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Gruppendynamik

Gruppendynamiken und -phänomene bestimmen oft unseren Alltag. Sie kommen in jeder Gemeinschaft bzw. Gruppe vor und haben Einfluss auf das menschliche Handeln und Denken. Doch was bedeuten diese Begriffe? Und wie laufen solche Dynamiken ab?

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Gruppendynamiken und -phänomene bestimmen oft unseren Alltag. Sie kommen in jeder Gemeinschaft bzw. Gruppe vor und haben Einfluss auf das menschliche Handeln und Denken. Doch was bedeuten diese Begriffe? Und wie laufen solche Dynamiken ab?

Gruppendynamik – Definition

Innerhalb einer Gruppe kommt es meist zu Rollenverhalten, strukturellen Entwicklungen, der Herausbildung von Hierarchien und zur Entstehung von Verhaltensnormen, Gruppenstandards und Führungsverhalten. All das sind gruppendynamische Prozesse, wie die folgende Definition aufzeigt:

Gruppendynamik meint die Entstehung und Entwicklung von Verhaltensweisen, Einstellungen und Werten, die durch die Mitglieder einer Gruppe hervorgerufen werden.

Gruppendynamik – Rollen

Jede Gruppendynamik besteht aus verschiedenen Rollen, die von den Gruppenmitgliedern eingenommen werden. Beispiele für diese Rollen sind folgende:

  • der/die Anführer*in
  • der/die Fleißige
  • der/die Streitschlichter*in
  • der/die Unterstützer*in
  • der/die Organisator*in
  • der/die Mitläufer*in

Die Verteilung von Rollen innerhalb einer Gruppe kann von verschiedenen Faktoren abhängig gemacht werden. Welche Faktoren das sind und wodurch sich diese unterscheiden, ist in der folgenden Tabelle aufgelistet und beschrieben:

RollenfaktorenBeschreibung
Psychologische RollenDiese Rollen hängen von den charakterlichen Eigenschaften des Mitglieds ab. Es geht beispielsweise darum, wie selbstsicher oder unsicher jemand ist.
Gruppendynamische RollenGruppendynamische Rollen stehen im Zusammenhang mit den Zielen und den Werten der Mitglieder. Das bedeutet, dass die Rolle eines Mitglieds davon anhängt, ob es das Engagement hat, auf etwas hinzuarbeiten.
Funktionale Rollen Die funktionalen Rollen werden vor allem nach den Fähigkeiten der Mitglieder aufgeteilt. Es geht vor allem um sinnvolle Aufgabenverteilung. Zum Beispiel werden sportlichen Mitgliedern Rollen zugeteilt, für die körperliche Stärke von Vorteil ist.

Vergrößert sich eine Gruppe oder werden innerhalb einer Gruppe bestimmte Rollen frei, kommt es zu Rollenfindungs- und Integrationsprozessen. Das kann Einfluss auf das komplette Gruppengefüge haben, vor allem dann, wenn neue Mitglieder den bisherigen Mitgliedern ihre Position streitig machen. Dadurch werden von Zeit zu Zeit Anpassungskonflikte auslöst, die mit Aggressionen verbunden sein können. In Freundesgruppen ist das oft zu beobachten:

Die Clique von Johannes besteht aus sechs Freund*innen. Andy gibt innerhalb der Gruppe oft den Ton an. Wenn sich die Freund*innen unsicher sind, was sie am Wochenende unternehmen möchten, dann trifft Andy meist die Entscheidung, was gemacht wird. Als Andy umzieht und kein Teil der Gruppe mehr ist, möchte Johannes entscheiden, was am Wochenende gemacht werden soll. Jedoch möchte Micha jetzt, wo Andy nicht mehr da ist, auch entscheiden, was die Freund*innen veranstalten. Dadurch kommt es zu einem Konflikt zwischen Andy und Micha, die sich nicht einigen können, wer nun die Rolle des neuen "Anführers" der Gruppe übernimmt.

Gruppendynamik – Kinder

Die Gruppendynamik von Kindern unterscheidet sich von den Dynamiken und Rollen bei Erwachsenen. Meistens wird innerhalb einer Gruppe von Kindern zwischen drei möglichen Rollen unterschieden:

  • Gruppenführer*in: Anführer*innen setzen bestimmte Rollen und Normen durch und leiten andere an.
  • Mitläufer*in: Sie machen oft einfach bei dem mit, was ihnen vorgegeben wird und agieren selten selbstständig.
  • Außenseiter*in: Sie entsprechen häufig nicht den Vorstellungen der Anführer*innen und werden deshalb oft ausgeschlossen.

Gruppendynamik – Prozesse & Phasen

Der Gruppenprozess besteht aus sieben wichtigen Teilen bzw. Schritten:

  • gesamte Entwicklung einer Gruppe
  • Verteilung von Rollen
  • Bestimmung von Zielen und Aufgaben
  • Bildung von Normen und Regeln
  • Verteilung von Macht,
  • Aufnahme von neuen Mitgliedern
  • Umgang mit anderen Gruppen

Gruppenprozesse bestehen meist aus fünf Phasen. Die Phasen beginnen mit der Gründung der Gruppe. Danach kommt es zu verschiedenen Verhaltensprozessen innerhalb der Gruppe. Die fünf Phasen der Gruppenentwicklung sind:

  1. forming: Die erste Phase beginnt mit der Gründung bzw. dem Bilden einer Gruppe.
  2. storming: Innerhalb der Gruppe kommt es zu Auseinandersetzungen und Positionskämpfen.
  3. norming: Herausarbeitung von Normen und Entstehung von Zusammenhalt
  4. performing: In dieser Phase kommt es zur effektiven Arbeit. Die Gruppe versucht, ihre Ziele durchzusetzen und zu erreichen.
  5. adjourning: Phase der Überprüfung der Gruppenstrukturen. Dabei kann es auch zur Anpassung an veränderte Situationen und somit zu neuen Rollenverteilungen kommen.

Negative und Positive Gruppendynamiken

Gruppendynamiken können positive und negative Einflüsse auf die einzelnen Gruppenmitglieder haben sowie auf die Gruppe als Ganzes. Positive Dynamiken steigern die Produktivität der Gruppe und sorgen dafür, dass die Mitglieder motiviert werden. Jedoch können auch negative Dynamiken auftreten, die beispielsweise dafür sorgen, dass die gesamte Motivation der gesamten Gruppe nachlässt oder niemand mehr seinen Teil zum Erreichen des Gruppenziels beiträgt, da jeder davon ausgeht, dass die jeweils anderen schon ihren Teil dazu beitragen.

Gruppendynamik – Beispiele für negative Gruppendynamik

Wenn die kollektive Motivation verloren geht, dann handelt es sich um eine negative Gruppendynamik. Verliert eine Gruppe den Glauben an sich, dann trägt dies bereits zum Scheitern dieser Gruppe bei. Dieses Phänomen wird auch "Verlieren der kollektiven Wirksamkeit" genannt. Eine negative Gruppendynamik tritt beispielsweise beim Mannschaftssport häufig auf:

Deutschland gewann im Halbfinale der Männer-Fußballweltmeisterschaft 2014 gegen den Gastgeber Brasilien mit 7:1. Die brasilianischen Spieler schienen bereits während des Spiels aufgegeben zu haben. Sie wirkten teilweise verzweifelt und bewegten sich wie gelähmt. Ihre Motivation und Konzentration ließ dadurch nach und so auch ihre sportliche Leistung. Manche Fans verließen sogar noch während des Spiels das Stadion, was zusätzlichen negativen Einfluss auf die Motivation und Leistung der Sportler ausübte.

Gruppendynamik – Beispiele für positive Gruppendynamik

Positive Gruppendynamiken können für das Herausbilden von sinnvollen sozialen Rollen in Gruppen sorgen. Durch wechselseitige Beeinflussung der Mitglieder kommt es zur Verteilung von klaren Rollen. Es bilden sich Verantwortlichkeiten und alle wichtigen Aufgabenfelder werden abgedeckt. Auch positive Gruppendynamiken sind im Mannschaftssport zu beobachten:

Innerhalb einer dynamischen Fußballmannschaft ist jede*r Spieler*in einer Position zugeteilt. Diese wird jedoch nicht stur eingehalten, sondern Spieler*innen helfen im Notfall auch auf anderen Positionen aus, jedoch ohne den anderen Spieler*innen ihre Position abzulaufen oder streitig zu machen. Jede*r hat seine/ihre Aufgabe und geht dieser motiviert nach.

Gruppenphänomene

Gruppenphänomene sind Phänomene, die innerhalb einer Gruppe auftreten. Sie können das Denken und Handeln einzelner Gruppenmitglieder beeinflussen, aber auch das Denken und Handeln der gesamten Gruppe. Es gibt verschieden Phänomene, die innerhalb einer Gruppe auftreten können. Die Phänomene können sowohl positiv als auch negativ sein. Im folgenden Abschnitt lernst Du Beispiele für die am häufigsten auftretenden Gruppenphänomene kennen.

Gruppenphänomene – Beispiele für Gruppenphänomene

Es gibt viele verschiedene Gruppenphänomene. Sie können einzelne Personen oder die gesamte Gruppe auf verschiedene Arten und Weisen beeinflussen. Beispiele für Gruppenphänomene, die des Öfteren auftreten, sind:

  • Trittbrettfahren/Free Riding: Einzelne Mitglieder lassen andere für sich arbeiten und profitieren von deren Einsatz.
  • Groupthink: Das Streben nach Harmonie sorgt dafür, dass individuelle Meinungen an die Meinungen der Gruppe angepasst werden.
  • Social Loafing: Die Leistung der Einzelnen lässt mit der steigenden Zahl an Gruppenmitgliedern ab.
  • Gimpel-Effekt/Sucker Effect: Ein Gruppenmitglied verringert seine Leistungen, da es glaubt, von der Gruppe ausgenutzt zu werden.
  • Risk Shifting: Gruppen treffen häufiger risikoreiche Entscheidungen als einzelne Personen.
  • Köhler-Effekt: Ein schwächeres Gruppenmitglied strengt sich mehr an, aus Angst, bei Fehlern von der Gruppe verantwortlich gemacht zu werden.
  • Soziale Bewährtheit/Social Proof: Ein Mitglied einer Gruppe passt sich bewusst der Meinung der Mehrheit an, da es die Tatsache, dass die Mehrheit einer Meinung ist, als ausreichenden Beweise betrachtet.

Kaum ein Gruppenphänomen ist in erster Linie immer positiv oder immer negativ. Es kommt vor allem darauf an, wie das Individuum und die Gruppe auf auftretende Phänomen reagieren und mit diesen im weiteren Verlauf umgehen. Schau Dir dazu ein Beispiel anhand des Köhler-Effekts an:

Bei der Gruppenarbeit in der Schule strengt sich ein*e schwächerer*e Schüler*in mehr an, aus Angst bei Fehlern von der Gruppe verantwortlich gemacht zu werden. Das kann dazu führen, dass er/sie gute Leistungen erbringt, was nicht nur den/die Schüler*in selbst motiviert, sondern auch die Gruppe positiv beeinflusst.

Es kann aber auch passieren, dass der/die Schüler*in dadurch einen starken Druck verspürt und gestresst reagiert. Die negativen Empfindungen des Schülers/der Schülerin können einen negativen Einfluss auf die komplette Gruppendynamik haben.

Gruppendynamik – Das Wichtigste

  • Gruppendynamik – Definition: Gruppendynamik meint die Entstehung und Entwicklung von Verhaltensweisen, Einstellungen und Werten, die durch die Mitglieder einer Gruppe hervorgerufen werden.
  • Gruppendynamik – Rollen: Die Verteilung von Rollen innerhalb einer Gruppe kann von verschiedenen Faktoren abhängig gemacht werden: psychologischen, gruppendynamischen und funktionalen Rollen.
  • Gruppendynamik – Phasen: Die fünf Phasen der Gruppenentwicklung sind:
    1. Forming
    2. Storming
    3. Norming
    4. Performing
    5. Adjourning
  • Gruppendynamik – positive Dynamik: Positive Dynamiken steigern die Produktivität der Gruppe und sorgen dafür, dass die Mitglieder motiviert werden.
  • Gruppendynamik – negative Dynamik: Negative Dynamiken können dafür sorgen, dass die gesamte Motivation der gesamten Gruppe nachlässt.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Gruppendynamik

Unter Gruppendynamik versteht man die Entstehung und Entwicklung von Verhaltensweisen, Einstellungen und Werten, die durch die Mitglieder einer Gruppe hervorgerufen werden.

Innerhalb einer Gruppe gibt es verschiedene Rollen. Die am häufigsten vertretenen Rollen, sind die Rollen 

  • Anführer*in
  • Mitläufer*in
  • Außernseiter*in

Eine Gruppe entwickelt sich in fünf Phasen:

  1. Forming: Gründung bzw. dem Bilden einer Gruppe
  2. Storming: Auseinandersetzungen und Positionskämpfen innerhalb einer Gruppe
  3. Norming: Herausarbeitung von Normen und Entstehung von Zusammenhalt
  4. Performing: Versuch der Gruppe, ihre Ziele durchzusetzen und zu erreichen
  5. Adjourning: Phase der Überprüfung der Gruppenstrukturen

Unter einer Gruppenstruktur versteht man, dass eine Gruppe nicht unabhängig voneinander besteht, sondern einer Hierarchie und bestimmten Rollenverteilungen unterliegt.

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Benenne die drei Rollenfaktoren. 

 Zu welchen Prozessen kommt es, wenn eine Gruppe wächst?

Wozu kann es kommen, wenn neue Mitglieder den bisherigen Mitgliedern ihre Position streitig machen?

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