Stadtentwicklung Mitteleuropa

Nach 1850 begannen die Städte in Mitteleuropa rasant zu wachsen. Es wurden neue Straßen gebaut, die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut und neue Industrien entstanden. Dadurch veränderte sich das Stadtbild. Auch in anderen Epochen der Geschichte kam es zu gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich auf die Städte Mitteleuropas auswirkten. Wie sich die Städte in Mitteleuropa entwickelten, lernst Du in dieser Zusammenfassung. 

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsangabe

    Historische Stadtentwicklung in Mitteleuropa

    Die Städte in Mitteleuropas entwickelten sich Ende des 19. Jahrhunderts rasant:

    Die Stadtentwicklung allgemein beschäftigt sich mit der Entwicklung einer Stadt hinsichtlich räumlicher, historischer und struktureller Prozesse.

    In Mitteleuropa spricht man auch von einer historisch genetischen Stadtentwicklung.

    Mehr zur historisch genetischen Stadtentwicklung oder zur Stadtentwicklung kannst Du in separaten Zusammenfassungen nachlesen.

    Die historisch genetische Stadtentwicklung lässt sich in verschiedene Epochen einteilen.

    Zunächst kann sich feststellen lassen, zu welcher Zeit und in welcher Epoche die Stadt gegründet wurde. Die Städte, die etwa zur selben Zeit entstanden, weisen ähnliche Merkmale auf. Deshalb wurden Stadttypen festgelegt, die allgemein alle Charakteristiken der verschiedenen Städte zusammenfassen. Diese lernst Du später noch genauer kennen.

    Epochen der Stadtentwicklung in Mitteleuropa

    Wie bereits erwähnt, gab es ab 1850 einen rasanten Wachstum in den Städten. Auch zuvor gab es Epochen der Geschichte, in denen viele Städte in Mitteleuropa entstanden.

    Phasen der Stadtentwicklung in Mitteleuropa

    Bei der Untersuchung der Stadtentwicklung in Mitteleuropa konnten verschiedene Stadttypen festgelegt werden. Diese werden auch historisch genetische Stadttypen genannt. Je nach Gründungszeit der Städte weisen sie unterschiedliche Merkmale auf. Es gibt folgende Arten von Städten:

    • Römerstädte
    • mittelalterliche Städte
    • Siedlungen des Hochadels
    • Residenzstädte im Absolutismus
    • Industriestädte während der Industrialisierung
    • Großwohnsiedlungen/New Towns in der Gegenwart

    Römerstädte

    Die ersten Städte in Mitteleuropa bildeten die Römerstädte vor knapp 2000 Jahren, sie entstanden als sich das römische Reich zunehmend ausdehnte.

    Die ersten Städte wurden entlang des Rheins und des Alpenvorlands gebaut.

    Die damaligen Städte sollten vor allem als Militärstützpunkte dienen, um neu eroberte Territorien zu sichern und zu überwachen.

    Außerdem wurden einige Städte zum Zweck der Verwaltung erbaut, damit die Römer die Umgebung auf militärische und administrative Weise kontrollieren konnten.

    Eine weitere Aufgabe der Römerstädte war es, als Markt zu fungieren. Das bedeutet, dass dort Handwerker, Bauern oder Händler miteinander ins Geschäft kommen konnten, um ihre Ware zu verkaufen.

    In unmittelbarer Umgebung der Römerstädte befanden sich auch immer Gewerbeniederlassungen, Bauern- und Gutshöfe, die die Versorgung der Stadt sicherstellten.

    Der Aufbau der römischen Städte war sehr markant: Das Straßennetz glich einem Schachbrett und der Grundriss der Städte war rechteckig.

    Die Städte waren umgeben von gut gesicherten Mauern, die vor feindlichen Angriffen schützen sollten. In den Städten gab es außerdem meisteins zwei große Hauptstraßen, die die Stadttore verbunden:

    • die „Cardo“ (die von Norden nach Süden verlaufende Straße)
    • die „Decumanus“ (die von Westen nach Osten verlaufende Straße)

    An der Kreuzung der beiden Hauptstraßen befand sich meistens das Zentrum der römischen Stadt, sowie das Forum.

    Das Forum einer römischen Stadt bezeichnet den Marktplatz, also den Stadtkern. Dieser Platz übernimmt eine wichtige Verwaltungs- und Versorgungsfunktion.

    Um das Forum herum befanden sich die Wohnviertel der Stadt. Weiter entfernt vom Stadtkern lagen öffentliche Gebäude.

    Solche Gebäude waren zum Beispiel Thermen, Tempel oder Amphitheater.

    Neben der Gliederung der Stadt hinsichtlich Wohnvierteln und öffentlichen Bauten zeichneten sich römische Städte noch durch die direkte Lage am Fluss aus. Durch ein fließendes Gewässer in unmittelbarer Nähe wurde eine stetige Wasserversorgung gewährleistet.

    Die römischen Städte waren durch sogenannte Fernstraßen mit anderen Teilen des römischen Reiches verbunden.

    Bekannte Städte römischen Ursprungs sind Colonia (Köln), Augusta Treverorum (Trier), Bonna (Bonn) oder Magonatiacum (Mainz).

    In der Spätantike, um 476 n. Chr., verfällt das römische Reich allmählich. Dadurch verloren auch römische Städte an Bedeutung und die meisten Menschen verlassen die Städte an der Donau und am Rhein, da diese zunehmend durch die germanischen Stämme bedroht werden.

    Die nächste bedeutende Phase für die mitteleuropäische Stadtentwicklung beginnt erst wieder im 08. Jahrhundert, im Mittelalter.

    Mittelalterliche Städte

    Im Mittelalter begann eine bedeutende Phase für die Stadtentwicklung Mitteleuropas. Durch wirtschaftlichen Aufschwung und Bevölkerungswachstum kam es zu einer sogenannten urbanen Revolution: Es entstanden um die 2000 Städte in nur 250 Jahren.

    Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert entstanden sogenannte Wik- und Marktorte, die sich größtenteils an ein geistliches oder weltliches Zentrum anlehnten.

    Wik- und Marktorte stellen oft die Vorstufe einer städtischen Siedlung dar. Sie sind Siedlungsmittelpunkte für ein größeres, ländliches Umland. Sie erfüllen die Funktion eines Grundzentrums.

    Die Standorte für neue Siedlungen haben also einige funktionale oder lagebedingte Vorteile, da sie sich zum Beispiel um Handelsplätze herum bilden.

    Es entstanden Städte bei Bischofssitzen, Burgen, Kreuzungen, Handelswegen, Klöstern oder Flussmündungen.

    Handelsplätze wurden im Mittelalter durch Landesfürsten bestimmt. An diesen Orten konnten Zölle erhoben werden und reisende Händler waren dazu verpflichtet, ihre Ware am örtlichen Markt anzubieten.

    Durch den zunehmenden Handel wurden die Städte reicher und es zogen immer mehr Menschen zu. Um weiterhin die wachsende Bevölkerung versorgen zu können, wurden viele neue Berufe geschaffen und die Siedlungen wurden langsam zu reichen Bürgerstädten.

    Die mittelalterlichen Städte verfügten über einen zentralen Marktplatz, in dessen Nähe auch immer eine Kirche, ein Kloster, ein Rathaus oder eine Burg standen.

    Im Gegensatz zu den römischen Städten waren die Bürgerstädte verwinkelter und die Handelsstraßen waren auf den Siedlungsmittelpunkt ausgerichtet. Die Stadtmauern verfügten über Gräben, um die Stadt vor Angriffen sicherer zu machen.

    Die Häuser waren häufig über mehrere Stockwerke hoch und dicht aneinander gebaut. Das wurde vor allem gemacht, um nicht die Stadtmauer erweitern zu müssen, da diese hohe Kosten mit sich bringen würden.

    In den Städten des Mittelalters waren Arbeitsplatz und Wohnraum häufig nicht getrennt, sondern in einem Gebäude untergebracht. Daher schlossen sich Berufsgruppen zu einer Interessengruppe zusammen.

    Siedlungen des Hochadels

    Die zahlenmäßig bedeutendste Epoche der Stadtentstehung markierten dann die Gründungen des Hochadels im 12. und 13. Jahrhundert. Kaiser und Territorialherren sicherten zum Beispiel Grenzen und Flussübergänge durch neue Siedlungen. Diese wurden später oft zu bedeutenden Städten. Ein bis zwei Jahrhunderte später folgten aus denselben Motiven heraus einige Gründungen des niederen Adels.

    Anfang des 14. und 15. Jahrhunderts kam es zu zahlreichen Problemen wie Brände, Epidemien und Kriege. Das hatte zur Folge, dass viele Städte zerstört wurden und die Bevölkerungszahlen stark zurückgingen.

    Der 30-jährige Krieg hatte zur Folge, dass viele Städte zerstört wurden.

    Residenzstädte des Absolutismus

    Eine Besonderheit Mitteleuropas waren die Planstädte des Absolutismus zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Die deutschen Territorialherren ließen oftmals bereits bestehende Städte zu prunkvollen Residenzen ausbauen. Teilweise konnten auch Neugründungen entstehen.

    Verwaltungsneustädte und Industrieneustädte

    Die nächsten wichtigen Stadttypen Mitteleuropas entstanden im 19. und 20. Jahrhundert. Es sind die Verwaltungsneustädte und Industriestädte, deren Grundlage die Montanindustrie, die chemische Industrie und später der Automobilbau waren.

    Diese Städte entstanden im Zug der Industrialisierung. Es entstanden neue Fabriken und Industrien, die in den Städten angesiedelt wurden.

    Großwohnsiedlungen und New Towns

    Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts entstehen außerdem die sogenannten neuen Städte, genauer gesagt "New Towns". Die wichtigsten Ziele dieser Neugründungen sind die Entlastung von Verdichtungsräumen und die Entwicklungsförderung strukturschwacher Regionen.

    Wenn Du Dich für die historisch genetische Stadtentwicklung interessierst, kannst Du über einen Klick auf den Link ganz unkompliziert den entsprechenden Artikel besuchen und mehr über die historischen Stadttypen in Mitteleuropa lernen!

    Übersicht über die Stadtentwicklung in Mitteleuropa

    Moderne Stadtentwicklung in Mitteleuropa

    Die heutigen Stadtstrukturen sind in ihren wesentlichen Teilen erst seit der Industrialisierung entstanden. Gründe dafür sind neue Produktionsweisen, die zunehmende Mobilität der Bevölkerung und die Weiterentwicklung der Verkehrstechnologien. Diese Prozesse veränderten die Gestalt der Städte deutlich und führten zu deren schnellem Wachstum.

    Die Industrialisierung als Faktor für Stadtentwicklung in Mitteleuropa

    Bis ungefähr zur Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die meisten Städte in Mitteleuropa nur unwesentlich an Bevölkerungszahl und Flächengröße zu. Nach 1850 setzte allerdings ein rasantes Wachstum ein, denn die Industrie entwickelte sich. Zahlreiche Eisenbahnstrecken wurden gebaut und der Prozess der Urbanisierung setzte ein, viele Menschen flohen auf der Suche nach Arbeit aus kleinen Ortschaften in die Städte. Dadurch kam es zu bedeutsamen Veränderungen im Stadtbild.
    Veränderungen im Stadtbild

    Infolge der Industrialisierung kam es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu einigen entscheidenden Veränderungen im Stadtbild, die den weiteren Verlauf der Stadtentwicklung in Mitteleuropa prägten:

    1. Die Stadtmauern und Festungsanlagen wurden abgetragen beziehungsweise geschleift. Dies war oft mit dem Zuschütten der alten Wassergräben verbunden.
    2. Viele Gleisanlagen und Bahnhöfe sowie neue breitere und gerade Straßen wurden gebaut.
    3. Entlang von Eisenbahnen, Flüssen oder Ausfallstraßen wurden zahlreiche Industriebetriebe errichtet. Zunächst befanden die sich nur in der Nähe der Altstadt, später auch außerhalb des Zentrums.
    4. Für die wachsende Zahl von Industriearbeitern entstanden große Wohngebiete, nämlich sogenannte Mietskasernen.
    5. Es entstanden des Weiteren Villenviertel für die Reichen in den Städten. Diese Villenviertel lagen meist am Westrand der Stadt, das hing nämlich mit den vorherrschenden Westwinden in Mitteleuropa zusammen. Die Abgase der Industrie zogen nach Osten, während die westlichen Stadtteile dagegen „sauber“ blieben.
    6. In den Innenstädten wurden Parkanlagen gestaltet und an den Rändern der Stadt entwickelten sich Kleingartenkolonien.
    7. In größeren Städten wurden viele umfangreiche Anlagen für die Wasserversorgung und für die Abwasserbeseitigung gebaut.

    Stadtentwicklung in Mitteleuropa ab Mitte des 20. Jahrhunderts

    Der Zeitraum nach den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts war vordergründig durch ein dynamisches Wachstum der innerstädtischen Wohngebiete geprägt. Durch sozialen Wohnungsbau mit erschwinglichen Mieten sollte in dieser Zeit der wachsende Wohnungsbedarf der Bevölkerung gedeckt werden.

    Diese Wohngebiete waren geprägt durch moderne mehrgeschossige Häuser und Hochhäuser und durch einen größtenteils guten Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz. Parallel dazu entstanden in den Außenbezirke viele neue Industrie- und Gewerbegebiete. Die Städte dehnten sich also auch flächenmäßig sehr stark aus.

    Ab den 70er-Jahren allerdings kehrte sich der Wachstumstrend in vielen Städten um. Es kommt zu einer deutlichen Abwanderung vieler Familien in das Umland der Städte. Am Stadtrand entstehen ausgedehnte Wohnviertel mit Reihen- und Einzelhäusern und umliegende Dörfer verstädtern zunehmend.

    Ursachen dieser Abwanderung beziehungsweise Suburbanisierung waren vor allem die Zunahme der Motorisierung, der starke Ausbau der Verkehrswege, die hohen Mieten und Grundstückspreise in den Städten und eine geringere städtische Lebensqualität, die durch Lärmbelästigung und Luftverschmutzung entstand.

    Es wurde daraufhin oftmals versucht, den Prozess der Suburbanisierung rückgängig zu machen, also eine Reurbanisierung herbeizuführen, um finanzstarke Verbraucher und Steuerzahlende in der Stadt zu halten. Dies wurde beispielsweise dadurch erreicht, dass man innerstädtische Wohngebiete modernisierte oder auf ehemaligem Industriegelände neue günstigere Wohnungen angeboten hat.

    Zur Suburbanisierung und zur Urbanisierung gibt es eigene Zusammenfassungen. Wenn Du Dich für diese Themen interessierst, schau dort gerne vorbei!

    Stadtentwicklung in Mitteleuropa im 21. Jahrhundert

    Mit dem Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft seit der Jahrhundertwende entstanden viele neue Prozesse, die die urbanen Strukturen veränderten. Viele Standorte von Einrichtungen für Dienstleistung — des sogenannten tertiären Sektors, wie zum Beispiel Banken und Versicherungen —, sind an die Städte gebunden. Ihr Ausbau veränderte also sehr deutlich das Bild und die Funktionen der Innenstädte.

    Die "Tertiärisierung" erfasst inzwischen den gesamten urbanen Raum. An den Rändern der Städte entstehen zum Beispiel Shopping-Malls, Urban Entertainment Centers und Themenparks.

    Was genau der tertiäre Sektor ist und was Tertiärisierung bedeutet, erfährst du in separaten Erklärungen.

    Für die Städte ist es auch wichtig, im nationalen und internationalen Wettbewerb zu bestehen. Viele Stadtmanagement-Gesellschaften versuchen deshalb, die Attraktivität ihrer Stadt durch den Aufbau von einzigartigen Erlebniswelten zu erhöhen. Unterhaltung und Events werden zu einem neuen und sehr zentralen Markenzeichen der großen Städte im 21. Jahrhundert.

    Stadtentwicklung Mitteleuropa - Das Wichtigste

    • Nach 1850 begannen die Städte durch die Entwicklung der Industrie zu wachsen.
    • Es kam auch zu entscheidenden Veränderungen im Stadtbild, wie zum Beispiel dem Abtragen von Stadtmauern oder dem Entstehen von Verkehrsinfrastruktur und Anlagen für die Abwasserversorgung.
    • Der Zeitraum nach den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts war vor allem durch ein dynamisches Wachstum der innerstädtischen Wohngebiete geprägt. Die Städte dehnten sich auch flächenmäßig sehr stark aus.
    • Ab den 70er-Jahren kommt es zu einer deutlichen Abwanderung vieler Familien in das Umland der Städte.
    • Der Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft seit der Jahrhundertwende veränderte deutlich das Bild und die Funktionen der Innenstädte.
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    Häufig gestellte Fragen zum Thema Stadtentwicklung Mitteleuropa

    In welcher Epoche entstanden die Städte in Mitteleuropa?

    Die meisten Städte entstanden im späten Mittelalter. Jedoch gibt es verschiedene Phasen in der Geschichte, in denen Städte entstanden. 


    Wie entstehen Städte in Mitteleuropa?

    Je nach dem Gründungszeitpunkt einer Stadt gibt es unterschiedliche Gründe und Ursachen für die Entstehung einer Stadt. Die verschiedenen Stadttypen unterscheiden sich in ihrer Entstehung. Es gibt: 

    • Römerstädte
    • mittelalterliche Städte
    • Siedlungen des Hochadels
    • Residenzstädte im Absolutismus
    • Industriestädte während der Industrialisierung
    • Großwohnsiedlungen/New Towns in der Gegenwart

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