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Der Erlkönig

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Der Erlkönig Inhaltswarnung StudySmarter

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" sind die berühmten geflügelten Worte, mit denen "Der Erlkönig" (1782) von Johann Wolfgang von Goethe beginnt. In der Ballade geht es um einen Vater, der mit seinem Sohn durch die Nacht reitet. Dabei spricht eine mystische Kreatur namens Erlkönig zu dem kleinen Jungen und versucht ihn zu sich zu locken. Mit der Veröffentlichung seiner naturmagischen Ballade kreierte Goethe einen Kontrast zu den zu seiner Zeit vorherrschenden Liebesballaden.

In der Lyrik versteht man unter einer Ballade ein längeres Gedicht, das eine spannende Geschichte wiedergibt.

Naturmagische Balladen beschäftigen sich mit übernatürlichen und unerklärlichen Naturerscheinungen.

Johann Wolfgang von Goethe war ein deutscher Dichter und Naturforscher, der von 1749 bis 1832 lebte. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer der deutschen Lyrik.

Wenn Du mehr zu Balladen oder Johann Wolfgang von Goethe wissen möchtest, dann schau Dir doch die passenden Erklärungen auf StudySmarter an.

Das Originalwerk "Der Erlkönig"

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind;

Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm."

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,Was Erlenkönig mir leise verspricht? –Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?Meine Töchter sollen dich warten schön;Meine Töchter führen den nächtlichen ReihnUnd wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dortErlkönigs Töchter am düstern Ort? –Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,Er hält in Armen das ächzende Kind,Erreicht den Hof mit Mühe und Not;In seinen Armen das Kind war tot.

"Der Erlkönig" – Inhaltsangabe

Ein Vater reitet mit seinem Pferd nachts durch einen Wald, auf dem Weg zu seinem Hof. Dabei hält er seinen Sohn in den Armen, der vermutlich aufgrund einer Krankheit in Fieberträume versinkt. In diesen Träumen spricht der Erlkönig mit dem Jungen. Die finstere Gestalt möchte das Kind zu sich und seinen Töchtern locken.

Wo der Erlkönig sich befindet und ob er tatsächlich nur das Ergebnis eines Fiebertraums ist, kommt darauf an, wie man die Ballade interpretiert. Mehr dazu später im Abschnitt Interpretationsansätze zu "Der Erlkönig"

Immer, wenn der Sohn vom Erlkönig und seinen Forderungen erzählt, versucht der Vater sein Kind zu beruhigen. Er erklärt ihm zum Beispiel, dass nicht der Erlkönig zu ihm spricht, sondern es sich dabei lediglich um den rauschenden Wind in den Bäumen handelt. Der Vater vermutet im Erlkönig gruselige Naturerscheinungen.

Mit zunehmender Angst des Kindes treibt der Vater sein Pferd an, um schneller am Hof anzukommen. Als das Kind davon berichtet, dass der Erlkönig ihn gewaltsam anfasst, erreicht der Vater sein Ziel. Zu seinem Entsetzen muss er dort jedoch den Tod seines Kindes feststellen.

Charakterisierung der Figuren in "Der Erlkönig"

Goethes Ballade dreht sich um drei wichtige Figuren.

Der Vater

  • nimmt seine Umgebung so wahr, wie sie tatsächlich ist,
  • kann den Erlkönig nicht sehen,
  • erscheint rational, aber trotzdem empathisch,
  • will seinen Sohn schnell zum Hof bringen, um ihn zu heilen,
  • versucht seinen Sohn zu beruhigen und ihm die Angst vor dem Erlkönig zu nehmen,
  • wird erst gegen Ende der Ballade durch die Furcht seines Sohnes verunsichert.

Der Sohn

  • scheint noch recht jung zu sein (vermutlich 5–9 Jahre),
  • befindet sich möglicherweise in einem Fiebertraum und halluziniert in Folge einer unbekannten Krankheit,
  • sieht und hört den Erlkönig,
  • hat Angst und sucht Trost beim Vater,
  • wirkt verängstigt und misstrauisch,
  • fühlt sich vom Erlkönig bedrängt,
  • stirbt am Ende der Ballade.

Der Erlkönig

  • tritt als Fiebererscheinung des Sohnes auf,
  • wird mit Krone und Schweif beschrieben,
  • spricht ausschließlich mit dem Sohn,
  • erscheint zunächst freundlich, wird im Verlauf aber aggressiv und gewaltsam,
  • versucht den Sohn von der irdischen Welt zu lösen und ihn zu sich zu locken,
  • wirkt verführerisch, mystisch und zwielichtig,
  • verspricht dem Sohn eine paradiesische Welt mit Strand, Frauen und Tänzen,
  • merkt im späteren Verlauf der Ballade, dass der Sohn nicht freiwillig zu ihm will und wendet Gewalt an.

Aufbau und Sprache in "Der Erlkönig"

"Der Erlkönig" ist eine Ballade, die aus acht Strophen besteht. Jede Strophe besteht aus vier Versen.

Die erste und letzte Strophe erfolgt jeweils ohne wörtliche Rede. In diesen Abschnitten redet jeweils der Erzähler. Er gibt wieder, wo sich Vater und Kind befinden und was passiert.

Die zweite, vierte und sechste Strophe beinhalten stets ein Gespräch zwischen Vater und Sohn. Die restlichen Strophen (dritte, fünfte und siebte Strophe) werden von den Worten des Erlkönigs gefüllt, wobei die siebte Strophe durch den Sohn unterbrochen wird. Dabei ist zu beobachten: Der Erlkönig spricht stets zum Sohn, der sich dann wiederum an seinen Vater wendet.

So entsteht eine wiederkehrende Reihenfolge, die sich durch das ganze Gedicht zieht:

  1. Strophe: Erzähler spricht.
  2. Strophe: Sohn und Vater reden.
  3. Strophe: Der Erlkönig spricht.
  4. Strophe: Sohn und Vater reden.
  5. Strophe: Der Erlkönig spricht.
  6. Strophe: Sohn und Vater reden.
  7. Strophe: Der Erlkönig spricht, der Sohn spricht.
  8. Strophe: Erzähler spricht.

Zudem folgt die gesamte Ballade dem Schema des Paarreims. In Strophe 5 gibt es eine Besonderheit: Vers 1 und 2 bilden einen unreinen Reim (also einen Reim, bei dem die Reimlaute nur annähernd übereinstimmen.)

Beim Betrachten von lyrischen Texten kann man häufig Reime erkennen, die einem bestimmten Schema folgen. Der Paarreim bildet ein solches Reimschema, bei dem sich jeweils die letzten Worte zweier aufeinanderfolgender Verse reimen. Das Schema lautet: aabb.

Zum Beispiel kannst Du das Reimschema an Strophe 6 erkennen:


Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dortErlkönigs Töchter am düstern Ort? –Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:Es scheinen die alten Weiden so grau. –

Wenn Du Dich näher mit dem "Reimschema" beschäftigen willst, dann schau doch in der passenden Erklärung auf StudySmarter vorbei!

Das Metrum der Ballade ist unregelmäßig, weil passend zur Situation ein anderer Sprech-/ Leserhythmus angewendet werden soll. Teilweise kann man vierhebige Jamben feststellen, zwischendurch findet man immer wieder Anapäste. Die Verbindung der beiden Metren unterstreicht einerseits das Galoppieren des Pferdes, andererseits wird so Dynamik und Geschwindigkeit erzeugt.

Metrum

Unter einem Metrum versteht man in der Lyrik die Bestimmung von betonten und unbetonten Silben. Je nachdem, wie viele betonte Silben in einem Vers vorkommen, und in welchen Abständen diese sich befinden, kann man das Metrum bestimmen.

Der Jambus ist ein Metrum, welches aus einer unbetonten und einer betonten Silbe besteht. Abhängig davon, wie viele betonte Silben ein Vers enthält (also wie viele Hebungen es gibt) bezeichnet man ihn zum Beispiel als vierhebig.

In Vers 17 ("Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?") erkennt man einen vierhebigen Jambus, der rhythmisch zum Säuseln des Erlkönigs passt.

Anapäst

Als Anapäst bezeichnet man das Metrum, wenn auf zwei unbetonte Silben eine betonte Silbe folgt.

In Vers 15 ("Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind") ist ein zweihebiger Anapäst zu verzeichnen. Dieser betont vor allem das Galoppieren des Pferdes, was der Ballade beim Sprechen Dramatik und Geschwindigkeit verleiht.

Sprache

"Der Erlkönig" ist in einer einfachen Sprache geschrieben. Auffällig ist, dass die Worte "Vater" und "Sohn" fast ausschließlich mit dem Wort "mein" in Verbindung stehen. Das kann darauf zurückgeführt werden, dass der Vater in einem engen und fürsorglichen Verhältnis zu seinem Sohn steht.

Außerdem findet man in der Ballade zahlreiche rhetorische Stilmittel, die vor allem den Klang und die Atmosphäre der Ballade beeinflussen.

Wenn Du mehr zu rhetorischen Stilmitteln und ihrer Wirkung erfahren willst, dann lies Dir doch die passenden Erklärungen auf StudySmarter durch.

Zum Beispiel wird "Der Erlkönig" mit einer rhetorischen Frage eingeleitet: "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" (Vers 1). Durch die gedankliche Beantwortung der Frage wird der Leser direkt ins Geschehen einbezogen.

Eine rhetorische Frage ist ein rhetorisches Stilmittel, welches aus einer Frage besteht, auf die keine Antwort erwartet wird.

Im gesamten Gedicht gibt es außerdem zahlreiche Alliterationen, wie in Vers 12 ("Meine Mutter hat manch gülden Gewand") und Anaphern, wie in Vers 3 und 4 ("Er hat den Knaben … ." "Er fasst ihn sicher … .").

Als Alliteration beschreibt man das Verwenden von aufeinanderfolgenden Wörtern mit denselben Anfangsbuchstaben.

Wenn zwei aufeinanderfolgende Verse mit demselben Buchstaben oder Wort beginnen, bezeichnet man das als Anapher.

Anaphern und Alliterationen sorgen grundsätzlich dafür, dass der Text einen Rhythmus erhält und der Leser ihn besser als Einheit wahrnimmt. Wenn der Erlkönig spricht, bewirken die Stilmittel aber auch, dass seine Aussagen sehr melodisch klingen. Es scheint fast so, als würde er den Sohn besingen, um ihn zu sich zu locken.

Sprachlich auffällig ist auch, dass Äußerungen wie "Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm" (Vers 4) den Eindruck von Geborgenheit wecken. Diese Geborgenheit steht im absoluten Kontrast zum Rest der Ballade, schließlich reiten Sohn und Vater durch die windige, kalte Nacht, während der Sohn vom furchteinflößenden Erlkönig belästigt wird.

Es fällt außerdem auf, dass die durchgängig im Präsens (Gegenwartsform) erzählte Ballade im letzten Vers ins Präteritum (Vergangenheitsform) wechselt: "In seinen Armen das Kind war tot." (Vers 32). Wann das Kind genau stirbt, wird nicht erwähnt, was wiederum eine neue Sicht auf die Geschehnisse ermöglicht.

"Der Erlkönig" – Interpretationsansätze

Auch wenn "Der Erlkönig" nur aus acht Strophen besteht, gibt es trotzdem viel Raum für Interpretationen. Im Folgenden kannst Du die wichtigsten Motive und Interpretationsansätze zu dieser Ballade finden. Beachte, dass es immer verschiedene Möglichkeiten gibt, den Inhalt eines Werkes zu deuten.

Der Erlkönig als Fiebertraum

Eine naheliegende Erklärung der Ballade ist, dass der Sohn erkrankt ist und deshalb Fieber hat. Im Zuge des Fiebers werden Halluzinationen ausgelöst, die den Erlkönig herbeiführen. Tatsächlich gibt es Krankheiten, die Halluzinationen auslösen und unbehandelt tödlich enden können. Ein Beispiel dafür ist die Hirnhautentzündung.

Dass der Junge tatsächlich krank sein könnte, belegt Vers 4 ("Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm."). Denn wieso sollte der Vater seinen Sohn behüten, wenn dieser selbst in der Lage wäre, sich auf dem Pferd festzuhalten? Und wieso wärmt der Vater ihn, obwohl er vermutlich dem Wetter entsprechend gekleidet ist? Beide Merkmale weisen darauf hin, dass der Junge bereits zu Anfang der Ballade körperlich geschwächt ist.

Diese Theorie stützt den Gedanken, dass der Erlkönig nicht wirklich existiert, sondern nur das Ergebnis von zu hohem Fieber ist. Fraglich ist, wieso der Junge schon nach den ersten Worten des Erlkönigs Angst hat, obwohl diese eigentlich freundlich formuliert sind. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Junge aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands bereits spürt, wie nah er dem Tod steht.

Erst nachdem der Erlkönig ihn gewaltsam anfasst (Vers 26–28), verkündet der Erzähler, dass der Junge verstorben sei. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass der Erlkönig ein imaginärer Todesbote ist.

Es gibt ein weiteres Argument für diese Interpretationsmöglichkeit: Als Goethe in Jena war, wurde ihm von einem Bauer berichtet, der mit seinem kranken Kind im Arm zur Universität ritt, um seinen Sohn behandeln zu lassen. Diese Nachricht soll Goethe inspiriert haben, die Ballade "Der Erlkönig" zu schreiben.

Im 19. Jahrhundert wurde in Jena das Erlkönig-Denkmal als Erinnerung an den Bauern und Goethes Ballade errichtet.

Der Erlkönig als Vergewaltiger

Wenn man genau betrachtet, was der Erlkönig sagt, könnte man eine sexuelle Absicht vermuten. Möchte der Erlkönig den Sohn vergewaltigen? Dafür spricht die anzügliche Sprache des Erlkönigs:

Du liebes Kind, komm, geh mit mir!/Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir" (Vers 9 und 10)

Geht es um kinderfreundliche Spiele oder sind "Spiele" nur eine Umschreibung für Sexualpraktiken?

Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn? (Vers 17)

Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt" (Vers 25)

Fakt ist, dass der Erlkönig vom Sohn angetan ist. Das wird durch Äußerungen, wie "feiner Knabe" klar und auch, als der Erlkönig seine Liebe dem Jungen gegenüber gesteht ("Ich liebe dich"). Deutlich wird, dass der Erlkönig dabei besonders auf den Körper des Jungen fixiert ist, da er ihm nur Komplimente für sein äußeres Erscheinungsbild gibt:

Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt/ Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!/ Erlkönig hat mir ein Leids getan!" (Vers 26 ff.)

Schließlich erklärt der Erlkönig, dass er ihn auch gegen seinen Willen berührt. Möglicherweise wird hier eine Vergewaltigung beschrieben und die Interaktion mit dem Vater findet gar nicht statt.

Denkbar wäre, dass der Erlkönig keine Einbildung ist, sondern ein Vergewaltiger. Alles, was um den Sohn herum geschieht, könnte demnach eine Fantasiewelt sein, in die sich der Junge im Abwehrmechanismus begibt. Sinn ergibt das vor allem, weil der Vater ihn stets beruhigen möchte und alle Worte des Erlkönigs als Naturerscheinungen abtut. Der Vater fungiert als Selbstschutz vor der Realität.

Vielleicht ist der Tod des Jungen am Ende der Ballade auch nicht der wortwörtliche Tod, sondern das Ende seiner kindlichen Unschuld. Das würde den Erzähltempuswechsel des letzten Verses von Präsens in Präteritum erklären – Das Kind stirbt, ohne dass der Junge geistig bei der Vergewaltigung anwesend ist. Als er aus der Fantasiewelt zurückkehrt, liegt sein Missbrauch bereits in der Vergangenheit.

Schadenzauber durch Erlenbäume

Der Stoff, auf dem die Ballade basiert, stammt ursprünglich aus dem Dänischen, wo der Erlkönig als Ellerkonge bezeichnet wird. Wortwörtlich übersetzt bedeutet Ellerkonge "Elfenkönig". Warum Goethe in seiner Ballade das Wort Erlkönig verwendet, ist nicht eindeutig zu beantworten. Einerseits könnte es sich um einen Übersetzungsfehler handeln. Andererseits könnte Goethe den Erlkönig bewusst nach der Baumart benannt haben.

Die Erle gehört zu den Birkengewächsen und ist eine Baumart, die in sogenannten Erlenbrüchen, also dauerfeuchten, sumpfigen Wäldern, zu finden ist.

Früher glaubte man, dass von Erlenbrüchen dunkle Magie ausging, denen wehrlose Menschen zum Opfer fielen. Denkbar wäre, dass der Vater genau durch so einen Erlenwald reitet und dort unerklärliche Kräfte auf den Sohn einwirken, die schließlich seinen Tod hervorrufen. Demnach könnte der Erlkönig ein Schadenzauber sein, der von den Erlen stammt.

Im Kontrast dazu stehen die rationalen Erklärungen des Vaters, die immer wieder auf die in seinen Augen harmlose Natur zurückgeführt werden: "In dürren Blättern säuselt der Wind." (Vers 16).

Zeitgeschichtlicher Hintergrund zu "Der Erlkönig"

Epochal ist die Ballade in den Sturm und Drang (1765–1785) einzuordnen. Typisch für die Werke dieser Epoche ist eine leidenschaftliche und gefühlvolle Sprache. Meist drehte es sich inhaltlich um Liebesgeschichten und Naturbeschreibungen.

Im Gegensatz dazu schuf Goethe mit "Der Erlkönig" eine naturmagische Ballade, die sich thematisch und stilistisch von den Arbeiten des Sturm und Drangs absetzte. Zwar beschäftigte man sich zu dieser Zeit auch mit der Natur, allerdings unter dem Aspekt des sogenannten "Pantheismus".

Der Pantheismus ist typisch für den Sturm und Drang und bezeichnet die Gleichsetzung der Natur mit Gott.

Während Verfechter des Pantheismus das Göttliche in der Natur bewunderten, betrachtete Goethe sie in seiner Ballade von einer mystischen, unheimlichen Seite. Immer wieder versucht der Vater seinen Sohn zu beruhigen, indem er den Erlkönig mit verschiedenen, gruseligen Naturerscheinungen vergleicht. Mit seinem Werk schuf Goethe die erste naturmagische Ballade seiner Zeit.

Außerdem wird in "Der Erlkönig" ein weiteres Thema aufgegriffen: Die vorangegangene Epoche der Aufklärung, in der die Menschen sich strikt auf wissenschaftliche Fakten und ihren Verstand konzentrierten. Diese wird durch den Vater verkörpert. Er ist unzugänglich für die magische Figur des Erlkönigs, weil er rational an seinen Überzeugungen festhält. Für ihn ist dieser ein Hirngespinst. Sein Sohn hingegen spiegelt den jungen Stürmer und Dränger wider, der empfänglich für den Erlkönig ist, auch wenn dieser nicht rational erklärbar ist.

Du möchtest mehr zum "Sturm und Drang" erfahren? Dann lies Dir doch die Erklärung zum Thema auf StudySmarter durch.

Der Erlkönig - Das Wichtigste

  • "Der Erlkönig" ist eine naturmagische Ballade, die 1782 von Johann Wolfgang von Goethe geschrieben und veröffentlicht wurde.
  • Inhaltlich dreht es sich um einen Vater, der mit seinem Sohn durch die Nacht reitet. Der sogenannte Erlkönig erscheint dem Sohn und verängstigt ihn. Am Ende stirbt der Sohn in den Armen des Vaters.
  • Das Gedicht besteht aus acht Strophen, die jeweils vier Verse beinhalten. Das gesamte Werk folgt dem Paarreimschema. Ein einheitliches Metrum gibt es nicht (allerdings findet man häufig vierhebige Jamben).
  • Sprachlich auffällig sind zahlreiche Alliterationen, Anaphern und ein Erzähltempuswechsel im letzten Vers.
  • Goethe beschäftigt sich entgegen den typischen Stürmern und Drängern mit der unheimlichen Natur.
  • "Der Erlkönig" lässt sich auf verschiedene Art und Weisen interpretieren.
  • Drei mögliche Interpretationsansätze sind: - Der Erlkönig existiert nicht und ist eine Begleiterscheinung einer Krankheit des Sohns.- Der Erlkönig ist ein Vergewaltiger und der nächtliche Ritt ist Fantasie als Selbstschutz des Sohns.- Der Sohn sieht den Erlkönig wegen der Erlen im Wald, von denen Schadenzauber ausgehen.
  • Mit seinem Werk schuf Goethe die erste naturmagische Ballade seiner Zeit.

Der Erlkönig

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?" (Vers 17) folgt beispielsweise dem Betonungsmuster des Jambus.

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? 

Es ist der Vater mit seinem Kind; 

Er hat den Knaben wohl in dem Arm,

Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm."


Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –


„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –


Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –


„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –


Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –


„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –


Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

"Der Erlkönig" ist eine Ballade, weil es ein längeres Gedicht ist, welches eine spannende Geschichte erzählt.

Finales Der Erlkönig Quiz

Frage

Wann wurde "Der Erlkönig" veröffentlicht?

Antwort anzeigen

Antwort

  • 1782
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Frage

Wer hat "Der Erlkönig" geschrieben?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Johann Wolfgang von Goethe
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Frage

Warum zählt "Der Erlkönig" zur Gattung der Balladen?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Weil "Der Erlkönig" ein längeres Gedicht ist.
  • Weil "Der Erlkönig" eine (spannende) Geschichte erzählt. 
Frage anzeigen

Frage

Wieso bezeichnet man "Der Erlkönig" auch als naturmagische Ballade?

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Antwort

Naturmagisch bedeutet, dass die Natur von einem mystischen und unheimlichen Standpunkt aus betrachtet wird. Der Vater versucht den Sohn davon zu überzeugen, dass der Erlkönig nicht existiert und es nur die gruselige Natur des Waldes ist. Damit kann "Der Erlkönig" als naturmagische Ballade bezeichnet werden.

Frage anzeigen

Frage

Aus wie vielen Strophen und wie vielen Versen besteht "Der Erlkönig"?

Antwort anzeigen

Antwort

"Der Erlkönig" besteht aus acht Strophen, die jeweils vier Verse beinhalten.

Frage anzeigen

Frage

Worum geht es (kurz und knapp) in "Der Erlkönig"? 

Antwort anzeigen

Antwort

Ein Vater reitet mit seinem Sohn im Arm durch die Nacht. Der Erlkönig spricht dabei zum Sohn, der deshalb Angst bekommt. Der Vater versucht seinen Sohn zu beruhigen. Am Ende stirbt der Junge. 

Frage anzeigen

Frage

Welche Charakterisierung passt zum Vater aus "Der Erlkönig"? 

Antwort anzeigen

Antwort

  • empfänglich für Übernatürliches
  • fantasievoll und mutig
Frage anzeigen

Frage

Welche Charakterisierung passt zum Erlkönig aus "Der Erlkönig"?

Antwort anzeigen

Antwort

  • einfühlsam und gutgläubig
  • mutig und ehrlich 
Frage anzeigen

Frage

Welche Charakterisierung passt zum Sohn aus "Der Erlkönig"?

Antwort anzeigen

Antwort

  • verängstigt 
  • misstrauisch
Frage anzeigen

Frage

Welchem Reimschema folgt "Der Erlkönig"? 

Antwort anzeigen

Antwort

Die Ballade folgt dem Schema des Paarreims (aabb).

Frage anzeigen

Frage

Welches Metrum gibt es in "Der Erlkönig"? 

Antwort anzeigen

Antwort

Die Ballade folgt einem unregelmäßigen Wechsel von vierhebigen Jamben und dreihebigen Anapästen.

Frage anzeigen

Frage

Welche Stilmittel werden vor allem in "Der Erlkönig" verwendet?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Alliterationen
  • Anaphern
Frage anzeigen

Frage

Beschreibe einen Interpretationsansatz zu "Der Erlkönig"! 

Antwort anzeigen

Antwort

Möglichkeiten sind: 

  • Der Erlkönig ist nicht real und die Folge einer Krankheit des Sohns.
  • Der Erlkönig ist ein Vergewaltiger und der Ritt mit dem Vater ist Fantasie.
  • Die Erlen im Wald, von denen negative Energie ausgeht, sorgen für die Alpträume des Sohns. 
Frage anzeigen

Frage

In welcher literarischen Epoche wurde "Der Erlkönig" veröffentlicht?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Sturm und Drang (1765-1785)
Frage anzeigen

Frage

Welche Behauptung ist richtig? 

Antwort anzeigen

Antwort

"Der Erlkönig" ist eine naturmagische Ballade, die 1783 veröffentlicht wurde. Der Autor Friedrich Schiller war schon immer für seine sozialkritischen Werke, wie "Der Erlkönig" bekannt. 

Frage anzeigen
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