mann (1875 bis 1955) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er stammte aus einer Lübecker Kaufmannsfamilie, schrieb Romane wie Buddenbrooks und Der Zauberberg und erhielt 1929 den Nobelpreis für Literatur.
Sein bekanntestes Werk ist der Roman Buddenbrooks. Verfall einer Familie von 1901. Er erzählt den Niedergang einer wohlhabenden Lübecker Kaufmannsfamilie über vier Generationen und gilt als großer deutscher Gesellschaftsroman der Moderne.
Thomas Mann erhielt 1929 den Nobelpreis für Literatur. Die Begründung hob vornehmlich seinen Roman Buddenbrooks hervor, der schon zu Lebzeiten als moderner Klassiker galt.
Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus verließ Thomas Mann 1933 Deutschland und kehrte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht zurück. 1936 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt; er lebte in der Schweiz und in den USA.
Thomas Mann und seine Frau Katia hatten sechs Kinder: Erika, Klaus, Golo, Monika, Elisabeth und Michael. Mehrere von ihnen, etwa Erika und Klaus Mann, wurden selbst als Schriftsteller bekannt.
Buddenbrooks schildert den wirtschaftlichen und seelischen Verfall einer Lübecker Kaufmannsfamilie über vier Generationen. Zentral ist das Thema des bürgerlichen Niedergangs, das Thomas Mann mit Ironie und der Technik des Leitmotivs erzählt.
Thomas Mann zählt zur literarischen Moderne. Sein Frühwerk steht dem Realismus nahe, sein Gesamtwerk verbindet realistisches Erzählen mit ironischer Distanz, psychologischer Tiefe und mythischen Bezügen.
Thomas Mann starb am 12. August 1955 im Alter von 80 Jahren in Zürich. Er wurde auf dem Friedhof in Kilchberg am Zürichsee beigesetzt, wo später auch seine Frau Katia und mehrere seiner Kinder ihr Grab fanden.
Quellen
Der Steckbrief stützt sich auf etablierte Nachschlagewerke und Biografien:
- Thomas Mann (Biografie-Artikel). Wikipedia. de.wikipedia.org
- LeMO, Deutsches Historisches Museum: Biografie Thomas Mann. dhm.de
- Deutsche Biographie (Neue Deutsche Biographie): Mann, Thomas. deutsche-biographie.de