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Formenlehre

Lateinische Formenlehre und Syntax (Satzlehre) bilden neben den Wortarten das grammatische Grundgerüst. Bei der Formenlehre geht es um die Wortbildung und die Flexion (Beugung) der Wörter.

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Lateinische Formenlehre und Syntax (Satzlehre) bilden neben den Wortarten das grammatische Grundgerüst. Bei der Formenlehre geht es um die Wortbildung und die Flexion (Beugung) der Wörter.

Mehr zur Satzlehre Latein und den Wortarten findest Du in den gleichnamigen Lernsets und Erklärungen!

Formenlehre – Latein

Die "Formenlehre" umfasst die Wortbildung und die Flexion der Wörter. Um zu verstehen, wie lateinische Wörter gebildet werden, erfährst Du zunächst etwas über die Bildung der Wörter, bevor es an die Flexion geht.

Die Bildung lateinischer Wörter

Viele Wörter in der lateinischen Sprache haben eine Wurzel, mit der sie durch Vor- und Nachsilben (Präfixe und Suffixe) in verschiedenen Wortarten auftreten können. Dabei ist es unterschiedlich, ob die Wurzel aus einem Verb oder Substantiv stammt. Neue Wörter sind neben der Ableitung aus anderen Wörtern auch durch Wortzusammensetzung entstanden.

Die Wortbildung ist in Latein im Grunde ähnlich wie im Deutschen.

Die Wurzel eines Wortes ist zwar oft auch der Stamm, aber beides ist nicht gleichzusetzen. Zur Wortwurzel wird oft noch ein Bindevokal ergänzt, ein Konsonant ausgetauscht oder ein Präfix hinzugefügt, wodurch sich erst der Stamm ergibt. Wie beim Baum kann es keinen Stamm ohne eine Wurzel geben. Außerdem gilt die Wurzel als nicht zerlegbar und Wortarten-unabhängig.

intellegere:

Wurzel: leg

Stamm: intelleg

Die Ableitung aus Verben

Zunächst folgt ein Beispiel für Ableitung von Substantiven und Adjektiven aus Verben. Vielleicht ergibt sich die Erklärung sogar schon aus der deutschen Übersetzung:

facere, facio, feci, factum (machen)

facilis (leicht zu tun/"machbar")

factum, facti n. (Tat)

factor, factoris, m. (Erschaffer, "Macher")facultas, facultatis f. (Fähigkeit/Möglichkeit)

Die Wurzel ist in diesem Beispiel fac und taucht als Supinstamm auf. Das ist eine Verbform der Vergangenheit, die ausdrückt, dass dem Ereignis (der Tat) oder der Person (dem Erschaffer) eine bestimmte Handlung vorausgegangen ist. Diese Handlung ist das Machen (facere), ohne das es keine Tat oder einen Macher gibt. In diesem Fall ist das Supin factum sogar identisch mit dem Nominativ factum.

Der Supinstamm ist ein anderes Wort für die Stämme der Partizipformen, die nicht mit dem Präsensstamm gebildet werden, und steht bei den Vokabeln im Wörterbuch an vierter Stelle der Verben.

Bei der Wortbildung der Substantive gibt es ein paar Suffixe, an denen Du erkennen kannst, um welche Art Bedeutung es sich handelt. Hierzu gehört das Suffix -(i)tas wie im Beispiel facultas "Fähigkeit": Substantive, die auf die Suffixe -(i)tas, -ia und -itia enden, beschreiben Eigenschaften und nicht greifbare Wörter, wie bei facultas oder auch elegantia, "Anstand", und audacia, "Kühnheit".

Leitet sich ein Substantiv vom Supinstamm eines Verbs ab, beschreibt das Substantiv mit der Endung -or eine handelnde Person, hier den "Macher" (factor). Bei Adjektiven gibt es ähnliche Suffixe. Zum Beispiel wird -(b)ilis an den Präsensstamm gehängt und weist auf eine Möglichkeit hin, wie bei facilis, das als "machbar" übersetzt werden kann.

Tipp: Das Suffix -bilis steckt sogar im englischen Wort possibility "Möglichkeit". Aus diesem Suffix hat sich auch das Suffix -ble im Englischen entwickelt z.B. bei able oder invisible.

Auch Verben können sich aus anderen Verben ableiten. Wird z. B. -are an den Supinstamm gehängt, kann dadurch die Bekräftigung einer Handlung ausgedrückt werden:

pellere, pello, pepuli, pulsum (schlagen)

pulsare, pulso, pulsavi, pulsatum (wiederholt/heftig schlagen)

Es muss hierbei allerdings nicht zwingend der Supinstamm sein. Im folgenden Beispiel leitet sich das neue Verb vom Präsensstamm ab:

agere, ago, egi, actum (betreiben) agitare, agito, agitavi, agitatum (eifrig betreiben)

Die Ableitung aus Substantiven

Ähnlich wie bei der Ableitung aus anderen Verben leiten sich manche Verben von Substantiven ab. Hängt man -are an die Wurzel eines Substantivs, erhält man manchmal ein passendes Verb:

nex, necis f.(Mord/Tod)

necare, neco, necavi, necatum(ermorden/töten)

Die Ableitung aus bestehenden Wurzeln und Stämmen lateinischer Wörter wird auch "Derivation" genannt.

Die Komposita (Wortzusammensetzungen)

Besonders mit dem Verb ire (gehen) werden Dir einige Komposita in Latein begegnen. Komposita können in vielen verschiedenen Formen auftauchen, zum Beispiel als Substantiv mit Präposition oder Verb mit Adverb oder zwei Substantiven:

interire "dazwischengehen" aus inter "zwischen" und ire "gehen"

aquaeductus "Aquädukt/Wasserleitung" aus aqua "Wasser" und ductus "Leitung"

lucifer "lichtbringend" aus lux "Licht" und ferre "bringen"

malevolens "übel wollend" aus malus "böse" und volens "willig"

Mit der lateinischen Wortbildung kannst Du Dir auch Fremdwörter und Wörter aus anderen Fremdsprachen herleiten. Zum Beispiel sind die Wörter malevolence "Boswilligkeit" aus dem Englischen und Aquädukt im Deutschen fast direkt aus Latein übernommen worden.

Die lateinische Flexion

Latein ist wie Deutsch eine flektierende Sprache. Das bedeutet, dass Wörter verändert werden, damit ihre Funktion im Satz bestimmt werden kann. Flektierend kommt vom lateinischen Wort flexio, das "Biegung, Beugung" bedeutet. Von diesem Wort kommt auch das Wort "flexibel".

Substantive, Pronomen, Adjektive und Verben können durch die Flexion also flexibel im Satz eingesetzt werden.Die Flexion bei Substantiven, Pronomen, Zahlwörtern und Adjektiven wird "Deklination" genannt, bei den Verben wird die Flexion "Konjugation" genannt.

Wie würde ein Satz ohne Flexion im Deutschen aussehen?

Unflektiert: Anna grün Rucksack sein voll, nachdem sie in Einkaufszentrum einkaufen.

Flektiert: Annas grüner Rucksack war voll, nachdem sie im Einkaufszentrum eingekauft hat.

Beim unflektierten Satz stehen die Wörter nur in den Grundformen und der Inhalt ist schwer zu entschlüsseln. So ähnlich wäre es auch in der lateinischen Sprache. Um also Texte zu übersetzen, wird das Wissen über die Flexion benötigt. Zu wissen, worauf Du achten musst und wie sich die Wörter zusammensetzen, kann für die Übersetzung lateinischer Texte sehr hilfreich sein.

Formenlehre – die Dimensionen der Deklination: Flexion der Substantive, Pronomen und Adjektive

In Latein gibt es mehrere Deklinationsklassen. Es handelt sich um a-, o-, 3. (konsonantische, gemischte und i-Deklination), e-, und u-Deklination. Jede dieser Deklinationen hat ihre eigenen Endungen.

Mehr zu den einzelnen Deklinationen und ihren Endungen kannst Du Dir im Lernset zur Deklination lateinischer Substantive anschauen!

Unabhängig der Deklinationsklassen und ihrer Endungen gibt es bei der Deklination drei Dimensionen, nach denen dekliniert wird. Es handelt sich hierbei um Kasus, Numerus und Genus.

Falls Du über das Wort "Dimensionen" stolperst: Sie könnten auch einfach Kategorien heißen. Da ihnen aber andere Kategorien untergeordnet sind, wird zur besseren Unterscheidung der Begriff "Dimension" verwendet.

Der Kasus

Vielleicht weißt Du durch englischsprachige Krimis oder Videospiele, dass "Kriminalfall" auf Englisch case heißt. Case kommt vom lateinischen Wort casus, was "Fall" bedeutet. Leicht verändert, mit einem großen "K" vorn, wird der Kasus in der Grammatik als Überbegriff für die fünf Fälle, in dem ein Substantiv stehen kann, verwendet. Die Kategorien des Kasus, Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ, können Dir aus dem Deutschunterricht bekannt sein. Im Satz wird mit dem Nominativ das Subjekt gebildet, das angibt, wer oder was etwas macht. Der Genitiv taucht meist als Attribut eines anderen Substantivs auf und gibt eine*n Besitzer*in an. Der Dativ gibt an, wem etwas gegeben oder getan wird, der Akkusativ antwortet auf die Frage "Wen oder was?".

In Latein kommt hier noch der Ablativ hinzu, der viele unterschiedliche Funktionen einnimmt. Er antwortet zum Beispiel auf die Fragen "wann, wovon, woher, wodurch oder womit".

Mehr zum Kasus und den Fällen findest Du in den Erklärungen "Kasus", Kasusfunktionen und in den Erklärungen der einzelnen Fälle.

Der Numerus

Auch die Anzahl der bezeichneten Personen oder Gegenstände kann durch Ihre Endungen bestimmt werden. Das lateinische Wort numerus bedeutet übersetzt "Anzahl, Zahl, Nummer". Lateinische Wörter können in den Kategorien Singular, der Einzahl, und im Plural, der Mehrzahl stehen. Manche Wörter bilden Ausnahmen und können nur in einem der Numeri stehen.

Akkusativ von amica, amicae (f.) "Freundin"Singular: amic-amPlural: amic-īs

Man kann den Numerus auch zur Konjugation dazunehmen, da die Persona auch in Singular und Plural unterteilt sind. Weitere Informationen zum Numerus Latein findest Du in der gleichnamigen Erklärung!

Das Genus

Mit dem Genus (Plural: Genera) wird das grammatische Geschlecht angegeben. Wie im Deutschen gibt es in Latein die Kategorien Maskulinum (männlich), Femininum (weiblich), und Neutrum (sächlich). Jedem Substantiv ist das Genus fest zugeordnet und oft an der Deklinationsklasse zu erkennen. Das Genus bei lateinischen Wörtern unterscheidet sich oft vom Genus der deutschen Substantive.

Im Deutschen zeigen Artikel (der, die, das) das Genus an. In Latein ist das Genus durch die Endungen der Substantive in der a-, o-, und u-Deklination zu erkennen, wobei es aber auch Ausnahmen gibt. In der 3. Deklination gibt es eine solche Regel nicht. Lerne daher das Genus beim Vokabellernen am besten mit.

  • Substantive, die auf -a enden, haben meist ein feminines Genus.
  • Substantive, die auf -us, oder -er enden, haben größtenteils ein maskulines Genus.
  • Substantive, die auf -um oder u- enden, haben überwiegend ein neutrales Genus.

Im Satz übernehmen Adjektive und Pronomen das grammatische Geschlecht des Substantivs, das sie näher beschreiben oder auf das sie sich beziehen:

Genitiv Plural von amica, amicae (f.) "Freundin" und bonus, a, um "gut":

amicarum bonarum (der guten Freundinnen)

Neben dem Genus übernehmen Adjektive auch Kasus und Numerus. Die Übereinstimmung mit den Dimensionen wird KNG-Kongruenz genannt.

In Latein gibt es für Verben auch ein Genus. Es wird Genus Verbi genannt. Mit diesem Genus ist aber etwas anderes gemeint, es geht um die Handlungsart, die entweder aktiv oder passiv sein kann.

Mehr dazu findest Du in der Erklärung "Genus Latein"!

Formenlehre – die Dimensionen der Konjugation: Flexion der Verben

Bei der Konjugation der Verben gibt es auch drei Dimensionen, nach denen Verben konjugiert werden. Wie auch in der deutschen Grammatik sind die Dimensionen der Konjugation die (grammatische) Person, Modus und Tempus.

Die Person

Im Deutschen ist es so, dass die grammatische Person eines Verbs im Satzzusammenhang durch das zugehörige Subjekt festgelegt wird. Im Lateinischen findet sich der Hinweis auf die grammatische Person in der Personalendung des Verbs.

Insgesamt gibt es wie im Deutschen sechs Persona, jeweils drei für Singular und Plural:

  1. Person: ich/wir
  2. Person: du/ihr
  3. Person er/sie/es/sie.

Die Personalendungen von Verben unterscheiden sich im Lateinischen, sowohl beim Genus Verbi (aktiv und passiv) als auch beim Tempus (Zeitform) und Modus (Aussageweise).

In der Tabelle siehst Du die Persona des Verbs videre (sehen) im Indikativ Präsens Aktiv:

PersonLateinische FormÜbersetzung
1. Person Singularvideoich sehe
2. Person Singularvidesdu siehst
3. Person Singularvideter/sie/es sieht
1. Person Pluralvidemuswir sehen
2. Person Pluralvidetisihr seht
3. Person Pluralvidentsie sehen

Die weiteren Personalendungen zum Beispiel für den Konjunktiv oder das Perfekt kannst Du Dir in den Erklärungen "Personalendungen Latein" und bei den verschiedenen Konjugationen anschauen.

Der Modus

Das lateinische Substantiv modus bedeutet auf Deutsch "Maß/Art/Weise". Mit dem Modus ist die Aussageweise von Verben gemeint. Hierzu zählen wie im Deutschen Indikativ (Wirklichkeitsform), Konjunktiv (Möglichkeitsform) und Imperativ (Befehlsform).

Im Beispiel siehst Du die Modi des Verbs videre im Präsens aktiv:

Indikativ: videt (sie sieht)

Konjunktiv: videat (sie sehe)

Imperativ: vide (sieh!)

Mehr zum Modus findest Du in der Erklärung "Modus Latein Verben".

Das Tempus

Das Tempus gibt die Zeitformen der Verben an. Die Tempora in der lateinischen Sprache sind Präsens (Gegenwart), Imperfekt (1. Vergangenheit), Perfekt (2. Vergangenheit), Plusquamperfekt (3. Vergangenheit), Futur I (1. Zukunft), Futur II (2. Zukunft).

In der folgenden Tabelle kannst Du Dir die Temporaformen der 3. Person Singular von videre (sehen) im Indikativ Aktiv anschauen:

TemporaLateinisches WortÜbersetzung
Präsensvideter sieht
Imperfektvidebatsie sah
Perfektviditer sah/hat gesehen
Plusquamperfektvideratsie hatte gesehen
Futur Ividebiter wird sehen
Futur IIvideritsie wird gesehen haben

Weitere Informationen zum Tempus findest Du in der Erklärung "Tempus Latein".

Formenlehre – Das Wichtigste

  • Die Formenlehre der lateinischen Grammatik umfasst die Wortbildung und die Flexion (Beugung) der Wörter.
  • In Latein können (neue) Wörter wie im Deutschen durch Ableitung (Derivation) anderer Wörter und Zusammensetzung (Komposita) mit anderen Wörtern gebildet werden.
  • Du kannst anhand der Endungen der Wörter Informationen über ihre grammatischen Dimensionen ablesen.
  • Die Flexion der Substantive, Adjektive und Pronomen wird Deklination genannt. Dekliniert wird nach den drei Dimensionen: Kasus (Fall), Numerus (Anzahl), Genus (grammatisches Geschlecht).
  • Die Flexion der Verben ist die Konjugation. Die drei grammatischen Dimensionen der Konjugation sind Person, Modus (Aussageweise) und Tempus (Zeitform).

Häufig gestellte Fragen zum Thema Formenlehre

Die Formenlehre der lateinischen Grammatik umfasst die Wortbildung und die Flexion (Beugung) der Wörter. 

In Latein gibt es für alle grammatische Dimensionen (Kasus, Numerus, Genus, Person, Modus und Tempus) bestimmte Formen. Substantive, Pronomen, Adjektive, Zahlwörter werden dekliniert und Verben werden konjugiert.

Das Imperfekt wird mit dem Präsensstamm, der Silbe -ba (Indikativ) bzw. -re (Konjunktiv) und der Personalendung im Aktiv bzw. Passiv gebildet. 

Das Perfekt wird bei abgeschlossenen Handlungen mit dem Präteritum übersetzt. Wenn die Handlung noch Auswirkungen auf die Gegenwart hat, übersetzt Du es als deutsches Perfekt. 

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