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Sensorischer Speicher

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In jedem Augenblick unseres Lebens prasseln unzählige Reize und Informationen auf uns ein. Unsere Sinne werden mit Eindrücken regelrecht überflutet und dennoch nehmen wir vieles davon gar nicht bewusst wahr. Wiederum anderes nehmen wir zwar bewusst wahr, vergessen es aber nach wenigen Sekunden oder Minuten schon wieder. Nur Weniges schafft es in unser Gedächtnis und selbst dann vergessen wir mit den Jahren wieder vieles davon.


Die unzähligen Reize unseres Alltags werden über verschiedene Rezeptoren von dem sensorischen Speicher aufgenommen. Diese Sinneseindrücke werden dort für kurze Zeit gespeichert und anschließend an die weiterverarbeitenden Hirnregionen weitergeleitet. Damit stellt der sensorische Speicher die erste Stufe der Reiz- und Informationsverarbeitung dar.



Funktion des sensorischen Speichers


Der sensorische Speicher wird auch als sensorisches Gedächtnis, sensorisches Register oder Ultrakurzzeitgedächtnis bezeichnet. Er dient der kurzfristigen Speicherung aller, durch Sinnesorgane aufgenommenen Reize und der Weiterleitung der Informationen nach einer Filterung aufgrund von Relevanz, zur Weiterverarbeitung an das Kurz- und Langzeitgedächtnis. Damit stellt es die Verbindung zwischen der Wahrnehmung und dem Gedächtnis selbst dar.


Der sensorische Speicher kann folgende Reizarten aufnehmen:


  • visuelle Reize
  • auditorische Reize
  • olfaktorische Reize
  • taktile Reize
  • gustatorische Reize


Sensorischer Speicher Reizarten StudySmarterAbbildung 1: Reize des sensorischen Speichers


Die Verarbeitung der einzelnen Sinnesarten findet nicht zentral an einem Ort im Gehirn statt. Stattdessen gibt es verschiedene Areale für die verschiedenen Sinne im Großhirn: 


  • haptische Reize: werden im Parietallappen verarbeitet. Er befindet sich im oberen Gehirnbereich. 
  • visuelle Reize: werden im Occipitallappen (Hinterhautlappen) verarbeitet. 
  • akustische Reize: werden im Temporallappen verarbeitet
  • gustatorische Reize: werden im Frontallappen in der Inselrinde verarbeitet
  • olfaktorische Reize: werden im unteren Frontallappen verarbeitet


Sensorischer Speicher Gehirnareale der verschiedenen Sinnesverarbeitung StudySmarterAbbildung 2: Die verschiedenen Hirnareale der verschiedenen Sinnesmodalitäten


Wenn dich interessiert, wo sich das Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis und das Langzeitgedächtnis im gehirn befinden, schaue dir gerne unsere Artikel dazu an.




Aufbau des Sensorischen Speichers 


Das Drei-Speicher-Modell wurde 1968 von den amerikanischen Psychologen Richard Atkinson und Richard Shiffrin entwickelt und stellt ein Mehrspeichermodell zur Erklärung des Informationsverarbeitungsprozess dar. Es wird auch Dreistufenmodell oder Atkinson-Shiffrin-Modell genannt.


Das Modell besagt, dass das Gedächtnis aus drei sogenannten Subsystemen besteht und es separate, parallel arbeitende sensorische Gedächtnisse für jede Sinnesmodalität gibt:


  • Sensorischer Speicher (Ultrakurzzeitgedächtnis)
  • Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis
  • Langzeitgedächtnis

Sensorischer Speicher Sensorisches Gedächtnis Kurzzeitgedächtnis Langzeitgedächtnis StudySmarterAbbildung 2: Das sensorische Gedächtnis nimmt Reize und Informationen auf und leitet sie an das Kurzzeitgedächtnis weiter


Das sensorische Gedächtnis verfügt laut Atkinson und Shiffrin ebenfalls über Subsysteme. Zum einen das ikonische Gedächtnis und zum anderen das Echogedächtnis. Sensorische Gedächtnissysteme für die anderen drei Sinnesmodalitäten werden bislang lediglich vermutet, konnten jedoch noch nicht empirisch bestätigt werden.


Ikonisches Gedächtnis


Als ikonisches Gedächtnis wird der Ultrakurzzeitspeicher für visuelle Informationen bezeichnet. Es stellt eine Art "Zwischenablage" dar, die zunächst mehr Informationen aufnimmt als verarbeitet werden. Die Speicherdauer des ikonischen Gedächtnisses umfasst nur wenige Millisekunden. So zerfällt die visuelle Information bereits nach 200 bis 400 ms.


Echogedächtnis


Das Echogedächtnis stellt hingegen einen kurzzeitigen Speicher für auditive Informationen dar. Es ermöglicht es, Geräusche und Wörter zu replizieren, obwohl die Aufmerksamkeit eingeschränkt ist. Die Speicherdauer des echoischen Gedächtnisses umfasst etwa vier bis 18 Sekunden.


Das echoische Gedächtnis kommt zum Beispiel zum Einsatz, wenn man gerade vertieft ein Buch liest und dabei etwas gefragt wird. Obwohl man nicht aktiv zugehört hat, kann man nach einem kurzen Moment der Verwirrung, meist auf die Frage antworten.


Die Aufrechterhaltung von Informationen ist im echoischen Gedächtnis deutlich länger als im ikonischen Gedächtnis, da Klänge transient (= vergänglich bzw. vorübergehend) sind. 


Nicht nur der sensorische Speicher untergliedert sich in mehrere Untersysteme. Auch das Arbeitsgedächtnis und das Langzeitgedächtnis verfügen über solche Subsysteme.



Kapazität und Speicherdauer des Sensorischen Speichers


Die Anforderungen an das sensorische Gedächtnis sind immens. Die über Rezeptoren vom sensorischen Speicher aufgenommenen Informationen verweilen nur wenige Millisekunden (ca. 0.2 - 2 Sekunden) in diesem und werden je nach Relevanz aussortiert oder umgehend an andere Hirnareale weitergeleitet. Somit wird dein Gehirn vor einer Reizüberflutung geschützt. Das sensorische Gedächtnis erzeugt eine Art "Echo", das innerhalb kürzester Zeit zerfällt, wenn keine Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird.


Das sensorische Gedächtnis selbst verfügt über eine enorme Kapazität und hat wie das Langzeitgedächtnis keine Kapazitätsbeschränkungen. Das Kurzzeitgedächtnis hingegen schon. Da Inhalte jedoch nur wenige Sekunden im sensorischen Gedächtnis zwischengespeichert werden, ist die Kapazität im Gegensatz zum Kurz- und Langzeitgedächtnis von nachrangiger Bedeutung.


Es wird geschätzt, dass die Informationsmenge im ikonischen Gedächtnis des sensorischen Speichers etwa einer Größenanordnung von 109 bis 1011 Bits pro Sekunde entspricht. 


Ein Bit (Binary Digit ) stellt die kleinstmögliche Informationseinheit dar. Im Vergleich: eine vollgeschriebene DIN A4 Seite enthält etwa 104 Bits.



Aufgaben und Störungen des Sensorischen Speichers 


Die Aufgaben des sensorischen Gedächtnisses sind sehr vielfältig und reichen vom groben Erkennen von Merkmalen, wie Form und Farbe von Gegenständen, bis hin zu komplexen Mustererkennungsprozessen. Bei letzteren kann es sich zum Beispiel um das Erfassen von semantischen Informationen, wie Buchstaben- oder Wortbedeutungen, handeln. Jedoch bleibt im sensorischen Gedächtnis eine Bewertung der Information oder bewusste inhaltliche Informations- und Reizverarbeitung aus.


Was genau im Ultrakurzzeitgedächtnis vorübergehend gespeichert und anschließend weitergeleitet wird, hängt von den Interessen der Person, Assoziationen und Störreizen ab.  


Mögliche Störreize sind zum Beispiel:



Die sensorische Verarbeitung kann jedoch auch durch neurologische Erkrankungen gestört sein, z.B. in Folge eines Schlaganfalls, Hirntumors oder einer Entzündung des Parietallappens. Eine solche Entzündung eines Hirnareals kann beispielsweise durch Multiple Sklerose ausgelöst werden.



Erweiterung und Verbesserung des Sensorischen Speichers 


Zwischen dem sensorischen Speicher und dem Kurzzeitgedächtnis wird in neueren Ansichten eine Erweiterung bzw. weitere Funktion angenommen. Dabei handelt es sich laut Forschern um eine Art Filter, die sogenannte selektive Aufmerksamkeit. Diese umfasst die menschliche Fähigkeit, aus einer Fülle von Reizen wichtige Informationen zu erkennen und auszuwählen und irrelevante bzw. Störreize auszufiltern, wie bei dem folgenden Beispiel:


Wenn du gerade versuchst eine Nummer aus deinem Gedächtnis in ein Telefon oder Handy einzugeben und ein Freund eine beliebige Zahl dazwischen ruft, musst du dich stark konzentrieren, um nicht aus dem Konzept zu gelangen. Es greift die selektive Aufmerksamkeit, die versucht, den Störreiz so gut es geht zu ignorieren. 


Der sensorische Speicher lässt sich wie die anderen beiden Gedächtnisse, das Kurz- und Langzeitgedächtnis auch, trainieren. Ein zielgerichtetes Gedächtnistraining kann dazu beitragen, dass das Gehirn in der Lage ist, mehr Reize aufzunehmen, sie etwas länger im Ultrakurzzeitgedächtnis zu speichern und sie leichter und sauberer abzurufen. Durch Förderung des sensorischen Gedächtnis kann die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns gesteigert werden.


Das Kurzzeitgedächtnis kann besonders gut mit Hilfe von Merk- und Reproduktionsaufgaben trainiert werden.



Beispiel für den Sensorischen Speicher


Betrittst du dein Klassenzimmer nach der großen Mittagspause, nimmst du beim Durchschreiten der Tür unzählige Einzelheiten war. Die verschiedensten Sinneseindrücke wirken auf dich ein. Ob die leicht abgestandene Luft, der Lärm deiner Mitschüler*innen, die ganzen Stühle, Tische, Hefte und Stifte oder der Lehrer, der dich tadelnd ansieht, weil du spät dran bist. Die meisten dieser Eindrücke wirst du nach kurzer Zeit schon wieder vergessen haben, da sie für dich schlichtweg nicht von Bedeutung sind. Der sensorische Speicher hält es zum Beispiel für irrelevant, welche Farbe das Heft deines Sitznachbarn hat. 


Der Ultrakurzzeitspeicher filtert all die Reize und leitet nur die für relevant bzw. lebenswichtig erachteten Informationen an das Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis weiter.



Sensorischer Speicher - Das Wichtigste

  • Der sensorische Speicher wird auch sensorisches Gedächtnis oder Ultrakurzzeitgedächtnis genannt und verfügt über eine enorme Kapazität.
  • Es werden durch Sinnesorgane aufgenommenen Reize und Informationen kurzzeitig gespeichert und nach einer Filterung aufgrund von Relevanz zur Weiterverarbeitung an das Kurz- und Langzeitgedächtnis weitergeleitet.
  • Es werden taktile, visuelle, auditive, gustatorische und olfaktorische Reize aufgenommen.
  • Das sensorische Gedächtnis untergliedert sich in das ikonische Gedächtnis und das echoische Gedächtnis.
  • Nur relevante und überlebenswichtige Informationen werden weitergeleitet.



Häufig gestellte Fragen zum Thema Sensorischer Speicher

Laut der Mehrspeichermodelle gibt es das sensorische Gedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis. 

Das Ultrakurzzeitgedächtnis ist eine andere Bezeichnung für das sensorische Gedächtnis. Wird neue Informationen über die Sinnesorgane aufgenommen, so durchläuft diese zunächst das sensorische Gedächtnis, ehe sie auf Basis ihrer Relevanz entweder aussortiert und überschrieben wird oder an das Kurzzeitgedächtnis zur Weiterverarbeitung weitergeleitet wird.

Das sensorische Register ist eine andere Bezeichnung für das sensorische Gedächtnis. Wird neue Informationen über die Sinnesorgane aufgenommen, so durchläuft diese zunächst das sensorische Gedächtnis, ehe sie auf Basis ihrer Relevanz entweder aussortiert und überschrieben wird oder an das Kurzzeitgedächtnis zur Weiterverarbeitung weitergeleitet wird.

Finales Sensorischer Speicher Quiz

Frage

Wie wird der sensorische Speicher noch genannt?

Antwort anzeigen

Antwort

Ultrakurzzeitgedächtnis

Frage anzeigen

Frage

Über wie viel Kapazität verfügt der sensorische Speicher?

Antwort anzeigen

Antwort

enorme Kapazität

Frage anzeigen

Frage

Wie lange werden Informationen im Ultrakurzzeitgedächtnis gespeichert?

Antwort anzeigen

Antwort

wenige Millisekunden

Frage anzeigen

Frage

Von wem wurde das Drei-Speicher-Modell entwickelt?

Antwort anzeigen

Antwort

Richard Atkinson und Richard Shiffrin

Frage anzeigen

Frage

Wie wird das Drei-Speicher-Modell auch genannt?

Antwort anzeigen

Antwort

Dreistufenmodell oder Atkinson-Shiffrin-Modell

Frage anzeigen

Frage

Über wie viele Subsysteme verfügt das Drei-Speicher-Modell laut seinen Entwicklern?

Antwort anzeigen

Antwort

3

Frage anzeigen

Frage

Nenne die Subsysteme des Drei-Speicher-Modells:

Antwort anzeigen

Antwort

  • Sensorischer Speicher (Ultrakurzzeitgedächtnis)
  • Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis
  • Langzeitgedächtnis
Frage anzeigen

Frage

Wie heißen die beiden Sub-Gedächtnisse des sensorischen Gedächtnisses?

Antwort anzeigen

Antwort

ikonisches Gedächtnis

Frage anzeigen

Frage

Was speichert das ikonische Gedächtnis?

Antwort anzeigen

Antwort

visuelle Informationen

Frage anzeigen

Frage

Die Speicherdauer des echoischen Gedächtnisses umfasst etwa .... Sekunden.

Antwort anzeigen

Antwort

4 bis 18

Frage anzeigen

Frage

Das ikonische Gedächtnis ist eine ....?

Antwort anzeigen

Antwort

Art Zwischenablage

Frage anzeigen

Frage

Durch Training des sensorischen Speichers kann .... gesteigert werden.

Antwort anzeigen

Antwort

Verarbeitungsgeschwindigkeit

Frage anzeigen

Frage

Was bestimmt die Filterung und Weiterleitung von Reizen im sensorischen Gedächtnis?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Interessen
  • Assoziationen
  • Störreize
Frage anzeigen

Frage

Das Modell von Atkinson und Shiffrin ist ein ...?

Antwort anzeigen

Antwort

Mehrspeichermodell

Frage anzeigen

Frage

Nur .... und ... Informationen werden an das Kurzzeitgedächtnis weitergeleitet.

Antwort anzeigen

Antwort

relevate und überlebenswichtige

Frage anzeigen
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