Select your language

Suggested languages for you:
Log In Anmelden
StudySmarter - Die all-in-one Lernapp.
4.8 • +11k Ratings
Mehr als 5 Millionen Downloads
Free

Die All-in-one Lernapp:

  • Karteikarten
  • NotizenNotes
  • ErklärungenExplanations
  • Lernpläne
  • Übungen
App nutzen

The Giver

Save Speichern
Print Drucken
Edit Bearbeiten
Melde dich an und nutze alle Funktionen. Jetzt anmelden
X
Illustration Du hast bereits eine Erklärung angesehen Melde dich kostenfrei an und greife auf diese und tausende Erklärungen zu
Englisch

Der im Jahr 1993 erschienene Roman "The Giver" ("Hüter der Erinnerung") wurde von Lois Lowry geschrieben. Er handelt von dem Leben des zwölfjährigen Protagonisten Jonas, der in einer dystopischen Gemeinschaft lebt. In dieser ist alles bis ins kleinste Detail streng einheitlich geregelt. Liebe und Farben, aber auch Krieg und Hunger gehören in der Gemeinschaft der Vergangenheit an.

Jonas bekommt die besondere Berufung des "Hüters der Erinnerungen" zugeteilt. Durch die telepathische Übertragung von Erinnerungen lernt er erstmals die Freuden und Schmerzen des Lebens kennen und wird seiner angeblich "perfekten" Gesellschaft gegenüber immer skeptischer. In der Hoffnung, seine neuen Erinnerungen an die Gemeinschaft zurückgeben zu können, flieht er schließlich in das unbekannte Elsewhere ("Anderswo").

Das Wort Dystopie stammt aus dem Griechischen, dys ("schlecht") und tópos ("Ort"), und ist das Gegenteil von Utopie. Während die Utopie eine futuristische, perfekt funktionierende Gesellschaft beschreibt, versteht man unter Dystopie eine düstere, negative Vision der Zukunft.

In "The Giver" weist die Gemeinschaft auf den ersten Blick zwar Elemente einer Utopie auf (es leben z. B. alle in Frieden), aber diese gehen auf Kosten von Freiheit und Erfahrungen, die das Leben lebenswert machen. Im Laufe des Romans wird zunehmend klar, dass die Gemeinschaft doch eher in eine Dystopie einzuordnen ist.

"The Giver" Charakterisierung & Personenkonstellation

Wie bereits erwähnt, ist Jonas der Protagonist dieses dystopischen Romans. Aber wer sind die anderen Figuren, wie zum Beispiel der ominöse "Giver", und welchen weiteren Charakteren begegnet Jonas während seiner Reise?

Jonas

  • Protagonist des Romans,
  • wird im Laufe des Romans zwölf Jahre alt,
  • intelligent, neugierig und einfühlsam,
  • wird der Beruf des Receiver of Memory ("Hüter der Erinnerung") zugeteilt,
  • wird von dem alten "Geber" bzw. The Giver ("Hüter der Erinnerung") ausgebildet,
  • bekommt von dem "Geber" Erinnerungen von den Zeiten vor der Sameness ("Gleichheit") übertragen.

The Giver

  • ein älterer Mann,
  • weise, aber erschöpft vom Leben,
  • ist der alte "Hüter der Erinnerung",
  • wird zum neuen "Geber" (The Giver), als Jonas der neue "Hüter der Erinnerung" wird,
  • verantwortlich für das ganze kollektive Wissen der Gemeinschaft,
  • leidet immens unter der Last aller Erinnerungen, die er allein bewahrt.

Jonas Vater

  • arbeitet als Nurturer (Säuglingspfleger),
  • hat eine Frau und zwei Kinder (Jonas und Lily),
  • ist fleißig und warmherzig,
  • hat eine gute Beziehung zu seinen Kindern,
  • zeigt in gewisser Weise auch Emotionen, die in den Zeiten der Sameness ("Gleichheit") nicht existieren sollten.

Gabriel

  • Säugling, den Jonas Vater abends von der Arbeit nach Hause mitnimmt,
  • wird als Sorgenkind angesehen,
  • ist noch nicht familientauglich und von einer release (Freigebung) bedroht,
  • entwickelt eine enge Beziehung zu Jonas, der ihn manchmal nachts mit schönen Erinnerungen beruhigt.

Rosemary

  • Tochter von dem "Geber",
  • sollte vor zehn Jahren neue "Hüterin der Erinnerungen" werden, aber ihre Ausbildung scheiterte,
  • beantragt aufgrund der Belastung der Erinnerungen ihre eigene "Freigebung"

2014 "The Giver" wurde 2014 verfilmt.

"The Giver" Inhaltsangabe

Im Folgenden findest du eine Zusammenfassung der wichtigsten Handlungsstränge von "The Giver" ("Hüter der Erinnerung").

Kapitel 1 bis 6

In den ersten Kapiteln des Romans werden vor allem die Lebensbedingungen in der Gemeinschaft und die wichtigsten Figuren vorgestellt.

Das Leben in der Gemeinschaft

Das Leben in "The Giver" mag auf den ersten Blick utopisch erscheinen. In dieser, vom Rest der Welt isolierten Gesellschaft, gibt es nämlich keinen Krieg, keine Schmerzen, keinen Rassismus, keine Angst und keinen Tod.

Um diesen Frieden zu gewährleisten, sind jedoch alle Aspekte des Lebens bis ins kleinste Detail streng geregelt und überwacht. Somit wurde eine Gemeinschaft der vollkommenen Gleichheit geschaffen. Menschen, die ein bestimmtes Alter erreichen, gegen die Regeln verstoßen oder bloß die Gemeinschaft verlassen möchten, werden released ("freigegeben") und in das unbekannte Elsewhere ("Anderswo") geschickt.

Insbesondere die mysteriöse release (Freigebung) spielt im weiteren Verlauf des Buches eine zentrale Rolle und führt zum Höhepunkt.

Jonas, seine Familie und Freunde

Während des Rituals des telling of the feelings ("das Erzählen von Gefühlen") beim Abendessen mit seiner Familie, erzählt der Protagonist Jonas, dass er wegen der anstehenden Ceremony of Twelve etwas nervös ist. Sobald ein Kind in der Gemeinschaft zwölf Jahre alt wird, wird ihm nämlich ein passender Beruf von dem Committee of Elders ("Komitee der Ältesten") zugeteilt.

Außerdem erzählt Jonas' Vater, der auf der Säuglingsstation als Pfleger arbeitet, von einem Baby. Es ist von einer "Freigebung" bedroht, weil es als schwächlich und nicht familientauglich angesehen wird. Er möchte das Baby retten und hat sogar regelwidrig nach seinem Namen geschaut – Gabriel heißt es. In den darauffolgenden Tagen und Wochen fängt Jonas' Vater an, den kleinen Gabriel abends mit nach Hause zu bringen.

Als Jonas eines Tages mit seinem besten Freund Asher spielt, sieht der Apfel, den sie hin und her werfen, plötzlich anders aus. Das ist ein erstes Anzeichen dafür, dass Jonas besondere Fähigkeiten hat und die Welt anders sieht als alle anderen in der Gemeinschaft, wie dir das folgende Zitat zeigt:

[The] apple had changed. Just for an instant. It had changed in mid-air, he remembered. Then it was in his hand, and he looked at it carefully, but it was the same apple. Unchanged.

Alle Zitate in dieser Erklärung stammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus Lois Lowrys "The Giver" (1993).

Kapitel 7 bis 16

Bei der Ceremony of Twelve bekommt Jonas eine besondere und ehrenvolle Berufung: Receiver of Memory (Hüter der Erinnerung). Seine Aufgabe besteht darin, die Erinnerungen der ganzen Gemeinschaft von dem alten "Hüter der Erinnerung" zu übernehmen, damit er die Ältesten bei außergewöhnlichen Entscheidungen beraten kann. Es könnte nämlich die Harmonie der Gesellschaft stören, wenn alle die Erinnerungen an die Zeiten vor der Sameness ("Gleichheit") hätten.

Unter Sameness versteht man die Einführung von strikten Vorgaben, die für die vollkommene Gleichheit aller Bewohner*innen sorgen. Beispielsweise dürfen alle Elternpaare genau zwei Kinder zugeteilt bekommen.

An seinem ersten Arbeitstag lernt Jonas den "Geber" kennen. Als erste Erinnerung überträgt The Giver Jonas telepathisch die Erfahrung einer Schlittenfahrt. Jonas ist zunächst begeistert von der Erinnerung, aber fragt nach dem Schmerz, den er auch noch nie erlebt hat. Als eine leichte Einführung gibt ihm der "Geber" die Empfindung eines Sonnenbrands ab.

Die Welt mit ganz anderen Augen sehen

Eines Tages trifft sich Jonas mit einer Freundin namens Fiona und merkt, dass ihre Haare ähnlich aussehen wie der Apfel, den er vor einiger Zeit mit Asher gespielt hat. Er erzählt das dem "Geber" und dieser meint, Jonas finge an, die Farbe Rot zu sehen. Um mehr Kontrolle und Gleichheit zu schaffen, wurden Farben in der Gemeinschaft nämlich abgeschafft – dies findet Jonas jedoch falsch.

Im weiteren Verlauf seiner Ausbildung wird Jonas noch skeptischer gegenüber seiner angeblich "perfekten" Gemeinschaft und nimmt The Giver immer mehr Erinnerungen ab: von einem Regenbogen in all seinen Farben und einer Geburtstagsfeier bis hin zu Hunger und Krieg.

Derweil kümmert sich Jonas' Vater um den kleinen Gabriel, der allerdings immer noch von einer "Freigebung" bedroht ist. Jonas entwickelt eine enge Beziehung zu dem Säugling und überträgt ihm oft schöne Erinnerungen, um ihn zu beruhigen.

Kapitel 17 bis 23

Die letzten Kapitel von "The Giver" enthalten sowohl den Höhepunkt der Handlung als auch das Ende, das allerdings mehr Fragen aufwirft als Antworten.

Die "Freigebung"

Eines Tages fragt Jonas bei der Arbeit The Giver nach der letzten "Hüterin der Erinnerung" Rosemary, deren Ausbildung vor zehn Jahren gescheitert ist. Er erfährt, dass sie sich unter der enormen Belastung der Erinnerungen freiwillig "freigeben" ließ. Später stellt sich heraus, dass Rosemary die Tochter von The Giver war.

Jonas fragt den "Geber" außerdem, was die "Freigebung" wirklich bedeutet, weil sein Vater ein Baby auf der Säuglingsstation "freigeben" musste. The Giver zeigt Jonas dann eine Aufnahme von der "Freigebung" des Säuglings. Geschockt und weinend schaut Jonas zu, wie sein Vater das hilflose Baby mit einer Giftspritze umbringt und die Leiche in den Müll wirft. Er findet heraus, dass die "Freigebung" für den Betroffenen der Tod bedeutet.

Die Flucht

Jonas und der "Geber" sind überzeugt, dass es Zeit für eine Veränderung in der Gemeinschaft ist. Sie schmieden daher einen Plan: Jonas soll in ein paar Wochen die Gemeinschaft verlassen. Als er an demselben Tag jedoch von seinem Vater hört, dass Gabriel "freigegeben" werden soll, holt er das Baby und flieht mit dem Fahrrad schon am selben Abend.

Tagelang sind Jonas und Gabriel unterwegs, auf der Suche nach Elsewhere (Anderswo). Nach einer Weile wird die Landschaft hügelig und es fängt an zu schneien. Jonas muss, mit dem Kind in seinen Armen, zu Fuß weitergehen. Er geht einen Hügel hoch und findet dort oben einen Schlitten, den er von seiner ersten Erinnerung von The Giver zu erkennen glaubt. Erschöpft und fast am Erfrieren, fährt Jonas mit dem Säugling den Hügel runter. In der Ferne sieht er Lichter und Häuser und hört zum ersten Mal in seinem Leben Musik.

Das Ende von "The Giver" ist mit Absicht offen. Ob Jonas und Gabriel in Elsewhere ankommen oder ob das alles nur eine Halluzination war und sie erfrieren, ist unklar.

"The Giver" Sprache

In dem Roman nutzt Lowry den sogenannten personalen Erzähler (third-person limited narrator). Das heißt, die Geschichte wird in der dritten Person erzählt, und zwar aus Jonas' Sicht.

Beispielsweise wird am Anfang nicht erzählt, dass alle in der Gemeinschaft keine Farben sehen können. Das merkst du erst, als Jonas anfängt, Farben sehen zu können. So bleibt die Geschichte auch spannender, da der/die Leser*in zusammen mit dem Protagonisten neue Entdeckungen macht.

Die Sprache ist hauptsächlich geprägt durch zahlreiche Neologismen, was für viele dystopische Romane kennzeichnend ist. Wortneuschöpfungen wie z. B. Receiver of Memory, Nurturer oder Ceremony of Twelve beschreiben Berufe und Konventionen in der Gemeinschaft, die im realen Leben nicht existieren und für den oder die Leser*in fremd sind. Andererseits haben gewöhnliche Dinge in der Geschichte andere Namen. Beispielsweise werden Kuscheltiere comfort objects genannt, was beim Lesen auch für Entfremdung sorgen kann.

Unter Neologismus versteht man eine sprachliche Neuprägung, also ein neu geschaffenes Wort (Neuwort) oder die Umdeutung eines bereits vorhandenen Worts (Neubedeutung). Wenn du mehr über Neologismen und andere Stilmittel erfahren möchtest, dann schau doch mal in den Artikel "Rhetorische Stilmittel" rein!

Außerdem wird das monotone, farblose Leben in der Gemeinschaft häufig mit lebhaften, farbigen Formulierungen kontrastiert. Vor allem die Erinnerungen, die Jonas von The Giver bekommt, werden in der Art beschrieben. Das Leben in der Gemeinschaft wird hingegen sachlich und neutral dargestellt:

[He] could see a bright, whirling torrent of crystals in the air around him, and he could see them gather on the backs of his hands, like cold fur.

In dieser Erinnerung erfährt Jonas zum ersten Mal von Schneefall, der wie ein heller, wirbelnder "Kristallstrom" beschrieben wird. So nutzt Lowry z. B. Adjektive wie bright und whirling sowie den Vergleich (simile) like cold fur, um Schnee aus einer völlig fremden und bewundernden Perspektive darzustellen.

"The Giver" Symbolik

In "The Giver" nutzt die Autorin Lois Lowry einige Symbole, die im Laufe des Geschehens immer wieder eine Rolle spielen, z. B. die Farbe Rot, die "Freigebung", das Baby Gabriel und den Schlitten. Im Folgenden werden zwei ganz wesentliche davon – Gabriel und der Schlitten – etwas genauer betrachtet und analysiert.

Das Baby Gabriel ist nicht nur eine zentrale Figur, sondern auch ein zentrales Symbol. In der Literatur werden Säuglinge häufig als Symbol der Hoffnung auf eine bessere Zukunft dargestellt. In "The Giver" ist Gabriel noch nicht in der Gemeinschaft sozialisiert worden und bekommt schon als Baby Erinnerungen von Jonas übertragen. Das heißt, es lässt sich vermuten, dass Gabriel mit den normalen menschlichen Gefühlen, die in der Gemeinschaft abgeschafft wurden, aufwachsen wird. Jonas' Flucht mit dem Baby am Ende des Romans symbolisiert somit die Hoffnung auf einen Neuanfang in Elswhere und auf eine Zukunft voller Farben, Freude und Erinnerungen.

Ein weiteres wichtiges Symbol in "The Giver" ist der Schlitten. Dieser taucht in Jonas' erster Erinnerung von dem "Geber" auf und symbolisiert Jonas Entdeckungsreise in dem Roman. Es ist auch kein Zufall, dass der Schlitten rot ist – wie der Apfel mit Asher, denn das ist die erste Farbe, die Jonas sehen kann. Somit beginnt Jonas, seine Welt mit ganz anderen Augen zu sehen und seine scheinbar "perfekte" Gemeinschaft kritisch zu betrachten. Am Ende des Buches findet er den Schlitten auf dem Hügel. Der Schlitten symbolisiert Jonas' Ankommen in einer Welt, in der Farben und Emotionen nicht nur in Erinnerungen existieren, sondern in der Realität.

"The Giver" Themen und Motive

In dem Roman behandelt die Autorin Lois Lowry viele relativ abstrakte und komplexe Themen und Motive, die für die universelle Erfahrung des menschlichen Lebens von großer Bedeutung sind. Die wichtigsten davon werden dir im Folgenden etwas einfacher erklärt und genauer analysiert.

Erinnerung

Ein zentrales Thema in "The Giver" ist das Erinnern. Die Gemeinschaft, in der Jonas lebt, sieht einerseits die pragmatische Funktion von Erinnerungen, nämlich die Speicherung des Wissens. Diese Verantwortung wird allein von dem Receiver of Memory übernommen. Mithilfe der Lehren aus der Vergangenheit soll man als "Hüter*in der Erinnerung" die Ältesten bei außergewöhnlichen Entscheidungen beraten. Allerdings erfährt Jonas von dem "Geber", dass dies in der Realität kaum passiert.

Andererseits vernachlässigt die Gemeinschaft die emotionale und soziale Funktion von Erinnerungen komplett. Im Sinne der Gleichheit wurden alle Erinnerungen an die Zeiten vor der Sameness abgeschafft. Somit leben alle Bewohner*innen zwar in Frieden und Harmonie – denn wer keine Erinnerungen hat, hat auch keine Schmerzen, Vorurteile und kein Bedauern – aber ihr Leben ist von einer Leere ohne Sinn und Emotionen geprägt, oder wie The Giver sagt:

“Oh, your instructors are well trained. They know their scientific facts. Everyone is well trained for his job. It’s just that… without the memories it’s all meaningless."

Somit argumentiert Lowry, dass Erinnerungen einen ganz essentiellen Aspekt des Menschseins darstellen. Als Jonas von The Giver mehr und mehr Erinnerungen übernimmt, merkt er, dass gerade das Erfahren des vollen Spektrums von menschlichen Gefühlen das Leben lebenswert macht. Erinnerungen können außerdem auch Brücken zwischen Menschen bauen. Für Lowry ist das Teilen von Erinnerungen mit anderen ebenfalls ein essentieller Bestandteil des Lebens, oder wie The Giver sagt:

The worst part of holding the memories is not the pain. It’s the loneliness of it. Memories need to be shared.

Pain and pleasure – das Zusammenspiel von Schmerz und Freude

Mit dem Motiv des Erinnerns ist das Zusammenspiel von Schmerz und Freude eng verbunden, das in "The Giver" thematisiert wird. Im Zentrum der Betrachtung von Schmerz und Freude ist vor allem die Idee, dass es ohne Schmerzen keine Freude geben kann.

Ohne schmerzhafte Erlebnisse ist es nämlich unmöglich, schöne Erlebnisse wirklich genießen zu können. Dies erkennst du insbesondere an den Bewohner*innen der Gemeinschaft, die das Gute in ihrem Leben nicht richtig sehen können, weil sie Schmerzen nie erfahren haben. Krieg, Hunger und selbst der Tod sind ihnen unbekannt.

Im Laufe von Jonas' Ausbildung ist er sogar frustriert, dass seine Familie und Freunde die Welt nicht so sehen können wie er. Als er seine Eltern eines Tages fragt, ob sie ihn lieb haben, lachen sie und meinen, dass das Wort Liebe viel zu unspezifisch und abstrakt sei. Obwohl die Entscheidung, die Gemeinschaft zu verlassen, Jonas zum Teil sehr schwerfällt, hätte er mit seinem Wissen um Schmerz und Freude niemals ein erfülltes Leben führen können, wenn er geblieben wäre. Das kann man z. B. an dem folgenden Satz am Ende des Romans gut erkennen:

If he had stayed, he would have starved in other ways. He would have lived a life hungry for feelings, for color, for love.

Individualität

Ein weiteres Thema, das in dem Roman eine wichtige Rolle spielt, ist Individualität. In der Gemeinschaft wurde mit der Einführung von Sameness kein Raum für Individualität gelassen. Alle Entscheidungen werden dem Individuum im Sinne einer Ideologie der vollkommenen Gleichheit vorenthalten. Berufe, Ehen und Kinder werden beispielsweise jedem/jeder zugeteilt. Die Einführung von solchen Lebensverhältnissen durch die Einführung von Sameness wird beispielsweise in dem Zitat unten angesprochen:

Our people made that choice, the choice to go to Sameness. Before my time, before the previous time, back and back and back. We relinquished color when we relinquished sunshine and did away with differences.

Bei der Ceremony of Twelve werden individuelle Eigenschaften zwar anerkannt, aber nur insofern, als dass sie die Grundlage für die Entscheidung des Berufs bilden. Eigene Begabungen und Interessen dienen nur einem praktischen Zweck. Wer jedoch von den Normen und strengen Vorgaben in der Gemeinschaft abweicht, wird oft schnell "freigegeben".

Am Beispiel von Jonas, der den Status quo der Gemeinschaft ablehnt und seinen eigenen Weg geht, möchte Lowry Individualität und Verschiedenheit aller Menschen nicht nur anerkennen, sondern feiern. Während die Gemeinschaft versucht, Verschiedenheit und Vielfalt in fast jeder Hinsicht abzuschaffen, auszublenden und zu ignorieren, nutzt Jonas seine besonderen Fähigkeiten, um für echte Veränderung zu sorgen. Aufgrund von Jonas' Flucht kannst du als Leser*in auf die Rückkehr von Erinnerungen und Gefühlen in der Gemeinschaft hoffen. Somit zeigt der Roman, dass Vielfalt und Anderssein keine Schwächen sind, sondern Stärken.

Wenn du mehr über das Thema Vielfalt im echten Leben lernen möchtest, dann schau doch in unseren Artikel zu "Ethnic Diversity" rein!

"The Giver" Interpretation & Analyse der Schlüsselstellen

Die Szene, in der Jonas erfährt, was es wirklich bedeutet, released zu werden, gilt als Höhepunkt des Romans. Jonas fragt den "Geber" aus Neugier, was bei diesem Ritual genau passiert, weil sein Vater neulich ein Baby auf der Säuglingsstation "freigeben" musste. Daraufhin macht er eine schockierende Entdeckung: Die "Freigebung" ist nichts anderes als eine im Geheimen betriebene Tötung. Geschockt und traurig kann Jonas es kaum glauben, dass sein Vater in der Lage wäre, so etwas Grauenhaftes zu machen, auch wenn sein Vater keine Vorstellung vom Tod hat und vermutlich nicht wirklich versteht, was er tut.

Jonas stared at the screen, waiting for something to happen. But nothing did. The little twin lay motionless. His father was putting things away. Folding the blanket. Closing the cupboard. Once again, as he had on the playing field, he felt the choking sensation. Once again he saw the face of the light-haired, bloodied soldier as life left his eyes. The memory came back. He killed it! My father killed it!

Was die Tötung noch schockierender macht, ist, dass das Baby nur released wurde, weil es seinem Zwillingsbruder zu sehr ähnelte. Es wurde umgebracht, weil es für die Bewohner*innen ansonsten zu verwirrend gewesen wäre mit den beiden Zwillingen. So wird die wahre Grausamkeit des Strebens nach der scheinbar perfekten Sameness in dieser Szene am deutlichsten.

Jonas' Vater sowie alle in der Gemeinschaft haben jedoch keine Vorstellung vom Tod, im Gegensatz zu Jonas und The Giver, die durch die Erinnerungen das damit verbundene Leiden hautnah erlebt haben. Empört über die Entdeckung und den inhumanen und unnötigen Verlust an Menschenleben, will Jonas die Gemeinschaft für immer verlassen.

Das offene Ende

Die letzte Szene des Romans ist besonders, weil sie mit Absicht ambivalent gestaltet ist und viele Fragen ungeklärt lässt. Nachdem Jonas von seinem Vater mitbekommt, dass Gabriel "freigegeben" werden soll, entscheidet er sich spontan, früher als ursprünglich geplant zu fliehen. Damit riskiert er sein Leben und verstößt gegen etliche Regeln der Gemeinschaft, nur in der Hoffnung, den kleinen Gabriel zu retten.

Daran kann man Jonas Charakterentwicklung gut erkennen: Er trifft als Individuum eine eigene Entscheidung und handelt aus Liebe zu Gabriel und aus Wertschätzung menschlichen Lebens. Außerdem sollen durch seine Abwesenheit die Erinnerungen wieder zu den Bewohner*innen zurückkehren und die Gemeinschaft folglich für immer verändern.

Das Adjektiv ambivalent kannst du im Grunde mit Wörtern wie "mehrdeutig" oder "zwiespältig" synonym verwenden. Das Ende von "The Giver" kann als ambivalent beschrieben werden, da es mehrere Interpretationen zulässt.

Ob Jonas und Gabriel tatsächlich erfolgreich in Elsewhere ankommen, ist in den letzten Sätzen des Buchs unklar:

He heard people singing. Behind him, across vast distances of space and time, from the place he had left, he thought he heard music too. But perhaps it was only an echo.

Wie kannst du das offene Ende von "The Giver" eigentlich deuten? Letztlich bleibt das dir als Leser*in überlassen. Dass Jonas einen Schlitten oben auf dem Hügel findet, den er von seiner ersten Erinnerung von dem Geber zu erkennen glaubt, könnte entweder ein großer Zufall sein oder einfach nur eine Halluzination seines erschöpften Körpers. Das heißt, entweder ist die Musik aus der Ferne echt und Jonas und Gabriel kommen in Elsewhere an oder sie erfrieren.

Beide Szenarien sind etwas optimistischer zu deuten, als es auf den ersten Blick vielleicht erscheint. Auch wenn Jonas am Ende stirbt, ist er in seinen letzten Momenten wirklich glücklich, denn er hört zum ersten Mal in seinem Leben Musik. Die Flucht aus der Gemeinschaft symbolisiert Jonas' Entscheidung für ein Leben mit Farben, Leiden, Freude und Tod. Vielleicht stirbt Jonas am Ende des Romans, aber im Gegensatz zu den anderen in der Gemeinschaft hat er davor wenigstens wirklich gelebt.

"The Giver" Film

2014 wurde "The Giver" verfilmt. Wie bei Verfilmungen von populären Romanen oft der Fall ist, gibt es zwischen dem Buch und dem Film einige Unterschiede:

  • Jonas (gespielt von Brenton Thwaites) ist in dem Film etwas älter als in dem Roman: Er ist mit 16 Jahren ein Teenager.
  • Es gibt eine Liebesgeschichte zwischen Jonas und Fiona und in dem Film küssen sich die beiden sogar.
  • Zudem zählt die von Meryl Streep gespielte Chief Elder ("Chefälteste") in der Verfilmung zu den Bösen, obwohl sie im Roman nur eine Nebenfigur ist.

Auch das offene Ende, das für den Roman "The Giver" kennzeichnend ist, ist in dem Film etwas anders. Der Film endet zwar auch mit Jonas und dem Baby Gabriel auf der Flucht. Im Gegensatz zum Roman finden die beiden am Ende aber ein Haus.

The Giver, Film, StudySmarterAbbildung 3: Filmplakat für die Verfilmung von "The Giver" (2014)

"The Giver" – Über die Autorin Lois Lowry

Lois Lowry wurde am 20. März 1937 in Honolulu, Hawaii geboren. Sie schreibt vorwiegend dystopische Kinder- und Jugendliteratur und wird von manchen als Mitbegründerin des modernen dystopischen Jugendromans angesehen. In ihren Büchern behandelt sie vor allem schwere und komplexe Themen wie z. B. Mord, Autorität und Rassismus.

Im Jahr 1993 veröffentlichte sie ihren wohl bekanntesten Roman "The Giver" ("Hüter der Erinnerung") und gewann 1994 dafür die begehrte Newbery Medal. Die Inspiration für die Geschichte soll ein Besuch bei ihrem Vater im Pflegeheim gewesen sein. Dort sah sie, dass er aufgrund seiner Demenz kein Langzeitgedächtnis mehr hatte und in einer Art friedlicher Unwissenheit lebte. Sie stellte sich deshalb eine Welt vor, in der Erinnerungen absichtlich abgeschafft wurden. Schnell wurde ihr aber klar, dass dadurch nicht nur Schmerz eliminiert werden würde, sondern auch Freude – wie es in der Gemeinschaft in "The Giver" auch der Fall ist.

Die komplexen und düsteren Themen, die Lowry in "The Giver" thematisiert, wurden von einigen als zu schwer und kontrovers für Kinder und Jugendliche angesehen. Deswegen steht das Buch sogar heute noch ziemlich weit oben auf der Liste der in der Schule verbotenen Bücher in den USA. Trotzdem ist "The Giver" in vielen Schulen immer noch ein fester Bestandteil des Unterrichts.

"The Giver - Das Wichtigste

  • "The Giver" ("Hüter der Erinnerung") ist ein 1993 erschienener dystopischer Jugendroman der US-amerikanischen Autorin Lois Lowry.
  • Inhalt: Der zwölfjährige Jonas lebt in einer strikt geregelten Gesellschaft, in der Gefühle und Farben gegen Ordnung und Gleichheit getauscht wurden. Während seiner Ausbildung zum "Hüter der Erinnerung" erfährt Jonas erstmals das volle Spektrum von menschlichen Gefühlen und beginnt, die Vorgaben der Gemeinschaft zu hinterfragen und flieht schließlich in das unbekannte Elsewhere ("Anderswo").
  • Der Roman hat ein ambivalentes bzw. offenes Ende. Ob Jonas in Elsewhere ankommt oder stirbt, ist unklar. Deshalb sind verschiedene Interpretationen für die Leser*innen möglich.
  • Zentrale Themen und Motive in "The Giver" sind die Funktionen von Erinnerungen, das Zusammenspiel von Schmerz und Freude sowie Individualität.

The Giver

"The Giver" handelt von dem jungen Protagonisten Jonas, der in einer strikt geregelten dystopischen Gesellschaft lebt, in der Gefühle und Farben gegen Ordnung und Gleichheit getauscht wurden. Während seiner Ausbildung zum "Hüter der Erinnerung" erfährt Jonas erstmals das volle Spektrum von menschlichen Gefühlen und beginnt, die Vorgaben der Gemeinschaft zu hinterfragen und flieht schließlich in das unbekannte Elsewhere (dt. Anderswo). 

Zu Beginn von "The Giver" ist Jonas elf Jahre alt. Relativ früh im Laufe des Romans wird er aber zwölf. 

"The Giver" wurde 1993 von der US-amerikanischen Autorin Lois Lowry veröffentlicht. 

"The Giver" kann man als eine Erinnerung daran, dass sowohl glückliche als auch schmerzhafte Erfahrungen im Leben wertvoll sind, interpretieren. Indem Jonas seine scheinbar "perfekt" funktionierende und friedliche Gemeinschaft ablehnt, zeigt die Autorin Lois Lowry, dass ein Leben ohne Emotionen und Farben kein wirkliches Leben ist – ohne Schmerzen, keine Freude. 

Finales The Giver Quiz

Frage

Wer hat "The Giver" geschrieben?

Antwort anzeigen

Antwort

Lois Lowry

Frage anzeigen

Frage

Welche Szene gilt als Höhepunkt des Romans?

Antwort anzeigen

Antwort

die Ceremony of Twelve

Frage anzeigen

Frage

Was ist die Aufgabe der/des Receiver of Memory (dt. "Hüter*in der Erinnerung")?

Antwort anzeigen

Antwort

Die Aufgabe der/des "Hüter*in der Erinnerung" besteht darin, die Erinnerungen der ganzen Gemeinschaft von The Giver zu übernehmen, damit er oder sie die Ältesten bei außergewöhnlichen Entscheidungen beraten kann.

Frage anzeigen

Frage

Wer war Rosemarie (engl. Rosemary)?

Antwort anzeigen

Antwort

Rosemarie war die Tochter von The Giver und die "Hüterin der Erinnerung" vor Jonas, deren Ausbildung gescheitert ist. Wegen der enormen Belastung der Erinnerungen hat sie sich freiwillig "freigeben" lassen.

Frage anzeigen

Frage

Was bedeutet es wirklich, "freigegeben" (engl. released) zu werden?

Antwort anzeigen

Antwort

Die "Freigebung" (engl. release) ist eine im Geheimen betriebene Tötung mittels einer Giftspritze. 

Frage anzeigen

Frage

Welche Berufung bekommt Jonas bei der Ceremony of Twelve?

Antwort anzeigen

Antwort

Richter

Frage anzeigen

Frage

Welches Thema wird in "The Giver" nicht behandelt?

Antwort anzeigen

Antwort

Individualität

Frage anzeigen

Frage

Wie kann man das Ende des Romans interpretieren?

Antwort anzeigen

Antwort

Das Ende des Romans ist ambivalent. Es ist unklar, ob Jonas und Gabriel in Elsewhere ankommen oder doch sterben. Egal, welches Szenario stimmt, Jonas' Flucht symbolisiert seine Ablehnung der gleichförmigen Gemeinschaft und seine Entscheidung für ein Leben mit Farben, Leiden, Freude und Tod.

Frage anzeigen

Frage

Warum soll Jonas die Gemeinschaft verlassen? Was soll dies bewirken?

Antwort anzeigen

Antwort

Indem Jonas die Gemeinschaft verlässt, sollen seine Erinnerungen zu den Bewohner*innen der Gemeinschaft zurückkehren und sie somit für immer verändern. 

Frage anzeigen

Frage

Welchen Beruf hat Jonas Vater?

Antwort anzeigen

Antwort

Säuglingspfleger (engl. Nurturer)

Frage anzeigen

Frage

Richtig oder falsch: Die Gemeinschaft in "The Giver" kann man als eine Dystopie bezeichnen.

Antwort anzeigen

Antwort

Richtig

Frage anzeigen

Frage

Wie alt ist der Protagonist Jonas in dem Roman?

Antwort anzeigen

Antwort

13

Frage anzeigen

Frage

Wer ist Gabriel?

Antwort anzeigen

Antwort

Gabriel ist ein Säugling von der Pflegestation, der von einer "Freigebung" bedroht ist, weil er als schwächlich angesehen wird. 

Frage anzeigen

Frage

Warum beginnt Jonas' Vater, den kleinen Gabriel mit nach Hause zu bringen?

Antwort anzeigen

Antwort

Jonas' Vater, der als Säuglingspfleger arbeitet, kümmert sich abends um das Baby, in der Hoffnung, es vor der "Freigebung" zu retten.

Frage anzeigen

Frage

Richtig oder falsch: In der Gemeinschaft wurden Farben abgeschafft.

Antwort anzeigen

Antwort

Falsch

Frage anzeigen

Frage

Was versteht man unter Sameness in der Gemeinschaft in "The Giver"?

Antwort anzeigen

Antwort

Sameness bezeichnet den Versuch, alle Aspekte des Lebens in der Gemeinschaft bis ins kleinste Detail streng zu regeln und überwachen, um Harmonie und Gleichheit herzustellen.

Frage anzeigen
60%

der Nutzer schaffen das The Giver Quiz nicht! Kannst du es schaffen?

Quiz starten

Finde passende Lernmaterialien für deine Fächer

Alles was du für deinen Lernerfolg brauchst - in einer App!

Lernplan

Sei rechtzeitig vorbereitet für deine Prüfungen.

Quizzes

Teste dein Wissen mit spielerischen Quizzes.

Karteikarten

Erstelle und finde Karteikarten in Rekordzeit.

Notizen

Erstelle die schönsten Notizen schneller als je zuvor.

Lern-Sets

Hab all deine Lermaterialien an einem Ort.

Dokumente

Lade unzählige Dokumente hoch und habe sie immer dabei.

Lern Statistiken

Kenne deine Schwächen und Stärken.

Wöchentliche

Ziele Setze dir individuelle Ziele und sammle Punkte.

Smart Reminders

Nie wieder prokrastinieren mit unseren Lernerinnerungen.

Trophäen

Sammle Punkte und erreiche neue Levels beim Lernen.

Magic Marker

Lass dir Karteikarten automatisch erstellen.

Smartes Formatieren

Erstelle die schönsten Lernmaterialien mit unseren Vorlagen.

Melde dich an für Notizen & Bearbeitung. 100% for free.