Oberrheingraben

Das Oberrheinische Tiefland ähnelt aufgrund der tieferen Lage einer riesigen Wanne, die in ihrer vollen Länge vom Rhein durchflossen wird. Das Tiefland hat nicht nur eine interessante Entstehungsgeschichte, sondern verfügt auch über wichtige Bodenschätze.

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Inhaltsangabe

    Oberrheinisches Tiefland bzw. Oberrheingraben

    Das Oberrheinische Tiefland wird auch Oberrheinische Tiefebene oder Oberrheingraben genannt und ist ein circa 300 km langes und 40 km breites Tiefland am Oberrhein.

    Das Tiefland befindet sich zwischen den Städten Basel in der Schweiz und Frankfurt am Main in Deutschland.

    Ein Tiefland ist ein Flusstal oder eine Ebene mit unter 200 m Höhe über dem Meeresspiegel.

    Es weist außerdem nur einen sehr geringen Höhenunterschied von unter 5 m im Umkreis auf.

    Der Oberrheingraben erscheint wie ein gewöhnliches Flusstal, jedoch handelt es sich um eine Senke, die aus einer Schwachstelle in der Erdkruste entstanden ist.

    Oberrheingraben – Karte

    Auf Abbildung 1 ist zu sehen, auf welcher Fläche sich der Oberrheingraben erstreckt.

    Oberrheingraben – Entstehung

    Der Oberrheingraben ist durch die Plattentektonik und einen damit verbundenen Grabenbruch tief in der Erdkruste entstanden.

    Grabenbrüche sind Risse oder Spalten in der Erdkruste, die durch plattentektonische Prozesse entstanden sind.

    Die Plattentektonik beschreibt die Bewegungen und tektonischen Vorgänge der Erdhülle.

    Der Grabenbruch wurde im Laufe der Zeit mit Sedimenten gefüllt, woraus der Oberrheingraben entstanden ist, den wir heute kennen.

    Sedimente bilden den Bodensatz, also die Ablagerung von Teilchen auf dem Boden.

    Die Entstehung des Oberrheingrabens lässt sich in zwei Phasen unterteilen. Die erste Phase begann vor circa 35 Millionen Jahren.

    Oberrheingraben Entstehung – Phase 1

    Es sind thermische Anomalien im Erdmantel, die dafür sorgen, dass es zu magmatischen Schmelzungen und letztlich zu Vulkanismus an der Erdoberfläche kommt.

    Eine Grabenbildung sorgt maßgeblich dafür, dass solche thermischen Anomalien auftreten, da es bei der Grabenbildung zu einer Ausdünnung der Erdkruste kommt.

    Thermische Anomalien sind ungewöhnliche Temperaturveränderungen. In Bezug auf den Vulkanismus handelt es sich um eine Temperaturerhöhung, die direkt durch Lava oder nur durch Gase hervorgerufen wird.

    Da sich Gase und Lava im Erdinneren unter der Erdkruste befinden und die Grabenbildung zur Ausdünnung dieser Erdkruste führt, tritt etwa die Lava schneller aus.

    Die heute nur noch sehr vereinzelt zu erkennenden Überreste der ehemaligen Vulkane am Oberrheingraben entstanden zur selben Zeit wie der Oberrheingraben selbst.

    Bei der Bildung des Oberrheingrabens kam es zu starken tektonischen Bewegungen, die Brüche und sogar Zerklüftungen in der Kruste verursachten.

    Durch diese Prozesse erhöhte sich auch die Temperatur im oberen Mantel, weshalb es zu Schmelzprozessen kam. Die Schmelzprozesse bedingten hierbei die vulkanischen Tätigkeiten.

    Oberrheingraben Entstehung – Phase 2

    In der zweiten Phase wurde die Dehnung der ersten Phase durch die Blattverschiebung ersetzt, was dafür sorgte, dass sich die westlichen Gebiete des Oberrheingrabens nach Südwesten verschoben.

    Bei der Blattverschiebung kommt es durch tektonische Prozesse dazu, dass Flächen aneinander vorbeigeschoben werden.

    Tektonische Prozesse sind Prozesse, die dafür sorgen, dass großräumige Bewegungen in der Erdkruste hervorgerufen werden.

    Abbildung 2 zeigt die Blattverschiebung, bei der die Teile der Erdkruste aneinander vorbeigeschoben werden.

    Die Blattverschiebung findet auch heute noch statt, jedoch in einem geringeren Maße, sodass die Sedimentation wieder stattfinden kann.

    Oberrheingraben Entstehung – Plattentektonik

    Durch tektonische Bewegungen der Platten entstanden aufgrund der hohen Spannung Dehnungen in der Erdkruste. Sobald sich diese Spannungen lösten oder stärker wurden, entstanden Risse und Spalten in der Erdkruste.

    In der ersten Phase vor 35 bis 20 Millionen Jahren gab es in Mitteleuropa sehr viele Dehnungen in der Erdkruste.

    Die auf Abbildung 3 zu sehende Dehnung (gekennzeichnet durch die jeweils nach außen zeigenden Pfeile) sorgt dafür, dass Risse und Spalten in der Erdkruste entstehen und sich Teile in der Erdkruste absenken und dadurch Graben bilden.

    Das Gebiet des Oberrheingrabens war schon von Dehnungen betroffen, sodass die Erdkruste bereits Bruchstelle vorzuweisen hatte und somit anfälliger für weitere Bewegungen war.

    Die erneute Bewegung des, mit Bruchstellen versehenen, Untergrunds sorgte dafür, dass sich die Erdoberfläche der gesamten Fläche des Grabens zwischen Basel und Frankfurt absenkte und sich Sedimente ablagern konnten.

    Dadurch, dass sich das Gebiet des Oberrheingrabens absenkte, hoben sich dem entgegengesetzt die anliegenden Flächen, wodurch sich die Grabenschultern bildeten.

    Die Grabenschultern sind also Erhöhungen, die den Graben eingrenzen.

    Oberrheingraben – Bodenschätze

    In den oberen Schichten des Rheins wurde und wird auch heute noch in großen Mengen Kies abgebaut. Früher wurde teilweise traditionellerweise Gold aus dem Rheinkiesen gewonnen.

    Damals wurde außerdem Ton abgebaut, um daraus Geschirr und Ziegelsteine herzustellen.

    In den tieferen Schichten befindet sich Erdöl, was auch heute manchmal noch in der Nähe von Landau in der Pfalz gefördert wird.

    Ende 2007 wurde das erste Geothermiekraftwerk in Landau erbaut und seitdem erhöhte sich die Nutzung der Geothermie.

    Die Geothermie ist die von Natur aus in der Erdkruste gespeicherte Wärme.

    Oberrheingraben – Lithium

    Das Oberrheinische Tiefland ist geprägt von einer großen Menge an Lithium, was ein wichtiger und teurer Bodenschatz ist.

    Lithium ist ein chemisches Element, genauer gesagt ein Leichtmetall mit der geringsten Dichte der festen Elemente.

    In erster Linie wird Lithium zur Herstellung von Batterien, aber auch zur Keramik- und Glasproduktion genutzt.

    Da das Lithium vorwiegend zur Herstellung von Batterien genutzt wird, spielt es in Hinblick auf die Elektromobilität eine entscheidende Rolle.

    Deswegen steigen die Preise für das Element enorm, sodass es auch „weißes Gold“ genannt wird.

    Bislang wird Lithium überwiegend in Südamerika gefördert, jedoch verfügt auch Europa über ein großes Lithium Vorkommnis, wovon sich der größte Teil in Deutschland im Oberrheingraben befindet.

    Viele Kilometer unter dem Rhein im Oberrheingraben befindet sich eine erhebliche Menge des Lithiums. Es werden allein in einem Teil des Oberrheingrabens circa 15 Millionen Tonnen des Lithiums vermutet.

    Aus 15 Millionen Tonnen Lithium könnten pro Jahr 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid gewonnen werden, wovon circa eine Million E-Autos ausgestattet werden könnten.

    Mithilfe eines geothermischen Verfahrens soll das Lithium aus dem Untergrund an die Oberfläche befördert werden.

    Bei dem geothermische Verfahren wird 200 °C heißes Thermalwasser nach oben gepumpt, wobei das Lithium herausgefiltert wird.

    Das Verfahren kommt ohne zusätzliche Energie aus, daher ist es zudem klimaneutral.

    Da es in der Vergangenheit durch Tiefbohrungen zu leichten Beben gekommen ist, wodurch Gebäude beschädigt wurden, stoßen die Planungen bei der Bevölkerung bislang auf Widerstand.

    Oberrheingraben – Klima

    Das Gebiet des Oberrheingrabens und seine umliegenden Gebiete bis zu den Gebirgen haben durchschnittlich die wärmsten Sommer und mildesten Winter innerhalb von Deutschland.

    Grund dafür sind die absinkenden Luftmassen und die einströmende Luft aus mediterranen Gebieten. Das Klima sorgt dafür, dass Weinreben, Feigen und Mandelbäume in diesen Gebieten wachsen können. Auch die Niederschläge im Bereich des Oberrheingrabens sind gering bis mäßig.

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    Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei circa 12 °C und im Juli teilweise sogar bei knapp über 20 °C, was für deutsche Verhältnisse sehr ungewöhnlich ist

    Im Winter sorgen Kaltluft-„Seen“ in der Ebene dafür, dass Nebel zum Teil über Wochen anhält.

    Kaltluftseen sind Ansammlungen kalter Luft in einer Senke, die zur Nebel- und Frostbildung beitragen.

    Gewässer im Tiefland

    Alle Fließgewässer, die sich innerhalb der Oberrheinischen Tiefebene befinden, haben ihren Ursprung in umliegenden Mittelgebirgsregionen und münden letztlich in den Rhein.

    Nebenflüsse mit einer Länge von mehr als 200 km sind unter anderem der Neckar und der Main.

    Die Mehrheit der Seen sind Baggerseen, die durch industriellen Kies- und Sandabbau entstanden.

    Oberrheingraben – Erdbeben

    Im Gebiet des Oberrheingrabens kommt es im Schnitt alle paar Monate zu einem Erdbeben der Stärke drei, was bedeutet, dass man diese in unmittelbarer Nähe zum Epizentrum spürt.

    Das Epizentrum ist der senkrecht zur Erdoberfläche verlaufende Startpunkt eines Erdbebens.

    Geographisch betrachtet kommen Erdbeben im Bereich des Oberrheingrabens vergleichsweise häufig vor.

    Grund für die Erdbeben sind die Gesteine, die sich in Tiefen von circa 15 km, aufgrund der hohen Temperaturen, verformen und das aufliegende Gestein in Bewegung versetzen.

    Die verursachte Bewegung des Gesteins sorgte dafür, dass sich die Gesteinsschichten an den bereits vorhandenen Rissen und Spalten versetzten. Die dadurch erzeugte Bewegung in der Erdkruste sorgt für das Auftreten des Erdbebens.

    Meistens sind diese Erdbeben so leicht, dass sie kaum messbar sind. Dennoch kommt es alle paar Monate zu Beben, die von den Anwohnern in unmittelbarer Nähe bemerkt werden.

    Das letzte schwere Erdbeben im Gebiet des Oberrheingrabens ereignete sich Ende 2004. Das Epizentrum, also der Punkt, der senkrecht über dem Erdbeben liegt, lag im Schwarzwald bei Waldkirch. Die Beben waren bis nach Karlsruhe bemerkbar.

    Es wurden einige leichte Schäden an Gebäuden gemeldet, die durch das Erdbeben verursacht wurden.

    Oberrheingraben – Vulkanismus

    Auch heute noch sind Überreste früherer Vulkane in Südwestdeutschland im Oberrheingrabengebiet vorhanden. Die meisten dieser ehemaligen Vulkane sind circa 40 Millionen Jahre alt.

    Als Vulkanismus selbst werden im Oberrheingraben nur die vulkanischen Relikte bezeichnet, die sich überwiegend nördlich von Karlsruhe befinden.

    Die vulkanischen Relikte sind kaum erkennbar, da die vulkanische Aktivität auf die Frühphase der Bildung des Oberrheingrabens zurückgeht.

    Seitdem haben sich Sedimente abgelagert, wodurch sich neue Bodenschichten gebildet haben.

    Oberrheingraben - Das Wichtigste

    • Das Oberrheinische Tiefland wird auch Oberrheinische Tiefebene oder Oberrheingraben genannt und ist ein circa 300 km langes und 40 km breites Tiefland am Oberrhein.
    • Der Oberrheingraben ist durch die Plattentektonik und einen damit verbundenen Grabenbruch tief in der Erdkruste entstanden.
    • Die Entstehung des Oberrheingrabens lässt sich in zwei Phasen unterteilen und die erste Phase begann vor circa 35 Millionen Jahren.
    • Im Gebiet des Oberrheingrabens kommt es im Schnitt alle paar Monate zu einem Erdbeben der Stärke drei.
    • Der Oberrheingraben verfügt über das größte Lithiumvorkommen in Europa.
    • Das Gebiet des Oberrheingrabens und seine umliegenden Gebiete bis zu den Gebirgen haben durchschnittlich die wärmsten Sommer und mildesten Winter innerhalb von Deutschland.
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Oberrheingraben

    Wie groß ist der Oberrheingraben?

    Der Oberrheingraben ist circa 300 Kilometer lang und 40 Kilometer breit.

    Wie entstand die Oberrheinische Tiefebene?

    Die Oberrheinische Tiefebene entstand durch die Plattentektonik und einen damit verbundenen Grabenbruch tief in der Erdkruste. Der Grabenbruch wurde im Laufe der Zeit mit Sedimenten gefüllt, woraus der Oberrheingraben entstanden ist, den wir heute kennen.

    Wo liegt das Oberrheinische Tiefland?

    Das Oberrheinische Tiefland befindet sich zwischen den Städten Basel in der Schweiz und Frankfurt am Main in Deutschland.

    Welche Gebirge begrenzen die Oberrheinische Tiefebene?

    Die Oberrheinische Tiefebene grenzt unter anderem an den Schwarzwald, den Spessart und die Schwäbische Alb.

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