Lerntheorien

Menschen lernen ein Leben lang. Auch nach der Schule, nach dem Studium oder einer Ausbildung hört das Lernen nicht auf. Auf welche Arten und Weisen ein Mensch lernen kann und wie genau ein Lernprozess funktioniert, sind Themen, die in der Psychologie erforscht werden. Daraus entwickelten sich mit der Zeit verschiedene Lerntheorien und verschiedene Definitionen zu diesen. Eine dieser lautet: 

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsangabe

    Lerntheorien sind Modelle und Hypothesen, die versuchen, Lernen psychologisch zu beschreiben und zu erklären. Der komplexe Vorgang des Lernens gilt als Vorgang einer relativ stabilen Verhaltensänderung, der mit möglich einfachen Prinzipien und Regeln (Theorien) erklärt werden soll.

    Der Prozess des Lernens führt zu einer relativ stabilen Verhaltensänderung durch das Aneignen von neuem Wissen. Diese Veränderungen sind deshalb nur relativ stabil, da Wissen wieder verloren gehen kann, wenn es nicht abgerufen und genutzt wird.

    Lerntheorien Psychologie – Definition & Übersicht

    In der Psychologie gibt es laut Definition drei klassische Lerntheorien, die Du in dieser Übersicht findest:

    LerntheorieGrundlagentheorieLernen durch ...
    behavioristische Lerntheorie BehaviorismusReiz-Reaktions-Modell, Black Box Modell
    kognitivistische Lerntheorie KognitivismusInformationsverarbeitung und Denken
    konstruktivistische Lerntheorie Konstruktivismus eigenes Erleben und Erfahren

    Die Grundannahmen des Behaviorismus berufen sich auf der klassischen und der operanten Konditionierung. Dabei wird von einem "Black Box Modell" ausgegangen. Bei diesem Modell werden zentrale Denkprozesse, die während des Lernens ablaufen, nicht beachtet, sondern nur die Veränderung des Verhaltens untersucht.

    Der Kognitivismus beschäftigt sich mit internen kognitiven Prozessen, also der Informationsverarbeitung und dem Denken an sich. Zu diesem Aspekt der Lerntheorien gehört das Lernen am Modell und das Lernen durch Einsicht.

    Eine weitere der klassischen Lerntheorien ist der Konstruktivismus, die neuste der aufgelisteten Theorien. Ein zentraler Aspekt der konstruktivistischen Lerntheorie ist das Lernen durch Erleben und Erfahrung.

    Behavioristische Lerntheorie

    Bei der behavioristischen Lerntheorie handelt es sich um eine der ältesten lernpsychologischen Strömungen, deren Anfänge im 20. Jahrhundert liegen und die sich etwa ab dem Jahr 1920 durchgesetzt hat.

    Im Mittelpunkt der behavioristischen Lerntheorie steht das Lernen durch das Bilden von Assoziationen mithilfe von Reiz-Reaktions-Modellen (klassische Konditionierung) und der Verstärkung von erwünschtem Verhalten (operante Konditionierung). Das Lernen an sich wird als "Black Box" angesehen. Das Lernen übernimmt im Behaviorismus eine passive Rolle. Das bedeutet, dass dem eigentlichen Lernprozess, also den internen Abläufen, die zum Lernen führen, keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Fokus liegt rein auf beobachtbaren Verhaltensveränderungen.

    Der Begriff Assoziation kommt vom lateinischen Wort associare und heißt "vereinigen", "verbinden", "verknüpfen" oder auch "vernetzen". Assoziation meint also das gedankliche Verknüpfen eines Reizes mit einer Reaktion.

    "Black Box" = Im Behaviorismus werden die kognitiven Abläufe im Gehirn als Black Box betrachtet. Das Black Box Modell beschreibt, dass ein bestimmter Reiz als Input in die sogenannte Black Box, also das Gehirn, gelangt. Dort passiert etwas mit dem Reiz, was hier aber nicht weiter von Interesse ist. Anschließend kommt ein Output (Reaktion) wieder heraus.

    Warum Du also eine gewisse Reaktion (z. B. Du stellst Dich unter ein Dach) auf einen gewissen Reiz (es hat angefangen zu regnen) zeigst, interessiert die Behaviorist*innen nicht.

    Wenn Du mehr darüber lernen willst, wie Behaviorist*innen denken, findest Du spannende Erklärungen zu den Themen "Behaviorismus" und "Black Box Psychologie".

    Behavioristische Lerntheorien – Beispiele

    Es gibt einige Beispiele für behavioristische Lerntheorien. Der Behaviorismus geht davon aus, dass alle Verhaltensweisen auf bestimmten Reizen aus der Umwelt basieren. Man nennt diesen Lernprozess auch klassische Konditionierung. Eine Verhaltensweise ist eine Reaktion auf einen Reiz. Eine Reaktion ist dabei etwas Einmaliges, das durch Wiederholung zu einer Verhaltensweise wird. Das bekannteste Experiment der klassischen Konditionierung ist der Pawlowsche Hund.

    Mehr über das Experiment des Pawlowschen Hundes erfährst Du in der Erklärung "Klassische Konditionierung".

    Die zweite Theorie des Behaviorismus ist die operante Konditionierung. Diese Art der Konditionierung arbeitet neben dem Reiz-Reaktions-Modell zusätzlich mit der Verstärkung eines gewünschten Verhaltens.

    Viele spannende Fakten rund um das Lernen mithilfe von Belohnung und Bestrafung findest Du in der Erklärung "Operante Konditionierung"!

    Lerntheorien – Praktische Anwendung der behavioristischen Lerntheorie

    Meistens wird der Behaviorismus mit klassischen Experimenten wie dem Pawlowschen Hund und der Skinner-Box in Verbindung gebracht. Doch hat der Behaviorismus auch eine hohe Relevanz für die praktische Anwendung im Schulunterricht, vor allem wenn es darum geht, Faktenwissen zu erwerben (z. B. bei Vokabeln oder dem kleinen Einmaleins), das darauf aus ist, Lerninhalte wiederzugeben.

    Lehrende können etwa zwischen verstärkenden Handlungen (wie Lob oder Tadel) oder bestrafenden Handlungen (wie Extraarbeit oder Ausschluss von schönen Aktivitäten) wählen.

    Der Behaviorismus kann also auch im Schulunterricht praktisch angewendet werden. Du wirst sehen, dass Du die Muster bestimmt auch selbst aus der Schule kennst, wie in der folgenden Situation:

    Der Vokabeltest ist gut ausgefallen, weil Simon fleißig gelernt hat.

    • Seine Lehrerin Frau Borowski lobt Simon beim Austeilen der Arbeiten.
    • Simon möchte beim nächsten Mal wieder gelobt werden und lernt deswegen viel.
      • Lob als Verstärker

    Der Vokabeltest ist schlecht ausgefallen, weil Hanna nicht genug gelernt hat.

    • Ihre Lehrerin Frau Borowski tadelt Hanna.
    • Hanna wird in Zukunft mehr lernen, um keinen Ärger zu bekommen.
      • Tadel als Verstärker

    Amelie stört den Unterricht.

    • Ihre Lehrerin Frau Borowski verteilt eine Strafarbeit an Amelie.
    • Amelie stört in Zukunft weniger, um eine weitere Strafarbeit zu vermeiden.
      • Strafarbeit als Bestrafung

    Noah stört den Unterricht.

    • Seine Lehrerin Frau Borowski verweist Noah aus dem Klassenraum.
    • Noah stört in Zukunft weniger, um weiterhin am Unterricht teilnehmenden zu dürfen.
      • Verpassen des Unterrichtsstoffs als Bestrafung

    Kognitive Lerntheorie

    In den 50er-Jahren kam es zur sogenannten "kognitiven Wende". Die daraus entstandene kognitive Lerntheorie stellte eine Gegenbewegung zum Behaviorismus dar.

    Die kognitive Lerntheorie konzentriert sich auf die intern ablaufenden Prozesse der Informationsverarbeitung beim Lernen. Also auf genau den Teil, der in der behavioristischen Lerntheorie bewusst als "Black Box" ausgegrenzt wurde. Gegenstand des Kognitivismus ist der Mensch als ein Individuum, das Reize aktiv und selbstständig verarbeitet und bei dem folgende kognitive Prozesse beim Lernen ablaufen:

    • Wahrnehmen
    • Erkennen
    • Verstehen
    • Bewusstwerden
    • Denken
    • Vorstellen
    • Interpretieren
    • Problemlösen
    • Entscheiden
    • Urteilen

    Bei der kognitiven Theorie steht das Wechselspiel zwischen der Realität und den kognitiven Prozessen im Vordergrund. Das Gehirn bekommt als kognitiver Rechner einen Input, also Eindrücke, aus der realen Umwelt. Diese werden verarbeitet und Informationen herausgezogen, welche dann als Output, also als Verhalten oder Wissen in der realen Umwelt angewendet wird.

    Kognitive Lerntheorien – Beispiele

    Eines der Beispiele für kognitive Lerntheorien ist das Lernen am Modell, auch Beobachtungslernen genannt. Beim Lernen am Modell nimmt sich eine Person eine andere Person zum Vorbild und ahmt ihr Verhalten nach. Durch Beobachtung lernen wir also neue Verhaltensweisen.

    Lerneffekte des Beobachtungslernens

    Beim Lernen am Modell gibt es vier mögliche Lerneffekte, die auftreten können. Dabei handelt es sich um:

    • modellierender Effekt
    • enthemmender Effekt
    • hemmender Effekt
    • auslösender Effekt

    Für das Lernen neuer Verhaltensweisen ist der modellierende Effekt zuständig. Er erstellt aus dem beobachteten Verhalten ein kognitives Abbild, welches danach angewendet werden kann. Die anderen drei Effekte werden benötigt, um erlernte Verhaltensweisen zu ändern und anzupassen. Diese Veränderung der Verhaltensweisen kommt entweder durch die Beobachtung positiver oder negativer Konsequenzen und der Entscheidung, dieses Verhalten selbst zu zeigen oder nicht zu zeigen.

    Ein kognitives Abbild beschreibt das innerliche Bilden einer "Schablone" für ein gewisses Verhalten, also eine bestimmte Verhaltensweise, die immer wieder gleich ausgeführt wird.

    Der Lernprozess beim Beobachtungslernen wird in zwei Phasen aufgeteilt. Zum einen in die Akquisitionsphase, in der das Wissen erworben wird, und zum anderen in die Performanzphase, in der das Wissen angewendet werden kann. Beide Phasen lassen sich selbst jeweils noch einmal unterteilen. Wozu die zweite Unterteilung dient und wie genau sie aussieht, erfährst Du in der nachfolgenden Tabelle.

    Phase 1: Erwerb des Wissens (= Akquisitionsphase)
    Aufmerksamkeit Das Verhalten des Modells, also einer Person, wird von Dir wahrgenommen und beobachtet.
    Speicherung Du erwirbst dabei die potenzielle Fähigkeit, das beobachtetet Verhalten selbst auszuführen. Du wandelst das gesehene Verhalten also in ein kognitives Abbild um und speicherst es.
    Phase 2: Anwendung von Wissen (= Performanzphase)
    Reproduktion Du gehst gedanklich Dein beabsichtigtes Handeln durch und gleichst das Verhalten des Modells mit Deinem eigenen beabsichtigten Verhalten ab. Dann führst Du das neu Erlernte das erste Mal selbst aus.
    Verstärkung- und Motivationsphase Nun schaust Du Dir die Konsequenzen Deiner Verhaltensweise an. Du wirst in Deinem Verhalten gestärkt, wenn Du den Erfolg Deines Verhaltens siehst. Schon wenn Du kleine Fortschritte siehst, wird sich das verstärkend und motivierend auswirken.

    Lernen durch Einsicht

    Eine weitere Theorie der kognitiven Lerntheorien ist das Lernen durch Einsicht. Beim Lernen durch Einsicht wird der lernenden Person plötzlich klar, wie die Lösung auf ein gestelltes Problem aussieht. Daher kommt auch die Aussage "Mir ist ein Licht aufgegangen". Hat jemand einen "AHA"-Moment, so lernt er durch Einsicht. Der Weg zu dieser Einsicht wurde in sechs Phasen unterteilt, die wir Dir in der folgenden Tabelle kurz aufbereitet haben.

    Phase Situation
    Phase 1Auftauchen des Problems Du bist in einer für Dich vollkommen neuen Situation.
    Phase 2Probier-Verhalten Du probierst bekanntes Verhalten anzuwenden.
    Phase 3Umstrukturierung Die Situation wird gedanklich neu strukturiert und aus einem anderen Blickwinkel betrachtet...
    Phase 4 Einsicht und Lösung … bis sich die Lösung (plötzlich) ergibt. Der berühmte "Aha"-Effekt tritt ein.
    Phase 5 AnwendungMeistens setzt sofort der Handlungsprozess ein, das Verhalten wird bei Erfolg beibehalten.
    Phase 6Übertragung Die gefundene Lösung wird eingeübt und kann auf ähnliche Situationen übertragen werden.

    Mit den Erklärungen zum "Problemlösen" und zu den "Gedächtnismodellen" kannst Du tiefer in das Thema eintauchen.

    Lerntheorien – Praktische Anwendung der kognitiven Lerntheorie

    Ein Beispiel für das Lernen durch Einsicht ist das Lernen einer neuen Sprache. Wenn Du eine Sprache direkt vor Ort lernst, Du also eine Sprachreise nach Spanien machst, siehst Du Dich zunächst mit verschiedenen Problemen in der praktischen Anwendung konfrontiert. So musst Du z. B. Dein Essen auf Spanisch bestellen und so versuchen, mit Deinen bisherigen Sprachkenntnissen in Spanisch richtig umzugehen. In der Situation kannst Du kreativ sein, um Lösungsmöglichkeiten zu finden, die zu Dir passen. Eine Lösung könnte sein, dass Du Dir wichtige Sätze vor deiner Bestellung oft durchliest oder sie notfalls auf einen Spickzettel schreibst, auf den Du aber nur dann siehst, wenn Du wirklich nicht weiterweißt. Dein so erworbenes Wissen musst Du durch entsprechendes Verhalten erproben und Hürden überwinden.

    Wer das schafft und die neue Sprache direkt anwendet, lernt sie schneller und nachhaltiger. Alle Erfahrungen, Eindrücke und Lernfortschritte werden im Langzeitgedächtnis gespeichert und sind in Zukunft leichter abrufbar. Wenn Du also durch learning by doing lernst, wendest Du automatisch kognitives Lernen an.

    Konstruktivistische Lerntheorie

    Ab den 1950ern gewinnt die konstruktivistische Lerntheorie immer mehr an Bedeutung. Die zugrunde liegende Theorie geht auf die Arbeiten der Entwicklungspsychologen Jean Piaget (1896-1980) und Hans Aebli (1923-1990) zurück.

    In der Theorie des Konstruktivismus ist Lernen ein aktiver Konstruktionsprozess, in dem sich jede*r Lernende eine eigene individuelle Repräsentation der Welt erschafft. Was genau eine Person lernt, hängt stark von ihrem Vorwissen und der konkreten Lernsituation ab.

    Der Konstruktivismus sieht wie der Kognitivismus den Wissenserwerb als individuellen Aufbauprozess. Der lernende Mensch wird als zielgerichtet handelnde Person aufgefasst, die aktiv nach Informationen sucht. Diese Informationen werden anhand ihres Vorwissens interpretiert, um daraus neue Auffassungen und Konzepte von der Wirklichkeit abzuleiten.

    Der Konstruktivismus hält die Vermittlung von Wissen von einer Lehrperson auf eine*n Schüler*in für unmöglich, da das Wissen laut dieser Lerntheorie von jedem Menschen immer wieder selbstständig neu konstruiert, reorganisiert und erweitert werden muss. Der Lernprozess kann von außen nur angeregt, aber nicht eingeleitet werden. Das Lernen im Konstruktivismus ist also vorwiegend selbst gesteuert und setzt deshalb ein hohes Maß an Eigenverantwortung an.

    Konstruktivistische Lerntheorie – Beispiele

    In konstruktivistischen Lernmodellen besteht die Aufgabe der Lehrer*innen nicht darin, den Schüler*innen Wissen zu vermitteln, sondern sie durch zielgerichtete Instruktion in ihrem individuellen Lernprozess zu unterstützen. Die Lernenden sollen sich mit den Lerninhalten selbstständig auseinandersetzen, sich selbstständig die Inhalte erschließen und Zusammenhänge entdecken.

    Ein Beispiel für eine konstruktivistische Lerntheorie ist die Cognitive Apprenticeship von Collins und Brown (1989). Dieses Lehr-/Lernkonzept wurde ursprünglich für Lernsituationen in Bereich der betrieblichen Berufsausbildung entwickelt und besteht aus vier Phasen:

    • Vorführen: Die Lehrperson führt den Schüler*innen am Anfang die Arbeitsschritte an einem Modell vor (modeling).
    • unterstützende Eigentätigkeit: Die Schüler*innen sollen die einzelnen Arbeitsschritte selbstständig mit Hilfestellung des/der Lehrenden durchführen (scaffolding).
    • nachlassen der Unterstützung: Mit zunehmender Kompetenz der Schüler*innen nimmt die Unterstützung durch die Lehrperson immer mehr ab (fading).
    • betreutes Beobachten: Die Lehrperson muss dabei den Lernprozess der Schüler*innen genau beobachten, um adäquate Hilfestellungen geben zu können (coaching).

    Lerntheorien – Praktische Anwendung des Konstruktivismus

    Das oben vorgestellte Konzept der Cognitive Apprenticeship als konstruktive Lerntheorie kann unter anderem in verschiedenen Schulfächern praktische Anwendung. So beispielsweise auch im Deutschunterricht, wie beim Schreiben einer Erörterung. In folgender Tabelle findest Du anhand einer Erörterung im Deutschunterricht die vier Phasen, jeweils mit Aktivitäten und ihren Funktionen:

    PhaseAktivität Funktion
    Modeling Die/Der Lehrende schreibt eine Erörterung und teilt Denkprozesse mit der Klasse.Der/Die Lehrende präsentiert sich selbst als Modell für das Schreiben einer Erörterung, dabei können sich die Schüler*innen ein Bild von den erforderlichen Prozessen machen.
    ScaffoldingDie Lehrkraft und die Schüler*innen führen gemeinsam die komplexe Handlung aus. Die Lehrperson übernimmt dabei nur die Aufgaben, die die Klasse noch nicht selbst ausführen kannNotwendige Teilfähigkeiten werden im engen Kontakt mit einem Experten (= Lehrende) aufgebaut.
    FadingDiese Hilfestellung wird mit zunehmender Kompetenz der/des Lernenden zurückgenommen.Zunehmend mehr Teilfähigkeiten werden erworben und zu der komplexen Handlung zusammengeführt.
    CoachingSchüler*innen schreiben unter Beobachtung der Lehrkraft eigenständig eine Erörterung. Dabei greift die Lehrperson nicht mehr ohne Aufforderung der Schüler*innen in den Prozess ein.Selbstgesteuerter und eigenverantwortlicher Umgang mit zu lernenden Inhalten und die Möglichkeit, Wissen selbstständig zu konstruieren.

    Lerntheorien im Vergleich – Vor- und Nachteile Tabelle

    Alle Lerntheorien verfolgen das Ziel, das Lernen zu beschreiben. Das ist wohl auch die einzige Gemeinsamkeit, die diese Theorien haben. In der folgenden Tabelle findest Du alle wichtigen Unterschiede sowie Vor- und Nachteile der einzelnen Theorien im direkten Vergleich zusammengestellt:

    Kategorie Behaviorismus Kognitivismus Konstruktivismus
    Lernen istpassivaktivaktiv
    Das Gehirn isteine "Black Box"ein verarbeitendes "Gerät"ein informationell geschlossenes System
    Wissen wird abgelagert verarbeitet konstruiert
    Wissen isteine richtige Reaktion ein passender interner Verarbeitungsprozess mit einer Situation umgehen können
    ParadigmaReiz-Reaktion Problemlösung Konstruieren
    StrategieLernen Beobachten Kooperieren
    Rolle der LehrpersonAutoritätTutor*inCoach*in
    Feedback wird von außen vorgegeben von außen erzeugt Intern erzeugt

    Lerntheorien – Kritik

    Jede, der vorstellten Lerntheorien, beschreibt das Lernen auf eine andere Art und Weise und den Lernprozess in anderen Mustern. So hat jede Lerntheorie ihre eigenen Stärken und Schwächen in der Beschreibung der Lernvorgänge. Vor allem die behavioristische und die kognitive Lerntheorie wurden kritisch betrachtet.

    Kritik an der behavioristischen Lerntheorie

    An der behavioristischen Lerntheorie gibt es einige Kritikpunkte, welche schon die ihr zugrunde liegende Theorie des Behaviorismus mit sich brachte. Dazu gehören:

    • Das Gehirn wird als Black Box gesehen, d. h. Lernen wird nur auf beobachtbares Verhalten beschränkt.
    • Lernen ist etwas Passives und ist auf das Wiedergeben von Informationen begrenzt.
    • Lernen als Reiz und Reaktion ignoriert die Problemlösungsfähigkeiten des Menschen.
    • Feedback wird nur von außen vorgegeben, eigene Handlungsgründe wie Sinn, Wille und Motivation werden nicht einbezogen.

    Kritik an der kognitiven Lerntheorie

    An der kognitiven Lerntheorie wird vor allem die geringe Selbstständigkeit der lernenden Person kritisiert. Weitere Punkte sind:

    • Der Lernweg in der kognitiven Lerntheorie ist meist vorgegeben, dadurch wird ein richtiges Ergebnis erreicht. Allerdings hat die lernende Person keine Möglichkeit, selbstständig auf das richtige Ergebnis zu kommen.
    • Feedback wird wieder von außen erzeugt. Auch hier werden soziale, motivationale und emotionale Aspekte als Handlungsgründe nicht einbezogen.

    Kritik an der konstruktivistischen Lerntheorie

    Die jüngste der Lerntheorien vertritt eine sehr freie, uns selbstbestimmte Art zu lernen, dies kann zu folgenden Kritikpunkten führen:

    • Lernprozess kann länger dauern, da eigenständig eigne Konstrukte und Wege zum Lernen gefunden werden müssen.
    • Das hohe Maß an Eigenverantwortung kann Menschen überfordern, sodass sie das Interesse verlieren.

    Lerntheorien – Das Wichtigste

    • Lerntheorien – Definition: Lerntheorien sind Modelle, die versuchen, Lernen psychologisch zu beschreiben und zu erklären.
    • Es gibt drei klassische Lerntheorien in der Psychologie:
      • Behavioristische Lerntheorien: Klassische Konditionierung und Operante Konditionierung
      • Kognitive Lerntheorien: Beobachtungslernen und Lernen durch Einsicht
      • Konstruktivistische Lerntheorien: Individuelle Repräsentation von Wissen und eigenständiges Lernen.
    • In der behavioristischen Lerntheorie ist Lernen etwas Passives. die Lerntheorie nutzt das Black Box Modell, indem innere Vorgänge des Lernens nicht untersucht werden und nur das beobachtete, veränderte Verhalten eine Rolle spielt.
    • In der kognitiven Lerntheorie wird die kognitive Verarbeitung und Speicherung von Informationen genau untersucht. sie bildet damit das Gegenstück zur behavioristischen Lerntheorie
    • Die konstruktivistische Lerntheorie ist die jüngste der klassischen Lerntheorien und untersucht die individuelle Repräsentation von Wissen und die selbst gesteuerten Wege, sich Wissen anzueignen.

    Nachweise

    1. Kiesel, A. & Koch, I. (2012). Lernen: Grundlagen der Lernpsychologie (1. Aufl.). Basiswissen Psychologie. VS Verl. für Sozialwiss.
    2. Bodenmann, G., Perrez, M. & Schaer, M. (2011). Klassische Lerntheorien: Grundlagen und Anwendungen in Erziehung und Psychotherapie (2. Aufl.). Psychologie Lehrtexte. Verlag Hans Huber; Hogrefe.
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Lerntheorien

    Was für Lerntheorien gibt es?

    In der Psychologie gibt es folgende Lerntheorien:

    • behavioristische Lerntheorie 
    • kognitive Lerntheorie 
    • konstruktivistische Lerntheorie 


    Welche kognitiven Lerntheorien gibt es?

    Bei den kognitiven Lerntheorien gibt es unter anderem:

    • Lernen durch Einsicht 
    • Lernen am Modell/Beobachtungslernen 

    Welche Lerntheorien gehören zum Behaviorismus?

    Zu den Lerntheorien des Behaviorismus gehören  

    • die klassische Konditionierung und 
    • die operante Konditionierung   

    Was ist konstruktivistisches Lernen?

    In der Theorie des Konstruktivismus ist Lernen ein aktiver Konstruktionsprozess, in dem sich jede*r Lernende eine eigene individuelle Repräsentation der Welt erschafft. Was genau jemand lernt, hängt stark vom eigenen Vorwissen und der konkreten Lernsituation ab. 

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