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Reigen

Das skandalöse Theaterstück "Reigen" des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler wurde im Jahr 1912 in Budapest uraufgeführt. Im Jahr 1920 erfolgte die erste Aufführung in Berlin. Innerhalb von zehn Dialogen wird im Werk die Sexualmoral der Wiener Gesellschaft um 1900 dargestellt. 

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Reigen, Inhaltswarnung Thematisierung von Suizid, Gewalt, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung, StudySmarter

Das skandalöse Theaterstück "Reigen" des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler wurde im Jahr 1912 in Budapest uraufgeführt. Im Jahr 1920 erfolgte die erste Aufführung in Berlin. Innerhalb von zehn Dialogen wird im Werk die Sexualmoral der Wiener Gesellschaft um 1900 dargestellt.

Das Verb "uraufführen" bezieht sich auf das Nomen "Uraufführung" und meint die erste Aufführung eines Werkes.

(Arthur Schnitzler ) "Reigen" – Zusammenfassung

Im Folgenden erhältst Du eine Zusammenfassung zu "Reigen": Arthur Schnitzlers Theaterstück "Reigen" spielt in Wien und ist in zehn Dialoge unterteilt. In jedem Dialog begegnen sich jeweils eine Frau und ein Mann aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft. Eine der beiden Personen kommt dabei jeweils im darauffolgenden Dialog vor.

Die Dirne und der Soldat

Das Theaterstück beginnt mit einem Soldaten, der über die Augartenbrücke in Wien läuft, um zu seiner Kaserne zu gelangen. Auf dieser Brücke wird er von einer Dirne angesprochen, die ihm ein sexuelles Angebot macht. Da der Soldat jedoch kein Geld hat, lehnt er ab. Daraufhin reagiert die Frau wohlwollend: Ein uniformierter Mann müsse bei ihr nicht bezahlen.

Als Dirne wird eine Frau, die sexuelle Leistungen für Geld anbietet, bezeichnet.

Weil es dem Soldaten zu weit ist, bis zur Wohnung der Dirne zu gehen, vergnügen sich die beiden am Ufer der Donau. Während die Dirne den sexuellen Akt auf der Bank ausführen möchte, schert sich der Soldat nicht darum und drängt sie dazu, diesen auf dem Boden zu vollführen. Unmittelbar danach steht er auf und macht sich eilig davon.

Die Dirne nennt dem Soldaten ihren Namen. Sie heißt Leocadia. Der Soldat bleibt hingegen anonym. Leocadia bittet den Soldaten um ein wenig Geld, doch der Unbekannte lehnt ab und macht sich belustigt aus dem Staub.

Der Soldat und das Stubenmädchen

Im zweiten Dialog wird von dem Soldaten und einem Stubenmädchen berichtet. Bei einer Tanzveranstaltung führt der Soldat, der den Namen Franz trägt, das junge Mädchen Marie durch dunkle Alleen. Obwohl Marie sich zu Beginn widerwillig zeigt, lässt Franz nicht nach und schubst das Mädchen in der Dunkelheit über die Wiese. Trotz ihrer Klagen kommt es schließlich zum Geschlechtsakt zwischen den beiden.

Nach Beendigung des Koitus klagt Marie in der Wiese liegend, dass sie das Gesicht von Franz nicht sehe. Dieser hilft dem Mädchen nicht auf, sondern zündet sich achtlos eine Zigarre an. Als das Mädchen den Soldaten fragt, ob er sie gern habe, bezieht sich dieser auf die soeben ausgeführte sexuelle Handlung: "Na, das mußt doch g'spürt haben, Fräul'n Marie, ha!"1

Der Begriff "Koitus" ist ein Synonym für den Geschlechtsakt.

Daraufhin klagt Marie erneut über den Soldaten, den sie als schlechten Menschen betitelt und bittet diesen, sie nach Hause zu bringen. Statt ihrem Wunsch nachzukommen, begibt sich Franz zurück zur Tanzveranstaltung. Marie begleitet ihn dorthin, da sie Angst im Dunkeln hat. Zuletzt kauft der Soldat dem jungen Mädchen ein Bier und wendet sich von ihr ab, indem er mit einer blonden Frau tanzt.

Das Stubenmädchen und der junge Herr

Der dritte Dialog beinhaltet erneut das Stubenmädchen Marie. Diese verfasst eines Nachmittags einen Brief an den Soldaten, den sie nun als ihren Geliebten bezeichnet. Marie befindet sich zu diesem Zeitpunkt bei ihrem Arbeitgeber Herrn Alfred zu Hause. Im Haus befindet sich niemand – die Eltern des jungen Herr Alfred sind im Urlaub und die Köchin Lini hat Ausgang.

Der junge Herr liegt auf dem Diwan, raucht und liest einen französischen Roman, als er das Stubenmädchen ohne plausiblen Vorwand zu sich ruft. Nachdem Marie die Rollladen heruntergelassen hat, fragt Alfred nach einem Cognac. Da dieser jedoch weggesperrt ist und nur die Köchin Lini die Schlüssel hierfür hat, bestellt Alfred Wasser bei Marie.

Bevor Marie dem jungen Herrn das Wasser reicht, richtet sie vor dem Spiegel ihre Frisur. Als sie ihm daraufhin das Glas Wasser gibt, berühren sich die Finger der beiden. Im Anschluss versucht Alfred, seinen Roman weiterzulesen, scheitert aber, weil er sich nicht konzentrieren kann. Er läutet erneut nach Marie und erkundigt sich bei ihr, ob der Doktor vormittags im Hause gewesen sei. Nachdem das Stubenmädchen dies verneint, zieht der junge Herr sie auf seinen Schoß und betrachtet ihre Bluse. Diese knöpft er auf und macht dem Mädchen in Hinblick auf ihre weiße Haut Komplimente.

Auf diese Handlung reagiert Marie mit Vorsicht, schließlich könnte jemand an der Tür läuten. Es kommt dennoch zum Geschlechtsakt zwischen den beiden, der trotz tatsächlichem Läuten an der Tür nicht unterbrochen wird. Nach dem sexuellen Aufeinandertreffen der beiden ist der junge Alfred plötzlich peinlich berührt und begibt sich in ein Kaffeehaus. Marie hingegen bleibt und stiehlt eine Zigarette aus Alfreds Zimmer.

Der junge Herr und die junge Frau

Im vierten Dialog wird erneut von dem jungen Herrn Alfred berichtet. Dieser befindet sich sichtlich nervös in einem Salon im "Hause der Schwindgasse"1, raucht eine Zigarre und stellt im Schlafzimmer nebenan Cognac bereit. Er wartet auf eine junge Frau namens Emma, die sich schließlich hinter einer Verschleierung in das Schlafzimmer begibt. Nachdem Emma sich über die hohe Temperatur im Zimmer beschwert hat, legt sie ihre Kleidung ab, obwohl sie nur kurz bleiben möchte. Daraufhin macht Alfred der jungen Frau zahlreiche Komplimente und beteuert seine Liebe zu ihr.

Emma möchte erfahren, ob Alfred in seinem Schlafzimmer bereits andere Frauen hatte. Dieser lenkt von ihrer Frage ab, indem er angibt, dass das Leben zu kurz sei, um nicht glücklich zu sein. Die beiden nähern sich körperlich an. Albert ist körperlich nicht zum Geschlechtsakt fähig. Er begründet dies damit, dass Männer bei Frauen, die sie am meisten lieben, oftmals unfähig sind.

Im weiteren Verlauf macht Alfred Emma für den gescheiterten Koitus verantwortlich, indem er angibt, dass er sie so sehr liebe, sich ihrer Liebe aber nicht sicher sein könne. Es kommt schließlich doch zu einer sexuellen Annäherung zwischen den beiden. Daraufhin hat Emma es eilig, nach Hause zu gehen, da ihr Mann bereits auf sie wartet. Die beiden verabreden sich erneut und Alfred lächelt zufrieden, da er endlich "ein Verhältnis mit einer anständigen Frau"1 hat.

Die junge Frau und der Ehemann

Der fünfte Dialog thematisiert die junge Frau Emma und ihren Ehemann Karl. Als Emma abends im Bett liegt, begibt sich Karl zu ihrer Überraschung zu ihr. Er möchte mit ihr körperlich intim werden. Emma wundert sich darüber, da es in ihrer Ehe selten zum Geschlechtsakt kommt. Ein Gespräch der beiden zeigt, dass Emmas Ehemann sexuelle Erfahrungen mit den verschiedensten Frauen sammelt, während Emma als Ehefrau treu und unberührt von anderen Männern bleiben muss. Als Emma sich nach dem Koitus wünscht, dass die beiden in Zukunft häufiger miteinander schlafen, beruhigt Karl sie ohne Aussicht auf ein tatsächliches Erfüllen ihres Wunsches.

Der Gatte und das süße Mädel

Im sechsten Dialog lädt der Ehemann Karl ein neunzehn Jahre altes Mädchen in eine Gaststätte ein. Das Mädchen berichtet dem Ehegatten, dass sie von vielen Männern begehrt wird und erzählt ihm mehr über ihre familiären Verhältnisse. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern. Das Mädchen ist außerdem für die Erziehung ihrer Geschwister verantwortlich.

Nachdem Karl die junge Frau zum Trinken verleitet hat und sie betrunken ist, kommt es zum Geschlechtsakt zwischen den beiden. Das Mädchen fragt den älteren Herrn, ob er sie gern habe. Dieser antwortet mit "freilich"1. Die beiden gehen ein Liebesverhältnis ein, dessen Dauer Karl bestimmt.

Das süße Mädel und der Dichter

Im siebten Dialog trifft das junge Mädchen auf den Dichter Robert, der gerne träumt und Stücke für das Burgtheater in Wien schreibt. Die beiden gehen zusammen spazieren und daraufhin zu Robert nach Hause. Obwohl das Mädchen keinen Sinn für Roberts Dichtkunst hat, kommt es zum Koitus zwischen den beiden. Im Anschluss entscheidet der Dichter, das Mädchen als seine Muse fungieren zu lassen.

Als Muse wird eine Person verstanden, die jemand anderen zu Kreativität anspornt oder dieser Person als Inspiration dient.

Der Dichter und die Schauspielerin

Im achten Dialog verbringt der Dichter Robert mit einer erfolgreichen Schauspielerin ein ländliches Wochenende. Dieses Wochenende stellt den Beginn ihrer Affäre dar. Robert erfährt, dass die Schauspielerin ein offenes und polygames Liebesleben führt.

Das Adjektiv "polygam" bezieht sich auf die Polygamie und meint die Beziehung zu mehreren Geschlechtspartnerinnen und/ oder Geschlechtspartnern zur selben Zeit.

Der Dichter vererhrt die Schauspielerin, doch diese behandelt den Dichter mit Herablassung und nennt ihn "eine Laune".1 Ihre große Liebe hieße Fritz. Nach dem Geschlechtsakt erniedrigt die Schauspielerin den Dichter. Dieser reagiert mit Gegenwehr und gibt der Schauspielerin gegenüber an, dass er nicht bei ihrer letzten Vorstellung gewesen sei. Im Anschluss darauf gesteht die Schauspielerin dem Dichter ihre Liebe.

Die Schauspielerin und der Graf

Der neunte Dialog thematisiert die Schauspielerin und einen Grafen, der unglücklich ist, da er gerne Maler wäre. Als die Schauspielerin mittags im Bett liegt, empfindet sie Überdruss gegenüber dem Leben. Der Graf erhält Eintritt in ihr Schlafzimmer und ist von der Einstellung der Schauspielerin angetan, da er selbst Misanthrop ist.

Das Nomen "Überdruss" meint so viel wie Abneigung oder Widerwillen. Das Nomen "Misanthrop" bezieht sich auf eine Person, die Menschen hasst und ihnen feindlich gegenübersteht.

Trotz anfänglicher Zurückhaltung des Grafen kommt es zum Geschlechtsakt. Während der Graf sich im Anschluss distanzieren möchten, bestellt die Schauspielerin ihn erneut für den Abend zu sich, um den Koitus zu wiederholen.

Der Graf und die Dirne

Der letzte Dialog geht auf den Grafen und die Dirne Leocadia des ersten Dialogs ein. Als der Graf morgens im Zimmer von Leocadia erwacht, versucht er, sich an die vorherige Nacht zu erinnern. Bevor er verschwinden kann, wacht die Dirne auf und berichtet dem Grafen aus ihrem Leben. Daraufhin wird sie von ihm gefragt, ob sie glücklich ist. Die Dirne reagiert auf diese Frage mit Unverständnis, da sie nicht versteht, was der Graf damit andeuten möchte und weshalb sie unglücklich sein sollte. Daraufhin gibt der Graf an, dass sie doch auch etwas anderes hätte werden können. So könnte sie z. B. einen Liebhaber haben, der sie aushält, sodass sie nicht mit jedem Mann ins Bett gehen müsse.

Die Dirne reagiert mit Unverständnis und gibt an, dass sie sich die Männer sehr wohl selbst aussuche. Nachdem der Graf aussagt, dass er froh sei, in der Nacht keusch gewesen zu sein, erfährt er von Leocadia, dass die beiden miteinander geschlafen haben.

"Reigen" (Arthur Schnitzler) – Personen

In Schnitzlers "Reigen" tauchen zahlreiche Charaktere unterschiedlicher Gesellschaftsschichten auf. Durch diese scheinbar willkürliche Zusammenstellung zeichnet der Autor ein Bild der Wiener Gesellschaft um die Zeit der Jahrhundertwende. Es sind zehn Figuren, die in zehn Dialogen auftreten und Zeugnis dieses Bildes abgeben.

Die Dirne

  • heißt Leocadia.
  • ist fast zwanzig Jahre alt.
  • wird vom Grafen auf vierundzwanzig geschätzt.
  • wohnt in einem heruntergekommenen Zimmer.
  • hat Geschlechtsverkehr mit dem Soldaten und dem Grafen.
  • gehört der unteren sozialen Schicht an.

Der Soldat

  • heißt Franz.
  • hat einen starken Wiener Dialekt.
  • kommt in einer Kaserne in Wien unter.
  • hat Geschlechtsverkehr mit der Dirne und dem Stubenmädchen.
  • behandelt beide Frauen grob.
  • handelt nach seinen geschlechtlichen Trieben.
  • tritt Frauen gegenüber ohne Respekt auf.

Das Stubenmädchen

  • heißt Marie.
  • arbeitet als Stubenmädchen für eine wohlhabende Familie.
  • gehört der unteren sozialen Schicht an.
  • hat laut dem jungen Herrn "schöne weiße Haut".1
  • hat ein Verhältnis mit dem Soldaten, obwohl sie von diesem schlecht behandelt wird.
  • lässt sich von dem jungen Herrn Alfred ebenfalls für den Geschlechtsakt ausnutzen.

Der junge Herr

  • heißt Alfred.
  • hat einen Schnurrbart und trägt einen Hut.
  • raucht und trinkt gerne Cognac.
  • wohnt bei seinen Eltern.
  • gehört der oberen sozialen Schicht an.
  • schämt sich dafür, mit dem Stubenmädchen geschlafen zu haben.
  • liebt die junge Frau Emma.

Die junge Frau

  • heißt Emma.
  • ist bereits seit fünf Jahren verheiratet.
  • verlangt mehr körperliche Zuneigung von ihrem Ehegatten.
  • hat eine Tochter.
  • stammt aus einer guten Familie.
  • ist von Alfred angetan und verliebt in ihn.

Der Ehegatte

  • heißt Karl.
  • ist älter als dreißig.
  • gehört dem Bürgertum an.
  • ist mit Emma verheiratet.
  • hält es für eine Selbstverständlichkeit, trotz seiner Ehe mit verschiedenen Frauen zu schlafen.
  • führt neben seiner Ehe ein Leben, das allein nach seinen geschlechtlichen Trieben ausgerichtet ist.
  • predigt seiner Ehefrau Treue und Loyalität.

Das junge Mädchen

  • ist neunzehn Jahre alt.
  • wohnt bei ihrer Mutter.
  • hat vier Geschwister.
  • kümmert sich um den Haushalt.
  • erzieht ihre Geschwister.
  • gehört der unteren sozialen Schicht an.
  • hat öfter Affären mit älteren Männern.
  • kann durch die Affären an gesellschaftlichen Ereignissen teilhaben, die nicht ihrer Gesellschaftsschicht entsprechen.

Der Dichter

  • heißt Robert.
  • schreibt Stücke für das Wiener Burgtheater.
  • hat Cognac bei sich zu Hause, aber kein Essen.
  • träumt gerne.
  • will einerseits eine ihm ebenbürtige Frau, andererseits will er von unerfahrenen jungen Mädchen angehimmelt werden.

Die Schauspielerin

  • wohnt mit ihrer Mutter zusammen.
  • ist sehr erfolgreich in ihrem Beruf.
  • gehört dem Milieu der Künstlerinnen und Künstler an.
  • hält wenig von Keuschheit und Monogamie.
  • führt ein offenes polygames Liebesleben.
  • ist arrogant und stellt sich über die Männer.

Der Graf

  • gehört dem Adel an.
  • wäre gerne Maler.
  • führt ein unglückliches Leben.
  • ist an der Dirne interessiert und möchte mehr über sie erfahren.

"Reigen" – Aufbau und Sprache

Im Folgenden erhältst Du Informationen über den Aufbau von "Reigen" und erfährst Genaueres zur Sprache des Bühnenstücks.

"Reigen" sind verschiedene Tänze, die allesamt von mehreren Tänzerinnen und Tänzern ausgeführt werden. Die tanzenden Personen bewegen sich dabei einheitlich – sie stehen sich in Kreisen oder Ketten gegenüber oder hintereinander.

Aufbau

"Reigen" ist ein Bühnenstück und dennoch nicht mit einem klassischen Drama zu vergleichen. Außerdem kann es weder als Komödie noch als Tragödie interpretiert werden, da in den zehn Dialogen weder ein Höhepunkt noch eine Peripetie oder Katastrophe zu verzeichnen ist.

Als Peripetie wird ein entscheidender Wendepunkt in einem Drama bezeichnet.

Die Szenen in "Reigen" sind aneinandergereiht, ohne eine Entwicklung der Figuren oder Ähnliches zu veranschaulichen. Demnach stehen die einzelnen Episoden in ihrer Struktur gleichrangig nebeneinander. Jeder Dialog lässt sich inhaltlich wie folgt aufteilen:

  1. Dialog der Figuren
  2. Geschlechtsakt
  3. kurzer Dialog nach dem Geschlechtsakt

Der Geschlechtsakt selbst wird in "Reigen" nicht im Detail beschrieben, sondern durch einen Gedankenstrich (–) vermittelt. Von diesem dreiteiligen Aufbau ausgenommen ist einzig der letzte Dialog, der nur einen Dialog nach dem Koitus enthält.

Sprache

Das Stück "Reigen" fällt besonders durch den dialektalen Sprachgebrauch der Figuren auf. Diese stammen allesamt aus Wien und sprechen deshalb in einem Wiener Dialekt. Insbesondere die Figuren der unteren sozialen Schicht wie z. B. die Dirne sprechen einen starken Dialekt:

Gib Obacht, da ist so dunkel. Wennst ausrutschst, liegst in der Donau.1

Anhand dieser Textpassage fällt auf, dass das Personalpronomen "du" häufig weggelassen wird. Hierdurch erhält die Szene den verstärkten Eindruck des Unbekannten, schließlich sind sich Dirne und Soldat eigentlich fremd, auch wenn sie darauffolgend miteinander Geschlechtsverkehr haben. Eine direkte Ansprache mit dem Personalpronomen "du" würde dem kurzen Gespräch zwischen Dirne und Soldat unter Umständen mehr Kommunikation abverlangen und vermitteln, dass sich die Figuren über das Ausleben ihres geschlechtlichen Triebs hinaus füreinander interessieren.

Darüber hinaus wird im Wiener Dialekt oftmals ein Vokal ausgelassen:

Also der Teufel soll mich holen, wenn eine heut beim Swoboda mollerter gewesen ist als Sie, Fräul'n Marie.1

Die Auslassung des Vokals 'e' wird bei dem Adverb "heute" nicht gekennzeichnet – die Auslassungen der Vokale 'e' und 'i' werden hingegen bei dem Substantiv "Fräulein" durch einen Apostroph markiert.

(Arthur Schnitzler )"Reigen" – Interpretation

Arthur Schnitzler wirft mit seinem Theaterstück "Reigen" mehrere Möglichkeiten der Interpretation auf. Im Wesentlichen geht es in dem Werk um die Kritik an der Sexualmoral der Wiener Moderne und deren fragwürdiges Frauenbild.

Das Frauenbild

Dass dem Theaterstück ein spezifisches Frauenbild zugrunde liegt, ist bereits zu Beginn des ersten Dialogs auszumachen. Dort tritt die Dirne Leocadia als Frau auf, die sich dem Soldaten Franz anbietet, ohne gemäß ihrem Beruf nach Geld dafür zu verlangen. Der Soldat behandelt die Dirne abwertend – er nimmt ihr Angebot zum Beischlaf unter der Brücke an, ohne auf ihren Wunsch, die Bank dafür zu nutzen, einzugehen. Vielmehr übergeht er ihre Aussagen, sodass es zum Geschlechtsakt auf dem Boden kommt. Als Leocadia den Soldaten nach seinem Namen fragt, reagiert dieser der jungen Frau gegenüber ebenfalls mit wenig Respekt:

Was interessiert dich denn das, wie ich heiß'? 1

Der Soldat duzt die Dirne, obwohl er ihr nicht einmal seinen Namen verraten möchte.

Auch im weiteren Verlauf der Dialoge ändert sich Franz abschätziges Verhalten gegenüber Frauen nicht. Als er bei einer Tanzveranstaltung auf das Stubenmädchen Marie trifft, überredet er diese trotz ihres Widerwillens zum Beischlaf. Auch wenn er diesem Mädchen seinen Namen verrät und sie siezt, zeugt dies nur von einer scheinbaren Höflichkeit. Franz eigentliche Absicht wird im weiteren Verlauf des Dialogs deutlich: Um mit dem Stubenmädchen zu schlafen, führt Franz dieses durch die Dunkelheit und schubst sie achtlos die Wiese entlang. Bewusst ignoriert Franz ihre nach dem Geschlechtsakt folgende Bitte, sie nach Hause zu führen.

Dieses abwertende Frauenbild ist auch in dem Verhalten der anderen männlichen Figuren im Stück zu erkennen. So z. B. im Verhalten des Ehegatten Karl, der seiner Frau wenig körperliche Zuneigung schenkt, dafür aber mit unzähligen anderen Frauen den Koitus ausführt. Dass manche dieser Frauen sehr jung – wie bspw. das junge 19-jährige Mädchen – oder gar verheiratet sind, scheint den Ehegatten wenig zu kümmern.

Dabei gibt Karl seiner Ehefrau gegenüber an, dass die Verhältnisse der Geschlechter schlichtweg andere seien: Der Mann sei der Retter seiner Ehefrau und die Ehefrau müsse ihrem Mann daher gehorchen und Treue zeigen. Gleichzeitig könne er nicht anders, als sich auch als verheirateter Mann weiterhin mit verschiedenen Frauen zu vergnügen:

Uns wird das, was man so gemeinhin die Liebe nennt, recht gründlich widerwärtig gemacht; denn was sind das schließlich für Geschöpfe, auf die wir angewiesen sind!1

Weil der Mann auf "bedauernswerte Wesen"1 – also Frauen aus allerlei Gesellschaftsschichten – angewiesen sei, sei es umso wichtiger für den Mann, eine anständige Frau zu heiraten.

Das von Schnitzler dargestellte Frauenbild in "Reigen" lässt sich durch Respektlosigkeit und Unterwürfigkeit charakterisieren.

Die Sexualmoral der Wiener Moderne

Mit dem beschriebenen Frauenbild in "Reigen" geht die Sexualmoral der Wiener Moderne einher. Zur Zeit der Jahrhundertwende war die Sexualität im öffentlichen Raum in Wien verpönt, das heißt, dass ein Großteil der Gesellschaft prüde war oder sich zumindest in der Öffentlichkeit als prüde präsentierte.

Das Adjektiv "prüde" meint so viel wie all das meidend, was auf etwss Sexuelles Bezug nimmt oder damit zu tun hat.

Diese Einstellung reichte so weit, dass der Geschlechtsakt lediglich als Mittel zur Fortpflanzung in der Ehe angesehen wurde, darüber hinaus aber dringend zu vermeiden war. Jenseits dieser Auffassung gab es jedoch noch die "heimliche Sexualität"2, derer sich vor allem Männer bedienten. Diese Heimlichkeit wird in "Reigen" entblößt, indem das Verhalten von Männern aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft gegenüber diverser Frauen vorgeführt wird.

Der in Wien ansässige Psychoanalytiker Sigmund Freund bewertete diese Entwicklung bereits im Jahr 1898 kritisch, indem er auf den heuchlerischen Charakter der Wiener Sexualmoral einging:

Gegenwärtig sind wir in Sachen der Sexualität samt und sonders Heuchler, Kranke wie Gesunde. Es wird uns nur zugute kommen, wenn im Gefolge der allgemeinen Aufrichtigkeit ein gewisses Maß von Duldung in sexuellen Dingen zur Geltung gelangt.3

Dass in Schnitzlers Werk "Reigen" die heuchlerische Sexualmoral Wiens kritisch dargestellt wird, geht darüber hinaus aus der Reaktion der Öffentlichkeit gegenüber dem Stück hervor. So wurde der Autor Arthur Schnitzler als "Pornograph"4 dargestellt und das Werk als skandalös betrachtet. "Reigen" kann folglich als ein Theaterstück, das sozialkritische Ansätze verfolgt, interpretiert werden.

Sozialkritik bezieht sich auf die Gesellschaft und meint so viel wie "Gesellschaftskritik".

"Reigen" – Epoche

Um die Geschehnisse in "Reigen" in einen zeitgeschichtlichen Zusammenhang setzen zu können, ist es hilfreich, den zeitgeschichtlichen Hintergrund und die Epoche der Wiener Moderne und die Strömung des Fin de siècle zu beleuchten. Während Fin de Siècle (1890–1914) mit einem bestimmten Lebensgefühl verbunden war, verfügte die Wiener Moderne (1890–1910) über eine eigene Stilrichtung und Zielsetzung.

Die Wiener Gesellschaft um 1900

Um die Zeit der Jahrhundertwende war Österreich noch eine konservative Monarchie. In dieser Regierungsform gibt es meist nur ein Staatsoberhaupt. Wien war die Hauptstadt der Monarchie Österreich-Ungarns, die häufig mit dem Begriff des "Vielvölkerstaats" bezeichnet wird. In einem "Vielvölkerstaat" leben mehrere Bevölkerungsgruppen, die z. B. sprachliche, ethnische oder religiöse Unterschiede aufweisen.

Unter dem Begriff "Monarchie" wird eine Staatsform verstanden, bei der eine einzelne Person die Herrschaft über einen Staat ausübt. Oftmals wird das Regierungsrecht vererbt – das heißt, dass der Monarch oder die Monarchin innerhalb einer Familie bestimmt wird.

Die Industrialisierung, d. h. der Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft, setzte sich nur schleppend durch. Neben der ineffizienten Verwaltung stellten auch die sich immer weiter verschärfenden Konflikte zwischen Bürgerinnen und Bürgern verschiedener Nationalitäten und politischer Orientierungen ein Problem dar. Probleme jener Zeit waren die politische Instabilität, eine gespaltene Gesellschaft und damit auch die ungewisse Zukunft des Einzelnen und des Landes.

In der Oberschicht war zu dieser Zeit die sogenannte Kaffeehauskultur verbreitet: Männliche Schriftsteller, Philosophen und Intellektuelle trafen sich in Gaststuben, um sich über Kultur und Politik auszutauschen. Kunst stiftete Sinn und bot den Menschen Nahrung für die Seele. Diese politische Abschottung einiger Intellektueller und Kunstschaffender brachte kulturelle Innovationen hervor. Denn die Kunst war der einzige Raum, in dem die eigenen Ansichten zum Ausdruck gebracht werden konnten.

Literarische Epoche von "Reigen"

Arthur Schnitzlers Werk "Reigen" wird der literarischen Strömung des Fin de siècle zugeordnet, die auf den Zeitraum von 1890 bis 1914 datiert wird. Unter dem Begriff "Fin de siècle" wird eine literarische Strömung verstanden, die ein bestimmtes Lebensgefühl verkörperte. Ins Deutsche übersetzt, meint die französische Bezeichnung Fin de siècle "Ende des Jahrhunderts". Demnach bezeichnete Fin de Siècle eine Endzeitstimmung. Fin de Siècle war keine Stilrichtung, sondern zunächst eher ein Lebensgefühl, welches als Leitmotiv in verschiedenen Kunstarten verarbeitet wurde.

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war geprägt durch gegensätzliche Lebensgefühle wie Aufbruchsstimmung und Angst vor der ungewissen Zukunft, Lebensmüdigkeit sowie "Epochenmüdigkeit". Folglich gab es keine einheitlichen gesellschaftlichen Werte, an denen man sich hätte orientieren können. Während einige Intellektuelle und Kunstschaffende die hergebrachten bürgerlichen Konventionen vertraten, forderten andere hingegen neue Werte und Lebensformen.

Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller der Fin de siècle thematisierten überwiegend den kulturellen Verfall sowie Identitätskrisen und deren innere Zerrissenheit aufgrund instabiler politischer Verhältnisse.

Krisen wie die Identitätskrise oder solche in Bezug auf die Wahrnehmung, die Sprache, Sexualität, oder den Tod waren häufige Motive in der Kunst. Bei manchen Künstlerinnen und Künstlern stellte die Darstellung der Sexualität ein wiederkehrendes Thema dar. Andere wiederum beschäftigten sich mit der Psyche und dem Unterbewussten. Insgesamt stellte der Verfall ein Grundmotiv der Epoche dar.

Der Autor Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler wurde 1862 in Wien geboren und starb im Jahr 1931. Er war der Sohn des jüdischen Medizinprofessors Johann Schnitzler. Auf den Wunsch seines Vaters studierte Arthur ebenfalls Medizin in der österreichischen Landeshauptstadt. Sein Interesse am Schreiben verfolgte er weiterhin. Bereits mit 23 Jahren besaß Arthur Schnitzler einen Doktortitel und begann als Assistenzarzt in verschiedenen Krankenhäusern Wiens zu arbeiten, ehe er anschließend eine Privatpraxis eröffnete.

Seine Karriere als Schriftsteller begann mit der Veröffentlichung seines berühmtesten Dramas "Reigen", das aufgrund von pornografischen Inhalten verboten wurde. Aufgrund seiner Novelle "Leutnant Gustl" (1901), in der er das Militär erniedrigte, verlor Arthur Schnitzler seinen Offiziersrang, den er zuvor durch sein Engagement als Militärarzt erlangt hatte.

Im Ersten Weltkrieg schloss sich Schnitzler nicht der allgemeinen Kriegseuphorie an, sondern lehnte Kriegshandlungen ab. In den Nachkriegsjahren machte er Bekanntschaft mit Sigmund Freud, dessen Methoden der Psychoanalyse Arthur Schnitzler bereits zuvor in Form des inneren Monologs in seinen Werken "Leutnant Gustl" (1901) und der Novelle "Fräulein Else" (1924) aufgegriffen hatte. Diese beiden Erzählungen, sowie "Reigen" und die "Traumnovelle" (1925) zählen zu den bekanntesten Werken des Autors. Das Buch "Reigen" wurde außerdem im Jahr 1950 in Form eines Films künstlerisch verarbeitet.

Reigen – Das Wichtigste

  • Das skandalöse Theaterstück "Reigen" des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler wurde im Jahr 1912 in Budapest uraufgeführt. Im Jahr 1920 erfolgte die erste Aufführung in Berlin.
  • Innerhalb von zehn Dialogen wird im Werk die Sexualmoral der Wiener Gesellschaft um 1900 dargestellt.
  • In jedem Dialog begegnen sich jeweils eine Frau und ein Mann aus verschiedenen Gesellschaftsschichten – bei jeder Begegnung kommt es zum Geschlechtsakt.
  • Arthur Schnitzler wirft mit seinem Theaterstück "Reigen" mehrere Möglichkeiten der Interpretation auf. Im Wesentlichen geht es in dem Werk um die Kritik an der Sexualmoral der Wiener Moderne und an deren fragwürdigem Frauenbild.
  • "Reigen" ist ein Bühnenstück und dennoch nicht mit einem klassischen Drama zu vergleichen. Es kann weder als Komödie noch als Tragödie interpretiert werden, da in den zehn Dialogen keinerlei Höhepunkt, Wendepunkt oder Katastrophe zu verzeichnen ist.
  • Das Stück "Reigen" fällt besonders durch den dialektalen Sprachgebrauch der Figuren auf. Diese stammen allesamt aus Wien und sprechen deshalb in Wiener Dialekt.
  • Arthur Schnitzlers Werk "Reigen" wurde zur Zeit der Strömung des Fin de siècle verfasst.

Reigen, Inhaltswarnung Thematisierung von Suizid, Gewalt, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung, StudySmarter


Nachweise

  1. Schnitzler (2009): Reigen. Zehn Dialoge. eBook Manni.
  2. www.literaturkritik.de: Stadt des Umbruchs und Hauptstadt der Erotik. Das Wien der Jahrhundertwende und die Sublimierung der Sexualität. (06.09.2022)
  3. Freud (2000): Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen. S. Fischer.
  4. www.lektuerehilfe.de: Reigen. (19.09.2022)

Häufig gestellte Fragen zum Thema Reigen

Arthur Schnitzler verfasste das Bühnenstück "Reigen".

Der Titel "Reigen" bezieht sich auf verschiedene Tänze, die allesamt von mehreren Tänzerinnen und Tänzern ausgeführt werden. Die tanzenden Personen bewegen sich dabei einheitlich – sie stehen sich in Kreisen oder Ketten gegenüber oder hintereinander.

Das Frauenbild in "Reigen" äußert sich insbesondere durch das abwertende Verhalten der Männer gegenüber den Frauen. Darüber hinaus kann von einem abschätzigen Frauenbild gesprochen werden. 

"Reigen" spielt in der österreichischen Hauptstadt Wien. 

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