Inhaltsverzeichnis▼
- Eichhörnchen im Steckbrief
- Aussehen und Merkmale
- Systematik: ein Nagetier aus der Familie der Hörnchen
- Lebensraum und Verbreitung
- Ernährung und Vorratshaltung
- Der Kobel als Nest
- Fortpflanzung und Aufzucht
- Hält das Eichhörnchen Winterschlaf?
- Rotes Eichhörnchen und Grauhörnchen
- Karteikarten
- Das Wichtigste
- Häufige Fragen
- Quellen
Eichhörnchen im Steckbrief
Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist ein tagaktives, baumbewohnendes Nagetier aus der Familie der Hörnchen. Typisch sind der buschige Schwanz, die Ohrpinsel im Winterfell und die scharfen Kletterkrallen. Es frisst vor allem Samen und Nüsse, legt Vorräte an und hält Winterruhe statt echtem Winterschlaf.
| Steckbrief | Eichhörnchen |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Sciurus vulgaris |
| Ordnung / Familie | Nagetiere (Rodentia) / Hörnchen (Sciuridae) |
| Größe | 20 bis 25 cm plus 15 bis 20 cm Schwanz |
| Gewicht | etwa 200 bis 400 g |
| Ernährung | Allesfresser mit Schwerpunkt Samen und Nüsse |
| Lebenserwartung | im Schnitt rund 3 Jahre, selten bis 7 |
| Besonderheit | Vorratshaltung, Kobel, Winterruhe |
Aussehen und Merkmale
Das Eichhörnchen misst 20 bis 25 Zentimeter Körperlänge, dazu kommt ein 15 bis 20 Zentimeter langer, buschiger Schwanz. Auffällig sind die Ohrpinsel im Winterfell und die kräftigen Hinterbeine, die weite Sprünge von Ast zu Ast erlauben. Das Gewicht liegt bei etwa 200 bis 400 Gramm.
Der buschige Schwanz ist mehr als Schmuck. Beim Springen dient er als Balancierstange und Steuer, beim Ruhen als warme Decke und beim Klettern als eine Art Fallschirm, der Stürze abfedert. Ohne diesen Schwanz wäre das akrobatische Leben in den Baumkronen kaum möglich.
An den Vorderpfoten sitzen vier lange, sehr bewegliche Finger mit gebogenen Krallen, der Daumen ist verkümmert. Mit diesen Greifhänden hält das Eichhörnchen Zapfen und Nüsse fest und klettert kopfüber an Stämmen hinab, indem es die Hinterfüße nach hinten dreht.
Das Fell ist je nach Tier von hellem Fuchsrot bis zu dunklem Braunschwarz gefärbt, die Bauchseite bleibt immer weiß oder cremefarben. Zweimal im Jahr findet ein Fellwechsel statt: Das dichtere Winterfell trägt die typischen Ohrpinsel von rund 3 bis 5 Zentimetern Länge und behaarte Fußsohlen, im Sommer sind die Pinsel klein oder fehlen ganz. Das Fell ist extrem dicht und hält so auch strenge Kälte gut ab.
Die auffälligen Ohrpinsel gehören zum Winterfell und dienen vermutlich der Wärmedämmung und der Kommunikation. Wer im Sommer ein Eichhörnchen ohne Pinsel sieht, hat also kein anderes Tier vor sich, sondern dasselbe Eichhörnchen im leichteren Sommerkleid.
Systematik: ein Nagetier aus der Familie der Hörnchen
Das Eichhörnchen ist ein Nagetier (Ordnung Rodentia). Innerhalb der Nagetiere gehört es zur Familie der Hörnchen (Sciuridae) und zur Gattung Sciurus. Sein Gebiss hat 22 Zähne ohne Eckzähne, dafür mit ständig nachwachsenden Nagezähnen, ein sicheres Erkennungsmerkmal aller Nagetiere.
Im Unterricht wird oft nur gesagt, das Eichhörnchen sei ein Nagetier. Für die Klausur lohnt sich die ganze Kette der Systematik, denn genau danach wird häufig gefragt: von der Klasse der Säugetiere über die Ordnung der Nagetiere bis zur einzelnen Art.
Das Eichhörnchen ist damit kein enger Verwandter von Maus oder Ratte, sondern gehört zu einer eigenen Familie. Zur selben Familie der Hörnchen zählen dagegen zum Beispiel Murmeltiere und Streifenhörnchen. Der wissenschaftliche Name Sciurus vulgaris bedeutet frei übersetzt so viel wie gewöhnliches Eichhörnchen.
Lebensraum und Verbreitung
Das Eichhörnchen ist über fast ganz Europa und weite Teile Nordasiens verbreitet und der einzige natürlich in Mitteleuropa lebende Vertreter seiner Gattung. Es bewohnt Nadel-, Laub- und Mischwälder, aber auch Parks und Gärten, bis in Höhen von etwa 2000 Metern.
Als Baumbewohner braucht das Eichhörnchen vor allem eines: alte Bäume, die Samen liefern und Platz für Nester bieten. In reinen Nadelwäldern findet es Fichten- und Kiefernzapfen, in Laubwäldern Bucheckern, Eicheln und Haselnüsse. Diese Mischung aus Nahrung und Deckung entscheidet, wo es sich wohlfühlt.
Weil das Eichhörnchen tagaktiv ist, lässt es sich in Städten oft gut beobachten. In Parks und auf Friedhöfen hat es sich an den Menschen gewöhnt und nimmt dort auch Futter an. Trotzdem bleibt es ein Wildtier, das eigene Reviere durchstreift und mehrere Nester in Reserve hält.
Über die Jahre schwanken die Bestände je nach Waldbau und Nahrungsangebot. Milde Winter und samenreiche Jahre lassen die Zahlen steigen, kalte Winter mit wenig Nahrung drücken sie wieder. Regional wird das heimische Eichhörnchen zudem durch das eingeschleppte Grauhörnchen bedroht, dazu weiter unten mehr.
Ernährung und Vorratshaltung
Eichhörnchen sind Allesfresser mit klarem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Sie fressen vor allem energiereiche Samen und Nüsse, dazu Zapfen, Knospen, Pilze und Beeren, gelegentlich auch Insekten oder Eier. Pro Tag braucht ein Tier rund 80 bis 100 Gramm Nahrung, auch mitten im Winter.
Weil das Eichhörnchen keinen Winterschlaf hält, muss es das ganze Jahr über fressen. Deshalb legt es im Herbst Vorräte an, wenn Bucheckern, Eicheln und Haselnüsse reif sind. Es vergräbt Nüsse und Samen einzeln im Boden unter Laub und Moos oder klemmt sie in Baumritzen und Astgabeln.
Diese Verstecke findet das Eichhörnchen später vor allem am Geruch wieder, nicht durch pures Gedächtnis. Ein Teil der Depots bleibt daher unentdeckt. Das ist kein Fehler, sondern ein ökologischer Glücksfall: Aus vergessenen Bucheckern und Eicheln wachsen im Frühjahr neue Bäume. Das Eichhörnchen wird so unfreiwillig zum Förster und hilft dem Wald, sich zu verjüngen.
Damit ist das Tier ein wichtiges Glied im Ökosystem Wald. Es verbreitet Samen über weite Strecken und sorgt dafür, dass auch schwere Nüsse an neue Stellen gelangen, an die sie von allein nie rollen würden. Gleichzeitig ist das Eichhörnchen selbst Beute für Baummarder, Habicht und Uhu, ein typischer Platz in der Nahrungskette des Waldes.
Der Kobel als Nest
Der Kobel ist das kugelförmige Nest des Eichhörnchens, gebaut aus Zweigen, Moos und Blättern. Er misst etwa 30 bis 50 Zentimeter im Durchmesser, hat mehrere Ausgänge und liegt geschützt hoch im Baum. Ein Tier nutzt oft mehrere Kobel gleichzeitig.
Im Inneren ist der Kobel mit weichem Moos, Gras und Tierhaaren ausgepolstert, im Winter besonders dick. Die mehreren Ausgänge sind eine Sicherheitsmaßnahme: Nähert sich ein Feind, kann das Eichhörnchen an einer anderen Seite fliehen. Wichtig für die Klausur ist der Unterschied zum Vorrat: Im Kobel lagert das Eichhörnchen keine Nahrung, um keine Fressfeinde anzulocken.
Dass ein Tier mehrere Kobel unterhält, hat einen praktischen Grund. Wird ein Nest von Parasiten befallen oder entdeckt, zieht das Eichhörnchen einfach in ein anderes um. Zur Aufzucht der Jungen wählt das Weibchen den am besten gepolsterten und sichersten Kobel aus.
Fortpflanzung und Aufzucht
Nach einer Tragzeit von rund 38 Tagen bringt das Eichhörnchen-Weibchen meist 3 bis 5 Junge zur Welt, insgesamt sind 1 bis 6 möglich. Je nach Region gibt es ein bis zwei Würfe pro Jahr. Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt und werden allein vom Weibchen aufgezogen.
Der Paarung geht eine auffällige Verfolgungsjagd durch die Baumkronen voraus, bei der mehrere Männchen einem Weibchen folgen. Die eigentliche Fortpflanzungszeit reicht je nach Witterung vom späten Winter bis in den Sommer.
Die Neugeborenen wiegen nur wenige Gramm und sind vollständig auf die Mutter angewiesen. Nach etwa 30 Tagen öffnen sich die Augen, nach rund sechs Wochen fressen die Jungen erstmals feste Nahrung. Mit acht bis zehn Wochen verlassen sie den Kobel und werden nach und nach selbstständig.
Das Leben eines Eichhörnchens ist riskant: Ein großer Teil der Jungtiere überlebt das erste Jahr nicht, weil Kälte, Nahrungsmangel und Fressfeinde ihren Tribut fordern. Wer diese kritische Phase übersteht, wird im Schnitt etwa drei Jahre alt, in Ausnahmen bis zu sieben Jahre in freier Natur.
Hält das Eichhörnchen Winterschlaf?
Nein, das Eichhörnchen hält keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Seine Körpertemperatur bleibt fast konstant, es schläft nur länger und ruht mehr. An milderen Tagen verlässt es den Kobel, um seine vergrabenen Vorräte zu fressen. Deshalb ist die Vorratshaltung im Herbst überlebenswichtig.
Der Unterschied zum echten Winterschlaf ist ein häufiges Prüfungsthema. Bei einem echten Winterschläfer wie dem Igel sinkt die Körpertemperatur stark ab, der Herzschlag verlangsamt sich drastisch und das Tier wacht wochenlang nicht auf. Das Eichhörnchen dagegen bleibt ansprechbar und aktiv.
| Merkmal | Winterruhe (Eichhörnchen) | Winterschlaf (z. B. Igel) |
|---|---|---|
| Körpertemperatur | bleibt fast konstant | sinkt stark ab |
| Aktivität | wacht regelmäßig auf, frisst | durchgehend, wochenlang |
| Nahrung im Winter | nötig, aus Vorräten | nicht nötig, zehrt vom Fett |
| Aufwachen | schnell und oft | langsam, selten |
Winterruhe heißt aufwachen und fressen, Winterschlaf heißt durchschlafen. Das Eichhörnchen macht Winterruhe, deshalb braucht es seine Vorräte.
Rotes Eichhörnchen und Grauhörnchen
Das heimische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) wird in Teilen Europas vom eingeschleppten Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) verdrängt. Das größere, graue Grauhörnchen stammt aus Nordamerika und überträgt ein Parapoxvirus, das für das rote Eichhörnchen oft tödlich ist, ihm selbst aber nichts anhaben kann.
Menschen brachten das Grauhörnchen um 1890 nach Großbritannien, unter anderem durch eine Aussetzung im Park von Woburn Abbey. Von dort breitete es sich über England und Irland aus und verdrängte das rote Eichhörnchen in Laub- und Mischwäldern fast vollständig.
| Merkmal | Eichhörnchen | Grauhörnchen |
|---|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Sciurus vulgaris | Sciurus carolinensis |
| Herkunft | Europa, Nordasien (heimisch) | Nordamerika (eingeschleppt) |
| Fellfarbe | meist rotbraun, mit Ohrpinseln | überwiegend grau, ohne Pinsel |
| Parapoxvirus | oft tödlich betroffen | immun, überträgt es |
Der entscheidende Vorteil des Grauhörnchens ist nicht nur seine Größe. Es findet vergrabene Vorräte zuverlässiger, verträgt eichelreiche Laubwälder besser und trägt das Parapoxvirus (Squirrelpox) in sich, gegen das es selbst immun ist. Für das heimische Eichhörnchen ist dieses Virus dagegen häufig tödlich, ein Impfstoff oder eine Behandlung existiert nicht.
In Deutschland und der Schweiz sind Haltung und Zucht des Grauhörnchens verboten, um genau diese Verdrängung zu verhindern. In Kontinentaleuropa ist das Grauhörnchen bisher vor allem auf Norditalien und die Britischen Inseln beschränkt. In reinen Nadelwäldern behauptet sich das rote Eichhörnchen bislang besser, weil es dort die kleineren Samen effizienter nutzen kann.
Karteikarten zum Eichhörnchen
Sechs Karteikarten zu den wichtigsten Fakten über das Eichhörnchen, von der Systematik bis zur Winterruhe, ideal zur schnellen Wiederholung. Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen, und navigiere mit den Pfeilen durch das Set.
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Eichhörnchen, das Wichtigste
Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist ein baumbewohnendes Nagetier aus der Familie der Hörnchen. Es frisst vor allem Samen und Nüsse, legt Vorräte an und hält Winterruhe statt Winterschlaf. Sein Nest ist der Kobel. In Teilen Europas wird es vom Grauhörnchen verdrängt.
- Systematik: Nagetier (Rodentia), Familie Hörnchen (Sciuridae), Art Sciurus vulgaris.
- Merkmale: buschiger Schwanz, Ohrpinsel im Winter, scharfe Kletterkrallen, 22 Zähne.
- Ernährung: Samen, Nüsse, Zapfen, Pilze; vergräbt Vorräte und verjüngt so den Wald.
- Winter: Winterruhe, kein echter Winterschlaf, deshalb sind Vorräte überlebenswichtig.
- Fortpflanzung: Tragzeit rund 38 Tage, meist 3 bis 5 Junge, Aufzucht im Kobel.
- Gefahr: Verdrängung durch das eingeschleppte Grauhörnchen und dessen Parapoxvirus.
Häufige Fragen zum Eichhörnchen
Das Eichhörnchen hält keinen echten Winterschlaf, sondern Winterruhe. Seine Körpertemperatur bleibt fast konstant, es schläft nur länger und verlässt an milderen Tagen den Kobel, um seine vergrabenen Vorräte zu fressen. Deshalb muss es im Herbst Nahrung anlegen.
Ja. Das Eichhörnchen gehört zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia), zur Familie der Hörnchen (Sciuridae) und zur Gattung Sciurus. Typisch sind die ständig nachwachsenden Nagezähne und das Fehlen von Eckzähnen. Der wissenschaftliche Name lautet Sciurus vulgaris.
Eichhörnchen fressen vor allem energiereiche Samen und Nüsse, dazu Zapfen, Knospen, Pilze, Beeren und gelegentlich Insekten oder Eier. Sie sind Allesfresser mit pflanzlichem Schwerpunkt und brauchen pro Tag etwa 80 bis 100 Gramm Nahrung.
Eichhörnchen legen im Herbst viele kleine Vorratsdepots an, um im Winter zu überleben, da sie keinen Winterschlaf halten. Sie finden die Verstecke am Geruch wieder. Vergessene Samen keimen im Frühjahr und helfen so bei der Verjüngung des Waldes.
Das Nest des Eichhörnchens heißt Kobel. Es ist ein kugelförmiger Bau aus Zweigen, Moos und Blättern mit etwa 30 bis 50 Zentimeter Durchmesser und mehreren Ausgängen. Ein Tier nutzt oft mehrere Kobel, im Winter zusätzlich mit Haaren ausgepolstert.
Nach einer Tragzeit von rund 38 Tagen bringt das Weibchen meist 3 bis 5 Junge zur Welt, insgesamt sind 1 bis 6 möglich. Je nach Region gibt es ein bis zwei Würfe pro Jahr. Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt und werden allein vom Weibchen aufgezogen.
Das heimische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist meist rotbraun mit Ohrpinseln. Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) stammt aus Nordamerika, ist größer und grau. In Großbritannien verdrängt es das rote Eichhörnchen, auch weil es ein für dieses tödliches Parapoxvirus überträgt.
Quellen
Der Steckbrief stützt sich auf zoologische Standardquellen und seriöse Naturschutz- und Fachportale:
- Eurasisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Wikipedia. de.wikipedia.org
- Eichhörnchen. Spektrum Lexikon der Biologie. spektrum.de
- Eichhörnchen. NABU Baden-Württemberg. baden-wuerttemberg.nabu.de
- Grauhörnchen (Sciurus carolinensis). Wikipedia. de.wikipedia.org