Was ist das Plusquamperfekt?
Das Plusquamperfekt (Vorvergangenheit) ist die Zeitform für ein Ereignis, das vor einem anderen Ereignis der Vergangenheit liegt. Du bildest es aus dem Präteritum von haben oder sein (hatte, war) und dem Partizip II: ich hatte gelernt, ich war gegangen. Es heißt auch vollendete oder dritte Vergangenheit.
Wenn du sagst Nachdem er gegessen hatte, ging er nach draußen, benutzt du im ersten Satzteil das Plusquamperfekt. Es zeigt, dass das Essen schon abgeschlossen war, bevor das nächste Ereignis begann. Das Plusquamperfekt ordnet ein Geschehen also nicht einfach der Vergangenheit zu, sondern der Zeit vor einer anderen Vergangenheit.
Genau deshalb heißt das Plusquamperfekt auch Vorvergangenheit oder vollendete Vergangenheit. In der umgangssprachlichen Ordnung der Vergangenheitsformen ist es die dritte Vergangenheit, nach dem Präteritum (erste Vergangenheit) und dem Perfekt (zweite Vergangenheit). Der lateinische Name plusquamperfectum bedeutet wörtlich „mehr als vollendet“.
Sprachlich drückt das Plusquamperfekt Vorzeitigkeit aus: Die Betrachtzeit liegt vor einem Referenzpunkt, der selbst schon in der Vergangenheit liegt. Damit verhält sich das Plusquamperfekt zum Präteritum ähnlich wie das Perfekt zum Präsens. Es ist im Deutschen die am seltensten gebrauchte Vergangenheitsform, in Erzählungen und Berichten aber unverzichtbar, sobald du Ereignisse in eine klare Reihenfolge bringen willst.
So bildest du das Plusquamperfekt
Das Plusquamperfekt bildest du mit zwei Bausteinen: dem Hilfsverb haben oder sein im Präteritum (also hatte oder war) und dem Partizip II des Vollverbs. Das Hilfsverb steht an zweiter Satzstelle, das Partizip II rutscht ans Satzende: Sie hatte den Brief geschrieben.
Für das Plusquamperfekt brauchst du immer zwei Teile. Zuerst nimmst du eines der Hilfsverben haben oder sein und setzt es ins Präteritum. Aus haben wird dann hatte, aus sein wird war. Dieses Hilfsverb steht im Hauptsatz an der zweiten Stelle, direkt nach dem Subjekt.
Der zweite Teil ist das Partizip II des Vollverbs, also genau die Form, die du auch vom Perfekt kennst: gelernt, gemacht, gegangen, gefahren. Das Partizip II wandert ans Ende des Satzes. So entsteht die typische Satzklammer aus Hilfsverb und Partizip:
Der einzige Unterschied zum Perfekt liegt im Hilfsverb: Beim Perfekt steht es im Präsens (ich habe gelernt, ich bin gegangen), beim Plusquamperfekt im Präteritum (ich hatte gelernt, ich war gegangen). Das Partizip II bleibt in beiden Fällen gleich. Merke dir deshalb: Plusquamperfekt ist Perfekt, bei dem das Hilfsverb einen Schritt weiter in die Vergangenheit rückt.
Hilfsverb haben oder sein?
Ob du haben oder sein nimmst, hängt vom Vollverb ab: sein steht bei Verben der Bewegung mit Ortswechsel (gehen, fahren, reisen) und bei Zustandsänderungen (einschlafen, aufwachen). Alle übrigen Verben, besonders die mit Akkusativobjekt, bilden das Plusquamperfekt mit haben (hatte gekauft, hatte gegessen).
Welches Hilfsverb du brauchst, entscheidet das Vollverb, genau wie beim Perfekt. Wenn du das Perfekt eines Verbs schon kennst, kennst du auch das Hilfsverb fürs Plusquamperfekt: Es ist dasselbe, nur eben im Präteritum. Aus ich bin gegangen wird ich war gegangen, aus ich habe gelernt wird ich hatte gelernt.
| Hilfsverb | Wann? | Beispiele im Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| sein → war | Bewegung mit Ortswechsel | gehen → war gegangen, fahren → war gefahren, reisen → war gereist |
| sein → war | Zustandsänderung | einschlafen → war eingeschlafen, aufwachen → war aufgewacht, wachsen → war gewachsen |
| sein → war | die Verben sein, bleiben, werden | sein → war gewesen, bleiben → war geblieben, werden → war geworden |
| haben → hatte | alle übrigen Verben (oft mit Akkusativobjekt) | lernen → hatte gelernt, essen → hatte gegessen, sehen → hatte gesehen |
Frag dich: Bewege ich mich von einem Ort zum anderen oder ändere ich meinen Zustand? Dann nimm sein (war). In allen anderen Fällen, vor allem wenn eine Frage mit „wen oder was?“ ein Objekt liefert, steht haben (hatte).
Das Plusquamperfekt durchkonjugieren
In der Konjugation verändert sich nur das Hilfsverb, das Partizip II bleibt gleich. Mit haben: ich hatte gelernt, du hattest gelernt, er hatte gelernt. Mit sein: ich war gegangen, du warst gegangen, wir waren gegangen. So durchläufst du jede Person sicher.
Weil das Partizip II unverändert bleibt, musst du im Grunde nur die Präteritumformen von haben und sein beherrschen. Hier zuerst ein Verb mit haben (lernen) in allen sechs Personen:
| Person | lernen (mit haben) |
|---|---|
| ich | ich hatte gelernt |
| du | du hattest gelernt |
| er/sie/es | er hatte gelernt |
| wir | wir hatten gelernt |
| ihr | ihr hattet gelernt |
| sie/Sie | sie hatten gelernt |
Und hier ein Verb mit sein (gehen). Das Partizip II lautet gegangen, das Hilfsverb ist war:
| Person | gehen (mit sein) |
|---|---|
| ich | ich war gegangen |
| du | du warst gegangen |
| er/sie/es | er war gegangen |
| wir | wir waren gegangen |
| ihr | ihr wart gegangen |
| sie/Sie | sie waren gegangen |
Beide Tabellen bauen auf denselben Präteritumformen der Hilfsverben auf. Diese solltest du auswendig sicher können, denn sie sind der einzige veränderliche Teil des Plusquamperfekts:
| Person | haben → hatte | sein → war |
|---|---|---|
| ich | hatte | war |
| du | hattest | warst |
| er/sie/es | hatte | war |
| wir | hatten | waren |
| ihr | hattet | wart |
| sie/Sie | hatten | waren |
Achte auf die Feinheiten: Bei sein heißt es ihr wart (ohne e), bei haben dagegen ihr hattet mit doppeltem t. Solche kleinen Unterschiede werden in Klassenarbeiten gern abgefragt.
Verwendung: Vorzeitigkeit und nachdem-Sätze
Du verwendest das Plusquamperfekt, um Vorzeitigkeit auszudrücken: Ein Geschehen liegt zeitlich vor einem anderen Vergangenheitsereignis. Das spätere Ereignis steht meist im Präteritum. Besonders häufig geschieht das in nachdem-Sätzen: Nachdem sie gegessen hatte, ging sie spazieren. So bringst du klare Reihenfolge in eine Erzählung.
Das Plusquamperfekt steht fast nie allein. Fast immer gibt es ein zweites, späteres Ereignis, das im Präteritum steht. Das Plusquamperfekt markiert dann, was schon vorher passiert war. So entsteht eine saubere Zeitfolge, die deine Leser sofort verstehen: erst das Frühere (Plusquamperfekt), dann das Spätere (Präteritum).
Am deutlichsten wird das im Satzgefüge mit nachdem. Im nachdem-Satz steht typischerweise das Plusquamperfekt, im Hauptsatz das Präteritum: Nachdem der Zug abgefahren war, bemerkte sie ihren Fehler. Aber auch ohne nachdem funktioniert die Vorzeitigkeit: Ich hatte den Schlüssel vergessen, deshalb kam ich nicht ins Haus.
Signalwörter des Plusquamperfekts
Bestimmte Wörter tauchen oft zusammen mit dem Plusquamperfekt auf und weisen auf die Vorzeitigkeit hin:
- nachdem – Nachdem wir gepackt hatten, fuhren wir los.
- bevor – Bevor der Film begann, hatten wir schon Popcorn geholt.
- schon, bereits – Als ich ankam, war der Bus schon abgefahren.
- zuvor, davor – Sie kannte den Weg, denn sie war zuvor dort gewesen.
Das Plusquamperfekt tritt meist im Team mit dem Präteritum auf: Das früher Geschehene steht im Plusquamperfekt, das später Geschehene im Präteritum. Prüfe darum immer, welches der beiden Ereignisse zuerst passiert ist, und setze genau dieses ins Plusquamperfekt.
Plusquamperfekt, Perfekt oder Präteritum?
Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt beschreiben alle Vergangenes, aber gestaffelt: Das Präteritum und das Perfekt zeigen ein vergangenes Geschehen, das Plusquamperfekt liegt noch davor. Merke: Das Plusquamperfekt verhält sich zum Präteritum so wie das Perfekt zum Präsens, es ist die Vorstufe.
Alle drei Zeitformen spielen in der Vergangenheit. Der Unterschied liegt in der zeitlichen Staffelung und im Aufbau. Präteritum und Perfekt bezeichnen ein einzelnes vergangenes Ereignis, das Plusquamperfekt ordnet ein Ereignis davor ein. Die folgende Tabelle stellt die drei Formen direkt gegenüber:
| Merkmal | Präteritum | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|---|
| Bildung | eine Verbform (lernte) | Präsens von haben/sein + Partizip II (hat gelernt) | Präteritum von haben/sein + Partizip II (hatte gelernt) |
| Zeitliche Lage | Vergangenheit | Vergangenheit mit Gegenwartsbezug | vor einer anderen Vergangenheit |
| Beispiel | Er lernte für die Arbeit. | Er hat für die Arbeit gelernt. | Er hatte für die Arbeit gelernt, bevor er schlief. |
| Typisch in | Erzählungen und Texten | gesprochener Sprache | Vorzeitigkeit, nachdem-Sätzen |
Frag nach der Reihenfolge: Passierte etwas vor einem anderen Vergangenheitsereignis? Dann Plusquamperfekt (hatte/war + Partizip II). Steht nur ein einzelnes vergangenes Ereignis da, reichen Präteritum oder Perfekt.
Kurze Übung zum Plusquamperfekt
Mit einer kurzen Übung festigst du das Plusquamperfekt am besten. Setze die eingeklammerten Verben in die richtige Form aus hatte oder war plus Partizip II und prüfe danach deine Lösung. Achte besonders auf die Wahl des Hilfsverbs und auf die Reihenfolge der beiden Ereignisse.
Klicke bei jeder Aufgabe auf Lösung, um die richtige Form und eine kurze Begründung zu sehen.
Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir spazieren. Hilfsverb haben, weil essen kein Ortswechsel ist; der Hauptsatz steht im Präteritum.
Er war müde, weil er zu wenig geschlafen hatte. Hilfsverb haben: Das Schlafen liegt zeitlich vor der Müdigkeit.
Als sie ankam, war der Bus schon abgefahren. Hilfsverb sein, weil abfahren eine Bewegung mit Ortswechsel ist; das Signalwort schon zeigt die Vorzeitigkeit.
Typische Fehler beim Plusquamperfekt
Die häufigsten Fehler beim Plusquamperfekt: das Hilfsverb im Präsens statt im Präteritum zu benutzen (falsch: ich habe gelernt statt ich hatte gelernt), das falsche Hilfsverb zu wählen (ich hatte gegangen) oder das Partizip II falsch zu bilden. Alle drei kosten in der Deutscharbeit Punkte.
Für das Plusquamperfekt muss das Hilfsverb im Präteritum stehen. Richtig ist ich hatte gelernt und ich war gegangen, nicht ich habe gelernt oder ich bin gegangen. Mit dem Präsens-Hilfsverb bildest du nur das Perfekt.
Bewegungsverben und Zustandsänderungen verlangen sein. Richtig ist ich war gegangen und ich war eingeschlafen, nicht ich hatte gegangen. Umgekehrt heißt es ich hatte gegessen, nicht ich war gegessen.
Das Vollverb steht als Partizip II am Satzende, nicht als Infinitiv. Richtig ist Sie hatte den Brief geschrieben, nicht Sie hatte den Brief schreiben. Denk an das Präfix ge-: gelernt, gemacht, gegangen.
Karteikarten zum Plusquamperfekt
Sechs Karteikarten zum Plusquamperfekt, von der Bildung mit hatte und war bis zur Abgrenzung vom Perfekt, ideal zur schnellen Wiederholung. Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen, navigiere mit den Pfeilen durch das Set und präge dir so die Regeln Schritt für Schritt ein.
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Plusquamperfekt, das Wichtigste
Das Plusquamperfekt ist die Vorvergangenheit. Du bildest es aus dem Präteritum von haben oder sein (hatte, war) und dem Partizip II. Es drückt Vorzeitigkeit aus, steht oft in nachdem-Sätzen neben dem Präteritum und ist die dritte der Vergangenheitsformen nach Präteritum und Perfekt.
- Bildung: Präteritum von haben/sein + Partizip II (ich hatte gelernt, ich war gegangen).
- Hilfsverb: sein bei Bewegung und Zustandsänderung, sonst haben.
- Nur das Hilfsverb wird konjugiert, das Partizip II bleibt gleich.
- Funktion: Vorzeitigkeit, ein Ereignis vor einem anderen in der Vergangenheit.
- Signalwörter: nachdem, bevor, schon, bereits, zuvor.
- Bezeichnungen: Plusquamperfekt = Vorvergangenheit = dritte Vergangenheit.
Häufige Fragen zum Plusquamperfekt
Das Plusquamperfekt bildest du aus dem Präteritum eines Hilfsverbs (haben oder sein, also hatte oder war) und dem Partizip II des Vollverbs. Beispiele sind ich hatte gelernt und ich war gegangen. Das Hilfsverb steht an zweiter Satzstelle, das Partizip II am Satzende.
Du benutzt das Plusquamperfekt, um Vorzeitigkeit auszudrücken, also für ein Ereignis, das vor einem anderen Ereignis in der Vergangenheit liegt. Das spätere Ereignis steht meist im Präteritum. Besonders häufig steht das Plusquamperfekt in nachdem-Sätzen: Nachdem sie gegessen hatte, ging sie spazieren.
Beide bestehen aus einem Hilfsverb und dem Partizip II. Beim Perfekt steht das Hilfsverb im Präsens (ich habe gelernt, ich bin gegangen), beim Plusquamperfekt im Präteritum (ich hatte gelernt, ich war gegangen). Das Plusquamperfekt liegt zeitlich noch vor dem Perfekt oder Präteritum.
sein steht bei Verben der Bewegung mit Ortswechsel (gehen, fahren, reisen) und bei Zustandsänderungen (einschlafen, aufwachen) sowie bei sein, bleiben und werden: ich war gegangen. Alle übrigen Verben, besonders solche mit Akkusativobjekt, bilden das Plusquamperfekt mit haben: ich hatte gekauft.
Typische Signalwörter sind nachdem, bevor, schon, bereits, zuvor und davor. Sie deuten an, dass ein Geschehen vor einem anderen Vergangenheitsereignis liegt. Ein sicheres Erkennungsmerkmal sind sie aber nicht, entscheidend ist die zeitliche Reihenfolge der Ereignisse.
Ja. In der umgangssprachlichen Ordnung ist das Plusquamperfekt die dritte Vergangenheit, nach dem Präteritum (erste Vergangenheit) und dem Perfekt (zweite Vergangenheit). Es heißt auch Vorvergangenheit oder vollendete Vergangenheit.
gehen ist ein Verb der Bewegung, daher steht das Hilfsverb sein im Präteritum (war) plus dem Partizip II gegangen: ich war gegangen, du warst gegangen, er war gegangen, wir waren gegangen, ihr wart gegangen, sie waren gegangen.
Quellen
Die grammatischen Angaben stützen sich auf sprachwissenschaftliche Standardquellen:
- Plusquamperfekt. Wikipedia. de.wikipedia.org
- Plusquamperfekt. Duden, Wörterbuch. duden.de
- grammis, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache: Plusquamperfekt. grammis.ids-mannheim.de