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Leben des Galilei

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Leben des Galilei

Hast Du Dich schon einmal gefragt, warum sich die Erde um die Sonne bewegt, obwohl das der visuellen Wahrnehmung widerspricht? Genau um dieses Thema geht es in dem epischen Drama "Leben des Galilei" (1939) des deutschen Dramatikers und Schriftstellers Bertolt Brecht.

Im Werk wird der Konflikt zwischen der Kirche und dem italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei im 16. Jahrhundert thematisiert. Galilei kann dank seines Fernrohrs nachweisen, dass nicht die Erde, sondern die Sonne das Zentrum des Sonnensystems bildet. Als er dieses Ergebnis veröffentlicht, verbietet ihm die Kirche weiterzuforschen und fordert, dass Galilei seine Annahmen öffentlich widerruft.

Zusammenfassung von "Leben des Galilei"

Das Drama "Leben des Galilei" besteht aus fünfzehn sogenannten Bildern. Für eine bessere Übersichtlichkeit wird im Folgenden der Inhalt des Werks in fünf thematisch zusammenhängende Einheiten gegliedert, die aus jeweils drei Bildern bestehen.

Galilei macht neue Entdeckungen (Bild 1 bis 3)

Der 46-jährige Mathematiklehrer Galileo Galilei erklärt Andrea, dem Sohn seiner Haushälterin, das heliozentrische Weltbild: Gemäß den Annahmen des heliozentrischen Weltbilds steht nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum des Planetensystems. Alle anderen Planeten, somit auch die Erde, drehen sich um die Sonne. Diese Annahme steht im Widerspruch zum damals gültigen geozentrischen Weltbild.

Bis zur Entwicklung des heliozentrischen Weltbilds durch den italienischen Astronomen Galileo Galilei im 16. Jahrhundert glaubten die Menschen gemäß den Vorgaben der Kirche an das geozentrische Weltbild. Das geozentrische Weltbild ging davon aus, dass die Erde und der Mensch das Zentrum des Universums darstellen und sich dementsprechend alle anderen Planeten und Sterne um die Erde kreisen. Dieses Weltbild entspricht dem christlichen Glauben, nach dem der Mensch als Schöpfung Gottes der Mittelpunkt des Universums ist.

Nachdem Galilei das heliozentrische Weltbild erklärt hat, wird er von einem künftigen Schüler aus Holland namens Ludovico Marsili besucht. Ludovico berichtet Galilei von einer neuen holländischen Erfindung, dem Fernrohr. Mit diesem ist es möglich, selbst sehr weit entfernte Objekte detailliert zu beobachten. Galilei möchte das Fernrohr modifizieren und als seine eigene Erfindung verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt steht Galilei nur wenig Geld zur Verfügung. Diesen Umstand möchte er durch den Bau und Verkauf von Fernrohren ändern.

Galilei stellt dem Stadtrat von Venedig das Fernrohr vor und gibt es als seine eigene Erfindung aus. Die Anwesenden zeigen sich begeistert. Ihnen wird der militärische Vorteil solch eines Instruments schnell klar: Feindliche Schiffe können dank des Fernrohrs frühzeitig gesichtet werden.

Galileis Betrug kommt jedoch bald ans Tageslicht, als Fernrohre aus Holland massenweise nach Venedig geliefert werden. Galilei versucht seinen Schwindel zu rechtfertigen, schließlich habe er das Fernrohr erheblich verbessert. Für seinen Schindel wird er nicht bestraft.

Mit seinem Fernrohr entdeckt Galilei neue Sterne, die ihm als weitere Anhaltspunkte für das heliozentrische Weltbild dienen. Segredo, ein Freund Galileis, äußert die Befürchtung, dass Galileis Einsatz für das heliozentrische Weltbild der römisch-katholischen Kirche missfallen und sie Galilei bestrafen werde, da dieser mit seiner Forschung der christlichen Lehre widerspricht. Galilei nimmt die Warnungen nicht ernst, da er davon ausgeht, dass seine Gegner und die römisch-katholische Kirche die Beweise für das heliozentrische Weltbild anerkennen werden.

Galilei reist nach Florenz, da er annimmt, dass sich das heliozentrische Weltbild dort leichter verbreiten ließe. Auch locken ihn die besseren Bedingungen dort. So hofft er dort auf ein höheres Gehalt und bessere Möglichkeiten, um seine Schriften zu veröffentlichen.

Galilei trifft in Florenz ein (Bild 4 bis 6)

Am Florentiner Hof der reichen Familie namens Medici präsentiert Galilei seine neuesten Entdeckungen. Dort sind auch Gelehrte anwesend. Nachdem die Mehrheit der Gelehrten Galileis Erkenntnisse ablehnt, ist Galilei enttäuscht. Die Gelehrten lehnen es zudem ab, einen Blick durch das verbesserte Fernrohr zu werfen.

Galileis wissenschaftlichen Erkenntnissen droht nun das Schicksal, dass sie durch den Vatikan auf mögliche Abweichungen von der christlichen Lehre überprüft werden.

Im 16. Jahrhundert, aber auch noch lange Zeit danach, entschied der Vatikan über die Gültigkeit von wissenschaftlichen Thesen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse, die der christlichen Lehre widersprachen, wurden meist verboten. Der Vatikan war und ist der Hauptsitz der katholischen Kirche, auch das b – der Papst – lebt dort.

Doch Galilei möchte seine Forschungen nicht einstellen. Kurze Zeit später werden die Erkenntnisse Galileis durch den Vatikan als Ketzerei, d. h. als eine Lehre, die gegen die Lehre der Kirche verstößt, erklärt. Infolgedessen droht Galilei ein Prozess durch die Inquisition.

Die kirchliche Behörde der Inquisition war für den Prozess gegen sogenannte Ketzerinnen und Ketzer zuständig. Im Fall einer Schuldigsprechung wurde die verurteilte Person häufig öffentlich verbrannt.

Die Kirche greift ein (Bild 7 bis 9)

Galilei erfährt, dass die katholische Kirche seine Bücher auf die Liste verbotener Bücher gesetzt hat. Bücher auf dieser Liste dürfen von den Gläubigen nicht gelesen werden, da die darin stehenden Meinungen den Lehren der Bibel widersprechen. Kurze Zeit später gelingt es Galilei, einen Mönch von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu überzeugen.

Galilei schöpft neue Hoffnung, als er vom Tod des ihm feindlich gesinnten Papstes erfährt. Dass nun Kardinal Barberini, ein langjähriger Freund Galileis, der Nachfolger des verstorbenen Papstes wird, stellt eine erfreuliche Nachricht für Galilei dar. Er erhofft sich von seinem Freund bei seiner wissenschaftlichen Tätigkeit unterstützt zu werden.

Galileis Freund wird Papst und die Hoffnung Galileis (Bild 10 bis 12

Galileis Lehren verbreiten sich und die absolute Macht der Kirche wird von der Bevölkerung infrage gestellt und lächerlich gemacht.

Galilei befindet sich wieder am Hof der Familie Medici in Florenz. Dort soll sein Buch über das Sonnensystem angeblich besprochen werden. Galilei ahnt nicht, dass der Vatikan ihn der Inquisition übergeben möchte. Obwohl Galilei von einem Eisengießer namens Vanni vor diesem Vorhaben der Kirche gewarnt wird, glaubt Galilei weiterhin, dass der Papst ihn verschonen würde, da die beiden alte Freunde sind.

Der Papst und ein Inquisitor diskutieren über das weitere Vorgehen gegen Galilei und die möglichen Folgen, die das neue Weltbild für die katholische Kirche haben könnte. Beide sind überzeugt, dass Galileis Lehre eine Gefahr für den christlichen Glauben darstellt. Galilei soll der Inquisition übergeben und gegebenenfalls durch physische Folter zum Widerruf seiner Lehren gezwungen werden.

Galilei wird Opfer der Inquisition (Bild 13 bis 15)

Aus Angst vor der Folter widerruft Galilei seine Lehren. Das verärgert seine Schüler sehr, sodass diese nichts mehr mit Galilei zu tun haben wollen. Die Schüler waren dafür, dass Galilei sich mutig zu seinen Lehren bekennt.

Nach dem Prozess haben sich Galileis Lebensumstände verändert: Zwar darf er seine Forschungstätigkeit fortsetzen, die Ergebnisse darf er jedoch nicht mehr veröffentlichen. Galilei wird zudem von seiner Tochter Virginia beobachtet. Diese macht Aufzeichnungen von Galileis Arbeit und übergibt diese dem Vatikan. Galilei weiß davon nichts.

Eines Tages erhält Galilei Besuch von Andrea. Die beiden unterhalten sich über den Prozess. Während Andrea Galileis Widerruf für eine kluge Taktik hält, gesteht Galilei ihm, dass er seine Lehren aus reiner Angst vor der Folter widerrufen hat. Galilei bereut seine Schwäche und lässt die Manuskripte seines Buches durch Andrea veröffentlichen, ohne dass seine kirchentreue Tochter Virginia etwas davon erfährt. Andrea gelingt es, die Manuskripte Galileis über die Grenze nach Holland zu schmuggeln.

Charakterisierung der Figuren in "Leben des Galilei"

Zu den wichtigsten Figuren des Dramas "Leben des Galilei" gehören Galileo Galilei, Andrea Sarti, Kardinal Barberini, Virginia und Ludovico Marsili.

Galileo Galilei

  • ist ein 46-jähriger Mathematiker und Gelehrter aus Padua.
  • ist hinsichtlich der wissenschaftlichen Forschung eher wahrheitsliebend als autoritätsgläubig.
  • ist innovativ, überzeugend, taktisch und politisch klug.
  • zeigt aufrichtige Neugier bei wissenschaftlichen Fragen.

Andrea Sarti

  • ist der Sohn der Haushälterin Galileis und wird Galileis Schüler.
  • ist Galilei lebenslang treu.
  • ist hilfsbereit und wie Galilei ebenfalls nicht sehr autoritätsgläubig.

Kardinal Barberini

  • ist anfangs ein Freund und Unterstützer Galileis.
  • verhält sich nach seiner Wahl zum Papst feindlich gegenüber Galilei.
  • fehlt ein starker Wille und Entschlossenheit.
  • ist insofern nachgiebig, als er Galilei der Inquisition übergibt.

Virginia

  • ist die Tochter Galileis.
  • ist kirchentreu und gläubig.
  • ist nur wenig gebildet.
  • verlobt sich mit Ludovico.

Ludovico Marsili

  • reist viel.
  • ist wohlhabend und konservativ.
  • macht Galilei auf das Fernrohr aus Holland aufmerksam.
  • wird Galileis Schüler.
  • heiratet Virginia.

Aufbau und Sprache des Dramas "Leben des Galilei"

Für die spätere Interpretation des Dramas "Leben des Galilei" erfolgt zunächst die Betrachtung des Aufbaus und der Sprache im Werk.

Aufbau von "Leben des Galilei"

Brechts Stück "Leben des Galilei" wird dem epischen Theater zugeordnet. Brecht versucht darin, eine bestimmte Botschaft zu vermitteln, die das Publikum moralisch belehren soll. Welche Botschaft genau weitergegeben wird, das ist von der jeweiligen Fassung des Werks abhängig.

Unter dem Abschnitt "Entstehungsgeschichte" dieser Erklärung findest Du mehr Informationen über die Kernbotschaft des Werks.

Episches Theater

In den 1920er-Jahren entwickelten die Berliner Autoren und Dramatiker Bertolt Brecht und Erwin Piscator eine Dramenform, die heute unter dem Namen "Episches Theater" bekannt ist. Das epische Theater ist eine Theaterform, in der die Handlung sowohl erzählt als auch, wie in einem Drama, von Figuren dargestellt wird. Das epische Theater vereinigt also die Gattungen Drama und Epik miteinander.

Das epische Theater hat außerdem das Ziel, größere gesellschaftliche Ereignisse, wie u. a. Kriege, Revolutionen und andere Katastrophen, darzustellen. Soziale Gerechtigkeit spielt ebenso häufig eine zentrale Rolle. Der Wert der sozialen Gerechtigkeit wird im epischen Theater häufig durch eine moralische Belehrung betont.

Das Drama "Leben des Galilei" ist in 15 Bilder bzw. Szenen unterteilt. Jedes dieser Bilder trägt eine längere Überschrift, unter der jeweils ein prägnantes Gedicht steht.

Galileo Galilei, Lehrer der Mathematik zu Padua, will das neue kopernikanische Bild beweisen

In dem Jahr sechzehnhundertundneun

Schien das Licht des Wissens hell

Zu Padua aus einem kleinen Haus.

Galileo Galilei rechnete aus:

Die Sonne steht still, die Erd kommt von der Stell1

Der längere Titel und das Gedicht fassen den Inhalt vorab kurz zusammen und stimmen die Lesenden auf die kommende Handlung ein.

Über den Handlungsort und über die Handlungszeit geben die Regieanweisungen Auskunft.

Das Große Arsenal von Venedig am Hafen.

Ratsherren, an ihrer Spitze der Doge. Seitwärts Galileis Freund

Sagredo und die fünfzehnjährige Virginia Galilei mit einem

Samtkissen, auf dem ein etwa 60 Zentimenter langes Fern-

rohr in karmesinrotem Lederfutteral liegt. Auf einem Podest

Galilei. Hinter sich das Gestell für das Fernrohr, betreut von

dem Linsenschleifer Federzoni.1

So ein Text schafft eine Orientierung für diejenigen, die das Stück eventuell aufführen würden. In dem Beispiel weißt Du z. B., wo die Handlung spielt und welche Figuren anwesend sind.

Sprache in "Leben des Galilei"

Sprachlich fällt auf, dass nicht alle Figuren auf die gleiche Art und Weise reden, sondern dass Brecht für seine Figuren unterschiedliche Soziolekte verwendet. Figuren, die der Oberschicht angehören, drücken sich in Form einer gehobenen Sprache aus. So drückt sich die Figur des Inquisitors beispielsweise wie folgt aus:

So wollen Eure Heiligkeit Ihren sich nun versammelnden Doktoren aller Fakultäten, Vertretern aller Heiligen Orden und der gesamten Geistlichkeit, welche alle in kindlichem Glauben an das Wort Gottes, niedergelegt in der Schrift, gekommen sind, Eurer Heiligkeit Bestätigung ihres Glaubens zu vernehmen, mitteilen, daß die Schrift nicht länger für wahr gelten könne?1

Eine solche Redeweise ist sehr formell. Indes gibt es auch Figuren, die eine für Nichtexperten typische Redeweise benutzen. Die Figur des Andrea spricht z. B. den Namen Kopernikus falsch aus, als er sich mit Galilei über das heliozentrische Weltbild unterhält:

Galilei: Hast du, was ich dir gestern sagte, inzwischen begriffen?

Andrea: Was? Das mit dem Kippernikus seinem Drehen?1

Auch rhetorische Stilmittel finden sich im Text. Die Figur des neuen Papstes etwa, der mit Galilei befreundet ist, unterstreicht die Bedeutung Galileis für die Wissenschaft mit der Metapher "Licht Italiens". Das "Licht" steht hier für die Aufklärung, den wissenschaftlichen Fortschritt und den damit verbundenen Ruhm Italiens.

Auch Anaphern, also Wiederholungen eines oder mehrerer Wörter am Anfang eines Satzes, werden im Text verwendet und heben die Bedeutung Galileis hervor:

Er hat Freunde. Da ist Versailles. Da ist der Wiener Hof.1

Mit "Er" ist Galilei gemeint, der in den Augen des neuen Papstes aufgrund seiner zahlreichen Freunde außerhalb Italiens unantastbar sei.

Interpretation von "Leben des Galilei"

Brechts Stück "Das Leben des Galilei" kann unterschiedlich interpretiert werden. Zwei mögliche Interpretationsansätze stellen das angespannte Verhältnis zwischen Kirche und Wissenschaft sowie die Verantwortung der Wissenschaft dar.

Das angespannte Verhältnis zwischen Kirche und Wissenschaft

In "Leben des Galilei" wird das angespannte Verhältnis zwischen der Wissenschaft und dem christlichen Glauben dargestellt. Dieser Konflikt ist zentral für das Werk, denn durch diesen Konflikt wird die Handlung vorangetrieben.

Galilei möchte mithilfe des von ihm verbesserten Fernrohrs die Menschheit vom heliozentrischen Weltbild überzeugen. Da dieses den Lehren der Bibel widerspricht, geht die mächtige katholische Kirche gegen Galilei vor: Galilei wird der Inquisition übergeben und muss seine Lehren widerrufen.

Hier wird die Frage aufgeworfen, ob Menschen das Recht haben, von wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Vorgänge in der Welt zu erfahren, auch wenn diese Erkenntnisse dem christlichen Glauben widersprechen. Da Galilei am Ende jedoch seine Lehren widerrufen muss, wird eines klar: Oft steht die Wissenschaft in einem konfliktgeladenen Verhältnis zu bestimmten Institutionen einer Gesellschaft wie der Kirche.

Die Verantwortung der Wissenschaft

Als besonders fähiger Wissenschaftler macht Galileo Galilei große, das Wildbild der Kirche infrage stellende, Entdeckungen: So entdeckt er dank seines Fernrohrs, dass das Weltall sehr wahrscheinlich unendlich ist und dass es weit mehr Sterne gibt, als bislang angenommen.

Das Werk "Leben des Galilei" vermittelt demnach die Botschaft, dass ein Wissenschaftler bzw. eine Wissenschaftlerin die Verantwortung trägt, den Menschen über bahnbrechende Entdeckungen aufzuklären. Auch die Figur des Galilei schöpft aus der Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen heraus Kraft im Kampf gegen die kirchliche Unterdrückung: Trotz der ihm drohenden Inquisition möchte Galilei seine Schriften verbreiten, um so seiner Verpflichtung gegenüber der Menschheit und dem Wahrheitsanspruch gerecht zu werden.

Über den Autor und die Entstehungsgeschichte

Bertolt Brecht (* 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in Ost-Berlin) zählt zu den wichtigsten Dramatikern und Schriftstellern Deutschlands. Außerdem ist er für die Entwicklung des epischen Theaters, aber auch für zahlreiche weltberühmte Gedichte und Dramen bekannt. Einige davon sind:

  • "Trommeln in der Nacht" (1922)
  • "Baal" (1923)
  • "Die Dreigroschenoper" (1928)
  • "Mutter Courage und ihre Kinder" (1941)

Ab 1928 kann Brechts Interesse am Marxismus belegt werden. Als die Nationalsozialisten im Jahr 1933 die Macht in Deutschland ergriffen, musste Brecht aufgrund seiner politischen Gesinnung ins Exil flüchten. Als Anhänger des Marxismus, einer politischen Lehre des deutschen Philosophen Karl Marx, wurde er im nationalsozialistischen Deutschland verfolgt.

Der Marxismus zielt auf die ökonomische und soziale Gleichheit der Menschen ab.

Zunächst hielt sich Brecht in Prag, dann in Wien, Zürich, Paris und Dänemark auf. In Dänemark entstand das Werk "Leben des Galilei". Nachdem das nationalsozialistische Deutschland sich ab 1941 immer weiter in Europa ausgebreitet hatte, musste Brecht in die USA fliehen und kehrte erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 nach Europa zurück.

Die drei verschiedenen Fassungen von "Leben des Galilei" hängen eng mit seinem Exil zusammen. Jede Fassung unterscheidet sich hinsichtlich der Darstellung der Figur des Galilei. Die erste Fassung entstand in Brechts Exil in Dänemark und wurde 1943 in Zürich uraufgeführt. Darin wird die Figur Galileis als eine taktisch kluge Figur dargestellt, die die Inquisition durch Tricks abwenden kann. Die Kernbotschaft dieser Fassung ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mutig ihre Erkenntnisse publizieren sollten, anstatt sich staatlicher Unterdrückung zu beugen.

Die zweite Fassung verfasste Brecht kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges für das US-amerikanische Publikum. Die Figur des Galilei wird hier als ein unkritisch forschender Wissenschaftler charakterisiert, der sich ohne Rücksicht auf moralische Fragen in den Dienst der Wissenschaft stellt. Zu dieser inhaltlichen Änderung wurde Brecht durch den Atombombenabwurf des US-amerikanischen Militärs auf Hiroshima und Nagasaki motiviert. Brecht sah darin einen verantwortungslosen Umgang mit der Wissenschaft seitens der US-Amerikaner.

Im Zweiten Weltkrieg warf das US-amerikanische Militär Atombomben auf die beiden japanischen Großstädte Hiroshima und Nagasaki ab. Dabei starben schätzungsweise zwischen 129.000 und 226.000 Menschen und die beiden Städte wurden schwer zerstört. Hiroshima wurde am 6. August und Nagasaki am 9. August 1945 bombardiert.

Die dritte Fassung des Dramas "Leben des Galilei" entstand im Jahr 1956 und wurde ein Jahr danach in Ost-Berlin uraufgeführt. Darin ist die Figur des Galilei ein moralisch hoffnungsloser, dennoch aber eifrig forschender Wissenschaftler. Die Botschaft hier ist, dass Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nicht immer Macht darüber haben können, zu welchem Zweck die jeweilige Gesellschaft ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse einsetzen würde, diese, also in der Wissenschaft Tätigen, aber ihre Neugier nie verlieren sollten.

Historischer Hintergrund und die Epoche der Exilliteratur

Das Drama "Leben des Galilei" entstand in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, der von 1933 bis 1945 dauerte. In dieser Zeit mussten viele Autoren und Autorinnen aus Deutschland fliehen und befanden sich im Exil. Gründe für ihre Flucht waren vielfältig: Die einen sahen ihre Rechte wie u. a. die Meinungsfreiheit durch das Regime bedroht, die anderen wurden schon vor dem Jahr 1933, also dem Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland, politisch verfolgt.

Der Nationalsozialismus in Deutschland stellte eine politische Bewegung dar, deren Ideologie nationalistische und rassistische Ansichten beinhaltete. Mit dem Begriff des Nationalsozialismus wird häufig auch der Name Adolf Hitler assoziiert. Die von Hitler errichtete Diktatur wurde von seinen Parteimitgliedern aus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gestützt.

Unter einer Diktatur wird eine uneingeschränkte, durch Gewalt und Unterdrückung ausgeübte Herrschaftsform verstanden.

Als Folge entstand eine Epoche, die Exilliteratur genannt wird. Unter dem Begriff der Exilliteratur werden alle literarischen Werke dieser im Exil befindlichen Autorinnen und Autoren verstanden. Diese Epoche umfasst den Zeitraum von 1933 bis 1945. Die meisten Autoren und Autorinnen verfolgten das gemeinsame Ziel, über den Nationalsozialismus aufzuklären und vor diesem zu warnen.

Die Werke der Exilliteratur werden auch Emigrantenliteratur genannt. Mehr Information zu dieser Literaturepoche findest Du in der Erklärung "Exilliteratur" auf StudySmarter.

Werke der Exilliteratur besitzen im Gegensatz zu Werken anderer Literaturepochen keine einheitlichen sprachlichen oder formalen Merkmale. Da die Ziele der Autoren und Autorinnen eine Auseinandersetzung mit Themen der Politik und Gesellschaft sowie eine Aufklärung über den Nationalsozialismus waren, wählten Autoren und Autorinnen für ihre Werke meist eine sachliche und nüchterne Sprache. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die Inhalte ihrer Werke präzise vermittelt werden.

Leben des Galilei - Das Wichtigste

  • Im Jahr 1943 wurde das Drama "Leben des Galilei" des deutschen Schriftstellers Bertolt Brecht uraufgeführt. In dem Werk geht es um den Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei im 16. Jahrhundert.
  • Das Werk entstand zur Zeit des Nationalsozialismus im dänischen Exil. Parallel dazu muss auch die Figur Galileo Galilei im "Drama" gegen die Unterdrückung durch die Kirche kämpfen.
  • Aufgebaut ist das Drama in fünfzehn sogenannten Bildern.
  • Die Sprache des Dramentextes enthält verschiedene Soziolekte: Brecht verwendet also für jede Figur eine Ausdrucksweise, die ihrer sozialen Herkunft entspricht.
  • Das Drama kann als eine Darstellung des Konflikts zwischen der Wissenschaft und dem christlichen Glauben interpretiert werden.

Nachweise

  1. Bertolt Brecht (1898): Leben des Galilei. Suhrkamp Verlag.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Leben des Galilei

Brecht versuchte mit "Leben des Galilei" aufzuzeigen, dass die Freiheit der Wissenschaft oft von bestimmten Autoritäten eingeschränkt wird. 

Nein, das Drama "Leben des Galilei" ist keine Tragödie.

Das Drama "Leben des Galilei" spielt im 16. Jahrhundert. 

Das Drama "Leben des Galilei" wird der Epoche der Exilliteratur zugeordnet. 

Finales Leben des Galilei Quiz

Frage

Von wem wurde "Leben des Galilei" geschrieben? 

Antwort anzeigen

Antwort

Bertolt Brecht

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Frage

Wann wurde das Drama uraufgeführt?

Antwort anzeigen

Antwort

Im Jahr 1943 

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Frage

Wovon handelt das Drama "Leben des Galilei"?

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Antwort

Das Drama handelt u. a. vom Konflikt zwischen dem Wissenschaftler Galileo Galilei und der katholischen Kirche.

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Frage

Wo spielt die Handlung von "Leben des Galilei"?

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Antwort

  • in Padua 
  • in Florenz 
  • in Rom 

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Frage

Wer sind die handelnden Personen im Drama "Leben des Galilei"?

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Antwort

  • Galileo Galilei 
  • seine Tochter Virginia
  • der Verlobte seiner Tochter, Ludovico Marili
  • die Haushälterin Frau Sarti
  • der Kardinal Barberini
  • der Kardinal Inquisitor
  • einige seiner Schüler 

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Frage

Über welchen Zeitraum hinweg wird das Leben von Galilei geschildert?

Antwort anzeigen

Antwort

Von 1609 bis 1637 

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Frage

Was veranlasst Galilei dazu, seine Forschungen nicht mehr zu veröffentlichen?

Antwort anzeigen

Antwort

Die katholische Kirche verbietet Galilei jegliche Publikation von seinen Büchern unter Androhung der Inquisition. 

Frage anzeigen

Frage

Wie reagiert Galilei auf die Nachricht, dass Kardinal Barberini zum neuen Papst gewählt wurde?

Antwort anzeigen

Antwort

Er ist erfreut und schöpft neue Hoffnung.

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Frage

Wie endet das Drama "Leben des Galilei"? 

Antwort anzeigen

Antwort

Galileis ehemaliger Schüler nimmt die Manuskripte Galileis mit nach Holland, um sie zu veröffentlichen.

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Frage

Inwiefern hintergeht Virginia ihren Vater?

Antwort anzeigen

Antwort

Sie übergibt heimlich Aufzeichnungen über die Forschungen ihres Vaters Galilei an die Kirche.

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Frage

Wieso geht die Kirche gegen Galilei und seine Forschungen vor?

Antwort anzeigen

Antwort

Die Kirche sieht die Macht des Katholizismus durch die Behauptungen Galileis in Gefahr. Durch die neuen Erkenntnisse könnte ein ganz neues Weltbild entstehen, welches den Glauben und die Kirche untergraben könnte. 

Frage anzeigen

Frage

In welchem zeitgeschichtlichen Kontext wurde das Werk "Leben des Galilei" verfasst?

Antwort anzeigen

Antwort

"Leben des Galilei" wurde zur Zeit des Nationalsozialismus im Exil verfasst. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland keine Meinungsfreiheit. 

Frage anzeigen

Frage

Welche Themen behandelt das Werk "Leben des Galilei"? 

Antwort anzeigen

Antwort

Christlicher Glaube gegen die Wissenschaft 

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Frage

Was wird von Galilei verlangt, als seine Entdeckungen die Autorität der Kirche infrage stellten?

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Antwort

Dass Galilei seine Lehren widerruft. 

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