Frauen im Nationalsozialismus

Über Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus ist meist relativ wenig bekannt. Dabei gab es sowohl weibliche Opfer als auch Täter und auch Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Wie sah nun die Rolle der Frauen im Krieg und in der Ideologie des NS aus?

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Inhaltsangabe

    Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus

    Die Rolle der Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus war wie die der Männer in der NS Ideologie klar vorgegeben. Welche Rollenbilder der Frau im NS existierten und wie diese die Gesellschaft beeinflussten, erfährst Du in den nächsten Abschnitten.

    Wenn Du weitere Informationen zur NS Ideologie außerhalb der Rolle der Frau bekommen möchtest, empfehlen wir Dir, unsere Erklärung "NS Ideologie" zu lesen.

    Bedeutung Frauen im Nationalsozialismus

    Die Bedeutung der Frauen im Nationalsozialismus wurde vor allem durch ihre ideologische Rolle definiert. In der NS-Ideologie galt die Frau vor allem als Mutter und Lebensspenderin:

    • Die ideale Frau sollte vor allem für den Fortbestand der "arischen Rasse" sorgen und "stählerne, kampfbereite Nachkommen produzieren".
      • Begriffe des NS für diese Rolle: "Trägerin von Blut und Rasse" oder "Hüterin von Kraft und der ewigen Nation"
    • Zum Fortbestand der "arischen Rasse" sollte die Frau selbst arischer Abstammung sein.
    • Weitere ideale Charaktereigenschaften waren: Treue, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Selbstlosigkeit.

    In der NS Ideologie wurde zwischen unterschiedlichen "Menschenrassen" unterschieden. Als "überlegende Herrenrasse" galt dabei die der "Arier". Während des NS galten die meisten Menschen mit einer weißen Hautfarbe und europäischer Abstammung, welche keine jüdischen Vorfahren hatten als "Arier".

    Hinweis: Die Begriffe "Arier" und "Rasse" sind hier bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da die Existenz von "Menschenrassen" ideologisch geprägt und nicht wissenschaftlich ist.

    Neben ihrer Rolle als Mutter sollten sich Frauen im "Dritten Reich" vor allem um den Haushalt kümmern. Die Erwerbsarbeit sollte vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges vor allem von Männern übernommen werden.

    Adolf Hitler bewertete die zugeschriebene Rolle der Frau 1935 wie folgt:

    "Ich glaube nicht, daß es eine Degradierung der Frau ist, wenn sie Mutter wird, sondern ich glaube im Gegenteil, daß es ihre höchste Erhebung ist. Es gibt keinen größeren Adel für die Frau, als Mutter der Söhne und der Töchter eines Volkes zu sein.“

    Anhand solcher Aussagen wird deutlich, dass Frauen im Nationalsozialismus zwar eine ideologisch gleichwertige Position, aber keinesfalls eine rechtlich gleichwertige Position zu Männern einnahmen. Das Frauenbild des Nationalsozialismus lässt sich aus heutiger Sicht als antifeministisch beschreiben.

    Als Feminismus bezeichnet man die Bestrebung für die Gleichberechtigung aller Geschlechter sowie den Abbau von Rollenbildern. Feminismus beinhaltet dabei nicht nur die Forderung der Gleichberechtigung von Frauen, sondern bspw. auch der Abschaffung negativer Männlichkeitsbilder.

    Der Begriff Antifeminismus bezeichnet wiederum Bestrebungen, die die Gleichberechtigung aller Geschlechter verhindern sowie ein Denken in gefestigten Rollenbildern fördern. In der nationalsozialistischen oder extrem rechten Ideologie ist Antifeminismus ein wichtiger Bestandteil, da diese Ideologien die Rolle der Frau auf das Kinderkriegen und den Haushalt beschränken.

    Rechte der Frauen im Nationalsozialismus

    Die Rechte der Frauen im Nationalsozialismus waren sehr begrenzt, was einen Rückschritt bedeutete. In der Zeit seit dem Ersten Weltkrieg hatten sich die Frauen Rechte (z.B. das Wahlrecht) erkämpft. Im NS wurde ihre politische Rolle nun wieder stark reduziert.

    Bereits am 21. Januar 1921 zu Zeiten der Weimarer Republik beschloss die NSDAP, Frauen aus allen leitenden Ausschüssen sowie der Parteiführung auszuschließen. In der Folge durften sie auch nicht als Parlamentarierinnen für die NSDAP antreten.

    Mit der Zerschlagung der KPD im Nachgang des Reichstagsbrandes im März 1933, dem Verbot der SPD im Juni desselben Jahres sowie der Selbstauflösung vieler weiterer Parteien und dem "Gesetz gegen die Neubildung von Parteien" im Juli 1933 wurde Frauen de facto das passive Wahlrecht aberkannt.

    Als passives Wahlrecht bezeichnet man in einer Demokratie das Recht jedes/jeder Bürger*in für ein bestimmtes Amt zu kandidieren und von den anderen Bürger*innen gewählt zu werden. Das aktive Wahlrecht wiederum bezeichnet das klassische Recht eines/einer jeden Bürger*in andere Personen im Rahmen einer Abstimmung wählen zu dürfen.

    Auch in den meisten anderen Organisationen des nationalsozialistischen Regimes wie der SA, SS oder der DAF blieb den Frauen der damaligen Zeit die Möglichkeit auf eine Führungsrolle, beziehungsweise auf eine Mitgliedschaft verwehrt. Ausnahmen bildeten hierbei der Bund deutscher Mädel (BDM), die NS-Frauenschaft (NSF) und das Deutsche Frauenwerk (DFW), welche jedoch lediglich zur Durchsetzung der NS-Ideologie in Bezug auf die Rolle der Frau dienten.

    Wenn Du mehr zu den Organisationen des Dritten Reiches, wie zum Beispiel der SS erfahren möchtest, empfehlen wir dir, unsere Erklärungen zu diesen Themen zu lesen.

    Frauen im Nationalsozialismus – Mutterrolle

    Wie du bereits in den vorherigen Absätzen erfahren hast, galt die Rolle der Mutter als eine der Hauptaufgaben der Frauen zu Zeiten des Nationalsozialismus. Aufgrund der Anreize für Frauen, ihre Erwerbsarbeit aufzugeben und sich auf den Haushalt und die Kinder zu fokussieren, stieg die Anzahl der Mütter im Nationalsozialismus zunächst an.

    Auch die Geburtenrate konnte durch das von den Nationalsozialist*innen vorgegebene Ziel von vier Kindern pro Familie zumindest kurzfristig erhöht werden. Während die Geburtenrate 1933 noch bei circa 1,4 Kindern pro Frau lag, stieg sie bis zu ihrem Höhepunkt 1937 auf circa 2,5 an.

    Laut NS Ideologie sollte die Frau von ihren 4 Kindern "ein Kind an der Hand, eins auf dem Arm, eins im Kinderwagen und eins unterm Herzen" tragen.

    Mütterschulungen und Mütterschulen

    Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 wurden sogenannte Mütterschulen und die in ihnen durchgeführten Mütterschulungen zum zentralen Bestandteil in der NS-Frauenpolitik. Der 1943 gegründete Reichsmütterdienst der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes war als Träger für die Mütterschulen zuständig. Er organisierte die Mütterschulen einheitlich auf Kreisebene und wollte somit langfristig alle Frauen ab 18 Jahren zu einer Teilnahme an einer Mütterschulung bewegen.

    Ab 1935 wurde die Reichsarbeitsgemeinschaft für Mütterschulen auf Erlass des Innenministeriums zum alleinigen Träger der Mütterschulen. Durch diese Arbeitsgemeinschaft wurden die Mütterschulen klarer politisch ausgerichtet. Sie dienten ab diesem Moment vorrangig der Umsetzung und Einführung des nationalsozialistischen Frauenbildes, in welchem die Frau als "Trägerin von Blut und Rasse" oder "Hüterin von Kraft und der ewigen Nation" vor allem für den Fortbestand der "arischen Rasse" sorgen und "stählerne, kampfbereite Nachkommen produzieren" sollte.

    Im Laufe des Dritten Reiches wurden viele unterschiedliche Formen der Mütterschulen, wie zum Beispiel Bräuteschulen für verlobte und kinderlose Frauen sowie Werkmütterschulen bewusst für Arbeiterinnen eingerichtet. Diese unterschiedlichen Abwandlungen der Mütterschulen sollten für eine möglichst flächendeckende und zielgerichtete Umsetzung der Mütterschulungen sorgen. Durch diese Maßnahmen zur Verbreitung der Mütterschulungen wurden bis 1937 circa 53.000 Mütterschulungen für 1,14 Millionen Frauen abgehalten.

    Frauen im Nationalsozialismus, Mütterschulung in einer Mütterschule, StudySmarter

    Abb. 1: Mütterschulung im Dritten Reich

    Neben der Erhöhung der Gebärfreudigkeit der Frauen im nationalsozialistischen Staat sollten die Mütterschulen den Frauen auch weitere Grundlagen in den Themenbereichen Haushalts- und Gesundheitsführung, Erziehung sowie Volks- und Brauchtumslehre vermitteln. Der Besuch blieb während des Bestehens des nationalsozialistischen Dritten Reiches freiwillig, für arbeitslose Frauen und Frauen von SS-Angehörigen wurden die Schulungen jedoch verpflichtend eingeführt.

    Zu einer Elite- und Vorzeigeschule wurde die Reichsbräuteschule für Frauen von SS- und SA-Angehörigen in Berlin Schwanenwerder, die unter direkter Leitung der Reichfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink stand.

    Bereits vor der Machtübernahme Hitlers existierten in Deutschland Mütterschulen. Die Erste wurde 1917 von der Pädagogin Luise Lampert (1891–1962) gegründet. Bis 1933 entstanden 37 weitere Mütterschulen. Ursprünglich sollten diese mit Kursen rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Pflege von Kindern die hohe Säuglingssterblichkeit während und nach dem Ersten Weltkrieg bekämpfen.

    Frauen im Nationalsozialismus Reichsbräuteschule StudySmarter

    Abb. 2: Erste Reichsbräuteschule in Tübingen

    Frauen im Nationalsozialismus – Mutterkreuz

    Es gab auch Auszeichnungen für Frauen im Nationalsozialismus. Die berühmteste davon war das Mutterkreuz. Das "Ehrenkreuz der deutschen Mutter" (Mutterkreuz) wurde ab 1938 von der NSDAP gestiftet. Da Adolf Hitler die Mutterschaft als "Schlachtfeld der Frau" bezeichnete, war es praktisch gleichbedeutend mit militärischen Orden wie dem Eisernen Kreuz. In der Folge salutierten Soldaten vor Müttern, welche das Mutterkreuz trugen.

    Frauen im Nationalsozialismus Mutterkreuz StudySmarter

    Abb. 3: Verleihung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter

    Das Mutterkreuz wurde lediglich an "reichsdeutsche" Mütter mit einem Ariernachweis verliehen, welche "erbgesunde" Kinder gebaren. Wurden nach der Verleihung des Mutterkreuzes "rassenideologische Mängel" an den Müttern oder deren Kindern bekannt, konnte das Mutterkreuz auch rückwirkend wieder entzogen werden.

    Menschen mit Behinderung besaßen nach der NS Ideologie im Dritten Reich oftmals nicht die gleichen Rechte wie Personen ohne Behinderung. Teilweise wurden sie von den Nationalsozialist*innen sogar ermordet. Mehr Informationen zu diesem Thema findest du in unserem Artikel "Euthanasie im Dritten Reich".

    Für die Geburt von vier Kindern wurde das bronzene Mutterkreuz verliehen, für die Geburt von sechs das silberne und für die Geburt von acht Kindern das goldenen Mutterkreuz. Müttern beziehungsweise Familien, die das Mutterkreuz erhielten, wurden außerdem verschiedene steuerliche und andere wirtschaftliche Vorteile gewährt.

    Frauen im Nationasozialismus Ehrenkreuz StudySmarter

    Abb. 4: Ehrenkreuz der Deutschen Mutter („Mutterkreuz“) in Gold

    Zunächst wurden 1939 knapp 3 Millionen Mutterkreuze an Frauen über 60 Jahren, welche die Voraussetzungen für die Verleihung erfüllten, verliehen. Ab 1942 wurde das Mutterkreuz bei den staatlichen Muttertagsfeiern verliehen.

    Wie viele Mutterkreuze im Dritten Reich insgesamt verliehen wurden, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen. Schätzungen gehen von 6 bis 10 Millionen verliehenen Mutterkreuzen aus.

    Heutzutage gilt das Mutterkreuz aufgrund seines rassenpolitischen Hintergedankens als ein verfassungsfeindliches Abzeichen. Nach dem "Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen" vom 26. Juli 1957 ist das Tragen des Mutterkreuzes in der Bundesrepublik Deutschland unter allen Umständen verboten.

    Frauen während des 2. Weltkrieges

    Die politische Bedeutung der Frauen während des 2. Weltkrieges wuchs und ging über ihre ideologische Rolle hinaus. Während die Männer als Soldaten an der Front kämpften, lag der Erhalt der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen innerhalb Deutschlands auf den Schultern der Frauen.

    Sie arbeiteten in Fabriken und Büros, pflegten Verwundete und wurden sogar als Spioninnen eingesetzt. Besonders für die Kriegsindustrie, die Produktion von Waffen, Rüstung und Munition waren sie essenziell.

    Arbeitsdienst Frauen Nationalsozialismus

    Insbesondere der Bereich der Erwerbsarbeit zeigt die Ambivalenz des nationalsozialistischen Frauenbildes. Während die Nazis zu Beginn des Dritten Reiches vor allem den Ausstieg der Frau aus der Erwerbsarbeit förderten, wandelte sich diese Vorgehensweise nach Kriegsbeginn schlagartig. Für die unzähligen Fronten der NS-Kriegsführung wurden im Kriegsverlauf so viele gesunde, junge und mittelalte Männer rekrutiert, dass die inländische Kriegsindustrie einem Arbeitermangel unterlag.

    Diesen Mangel konnten auch Zwangsarbeiter nicht ausgleichen, weshalb zunehmend mehr Frauen in der Erwerbsarbeit eingesetzt werden mussten. Trotz Hitlers Ziel der Verringerung des Anteils erwerbstätiger Frauen stieg die Anzahl weiblicher Erwerbstätiger auch vor dem Zweiten Weltkrieg von 11,6 Millionen 1933 auf 14,6 Millionen im Jahr 1939.

    Diese Erhöhung des Anteils erwerbstätiger Frauen wurde durch eine Reihe an Maßnahmen möglich, welche während des Dritten Reiches den akuten Mangel in einzelnen Berufsfeldern bekämpfen sollten. Aufgrund des Ärztemangels wurden beispielsweise in den Kriegsjahren die Beschränkungen für Frauen beim Medizinstudium aufgehoben, was den Anteil der Ärztinnen, der 1933 noch bei 6,5 % gelegen hatte, bis 1944 mehr als verdoppelte.

    In einigen Berufen, wie zum Beispiel dem der Straßenbahnschaffnerin, konnten Frauen sogar eine gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen durchsetzen.

    Einer der wenigen Bereiche, aus dem Hitler und die NSDAP Frauen weitgehend verbannen konnten, war der Juristische. Der damalige Präsident des Reichsjustizprüfungsamtes, Otto Palandt erarbeitete 1934 das "Gesetz zur Änderung der Rechtsanwaltsordnung", nach welchem Frauen als Anwältinnen nicht mehr zugelassen werden sollten. Für Palandt stellten weibliche Anwältinnen einen "Einbruch in den altgeheiligten Grundsatz der Männlichkeit des Staates“ dar. Für ihn war klar, dass es Sache des Mannes sei, das Recht zu wahren.

    Frauen im Nationalsozialismus – NS-Frauenschaft

    Die NS-Frauenschaft (NSF) wurde bereits im Jahr 1931 als Zusammenschluss unterschiedlicher nationalistischer und nationalsozialistischer Frauenverbände gegründet. Sie galt als die Frauenorganisation der NSDAP. Neben dem Deutschen Frauenwerk (DFW) diente sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialist*innen als ein Sammelbecken für die Frauenorganisationen und Vereine der Weimarer Republik.

    Die NS-Frauenschaft unterstützte die Gleichschaltung aller Vereine und politischen Organisationen in den Untergliederungen der NSDAP und löste als Sammelbecken für die Frauenorganisationen der Weimarer Republik den 1933 verbotenen Bund deutscher Frauenvereine praktisch in seiner Funktion ab. Offiziell war die NSF für die gesamte Umsetzung der NS-Frauenpolitik zuständig und sollte somit die "weltanschauliche, kulturelle und volkswirtschaftliche Führung" übernehmen.

    Frauen im Nationalsozialismus Frauenschaft StudySmarter

    Abb. 5: Abzeichen Frauenschaft

    Der Bund deutscher Frauenvereine (BDF) wurde als Dachorganisation der bürgerlichen Frauenbewegung im Jahr 1894 gegründet. Um die Mitgliedschaft für eine möglichst große Anzahl an Frauenvereinen möglich zu machen, vertrat der BDF eher gemäßigte Forderungen. Er setzte sich vor allem für die Bildung von Frauen, bessere Arbeitsbedingungen für weibliche Beschäftigte sowie mehr Partizipation von Frauen im gesellschaftlichen Bereich ein.

    Radikalere Forderungen wie das Frauenwahlrecht vertrat der BDF erst im Laufe der Zeit. Mit der Machtergreifung Hitlers wurde der BDF 1933 aufgelöst. Zwischenzeitlich hatte der BDF circa 1 Million Mitglieder.

    In ihrem inneren Aufbau glich die NS-Frauenschaft der NSDAP. Sie besaß die Untergliederungen Gau, Kreis, Ortsgruppe, Zelle, Block (beziehungsweise Haushaltsgruppe). Über diese Untergliederungen waren 2,3 Millionen Mitglieder in der NSF organisiert, was über die Hälfte der 4 Millionen Frauen, die sich im Dritten Reich in einer NS-Organisation engagierten ausmachte. Trotz dieser beträchtlichen Mitgliederanzahl galt die NSF als eine Art Eliteorganisation für die Frauen im Dritten Reich.

    Der politische Einfluss der NSF auf die NSDAP war sehr gering. Die NS-Frauenschaft durfte praktisch keine politischen Vorschläge in die NSDAP einbringen, sondern agierte als ausführender Arm der NSDAP und Hitlers in frauenpolitischen Themen.

    Frauen im Nationalsozialismus – Deutsches Frauenwerk

    Das Deutsche Frauenwerk war neben der NS-Frauenschaft die einzige zugelassene Frauenorganisation im Dritten Reich. Im Unterschied zur NS-Frauenschaft wurde das Deutsche Frauenwerk erst nach der Machtergreifung Hitlers im Oktober 1933 gegründet. Es war vor allem ein Sammelbecken für vorherige nationalistische und konservative Frauenverbände wie dem Bund Königin Luise oder der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes.

    Als eingetragener Verein unterstand das Deutsche Frauenwerk offiziell nicht der NSDAP, sondern galt nur als personell eng verbundene Organisation. Diese enge Bindung des Deutschen Frauenwerkes an die NSDAP und die NS-Politik wurde mit der Ernennung von Gertrud Scholtz-Klink zur "Reichsfrauenführerin" 1934 und somit zur Vorsteherin des Deutschen Frauenwerkes und der NS-Frauenschaft weiter befeuert.

    Mehr Informationen zur Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink findest du weiter unten im Absatz "Täterinnen im Nationalsozialismus".

    Insgesamt zählte das Deutsche Frauenwerk knapp 1,7 Millionen Mitglieder und hatte die Hauptaufgabe, alle deutschen Frauen "in den Dienst des Volkes und des Staates" zu stellen. Dieser Aufgabe kam das Deutsche Frauenwerk zusammen mit der NS-Frauenschaft vor allem über den sogenannten Reichsmütterdienst nach, welcher die flächendeckenden Mütterschulungen gestaltete und Träger der Mütterschulen war. Außerdem veranstaltete das Deutsche Frauenwerk immer wieder Veranstaltungen, vor allem zum Thema Haushalt.

    Frauen im Nationalsozialismus – Bund Deutscher Mädel (BDM)

    Der BDM bezeichnete den Ableger der Hitlerjugend (HJ) für Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren. Für Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren gab es den sogenannten Jungmädelbund (JM), der umgangssprachlich oft auch als "Kükengruppe" bezeichnet wurde.

    Der BDM wurde 1930 als Zusammenschluss unterschiedlicher Mädchen- und Schwesternschaften der HJ gegründet. Durch die gesetzliche Pflichtmitgliedschaft ab 1936 für alle "arischen" weiblichen Jugendlichen wuchs die Anzahl der Mitglieder von 1.700 im Jahr 1931 auf über 4,5 Millionen im Jahr 1944. Damit wurde der BDM zur größten weiblichen Jugendorganisation der Welt.

    Mehr Informationen zum Bund Deutscher Mädel (BDM) findest Du in unserem Artikel zu diesem Thema. Außerdem erfährst Du im Artikel Täterinnen im Nationalsozialismus mehr zur damaligen Reichsreferentin für den Bund Deutscher Mädel, Jutta Rüdiger.

    Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

    Zuletzt gab es neben weiblichen Tätern, die der NS-Ideologie folgten, auch Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

    Mehr Informationen zu Täterinnen und Widerstandskämpferinnen im Nationalsozialismus findest Du in unseren Erklärungen "Täterinnen im Nationalsozialismus" und "Weiblicher Widerstand".

    Dass über Frauen im Nationalsozialismus heute so wenig bekannt ist, hat viele verschiedene Gründe. Der Wichtigste ist aber sicherlich, dass die Gleichberechtigung der Frau in vielen Bereichen auch nach Beendigung des Dritten Reiches nicht abgeschlossen war und auch heutzutage noch einen weiten Weg vor sich hat. Zwar haben sich die meisten Teile der Gesellschaft sicherlich von dem Bild, dass Frauen vor allem zum Kinder gebären da sind, wegbewegt. Trotzdem gibt es immer noch Bereiche, in denen Frauen strukturell benachteiligt werden.

    Der Bereich der historischen Forschung ist ein Beispiel für eine solche strukturelle Benachteiligung. Durch das Patriarchat waren zwar Männer schon immer in mächtigeren Positionen als Frauen anzutreffen und sind somit für Historiker*innen heutzutage meist interessanter. Trotzdem ist über Errungenschaften, welche von Frauen in der Geschichte erzielt wurden, meist weniger bekannt als über solche, die von Männern erreicht wurden.

    Der Begriff Patriarchat leitet sich vom altgriechischen Wort "patriarches" (deutsch: Erster unter den Vätern, Stammesführer, Herrschaft der Väter, etc.) ab. Er bezeichnet in der Soziologie ein System von sozialen Beziehungen, bei welchem die maßgeblichen Werte wie Macht oder Ordnung den Männern zugeschrieben werden.Vereinfacht gesagt könnte man den Begriff Patriarchat also auch als Vormachtstellung der Männer in einer Gesellschaft bezeichnen.

    In Bezug auf den Widerstand im Nationalsozialismus sind weibliche Personen in der Geschichtsschreibung vergleichsweise oft erwähnt. Allerdings finden sich meist recht wenige Informationen über die genauen Handlungen dieser. Sie werden häufig nur als "Frau, Verlobte, Freundin oder Bekannte" von männlichen Widerstandskämpfern erwähnt.

    Frauen im Nationalsozialismus - Das Wichtigste

    • Bedeutung Frauen im Nationalsozialismus: Nach der NS Ideologie waren Frauen vor allem in der Rolle als Mutter wichtig. Sie sollten möglichst viele Kinder bekommen und sie gemäß der Ideologie erziehen.
    • Rechte der Frauen im Nationalsozialismus: Frauen waren von leitenden Ausschüssen und der Parteiführung ausgeschlossen. Mit der Auflösung der anderen Parteien verloren sie ihr passives Wahlrecht.
    • Frauen im Krieg – Nationalsozialismus: Im Zweiten Weltkrieg spielten Frauen zunehmend eine wichtige Rolle, da sie für die Waffenproduktion und Krankenversorgung gebraucht wurden.
    • Frauenorganisationen des Nationalsozialismus waren:
      • die NS-Frauenschaft
      • das Deutsche Frauenwerk.
      • Bund Deutscher Mädel (BDM)
      • Jungmädelbund
    • Ebenso wie weibliche Nationalsozialistinnen gab es auch Frauen im Widerstand gegen den NS

    Nachweise

    1. Abb. 1 - "Mütterschulung im Dritten Reich" by Deutsches Heimatsmuseum (https://www.dhm.de/) licensed under CC-BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)
    2. Abb. 2 - "Bräuteschule der NS-Frauenschaft im ehemaligen Korporationshaus der Normannen auf dem Österberg" by Gebrüder Metz (https://www.tuepedia.de/wiki/Gebr._Metz) licensed under Attribution-Share Alike 3.0 Unported (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)
    3. Abb. 3 - "Verleihung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter" by Bundesarchiv, Bild 183-J06142 (www.bundesarchiv.de) licensed under CC-BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)
    4. Abb. 4 - "Ehrenkreuz der Deutschen Mutter („Mutterkreuz“) in Gold" by Pahcal123 (www.wikimedia.org) licensed under Attribution-Share Alike 4.0 International (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en)
    5. Abb. 5 - "Abzeichen Frauenschaft" by Deutsches Heimatsmuseum (www.dhm.de) licensed under CC-BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)
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    Häufig gestellte Fragen zum Thema Frauen im Nationalsozialismus

    Was ist das nationalsozialistische Frauenbild?

    Das nationalsozialistische Frauenbild war klar durch die NS Ideologie vorgegeben. Die ideale Frau sollte nach der NS Ideologie als "Trägerin von Blut und Rasse" oder "Hüterin von Kraft und der ewigen Nation" vor allem für den Fortbestand der "arischen Rasse" sorgen und "stählerne, kampfbereite Nachkommen produzieren". Neben ihrer eigenen arischen Abstammung sollte sie sich durch Charaktereigenschaften wie Treue, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Selbstlosigkeit auszeichnen. 

    Wann bekamen Frauen das Mutterkreuz?

    Frauen bekamen das bronzene Mutterkreuz ab der Geburt von 4 Kindern verliehen, für die Geburt von 6 das silberne und für die Geburt von 8 Kindern das goldenen Mutterkreuz. Müttern beziehungsweise Familien, die das Mutterkreuz erhielten, wurden außerdem verschiedene steuerliche und andere wirtschaftliche Vorteile gewährt.

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