Inhaltsverzeichnis▼
- Was ist das Präsens?
- Die Personalendungen im Präsens
- Regelmäßige Verben: Stamm plus Endung
- Starke Verben und der Vokalwechsel
- sein, haben und werden im Präsens
- Wann verwendet man das Präsens?
- Typische Fehler bei der Präsensbildung
- Übungen zum Präsens
- Karteikarten
- Das Wichtigste
- Häufige Fragen
- Quellen
Was ist das Präsens?
Das Präsens ist die Zeitform der Gegenwart und die häufigste Zeitform der deutschen Sprache. Du bildest es aus dem Verbstamm und einer Personalendung, etwa ich frage oder er fährt. Es beschreibt, was gerade geschieht, was allgemein gilt und häufig auch Zukünftiges.
Wenn du sagst Ich lerne Deutsch oder Die Sonne scheint, benutzt du das Präsens. Es ordnet ein Geschehen der Gegenwart zu und kommt dabei ohne Hilfsverb aus: eine einzige Verbform genügt. Genau darin unterscheidet es sich vom Perfekt (Ich habe gelernt) oder vom Futur I (Ich werde lernen), die aus mehreren Teilen bestehen.
Das Präsens ist Teil des Lernbereichs Grammatik und die erste Zeitform, die man in der Schule kennenlernt. Das deutsche Tempussystem umfasst insgesamt sechs Zeitformen: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II. Das Präsens steht dabei für den Gegenwartsbezug, während Präteritum und Perfekt Vergangenes ausdrücken.
Man unterscheidet beim Bilden zwei große Gruppen von Verben: regelmäßige (schwache) Verben, deren Stamm gleich bleibt, und starke Verben, die in der 2. und 3. Person Singular ihren Stammvokal ändern. Welche Regel gilt, hängt allein vom Verb ab. Auf dieser Seite lernst du beide Gruppen Schritt für Schritt kennen und übst sie direkt.
Die Personalendungen im Präsens
Die Personalendungen im Präsens lauten: ich -e, du -st, er/sie/es -t, wir -en, ihr -t, sie/Sie -en. Sie zeigen an, wer handelt, und werden an den Verbstamm gehängt. Insgesamt gibt es also sechs Endungen für die sechs Personen.
Bevor du regelmäßige und starke Verben unterscheidest, lohnt sich ein Blick auf die Endungen selbst. Genau sie machen aus dem bloßen Stamm eine fertige Verbform und verraten, welche Person gemeint ist. Die folgende Tabelle zeigt alle sechs Endungen am Beispiel fragen:
| Person | Endung | Beispiel: fragen |
|---|---|---|
| ich | -e | ich frage |
| du | -st | du fragst |
| er/sie/es | -t | er fragt |
| wir | -en | wir fragen |
| ihr | -t | ihr fragt |
| sie/Sie | -en | sie fragen |
Zwei Endungen wiederholen sich: -en steht bei wir und sie/Sie, -t bei er/sie/es und ihr. Du musst dir also eigentlich nur vier verschiedene Endungen merken.
Regelmäßige Verben: Stamm plus Endung
Regelmäßige (schwache) Verben bilden das Präsens, indem sie an den unveränderten Verbstamm die Personalendung hängen. Aus fragen wird ich frage, du fragst, er fragt, aus lachen wird ich lache, du lachst, er lacht. Der Stamm bleibt in allen sechs Personen gleich.
Die regelmäßigen Verben sind die größte und einfachste Gruppe. Du findest den Stamm, indem du beim Infinitiv (der Grundform) die Endung -en streichst: fragen → frag. An diesen Stamm hängst du dann die passende Endung. So entsteht eine feste, vorhersagbare Kette:
Sonderfall 1: Stamm auf -t oder -d
Endet der Stamm auf -t oder -d (wie bei arbeiten oder reden), wird zur besseren Aussprache ein e eingeschoben. Es heißt du arbeitest, er arbeitet und ihr arbeitet. Ohne diesen Sprossvokal wäre die Form kaum sprechbar. Dasselbe gilt für reden: du redest, er redet, ihr redet.
Sonderfall 2: Stamm auf -s, -ß, -z oder -x
Endet der Stamm auf einen s-Laut (-s, -ß, -z, -x), fällt in der 2. Person Singular das s der Endung weg. Aus reisen wird du reist (nicht du reisst), aus heißen wird du heißt, aus sitzen wird du sitzt. Die 2. und die 3. Person Singular klingen dann gleich: du reist und er reist.
| Person | lachen (normal) | arbeiten (-t) | reisen (-s) |
|---|---|---|---|
| ich | lache | arbeite | reise |
| du | lachst | arbeitest | reist |
| er/sie/es | lacht | arbeitet | reist |
| wir | lachen | arbeiten | reisen |
| ihr | lacht | arbeitet | reist |
| sie/Sie | lachen | arbeiten | reisen |
Starke Verben und der Vokalwechsel
Starke (unregelmäßige) Verben ändern im Präsens in der 2. und 3. Person Singular ihren Stammvokal. Es gibt drei Muster: e → i (geben → du gibst), e → ie (lesen → du liest) und a → ä (fahren → du fährst). In allen anderen Personen bleibt der Vokal unverändert.
Bei starken Verben verändert sich das Innere des Wortes, aber nur an einer bestimmten Stelle: in der 2. Person (du) und der 3. Person Singular (er/sie/es). Die Endungen bleiben dieselben wie bei regelmäßigen Verben, nur der Vokal springt um. Man nennt diese Verben auch starke Verben; sie gehören zu den Verben, die man einzeln lernen muss.
Die drei Vokalwechsel-Muster
| Muster | Infinitiv | du-Form | er/sie/es-Form |
|---|---|---|---|
| e → i | geben | du gibst | er gibt |
| e → i | helfen | du hilfst | er hilft |
| e → i | nehmen | du nimmst | er nimmt |
| e → ie | lesen | du liest | er liest |
| e → ie | sehen | du siehst | er sieht |
| a → ä | fahren | du fährst | er fährt |
| a → ä | schlafen | du schläfst | er schläft |
Ein voll durchkonjugiertes Beispiel zeigt, dass der Vokalwechsel wirklich nur die beiden Singularformen betrifft, während ich, wir, ihr und sie den ursprünglichen Vokal behalten:
| Person | geben (e → i) | fahren (a → ä) |
|---|---|---|
| ich | gebe | fahre |
| du | gibst | fährst |
| er/sie/es | gibt | fährt |
| wir | geben | fahren |
| ihr | gebt | fahrt |
| sie/Sie | geben | fahren |
Sprich das Verb einmal mit du und er durch. Klingt es plötzlich anders als bei ich (ich gebe, aber er gibt), ist es ein starkes Verb mit Vokalwechsel. Bleibt der Klang gleich, ist es regelmäßig.
sein, haben und werden im Präsens
Die Verben sein, haben und werden sind im Präsens unregelmäßig und gehören zu den häufigsten Formen überhaupt: sein wird zu ich bin, du bist, er ist, haben zu ich habe, du hast, er hat, werden zu ich werde, du wirst, er wird. Du solltest sie auswendig sicher beherrschen.
Diese drei Verben tauchen in fast jedem Satz auf, auch als Hilfsverben beim Bilden von Perfekt und Futur. Ihre Präsensformen folgen keiner einfachen Regel, deshalb lernst du sie am besten als feste Reihe. Die folgende Tabelle stellt alle drei nebeneinander:
| Person | sein | haben | werden |
|---|---|---|---|
| ich | bin | habe | werde |
| du | bist | hast | wirst |
| er/sie/es | ist | hat | wird |
| wir | sind | haben | werden |
| ihr | seid | habt | werdet |
| sie/Sie | sind | haben | werden |
Achte auf die Feinheiten: Bei haben fällt in du hast und er hat das b weg. Bei werden heißt es du wirst mit Vokalwechsel und er wird ohne t. Solche kleinen Unregelmäßigkeiten werden in Klassenarbeiten gern abgefragt. Mehr dazu findest du bei den Hilfsverben und den Modalverben, die im Präsens ebenfalls eigene Formen haben.
Wann verwendet man das Präsens?
Das Präsens verwendest du für die aktuelle Gegenwart, für allgemeingültige Aussagen und Fakten und häufig auch für Zukünftiges. Zusätzlich gibt es das historische Präsens, das Vergangenes lebendig erzählt, und das szenische Präsens, das eine Szene besonders hervorhebt. Es ist damit die vielseitigste Zeitform.
Das Präsens ist das prototypische Tempus des Gegenwartsbezugs, wie es das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache beschreibt. Seine Betrachtzeit ist aber nicht fest an das Jetzt gebunden, deshalb kann es auch zeitlose oder zukünftige Aussagen tragen. Insgesamt lassen sich fünf Verwendungsweisen unterscheiden.
1. Aktuelle Gegenwart
Am häufigsten beschreibt das Präsens, was gerade jetzt geschieht oder allgemein andauert: Ich schreibe eine Nachricht. Draußen regnet es. Seit einem Jahr wohne ich in Berlin. Auch wiederkehrende Gewohnheiten gehören hierher: Jeden Montag gehe ich schwimmen.
2. Allgemeingültige Aussagen und Fakten
Für Dinge, die immer gelten, steht ebenfalls das Präsens. Dazu zählen Naturgesetze, Definitionen, Sprichwörter und Regeln: Wasser kocht bei 100 Grad. Die Erde dreht sich um die Sonne. Übung macht den Meister. Man nennt das auch das generische oder zeitlose Präsens.
3. Futurisches Präsens (Zukunft)
Im Deutschen wird für Zukünftiges meist das Präsens statt des Futur I benutzt, besonders wenn eine Zeitangabe im Satz steht: Morgen fahre ich nach Hamburg. Nächste Woche schreiben wir die Arbeit. Das Futur I (Ich werde fahren) klingt oft förmlicher und wird seltener gebraucht.
4. Historisches Präsens
In Berichten und Erzählungen über Vergangenes kann das Präsens Ereignisse lebendig und näher wirken lassen. Man spricht dann vom historischen Präsens: 1789 stürmt das Volk die Bastille. Cäsar überquert den Rubikon. Eine Jahres- oder Datumsangabe macht deutlich, dass das Geschehen in Wahrheit vergangen ist.
5. Szenisches Präsens
Eine Sonderform ist das szenische Präsens: Mitten in einer Erzählung im Präteritum wird eine wichtige Szene ins Präsens gesetzt, um sie hervorzuheben: Er ging ruhig durch den Raum, da öffnet sich plötzlich die Tür. Dieser Wechsel erzeugt Spannung und Vergegenwärtigung.
Signalwörter des Präsens
Bestimmte Zeitangaben tauchen oft zusammen mit dem Präsens auf und können dir als Hinweis dienen:
- jetzt, gerade – Ich lese gerade ein Buch.
- immer, oft, manchmal – Er kommt oft zu spät.
- jeden Tag, normalerweise – Normalerweise frühstücke ich um sieben.
- heute, heutzutage – Heute lernen viele online.
Verlass dich aber nicht allein auf Signalwörter: Das Präsens kann auch ohne solche Wörter und sogar für Zukünftiges stehen. Sie sind nur ein Anhaltspunkt.
Typische Fehler bei der Präsensbildung
Die häufigsten Fehler beim Präsens: den Vokalwechsel starker Verben zu vergessen (falsch: er gebt), bei s-Stämmen ein doppeltes s zu schreiben (falsch: du reisst) oder bei t-Stämmen den Sprossvokal auszulassen (falsch: du arbeitst). Alle drei tauchen in Deutscharbeiten immer wieder auf.
Starke Verben ändern in der 2. und 3. Person Singular den Vokal. Richtig ist du gibst und er gibt, nicht du gebst oder er gebt. Prüfe bei jedem Verb, ob es zu den starken gehört.
Endet der Stamm auf -s, -ß, -z, fällt in der 2. Person das s der Endung weg. Richtig ist du reist und du heißt, nicht du reisst oder du heißst.
Bei Stämmen auf -t oder -d gehört ein e dazwischen. Richtig ist du arbeitest und er redet, nicht du arbeitst oder er redt.
Übungen zum Präsens
Fünf Übungen zum Präsens vom Einsetzen der richtigen Endung bis zum Vokalwechsel starker Verben. Lies die Aufgabe, überlege die Form und klicke dann auf Lösung anzeigen, um dein Ergebnis zu prüfen. So festigst du Bildung und Konjugation Schritt für Schritt.
Der Junge spielt Fußball. Stamm spiel + Endung -t für er/sie/es.
Du lernst Vokabeln. Stamm lern + Endung -st für du.
Sie liest ein spannendes Buch. lesen ist stark: e wird zu ie, dazu die Endung -t.
Du arbeitest viel. Der Stamm endet auf -t, deshalb wird ein e eingeschoben: arbeit-e-st.
Ihr seid müde und habt Hunger. sein und haben sind unregelmäßig, ihr-Form: seid, habt.
Karteikarten zum Präsens
Sechs Karteikarten zu den wichtigsten Regeln des Präsens, von der Bildung über den Vokalwechsel bis zu sein und haben, ideal zur schnellen Wiederholung. Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen, und navigiere mit den Pfeilen durch das Set.
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Präsens, das Wichtigste
Das Präsens ist die Zeitform der Gegenwart und die häufigste im Deutschen. Regelmäßige Verben bilden es aus Stamm plus Endung (-e, -st, -t, -en, -t, -en), starke Verben ändern in du und er/sie/es den Vokal. sein, haben und werden sind unregelmäßig. Verwendet wird es für Gegenwart, Fakten und Zukünftiges.
- Definition: Präsens = Gegenwartsform des Verbs.
- Bildung: Verbstamm + Personalendung (frag + t = er fragt).
- Endungen: ich -e, du -st, er -t, wir -en, ihr -t, sie -en.
- Stark: Vokalwechsel bei du/er (geben → gibt, lesen → liest, fahren → fährt).
- Sonderfälle: du arbeitest (-t/-d), du reist (-s/-ß/-z).
- Verwendung: Gegenwart, Allgemeingültiges, futurisch, historisch, szenisch.
Häufige Fragen zum Präsens
Das Präsens bildest du aus dem Verbstamm und einer Personalendung. Du streichst beim Infinitiv das -en (fragen zu frag) und hängst -e, -st, -t, -en, -t oder -en an: ich frage, du fragst, er fragt. Starke Verben ändern zusätzlich in der 2. und 3. Person Singular ihren Stammvokal.
Das Präsens ist die Zeitform der Gegenwart, also die Grundform des Verbs im Jetzt. Es beschreibt, was gerade geschieht, was allgemein gilt und oft auch Zukünftiges. Es ist die häufigste Zeitform der deutschen Sprache.
Die Personalendungen im Präsens sind: ich -e, du -st, er/sie/es -t, wir -en, ihr -t, sie/Sie -en. Endet der Stamm auf -t oder -d, wird ein e eingeschoben (du arbeitest, er arbeitet).
Starke Verben ändern in der 2. und 3. Person Singular ihren Stammvokal. Es gibt drei Muster: e wird zu i (geben zu du gibst, er gibt), e wird zu ie (lesen zu du liest, er liest) und a wird zu ä (fahren zu du fährst, er fährt).
sein wird zu ich bin, du bist, er ist, wir sind, ihr seid, sie sind. haben wird zu ich habe, du hast, er hat, wir haben, ihr habt, sie haben. werden wird zu ich werde, du wirst, er wird, wir werden, ihr werdet, sie werden.
Man benutzt das Präsens für die aktuelle Gegenwart (ich lese gerade), für allgemeingültige Aussagen und Fakten (Wasser kocht bei 100 Grad), für Zukünftiges (morgen fahre ich weg) und im historischen sowie szenischen Präsens, um Vergangenes lebendig zu erzählen.
Typische Signalwörter des Präsens sind jetzt, gerade, heute, immer, oft, manchmal, normalerweise und jeden Tag. Sie sind aber nur ein Hinweis, denn das Präsens kann auch ohne solche Wörter und sogar für Zukünftiges stehen.
Quellen
Die grammatischen Angaben stützen sich auf sprachwissenschaftliche Standardquellen:
- Duden, Stichwort Präsens (Bedeutung, Definition, Herkunft). duden.de
- grammis, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache: Das Präsens. grammis.ids-mannheim.de
- Präsens. Wikipedia. de.wikipedia.org