Inhaltsverzeichnis▼
- Was sind Pilze? Ein eigenes Reich
- Aufbau: Hyphen, Myzel und Fruchtkörper
- Wie ernähren sich Pilze?
- Fortpflanzung durch Sporen
- Die großen Gruppen der Pilze
- Ökologische und wirtschaftliche Bedeutung
- Häufige Fehler rund um Pilze
- Übung: Prüfe dein Wissen
- Karteikarten
- Das Wichtigste
- Häufige Fragen
- Quellen
Was sind Pilze? Ein eigenes Reich
Pilze bilden ein eigenes Reich (Fungi) eukaryotischer Lebewesen, weder Pflanzen noch Tiere. Sie besitzen kein Chlorophyll, betreiben also keine Fotosynthese, und ernähren sich heterotroph durch Aufnahme gelöster Nährstoffe. Ihre Zellwand besteht aus Chitin statt aus Cellulose, weshalb Pilze stammesgeschichtlich sogar näher mit Tieren als mit Pflanzen verwandt sind.
Lange Zeit zählte man Pilze zu den Pflanzen, weil viele von ihnen ortsfest im Boden wachsen. Heute weiß man: Pilze sind ein eigenständiges Reich neben Pflanzen, Tieren, Bakterien und Protisten. Der entscheidende Unterschied zu den Pflanzen ist das fehlende Chlorophyll. Pilze können kein Sonnenlicht in Zucker umwandeln und müssen ihre Energie deshalb aus bereits vorhandener organischer Substanz beziehen.
Auch beim Speicherstoff zeigt sich die Nähe zum Tierreich: Pilze lagern Glykogen und Fett ein, keine Stärke. Weltweit sind über 204.000 Pilzarten wissenschaftlich beschrieben, die tatsächliche Zahl wird auf mehrere Millionen geschätzt. Die folgende Tabelle stellt die drei großen Reiche Pflanze, Tier und Pilz direkt gegenüber.
| Merkmal | Pflanze | Tier | Pilz |
|---|---|---|---|
| Chlorophyll | ja | nein | nein |
| Ernährung | autotroph (Fotosynthese) | heterotroph (Fressen) | heterotroph (Absorption) |
| Zellwand | Cellulose | keine | Chitin |
| Speicherstoff | Stärke | Glykogen | Glykogen und Fett |
| Grundbaustein | Gewebe, Organe | Gewebe, Organe | Hyphen, Myzel |
Aufbau: Hyphen, Myzel und Fruchtkörper
Der Körper der meisten Pilze besteht aus feinen Zellfäden, den Hyphen, deren Geflecht das Myzel bildet. Das Myzel durchzieht meist unsichtbar den Boden oder das Substrat. Der sichtbare Fruchtkörper, etwa ein Hut mit Stiel und Lamellen, ist nur der Teil, der über der Erde Sporen bildet und der Vermehrung dient.
Was wir im Wald als Pilz aufsammeln, ist also nur ein kleiner Teil des ganzen Organismus: der Fruchtkörper. Er entspricht ungefähr der Frucht eines Baumes. Der eigentliche Pilz lebt versteckt im Boden oder im Holz und kann sich über viele Quadratmeter erstrecken. Hyphen sind mikroskopisch dünne Fäden von etwa 2 bis 10 Mikrometern Durchmesser und wachsen an ihrer Spitze immer weiter.
An der Unterseite des Hutes sitzen bei vielen Pilzen Lamellen oder Röhren. Dort werden die Sporen gebildet und in riesiger Zahl freigesetzt. Der Stiel hebt den Hut vom Boden ab, damit der Wind die Sporen besser forttragen kann. Das schematische Diagramm zeigt, wie Fruchtkörper und unterirdisches Myzel zusammenhängen.
Wie ernähren sich Pilze?
Alle Pilze ernähren sich heterotroph: Sie geben Enzyme ab, zersetzen damit organisches Material außerhalb ihres Körpers und nehmen die gelösten Nährstoffe auf. Man unterscheidet drei Lebensweisen: Saprophyten leben von toter Substanz, Parasiten von lebenden Wirten, und in der Symbiose profitieren Pilz und Partner gegenseitig, etwa bei der Mykorrhiza.
Weil Pilze keine Fotosynthese betreiben, müssen sie fertige organische Stoffe aufnehmen. Anders als Tiere fressen sie ihre Nahrung aber nicht: Sie scheiden Verdauungsenzyme in die Umgebung aus, zerlegen große Moleküle wie Zellulose oder Zucker vor der Zellwand und saugen die freigesetzten Bausteine mit ihren Hyphen auf. Diese Ernährung durch Absorption ist typisch für das ganze Reich.
Die drei Lebensweisen sind nicht immer streng getrennt. Manche Pilze wechseln je nach Bedingungen zwischen ihnen. Der Hallimasch etwa lebt zunächst als Parasit an lebenden Bäumen und ernährt sich nach deren Absterben saprophytisch vom Totholz. Das folgende Schema stellt die drei Ernährungstypen mit ihren Partnern gegenüber.
Fortpflanzung durch Sporen
Pilze vermehren sich über Sporen, winzige Verbreitungseinheiten, die vom Wind, Wasser oder Tieren verteilt werden. Bei der ungeschlechtlichen Vermehrung entstehen Sporen durch einfache Zellteilung oder Sprossung. Bei der geschlechtlichen Vermehrung verschmelzen die Zellkerne zweier Partner, bevor neue Sporen gebildet werden, was die genetische Vielfalt einer Pilzart erhöht.
Sporen sind mit den Samen der Pflanzen vergleichbar, aber viel einfacher gebaut und oft nur wenige Mikrometer groß. Ein einziger Fruchtkörper kann Millionen bis Milliarden davon freisetzen. Landet eine Spore an einem passenden Ort mit Feuchtigkeit und Nahrung, keimt sie aus und bildet neue Hyphen, aus denen wieder ein Myzel wächst.
Viele Pilze wechseln zwischen ungeschlechtlicher und geschlechtlicher Vermehrung. Die ungeschlechtliche Form ist schnell und erzeugt in kurzer Zeit viele identische Nachkommen. Die geschlechtliche Form ist aufwendiger, mischt aber das Erbgut und macht die Art anpassungsfähiger gegenüber neuen Umweltbedingungen. Backhefe zum Beispiel vermehrt sich ungeschlechtlich durch Sprossung, indem sich an einer Mutterzelle eine Tochterzelle abschnürt.
Die großen Gruppen der Pilze
Die echten Pilze werden in mehrere Hauptgruppen eingeteilt. Am bekanntesten sind die Ständerpilze (Basidiomycota) mit vielen Speise- und Giftpilzen sowie die Schlauchpilze (Ascomycota), zu denen auch Hefen und viele Schimmelpilze zählen. Dazu kommen die Jochpilze und die im Wasser lebenden Töpfchenpilze (Chytridiomycota) als weitere Gruppen.
Die Einteilung richtet sich vor allem danach, wie und wo die Sporen gebildet werden. Ständerpilze tragen ihre Sporen außen an keulenförmigen Zellen, den Basidien, meist an den Lamellen unter dem Hut. Zu ihnen gehören Champignon, Steinpilz und Fliegenpilz. Schlauchpilze bilden ihre Sporen dagegen in kleinen Schläuchen, den Asci. Zu dieser Gruppe zählen Morcheln, Trüffel, viele Schimmel und die Hefen.
Hefen und Schimmelpilze sind keine eigene systematische Gruppe, sondern eher Wuchsformen: Hefen sind einzellige Pilze, Schimmelpilze bilden watteartige Myzelrasen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Gruppen mit typischen Vertretern.
| Gruppe | Sporenbildung | Beispiele |
|---|---|---|
| Ständerpilze (Basidiomycota) | außen an Basidien | Champignon, Steinpilz, Fliegenpilz |
| Schlauchpilze (Ascomycota) | in Schläuchen (Asci) | Morchel, Trüffel, Hefen, Schimmel |
| Jochpilze (Zygomycota) | in Sporangien | Köpfchenschimmel (Brotschimmel) |
| Töpfchenpilze (Chytridiomycota) | bewegliche Sporen im Wasser | meist mikroskopisch, im Wasser |
Ökologische und wirtschaftliche Bedeutung
Pilze sind für Natur und Mensch enorm wichtig. Als Destruenten bauen sie totes Holz, Laub und sogar Lignin ab und schließen so Nährstoffkreisläufe. Der Mensch nutzt Speisepilze als Nahrung, Backhefe für Brot, Bier und Wein sowie den Schimmelpilz Penicillium zur Herstellung des Antibiotikums Penicillin. Manche Pilze sind allerdings giftig.
In der Natur übernehmen Pilze eine Schlüsselrolle im Stoffkreislauf. Zusammen mit Bakterien zersetzen sie abgestorbene Pflanzen und Tiere. Nur Pilze können größere Totholzstücke wirksam abbauen und dabei schwer abbaubare Stoffe wie Lignin, Cellulose und Keratin knacken. Ohne diese Zersetzung würden sich abgestorbenes Material und die darin gebundenen Nährstoffe endlos anhäufen. So entsteht aus totem Material wieder fruchtbarer Humus.
Auch wirtschaftlich sind Pilze bedeutsam. Speisepilze wie Champignon, Steinpilz und Pfifferling landen auf dem Teller. Backhefe treibt den Teig und vergärt Zucker zu Alkohol, die Grundlage für Brot, Bier und Wein. Edelschimmel veredelt Käse wie Camembert und Roquefort. Rund 90 Prozent aller Landpflanzen leben zudem in einer Mykorrhiza mit Pilzen, ohne die viele Wälder gar nicht gedeihen könnten.
1928 entdeckte Alexander Fleming, dass der Schimmelpilz Penicillium einen Stoff abgibt, der Bakterien abtötet. Daraus wurde Penicillin, das erste Antibiotikum. Es hat unzählige Leben gerettet und zeigt, wie wertvoll Pilze für die Forschung sind. Bis heute liefern Pilze wichtige Wirkstoffe für Medikamente.
Etwa 100 Pilzarten sind für den Menschen giftig, einige davon lebensgefährlich wie der Grüne Knollenblätterpilz. Wildpilze darf man nur sammeln und essen, wenn man sie sicher bestimmen kann. Verlasse dich nie allein auf das Aussehen, denn manche Giftpilze ähneln essbaren Arten sehr stark.
Häufige Fehler rund um Pilze
Die häufigsten Fehler: Pilze werden für Pflanzen gehalten, obwohl sie kein Chlorophyll haben und sich heterotroph ernähren. Oft wird der Fruchtkörper mit dem ganzen Pilz verwechselt, dabei ist der eigentliche Organismus das Myzel im Boden. Und nicht jeder Pilz ist essbar, viele Arten sind giftig.
Pilze haben kein Chlorophyll und betreiben keine Fotosynthese. Sie ernähren sich heterotroph und bilden ein eigenes Reich. Ihre Zellwand besteht aus Chitin, nicht aus Cellulose.
Was du sammelst, ist nur der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz ist das Myzel, ein oft riesiges Geflecht aus Hyphen im Boden oder im Holz.
Hefen und Schimmelpilze sind Wuchsformen, keine systematische Gruppe. Die meisten von ihnen gehören zu den Schlauchpilzen (Ascomycota).
Übung: Prüfe dein Wissen
Teste dein Wissen mit drei kurzen Übungsfragen. Überlege dir zuerst selbst eine Antwort und klicke dann auf Lösung anzeigen, um sie zu überprüfen. So merkst du sofort, welche Aspekte rund um Reich, Aufbau und Ernährung der Pilze schon sitzen und wo du noch einmal nachlesen solltest.
Pilze haben kein Chlorophyll und betreiben keine Fotosynthese, ihre Zellwand besteht aus Chitin statt Cellulose, und sie speichern Glykogen statt Stärke. Zudem ernähren sie sich heterotroph durch Absorption.
Hyphen sind die feinen Zellfäden. Ihr Geflecht heißt Myzel und ist der eigentliche Pilzkörper im Boden. Der Fruchtkörper ist der sichtbare Teil über der Erde, der Sporen bildet und der Vermehrung dient.
Der Saprophyt lebt von totem Material (Destruent), der Parasit von einem lebenden Wirt, den er schädigt, und in der Symbiose profitieren beide Partner, zum Beispiel Pilz und Pflanzenwurzel bei der Mykorrhiza.
Karteikarten zu den Pilzen
Sechs Karteikarten zu den wichtigsten Fakten über Pilze, von der Einordnung als eigenes Reich über Aufbau und Ernährung bis zur Systematik, ideal zur schnellen Wiederholung. Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen, und navigiere mit den Pfeilen durch das ganze Set.
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Pilze, das Wichtigste
Pilze sind ein eigenes Reich (Fungi), weder Pflanze noch Tier. Sie haben kein Chlorophyll, eine Zellwand aus Chitin und ernähren sich heterotroph. Ihr Körper ist das Myzel aus Hyphen, der Fruchtkörper bildet Sporen. Als Destruenten, Speisepilze und Penicillin-Lieferanten sind sie ökologisch und wirtschaftlich unverzichtbar.
- Einordnung: eigenes Reich Fungi, näher bei Tieren als bei Pflanzen.
- Merkmale: kein Chlorophyll, Zellwand aus Chitin, Speicherstoff Glykogen.
- Aufbau: Hyphen bilden das Myzel, der Fruchtkörper bildet Sporen.
- Ernährung: heterotroph als Saprophyt, Parasit oder in Symbiose (Mykorrhiza).
- Systematik: Ständerpilze, Schlauchpilze, Jochpilze, Töpfchenpilze.
- Bedeutung: Zersetzer, Speisepilze, Hefe, Penicillin, aber auch Giftpilze.
Häufige Fragen zu Pilzen
Pilze sind ein eigenes Reich (Fungi) eukaryotischer Lebewesen, weder Pflanzen noch Tiere. Sie besitzen kein Chlorophyll, ernähren sich heterotroph und haben eine Zellwand aus Chitin. Ihr Körper ist meist ein Myzel aus feinen Zellfäden, den Hyphen.
Weder noch. Pilze bilden ein eigenes Reich. Weil sie kein Chlorophyll haben und sich heterotroph ernähren, sind sie keine Pflanzen. Stammesgeschichtlich sind sie sogar näher mit den Tieren verwandt als mit den Pflanzen.
Pilze ernähren sich heterotroph. Sie geben Enzyme ab, zersetzen organisches Material außerhalb ihres Körpers und nehmen die gelösten Nährstoffe auf. Man unterscheidet Saprophyten, Parasiten und Symbiosepartner wie bei der Mykorrhiza.
Pilze vermehren sich über Sporen. Bei der ungeschlechtlichen Vermehrung entstehen sie durch Zellteilung oder Sprossung, bei der geschlechtlichen verschmelzen zuvor die Zellkerne zweier Partner. Die Sporen werden von Wind, Wasser oder Tieren verbreitet.
Das Myzel ist das Geflecht aus feinen Zellfäden, den Hyphen. Es ist der eigentliche Pilzkörper und durchzieht meist unsichtbar den Boden oder das Substrat. Der sichtbare Fruchtkörper wächst nur zeitweise daraus hervor.
Zu den echten Pilzen zählen die Ständerpilze (Basidiomycota), die Schlauchpilze (Ascomycota), die Jochpilze und die Töpfchenpilze (Chytridiomycota). Hefen und viele Schimmelpilze gehören meist zu den Schlauchpilzen.
Als Destruenten zersetzen Pilze totes Holz und Laub und schließen Nährstoffkreisläufe. Der Mensch nutzt Speisepilze, Backhefe für Brot, Bier und Wein sowie den Schimmelpilz Penicillium für das Antibiotikum Penicillin.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf autoritative biologische Standardquellen:
- Pilze. Wikipedia. de.wikipedia.org
- Pilze. Lexikon der Biologie, Spektrum der Wissenschaft. spektrum.de
- Universität Konstanz, AG Mendgen: Mykologie und Systematik der Pilze. uni-konstanz.de