Parasympathikus: Funktion, Definition, Aktivierung | StudySmarter
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Parasympathikus

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Biologie

In diesem Artikel geht es um den Parasympathikus. Wir erklären dir, was der Parasympathikus ist, wie er die Organe in unserem Körper steuert und alles Wissenswerte, was du zum Parasympathikus wissen solltest. Dieser Artikel gehört zum Fach Biologie und erweitert das Thema Neurobiologie.



Parasympathikus allgemein

Bestimmt hast du schon einmal gehört, dass man direkt vor dem Sport lieber keine größeren Mahlzeiten zu sich nehmen soll. In den meisten Fällen ist uns nach einer großen Portion aber ohnehin eher nach einem Nickerchen als nach einem Marathon zumute. Aber warum ist das so?


Verantwortlich dafür ist mitunter der Parasympathikus. Der Parasympathikus ist der Teil des vegetativen ( = unwillkürlichen) Nervensystems, der in Ruhe- und Regenerationsphasen überwiegt. Man spricht hierbei auch vom “Rest-and-Digest”-Modus. Sein Gegenspieler ist der Sympathikus, welcher in “Fight-and-Flight”-Situationen überwiegt.



Nach einer Mahlzeit liegt die Priorität des Körpers bei der Verdauung der aufgenommenen Nahrung und der Absorption der Nährstoffe. Dementsprechend wird in einer solchen Situation der Parasympathikus aktiv. Er sorgt dafür, dass der Verdauungstrakt besonders gut durchblutet wird. In der Folge werden Gehirn und Muskulatur verhältnismäßig weniger durchblutet und wir fühlen uns weniger leistungsfähig. 


Der Parasympathikus regt also die Verdauung an. Im Allgemeinen wirkt der Parasympathikus aber auf die Organe unseres Körper hemmend. Man bezeichnet seine Wirkung auch als trophotrop, also auf den Aufbau körpereigener Vorräte ausgerichtet. Sein Gegenspieler - der Sympathikus - wirkt hingegen ergotrop, d.h. leistungssteigernd. 


Neben dem Verdauungstrakt beeinflussen die beiden Teilen des vegetativen Nervensystems auch fast alle anderen Organe, wie z.B. die Augen, das Herz, die Lunge, die Harnblase und viele mehr. 



Anatomie des Parasympathikus 

Der Parasympathikus wird auch also kraniosakrales System bezeichnet. Das kommt daher, dass sich das Ursprungsgebiet der parasympathischen Nervenzellen innerhalb des Schädels (lateinisch Cranium) im Hirnstamm und im sakralen (von lateinisch Os sacrum = Kreuzbein) Bereich des Rückenmarks befindet. Der Parasympathikus entspringt also genau wie der Sympathikus auch dem zentralen Nervensystem und verläuft dann weiter in der Peripherie des Körpers, also außerhalb des ZNS. 


Grundsätzlich sind die parasympathischen Nerven mit Ursprung im Hirnstamm eher zuständig für die Versorgung der Organe des Kopfbereichs und die inneren Organe in der Brust- und Bauchhöhle. Die parasympathischen Nervenzellen mit Ursprung im Kreuzmark hingegen sind beteiligt an der Bildung des sogenannten Unterbauchgeflechts. In diesem Nervengeflecht treffen sich sympathische und parasympathische Nervenfasern. Die vegetativen Nervenfasern aus dem Unterbauchgeflecht ziehen dann zu den in der Beckenhöhle befindlichen Organe wie der Blase oder der Gebärmutter. 


Die Zellkörper des ersten ( = präganglionären) parasympathischen Neurons befinden sich im Hirnstamm in sogenannten Kerngebieten (lateinisch Nuclei). Die parasympathischen Kerngebiete umfassen die Nuclei von vier Hirnnerven, nämlich den Nucleus


  • des dritten Hirnnervens (Nervus oculomotorius),
  • des siebten Hirnnervens (Nervus facialis),
  • des neunten Hirnnervens (Nervus glossopharyngeus) und
  • des zehnten Hirnnervens (Nervus vagus).


 


Nervenzellen, welche vom zentralen Nervensystem zu einem Ganglion ziehen, bezeichnet man auch als präganglionär. Dagegen bezeichnet man Nervenzellen, die vom Ganglion zu einem Organ ziehen, als postganglionär. 

Im Rückenmark befinden sich die Zellkörper des präganglionären, parasympathischen Neurons im Seitenhorn der grauen Substanz des Kreuzmarks. Im sakralen Bereich des Rückenmarks sind die Seitenhörner allerdings nicht so deutlich ausgeprägt wie im Brust- und Lendenbereich, aus welchem der Sympathikus hervorgeht. 


Die parasympathischen Nervenfasern, die von den Rückenmarkssegmenten S2 bis S4 wegziehen, bezeichnet man als Nervi splanchnici pelvici. Sie werden in einem Nervengeflecht, dem Unterbauchgeflecht (lateinisch Plexus hypogastricus inferior), umgeschaltet. Indem sie die Organe der Beckenhöhle parasympathisch versorgen sind sie wichtig für die Defäkation (= Entleerung des Enddarmes) und die Miktion (= Harnlassen), weil sie Teile des Dickdarms und die Harnblase versorgen.

 

In der Nähe der jeweiligen Organe, die durch den Parasympathikus versorgt werden, befinden sich die Ganglien. In diesen liegen die Zellkörper des zweiten sympathischen Neurons. Hier erfolgt also eine Umschaltung von dem prä- auf das postganglionäre Neuron. Das passiert bei den Nervi splanchnici pelvici in den Ganglien in der Darmwand und im Unterbauchgeflecht. 


Abgesehen von den organnahen Ganglien gibt es die Kopfganglien, in denen auch eine Umschaltung der parasympathischen Nerven stattfinden. Es gibt vier parasympathische Kopfganglien:


  • Ganglion ciliare: Es liegt in der Augenhöhle zur Versorgung des Ziliarmuskels und des Muskels für die Pupillenverengung. Hier werden die Neurone aus dem Kerngebiet des N. oculomotorius umgeschaltet. 


  • Ganglion pterygopalatinum: Es liegt in der Nähe des Gaumens zur Versorgung der Gaumen- und Nasenschleimhaut, sowie der Tränendrüse. Hier werden die Neurone aus dem Kerngebiet des N. facialis umgeschaltet. 


  • Ganglion oticum: Es liegt im Bereich der Schädelbasis und ersorgt u.a. die Ohr- und Wangenspeicheldrüsen. Hier werden die Neurone aus dem Kerngebiet des N. glossopharyngeus umgeschaltet.


  • Ganglion submandibulare: Es befindet sich in der Unterkiefergegend und versorgt die Unterzungenspeicheldrüse und die  Unterkieferspeicheldrüse; hier auch Umschaltung von Nerven aus Kerngebiet des N. facialis)


Die Ganglien werden auch als Nervenknoten bezeichnet, da man sie sogar mit dem bloßen Auge als knotig verdickte Bereiche eines Nerven erkennen kann.


Neben den parasympathischen Nervenfasern passieren auch Nervenfasern mit anderen Faserqualitäten die Ganglien, z.B. motorische oder sympathische Nervenfasern, welche dort aber nicht umgeschaltet werden.


Der größte Nerv des parasympathischen Nervensystems ist der Nervus vagus, der zehnte Hirnnerv. Er spielt eine wichtige Rolle bei der parasympathischen Innervation der meisten inneren Organe. Er verlässt den Schädel und läuft zusammen mit der Halsschlagader zur Brusthöhle, um dort z.B. Herz und Bronchien zu versorgen. In seinem weiteren Verlauf zieht er noch zu vielen weiten Organen wie der Leber, den Nieren und der Milz.


Der Nervus vagus ist der wichtigste parasympathische Nerv in der Brust- und Bauchhöhle. Er erfüllt aber neben parasympathischen auch andere Funktionen, z.B. die sensible Innervation des Rachens und die motorische Innervation des Gaumens. 


Während beim Parasympathikus die Ganglien nahe bei den Erfolgsorganen liegen, liegen die Ganglien des Sympathikus im Grenzstrang nahe der Wirbelsäule. Deswegen ist beim Sympathikus das präganglionäre Neuron - also das Neuron mit Ursprung im ZNS - kurz. Das postganglionäre sympathische Neuron, welches nach dem Ganglion zum Erfolgsorgan zieht, ist hingegen lang. 


Im parasympathischen Nervensystem verhält es sich dagegen genau anders herum. Das Ganglion liegt organnah. Dementsprechend ist das präganglionäre Neuron lang und das postganglionäre Neuron verhältnismäßig kurz.



Neurotransmitter des Parasympathikus

Damit Neuronen mit anderen Zellen kommunizieren können, benötigen sie Botenstoffe. Im Nervensystem bezeichnet man diese als Neurotransmitter


Der essentielle Neurotransmitter des Parasympathikus ist das Acetylcholin. Es kommt sowohl in den Ganglien als auch am Erfolgsorgan zum Einsatz. Beim Sympathikus ist das anders: hier schüttet das präganglionäre Neuron zwar auch Acetylcholin aus, aber am Erfolgsorgan wird i.d.R. Noradrenalin als Neurotransmitter genutzt. Durch die Nutzung unterschiedlicher Neurotransmitter durch die beiden Systeme weiß das Organ, wie es auf die weitergeleiteten Reize reagieren soll und es kommt entweder zur Erhöhung oder Erniedrigung der Aktivität. 



Abb. 1: Neurotransmitter des Parasympathikus


Acetylcholin wird von dem Enzym Cholinacetyltransferase aus Cholin und Acetyl-CoA hergestellt. Es ist ein wichtiger Neurotransmitter, der nicht nur im vegetativen Nervensystem eine wichtige Rolle spielt sondern z.B. auch an der neuromuskulären Endplatte, wo Nervenzelle auf Muskelzelle trifft. Nach der Ausschüttung im synaptischen Spalt wird Acetylcholin durch das Enzym Acetylcholinesterase abgebaut. Viele Arzneimittel entfalten ihre Wirkung, indem sie diesen Enzym hemmen. 


Im Parasympathikus kommen zwei verschiedene Typen von Rezeptoren für das Acetylcholin vor: nikotinerge und muskarinerge Rezeptoren. An nikotinerge Acetylcholinrezeptoren kann neben Acetylcholin auch Nikotin binden. Man findet diese Rezeptoren in den vegetativen Ganglien. Die muskarinergen Acetylcholinrezeptoren werden nicht nur durch Acetylcholin, sondern auch durch das Pilzgift Muskarin aktiviert. Sie lassen sich weiter in Subtypen einteilen, die sich an verschiedenen Organen befinden. So findet sich der M2-Rezeptor z.B. am Herzen und der M3-Rezeptor an den Bronchien. 



Funktionen des Parasympathikus

Der Parasympathikus ist einer der drei Anteile des vegetativen Nervensystems. Das vegetative Nervensystem, welches auch als autonomes Nervensystem bezeichnet wird, steuert die unwillkürlich ablaufende Vorgänge im Körper. Diese Vorgänge können nicht direkt bewusst gesteuert werden.


Wie bereits erwähnt, setzt sich das vegetative Nervensystem aus drei Anteilen zusammen:



Das enterische Nervensystem liegt zwischen den Muskelschichten des Magen-Darm-Traktes und wirkt dort als eigenständiges Nervensystem. Trotzdem haben Sympathikus und Parasympathikus Einfluss darauf. Dem vegetativen Nervensystem steht das somatische Nervensystem gegenüber. Es wird auch als animalisches oder willkürliches Nervensystem bezeichnet, weil es die bewusst ablaufenden Körperfunktionen, z.B. bewusste Bewegungen, steuert.


Neben der funktionellen Einteilung in  das vegetative und das somatische Nervensystem gibt es auch eine topographische Einteilung nach der Lage im Körper. Hierbei unterscheidet man das zentrale Nervensystem, bestehend aus Rückenmark und Gehirn, und das periphere Nervensystem.


Der Parasympathikus ist verantwortlich für den Aufbau von Reserven und die Erholung. Wie er dazu die verschiedenen Organe beeinflusst, werden wir in den nächsten Abschnitten sehen.


Wirkung des Parasympathikus auf die Augen

Der Parasympathikus führt am Auge zur Miosis, also zur Engstellung der Pupille. Dafür sind parasympathische Nerven verantwortlich, die zu den Pupillenverengern ziehen. Außerdem versorgen parasympathische Nerven den Ziliarmuskel. Dieser Muskel ist essentiell für die Nahakkomodation, d.h. die Naheinstellung der Linse.


Bei der Nahakkomodation wird die Brechkraft der Linse mithilfe des Ziliarmuskels so eingestellt, dass Objekte in kurzer Distanz scharf erscheinen. Dazu kontrahiert der Muskel und die Zonulafasern, an welchen die Linse “aufgehängt” ist, entspannen sich. In der Folge krümmt sich die Linse, da sie im entspannten Zustand gewölbt ist. 


Wirkung des Parasympathikus auf das Herz

Der Parasympathikus erzielt am Herzen verschiedene Effekte. Er wirkt:


  • negativ chronotrop, da er die Herzfrequenz herabsetzt und

  • negativ dromotrop, da er die Erregungsleitung verzögert.


Der Sympathikus als Gegenspieler bewirkt das Gegenteil. Er steigert also die Herzfrequenz und beschleunigt die Erregungsleitung. Insgesamt kann er das Herz aber vielfältiger beeinflussen als der Parasympathikus. Denn über bereits erwähnte Effekte hinaus wirkt er positiv inotrop, da er die Kontraktionskraft des Herzens steigert und positiv lusitrop, da er zu einer schnelleren Relaxation des Herzmuskels führt. 


Wirkung des Parasympathikus auf die Lunge

Auch der Atemtrakt wird sympathisch und parasympathisch innerviert. Wenn der Parasympathikus überwiegt, dann kommt es in der Lunge zu einer Verengung der Bronchien und zu einer gesteigerten Sekretion von Schleim.



Wirkung des Parasympathikus auf den Magen-Darm-Trakt

Im Verdauungstrakt wirkt der Parasympathikus nicht beruhigend, sondern anregend. Das ist auch logisch, da er verantwortlich ist für den Aufbau von Energiereserven und für die Regeneration. Im Verdauungstrakt ist der Sympathikus derjenige Anteil des vegetativen Nervensystems, welcher die Aktivität herabsetzt. Der Parasympathikus hingegen fördert die Motilität, d.h. die Bewegungen des Gastrointestinaltraktes und die Drüsensekretion.


Wirkung des Parasympathikus auf die Harnblase

Die Wirkung des Parasympathikus auf die Harnblase ist ähnlich wie die auf den Magen-Darm-Trakt, denn der Parasympathikus bewirkt die Miktion (= Harnlassen). Dieser Effekt ist beispielsweise relevant für die medikamentöse Therapie von Störungen der Blase.


Sonstige Wirkungen des Parasympathikus

Nicht nur die erwähnten, sondern nahezu alle Organe (z.B. auch die Speicheldrüsen) des Körpers werden parasympathisch innerviert. Am besten leitest du dir daher die Wirkungen des Parasympathikus auf die verschiedenen Organe logisch her, anstatt sie für jedes Organ auswendig zu lernen. Überlege dir dazu einfach, welcher Effekt in einer Ruhesituation sinnvoll wäre.


Zusammenspiel von Parasympathikus und Sympathikus 

Aufgrund ihrer meistens antagonistischen, also gegensätzlichen Wirkung, bezeichnet man Parasympathikus und Sympathikus auch als Gegenspieler des vegetativen Nervensystems.

 

Der Parasympathikus überwiegt als grundsätzlich beruhigend wirkender Part im “Rest-and-Digest”-Modus, während der Sympathikus im “Fight-and-Flight”-Modus das Gleichgewicht auf seine Seite verschiebt. Er bewirkt also in kritischen Situationen eine Steigerung der Leistung ( = trophotrope Wirkung). 


Die antagonistische Wirkung wird dadurch ermöglicht, dass die meisten Organe sowohl sympathisch als auch parasympathisch versorgt werden und die unterschiedlichen Systeme dabei mit den bereits besprochenen verschiedenen Neurotransmittern arbeiten. Besonders anschaulich sind die entgegengesetzten Effekte der beiden Systeme, wenn man z.B. die Pupille oder das Herz betrachtet. An der Pupille sorgt der Sympathikus für eine Erweiterung der Pupille, während der Parasympathikus sie verengt.  Am Herzen erhöht der Sympathikus die Herzschlagfrequenz und der Parasympathikus senkt sie.


Die Bezeichnung als “Gegenspieler” ist aber nicht in allen Fällen richtig. Manche Organe werden nur von einem der beider vegetativ innerviert. Dazu gehören z.B. die Schweißdrüsen, welche nur sympathisch innerviert werden. Die Tränendrüsen sind ein Beispiel für ein Organ, das lediglich parasympathisch innerviert wird.



Nicht nur die Wirkung von Sympathikus und Parasympathikus unterscheiden sich, sondern auch die Lage der Wurzelzellen der Gegenspieler ist unterschiedlich. Weil der Sympathikus seine Ursprungsneurone vor allem im Brust- und Lendenteil des Rückenmarks hat, heißt dieser auch thorakolumbales System. Wir erinnern uns, dass der Parasympathikus hingegen seinen Ursprung im Hirnstamm und im sakralen Bereich des Rückenmarks hat und deswegen als kraniosakrales System bezeichnet wird.


In der folgenden Tabelle siehst du eine kurze Übersicht über die verschiedenen Wirkungen und die jeweiligen Gegenwirkungen von Sympathikus und Parasympathikus. 



OrganSympathikusParasympathikus
Augen Erweiterung der PupilleVerengung der Pupille

HerzSteigerung der Herzfrequenz und KontraktionskraftVerringerung der Herzfrequenz

LungeErweiterung der BronchienVerengung der Bronchien
Magen-Darm-TraktVerringerung der Motilität und DrüsensekretionErhöhung der Motilität und Drüsensekretion



Störungen des Parasympathikus

Der Parasympathikus kann von Störungen betroffen sein, beispielsweise im Rahmen einer vegetativen Dystonie. Darunter versteht man eine Störung, bei der das Gleichgewichtsverhältnis von Parasympathikus und Sympathikus verschoben ist. 


Innerhalb der vegetativen Dystonie unterscheidet man die Sympathikotonie und die Parasympathikotonie. Bei der Parasympathikotonie ist das Gleichgewichtsverhältnis auf die Seite des Parasympathikus verschoben. Die Parasympathikotonie zeigt sich in Form von engen Pupillen, niedrigem Puls und weiteren Symptomen, die sich durch die Wirkung des Parasympathikus auf den Körper erklären lassen. 



Parasympathomimetika und Parasympatholytika

Sowohl Sympathikus als auch Parasympathikus können mithilfe von Medikamenten beeinflusst werden. Im Fall von Medikamenten, die den Parasympathikus modulieren, spricht man von Parasympatholytika und Parasympathomimietika. Parasympatholytika sind dabei Wirkstoffe, welche die Wirkung des Parasympathikus hemmen. Parasympathomimetika hingegen fördern die parasympathischen Effekte.


Parasympathomimetika

Innerhalb der Parasympathomimetika unterscheidet man direkte und indirekte Wirkstoffe. Wir erinnern uns, dass der Neurotransmitter des Parasympathikus Acetylcholin ist. Direkte Parasympathomimetika imitieren diesen Botenstoff und führen auf diese Weise zur Verstärkung des Parasympathikus. 


Ein Anwendungsgebiet für derartige Stoffe ist z.B. der Grüne Star, bei dem der Augeninnendruck erhöht ist, wodurch es zur Sehnervschädigung kommen kann. Durch die Wirkung des Parasympathomimetikum verengt sich die Pupille und der Abfluss des Kammerwassers wird gefördert, was zur Senkung des Augeninnendrucks führt.


Indirekte Parasympatholytika hemmen das Enzym Cholinesterase, welches den Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt katalysiert. Dadurch bleibt der Botenstoff länger in einer höheren Konzentration im synpatischen Spalt aktiv und die parasympathische Wirkung wird verlängert. Man verwendet solche Stoffe z.B. zur Anregung der Darmmotilität. 

 

Parasympatholytika

Parasympatholytika bewirken genau das Gegenteil. Sie sollen die Wirkung des Parasympathikus hemmen. Dazu wirken sie als kompetitive Hemmstoffe für das Acetylcholin. Vielleicht hast du mit Arzneimitteln dieser Wirkstoffklasse ja selber schon mal beim Augenarzt Bekanntschaft gemacht. Durch die parasympatholytische Wirkung kommt es zur Erweiterung der Pupille und der Augenarzt erhält einen besseren Einblick in das Auge. Parasympatholytika kommen aber z.B. auch bei der Therapie einer überaktiven Blase zum Einsatz.


Ein bekanntes Parasympatholytikum ist das Atropin, das Gift der Tollkirsche. Im 18. Jahrhundert wurde es von Frauen genutzt, um durch die großen Pupillen besonders schön zu wirken. Heutzutage wird es in der Medizin z.B. bei Bradykardie, also einem zu langsamen Herzschlag, eingesetzt.



Parasympathikus - Alles Wichtige auf einen Blick 

  • Das vegetative Nervensystem steuert die unwillkürlichen Vorgänge des Körpers. Es besteht aus dem enterischen Nervensystem, sowie Parasympathikus und Sympathikus, dem Gegenspieler des Parasympathikus. 


  • Der Parasympathikus entspringt aus den Seitenhörner des Kreuzmarks und aus dem Hirnstamm. Man bezeichnet den Parasympathikus daher auch als kraniosakrales System


  • Der wichtigste parasympathische Nerv für die Brust- und Bauchhöhle ist der Nervus vagus, der zehnte Hirnnerv.


  • Der Parasympathikus überwiegt im “Rest-and-Digest”-Modus. Der Parasympathikus senkt die Aktivität der meisten Organe. Er reduziert z.B. die Herzfrequenz, und -kontraktionskraft, verengt die Bronchien und die Pupillen. Auf den Verdauungstrakt wirkt er aktivierend.


  • Das parasympathische Nervensystem lässt sich durch verschiedene Wirkstoffe beeinflussen. Parasympathomimetika erhöhen dabei die Wirkung des Parasympathikus, während Parasympatholytika sie senken. 


FERTIG! Jetzt kennst du die Bedeutung des Parasympathikus und weißt, welche wichtige Rolle er im vegetativen Nervensystem spielt. Der Gegenspieler des Parasympathikus ist der Sympathikus, ein weiterer wichtiger Anteil des vegetativen Nervensystems. Artikel zu diesen und vielen weiteren Themen, Übungsaufgaben und hilfreiche Literatur findest du auf StudySmarter.

sieglinde.sterbling@studysmarter.de

Anbei folgen die FAQs, da speichern nicht möglich

11:36 28.08.2021

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sieglinde.sterbling@studysmarter.de

Was ist der Parasympathikus?

Der Parasympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems. Er überwiegt in Regenerationsphasen des Körpers und wirkt trophotrop.  

11:32 28.08.2021

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sieglinde.sterbling@studysmarter.de

Welche Aufgaben haben Sympathikus und Parasympathikus?
Aufgabe des Sympathikus ist es, in kritischen Situationen für eine Steigerung der Leistung zu sorgen. Der Parasympathikus ist stattdessen für den Aufbau von Energiereserven verantwortlich.

11:33 28.08.2021

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sieglinde.sterbling@studysmarter.de

Wie wirkt der Parasympathikus auf das Herz?
Der Parasympathikus wirkt auf das Herz negativ chronotrop und negativ dromotrop. Das heißt, dass er die Herzfrequenz herabsetzt und die Erregungsleitung verzögert.

11:33 28.08.2021

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sieglinde.sterbling@studysmarter.de

(letzte FAQ-Frage im Sheet "Wie stimuliert man den Parasympathikus" ergibt nicht wirklich Sinn - daher keine Antwort)

11:34 28.08.2021

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