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Entstehung psychischer Störungen

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Psychologie

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind psychische Störungen heutzutage keine Seltenheit mehr. Tatsächlich leidet in etwa jede*r vierte erwachsene Arztbesucher*in darunter. Für Deutschland wird angenommen, dass zehn Prozent der Gesamtbevölkerung unter einer therapiebedürftigen psychischen Erkrankung leiden und über 80 Prozent mindestens einmal in ihrem Leben vorübergehend an einer psychischen Störung erkranken. Doch was ist eine psychische Störung eigentlich genau?

Unter psychischen Störungen werden grundsätzlich alle Erkrankungen einer Person bezeichnet, die sich auf die Kognition, das Verhalten oder die Emotionsregulation beziehen. Psychische Störungen sind das Ergebnis von gestörten psychologischen, physiologischen (biologischen) oder entwicklungsbezogenen Prozessen, die den mentalen Funktionen zugrunde liegen. Es kommt zu Abweichungen in der Wahrnehmung des Fühlens, Denkens und auch des eigenen Selbstbildes.

Ursachen zur Entstehung psychischer Störungen

Bis heute können psychische Störungen bei Erwachsenen nicht auf eine einzige spezifische Ursache zurückgeführt werden. Mittlerweile gelten neben den psychologischen Ursachen auch soziale und biologische (körperliche) Faktoren bei der Ausbildung als relevant.

Hier folgt ein kurzer Überblick über mögliche Ursachen psychischer Störungen, sortiert nach diesen drei Faktoren:

Biologische UrsachenPsychologische UrsachenSoziale Ursachen
  • Stoffwechselveränderungen im Gehirn
  • genetische Vorbelastung/ Veranlagung
  • Hirnschädigungen
  • Traumata
  • innere Konflikte
  • erlernte Denkmuster
  • Tod eines geliebten Menschen
  • Überforderung in der Schule
  • Familiäre Spannungen
  • Mobbing

Generell lässt sich festhalten, dass psychische Erkrankungen durch ein Ungleichgewicht zwischen der Belastung im Leben und sogenannten Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) entstehen. Überwiegt die Belastung und versagen die Coping-Strategien, kann sich eine psychische Störung entwickeln.

Wenn du gerne malst oder Musik hörst, sobald du traurig bist, dann ist das Malen oder die Musik deine Coping-Strategie. Sie hilft dir, mit der Trauer umzugehen und führt dazu, dass du dich besser fühlst. Vielleicht schafft die Kunst oder Musik es sogar, dass du das traurig sein kurzzeitig vergisst und entspannen kannst.

Wichtig zu wissen ist, dass Coping-Strategien leider nicht immer positiv und hilfreich sind.

Zum Beispiel:

Ein junges Mädchen ist sehr unzufrieden mit sich und ihrem Körper und scrollt den ganzen Tag durch die sozialen Medien, wo sie nur scheinbar perfekte und wunderschöne Frauen sieht. Dann ist diese Flucht in die digitale Welt keine hilfreiche Coping-Strategie. Als Folge kann diese Scheinwelt, die dort herrscht, im schlimmsten Fall die betroffene Person noch unsicherer und unzufriedener machen. Dies kann in einem toxischen Kreislauf des Vergleichens und "sich nicht gut genug Fühlens" enden.

Das junge Mädchen nutzt also die Coping-Strategie, sich in die sozialen Medien zu flüchten, um sich von ihrer Unzufriedenheit mit sich selbst und ihrem Körper abzulenken. Leider lindert diese Bewältigungsstrategie jedoch nicht die Unzufriedenheit, sondern verstärkt diese sogar.

Symptome psychischer Störungen

Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich die Ansicht zur Entstehung psychischer Störungen grundlegend verändert. Es werden nicht länger ausschließlich psychologische Ursachen betrachtet. Das führte auch zu einem Umdenken in der Diagnostik und man wandte sich ein Stück weit von der lang gängigen Klassifikation psychischer Störungen nach ihren Leitsymptomen ab.

Stattdessen wurde erkannt, dass viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen und diese sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern können. Deshalb werden Patient*innen heute viel umfassender betrachtet. Neben rein psychologischen Symptomen werden auch mögliche physiologische Symptome in der Diagnostik beachtet.

Ein Leitsymptom ist das bedeutsamste Zeichen einer bestimmten Erkrankung, das eine Orientierungshilfe in der Diagnose darstellt.

Bei der Klassifikation nach Leitsymptomen wird bzw. wurde eine Erkrankung streng nach den messbaren psychischen Symptomen in verschiedene Kategorien eingeordnet.

Typische Leitsymptome sind beispielsweise:

  • Schmerzen im rechten Unterbauch bei einer Blinddarmentzündung
  • plötzlich auftretende Schmerzen und ein Engegefühl in der Brust bei einem Herzinfarkt
  • Schüttelfrost bei einer Viruserkrankung (z. B. Grippe)

Neben der Klassifikation nach Leitsymptomen gibt es weitere Ansätze zur Diagnose und Einordnung von psychischen Störungen und Erkrankungen im Allgemeinen. Um mehr über diese Ansätze zu erfahren, besuche unsere Erklärung zu den "Klassifikationssysteme".

Arten psychischer Störungen

Die menschliche Psyche ist bis heute ein großes Wunderwerk und Mysterium zugleich. Ebenso, wie es nicht zwingend den einen Auslöser gibt, existiert nicht nur eine Art von psychischen Störungen. Tatsächlich gibt es unzählige verschiedene Erkrankungen der Psyche. Manche davon sind weiter verbreitet und bekannt, andere hingegen betreffen nur eine sehr kleine Personengruppe und sind daher weitestgehend unbekannt.

Als Laie ist es dementsprechend schwer, wenn nicht gar unmöglich, den Überblick über die verschiedenen psychischen Störungen zu behalten. Oftmals kommt die Frage auf, welche Störungen die häufigsten sind. Tatsächlich steht die Depression entgegen der weitverbreiteten Annahme nicht auf Platz eins, wie du folgender Abbildung entnehmen kannst.

Entstehung psychischer Störungen, Übersicht über die häufigsten Störungen, StudySmarterAbbildung 1: Die häufigsten psychischen Störungen im Überblick.Quelle: typentest.de

Stattdessen sind tatsächlich Angststörungen die häufigste psychische Störung, gefolgt von einer Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht). Depressionen kommen nur knapp halb so häufig vor, wie Angststörungen, machen dennoch mit 8,2 % einen nicht zu verachtenden Teil aus.

Einteilung psychischer Störungen

Zur Diagnose psychischer Störungen wird in der Regel die "International Classification of Diseases" (kurz: ICD-10) herangezogen. Diese Klassifikation wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben und teilt psychische Störungen in sogenannte Diagnosegruppen.

In der folgenden Grafik findest du eine Übersicht über die zehn verschiedenen Klassifikationsgruppen psychischer Störungen nach der ICD-10 und Beispiele möglicher Ausprägungen:

Diagnosegruppe
Beispiele für typische Erkrankungen
Organische Störungen
Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope (menschliche Psyche beeinflussende) Substanzen
  • Drogen- und Alkoholmissbrauch
  • Verhaltensstörungen
Schizophrenie und wahnhafte Störungen
  • Schizophrenie
  • Wahn
Affektive Störungen
  • Depression
  • Bipolare-Störung (= manisch-depressive Störung)
Neurotische und stressbedingte Störungen
  • Zwangs- und Angststörungen, wie generalisierte Angststörung oder soziale Phobien
  • Trauma
Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Intelligenzminderung
  • Minderbegabung
  • Folge von Epilepsie
Entwicklungsstörungen
  • Lesestörungen (Legasthenie)
  • Rechtschreibstörungen
  • Autismus
Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn der Kindheit und Jugend
  • Tourette-Syndrom
  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung)
  • Trennungsangst oder Bindungsstörung

Wenn du mehr über die Diagnose psychischer Störungen erfahren möchtest und welches Klassifikationssystem zum Beispiel in Amerika zum Einsatz kommt, dann schaue dir die Erklärungen zu den "Klassifikationssysteme" und der "Diagnose und Therapie psychischer Störungen" an.

Entstehung psychischer Störungen im Kindesalter

Psychische Störungen können sich nicht erst im Erwachsenenalter ausbilden. Bereits Kinder und Jugendliche können solche seelischen Erkrankungen entwickeln. Wie auch bei Erwachsenen, ist die Ausbildung einer psychischen Störung im Kindesalter von mehreren Faktoren abhängig.

Neben den biologischen Faktoren (Genetik, Krankheiten) spielen bei Kindern und Jugendlichen die sozialen und psychischen Faktoren eine große Rolle. Besonders belastende und traumatische Ereignisse führen zu einer negativen Entwicklung im Verhalten und der Persönlichkeit des Kindes.

Begünstigende Faktoren für eine psychische Störung bei Kindern sind:

  • fehlende emotionale Bindung zu den Eltern
  • körperliche Misshandlung und Missbrauch
  • Vernachlässigung durch die Eltern
  • inkonsequente Erziehung
  • Helikopter-Eltern: zu einmischende Erziehung ohne Freiraum
  • Gewalt zwischen den Eltern
  • Trennung der Eltern
  • elterliche Depressionen

Neben den genetischen und familiären Faktoren spielt gerade bei Kindern und Jugendlichen der Sozialkontakt zu Gleichaltrigen eine wichtige Rolle. Freundschaften sind außerordentlich wichtig, um sich selbst zu entdecken und seine Rolle in der Gesellschaft zu finden.

Theorien zur Entstehung psychischer Störungen

Im Laufe der Forschung zur Entstehung psychischer Störungen haben sich eine Reihe verschiedener Modelle und Theorien entwickelt. Dabei verfolgen die Theorien unterschiedliche und teils sogar gegensätzliche Ansätze zur Erklärung der Ausbildung von Störungen.

Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell nimmt an, dass die Kombination von Vulnerabilität (= Krankheitsanfälligkeit) einer Person und ein Stressereignis bzw. -erlebnis die Grundlage für die Ausbildung von psychischen Störungen darstellen. Damit setzt dieses Modell die genetische Veranlagung einer Person mit erlernten Verhaltensmustern und der sozialen Umwelt in Bezug.

Wie sich diese Stress-Resistenz-Veranlagung bei verschiedenen Personen auf unterschiedliche Art und Weise zeigen kann, soll folgendes Beispiel veranschaulichen:

Du kennst sicherlich Personen in deinem Umfeld, die besser mit Stress umgehen können. Ihnen macht es scheinbar überhaupt nichts aus. Viel mehr scheinen sie unter Stress aufzugehen und die besten Leistungen zu erbringen.

Du kennst aber bestimmt auch Personen, die das komplette Gegenteil sind. Kaum wird eine Situation etwas stressiger, tun sie sich schwer und entwickeln Symptome wie Angst, Herzrasen oder Zittern. Das liegt daran, dass jeder Mensch eine individuelle Stresskapazität besitzt. Bei manchen Menschen liegt diese Kapazität einfach höher als bei anderen.

Wie du der roten Linie in der nachfolgenden Abbildung entnehmen kannst, besitzt jeder Mensch eine bestimmte Kapazität für Stress. Diese ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ist die Kapazitätsgrenze (Schwelle) erreicht bzw. wird diese überschritten, kommt es zur Ausbildung von Symptomen psychischer Erkrankungen. Belastende Ereignisse (Stressereignisse) führen bei einer vulnerablen Person (Veranlagung) eher zu Störungen als bei einer Person, die weniger vulnerabel ist. Das liegt daran, dass die Stresskapazität bei vulnerablen Personen geringer ist (siehe grüne Linie).

Entstehung psychischer Störungen, Vulnerabilitäts-Stress-Modell, StudySmarterAbbildung 2: Grafische Übersicht über die wechselseitigen Auswirkungen von Stress und Vulnerabilität (Veranlagung)Quelle: wikipedia.org

Nur weil eine Person vulnerabler ist, bedeutet es jedoch nicht, dass sie auch gleich eine psychische Störung ausbildet. Es gibt eine Reihe verschiedener Faktoren, wie die Empfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren (Resilienz), die darüber entscheiden, wie viel Stress eine Person aufnehmen kann, bevor die Grenze erreicht ist.

Biopsychosoziales Krankheitsmodell

Das "Biopsychosoziale Modell von Gesundheit und Krankheit" ist ein integrativer Ansatz. Wie der Name schon andeutet, versteht dieser körperliche, psychische und soziale Faktoren als Ursache psychischer Störungen. Demnach sind diese Faktoren nicht eigenständig, sondern stehen viel mehr in einer dynamischen Wechselbeziehung zueinander.

Wie du der folgenden Abbildung entnehmen kannst, tritt eine Störung meist dann auf, wenn sich psychologische, biologische und soziale Faktoren überschneiden:

Entstehungen psychischer Störungen, Biosoziales Krankheitsmodell, StudySmarterAbbildung 3: Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren einer StörungQuelle: osa.fu-berlin.de

Jede psychische Erkrankung umfasst also in unterschiedlichem Ausmaß folgende Faktoren:

Biologische Faktoren

  • genetische Veranlagung
  • Verletzungen
  • Infektionen

Psychologische Faktoren

  • Denkmuster
  • Verhalten
  • Gefühle

Soziale Faktoren

  • Familie und Partnerschaft
  • Schule und Arbeit
  • Sozialkontakte

Lerntheorie (Behaviorismus)

Laut der Lerntheorie sind psychische Störungen die Folge von fehlgeleiteten Lernprozessen. Demnach ist alles Verhalten (und dazu zählen auch psychische Störungen), erlernt und kann auch wieder verlernt werden. Mit Lernen ist in diesem Zusammenhang die Veränderung von Verhaltensweisen in Bezug auf vorangegangener, nachfolgender oder begleitender Ereignisse gemeint.

Der Mensch bildet Erwartungen über zukünftige Ereignisse auf der Basis vorangegangener Erfahrungen und lernt, "was zu was führt". Sind diese Erwartungen bzw. Einstellungen verzerrt oder fehlgeleitet, äußert sich dies in einer psychischen Störung.

Die bekannteste Lerntheorie ist die Konditionierungstheorie. Dabei wird das Prinzip der Konditionierung auf den Menschen übertragen und mit psychischen Störungen in Verbindung gesetzt. Das bedeutet, dass Stimuli (Reize), die mit einer enormen Belastung gekoppelt sind, selbst zum Auslöser von emotionalen Reaktionen werden können. Damit führen selbst vorher neutrale Situationen zu einer emotionalen Reaktion.

Ein Beispiel für eine psychische Störung, basierend auf der Konditionierungstheorie, ist die konditionierte Angststörung:

Eine Person befindet sich in einem übermäßig gefüllten Aufzug und die Nähe zu den anderen Personen (unkonditionierter Reiz) löst in ihr das Gefühl der Einengung, Bedrohung und Angst (unkonditionierte Reaktion) aus.

Aufzüge können dadurch zum konditionierten Stimulus (konditionierter Reiz) werden, was gemäß der klassischen Konditionierung zu einer Angst vor Aufzügen (konditionierte Reaktion) führen kann.

Vermeidet die Person daraufhin Fahrten mit dem Aufzug, kann es zu einer Verstärkung und Aufrechterhaltung der Angst gemäß einer operanten Konditionierung kommen.

Die "operante Konditionierung" und "klassische Konditionierung" sind interessante Themenfelder, die sich mit der Erklärung menschlichen Handelns beschäftigen. Lies dir die Erklärungen durch, um mehr über das Prinzip der Bestrafung und Belohnung, sowie das Pawlow'sche Experiment zu erfahren.

Kognitive Theorie

Die kognitive Theorie bezieht sich darauf, wie der Mensch Umwelteinflüsse wahrnimmt. Sie verarbeitet und bewertet, wie diese sein Verhalten beeinflussen. Jeder Mensch besitzt auf Basis seiner Erfahrungen individuelle Denkmuster (Schemata). Wie die nachfolgende Abbildung zeigt, haben Personen mit einer psychischen Störung (z. B. Depressionen) eine Art "Denkfehler" (= verzerrte Sicht auf die Wirklichkeit) und eine negative Sicht auf die eigene Person, Umwelt und/oder die Zukunft:

Entstehung psychischer Störungen, kognitive Theorie Beck, StudySmarterAbbildung 4: Die Beziehung zwischen dem negativen Selbstbild, Bild der Umwelt und Zukunft nach Beck in Bezug auf die Ausbildung von psychischen StörungenQuelle: slideserver.com

Negative Denkmuster in Bezug auf das eigene Selbstbild oder die Zukunft hat mal jeder Mensch im Laufe seines Lebens – manche Menschen seltener und andere häufiger. Doch selbst wenn eine Person häufiger negative Denkmuster hat, bedeutet das nicht automatisch, dass sich daraus eine psychische Störung ausbildet. Dafür müssen meist mehrere Faktoren zusammenspielen, wie das Dreieck in der obigen Abbildung verdeutlicht.

Wie sich ein solches negatives Denkmuster in einen "Denkfehler" verwandelt und schließlich bemerkbar macht, veranschaulicht folgendes Beispiel:

Ein Kind, das in jungen Jahren von seinen Eltern verlassen wurde (negatives Bild der Umwelt), kann zum Beispiel Verlustängste als Erwachsener entwickeln. Das geschieht beispielsweise, indem sich der "Denkfehler", dass ihn jede*r verlassen wird (negatives Bild der Zukunft), aus den negativen Denkmustern, wie z. B. nicht gut genug zu sein (negatives Selbstbild), herausbildet und festigt.

Psychodynamische Theorie nach Sigmund Freud

Sigmund Freud gilt als der Begründer der Psychoanalyse, die heute als Teil der Tiefenpsychologie, als eine der verbreitetsten Therapieformen bei psychischen Störungen zum Einsatz kommt. Freud ging davon aus, dass alle psychischen Probleme auf unterbewusste und ungelöste Konflikte zurückgehen, die aus der Kindheit herrühren. In Freuds Auffassung sind die körperlichen Symptome einer psychischen Störung (Neurose) die Folge von verdrängten und schmerzhaften Erinnerungen. Hier ein paar Beispiele solcher inneren Konflikte:

  • Traumata
  • geheime Sehnsüchte
  • Wünsche oder
  • Ängste aus der Kindheit

Persönlichkeitsinstanzen

Laut Freud besitzt der Mensch drei Persönlichkeitsinstanzen, die bei einer gesunden Persönlichkeit in einem dynamischen Gleichgewicht sind.

  • Es = Triebe, die ein Mensch von Geburt an besitzt (unbewusst)
  • Über-Ich = Gewissen, das durch die Gesellschaft und Realität entsteht (kann unbewusst oder bewusst sein)
  • Ich = Vermittler zwischen Es und Über-Ich (meist bewusst)

Das Ich besitzt eine Reihe verschiedener Abwehrmechanismen, die es nutzt, um zwischen dem Es und dem Über-Ich zu vermitteln. An sich sind diese Abwehrmechanismen nichts Schlechtes. Werden sie jedoch zu häufig eingesetzt, dann können Abwehrmechanismen, wie Verdrängung, Verleugnung oder Isolierung sich negativ auswirken.

Psychische Störungen entstehen nun laut Freud durch einen inneren Konflikt zwischen dem Es und dem Über-Ich. Im gesunden Fall kommt es jedoch zu einer Vermittlung durch das Ich. Bleibt diese aus und eine Verdrängung oder Verlagerung des Konfliktes tritt ein, kann sich eine psychische Erkrankung manifestieren.

In der Erklärung "Instanzenmodell Freud" findest du viele weitere spannende Fakten rund um die Persönlichkeitsinstanzen.

Personenzentrierte Theorie nach Rogers

Carl Rogers ist Begründer der personenzentrierten Theorie. In dieser geht er davon aus, dass der Mensch in seinem Kern gut und positiv ist und immer danach strebt, eine selbstbestimmte und gesunde Persönlichkeit zu entwickeln. Das liegt in der Aktualisierungstendenz eines jeden Menschen begründet. Sämtliche Verhaltensweisen und Erfahrungen werden danach bewertet, ob sie zur Aktualisierung eines Menschen beitragen oder nicht.

Mit der Aktualisierungstendenz ist die angeborene Tendenz eines jeden Menschen gemeint, sich zu erhalten und all seine wichtigsten Bedürfnisse zu befriedigen und sein Wachstum voranzutreiben.

Demnach wird in Rogers Auffassung der Mensch weniger von seinen Trieben gesteuert, wie es Freud annimmt und mehr von seiner angeborenen Tendenz zur Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung. Der Mensch ist bestrebt, Autonomie zu erlangen. Wie dieses Autonomiebestreben und die Tendenz zur Selbsterhaltung konkret aussehen kann, soll das nachfolgende Beispiel verdeutlichen:

Ein Kind lernt mit Ende seines ersten Lebensjahres das selbstständige Essen, obwohl es für das Kind leichter wäre, sich weiterhin füttern zu lassen. Doch durch diesen Prozess wird es unabhängiger von seiner Umwelt und macht somit einen kleinen Schritt Richtung Autonomie.

Rogers sieht den Menschen als ein bewusst handelndes Individuum, das von seinen Erfahrungen geleitet wird. Diese verdichten sich zu einer individuellen Realität (Selbstkonzept), anhand derer wiederum neue Erfahrungen oder andere Personen bewertet werden. Somit versteht Rogers unter dem Begriff Selbstkonzept, die durch Erfahrungen zustande kommende Gesamtheit von Wahrnehmungen, Meinungen, Urteilsbildungen und Bewertungen einer Person. Man unterscheidet beim Selbstkonzept zwischen dem Real- und Idealselbst.

  • Realselbst = Das tatsächliche Bild einer Person, über das, was sie ist und was sie kann.
  • Idealselbst = Das Bild einer Person darüber, wie sie gerne sein möchte und andere sie haben wollen.

Stimmen die beiden weitestgehend überein, ist der Mensch glücklich und ausgeglichen. Herrscht jedoch eine Diskrepanz zwischen Real- und Idealselbst, entstehen nun laut Rogers psychische Störungen.

Entstehung psychischer Störungen - Das Wichtigste

  • Unter psychischen Störungen werden grundsätzlich alle Erkrankungen einer Person bezeichnet, die sich auf die Kognition, das Verhalten oder die Emotionsregulation beziehen. Es kommt zu Abweichungen in der Wahrnehmung des Fühlens, Denkens und auch des eigenen Selbstbildes.
  • Frauen entwickeln häufiger psychische Erkrankungen als Männer. Kinder können ebenso betroffen sein wie Erwachsene.
  • Es gibt eine Reihe verschiedener Theorien zur Entstehung von psychischen Störungen, wie die Lerntheorie, die kognitive Theorie, die Psychoanalyse, das Vulnerabilitäts-Stress-Modell, den personenzentrierten Ansatz oder das Biopsychosoziale Modell.
  • Noch immer findet eine Diagnose mithilfe einer Klassifikation in Diagnosegruppen statt. Jedoch rückt der Fokus zunehmend auf das Biopsychosoziale Modell, da dieses ebenso soziale und körperliche Faktoren berücksichtigt.

Entstehung psychischer Störungen

Eine psychische Erkrankung oder Störung ist grundsätzlich jede Erkrankung einer Person, die sich auf die Kognition, das Verhalten oder die Emotionsregulation bezieht. Psychische Erkrankungen sind das Ergebnis von gestörten psychologischen, biologischen oder entwicklungsbezogenen Prozessen, die den psychischen Funktionen zugrunde liegen. Es kommt zu Abweichungen in der Wahrnehmung des Fühlens, Denkens und auch des eigenen Selbstbildes.

Bei der Entstehung von psychischen Krankheiten hat sich vor allem das Erklärungsmodell durchgesetzt, das besagt, dass psychische Erkanungen nicht mehr starr anhand verschiedener Kategorien zu klassifizieren sind. Stattdessen richtet sich der Fokus verstärkt auf das sogenannte biopsychosoziale Krankheitsmodell. Dieses betrachtet neben den psychischen Faktoren auch körperliche und soziale Aspekte in der Entstehung einer psychischen Störung.

Jeder Mensch kann anfällig für psychische Erkrankungen sein. Zwar spielen körperliche bzw. genetische Faktoren durchaus eine Rolle bei der Entstehung einer psychischen Störung, jedoch kann letztendlich jeder unter unglücklichen Umständen erkranken. Eine genetische Disposition bedeutet nicht gleich, dass sich eine psychische Erkrankung auch ausbildet. Auf der anderen Seite kann der Verlust einer geliebten Person oder ein traumatisches Erlebnis dazu führen, dass eine Störung entsteht.

Psychische Störungen entwickeln sich dann, wenn zum einen psychische Belastungen im Leben überwiegen und zum anderen Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) versagen. Bei gesunden Menschen sind die Belastung und Coping-Strategien im Gleichgewicht, bei psychisch Erkrankten dagegen im Ungleichgewicht.

Finales Entstehung psychischer Störungen Quiz

Frage

Was wird unter einer psychischen Störung verstanden?

Antwort anzeigen

Antwort

Alle Erkrankungen einer Person, die sich auf die Kognition, das Verhalten oder die Emotionsregulation beziehen.

Frage anzeigen

Frage

Welches Geschlecht ist anfälliger für psychische Erkrankungen?

Antwort anzeigen

Antwort

Frauen

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Frage

Spielt die sozioökonomische Sicht eine Rolle bei der Entstehung von psychischen Störungen?

Antwort anzeigen

Antwort

ja

Frage anzeigen

Frage

Welche drei Faktoren betrachtet das biopsychosoziale Modell?

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Antwort

  • psychische Faktoren
  • soziale Faktoren
  • biologische (körperliche) Faktoren
Frage anzeigen

Frage

Wie heißt das Modell, dass sich mit der Rolle von Verletzlichkeit in Bezug auf psychische Erkrankungen auseinandersetzt?

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Antwort

Vulnerabilitäts-Stress-Modell

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Frage

Was bedeutet Resilienz?

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Antwort

Resilienz bezeichnet die Flexibilität einer Person, auf Stressoren (=Stressfaktoren) zu reagieren.

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Frage

Was besagt das "Biopsychosoziale Modell"?

Antwort anzeigen

Antwort

Die sozialen, psychischen und körperlichen Faktoren stehen in einer dynamischen Wechselbeziehung zueinander.

Frage anzeigen

Frage

Was besagt die Lerntheorie?

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Antwort

  • psychische Störungen sind die Folge von fehlgeleiteten Lernprozessen.
  • sie sind erlernt und können auch wieder verlernt werden.
  • Mensch bildet Erwartungen über zukünftige Ereignisse auf Basis vorangegangener Erfahrungen und lernt, "was zu was führt".
  • Diese Erwartungen sind bei einer psychischen Störung verzerrt und falsch.
Frage anzeigen

Frage

In welcher Theorie wird ein negatives Selbstbild thematisiert?

Antwort anzeigen

Antwort

kognitive Theorie

Frage anzeigen

Frage

Was ist Freuds Ansicht zur Entstehung psychischer Probleme?

Antwort anzeigen

Antwort

Freud ging davon aus, dass seelische Probleme durch unbewusste Konflikte entstehen, die auf die Kindheit zurückgehen

Frage anzeigen

Frage

Von wem stammt die personenzentrierte Theorie?

Antwort anzeigen

Antwort

Sigmund Freud

Frage anzeigen

Frage

Was ist mit dem Realselbst gemeint?

Antwort anzeigen

Antwort

Das Realselbst meint das tatsächliche Bild einer Person über das was sie ist und was sie kann.

Frage anzeigen

Frage

Was ist eine Aktualisierungstendenz?

Antwort anzeigen

Antwort

Die Aktualisierungstendenz ist die angeborene Tendez eines jeden Menschen, sich zu erhalten und all seine wichtigsten Bedürfnisse zu befriedigen und sein Wachstum voranzutreiben.

Frage anzeigen

Frage

Womit werden bis heute psychische Störungen klassifiziert und in sogenannte Diagnosengruppen eingeteilt?

Antwort anzeigen

Antwort

Mit Hilfe der "International Classification of Diseases" kurz ICD-10.

Frage anzeigen

Frage

Warum ist die "International Classification of Diseases" (ICD-10) nicht mehr zeitgemäß?

Antwort anzeigen

Antwort

Psychische Störungen sind nicht immer klar voneinander abzugrenzen und es spielen neben den psychischen Faktoren auch biologische und soziale Aspekte eine wichtige Rolle, die in der Klassifikation keine Beachtung finden.

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