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Was vom Tage übrig blieb

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Was vom Tage übrig blieb

"Was vom Tage übrig blieb" (auf Englisch: "The Remains of the Day") ist ein historischer Roman des japanischen Schriftstellers Kazuo Ishiguro und wurde 1989 veröffentlicht. Das Buch handelt von dem gealterten Butler Mr. Stevens, der im Sommer 1956 eine sechstägige Reise nach Cornwall, England, unternimmt. Dabei reflektiert er seine Zeit als Diener auf dem Anwesen Darlington Hall.

"Was vom Tage übrig blieb" ist ein historischer Roman. Die Handlung des Buchs ist fiktiv, beinhaltet aber tatsächlich stattgefundene geschichtliche Ereignisse und Personen. Es treten etwa einige wichtige Politiker auf, darunter der ehemalige Premierminister des Vereinigten Königreichs, Winston Churchill.

"Was vom Tage übrig blieb" Charaktere

Der Protagonist des Romans ist der Butler Mr. Stevens. Im Folgenden erfährst Du alles Wissenswerte über ihn und die weiteren wichtigen Charaktere der Geschichte.

Mr. Stevens

  • präzise, ordentlich, pflichtbewusst
  • rational, zeigt keine Emotionen, auch nicht, als sein Vater stirbt
  • versteht keinen Spaß und keine Ironie
  • förmlich
  • kann lange nicht zugeben, dass er Gefühle für Miss Kenton hegt

Mr. Stevens ist der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans. Er ist der oberste Butler von Darlington Hall, dem Anwesen von Lord Darlington. Er nimmt seinen Beruf sehr ernst und hat neben seiner Arbeit kaum Interessen. Ihm ist es sehr wichtig, professionell zu sein.

Miss Kenton

  • war verliebt in Mr. Stevens
  • emotional; sagt, was sie denkt
  • verheiratet mit einem Mann, den sie lange nicht geliebt hat
  • heißt mittlerweile Mrs. Benn

Miss Kenton ist die ehemalige Haushälterin von Darlington Hall. Sie hat das Anwesen vor 20 Jahren verlassen und wohnt jetzt in Cornwall.

Mr. Farraday

Mr. Farraday ist der neue Besitzer von Darlington Hall und somit der Vorgesetzte von Mr. Stevens. Der Amerikaner kann als humorvoll und offen beschrieben werden. Er macht sich über die steife und professionelle Art von Mr. Stevens lustig und kritisiert sie auch.

Lord Darlington

Lord Darlington ist zu Beginn des Romans bereits verstorben. Dennoch spielt er eine wichtige Rolle. Aus Mr. Stevens Erzählung erhalten wir folgende Informationen über seinen ehemaligen Arbeitgeber:

  • altmodisch
  • naiv
  • einflussreich; hat Kontakte zu wichtigen englischen Politikern
  • wurde von den Nazis ausgenutzt, um Hitlers Einfluss in England zu vergrößern

"Was vom Tage übrig blieb" Zusammenfassung

Das Buch besteht aus einem Prolog und sechs Kapiteln, wobei sich ein Kapitel mit je einem Tag von Mr. Stevens Reise beschäftigt.

Drei Jahre, bevor die Handlung des Romans einsetzt, stirbt Mr. Stevens ehemaliger Arbeitgeber Lord Darlington. Sein Anwesen wurde von dem vermögenden Amerikaner Mr. Farraday gekauft. Dieser fliegt vorübergehend zurück nach Amerika und schlägt Mr. Stevens vor, in dieser Zeit Urlaub zu nehmen. Der Butler möchte das Angebot erst nicht akzeptieren, erhält dann aber einen Brief von Miss Kenton. Er glaubt, herauszulesen, dass sie unglücklich ist und nach Darlington Hall zurückkehren möchte. Mr. Stevens macht sich daraufhin auf den Weg nach Cornwall, um die ehemalige Haushälterin zurückzuholen.

Beginn der Reise – Tag 1

Mr. Stevens befindet sich in einem Hotel in Salisbury, Südengland, und denkt über den ersten Tag seiner Reise nach. Auf der Fahrt ist ihm die schöne Landschaft aufgefallen. Er kommt zu dem Schluss, dass das Bewundernswerte an der englischen Natur ist, dass sie ruhig und gleichmäßig verläuft. Sie wird nicht von "Drama" oder "Spektakel" gestört, sondern ist genauso, wie man es erwartet.

I would say that it is the very lack of obvious drama or spectacle that sets the beauty of our land apart. What is pertinent is the calmness of that beauty, its sense of restraint.

Alle Zitate stammen aus Kazuo Ishiguros "The Remains of the Day" (1989).

Diese Überlegungen bringen ihn dazu, als Nächstes über die Qualitäten eines guten Butlers nachzudenken. Seiner Meinung nach ist es dessen wichtigste Eigenschaft, niemals aus seiner Rolle zu fallen. Ein hervorragender Diener behält immer seine Professionalität und legt diese nur ab, wenn er alleine ist.

Die Konferenz in Darlington Hall – Tag 2

Am zweiten Morgen seiner Reise beschäftigt sich Mr. Stevens noch einmal mit Miss Kentons Brief. Er beinhaltet einige Erinnerungen an ihre Zeit in Darlington Hall, sodass auch Mr. Stevens seiner Vergangenheit gedenkt.

Im Laufe des Romans kommen immer wieder solche Flashbacks vor, in denen Mr. Stevens über vergangene Tage berichtet.

Im Jahr 1923 veranstaltete Lord Darlington eine internationale Konferenz. Kurz zuvor waren Miss Kenton sowie Mr. Stevens alter Vater angestellt worden, wobei letzterer als Butlergehilfe in Darlington Hall arbeitete. Das Ziel der Konferenz war es, die sozialen Auswirkungen des Versailler Vertrags in Deutschland zu mildern. Dafür lud der Hausherr einige einflussreiche europäische Personen ein.

Der Versailler Vertrag war der Friedensvertrag, der nach dem Ersten Weltkrieg zwischen den Siegermächten Frankreich, USA, Großbritannien und Italien und dem unterlegenen Deutschen Reich beschlossen wurde.

Darin wurde festgehalten, dass das Deutsche Reich zur Strafe einige Teile seines Landes und seiner Bevölkerung abtritt. Es verlor alle Kolonien und musste hohe Entschädigungszahlungen an die Siegermächte auszahlen. Die Wirtschaftskraft des Deutschen Reiches wurde dadurch massiv geschwächt. Der deutschen Bevölkerung ging es in dieser Zeit schlecht.


Lord Darlington empfand es als moralisch nicht vertretbar, Deutschland derart hart zu bestrafen. Als Engländer fühlte er sich verantwortlich, weil sein Land zu den Alliierten gehörte, die den Versailler Vertrag beschlossen hatten.

Kurz nach der Konferenz starb Mr. Stevens alter Vater. Obwohl er traurig war und weinte, kehrte Mr. Stevens zu einem Abendessen zurück. Als er gefragt wurde, wieso er weine, sagte er, dass er nur erschöpft sei. Wenn er an diesen Abend zurückdenkt, ist Mr. Stevens stolz auf sich, den Tag so würdevoll und professionell ertragen zu haben.

Lord Darlington – Tag 3

Mr. Stevens ist wieder unterwegs. Nach einiger Zeit muss er jedoch anhalten, weil sein Auto repariert werden muss. Er findet einen Mann, der ihm hilft, und die beiden kommen ins Gespräch. Der Mann fragt, ob Mr. Stevens für Lord Darlington gearbeitet habe. Der Butler leugnet das, denn in den Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg hat Lord Darlington den Ruf erhalten, ein Nazi-Sympathisant zu sein. Um unangenehme Unterhaltungen zu vermeiden, leugnet Stevens seitdem, seinen Hausherren zu kennen:

I have chosen to tell white lies [...] as the simplest means of avoiding unpleasantness.

Nazis und Antisemitismus – Tag 4

Am vierten Tag seiner Reise denkt Mr. Stevens darüber nach, welche Umstände dazu führten, dass Lord Darlington als Nazi-Sympathisant bezeichnet wurde. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs pflegte er enge Beziehungen zu vielen nationalsozialistischen und faschistischen Persönlichkeiten wie dem deutschen Botschafter Herr von Ribbentrop und Sir Oswald Mosley, dem Gründer der britischen Faschistenpartei.

Der Faschismus ist eine politische Bewegung, die die Demokratie ablehnt. Darin darf es nur eine Partei geben, alle anderen sind verboten. Die faschistische Herrschaftsform ist die Diktatur.

Stevens leugnet, dass Lord Darlington selbst Nazi und Antisemit gewesen sei, obwohl dieser immer wieder antisemitische Bemerkungen gemacht hatte. Zudem entließ der Hausherr seine beiden jüdischen Dienstmädchen allein aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit.

Miss Kenton – Tag 5 morgens

Stevens erinnert sich an einen Moment Mitte der 1930er-Jahre. Miss Kenton betrat damals unangekündigt sein Butlerzimmer. Sie kam ihm sehr nahe, um zu erfahren, was für ein Buch er las. Stevens empfand dies als äußerst aufdringlich und bat sie, seine Privatsphäre zu respektieren.

Bald darauf fing Miss Kenton an, sich häufig freizunehmen. Es stellte sich heraus, dass sie einen Verehrer hatte. Mr. Stevens reagierte wütend. Von da an wollte er sich nicht mehr regelmäßig mit der Haushälterin zu einem Kakao treffen.

Als Miss Kentons geliebte Tante starb, drückte Mr. Stevens ihr keinerlei Mitgefühl aus. Der Vorfall mit dem Buch, Miss Kentons Verehrer und der Verlust ihrer Tante führten dazu, dass die Beziehung zwischen ihnen beiden litt.

Verlust von Miss Kenton und Lord Darlington – Tag 5 abends

Kurz bevor Mr. Stevens seine ehemalige Kollegin wieder sieht, erinnert er sich an ihren letzten Tag in Darlington Hall. Damals verkündete Miss Kenton ihre Verlobung.

Am selben Tag erhielt Lord Darlington erneut Besuch von Herrn Ribbentrop sowie dem britischen Premierminister. Mr. Stevens erfuhr von einem ebenfalls anwesenden Journalisten, dass Adolf Hitler plante, mit Herr Ribbentrops Hilfe den Einfluss der Nazis in England zu vergrößern. Lord Darlingtons Kontakte zu einflussreichen englischen Politikern wurden von Herrn Ribbentrop ausgenutzt, wodurch Hitlers Botschaft im Königreich verbreitet werden konnte.

An diesem Abend wurde Mr. Stevens nicht nur von Miss Kenton verlassen. Der gute Ruf seines Arbeitgebers war ebenfalls verloren.

Mr. Stevens bereut – Tag 6

Zwei Tage sind seit dem Wiedersehen mit Miss Kenton, bzw. jetzt Mrs. Benn, vergangen. Bei dem Treffen erfuhr Mr. Stevens, dass sie nicht unglücklich ist und auch nicht nach Darlington Hall zurückkehren wird. Sie erklärte, dass sie zwar lange Zeit gebraucht hätte, um sich wirklich in ihren Mann zu verlieben, und sie sich oft mit ihm streiten würde. Dennoch sei sie immer wieder zu ihm zurückgekehrt.

Mrs. Benn erzählte Mr. Stevens auch, dass sie sich immer gefragt habe, was passiert wäre, wenn sie zueinander gefunden hätten. Gleichzeitig betonte sie, dass diese Chance verpasst wurde und ein gemeinsames Leben der beiden nicht mehr möglich sei. Mr. Stevens spürte, wie sein Herz brach.

Zurück in der Gegenwart realisiert Mr. Stevens zum ersten Mal, dass er seine Vergangenheit bereut. Er fängt an, zu weinen. Sein ganzes Leben hat er nur gearbeitet und seine Loyalität einem Mann entgegengebracht, der eine fragwürdige politische Meinung innehatte. Mr. Stevens nimmt sich vor, von nun an freier zu sein.

"Was vom Tage übrig blieb" Analyse

Um Dir bei der Analyse von Kazuo Ishiguros "Was vom Tage übrig blieb" zu helfen, findest Du im Folgenden die wichtigsten Themen des Romans sowie die Bedeutung der Erzählperspektive.

Themen & Motive in "Was vom Tage übrig blieb"

Die wichtigsten Themen und Motive in Kazuo Ishiguros Roman sind Erinnerung, Vergangenheit, Würde und Reue.

Erinnerung & Vergangenheit

Mr. Stevens Erinnerungen an seine Vergangenheit spielen eine wichtige Rolle in "The Remains of the Day". Der Roman besteht zu einem großen Teil aus Rückblenden, in denen der Butler seine Tage in Darlington Hall Revue geschehen lässt. Seine persönlichen Erinnerungen sind verwoben mit historischen Ereignissen, deren Bedeutung Mr. Stevens erst im Nachhinein begreift.

Erst, indem er sich an seine Vergangenheit erinnert, versteht er sie. Dinge, die für den Butler damals selbstverständlich waren und die er nicht hinterfragt hatte, sieht er mittlerweile anders. Jetzt erkennt er, dass sein Verhalten gegenüber Miss Kenton verletzend und Lord Darlingtons Beziehung zu Nazi-Deutschland sehr problematisch war.

"The Remains of the Day" offenbart, dass einige Dinge erst im Nachhinein deutlich werden. Manchmal muss etwas Zeit vergehen, bevor man versteht, welche Fehler man in der Vergangenheit begangen hat und welche Auswirkungen diese auf die Zukunft haben können:

There was surely nothing to indicate at the time that such evidently small incidents would render whole dreams forever irredeemable. (Mr. Stevens)

Würde

Würde ist laut Mr. Stevens die wichtigste Eigenschaft eines Menschen. Im Laufe des Buches gibt er mehrere Beispiele dafür, was dies in seinen Augen bedeutet. Als Butler sei es besonders wichtig, sich würdevoll zu benehmen. Für Mr. Stevens heißt das, in jeder Situation professionell zu bleiben:

And let me now posit that "dignity" has to do crucially with a butler's ability not to abandon the professional being he inhabits.

Egal, welchen persönlichen Herausforderungen er begegnet er vermeidet es, Gefühle zu zeigen. Als sein Vater stirbt, führt er weiterhin gewissenhaft seine Aufgaben aus und versucht so gut es geht, sich seine Trauer nicht anmerken zu lassen. Auch Miss Kentons Verlobung trifft ihn, dennoch unterdrückt er seine Gefühle und arbeitet gewohnt professionell. Für Mr. Stevens wäre das Ablegen seiner Butlerrolle in diesen Momenten genauso skandalös wie öffentliche Nacktheit:

[...] I suspect it comes down to not removing one's clothing in public.

Zu einem würdevollen Verhalten zählt laut Mr. Stevens ebenfalls, seinem Vorgesetzten gegenüber immer loyal zu sein. Obwohl Lord Darlington sich mit nationalsozialistischen und faschistischen Personen trifft, bleibt der Butler seinem Hausherrn ergeben und tut, was von ihm erwartet wird. Als Lord Darlington die jüdischen Dienstmädchen entlässt, schweigt Mr. Stevens und nimmt die Entscheidung hin, obwohl er sie nicht gutheißt.

Letztlich stellt sich heraus, dass Mr. Stevens Verständnis von Würde ihm nur geschadet hat. Aus Angst, nicht professionell zu erscheinen, hat er sein ganzes Leben lang gearbeitet und seine eigenen Gedanken und Gefühle unterdrückt. Seine Würde hat ihm die angemessene Trauer um seinen Vater verwehrt. Außerdem konnte er sich nie seine Gefühle zu Miss Kenton eingestehen und hatte somit keine Chance, je mit ihr ein glückliches Leben zu führen.

Reue

Das zentrale Thema am Ende von "Was vom Tage übrig blieb" ist Reue. Als Mr. Stevens anfängt zu weinen, wird deutlich, dass er die Entscheidungen aus seiner Vergangenheit bedauert. Er bereut, dass er nie zu seinen Gefühlen gestanden hat. Wenn er ehrlich und Miss Kenton gegenüber offen gewesen wäre, hätte es vielleicht eine glückliche Zukunft für sie beide geben können.

Der Roman behandelt aber nicht nur Mr. Stevens Reue. Auch Miss Kenton gibt bei dem Wiedersehen der beiden zu, dass sie einige Entscheidungen aus ihrer Vergangenheit bedauert und sich oft wünscht, in einigen Situationen anders entschieden zu haben.

Beide wissen jedoch, dass jede Reue und alles Wünschen sinnlos sind. Die Vergangenheit ist nicht zu ändern damit müssen beide Personen nun leben:

After all, there's no turning back the clock now. One can't be forever dwelling on what might have been." (Miss Kenton)

Erzählperspektive

Der Ich-Erzähler in "Was vom Tage übrig blieb" ist der Butler Mr. Stevens. Lesende haben das Gefühl, in seinem Kopf zu leben. Er springt dauerhaft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Manche Ereignisse erwähnt er auch nur kurz, um sie an einer späteren Stelle im Detail zu beschreiben. Seine Ausführungen sind dann voller Informationen und umfassend, alles wird haarklein erläutert und erklärt.

Das Besondere an Mr. Stevens Erzählungen ist, wie kühl und oft gefühllos er seine Erinnerungen wiedergibt. Seine Emotionen erfahren Lesende oft nur durch andere anwesende Personen. Beispielsweise fragt ihn Lord Darlington nach dem Tod seines Vaters, ob er weine. Der Butler selbst erwähnt nicht, dass der Verlust seines Vaters ihn tief getroffen hatte.

Mr. Stevens Gedanken werden in einem stream of consciousness (auf Deutsch: "Bewusstseinsstrom") erzählt. Das bedeutet, dass seine Gedanken wie in einem "echten" Kopf ungeordnet hintereinander aufgereiht werden.

Der stream of consciousness ist eine Erzähltechnik, bei der ungeregelt Gedankenströme einer oder mehrerer Figuren wiedergegeben werden. So erfahren die Lesenden scheinbar unmittelbar den inneren Monolog und die Sinneseindrücke einer Figur.

Das bedeutet aber auch, dass Mr. Stevens kein zuverlässiger Erzähler ist. Wie Du bereits weißt, ist er nicht einmal zu sich selbst ehrlich und verleugnet seine Gefühle. Außerdem erfährst Du alle Ereignisse allein aus seiner Sicht. Dass diese häufig von seiner Loyalität gegenüber Lord Darlington beeinflusst wird, macht seine Erzählperspektive noch unzuverlässiger und wenig objektiv.

"Was vom Tage übrig blieb" Interpretation

"Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro beweist, dass viele Dinge erst im Nachhinein verstanden werden können. Mr. Stevens realisiert erst viel zu spät, dass sein Verständnis von Würde sein Leben negativ beeinflusst hat. Um professionell zu erscheinen, verbarg er sein Leben lang seine wahren Gefühle und verstellte sich.

Eine der wichtigsten Szenen des Romans ist eines der Treffen zwischen Mr. Stevens und Miss Kenton. Das Treffen findet ein Jahr nach der Entlassung der beiden jüdischen Dienstmädchen statt. Lord Darlington hatte kurz vorher entschieden, die beiden Frauen zurückzuholen. Mr. Stevens verkündet Miss Kenton diese Entscheidung voller Freude und erklärt ihr, dass die Entlassungen ihn damals genauso hart getroffen hätten wie sie. Anstatt sich zu freuen, wird Miss Kenton wütend und sagt:

Why, Mr. Stevens, why, why, why do you always have to pretend?

Dieses Zitat fasst Mr. Stevens komplettes Leben zusammen. Er verstellt sich immerzu, verbirgt seine wahre Haltung und versteckt sich hinter seiner Butlerrolle. Infolgedessen werden nicht nur zwei Personen entlassen. Mr. Stevens nimmt auch kommentarlos hin, dass sein Vorgesetzter sich mit Nazis und faschistischen Personen verbündet, nur weil er darauf vertraute, dass Lord Darlington weise entscheiden würde:

You see, I trusted. I trusted in his lordship's wisdom. All those years I served him, I trusted I was doing something worthwhile.

Letztendlich haben seine Verschlossenheit und das Verbergen seiner wahren Gefühle jedoch hauptsächlich ihm selbst geschadet. Seine Verschwiegenheit und seine sture Professionalität bestimmten sein ganzes Leben, das nur mit Arbeit gefüllt war. Hätte Mr. Stevens sich jemals mit seinen Gefühlen auseinandergesetzt, hätte er eine gemeinsame Zukunft mit Miss Kenton haben können. Als der Butler sich am Ende des Romans mit diesen Gedanken beschäftigt, wird ihm klar, dass er einen Fehler begangen hat. Sein Herz bricht:

Moreover, as you might appreciate, their implications were such as to provoke a certain degree of sorrow within me. Indeed—why should I not admit it?—at that moment, my heart was breaking.

Es nutzt jedoch nichts, weiter über die Vergangenheit nachzudenken. Was geschehen ist, ist geschehen, und Mr. Stevens muss nun mit seinen Entscheidungen leben:

After all, what can we ever gain in forever looking back and blaming ourselves if our lives have not turned out quite as we might have wished?

Mr. Stevens beschließt, nicht länger in seiner Vergangenheit zu verharren. Er entscheidet sich dazu, sich zu ändern und nimmt sich vor, künftig etwas freier zu sein. In Zukunft möchte er, wie Mr. Farraday, die Dinge etwas leichter nehmen. Er überlegt sich bereits einen Witz, den er seinem neuen Vorgesetzten erzählen kann. Der Butler konzentriert sich nun auf das, worauf er Einfluss nehmen kann – seine Zukunft.

"Was vom Tage übrig blieb" – Buch vs. Film

1993 wurde das Buch "Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro verfilmt. In der Adaption spielt Anthony Hopkins die Rolle des Mr. Stevens. Miss Kenton wird von Emma Thompson verkörpert. In Abbildung 2 siehst Du die beiden Hauptcharaktere. Regisseur des Films war James Ivory.

The Remains of the Day Miss Kenton und Mr. Stevens Was vom Tage übrig blieb Film StudySmarterAbbildung 2: Miss Kenton und Mr. Stevens im Film "Was vom Tage übrig blieb" 1993Quelle:imdb.com

Die Verfilmung folgt größtenteils der Handlung des Buchs, jedoch gibt es einige Unterschiede, die Du in der folgenden Tabelle findest.

BuchFilm
Der neue Besitzer von Darlington Hall heißt Mr. Farraday.
Der neue Besitzer heißt Mr. Lewis.
Die Geschichte wird von Mr. Stevens als Ich-Erzähler wiedergegeben, er ist die narrative Stimme.
Der Film hat keinen Erzähler.
Mr. Stevens tröstet Miss Kenton nicht, nachdem ihre Tante gestorben ist.
Mr. Stevens geht in Miss Kentons Zimmer, um sie von ihrer Trauer abzulenken.
Mr. Stevens ist kühl, emotionslos und wirkt häufig "unmenschlich"
Mr. Stevens Charakter wirkt sehr viel menschlicher, man sieht ihm seine inneren Gefühle immer an.
Am Ende des Buchs nimmt Mr. Stevens sich vor, freier zu sein und weniger Wert auf Professionalität zu legen.
Mr. Stevens bereut zwar einige seiner Entscheidungen, durchlebt aber keinen Sinneswandel und kehrt unverändert nach Darlington Hall zurück.

"Was vom Tage übrig blieb" – Kritik und Nominierungen

Das Buch von Kazuo Ishiguro gilt bis heute als einer der bedeutendsten und einflussreichsten britischen Romane. Noch im Jahr der Erstveröffentlichung wurde der Autor mit dem Booker Prize ausgezeichnet.

Der Booker Prize ist der wichtigste britische Literaturpreis. Seit 1969 wird er jährlich an die Person verliehen, die den besten englischsprachigen Roman des Jahres verfasst hat.

Die Verfilmung von "Was vom Tage übrig blieb" erhielt zahlreiche Nominierungen. Bei den Oscars 1994 war sie in acht Kategorien nominiert, unter anderem für "Bester Film", "Bester Hauptdarsteller" und "Beste Hauptdarstellerin". Obwohl der Film keine Preise gewinnen konnte, gilt er unter Kritikerinnen und Kritikern als meisterhafte Literaturverfilmung.

"Was vom Tage übrig blieb" – Autor Kazuo Ishiguro

Auf dem folgenden Foto siehst du den Autoren und Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro. Der gebürtige Japaner zog im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach England. 2017 gewann der den Nobelpreis für Literatur.

Was vom Tage übrig blieb Autor Kazuo Ishiguro StudySmarterAbbildung 2: Kazuo IshiguroQuelle: wikipedia.org

Seine Werke beschäftigen sich häufig mit den Themen Ethnie, Moral und nationale Identität.

Weitere bekannte Werke:

Ishiguro ist verheiratet und hat eine Tochter.

Lies Dir gerne auch die Erklärung zu "Never Let Me Go" durch.

Was vom Tage übrig blieb - Das Wichtigste

  • "The Remains of the Day" oder auf Deutsch: "Was vom Tage übrig blieb" ist ein historischer Roman des japanischen Schriftstellers Kazuo Ishiguro.
  • Das Buch handelt von dem Butler Mr. Stevens, der auf einer Reise seine Vergangenheit als Diener reflektiert. Dabei wird ihm bewusst, dass er in seiner Vergangenheit einige Fehler begangen hat. Aus Angst, nicht professionell oder würdevoll zu erscheinen, hat Mr. Stevens sein ganzes Leben lang seine Gedanken und Gefühle unterdrückt und verschwiegen.
  • Mr. Stevens ist der Ich-Erzähler des Romans. Er beschreibt in Rückblenden seine Vergangenheit.
  • Die zentralen Themen des Buchs sind Erinnerung, Vergangenheit, Würde und Reue.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Was vom Tage übrig blieb

Die Interpretation ist, dass manche Entscheidungen aus der Vergangenheit sich erst im Nachhinein als falsch erweisen. Weil man diese Entscheidungen aber nicht mehr verändern kann, bringt es nichts, in der Vergangenheit zu verharren. Man sollte sich auf die Dinge konzentrieren, die man beeinflussen kann.

"Was vom Tage übrig blieb" ist ein historischer Roman.

Kazuo Ishiguro erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Damit wurde aber nicht nur "Was vom Tage übrig blieb" ausgezeichnet, sondern das gesamte Werk Ishiguros.

Der Autor von "Was vom Tage übrig blieb" ist Kazuo Ishiguro.

Finales Was vom Tage übrig blieb Quiz

Frage

Welches Genre ist "Was vom Tage übrig blieb"?

Antwort anzeigen

Antwort

historischer Roman

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Frage

Wie heißt der Autor von "Was vom Tage übrig blieb"?

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Antwort

Kazuo Ishiguro

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Frage

Nenne drei Charaktereigenschaften von Mr. Stevens.

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Antwort

  • präzise
  • ordentlich
  • rational
  • förmlich
  • pflichtbewusst
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Frage

Wie heißt Miss Kenton seit ihrer Hochzeit?

Antwort anzeigen

Antwort

Mrs. Benn

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Frage

Nenne die Struktur von "Was vom Tage übrig blieb".

Antwort anzeigen

Antwort

Das Buch besteht aus einem Prolog und sechs Kapiteln. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem Tag von Mr. Stevens Roadtrip.

Frage anzeigen

Frage

Warum fährt Mr. Stevens nach Cornwall?

Antwort anzeigen

Antwort

Er glaubt Miss Kenton sei unglücklich dort und er möchte sie zurück nach Darlington Hall holen.

Frage anzeigen

Frage

Was gefällt Mr. Stevens an der englischen Landschaft so gut?

Antwort anzeigen

Antwort

Ihm gefällt, wie ruhig und gleichmäßig sie ist.

Frage anzeigen

Frage

Was ist laut Mr. Stevens die wichtigste Eigenschaft eines Butlers?

Antwort anzeigen

Antwort

Die wichtigste Eigenschaft eines Butlers ist seine Würde. Ein guter Butler bleibt immer würdevoll und profesionell.

Frage anzeigen

Frage

Wieso galt Lord Darlington als Nazi-Sympathisant?

Antwort anzeigen

Antwort

Er pflegte enge Beziehungen zu deutschen Nazis und britischen Faschisten.

Frage anzeigen

Frage

Wieso leugnet Mr. Stevens für Lord Darlington gearbeitet zu haben?

Antwort anzeigen

Antwort

Er möchte unangenehmen Gesprächen aus dem Weg gehen, weil Lord Darlington seit dem Zweiten Weltkrieg als Nazi-Sympathisant galt.

Frage anzeigen

Frage

Wahr oder falsch? Miss Kenton möchte ihren Mann verlassen.

Antwort anzeigen

Antwort

Falsch

Frage anzeigen

Frage

Nenne die zentralen Themen von "Was vom Tage übrig blieb".

Antwort anzeigen

Antwort

Erinnerung, Vergangenheit, Würde, Reue

Frage anzeigen

Frage

Wer spielt Mr. Stevens in der Verfilmung von 1993?

Antwort anzeigen

Antwort

Anthony Hopkins

Frage anzeigen

Frage

Welchen wichtigen Preis gewann "Was vom Tage übrig blieb"?

Antwort anzeigen

Antwort

Den Booker Prize

Frage anzeigen

Frage

Was ist die Message von "Was vom Tage übrig blieb"?

Antwort anzeigen

Antwort

Manche Entscheidungen und Ereignisse können erst im Nachhinein bewertet werden. Man kann die Vergangenheit aber nicht verändern und sollte deshalb nicht in ihr verharren.

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