Ökologische Nische

Im Laufe der Evolution haben sich verschiedene Lebewesen an die unterschiedlichsten Lebensräume und Bedingungen angepasst und ihre einzigartige ökologische Nische ausgebildet. Deshalb ist fast überall auf unserer Erde Leben zu finden: in der tiefsten See, in den höchsten Bergen und in den trockensten Wüsten. Trotz der lebensfeindlich erscheinenden Bedingungen an diesen Orten, gibt es Arten, welche gerade an diesen Plätzen, mit den dort zur Verfügung stehenden Ressourcen, perfekt leben können.

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsangabe

    Ökologische Nische Definition

    Die ökologische Nische ist das Beziehungsgefüge einer bestimmten Art mit den für sie relevanten biotischen und abiotischen Umweltfaktoren. Sie beschreibt also die Summe der Wechselwirkungen, welche eine Art mit den Faktoren ihrer Umwelt und anderen Lebewesen in ihrem Lebensraum hat.

    In der Evolution haben sich die verschiedenen Arten an die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen und die vorherrschenden Umweltbedingungen angepasst. Entstanden sind so spezifische Beziehungsgefüge für die unterschiedlichen Arten. Diese verdeutlichen jeweils, welche Ressourcen die Art benötigt und wie sie diese nutzt.

    Die Ausbildung dieser ökologischen Nischen wird als Einnischung bezeichnet.

    Anders erklärt ist die ökologische Nische einer Art also die Summe aller Beziehungen, welche sie zu ihrer Umwelt hat.

    Es handelt sich bei der ökologischen Nische, also nicht um eine räumliche Nische bzw. einen tatsächlichen Ort!

    Indem verschiedene Arten jeweils ihre ökologische Nische ausbilden, wird das gemeinsame Zusammen- und Überleben in Ökosystemen ermöglicht. Je nachdem welche Umweltbedingungen ein Ökosystem bietet, ändert sich die Artenanzahl bzw. die Anzahl der möglichen ökologischen Nischen. In sehr extremen Lebensräumen, wie in Wüsten oder hohen Gebirgen, gibt es sehr viel weniger ökologische Nischen, die besetzt werden könnten, als zum Beispiel in Korallenriffen und Tropischen Regenwälder.

    Ökologische Nische: Faktoren

    Viele unterschiedliche Faktoren und Dimensionen können bei der ökologischen Nische eine Rolle spielen. Arten können sowohl in Wechselwirkung zu abiotischen Umweltfaktoren wie der Temperatur und Nahrungsquellen, aber auch zu biotischen Faktoren wie Feinden und Konkurrenten stehen. Aufgrund der Vielzahl an Faktoren kann immer nur ein Teil des Beziehungsgefüges, also einzelne Faktoren betrachtet werden.

    Wird etwa die Nahrung betrachtet, wird von Nahrungsnische gesprochen. Dabei handelt es sich dann etwa um das jeweilige Nahrungsangebot und wie dieses im Vergleich zu oder trotz Nahrungskonkurrenten genutzt wird.

    Biotische Faktoren

    Zu den biotischen Umweltfaktoren zählen unter anderem:

    • Fressfeinde bzw. Räuber
    • Parasiten
    • Konkurrenten

    Abiotische Faktoren

    Zu den abiotischen Umweltfaktoren zählen unter anderem:

    • Nahrungsquellen
    • Temperatur und Feuchtigkeit
    • Nistplätze
    • Schlafplätze und Verstecke
    • Überwinterungsquartiere
    • Bodenbeschaffenheit
    • Wasserverfügbarkeit
    • Aktivitätszeiten

    Ökologische Nische: Nischenüberlappung

    Jede ökologische Nische auf der Welt gibt es nur ein einziges Mal. Allerdings gibt es Arten mit fast identischen ökologischen Nischen und teilweise starke Nischenüberlappungen. Gibt es nur eine dieser Überschneidungen, zum Beispiel bei den Brutplätzen und in anderen wichtigen Dimensionen, etwa bei den Nahrungsquellen, eine klare Trennung, wird diese Überlappung zum Teil von der konkurrierenden Art toleriert.

    Von Fall zu Fall ist dieser Toleranzbereich jedoch sehr unterschiedlich und die maximale möglich tolerierte Nischenüberlappung ist deshalb schwer zu ermitteln.

    Generell gilt jedoch: Je mehr Überschneidungen der ökologischen Nischen es zwischen zwei Arten gibt, desto ausgeprägter ist die Konkurrenz zwischen diesen beiden Arten.

    Ökologische Nische: Konkurrenz

    Der Faktor interspezifische Konkurrenz spielt bei der ökologischen Nische eine wichtige Rolle. Diese Konkurrenz herrscht zwischen zwei verschiedenen Arten und das meistens zum Beispiel um Nahrung, Brutplätze oder Lebensraum. Vorerst führt die Konkurrenz zu einer Benachteiligung für beide Seiten. Später wird die schwächere Art von der stärkeren verdrängt oder stirbt sogar aus.

    Konkurrenzausschlussprinzip

    Das Konkurrenzausschlussprinzip besagt, dass zwei Arten mit den gleichen ökologischen Ansprüchen, also einer sehr ähnlichen ökologischen Nische, die im gleichen Biotop leben, immer in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Die konkurrenzstärkere Art verdrängt dann die konkurrenzschwächere Art. Dieser Vorgang wird auch als auskonkurrieren bezeichnet. Die konkurrenzschwächere und dann verdrängte Art passt sich daraufhin an neue, andere Umstände an, ändert also ihre ökologische Nische und vermeidet so weitere Konkurrenz (Konkurrenzvermeidung).

    Zwei Arten mit einer sehr ähnlichen ökologischen Nische können demnach nicht in einem Lebensraum nebeneinander koexistieren. Sobald eine der Arten jedoch ihre ökologische Nische ändert bzw. anpasst, ist eine Koexistenz möglich.

    Die Konkurrenz führt letztlich dazu, dass alle in einem Biotop lebenden Arten ihre eigenen und artspezifischen ökologischen Nischen ausbilden, sie treibt also die Nischenbildung voran. Die Ausbildung neuer Nischen führt nicht nur zu einer großen Diversität bzw. Artenvielfalt insgesamt, sondern auch dazu, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen meist gut unter den konkurrierenden Arten aufgeteilt werden können.

    Ökologische Nische: Kongruenz und Divergenz

    Es kann dazu kommen, dass zwei verschiedene Arten eine ähnliche ökologische Nische ausbilden und das, obwohl die beiden Arten nur sehr weit entfernte Verwandte sind und auch an geografisch unterschiedlichen Orten aufzufinden sind. Dieser Fall wird als Kongruenz bezeichnet.

    Zu einer Kongruenz kam es zum Beispiel bei australischen Beutelmullen und Maulwürfen in Europa und bei afrikanischen Wolfsmilchgewächsen und südamerikanischen Kakteen.

    Von Divergenz spricht man dagegen, wenn es zu einer Auseinanderentwicklung von recht nah verwandten Arten kommt. Aufgrund von Umweltbedingungen kann es bei diesen Arten dazu kommen, dass sich Merkmale entwickeln, welche stark voneinander abweichen. Relativ nah verwandt, bleiben sie aber dennoch.

    Eine Divergenz ist zum Beispiel beim Wüstenfuchs und dem Rotfuchs zu beobachten. Der Wüstenfuchs hat aufgrund der Umweltbedingungen in der Wüste andere Merkmale entwickelt, bleibt jedoch dennoch recht nah mit dem Rotfuchs verwandt.

    Ökologische Nische Divergenz Wüstenfuchs StudySmarterAbbildung 2: Wüstenfuchs

    Ökologische Nische Divergenz Rotfuchs Fuchs StudySmarterAbbildung 3: Rotfuchs

    Ökologische Nische: Fundamentalnische und Realnische

    Unterschieden werden kann zudem in die Konzepte der Fundamentalnische und der Realnische.

    Ökologische Nische: Fundamentalnische

    Als Fundamentalnische (fundamentale Nische) werden die für eine Art perfekten Umweltbedingungen ohne jegliche Einschränkungen, wie etwa durch Konkurrenten, bezeichnet.

    In der Natur sind jedoch immer Einschränkungen gegeben, etwa durch Konkurrenten, sodass Fundamentalnischen lediglich unter Laborbedingungen existieren können.

    Ökologische Nische: Realnische

    Die Realnische (realisierte Nische) bildet jenen Teil der Fundamentalnische, welcher in der Realität von der bestimmten Art tatsächlich belegt wird. Sie ist demnach die durch die Realität eingeschränkte fundamentale Nische.

    Die realisierte Nische bezieht die konkreten Faktoren des Ökosystems und vor allem auch die Wechselbeziehungen zu anderen Arten und den eigenen Artgenossen, etwa durch Konkurrenz um Ressourcen, mit ein.

    Die Anzahl der Einschränkungen, welche die Fundamentalnische in der Natur erfährt, hat Einfluss auf die Nischenbreite der realisierten Nische.

    Ökologische Nische – Nischenbreite: Generalisten und Spezialisten

    Die Summe an unterschiedlichen Ressourcen, welche eine Art nutzen kann, wird als Nischenbreite bezeichnet.

    Ökologische Nischen können recht schmal oder auch sehr breit sein.

    Unterteilt werden kann in Arten mit einer großen Nischenbreite, die Generalisten und jenen mit einer eher schmalen Nischenbreite, die Spezialisten.

    Ökologische Nische: Generalisten

    Arten, die zu den Generalisten gehören, besitzen eine breite ökologische Nische, sie sind dementsprechend nicht von speziellen Lebensbedingungen und Ressourcen abhängig und können sich besser an Veränderungen anpassen. Nahrungsgeneralisten besitzen zum Beispiel viele unterschiedliche Nahrungsquellen.

    Zu den Nahrungsgeneralisten zählen etwa die Schweine – sie gehören zu den Allesfressern, besitzen also eine Vielzahl an Nahrungsquellen.

    Ökologische Nische: Spezialisten

    Die Spezialisten haben eine eher schmale Nischenbreite, sie sind meist von sehr speziellen Lebensbedingungen und Ressourcen abhängig. In Bezug auf die Nahrungsnische bedeutet das, dass sie nur eine sehr bestimmte Nahrungsquelle besitzen und sich auf diese festgelegt haben.

    Zu den Nahrungsspezialisten gehören zum Beispiel Koalas – sie ernähren sich ausschließlich von Eukalyptus.

    Ob eine Art sich zu den Generalisten oder zu den Spezialisten entwickelt, hängt von den vorherrschenden Bedingungen bei der Nischenbildung ab. Gibt es zum Beispiel sehr viele unterschiedliche Nahrungsangebote, wird sich die Art wahrscheinlich eher zu Generalisten entwickeln, gibt es allerdings nur wenig Nahrungsquellen oder starke Konkurrenz, ist häufig eine Entwicklung zu Spezialisten die Folge.

    Auch nach der Ausbildung der ökologischen Nische ist ein Wandel jedoch noch möglich. Tun sich bspw. neue Nahrungsquellen auf, etwa weil ein Konkurrent wegfällt, kommt es zu einer Nischenerweiterung. Wenn durch mehr Konkurrenz jedoch weniger Nahrungsquellen zur Verfügung stehen, führt dies zu einer Spezialisierung bzw. Einigung der Nische.

    Ökologische Nischen Beispiele: Wüstenfuchs

    Jede Art, sowohl Pflanzen als auch Tierarten haben ihre ganz eigene spezifische ökologische Nische. Beispiele für ökologische Nischen gibt es demnach schier unendlich viele. Im Folgenden das Beispiel für die ökologische Nische des Wüstenfuchses.

    Der Wüstenfuchs (Fennek) lebt in Sandwüsten in Nordafrika. Sein Körperbau und Verhalten hat sich über die Zeit hervorragend an die Umweltbedingungen, an das Leben in Wüsten angepasst: Er ist vergleichsweise winzig, flink und beweglich. Zudem hat er sehr große Ohren, um darüber überschüssige Wärme abgeben zu können.

    Wüstenfüchse sind die weltweit kleinsten Wildhunde.

    Wüstenfüchse leben meist in Paaren und mit ihren Jungen zusammen und sind dämmerungs- und nachtaktiv, um der Hitze am Tag zu entkommen. Sie gehören zu den Allesfressern, sind also Nahrungsgeneralisten. Wüstenfüchse fressen vorwiegend kleine Tiere, etwa Mäuse und Insekten, aber auch Knollen und Früchte. Sie erhalten ihre Flüssigkeit ebenfalls durch die Nahrung und sind nicht angewiesen zu trinken.

    Wüstenfüchse besitzen vergrößerte Paukenhöhlen, dies ermöglicht ihnen tiefe Geräusche wahrzunehmen, wie Bewegungen im Sand von Insekten, nach denen sie dann gezielt graben können.

    Zu den Feinden des Wüstenfuchs gehört hauptsächlich der Mensch. Noch immer werden sie aufgrund ihres Felles gejagt und auch als Haustier verkauft. Zu den Fressfeinden zählen insbesondere Hyänen und Schakale. Ebenfalls gelten Wüstenfüchse als Endwirt unterschiedlicher Parasiten, wie verschiedene Bandwürmer.

    Ökologische Nische – Gefährdung

    Unterschiedliche Eingriffe in Ökosysteme bzw. in die Natur insgesamt können den ökologischen Nischen von Lebewesen schaden.

    Dazu gehören zum Beispiel:

    • die Folgen der Klimakatastrophe
    • Dünger und Pestizide
    • Gebietsfremde Arten, welche den heimischen Arten schaden bzw. sie verdrängen (Invasive Arten)

    Insgesamt sind die ökologischen Nischen der Spezialisten schneller gefährdet, da sie von sehr speziellen Lebensbedingungen und Ressourcen abhängig sind. Den Generalisten gelingt es meistens besser sich an veränderte Bedingungen anzupassen bzw. mit diesen leben zu können.

    Ökologische Nische – Das Wichtigste

    • Die ökologische Nische ist das Beziehungsgefüge einer bestimmten Art mit den für sie relevanten biotischen und abiotischen Umweltfaktoren.

    • Zu den für die ökologische Nische relevanten Umweltfaktoren zählen unter anderem: Fressfeinde, Parasiten und Konkurrenten sowie Nahrungsquellen, Schlaf- und Nistplätze, Wasserverfügbarkeit und Aktivitätszeiten.

    • Besitzen zwei Arten, welche gemeinsam in einem Lebensraum leben, eine ähnliche ökologische Nische, kommt es zu direkter Konkurrenz. Die konkurrenzstärkere Art verdrängt die konkurrenzschwächere Art. Die schwächere Art passt sich dann an etwas andere Umweltbedingungen an, verändert so ihre ökologische Nische und vermeidet weitere Konkurrenz.

    • Man unterscheidet zwischen der Fundamentalnische (fundamentale Nische) und Realnische.

    • Ökologische Nischen können recht schmal oder auch sehr breit sein. Arten mit einer breiten Nische werden als Generalisten und Arten mit einer schmalen Nische als Spezialisten bezeichnet.

    • Unterschiedliche Eingriffe in Ökosysteme können den ökologischen Nischen von Lebewesen schaden. Zu diesen Eingriffen zählen zum Beispiel: die Folgen der Klimakatastrophe und das Nutzen von Dünger und Pestiziden.

    Nachweise

    1. Spektrum.de: Ökologische Nische. (05.06.2022)
    2. Sarah Brockhaus (2019): Ökologische Nische: So passen sich Lebewesen an schwere Bedingungen an. Utopia.de.
    3. Magdalena Schmude (2017): Konkurrenz und Koexistenz. Warum nicht jede ökologische Nische besetzt ist. Deutschlandfunk.de

    Was besagt das Konkurrenzausschlussprinzip?

    Das Konkurrenzausschlussprinzip besagt, dass zwei Arten mit den gleichen ökologischen Ansprüchen, also einer sehr ähnlichen ökologischen Nische, die im gleichen Biotop leben, immer in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Die konkurrenzstärkere Art verdrängt dann immer die konkurrenzschwächere Art. Dieser Vorgang wird auch als auskonkurrieren bezeichnet.

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    Häufig gestellte Fragen zum Thema Ökologische Nische

    Was ist eine ökologische Nische?

    Die ökologische Nische einer Art ist die Summe aller Beziehungen (Beziehungsgefüge), welche sie zu ihrer Umwelt, also den für sie relevanten biotischen und abiotischen Umweltfaktoren, hat.

    Was gehört alles zur ökologischen Nische?

    Sehr viele unterschiedliche biotische und abiotische Faktoren können Teil einer ökologischen Nische sein. Unter anderem gehören die biotischen Faktoren: Fressfeinde, Parasiten und Konkurrenten und die abiotischen Faktoren: Nahrungsquellen, Schlaf- und Nistplätze, Wasserverfügbarkeit und Aktivitätszeiten häufig zur ökologischen Nische.

    Was würde passieren, wenn zwei Tiere die gleiche ökologische Nische bilden würden?

    Es gibt jede ökologische Nische nur ein einziges Mal auf der Welt, allerdings kommt es häufig zu Nischenüberlappungen zwischen den ökologischen Nischen zweier Arten. Wenn diese sich den gleichen Lebensraum teilen, resultiert daraus meist interspezifische Konkurrenz. Die konkurrenzstärkere Art verdrängt dann die konkurrenzschwächere Art. Woraufhin die verdrängte Art ihre ökologische Nische etwas ändert und so weitere Konkurrenz vermeidet.

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