Hermann Hesse-Im Nebel

Nebel ist ein Wetterphänomen und ein ganz besonderes Naturschauspiel. Wer durch den Nebel wandert, hat kaum die Möglichkeit, eine klare Sicht zu erlangen. In literarischen Texten stellt der Nebel daher ein häufig eingesetztes Motiv dar. So ermöglicht es der Nebel z. B. in Gedichten in Form einer Metapher bestimmte Gedanken und Gefühle eines lyrischen Ichs zu unterstützen und Bedeutungsinhalte zu transportieren. 

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Inhaltsangabe

    Als Metapher wird ein sprachliches Bild bezeichnet, das so viel wie "Übertragung" bedeutet. Wenn Du mehr über das rhetorische Stilmittel der Metapher erfahren möchtest, sieh Dir die Erklärung "Metapher" auf StudySmarter an!

    Der Schriftsteller Hermann Hesse (1877–1962) verfasste im Jahre 1905 das Gedicht "Im Nebel". Innerhalb von vier Strophen beschreibt das lyrische Ich dabei die Wirkung des Nebels auf den Menschen. Dabei gibt das lyrische Ich zugleich preis, dass es sich in einer schwierigen Lebensphase, die mit Einsamkeit und Dunkelheit einhergeht, befindet.

    Das lyrische Ich ist der Sprecher oder die Sprecherin eines Gedichts. Dabei handelt es sich um eine fiktive, vom Autoren bzw. von der Autorin erfundene Stimme, die den Lesenden ihre Gedanken und Gefühle mitteilt. Die Person des lyrischen Ichs bleibt meist unbekannt und ist fiktiv.

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Inhaltsangabe

    Innerhalb der vier Strophen des Gedichts wird thematisiert, wie der Nebel mit der Stimmung des lyrischen Ichs zusammenhängt.

    Erste Strophe

    Das lyrische Ich bezieht sich bereits in der ersten Strophe auf seinen inneren Gefühlszustand – nämlich die Stimmung – die es hinsichtlich des eintretenden Nebels verspürt: "Seltsam, im Nebel zu wandern!"2 (V. 1). Daraufhin beschreibt es die Einsamkeit der umliegenden Gewächse, obwohl ein Zustand wie das Einsamsein normalerweise nur Menschen zugeschrieben wird.

    Zweite Strophe

    In der zweiten Strophe verlagert sich diese Zustandsbeschreibung der äußeren Welt in die innere Welt: Das lyrische Ich beginnt zu beschreiben, wie ihm die einst freudige Welt durch den eintretenden Nebel plötzlich verworren und dunkel erscheint.

    Dritte Strophe

    In der dritten Strophe gibt das lyrische Ich an, dass nur diejenige Person weise sein kann, die die Dunkelheit kennt.

    Vierte Strophe

    Die vierte Strophe beginnt mit einer Wiederholung des ersten Verses: "Seltsam, im Nebel zu wandern!"2 (V. 13) und schließt mit der Einsamkeit des Menschen und mit der Überzeugung, dass jeder Mensch allein sei und keiner den anderen wirklich kenne.

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Analyse

    Im Folgenden findest Du die Analyse des Gedichts "Im Nebel". Diese Analyse umfasst den Aufbau des Gedichts, darunter Reimschema und Metrum, sowie die Sprache des Gedichts, zu der u. a. die rhetorischen Stilmittel gehören.

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Aufbau

    Das Gedicht "Im Nebel" kann keiner bestimmten Gedichtart zugeordnet werden.

    Unter dem Begriff "Gedichtart" wird die Form eines Gedichts verstanden. Gedichte können anhand bestimmter Eigenschaften verschiedenen Gedichtformen zugeordnet werden. Die Eigenschaften, die die Gedichtform vorgibt, können etwa das Versmaß, das Reimschema oder die Vers- und Strophenzahl sein.

    Sieh Dir doch die Erklärung "Lyrik Arten" auf StudySmarter an, wenn Du mehr über die verschiedenen Gedichtformen erfahren möchtest!

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Reimschema

    Bei allen vier Strophen des Gedichts handelt es sich um Kreuzreime mit dem Reimschema "abab".

    Der Kreuzreim ist eine Reimform, bei der sich das letzte Wort des Verses einer Strophe auf das letzte Wort des übernächsten Verses reimt. Er wird deshalb auch Wechselreim genannt. Bei einer vierzeiligen Strophe würde das Reimschema "abab" lauten, bei einer sechszeiligen Strophe "ababab".

    Den Kreuzreim kannst Du beispielhaft anhand der ersten Strophe erkennen:

    a Seltsam, im Nebel zu wandern!

    b Einsam ist jeder Busch und Stein,

    a Kein Baum sieht den andern,

    b Jeder ist allein.2

    Bei diesem Reimschema reimt sich das letzte Wort des ersten Verses ("wandern") auf das letzte Wort des dritten Verses ("andern"). Ebenso reimt sich das letzte Wort des zweiten Verses ("Stein") auf das letzte Wort des vierten Verses ("allein").

    Das Metrum des Gedichts "Im Nebel"

    Das Metrum (auch Versmaß genannt), gibt Auskunft über die Struktur und den Rhythmus eines Gedichts. Die Abfolge von betonten und unbetonten Silben in einem Vers stellen das Metrum dar.

    Das Metrum beschreibt den klanglichen Aufbau eines Gedichts. Bei diesem Aufbau geht es um die Abfolge von betonten und unbetonten Silben innerhalb eines Verses. Betonte Silben werden als Hebungen, unbetonte Silben als Senkungen bezeichnet.

    Für die Bestimmung des Versmaßes muss die Abfolge von Hebungen und Senkungen in einem Gedicht betrachtet werden. Beispielsweise versteht man unter einem Jambus einen Versfuß, der aus einer unbetonten und einer betonten Silbe besteht.

    Als Versfuß wird die kleinste rhythmische Einheit eines Verses verstanden. Diese besteht aus einer Reihung von betonten und unbetonten Silben. Unterschiedliche Abfolgen von betonten und unbetonten Silben sind möglich und ergeben unterschiedliche Metren. Für mehr Informationen über die verschiedenen Metren, sieh Dir die Erklärung "Metrum" auf StudySmarter an!

    Das Metrum im Gedicht "Im Nebel" ist wechselhaft, d. h. es gibt kein festes Metrum.

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Stilmittel

    Im Gedicht "Im Nebel" können verschiedene rhetorische Stilmittel identifiziert werden, die im Folgenden einer Analyse unterzogen werden.

    Personifikation

    In der ersten Strophe werden Bäumen die Augen eines Menschen verliehen. Hierbei kann auch von einer Personifikation gesprochen werden.

    Der Begriff Personifikation stammt vom lateinischen Wort persona und bedeutet übersetzt "Charakter, Rolle, Maske". Das rhetorische Stilmittel verleiht Tieren, Pflanzen oder Gegenständen menschliche Charakterzüge, Eigenschaften oder Handlungen. Wenn Du mehr über dieses Stilmittel erfahren möchtest, sieh Dir doch die Erklärung "Personifikation" auf StudySmarter an!

    Indem "kein Baum" (V. 3) "den andern" (V. 3) sieht, wird den Bäumen die menschliche Eigenschaft des Sehens zugeschrieben. Auch wenn Bäume rein biologisch betrachtet lebendig sind, spiegeln die Bäume die Gefühlsempfindungen des lyrischen Ichs wider.

    Parallelismus

    In der ersten und vierten Strophe des Gedichts taucht ein Parallelismus in Form des Satzes "Seltsam, im Nebel zu wandern!"2 (V. 1 und V. 13) auf.

    Der Parallelismus ist ein rhetorisches Stilmittel und gehört zur Gruppe der Satzfiguren. Das Wort "Parallelismus" lässt sich von dem lateinischen Wort parallelus ableiten, das wiederum dem griechischen Wort parállēl zugrunde liegt. Ein Parallelismus ist vorhanden, wenn zwei aufeinanderfolgende Sätze die gleiche Satzstruktur haben, also die Satzglieder in derselben Reihenfolge angeordnet sind (z. B. in der Reihenfolge Subjekt, Prädikat, Objekt).

    Satzglieder sind Bausteine eines Satzes – Subjekt, Prädikat, Objekt oder adverbiale Bestimmung.

    Parallelismen dienen der Übersichtlichkeit und helfen dem Leser/der Leserin, sich im Text zu orientieren. Durch die Wiederholung der Satzstruktur werden außerdem Satzglieder betont und besonders hervorgehoben. Diese Betonung verstärkt das Gelesene und ist dadurch auch sehr einprägsam. Ein bekanntes Beispiel für einen Parallelismus lautet: "Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee."

    Der oben genannte Parallelismus sorgt im Gedicht dafür, dass die Empfindung des lyrischen Ichs in Bezug auf den Nebel – denn für dieses ist es "Seltsam, im Nebel zu wandern"2 – betont und hervorgehoben wird.

    Ein weiterer Parallelismus ist ebenso im dritten und fünfzehnten Vers des Gedichts auszumachen:

    "Kein Baum sieht den andern"2 (V. 3)

    "Kein Mensch kennt den andern"2 (V. 15)

    Der vierte und sechzehnte Vers stellen einen weiteren Parallelismus im Gedicht dar:

    "Jeder ist allein."2 (V. 4 u. V. 16)

    Die Betonung kann dabei auf dem Adjektiv "allein" liegen, da dieses die Gefühlslage des lyrischen Ichs wiedergibt.

    Alliteration

    Außerdem lassen sich zwei Alliterationen in den Versen fünf und sechs identifizieren.

    Die Alliteration ist ein rhetorisches Stilmittel. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass zwei oder mehrere aufeinanderfolgende Wörter die gleichen Anfangsbuchstaben oder -laute haben. Durch die Verwendung einer Alliteration erhält das Gesagte einen einprägsamen Charakter. Wenn Du mehr über die Alliteration erfahren möchtest, sieh Dir die Erklärung "Alliteration" auf StudySmarter an!

    "Voll von Freunden war mir die Welt"2 (V. 5)

    "Als noch mein Leben licht war"2 (V. 6)

    Diese Alliterationen sorgen ebenfalls dafür, dass die beiden Verse einprägsam für die Lesenden sind.

    Symbol

    Das Gedicht "Im Nebel" verrät bereits durch seinen Titel etwas über sein kennzeichnendes und wiederkehrendes Symbol, nämlich den Nebel.

    In der Literatur, insbesondere in der Lyrik, werden Symbole zur vereinfachten Darstellung eines Sachverhalts verwendet. Symbole gelten als rhetorisches Stilmittel. Sie sind Zeichen, die für einen Sachverhalt stehen. Symbole wirken häufig etwas abstrakt, da nicht immer klar ist, was das jeweilige Symbol meint oder wofür es steht.

    Ein Beispiel für ein bekanntes Symbol kann die blaue Blume in der Epoche der Romantik genannt werden. Gedeutet wird die blaue Blume als Symbol für die Sehnsucht des Unerreichbaren und Unendlichen sowie als Symbol der Verbindung zwischen Mensch und Natur.

    Wenn Du mehr über Symbole erfahren möchtest, schau Dir gern die Erklärung "Symbol" auf StudySmarter an!

    Der Nebel kann im Gedicht als Symbol einer verworrenen und undurchsichtigen Stimmungslage des lyrischen Ichs gedeutet werden. Während der Nebel zu Beginn für die Einsamkeit der Natur ("einsam ist jeder Busch und Stein"2 V. 2) verantwortlich ist, sorgt er im weiteren Verlauf für die Einsamkeit des Menschen ("Voll von Freunden war mir die Welt, / Als noch mein Leben licht war; / Nun, da der Nebel fällt, / Ist keiner mehr sichtbar"2 V. 5 bis V. 8).

    Das Adjektiv "verworren" bezieht sich auf einen Zustand oder eine Sache, die komplex und damit nicht ohne Schwierigkeiten zu verstehen ist.

    Damit wird dem Nebel, der als solcher eigentlich nichts als ein bloßes Wetterphänomen ist, eine gewisse Wirkungsmacht zugeschrieben: Der Nebel kann die Stimmung des Menschen beeinflussen, er kann Freunde einander nicht mehr sehen lassen, er kann sogar "das Dunkel" (V. 10) hervorrufen.

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Interpretation

    Anhand der folgenden Interpretationsansätze kannst Du die Bedeutung des Gedichts "Im Nebel" erschließen.

    Der Nebel als Sinnbild für Einsamkeit

    Wie Du bereits durch die Deutung des Symbols "Nebel" erfahren hast, thematisiert das Gedicht den Nebel als Wetterumstand, der sinnbildlich für die verworrene Stimmung des lyrischen Ichs steht. Das lyrische Ich spricht von einer Welt voller Einsamkeit und Dunkelheit. Dabei gibt es an, dass diese empfundenen Zustände den Menschen unweigerlich von seinen Mitmenschen trennen.

    Der Nebel wird als Sinnbild für die Stimmung des lyrischen Ichs genutzt. Dies sorgt dafür, dass der äußere (Wetter-)Umstand und die innere Stimmung des lyrischen Ichs in Zusammenhang miteinander gebracht werden.

    Anzunehmen ist, dass die Beschreibung über die Einsamkeit der Natur in der ersten Strophe darin mündet, dass auch das Individuum einsam zurückbleibt. Der bereits aufgeführte Parallelismus in den Versen eins und 13 ("Seltsam, im Nebel zu wandern!"2 ) bekräftigen diesen Zusammenhang der Einsamkeit von Natur und Mensch. Denn die Stilmittel sorgen dafür, dass der Aussage eine höhere Bedeutsamkeit und Aufmerksamkeit zukommt.

    Somit bedingen sich die äußere Wahrnehmung der Natur und die innere Wahrnehmung der eigenen Gefühlswelt gegenseitig, denn der äußerliche Nebel führt dazu, dass das Sichtfeld des lyrischen Ichs getrübt und damit die Beziehung, die die Menschen untereinander durch gegenseitiges Wahrnehmen pflegen, unmöglich wird.

    Im Folgenden findest Du einige Interpretationsansätze zu den Inhalten der einzelnen Strophen.

    Die erste Strophe: Einsame Natur

    Anhand des Gedichteinstiegs "Seltsam, im Nebel zu wandern!"2 (V. 1) ist zu erkennen, dass das lyrische Ich das Gedicht durch eine Empfindungsäußerung eröffnet. Dieser Einstieg begünstigt es, den Lesenden von Beginn an deutlich zu machen, dass das Gedicht auf den inneren Zustand des Menschen abzielt, obwohl in der ersten Strophe hauptsächlich die Einsamkeit in der Natur thematisiert wird.

    Die zweite Strophe: Veränderte Stimmungslage des lyrischen Ichs

    In der zweiten Strophe wird der innere Zustand des Menschen in Hinblick auf den ehemals erlebten Zustand, nämlich die Freude des Lebens, die durch Freunde bedingt ist, beschrieben.

    Durch den eintretenden Nebel aber ist der ehemals freudige Zustand des lyrischen Ichs unweigerlich abhandengekommen.

    Mit dem Dahingehen der Freunde verschwimmt schließlich das Sichtfeld des lyrischen Ichs. Diese Verschwommenheit kann durch den Eintritt des Nebels erklärt werden. Der Nebel ist nun kein bloßer Wetterumstand mehr, sondern der Grund für die veränderte Stimmungslage des lyrischen Ichs.

    Die dritte Strophe: Die Bedeutung der Einsamkeit

    Das verschwommene Sichtfeld treibt das lyrische Ich hinein in eine Dunkelheit, in der Einsamkeit vorherrscht.

    Das Dunkel bezeichnet einen Zustand, der mit Weisheit einhergeht. Einen Zustand vollkommener Abgeschiedenheit, der nicht aufgebrochen werden kann, sondern der Weisheit wegen durchschritten werden muss.

    Aus der dritten Strophe geht hervor, dass Dunkelheit und Weisheit miteinander zusammenhängen. Die Einsamkeit des Einzelnen ist notwendig, um einen Zustand von Weisheit zu erreichen.

    Die vierte Strophe: Pessimistisches Weltbild

    In der vierten Strophe wird die in der dritten Strophe thematisierte Einsamkeit in ihrer Charakteristik näher beschrieben. Weil "Leben [...] Einsamsein"2 (V. 14) ist, kennt "kein Mensch [...] den andern"2 (V. 15) und "jeder ist allein"2 (V. 16).

    Der Nebel kann im Sinne einer Metapher für das Leben stehen, das gelegentlich verworren, einsam und ohne klare Sicht ist. Mit dem Zustand der Verworrenheit kann eine schwierige Lebensphase gemeint sein, in der sich das lyrische Ich zum Zeitpunkt der Gefühlsäußerung befindet. Somit kann das Gedicht auch als Reflexion über die eigene Gefühls- und Gedankenwelt des lyrischen Ichs gedeutet werden.

    Während das lyrische Ich zu Beginn des Gedichts die Einsamkeit der äußeren, pflanzlichen Welt beschreibt, führen die vorherigen Strophen in der vierten Strophe nun zur Überzeugung, dass jeder Mensch einsam sei und keiner den anderen kenne.

    Diese Sicht auf das Leben scheint mit negativen Emotionen beladen zu sein und resultiert aus den vorherigen Strophen, die allesamt in Gegenüberstellung zu der ehemals empfundenen Freude des Lebens auftreten. Nicht zuletzt transportiert das lyrische Ich deshalb ein negatives Menschenbild in dem Gedicht. Ob dieses aufgrund der schwierigen Lebensphase nur zeitweilig zu begreifen ist, geht aus dem Gedicht nicht hervor.

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Epoche in der Literatur

    Das Gedicht "Im Nebel" wurde 1905 von Hermann Hesse verfasst. Es wird der Literaturepoche des Symbolismus zugeordnet.

    Der Symbolismus (1890–1920) entwickelte sich als eine von mehreren Strömungen der Moderne (1880–1920).

    Der Begriff "Moderne" wird als Sammelbegriff für unterschiedliche Strömungen verwendet, wie z. B. den Expressionismus, den Impressionismus oder den Symbolismus. Als zentrales Merkmal der Moderne gilt der Bruch mit den Traditionen, weshalb die Autoren ihre Werke frei und ihren eigenen Vorstellungen nachgestalteten. Deswegen sind Subjektivität und Individualität zentrale Merkmale der Moderne.

    Den Vertretenden des Symbolismus ging es darum, eine schöne Welt zu gestalten. Dies strebten sie an, indem sie mithilfe von Symbolen eine möglichst schöne Welt zu erschaffen suchten. Diese Welt sollte eher mystisch als rational sein. Deshalb war der Symbolismus die Gegenbewegung zum Realismus und Naturalismus.

    Im Mittelpunkt der Literaturepoche des Realismus (1848 bis 1890) stand die Darstellung des Wirklichen und des Wahren, wobei die Realität verschönert und verherrlicht dargestellt wurde. In der literarischen Epoche des Naturalismus (1880 bis 1900) verfolgten Kunstschaffende zwar ebenfalls das Ziel, Gesellschaft und Wirklichkeit möglichst genau und realitätsgetreu abzubilden, dabei stellten sie jedoch auch gesellschaftliche Probleme dar und kritisierten diese zugleich.

    Sieh Dir doch die Erklären "Realismus Literatur" und "Naturalismus Literatur" auf StudySmarter an, wenn Du mehr über diese beiden literarischen Epochen erfahren möchtest!

    Die Vertretenden des Symbolismus verwendeten eine symbolhafte und bildliche Sprache. Hierdurch rückten sie das Alltägliche in einen bis dahin neuen und rätselhaften Zusammenhang. Dieser rätselhafte Zusammenhang wurde durch Motive wie "das Unbewusste" oder "die Seele" erschlossen.

    Ferner wurden Emotionen häufig auf Gegenstände oder sogar Tiere verlagert. Dies lässt sich auch in der ersten Strophe des Gedichts "Im Nebel" erkennen, da dort Bäumen und Steinen Gefühlszustände wie das "Einsamsein" zugeschrieben werden.

    Die Merkmale des Symbolismus fanden insbesondere innerhalb der literarischen Gattung der Lyrik Anwendung. Typische Merkmale der Epoche waren:

    • eine schöne, harmonische Sprache,
    • die Verwendung rhetorischer Mittel (z. B. Metaphern, Lautmalereien oder Wortneuschöpfungen),
    • Tiefgründigkeit,
    • sowie eine geheimnisvolle Sprache.

    Da in der Literatur des Symbolismus viele Symbole verwendet wurden, kann die Sprache einerseits künstlich und/oder ähnlich dem Stile des Barocks wirken, andererseits lässt sie tiefgründige Gedankengänge erahnen und sorgt durch die geheimnisvolle Sprache für weite Interpretationsspielräume.

    Der Barock gilt als Kunst- und Literaturepoche, die von 1600 bis in das Jahr 1750 vorherrschte. Die Epoche des Barocks war geprägt von starken Gegensätzen. Gegenüber dem armen, hungernden Volk stand ein absolutistischer Staat, in dessen Schlössern die Reichen prunkvolle Feste feierten. Diese Gegensätze spiegeln sich in der Literatur des Barock wider. Damalige Autoren stellten die starken Widersprüche der Epoche teils ernst, teils satirisch durch Ironie und Spott gegenüberzustellen.

    Wenn Du mehr über die literarische Epoche des Barocks erfahren möchtest, sieh Dir doch die Erklärung "Barock Epoche" auf StudySmarter an!

    Der zeitgeschichtliche Hintergrund

    Um die Jahrhundertwende fanden in der Gesellschaft zahlreiche Umwälzungen statt. Auf einen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt folgten u. a. die Industrialisierung, die Relativitätstheorie oder auch die Radioaktivität.

    Die Industrialisierung beschreibt den sozialen, technischen und wirtschaftlichen Wandel ab dem Ende des 18. Jahrhunderts und während des 19. Jahrhunderts, der insbesondere durch die Erfindung der Dampfmaschine vorangetrieben wurde.

    Albert Einstein (1879–1955) veröffentlichte im Jahr 1915 die allgemeine Relativitätstheorie. Im Kern geht die Theorie davon aus, dass Zeit und Längen "relativ" sind, weil sie nicht immer gleich schnell vergehen oder gleich lang sind.

    Die Radioaktivität beschreibt eine Eigenschaft instabiler Atomkerne, die sich unter Abgabe von Energie umwandeln. Dabei entstehen Strahlen, die weder hörbar, sehbar, noch spürbar ist. Dass Radioaktivität in der Natur vorkommt, entdeckten Forschende wie Marie Curie (1867–1934), Pierre Curie (1859–1906) sowie Antoine Henri Becquerel (1852–1908) um das Jahr 1900.

    Dies führte von einer Abwendung von der Religion hin zu einer Zuwendung zu philosophischen Theorien (z. B. Materialismus und Positivismus).

    Der Materialismus ist eine philosophische Position (Geisteshaltung), bei dem davon ausgegangen wird, dass alles (Gedanken, Gefühle usw.) auf Materie, also (chemische) Stoffe oder Materialien, zurückgeführt werden kann. Damit gibt es laut dieser Position auch keinen Gott.

    Der Positivismus hingegen ist eine philosophische Position, bei der allein der Verstand genutzt wird, um Wissen zu erwerben. Demnach ist alles, was mit den Sinnen wahrnehmbar ist, wirklich.

    Diese neuen Möglichkeiten bewirkten allerdings nicht nur Gefühle des Aufbruchs, sondern sorgten auch für ein pessimistisches Weltbild. Das Weltbild war deshalb pessimistisch, weil die Menschen sich durch die neue technisierte Welt weniger gebraucht fühlten.

    Der Autor Hermann Hesse

    Hermann Hesse wurde im Jahr 1877 geboren und starb 1962. Er gilt als der meistgelesene deutschsprachige Autor des 20. Jahrhunderts. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Der Steppenwolf" (1927) und "Siddhartha" (1922). Ebenso verfasste der Autor zahlreiche Gedichte und Aphorismen. Außerdem war er Maler und fertigte über 3000 Aquarelle an.

    Als Aphorismen werden Sinnsprüche, die kurz und geistreich sind und eine bestimmte Erfahrung oder Erkenntnis beinhalten, verstanden.

    Hesse äußerte bereits als kleiner Junge den Wunsch, Dichter zu werden. Sein Durchbruch gelang ihm im Jahre 1904 mit dem Werk "Peter Camenzind", das als Beginn des modernen Bildungsromans verstanden wird.

    Neben einer Ehe, aus der ein Sohn hervorgeht, heiratete Hesse noch zwei weitere Male. Im Ersten Weltkrieg wurde er der Kriegsgefangenenfürsorge zugeteilt. Nach dieser Dienstverpflichtung arbeitete er an den heute zum Kanon der Weltliteratur gehörenden Werken "Steppenwolf" sowie "Siddhartha". Im Jahr 1946 erhielt Hesse den Nobelpreis für Literatur. Im Jahr 1955 erhielt er darüber hinaus den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

    Hermann Hesse: "Im Nebel" – Das Wichtigste

    • Das Gedicht "Im Nebel" wurde im Jahr 1905 vom Schriftsteller Hermann Hesse verfasst und wird der Literaturepoche des Symbolismus zugeordnet.
    • Innerhalb von vier Strophen des Gedichts beschreibt das lyrische Ich die Wirkung des Nebels auf die Natur und den Menschen.
    • Das lyrische Ich gibt preis, dass es sich in einer schwierigen Lebensphase befindet, die mit Einsamkeit und Dunkelheit einhergeht.
    • Bei allen vier Strophen des Gedichts handelt es sich um Kreuzreime mit dem Reimschema "abab".
    • Das Gedicht verfügt über kein festes Metrum.
    • In dem Gedicht lassen sich die rhetorischen Stilmittel "Parallelismus", "Personifikation" sowie "Alliteration" identifizieren.
    • Der Nebel kann als Symbol einer verworrenen und undurchsichtigen Stimmungslage des lyrischen Ichs gedeutet werden.
    • Während der Nebel zu Beginn für die Einsamkeit der Natur verantwortlich ist, sorgt er im weiteren Verlauf auch für die Einsamkeit des Menschen.
    • Die Sicht auf das Leben des lyrischen Ichs scheint mit negativen Emotionen beladen zu sein, wodurch das lyrische Ich ein negatives Menschenbild vermittelt.
    • Hermann Hesse (1877–1962) gilt als der meistgelesene deutschsprachige Autor des 20. Jahrhunderts.

    Nachweise

    1. www.geo.de: Hermann Hesse. (07.06.2022)
    2. hhesse.de: Im Nebel. (10.06.2022)
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    Häufig gestellte Fragen zum Thema Hermann Hesse-Im Nebel

    Wann wurde das Gedicht "Im Nebel" geschrieben?

    Der Schriftsteller Hermann Hesse verfasste das Gedicht "Im Nebel" im Jahre 1905.

    Warum schrieb Hermann Hesse das Gedicht "Im Nebel"?

    In dem Gedicht "Im Nebel" reflektiert das lyrische Ich eine schwierige Lebensphase, die mit Einsamkeit und Dunkelheit einhergeht.

    Wie viele Strophen hat das Gedicht "Im Nebel"?

    Das Gedicht "Im Nebel" von Hermann Hesse hat vier Strophen mit jeweils vier Versen.

    Welches Metrum hat das Gedicht "im Nebel"?

    Das Gedicht "Im Nebel" hat kein festes Metrum.

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    Um welches Reimschema handelt es sich in der ersten Strophe des Gedichts "Im Nebel"?"Seltsam, im Nebel zu wandern!Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder ist allein."

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