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Nathan der Weise

"Nathan der Weise" gehört zur Textsorte "Drama" und stammt vom deutschen Dichter Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahr 1779. Das Werk befasst sich mit der Frage, welche der drei großen Weltreligionen die Beste sei und gilt als Fürsprache für die Themen Menschlichkeit, Toleranz und Moral. Somit besitzt das Thema auch heutzutage eine große Aktualität, obwohl das Drama bereits im April 1783 in Berlin uraufgeführt wurde.

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Nathan der Weise

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"Nathan der Weise" gehört zur Textsorte "Drama" und stammt vom deutschen Dichter Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahr 1779. Das Werk befasst sich mit der Frage, welche der drei großen Weltreligionen die Beste sei und gilt als Fürsprache für die Themen Menschlichkeit, Toleranz und Moral. Somit besitzt das Thema auch heutzutage eine große Aktualität, obwohl das Drama bereits im April 1783 in Berlin uraufgeführt wurde.

Die folgenden Stichpunkte bieten Dir eine kurze Zusammenfassung des Inhalts von "Nathan der Weise":

  • "Nathan der Weise" gilt als eines der bekanntesten Dramen in der literarischen Epoche der Aufklärung.
  • Das Thema in "Nathan der Weise" kreist um die Geschichte des reichen Juden Nathan.
  • Nathan löst die Frage des Sultans nach der besten Religion mit der sogenannten "Ringparabel".

Außerdem deckt Nathan der Weise die Verwandtschaftsverhältnisse zweier Familien auf, die zunächst durch ihren unterschiedlichen Glauben geteilt scheinen, am Ende aber doch zu einer Großfamilie vereint werden.

"Nathan der Weise" – Zusammenfassung

Nachfolgend findest Du die Zusammenfassung von "Nathan der Weise". Die Eckpunkte des Dramas sind:

  • "Nathan der Weise" spielt in Jerusalem im 12. Jahrhundert.
  • Das Werk gliedert sich in fünf Akte.
  • Das Werk erzählt die Geschichte des reichen und weisen jüdischen Kaufmanns Nathan und seiner Tochter Recha.
  • Recha wird von einem christlichen Tempelritter gerettet.
  • Als zentraler Punkt der Handlung kann Nathans Unterhaltung mit einem Sultan gedeutet werden.
  • Der Sultan stellt Nathan die schwierige Frage nach der wahren Religion.

"Nathan der Weise" – Inhaltsangabe: Die Rettung durch den Tempelritter

Der jüdische Kaufmann Nathan kehrt früher als geplant von einer Handelsreise in seine Heimat Jerusalem zurück, da sein Haus in Brand geraten war. Seine Tochter Recha entkam nur knapp dem Feuertod, da sie von einem christlichen Tempelritter rechtzeitig aus den Flammen gerettet wurde.

Die Tempelritter oder auch Tempelherren waren Angehörige des Templerordens. Dies ist ein geistlicher Ritterorden, der 1118 n. Chr. im Königreich Jerusalem gegründet wurde. Der Tempelorden war der erste Orden, der die zwei Stände des Rittertums und des Mönchtums, die sonst streng voneinander getrennt waren, in sich vereinte.

Nach dem ersten Kreuzzug, bei dem Jerusalem durch die Christen im blutigen Kampf gegen die Muslime eingenommen wurde, verfolgten die Tempelritter ein Ziel: Die Kreuzfahrer und Pilger, die sich auf den Weg nach Palästina machten, zu beschützen.

Entgegen der christlichen Predigt der Armut von Mönchen erlangten die Tempelritter schnell großen Reichtum durch Schenkungen oder die Zahlung von Lösegeld. Dies wurde dem Templerorden bald zum Verhängnis, denn aufgrund von Missgunst wurden Anschuldigungen wegen Unzucht, Satanismus, Ketzerei und weiterer Vergehen gegen sie erhoben.

Schließlich mussten sie militärische Niederlagen in den Städten Jerusalem und Akron hinnehmen, die von den Muslimen zurückerobert wurden. Die Tempelritter zogen sich daraufhin nach Europa zurück. Der Templerorden wurde im Jahr 1312 n. Chr. von Papst Clemens V. aufgelöst.

Rechas Retter wurde als einziger Tempelherr von Sultan Saladin begnadigt, da er seinem verschwundenen Bruder Assad ähnlich sieht. Nur so konnte der Angehörige des Templerordens rechtzeitig zur Stelle sein, um die junge Frau zu retten.

Recha bezeichnet den Tempelherrn, der sofort nach der rettenden Tat verschwunden war, als Engel. Daraufhin wird ihre christliche Erzieherin Deja damit beauftragt, den Retter ausfindig zu machen.

In der Zwischenzeit bekommt Nathan Besuch von dem Derwisch Al-Hafi, ein Bettler und alter Freund, dem Nathan gelegentlich einen Kredit gibt. Al-Hafi berichtet Nathan begeistert davon, dass er nun kein Bettler mehr sei, sondern eine Anstellung als Schatzmeister beim Sultan habe. Trotzdem bittet er Nathan erneut um einen günstigen Kredit – dieses Mal jedoch für den Sultan selbst. Der vermögende Kaufmann erklärt sich nicht bereit, dem Sultan einen Kredit zu gewähren, dem Privatmann Al-Hafi habe er aber immer gerne geholfen.

Derwisch ist die Bezeichnung für einen Anhänger des Sufi-Ordens des muslimischen Glaubens. Die Mitglieder des Ordens sind bekannt für Bescheidenheit und Disziplin sowie für ihre festlichen Rituale mit Musik und Tänzen.

Deja hat den Tempelritter in der Stadt aufgespürt und wird von Nathan damit beauftragt, ihn nicht aus den Augen zu lassen. Der Tempelherr wird währenddessen in der Stadt von einem Klosterbruder darauf angesprochen, ob er für den Patriarchen von Jerusalem den Sultan ausspionieren würde. Der Tempelherr lehnt aber ab, denn er nimmt seine Aufgaben als Soldat sehr ernst. Auch die Einladung Dejas in das Haus von Nathan schlägt der Tempelritter aus, denn er kann sich angeblich nicht an Recha erinnern und möchte das Haus eines Juden nicht betreten.

Der Patriarch in der römisch-katholischen Kirche ist ein Bischof von höchstem Rang, der an der Spitze der kirchlichen Hierarchie über dem Großerzbischof steht. Der Patriarch besitzt die Rechts- und Verwaltungshoheit über seinem Patriarchat.

"Nathan der Weise" – Zusammenfassung: Geldnot des Sultan

Bei einer Partie Schach gegen seine Schwester Sittha schmiedet der Sultan Saladin Pläne, um endlich für Frieden zwischen den Religionsgemeinschaften in der Stadt zu sorgen. Dafür plant er eine Doppelhochzeit zwischen seinen Geschwistern und den christlichen Kreuzfahrern. Diese erklären sich jedoch nur bereit dazu, wenn Sittha und Malek zuerst zum christlichen Glauben konvertieren.

  • Im Gespräch erklärt Saladin seiner Schwester auch, dass er finanzielle Probleme habe.
  • Als Al-Hafi dem Sultan davon berichtet, dass Nathan keinen Kredit zahlen wolle, verzweifelt der muslimischen Herrscher.
  • Zur gleichen Zeit befinden sich Recha und Nathan in Nathans Haus.
  • Recha fragt, ob Deja den Tempelherrn mitbringen wird, denn sie hätte sich in ihren Retter verliebt.
  • Entgegen seiner Aussage in der Stadt hat der christliche Soldat schlussendlich doch noch den Weg zu Nathans Haus gefunden und beginnt ein Gespräch mit dem Kaufmann.

"Nathan der Weise" – Zusammenfassung: Die Frage nach der wahren Religion

Auf Nathans Danksagungen zu Rechas Rettung geht der Tempelherr nicht ein und schenkt dem Gespräch wenig Interesse. Er wird erst empfänglich für die Worte Nathans, als dieser anfängt, über die Werte und Gebräuche des Tempelrordens zu sprechen, mit denen er sich gut auskennt.

  • Nathan beschreibt die Prinzipien des Ordens jedoch als Werte der Menschlichkeit.
  • Dem Tempelritter gefällt die Weisheit und die Einstellung Nathans gegenüber den christlichen Werten.
    • Daraufhin freunden sich die beiden Männer an.
  • Das Gespräch wird von Deja unterbrochen, da der Sultan Nathan zu sich beordert hat.
  • Der Kaufmann und der Tempelherr, der Curd von Stauffen heißt, verabreden sich für einen späteren Zeitpunkt.
  • Recha möchte sich aus Dank überschwänglich vor die Füße des Tempelherrn werfen, was der Ritter jedoch bescheiden ablehnt.
  • Recha macht sich aus Trotz über ihn und den Kodex der Ordensmitglieder lustig.
  • Curd von Stauffen ist beeindruckt von Rechas Schönheit und ihrer selbstbewussten Art.
  • Um seinen Gefallen an ihr nicht offensichtlich zu zeigen, überlegt er sich schnell eine Ausrede und verlässt das Haus.
  • Mit einer Intrige möchte Saladin Nathan dazu bringen, ihm den Kredit doch noch zu gewähren.
  • Er möchte Nathans Weisheit auf die Probe stellen und fragt ihn danach, welche der drei großen Weltreligionen (Judentum, Christentum oder Islam) am besten sei.
  • Nathan erkennt schnell, dass der Sultan mit diesem Ablenkungsmanöver nur provozieren möchte, dass Nathan den Sultan mit seiner Aussage beleidigt, sollte er nicht den Islam als beste Religion benennen.
  • Deshalb beginnt er eine Geschichte (die Ringparabel) zu erzählen, um dem Dilemma auszuweichen.

"Nathan der Weise" – Zusammenfassung: Die Ringparabel

Die Ringparabel in "Nathan der Weise" handelt von einem wertvollen Ring, der die Macht besitzt, den Träger von allen Menschen und von Gott geliebt und angenehm zu machen.

  • Seit Jahren wurde der Ring innerhalb einer Familie vom Vater an denjenigen Sohn weitergegeben, den er am meisten liebt.
  • Einige Generationen später muss ein Vater den Ring an einen seiner drei Söhne weitergeben, die er jedoch alle gleichwertig liebt.
  • Deshalb lässt er zwei weitere Ringe anfertigen, die sich dem Original gleichen, wodurch die drei Ringe nicht mehr voneinander unterschieden werden können.

Die drei Ringe stehen metaphorisch für die drei Weltreligionen. Demnach lässt sich nicht sagen, welche die wahre Religion ist.

  • Der Sultan entgegnet auf Nathans Geschichte hin, dass die Religionen sich im Gegensatz zu den Ringen voneinander unterscheiden würden.
  • Nathan fährt mit der Erzählung der Parabel fort.
  • So haben nach dem Tod des Vaters die Söhne im Streit um den richtigen Ring einen Richter aufgesucht.
    • Dieser sagte ihnen, dass jeder von ihnen seinen Ring so tragen solle, als wäre es der wahre und auch so leben sollen, dass sie im Sinne Gottes und zum Wohl der Menschen handeln.

Der Sultan erkennt beschämt, dass sich die Frage nach der wahren Religion nicht beantworten lässt und den Menschen ein Urteil über die Religionen nicht zusteht. Daraufhin schließen Nathan und Saladin Freundschaft und der Kaufmann gewährt dem Sultan ein großzügiges Darlehen.

"Nathan der Weise" – Zusammenfassung: Rechas wahre Eltern

Trotz des Gelübdes seines Ordens gesteht sich der Tempelherr seine Gefühle für Recha ein, was er auch Nathan mitteilt, der jedoch nicht besonders begeistert auf die Nachricht reagiert.

  • Er erklärt Curd von Stauffen, dass Recha nur seine Ziehtochter und eigentlich Christin sei, die er aber im jüdischen Glauben erzogen habe.
  • Der Tempelherr ist empört darüber, dass Recha gegen ihre Natur erzogen wurde.
  • Er wendet sich an den christlichen Patriarchen, um zu erfahren, ob die Erziehung in einem fremden Glauben erlaubt sei.
  • Der Patriarch spricht sich strikt dagegen aus, denn es handle sich dabei um Apostasie, die mit dem Tod bestraft wird.
  • Der Tempelritter ist erschrocken über die Härte der Bestrafung, da das Töten gegen die Prinzipien seines Glaubens verstößt, weshalb er den Patriarchen prompt wieder verlässt.

Unter Apostasie versteht man die Abwendung von einer Religionszugehörigkeit, um eine andere anzunehmen.

  • Sultan Saladin bietet dem Tempelritter eine Arbeit an, bei der ihm religiöse Freiheit gewährt werden würde, woraufhin der Tempelherr einwilligt.
  • Als Saladin über Nathan redet, reagiert Curd von Stauffen gereizt.
  • Er wirft dem Kaufmann vor, alle christlich Gläubigen in Juden verwandeln zu wollen, weshalb Nathan einer Hochzeit mit Recha nicht zustimmen würde.
  • Der Sultan verteidigt Nathan und verspricht dafür zu sorgen, dass der Ritter und Recha zusammenkommen.
  • Als die Schwester des Sultans Sittha hinzutritt, gibt auch sie zu, dass der Tempelritter dem verlorenen Bruder des Sultans ähnlich sehe.
  • Der Klosterbruder Bonafides sucht Nathan auf, um herauszufinden, welcher Jude seine christliche Tochter im "falschen" Glauben aufziehe.
  • Jedoch weiß der Klosterbruder bereits über Nathan und seine Tochter Bescheid, denn er selbst war es gewesen, der Recha zu dem Kaufmann gebracht hatte, nachdem ihre Eltern verstorben waren.
  • Ihr Vater Wolf von Filnek war ein guter Freund von Nathan und starb im Krieg.
  • Nathan nahm das kleine Mädchen gerne auf, da kurz zuvor seine gesamte Familie von Christen getötet wurde.
  • Durch das Kind konnte er seine Einsamkeit überwinden und sah wieder einen Sinn in seinem Leben.

Nathan beauftragt Bonafides damit, ihm das Gebetsbuch von Wolf von Filnek zu bringen, da er gerne mehr über die Verwandtschaftsverhältnisse herausfinden wolle und die Angehörigen der Filneks darin niedergeschrieben seien. Im Folgenden wird Recha von Daja darüber aufgeklärt, dass sie nicht Nathans leibliche Tochter sei. Auch der Tempelritter bittet Nathan um Entschuldigung und erbittet Erlaubnis, um Rechas Hand anzuhalten.

"Nathan der Weise" – Ende

Am Ende von "Nathan der Weise" versammeln sich die Figuren in Saladins Palast, wo Nathan ankündigt, dass er aus dem Gebetsbuch einige Erkenntnisse ziehen konnte.

  • Der Name des Tempelritters Curd von Stauffen sei ihm schon von Anfang an bekannt vorgekommen.
  • Der Tempelritter hatte seinen Namen von seinem Onkel, der ihn aufgezogen hatte, erhalten.
  • Sein leiblicher Vater war Wolf von Filnek, was ihn zu Rechas Bruder machen würde, deren wahrer Name Blanda von Filnek laute.
  • Wolf von Filnek ist wiederum der verschwundene Bruder des Sultans, der mit einer Christin verheiratet war.
  • Nachdem die Verwandtschaftsverhältnisse am Ende aufgeklärt wurden, fällt sich die Familie glücklich in die Arme.

"Nathan der Weise" – Charakterisierung

Für eine Charakterisierung von "Nathan der Weise" können die Hauptfiguren betrachtet werden. Diese sind Nathan, seine Tochter Recha und der erweiterte Familienkreis, der sich am Ende der Erzählung offenbart. Denn Nathan deckt unbekannte Verwandtschaftsverhältnisse auf, wie Du aus der unten stehenden Figurenkonstellation entnehmen kannst.

"Nathan der Weise" – Charakterisierung: Nathan

Die Figur Nathan aus "Nathan der Weise" ist ein wohlhabender jüdischer Kaufmann, der häufig auf Geschäftsreisen ist. Weitere Merkmale dieser Figur sind:

  • fürsorglicher Vater seiner Adoptivtochter Recha,
  • großzügig, da er häufig Kredite vergibt,
  • seine Familie wurde von Christen getötet,
  • weiser und vernunftbegabter Mann, der andere zum Nachdenken bewegt,
  • diplomatisch und begabt im Umgang mit Menschen,
  • lehnt keine der Religionen ab,
  • aufgeklärter Mensch und Vordenker seiner Zeit.

"Nathan der Weise" – Charakterisierung: Recha

Die Figur Recha kann als Adoptivtochter von Nathan in die Handlung von "Natha der Weise" eingeordnet werden. Weitere Merkmale dieser Figur sind:

  • ca. 18 Jahre alt,
  • wird von einem Tempelritter aus einem brennenden Haus gerettet,
  • wurde von Nathan dazu erzogen, ihren Verstand zu gebrauchen,
  • verliebt sich in den Tempelritter,
  • findet später im Drama heraus, dass Nathan nicht ihr leiblicher Vater ist,
  • ist getaufte Christin, wurde aber im jüdischen Glauben erzogen,
  • ihr eigentlicher Name ist Blanda von Filnek,
  • ist die Schwester des Tempelritters und gleichzeitig die Nichte des Sultan.

"Nathan der Weise" – Charakterisierung: Tempelherr

Die Figur des Tempelherrs, Curd von Stauffen, kann als Kreuzfahrer in die Handlung von "Nathan der Weise" eingeordnet werden. Weitere Merkmale dieser Figur sind:

  • wurde vom Sultan begnadigt, weil er ihn an seinen verschollenen Bruder erinnert,
  • rettet Recha aus brennendem Haus,
  • zunächst abweisend und hat Vorurteile gegenüber Andersgläubigen,
  • freundet sich dennoch mit Nathan an und verliebt sich in Recha,
  • handelt impulsiv, da er Nathan sofort anzeigt, als er erfährt, dass Recha im "falschen" Glauben erzogen wurde,
  • ist hin- und hergerissen zwischen seinem christlichen Glauben und den brutalen Handlungen der Kreuzritter und des Patriarchen, da sie sich widersprechen,
  • legt schließlich seine Vorurteile gegenüber den Juden ab,
  • ist Rechas leiblicher Bruder und der Sohn des verschwundenen Bruders von Sultan Saladin.

Den Namen von Stauffen erhielt Curd von seinem christlichen Onkel. Sein Vater, der eigentlich Assad hieß und ein Bruder des Sultans ist, gab sich den christlicheren Namen Wolf von Filnek.

"Nathan der Weise" – Charakterisierung: Sultan Saladin

Sultan Saladin kann als Figur eines herrschenden Sultans über Jerusalem in die Handlung von "Nathan der Weise" eingeordnet werden. Weitere Merkmale dieser Figur sind:

  • Bruder von Sittah, Melek und dem verschollenen Assad,
  • lebt in reichen Verhältnissen, benötigt aber Geld für die Stadt, weswegen er einen Kredit bei Nathan aufnehmen möchte,
  • möchte Frieden für seine gespaltene Stadt und plant dafür eine Doppelhochzeit zwischen Sittah und Melek, mit Angehörigen der christlichen Familie von König Richard, der jedoch nicht einwilligt,
  • bespricht die Geldnot mit Sittah, die vorschlägt, Nathan eine Falle zu stellen, um sein Geld zu bekommen,
  • ihm werden von Nathan und seiner Ringparabel die Augen geöffnet, er legt seine Intoleranz ab und freundet sich mit Nathan an,
  • Onkel von Recha und dem Tempelritter, da sein Bruder Assad der Vater der beiden ist und damals zum christlichen Glauben konvertiert ist.

"Nathan der Weise" – Figurenkonstellation

Die folgende Figurenkonstellation von "Nathan der Weise" bietet einen Überblick über die Beziehungen der Figuren untereinander. Dieser kannst Du auch die Verwandtschaftsverhältnisse in "Nathan der Weise" entnehmen.

Nathan der Weise Charakterisierung Figurenkonstellation StudySmarter

Abbildung 1: Figurenkonstellation in "Nathan der Weise"

"Nathan der Weise" – Aufbau und Sprache

"Nathan der Weise" folgt dem klassischen Aufbau des Dramas nach Aristoteles in fünf Akten, die jeweils unterschiedlich viele Szenen umfassen und in Exposition, Steigerung, Höhepunkt/Peripetie, retardierendes Moment und der Auflösung gegliedert sind.

Als aristotelisches Drama wird die ursprüngliche Form des Dramas bezeichnet. Es zeichnet sich durch vom griechischen Philosophen Aristotles festgelegte Einheit von Handlung, Zeit und Ort aus. Wenn Du mehr zur Textsorte des Dramas, zum Dramenaufbau oder der Gattung der Dramatik erfahren möchtest, lies Dir die StudySmarter-Erklärung "Drama" durch.

"Nathan der Weise" – Dramenaufbau

Der Dramenaufbau von "Nathan der Weise" erfolgt durch die Betrachtung des Drameninhalts. Dieser lässt sich wie in der folgenden Tabelle dargestellt in die fünf Akte des klassischen Dramas einteilen.

"Nathan der Weise" – Dramenaufbau
Die fünf Akte des klassischen Dramas nach Aristoteles
Die fünf Akte in "Nathan der Weise"
  • 1. Akt: Exposition → Die handelnden Figuren werden vorgestellt und ein erster Konflikt deutet sich an.
1. Akt: Die wichtigsten Figuren des Dramas werden vorgestellt. Ein erster Konflikt zeichnet sich durch die Ablehnung des Tempelritters auf die Einladung Dejas ab. Nachdem Nathan dem Sultan keinen Kredit gewähren möchte, lässt sich auch hier ein Konflikt im weiteren Verlauf des Dramas erahnen.
  • 2. Akt: Steigerung (auch erregendes Moment genannt) → Die Handlung verschärft sich und steuert auf den Höhepunkt zu.

2. Akt: Sultan Saladin gibt seiner Schwester Sittah gegenüber zu, dass er in Geldnot sei. Als Al-Hafi berichtet, dass Nathan keinen Kredit geben werde, schlägt Sittah eine Intrige gegen den Kaufmann vor, um doch Geld von ihm eintreiben zu können. Dieser Plan stellt eine Zuspitzung zum Höhepunkt dar, in dem Nathan seine Ringparabel vorträgt. Außerdem freunden sich Nathan und der Tempelherr in einem Gespräch an.

  • 3. Akt: Höhepunkt (auch Peripetie genannt) → Der Höhepunkt der Handlung ist erreicht.

3. Akt: Den Höhepunkt der Handlung stellt die Frage des Sultans nach der wahren Religion und Nathans Antwort durch die Ringparabel dar. Der Kaufmann tappt nicht in die Falle Saladins, sondern bekehrt ihn zu mehr Toleranz, woraufhin sich die Männer anfreunden.

  • 4. Akt: Retardierendes Moment → Die Handlung fällt nach dem Höhepunkt etwas ab und wird im retardierenden Moment verzögert, um Spannung vor der Katastrophe aufzubauen.

4. Akt: Als sich der Tempelherr an den Patriarchen wendet und erfährt, dass die Erziehung im falschen Glauben mit dem Tod bestraft wird, wendet er sich von ihm ab, da er sich in einem Dilemma zwischen moralischen Werten und den Vertretern seines Glaubens befindet. Die Handlung wird hinausgezögert, indem Nathan erst das Gebetbuch von Wolf von Filnek lesen muss, um sich der Verwandtschaftsverhältnisse sicher zu sein.

  • 5. Akt: Katastrophe → Das Drama endet zumeist mit dem Tod des Protagonisten.

5. Akt: Die Auflösung erfolgt im Palast des Sultan Saladin, als sich herausstellt, dass Recha und der Tempelherr Geschwister und gleichzeitig auch die Nichte bzw. der Neffe des Sultans sind. In der Familie finden sich nun alle Religionen wieder.

Im Gegensatz zum klassischen Drama (Tragödie) steht am Ende von "Nathan der Weise" keine Katastrophe, sondern eine friedliche Auflösung des Konflikts.

"Nathan der Weise" – Textsorte

Hinsichtlich der Textsorte von "Nathan der Weise" lässt sich das Werk in die Gattung der Dramatik einordnen. Allerdings enthält "Nathan der Weise" sowohl Merkmale der Tragödie als auch der Komödie, und ist damit eine Mischform des Dramas.

Nathans Familiengeschichte und -verlust ist z. B. ein tragisches Element, am Ende gibt es jedoch einen glücklichen Ausgang. Ein wichtiger Teil ist auch die Lehre über Toleranz und moralisches Handeln in Form der Ringparabel, weshalb das Werk auch als "dramaturgisches Gedicht" bezeichnet wird.

"Nathan der Weise" – Stilmittel und Sprache

"Nathan der Weise" benutzt als Stilmittel den sogenannten Blankvers.

  • Er beinhaltet einen ungereimten, fünfhebigen Jambus, wobei ein Vers mit männlicher Kadenz aus zehn und bei weiblicher Kadenz aus elf Silben besteht.

Der Blankvers stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde zuerst in der englischen Dichtung verwendet. Da Shakespeare den blank verse in seinen dramatischen Werken verwendete, wird er auch der "Vers Shakespeares" genannt. Ab dem 18. Jahrhundert wurde der Blankvers auch in der deutschen Dichtung, vor allem in der Aufklärung und Klassik verwendet.

Der Jambus ist ein zweisilbiger Versfuß, der aus einer unbetonten und einer betonten Silbe besteht, wie bei dem Wort "Gedicht", da die Betonung auf der ersten Silbe liegt, die zweite Silbe hingegen unbetont bleibt.

Die Kadenz bezeichnet die Betonung am Ende eines Verses, welche entweder betont oder unbetont sein kann. Unterschieden wird zwischen der weiblichen, der männlichen und der reichen Kadenz.

  • Männliche Kadenz: endet auf eine unbetonte und betonte Silbe, wird auch stumpfe Kadenz genannt.
  • Weibliche Kadenz: endet auf eine betonte und unbetonte Silbe, wird auch klingende Kadenz genannt.
  • Reiche Kadenz: endet auf eine betonte und mehrere unbetonte Silben, wird auch volle Kadenz genannt.

Falls Du mehr über den "Vers" oder das "Metrum" erfahren möchtest, lies Dir unsere Artikel darüber durch.

"Nathan der Weise" – Textstellen

Eine Betrachtung der Textstellen aus "Nathan der Weise" zeigt, dass es sich bei dem Werk um eine dramaturgische Dichtung handelt.

  • Der Text kommt der natürlichen Sprache nahe.
  • Das ist möglich, da der Blankvers besonders flexibel ist, keine komplizierte Struktur aufweist und sich nicht reimt.
  • Dies ist z.B. an folgender Textstelle aus "Nathan der Weise" zu erkennen:

Ich komm von einer weiten Reis', auf welcher

Ich Schulden eingetrieben. Fast hab ich

Des baren Gelds zuviel. Die Zeit beginnt

Bedenklich wiederum zu werden; und

Ich weiß nicht recht, wo sicher damit hin.

Da dacht' ich, ob nicht du vielleicht, weil doch

Ein naher Krieg des Geldes immer mehr

Erfordert, etwas brauchen könntest.1

Stilmittel – "Nathan der Weise"

Die Sprache in "Nathan der Weise" ist z. B. durch folgende Stilmittel geprägt:

"Nathan der Weise" – Stilmittel
Enjambements (Zeilensprünge) bzw. Hakenstil
Stichomythie (schnelle Wechselreden)
Metaphern (z.B.: die Ringe der Ringparabel stehen für drei Religionen)
Inversionen (Satzgliedumstellung, z.B. um das Metrum einzuhalten)

Die natürliche Sprache wird dadurch vermittelt, dass kein Vers demselben Aufbau folgt, weshalb der Text von Enjambements und Inversionen durchzogen ist. Da das Sinnende des Satzes nicht mit dem metrischen Satzende zusammenfällt, bleibt die Sprache lebendig.

  • Da in "Nathan der Weise" durchgängig Enjambements verwendet werden, spricht man vom sogenannten Hakenstil, in dem das Werk verfasst ist.

Das Stilmittel der Inversion dient dazu, bestimmte Wörter in den Vordergrund zu rücken und zu betonen, z.B. im Vers "die Zeit beginnt/ bedenklich wiederum zu werden". Bei natürlicher Sprache wären "bedenklich" und "wiederum" vertauscht, doch durch die Inversion wird "bedenklich" betont und so die Dringlichkeit der Situation verdeutlicht.

Als Enjambement wird ein rhetorisches Stilmittel der geschriebenen Sprache bezeichnet, bei dem sich ein Satz über mehrere Zeilen (Verse) erstreckt.

Beim Hakenstil fallen im Gegensatz zum Zeilenstil das Strophen-, Satz- und Versende nicht zusammen, sodass sich Sätze über mehrere Verse oder auch Strophen hinweg fortsetzen können.

Lessing wusste zudem, dass der damals neuartige Blankvers für die Zuschauer noch unbekannt und exotisch klingen würde, was den Handlungsort Jerusalem, sowie die unterschiedlichen Herkunftsorte der Figuren authentischer wirken lasse. Dies ist z.B. in der folgenden Textstelle aus "Nathan der Weise" sichtbar:

Nathan: Nicht so ganz!Ich rede nicht von mir. Es ist ein andrer;Weit, weit ein andrer, den ich, Saladin,Doch auch vorher zu hören bitte.

Saladin: Wer?

Nathan: Ihr Bruder!

Saladin: Rechas Bruder?

Nathan: Ja!

Recha: Mein Bruder?So hab ich einen Bruder?

Tempelherr (aus seiner wilden, stummen Zerstreuung auffahrend):Wo? Wo ist Er, dieser Bruder? Noch nicht hier? Ich sollt'Ihn hier ja treffen.

Nathan: Nur Geduld!1

  • Der Hakenstil wird teilweise von stichomythischen Elementen wie schnellen Wortwechseln und Einwürfen in den Dialogen unterbrochen.
  • Durch viele Wort- und Sprecherwechsel wirkt das gesamte Stück sehr lebendig und die Handlung schreitet schnell voran.

Als Stichomythie werden schnelle Wechselreden, die zeilenweise erfolgen und zwischen mehreren Figuren stattfinden, bezeichnet. Jede der Figuren spricht bei der Stichomythie nur einen Vers, sodass eine schnelle Redeabfolge entsteht, die oftmals ein emotionsgeladenes Gespräch darstellt.

  • Innerhalb der Dialoge wird zudem deutlich, dass alle Figuren über das gleiche Sprachniveau verfügen und somit keine Unterschiede zwischen der Herkunft der Figuren bestehen.
  • Die Konflikte in "Nathan der Weise" werden ausschließlich über Sprache gelöst, wodurch sie und nicht die Herkunft, der gesellschaftliche Stand oder das Vermögen der Figuren zum Mittel der Macht erhoben wird.
  • Den Religionskonflikt löst Nathan z.B. sehr geschickt über die Ringparabel, in der die drei Ringe als Metapher für die Religionen stehen.

"Nathan der Weise" – Szenenanalyse

Eine Szenenanalyse von "Nathan der Weise" veranschaulicht, dass das Werk an die Vernunft, Moral, Toleranz und den Humanismus der Menschen appelliert.

  • Diese Werte haben bis heute nicht an Aktualität verloren und können deshalb auf die heutige Zeit übertragen werden.
  • Deshalb könnte ein Appell des Dramas "Nathan der Weise" lauten: Begegne Deinen Mitmenschen mit Respekt und Toleranz, denn letztendlich vereint alle vor allem die Menschlichkeit.

"Nathan der Weise" – Thema: Vernunft als Religion

Nathan wird von Sultan Saladin dazu aufgefordert, ihm eine Antwort auf die Frage nach der wahren Religion zu liefern. In seiner Ringparabel erklärt er das zentrale Thema des Stückes: Dass es so etwas wie eine "wahre Religion" nicht gebe, sondern, dass die Anhänger der drei Weltreligionen so leben sollten, als sei ihre Religion die wahre.

  • Damit würde jeder im Sinne Gottes und zum Wohl der Menschen handeln.
  • Im Laufe des Werkes stellt sich hingegen die Vernunft als wahre Religion heraus, die die Figuren wie Saladin oder den Tempelherren dazu bewegt, ihre Vorurteile abzulegen.

Die Differenzen der Weltreligionen in "Nathan der Weise" werden an vielen Stellen deutlich dargestellt, wie beispielsweise bei der anfänglichen Ablehnung des Tempelritters gegenüber den Juden, da er Nathans Haus nicht betreten will. Jedoch werden alle Religionen am Ende zu einer Familie vereint, als sich herausstellt, dass Recha und der Tempelherr Geschwister sind und der muslimische Sultan Saladin ihr Onkel ist. Die Vorurteile und Intoleranz gegenüber Andersgläubigen werden durch die Offenbarung aus der Ringparabel abgelegt. Dabei stechen folgende Aspekte besonders hervor:

  • Nathan dient in dem Drama als Vermittler unter den Figuren.
  • Die Figuren sollen ihre Differenzen überwinden können.
  • Nathan respektiert trotz des Mordes der Christen an seiner jüdischen Familie alle Religionen weiterhin gleich.
  • Nathan gilt deshalb als Paradebeispiel für den vernunftbegabten, aufgeklärten Menschen.

"Nathan der Weise" – Ringparabel

Die Ringparabel stellt den Höhepunkt in Lessings "Nathan der Weise" dar und befindet sich in der Mitte des Textes.

Bei der Parabel handelt es sich um einen kurzen epischen Text, der eine Lehre vermitteln soll, die vom Leser oder Zuhörer zunächst noch entschlüsselt werden muss. Ähnlich wie bei einem Gleichnis wird bei der Parabel eine Geschichte erzählt, die auf einen anderen, eigentlich gemeinten Sachverhalt übertragbar ist.

Die Parabel besteht aus zwei Ebenen. Die Erste ist die Bildebene, die das Geschehen beschreibt. Die zweite Ebene ist die Sachebene, in der die Deutung des eigentlich Gemeinten erfolgt.

Sieh Dir doch die StudySmarter-Erklärung "Parabel" an, wenn Du mehr über diese erfahren möchtest!

"Nathan der Weise" – Religionen

Die Bildebene der Parabel stellt den Vater dar, der jedem seiner drei Söhne einen Ring vererbt.

  • Dies lässt sich auf die Sachebene übersetzen, die sich auf die Ermittlung der besten Religion bezieht.
  • Jeder der drei Ringe steht für eine der drei Weltreligionen (Christentum, Judentum und Islam) und der Vater, der jeden seiner Söhne gleich liebt, steht für den einen Gott, auf den sich jede der Religionen beruft.
  • Die Söhne stehen symbolisch für die Anhänger der drei unterschiedlichen Religionen und der Richter ist der vernunftbegabte, tolerante Mensch, der keine Wertung zwischen den einzelnen Religionen vornimmt.

"Nathan der Weise" – Aktualität: Lehre aus der Ringparabel

Dass "Nathan der Weise" bis heute nicht an Aktualität verloren hat, veranschaulichen die Themen des Werks. Lessing spricht den Religionen vor dem Hintergrund der Aufklärung ihre absolute Geltung ab und rückt mit der Ringparabel das Thema der Toleranz gegenüber allen Weltanschauungen in den Vordergrund. Durch eine distanzierte Betrachtung der Religionen in der Ringparabel wird der Forderung der Aufklärung, dass die Menschen ihren Verstand benutzen sollen, entsprochen. Diese Forderung in "Nathan der Weise" ist bis heute aktuell.

Zur Zeit der Aufklärung besaßen der Adel und die Kirche die größte Macht im Staat, sodass das Denken und Handeln der Menschen durch diese beiden Institutionen stark beeinflusst und ausgenutzt wurde. Durch die Nutzung des eigenen Verstandes sollten die Menschen erkennen, dass ihre Weltanschauung durch den Adel und die Kirche fremdbestimmt sei.

Die Ringparabel vermittelt zudem, dass es nicht darauf ankommt, welche der Weltreligionen objektiv die wahre ist, sondern, dass ihre Anhänger nach ihren Prinzipien moralisch, im Sinne Gottes und zum Wohl aller Menschen handeln sollen. Neben der Toleranz gegenüber Andersgläubigen wird daher auch ein humanistisches Menschenbild vermittelt, dem unabhängig von seinem jeweiligen Glauben gefolgt werden soll.

Der Humanismus bezeichnet ein Menschenbild, das Grundwerte wie die Wahrung der Menschenwürde, Toleranz und bürgerliche Freiheiten vertritt.

Mit der Akzeptanz aller Religionen steht der Toleranzgedanke der Aufklärung im Vordergrund des Dramas. Diese Toleranz anderer Glaubensgemeinschaften erreichen die Figuren in "Nathan der Weise" durch die Anstrengungen ihres Verstandes, wie man an der Figur des Sultan erkennen kann, der die Parabel Nathans richtig deutet. Der Tempelritter dient als Beispiel für moralgesteuertes Handeln, da er eine Abwägung zwischen den Vorgaben seines Glaubens und den Vorgaben seiner Glaubensführer vornimmt, die er für unmoralisch hält.

Da in "Nathan der Weise" das philosophische Prinzip des Humanismus und das vernunftgelenkte Handeln vermittelt werden soll, wird das Werk auch als Ideendrama bezeichnet.

Als Ideendrama wird ein literarisches Drama bezeichnet, in dem die Handlung von einer philosophischen Idee oder Weltanschauung bestimmt wird. Bekannte Beispiele für Ideendramen sind "Maria Stuart", "Don Carlos" oder "Iphigenie auf Tauris".

"Nathan der Weise" – Epoche

"Nathan der Weise" gehört zur literarischen Epoche der Aufklärung.

  • Die literarische Epoche der Aufklärung wurde durch die Forderung nach der menschlichen Vernunft bestimmt.
  • Dies führte dazu, dass das Bürgertum sich gegen die absolutistische Herrschaft des Adels auflehnte.
  • Das zur Textsorte "Drama" gehörende Werk "Nathan der Weise" verarbeitet diese Gedanken der Zeit ebenfalls.

Auch die Literatur befand sich in einem Wandel, denn während die Theaterstücke und Werke der vorherigen literarischen Epochen überwiegend zur Unterhaltung der Adeligen diente, wurde in den Werken der Aufklärung das bürgerliche Leben in den Mittelpunkt gestellt. Da Großteile der Bevölkerung zu Beginn der Aufklärung ungebildet waren und weder lesen noch schreiben konnten, entwickelte sich in dieser literarischen Epoche eine neue Art des Theaters, die sich thematisch an dem Leben und der Probleme des einfachen Bürgers orientierte.

  • Die Handlung von "Nathan der Weise" spielt zeitlich vor dem Hintergrund der Kreuzzüge im mittelalterlichen Jerusalem, etwa zwischen 1189 und 1192.
  • Zu dieser Zeit eroberten christliche Kreuzfahrerstaaten unter der Leitung der katholischen Kirche Palästina.
    • Ziel davon war es, die heilige Stadt der drei Weltreligionen von islamischer Herrschaft zu befreien.
  • Lessings Werk spielt nach der Wiedereroberung Jerusalems durch die Muslime unter der Herrschaft von Sultan Saladin.
  • Außerdem spielt das Drama kurz vor dem dritten Kreuzzug, in dessen Rahmen ein Waffenstillstand zwischen dem Sultan und König Richard Löwenherz von England geschlossen wurde.
  • Dieser Waffenstillstand bildete einen kurzen Zeitraum ab, in dem die Anhänger der drei Weltreligionen friedlich in Jerusalem zusammenlebten.

"Nathan der Weise" – Autor Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing wurde im Jahr 1729 in Kamenz in Sachsen geboren und war einer der bedeutendsten Dichter der Aufklärung, der bereits in seiner Jugend seine ersten Werke verfasste.

  • In Leipzig und Wittenberg studierte der Pfarrerssohn Theologie, Medizin und Philosophie.
  • Anschließend ging er dazu über, für die Berlinerische Privilegierten Zeitung zu schreiben.
  • 1755 entschied er sich dazu, als freier Schriftsteller tätig zu werden.
    • Es folgte die Veröffentlichung seines bürgerlichen Trauerspiels "Miss Sara Sampson".

In seiner Schaffenszeit wechselte der Schriftsteller häufig seinen Wohnort zwischen Leipzig und Berlin, wo er 1759 die Zeitschrift "Briefe, die neueste Literatur betreffend" mit seinen Kollegen Friedrich Nicolai und dem Philosophen Moses Mendelssohn gründete.

  • Im Jahr 1767 veröffentlichte er sein bis dahin erfolgreichstes Stück "Minna von Barnhelm".
  • Nach einem erfolglosen Engagement am Hamburger Nationaltheater nahm Lessing 1770 eine Stelle als Bibliothekar in Braunschweig an.
  • Zu dieser Zeit entstanden seine beiden bekanntesten Werke "Emilia Galotti" und "Nathan der Weise".

Sein Privatleben nahm nach der Hochzeit mit Eva König im Jahr 1776 einen tragischen Verlauf, denn das erste gemeinsame Kind des Paares starb 1777, bereits einen Tag nach der Geburt. Auch die Mutter überlebte nicht. Gotthold Ephraim Lessing starb 1781 in Braunschweig.

Nathan der Weise - Das Wichtigste

  • "Nathan der Weise" – Veröffentlichung: Das Werk wurde erstmals im Jahr 1779 veröffentlicht.
  • "Nathan der Weise" – Textsorte: "Nathan der Weise" wird der Textsorte des Dramas zugeordnet.
  • "Nathan der Weise" – Thema: "Nathan der Weisse" befasst sich mit der Frage, welche der drei großen Weltreligionen die Beste sei und gilt als Fürsprache für die Themen Menschlichkeit, Toleranz und Moral.
  • "Nathan der Weise" – Zusammenfassung: Das Stück handelt von dem reichen Juden Nathan, der die Frage des Sultans nach der besten Religion mit der sogenannten "Ringparabel" löst und als ein Appell an die Toleranz, Vernunft, Humanismus und die Moral der Menschen gilt.
  • "Nathan der Weise" – Charakterisierung:
    • Nathan:
      • wohlhabender jüdischer Kaufmann
      • häufig auf Geschäftsreisen
      • großzügig
      • weiser und vernunftbegabter Mann, der andere zum Nachdenken bewegt
      • diplomatisch und begabt im Umgang mit Menschen
      • lehnt keine der Religionen ab
      • aufgeklärter Mensch und Vordenker seiner Zeit
    • Recha:
      • ca. 18 Jahre
      • heißt eigentlich Blanda von Filnek
      • Adoptivtochter von Nathan
      • wird von Tempelritter aus brennendem Haus gerettet
      • wurde von Nathan dazu erzogen, Verstand zu gebrauchen
      • verliebt sich in Tempelritter
      • in jüdischem Glauben erzogen
      • getaufte Christin
      • Schwester des Tempelritters
      • Nichte des Sultan
    • Tempelherr:
      • heißt Curd von Stauffen
      • Kreuzfahrer
      • rettet Recha aus brennendem Haus
      • hat zunächst Vorurteile gegenüber Andersgläubigen
      • verliebt in Recha
      • freundet sich mit Nathan an
      • impulsiv
      • hin- und hergerissen zwischen seinem christlichen Glauben und den brutalen Handlungen der Kreuzritter und des Patriarchen, da sie sich widersprechen
      • Rechas leiblicher Bruder
      • Sohn des verschwundenen Bruders von Sultan Saladin
    • Sultan Saladin:
      • Herrschender Sultan über Jerusalem
      • Bruder von Sittah, Melek und dem verschollenen Assad
      • Onkel von Recha und dem Tempelritter
      • lebt in reichen Verhältnissen
      • benötigt Geld für die Stadt
      • möchte Kredit bei Nathan aufnehmen
      • möchte Frieden für seine gespaltene Stadt
      • plant Doppelhochzeit zwischen Sittah und Melek
  • "Nathan der Weise" – Dramenaufbau: "Nathan der Weise" folgt dem Aufbau des klassischen aristotelischen Dramas und wird auch als "dramaturgisches Gedicht" bezeichnet, da es im sogenannten Blankvers verfasst ist, der eine lyrische, aber dennoch natürliche Sprache zulässt.
  • "Nathan der Weise" – Ringparabel: Die Ringparabel dient als Antwort auf die Frage nach der wahren Religion.
    • Vermittelt, dass keine religiöse Weltanschauung die absolute Geltung hat.
  • "Nathan der Weise" – Epoche: "Nathan der Weise" gehört zur literarischen Epoche der Aufklärung.

Nachweise

  1. Gotthold Ephraim Lessing (2000): Nathan der Weise. Reclam.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Nathan der Weise

Nathan der Weise ist so weise, da er alle Menschen unabhängig von ihrem Glauben akzeptiert und toleriert. Nathan dient als Mittler unter den Figuren, damit diese ihre Differenzen zwischen den Religionen überwinden können und gilt selbst als Paradebeispiel für den vernunftbegabten, aufgeklärten Menschen, da er trotz dem Mord der Christen an seiner jüdischen Familie alle Religionen weiterhin gleich respektierte.  

"Nathan der Weise" wurde 1779 veröffentlicht. 

"Nathan der Weise" hat mit Aufklärung zu tun, da der Toleranzgedanke der Aufklärung im Vordergrund des Dramas steht. Außerdem werden weitere Merkmale der Aufklärung, wie moralisches, vernunftgelenktes Handeln und die Betätigung des Verstandes in Lessings Werk thematisiert. 

"Nathan der Weise" ist heute noch aktuell, weil es die Akzeptanz und Toleranz gegenüber anderen Religionen thematisiert. Dieser Toleranzgedanke lässt sich auch über den Glauben hinaus auf alle gesellschaftlichen Bereiche anwenden. 

"Nathan der Weise" spielt in der Zeit der mittelalterlichen Kreuzzüge nach Jerusalem, etwa zwischen 1189 und 1192. In dieser Zeit war Jerusalem unter muslimischer Herrschaft und es gab einen Waffenstillstand zwischen dem Sultan und dem englischen König.

"Nathan der Weise" spielt im mittelalterlichen Jerusalem, die Hauptschauplätze sind das Zuhause Nathans und der Palast des Sultans Saladin.

In "Nathan der Weise" geht es um den jüdischen Kaufmann Nathan, der eine christliche Pflegetochter großzieht. Diese verliebt sich in einen Kreuzritter, der sich später als Verwandter des Sultans und ihr Bruder herausstellt. Das Werk zeigt, dass es egal ist, welcher Religion jemand angehört, solange er respektvoll und tolerant ist.

"Nathan der Weise" wurde in der Epoche der Aufklärung geschrieben. 

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