Somatoforme Störung

Du wachst auf und plötzlich ist Dir etwas schwindelig und Dein Kopf schmerzt. Einen Grund für Dein Unwohlsein kannst Du nicht feststellen. Du bist am Vortag früh ins Bett, hast ausreichend getrunken und Stress hast Du im Moment auch keinen. Zum Glück verschwinden diese Beschwerden im Normalfall genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind. Halten die körperlichen Symptome hingegen über einen längeren Zeitraum an, ohne dass ein klarer Auslöser zu erkennen wäre und kommt es zu einer Beeinträchtigung des Alltags, dann wird von einer sogenannten somatoformen Störung gesprochen.

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsangabe

    Somatoforme Störung – Definition

    Von einer somatoformen Störung ist dann die Rede, wenn der/die Betroffene wiederholt verschiedene körperliche Symptome hat, für die keine körperliche Ursache vorliegt, und die (obwohl mehrfach Untersuchungen mit negativen Testergebnissen durchgeführt wurden) bestehen bleiben. Die auftretenden Beschwerden können stark variieren und jeden Körperteil oder jedes Organ betreffen.

    Der Bereich innerhalb der Medizin, der sich mit somatoformen Störungen befasst, ist die Psychosomatik. Die psychosomatische Medizin untersucht die Zusammenhänge von Körper, Psyche und sozialen Faktoren.

    Eine somatoforme Störung zeichnet sich dadurch aus, dass die Betroffenen fest davon überzeugt sind, unter einer körperlichen Erkrankung zu leiden. Sie fordern deshalb immer weitere medizinische Untersuchungen an und sind von einem negativen Testergebnis nicht zu überzeugen. Oft haben die Betroffenen Schwierigkeiten, psychische Ursachen als Grund zu akzeptieren. Dadurch kommt es bei den meisten Erkrankten zu regelmäßigen Arztwechseln. In vielen Fällen geht die somatoforme Störung mit einer weiteren psychiatrischen Erkrankung wie einer Angststörung oder einer Depression einher. Für ein noch besseres Verständnis des Begriffs schaue Dir die Definition an:

    Somatoforme Störungen sind körperliche Beschwerden, die nicht auf eine organische Krankheit zurückzuführen sind und von denen man annimmt, dass sie psychische Ursachen haben. Zu diesen Ursachen können Angstzustände, starke psychische Anspannung, dauerhafter Stress oder zwischenmenschliche Konflikte gehören.

    Lernen Betroffene nicht, mit dieser Angst umzugehen, dann kann es zu einer Angststörung kommen. Das bedeutet, Betroffene empfinden Angst in einer eigentlich ungefährlichen Situation. Mehr zum Thema findest Du in der Erklärung "Angststörung". Wenn Du Dich für das Thema psychische Störungen ganz allgemein interessierst, dann sind die Erklärungen "Psychische Störungen" und "Depressionen" etwas für Dich.

    Somatoforme Störungen – Arten

    Somatoforme Störungen werden in verschiedene Arten unterteilt. Diese unterscheiden sich hauptsächlich durch die unterschiedlichen Symptome der jeweiligen Art. Die vier häufigsten sind:

    • die Somatisierungsstörung
    • die hypochondrische Störung
    • die somatoforme autonome Funktionsstörung
    • die anhaltende somatoforme Schmerzstörung

    Somatisierungsstörung

    Frauen sind von der Somatisierungsstörung durchschnittlich häufiger betroffen als Männer. Die Störung ist durch unterschiedliche, über mindestens zwei Jahre bestehende Beschwerden gekennzeichnet, die ohne ausreichende körperliche Erklärung bestehen. Dabei kommt es zu unterschiedlichen Symptomen aus mindestens zwei Symptomgruppen wie häufig anhaltende Müdigkeit oder Appetitverlust und Herz-, Magen-Darm- oder Blasenbeschwerden. Um die Somatisierungsstörung besser zu verstehen, schaue Dir das folgende Beispiel an:

    Juliane leidet seit zwei Jahren an starken Magen-Darm-Beschwerden. Sie geht deswegen seit einiger Zeit gar nicht mehr außerhalb mit Freund*innen essen. Sie war aufgrund ihrer Beschwerden schon mehrmals beim Hausarzt. Außerdem war sie schon beim Gastroenterologen und beim Allergologen. Doch kein Arzt findet eine körperliche Erklärung für ihre Symptome. Sowohl die Tests auf Unverträglichkeiten als auch die Magen-Darm-Spiegelung waren unauffällig.

    Die Gastroenterologie untersucht Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Leber und der zum Verdauungstrakt gehörenden Hormondrüsen wie der Bauchspeicheldrüse.

    Hypochondrische Störung

    Bei der hypochondrischen Störung (auch Hypochondrie genannt) kommt es zu gesteigertem Angstempfinden über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Man vermutet, dass dies durch frühe Erlebnisse und Erfahrungen (etwa in der Kindheit) begünstigt werden kann (z. B. Krankheit oder Todesfälle in der Familie).

    Diese somatoforme Störung tritt bei Männern und Frauen gleich häufig auf. Die Betroffenen scheinen objektiv körperlich gesund zu sein, aber sind fest davon überzeugt, an einer schweren Krankheit zu leiden. Sie beschäftigen sich intensiv mit ihren Beschwerden. Das Hauptmerkmal der hypochondrischen Störung ist die überdurchschnittlich ausgeprägte gedankliche Beschäftigung mit den körperlichen Symptomen.

    Das gesteigerte Angstempfinden und das Beschäftigen mit dem eigenen Leiden üben oft einen starken Einfluss auf das soziale und berufliche Leben der Betroffenen aus, wie Du in diesem Beispiel erkennen kannst:

    Anna hat oft Kopfschmerzen und das seit einigen Monaten. Sie trinkt jeden Tag genug und hat sich schon von ihrer Hausärztin untersuchen lassen. Die Ärztin schließt eine Migräne aus, aber überweist Anna zu einem Facharzt. Dort bekommt sie ein MRT. Das MRT zeigt, dass keine körperlichen Gründe für ihre Kopfschmerzen vorliegen. Obwohl durch das MRT ein Tumor in Annas Kopf ausgeschlossen wurde, leidet sie dauerhaft unter der Angst, dass ihre Kopfschmerzen durch einen Gehirntumor ausgelöst werden. Sie kann fast den ganzen Tag an nichts anderes denken und ist ständig besorgt, dass sie schwer krank sei.

    Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein diagnostisches Verfahren, das zur Erzeugung von detaillierten Schnittbildern des menschlichen Körpers in hoher Auflösung dient. Ein MRT wird besonders häufig zur Darstellung von Weichteilgewebe im Körper verwendet, wie Gehirn, Rückenmark, Bänder (Gelenke) oder innere Organe.

    Somatoforme autonome Funktionsstörung

    Bei einer somatoformen autonomen Funktionsstörung stehen primär Symptome im Zusammenhang mit vegetativen Funktionen im Vordergrund, die sechs Monate oder länger andauern. Das bedeutet, Funktionsstörungen des kardiovaskulären Systems (z. B. Brustschmerzen), des oberen Gastrointestinaltrakt (z. B. Beschwerden im Bereich der Speiseröhre oder des Magens) oder des unteren Gastrointestinaltrakt (z. B. Darmbeschwerden, häufiger Stuhlgang). Die Störung tritt bei Männern und Frauen gleich häufig auf. Für ein besseres Verständnis, was genau unter einer somatoformen autonomen Funktionsstörung zu verstehen ist, hilft Dir das Beispiel von Thomas:

    Thomas leidet seit Monaten an Brustschmerzen. Außerdem verspürt er häufig einen starken Druck und ein Stechen im Herzbereich. Sein Hausarzt und ein Kardiologe untersuchen ihn gründlich, aber seinem Herzen geht es gut und es lässt sich keine kardiologische Erkrankung feststellen, obwohl die Beschwerden Thomas weiterhin nicht nachlassen.

    Das kardiovaskuläre System ist eine Bezeichnung für das Herz-Kreislauf-System. Die Kardiologie befasst sich mit der Lehre und der Untersuchung des Herzens.

    Anhaltende somatoforme Schmerzstörung

    Die somatoforme Schmerzstörung ist dadurch gekennzeichnet, dass über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten chronische und starke Schmerzen ohne ausreichenden körperlichen Gründen bestehen. Der Schmerzort und die Schmerzstärke variieren dabei oft und haben kein regelmäßiges Muster. Der Alltag der Betroffenen wird komplett von den Schmerzen bestimmt.

    Viele Betroffene sind aber der Meinung, dass die Beschwerden keine psychischen Ursachen haben. Männer und Frauen sind gleich oft von der somatoformen Schmerzstörung betroffen, jedoch lässt sich eine familiäre Häufung in Bezug auf diese somatoforme Störung beobachten. Das folgende Beispiel zeigt auf, wie sich die Störung äußern kann:

    Sofia hat seit Monaten Rückenschmerzen. Ihre Beschwerden lassen trotz regelmäßiger Besuche beim Psychotherapeuten nicht nach. Sie beginnt Sport zu machen und kauft sich eine neue ergonomische Matratze für ihr Bett. Aber auch all das hilft nicht. Sofias Schmerzen lassen nicht nach und kein Arzt scheint ihr weiterhelfen zu können.

    Lies Dir auch die Erklärung "Schmerz" durch, um mehr über das Thema zu erfahren.

    Somatoforme Störung – Symptome

    Somatoforme Störungen äußern sich durch körperliche Symptome, die der/die Erkrankte zwar nicht kontrolliert oder vortäuscht, aber für die es auch keine körperliche Ursache gibt. Die Beschwerden können grundsätzlich alle Organsysteme und Körperteile betreffen. Am häufigsten geht eine somatoforme Störung mit folgenden Symptomen einher:

    Beschwerdebereich Symptome
    Symptome im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems
    • Brustschmerz
    • Druckgefühl
    • Herzstechen
    • Herzstolpern
    Symptome im Bereich des Magen-Darm-Trakts
    • Bauchschmerzen
    • Verdauungsprobleme
    • Verstopfung
    • Übelkeit
    • Durchfall
    • Völlegefühl
    Symptome im urogenitalen Bereich
    • Schmerzen beim Wasserlassen
    • überdurchschnittlich häufiges Wasserlassen
    • Unterbauchschmerzen
    Symptome im Bereich der Atmung
    • Gefühl der Luftnot
    • Kurzatmigkeit
    Symptome im Bereich der Muskeln und Gelenke
    • Rückenschmerzen
    • Schmerzen in Armen und Beinen
    • Gelenkschmerzen

    Welche Symptome genau auftreten und wann welches Körperteil, Organ oder Organsystem betroffen ist, hängt von der Art der somatoformen Störung ab und ist von Patient*in zu Patient*in unterschiedlich.

    Vorübergehende hohe Anspannung in akuten Stressphasen kann zu einer Linderung der Symptome führen. Eine darauffolgende Entspannung löst jedoch oftmals ein erneutes, umso stärkeres Hervortreten der Symptome aus.

    Wenn Du Dich tiefer mit der Thematik beschäftigen möchtest, findest Du mehr spannende Informationen dazu in der Erklärung "Stress".

    Somatoforme Störung – Ursachen

    Es wird vermutet, dass die Ursachen für eine somatoforme Störung aus einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren bestehen, wie Vererbung, Erlebnisse in der Kindheit oder psychische Belastung. Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze für die Entstehung einer somatoformen Störung.

    Psychoanalytisches Modell

    Das psychoanalytische Modell geht davon aus, dass psychische Konflikte innerlich ausgetragen werden.

    Das äußert sich nach außen in Form von körperlichen Beschwerden und organischem Leiden. Am Beispiel von Thomas kannst Du erkennen, wie das aussehen kann:

    Thomas leidet an einer somatoformen autonomen Funktionsstörung. Nachdem ihm kein Arzt bei der Linderung seiner Brustschmerzen helfen kann, sucht er einen Psychotherapeuten auf. Nach einigen Gesprächen mit seinem Therapeuten zeigt sich, dass Thomas seine Gefühle oft verdrängt und diese nicht verarbeitet. Sein Therapeut vermutet, dass diese dauerhafte emotionale Anspannung ein Grund für seine Beschwerden sein könnte.

    Lerntheoretischer Erklärungsansatz

    Der lerntheoretische Erklärungsansatz setzt ein erlerntes, sich wiederholendes und sich somit verstärkendes Verhaltensmuster voraus. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, den Patient*innen nur schwer durchbrechen können. Schau Dir an, welchen Einfluss die Entstehung eines solchen Teufelskreises auf Anna haben kann:

    Anna ist von einer hypochondrischen Störung betroffen. Sie hat Angst, dass ihr Herz unregelmäßig schlägt und beginnt ihren Pulsschlag zu tasten und ihre Aufmerksamkeit gezielt auf die körperlichen Symptome zu richten. Dadurch kommt es zu einer tatsächlichen Veränderung der Atmung und des Pulsschlags, wodurch Anna sich dann wiederum in ihrer Angst bestätigt fühlt.

    Neurobiologisches Modell

    Vertreter*innen des neurobiologischen Modells vermuten eine gewisse Vererbbarkeit der Störung. Es wird davon ausgegangen, dass bei Patient*innen mit einer somatoformen Störung das Immunsystem und das Nervensystem in Stresssituationen stärker reagiert. Das zeigt Dir das folgende Beispiel:

    Juliane ist an einer Somatisierungsstörung erkrankt. Auch ihre Mutter hatte oft Probleme mit Magen-Darm-Beschwerden und auch bei ihr konnte keine körperliche Ursache für die Symptome gefunden werden.

    Vor allem emotionale Stresssituationen, unbewusste Konflikte und psychisch belastende Prozesse gelten als Risikofaktoren für eine somatoforme Störung. Außerdem scheinen bestimmte Persönlichkeitstypen anfälliger für eine somatoforme Störung zu sein als andere. Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen offen auszudrücken, sind anfälliger für eine somatoforme Störung. Ein weiterer Risikofaktor ist eine ständige Belastung im Alltag.

    Somatoforme Störung – Diagnose

    Es ist oft schwierig, eine somatoforme Störung von eindeutigen körperlichen Erkrankungen abzugrenzen. Dabei sind gründliche Untersuchungen zum Ausschluss körperlicher Ursachen der Symptome notwendig (z. B. Blutuntersuchungen, EKG, Röntgen), bevor Ärzt*innen eine somatoforme Störung diagnostizieren.

    Elektrokardiogramm (kurz EKG) ist eine Untersuchungsmethode, bei der die elektrische Aktivität des Herzens gemessen wird.

    Entscheidend für eine Diagnose ist unter anderem das Auftreten vieler unterschiedlicher körperlicher Symptome, die sich häufig nicht nur auf ein Organsystem beschränken und für die es keine medizinische Erklärung gibt. Ein weiteres Merkmal zur Identifizierung einer somatoformen Störung bei der Erstellung einer Diagnose ist das Vorliegen der Symptome über einen längeren Zeitraum. Die Erstellung einer Diagnose bei einer somatoformen Störung kann zum Beispiel wie folgt ablaufen:

    Sofia hat aufgrund einer somatoformen Schmerzstörung oft starke Rückenschmerzen. Bevor die somatoforme Schmerzstörung jedoch bei Sofia diagnostiziert wurde, musste sie erst eine Reihe von verschiedenen medizinischen Untersuchungen durchlaufen.

    Zuerst war sei bei ihrer Hausärztin. Diese hat sie gründlich untersucht und ihr auch einen Termin zum Röntgen ausgemacht, jedoch ließ sich auch dabei keine Ursache finden. Auch Sofias Physiotherapeut kann ihr nicht weiterhelfen. Erst nachdem Sofia alle möglichen Untersuchungen durchlaufen hat und kein*e Mediziner*in einen Grund für ihre Schmerzen finden konnte, bekommt sie eine Überweisung zu einem Psychiater ausgestellt, der nach gründlicher und sorgfältiger Kontrolle ihrer Krankenakte die Diagnose somatoformen Schmerzstörung stellt.

    Wenn Du dazu noch mehr erfahren möchtest, lies Dir doch mal die Erklärung "Diagnose und Therapien psychischer Störungen" durch.

    Somatoforme Störung – ICD-11 Kriterien

    Ein weiteres Mittel zur Diagnose einer somatoformen Störung ist die Anwendung der ICD-11. Die Klassifikation bietet einen genauen Überblick über die verschiedenen Symptome und gibt außerdem Richtlinien vor, die die Voraussetzungen für eine Diagnose angeben. In der folgenden Tabelle erhältst Du einen Überblick über die Abschnitte innerhalb der ICD-11 zu den somatoformen Störungen:

    Somatoforme Störung Kriterien
    Somatisierungsstörung
    • Symptome dauern mindestens zwei Jahre an
    • anhaltendes Klagen über verschiedene und wechselnde körperliche Symptome (mindestens sechs)
    • nicht vorwiegend vegetative Symptome (ansonsten eine somatoforme autonome Funktionsstörung)
    • Symptome nicht ausreichend durch eine körperliche Ursache erklärt
    hypochondrische Störung
    • mindestens sechs Monate andauernde Überzeugung (trotz gegenteiliger Befunde), an einer (oder höchstens zwei) bestimmten und schweren körperlichen Erkrankungen zu leiden
    • oder der/die Betroffene ist fest davon überzeugt, eine körperliche Entstellung oder Missbildung zu haben (Dysmorphophobie)
    somatoforme autonome Funktionsstörung
    • vegetativen Symptome im Vordergrund
    • mindestens ein Symptom aus dem vegetativen Bereich muss vorliegen
    • außerdem müssen zwei oder mehr der folgenden Symptome vorliegen: Herzklopfen, Schweißausbrüche (heiß oder kalt), Mundtrockenheit, Hitzewallungen, Druckgefühl, Kribbeln oder Unruhe in der Magengegend
    anhaltende somatoforme Schmerzstörung
    • seit mindestens sechs Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren Körperregionen, deren Auslöser ein physiologischer Prozess oder eine körperliche Störung sind
    • Schmerz verursacht in ein starkes Leiden und Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen
    • Schmerz wird nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht

    Die ICD-11 ("International Classification of Diseases") ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen, das von der World Health Organization eingeführt wurde. Mehr dazu erfährst Du in der Erklärung "Klassifikationssysteme".

    Somatoforme Störung – Behandlung

    Es existiert keine einheitliche Therapie für die unterschiedlichen Formen von somatoformen Störungen. Die Therapie muss individuell an jede*n Patient*in angepasst werden. Falls zusätzlich zu der somatoformen Störung auch noch andere psychiatrische oder körperliche Erkrankungen vorliegen, müssen diese ebenfalls behandelt werden, da die Linderung von Begleiterkrankungen auch die somatoforme Störung verbessern kann. Eine große Rolle für die Behandlung spielt außerdem ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mediziner*in und Patient*in, da Menschen mit somatoformen Störungen häufig das Vertrauen in Ärzt*innen verloren haben.

    Einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten gibt Dir die folgende Tabelle:

    somatoforme StörungBehandlung
    Somatisierungsstörung & somatoforme autonome Funktionsstörung
    • Antidepressiva oft mit Erfolg angewendet
    • körperliche Begleiterkrankungen müssen immer mitbehandelt werden
    • Patient*innen sollen es schaffen, sich von den vermeintlichen Symptomen zu distanzieren
    • Anwendung von Entspannungsverfahren
    hypochondrische Störung
    • beim Auftreten von psychischen Begleiterkrankungen werden angstlösende Medikamente und Antidepressiva angewendet
    • frühzeitige Psychotherapie, um einer Chronifizierung des Krankheitsbilds entgegenzuwirken
    • Gefühl der Sicherheit muss vermittelt werden
    • Einstellung zur eigenen Körperwahrnehmung muss verändert werden
    • Ziel: Probleme und Belastungsfaktoren des/der Patienten/Patientin zu identifizieren, um an ihnen arbeiten zu können
    somatoforme Schmerzstörung
    • Behandlung unter anderem mit schmerzstillenden Medikamenten oder Antidepressiva
    • multimodale Therapieprogramme (parallele Anwendung verschiedener Therapieformen)
    • Therapeut*in vermittelt Patient*in Basiswissen über die Entstehung von Schmerzen, die Verarbeitung von Schmerzreizen und die auslösenden Bedingungen
    • Patient*in soll die somatoforme Störung aufmerksam beobachten, ein Schmerztagebuch führen und eine Schmerzskala erstellen
    • Ziel: Schmerzwahrnehmung des/der Patienten/Patientin zu verändern und das gesunde Verhalten des/der Patienten/Patientin zu fördern

    Die ausführlichere Erklärung "Kognitive Verhaltenstherapie" hilft Dir tiefer in dieses Thema einzusteigen.

    Somatoforme Störung, Hilfe in Krisensituation und psychischen Notlagen, StudySmarter

    Somatoforme Störung – Das Wichtigste

    • Somatoforme Störungen sind körperliche Beschwerden, die nicht auf eine organische Krankheit zurückzuführen sind und von denen man annimmt, dass sie psychische Ursachen haben.
    • Die vier häufigsten Arten der somatoformen Störungen sind:
      • die Somatisierungsstörung
      • die hypochondrische Störung
      • die somatoforme autonome Funktionsstörung
      • die anhaltende somatoforme Schmerzstörung
    • Die Beschwerden können grundsätzlich alle Körperteile, Organe und Organsysteme betreffen.
    • Es wird vermutet, dass die Ursachen für eine somatoforme Störung aus einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren besteht, wie Vererbung, Erlebnisse in der Kindheit oder psychische Belastung.
    • Es existiert keine einheitliche Therapie für die unterschiedlichen Formen von somatoformen Störungen. Die Therapie muss individuell an jede*n Patient*in angepasst werden.

    Nachweise

    1. Hypochondrie und Krankheitsangst (2010). Hogrefe.
    2. Hypochondriasis and Health Anxiety (2011). Hogrefe.
    3. ICD-11: International Classification of Diseases 11. Revision (2022). Hogrefe.
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Somatoforme Störung

    Was ist eine somatische Erkrankung?

    Eine somatoforme Erkrankung ist eine Erkrankung, bei der man annimmt, dass körperliche Beschwerden (die nicht auf eine organische Krankheit zurückzuführen sind) eine psychische Ursache haben.

    Woher kommt eine somatoforme Störung?

    Es gibt verschiedene Ansätze, woher eine somatoforme Störung kommt. Als Ursachen werden Vererbung, Wesenszüge und Kindheitserfahrungen angenommen. 

    Was ist der Unterschied zwischen somatoform und psychosomatisch?

    Der Unterschied zwischen somatoform und psychosomatisch ist nicht genau definiert. Bei beiden Störungen liegen Beschwerden ohne körperlichen Grund vor und sind auf psychische Ursachen zurückzuführen. 

    Ist Hypochondrie eine somatoforme Störung?

    Ja, die Hypochondrie ist eine somatoforme Störung. Sie wird auch hypochondrische Störung genannt. Bei der Hypochondrie kommt es zu gesteigerten Angstempfinden über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten.

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