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Reichskristallnacht

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Reichskristallnacht

Die Reichskristallnacht, auch bekannt als Reichspogromnacht, fand in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zur Zeit des Nationalsozialismus statt. In der Reichskristallnacht kam es in Deutschland und Österreich zu massiven Gewalttaten gegen Juden sowie ihren Geschäften und Gotteshäusern. In diesem Artikel lernst du, wie es zu diesen Ausschreitungen kam, was genau passierte und was ihre Folgen waren.

Reichskristallnacht Definition

Die Novemberpogrome von 1938, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November ausgeführt wurden, sind auch unter dem Begriff Reichskristallnacht bekannt.

Reichskristallnacht Begriffserklärung

Der Begriff Reichskristallnacht findet seinen Ursprung in den unzähligen Glasscherben, die nach den Gewaltmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung und ihre Häuser oder Geschäfte ausgeübt wurden, überall auf den Straßen verteilt lagen – sie sollen wie Kristalle gefunkelt haben. Das Wort "Reichskristallnacht" oder auch nur "Kristallnacht" wird heute zumeist als verharmlosend gesehen. Erst Jahrzehnte nach den Novemberpogromen wurde der Begriff "Reichspogromnacht" geläufiger.

Reichskristallnacht, Zerstörtes jüdisches Geschäft, Begriffserklärung, StudySmarterAbbildung 1: Zersprungene Scheiben eines jüdischen Geschäfts nach der Reichspogromnacht 1938Quelle: dhm.de

Reichskristallnacht Pogrom

Worum genau handelt es sich aber bei einem Pogrom? Generell ist "Pogrom" kein Wort, welches sich nur auf die antisemitischen Ausschreitungen des 9. und 10. Novembers 1938 bezieht.

Bei einem Pogrom handelt es sich um gewalttätige Ausschreitungen gegen eine bestimmte Gruppe – zumeist eine religiöse, nationale oder ethnische Minderheit.

Der Begriff "Pogrom" selbst stammt aus dem Russischen: Das Wort погром bedeutet so viel wie "Verwüstung", "Krawall" oder "Zerstörung".

Reichskristallnacht Vorgeschichte

Bereits in den vorherigen Jahren, seit der Machtergreifung Hitlers 1933, wurden die Juden in Deutschland immer stärker diskriminiert. Dies hatte zu Beginn hauptsächlich rassistische und antisemitische Gründe, die von der nationalsozialistischen Regierung propagiert wurden. Ab 1938 wurde die jüdische Bevölkerung auch noch aus einem anderen Grund stärker verfolgt: Die Kriegsvorbereitung für den Zweiten Weltkrieg lief zu dieser Zeit bereits auf Hochtouren und durch die Enteignung des jüdischen Kapitals sollte diese zusätzlich finanziert werden.

Antisemitismus beschreibt Hass oder Feindschaft gegenüber Juden und dem Judentum.

Vorbereitungen für die Enteignung, systematische Verfolgung und Abschiebung der Juden wurden bereits in den Jahren zuvor getroffen. Im August 1935 wurde eine Judenkartei von der Gestapo eingeführt, in der die deutschen Juden lokal und regional erfasst wurden. Ab dem 14. Juni 1938 mussten jüdische Gewerbebetriebe sich registrieren lassen und von außen sichtbar markiert werden – so konnten diese bei den Pogromen auch besser erkannt werden. Außerdem mussten Juden im selben Jahr ihr gesamtes Vermögen detailliert beim Finanzamt offenlegen.

Die Gestapo war die "Geheime Staatspolizei" des nationalsozialistischen Staates.

Reichskristallnacht, Diskriminierung der Juden, Vorgeschichte, StudySmarterAbbildung 2: Ein jüdisches Geschäft wird mit Plakat versehen, welches die nicht-jüdische Bevölkerung davon abhalten soll bei Juden einzukaufenQuelle: spiegel.de/dpa

Die Polenaktion

Im Oktober kam es zur sogenannten Polenaktion. Die polnische Regierung hatte zuvor verordnet, dass alle Pässe von Polen, die länger als fünf Jahre im Ausland waren, auslaufen sollten. Davon waren besonders viele arme Juden in Deutschland betroffen, die illegal im Reich lebten.

Die deutsche Regierung verhaftete, auf Anweisung Heinrich Himmlers hin, mindestens 17.000 aus Polen eingewanderte Juden und brachte sie zur polnischen Grenze bei Zbąszyń, wo sie diese über die Grenze jagten. Einige der Vertriebenen wurden daraufhin in einem Flüchtlingslager auf der polnischen Seite interniert. Die gewaltsame Abschiebung kam für die betroffenen Menschen vollkommen überraschend.

Heinrich Himmler war NSDAP-Politiker, Reichsführer der SS und Chef der Polizei.

Das Attentat vor der Reichspogromnacht

Am 7. November kam es daraufhin zu einem Attentat in der deutschen Botschaft in Paris. Dort erfuhr der 17-jährige Herschel Grynszpan, dass auch seine Familie nach Zbąszyń abgeschoben wurde. Als Rache besorgte er sich einen Revolver, um den deutschen Botschafter zu erschießen. Stattdessen erschoss er einen NSDAP-Mann, Ernst Eduard vom Rath, der zwei Tage später verstarb – dieses Attentat wurde von den Nationalsozialisten als Anlass für die Pogrome gegen die deutschen Juden genommen.

Reichskristallnacht - Reichspogromnacht

Schon am 7. November 1938 kam es zu den ersten Übergriffen auf jüdische Bevölkerungsgruppen und ihr Eigentum. Am 8. November erreichte dann die Nachricht von der Ermordung vom Raths die deutsche Bevölkerung. In verschiedenen Zeitungen wurde der Mord durch den Juden öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet. Auch in der Parteizeitung der NSDAP, der Völkische Beobachter, war von einer neuen Haltung gegenüber den Juden die Rede und es wurde subtil zu Gewalttaten gegen Juden aufgefordert. Am 8. November brannten bereits die ersten Synagogen.

Die Reichskristallnacht - 9. November 1938

In der Nacht vom 9. November nutzten Hitler und Goebbels den Mord schließlich, um das "Weltjudentum" vor versammelter SA- und Parteiführung für den Tod Raths verantwortlich zu machen und lobten die bereits stattgefundenen Aktionen gegen die Juden. Dies war der Aufruf für die anwesenden SA-Führer, mit eigenen Aktionen gegen die Juden vorzugehen.

Das Weltjudentum ist eine antisemitische Verschwörungstheorie, nach welcher es einen Zusammenschluss an Juden gebe, welcher die Weltherrschaft anstrebe oder sogar bereits besitze.

So wurde zum einen die Festnahme von 20.000 bis 30.000 wohlhabenden Juden vorbereitet und zum anderen Instruktionen für die Zerstörung von jüdischem Eigentum gegeben. Dies galt freilich nicht für Wertgegenstände, diese gingen unbeschadet in den Besitz der Nationalsozialisten über.

In der Nacht kam es dann zu den Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung, die auch noch am 10. November andauerten. In vereinzelten Orten hörten die Randale erst am 13. November auf. Geschäfte wurden zerstört, Synagogen abgebrannt, in Wohnungen von Juden wurde eingebrochen und Tausende wurden gefangen genommen. Etwa 30.000 junge, wohlhabende, männliche Juden wurde in die zuvor extra erweiterten Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen gebracht.

Reichskristallnacht, Brennende Synagoge Hannover, StudySmarterAbbildung 3: Brennende Synagoge in Hannover Quelle: taz.de / Historisches Museum Hannover

Reichskristallnacht Folgen

Die Folgen der Reichspogromnacht waren für die jüdische Bevölkerung verheerend. Waren sie davor nur diskriminiert worden, markierte diese Nacht den offiziellen Beginn der systematischen und gewaltsamen Verfolgung der Juden. Außerdem durften sie ab diesem Moment nicht mehr Teil der deutschen Wirtschaft sein – viele versuchten Deutschland zu verlassen.

Schätzungen zu Folge starben etwa 400 Juden während der Pogrome der Reichskristallnacht. Auch sollen über 1.400 Synagogen zerstört worden sein. Viele jüdische Kulturgemeinden lösten sich auf. Circa 30.000 Juden wurden in die deutschen Konzentrationslager verschleppt.

Reichskristallnacht – Das Wichtigste

  • In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es zur Reichskristallnacht/Reichspogromnacht, bei welcher es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen die deutsche jüdische Bevölkerung kam.
  • Vom Regime und der Presse als willkürlicher Volkszorn beschrieben, waren sie eigentlich schon lange geplant gewesen, um die "Arisierung" der deutschen Wirtschaft zu verwirklichen und die Juden für die Kriegsaufrüstung bezahlen zu lassen.
  • Im ganzen Deutschen Reich kam es zu Ausschreitungen gegen Juden und ihre Besitze – sie wurden umgebracht, ihre Geschäfte und Wohnungen geplündert und zerstört, Synagogen abgebrannt.
  • Bis zu 400 Juden starben in der Nacht vom 9. November und beinahe alle Synagogen im Land wurden zerstört.
  • Bis zu 30.000 Juden wurden in der Reichspogromnacht festgenommen, ihr Besitz enteignet und in die deutschen Konzentrationslager geschickt. Die Reichskristallnacht markierte den Beginn der systematischen Verfolgung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Reichskristallnacht

Es ist nicht klar, wer den Begriff "Reichskristallnacht" eingeführt hat. Die Nazis selber erwähnten ihn nur einmal. Erst nach 1945 etablierte sich der Begriff neben "Reichspogromnacht", um die Ereignisse zu beschreiben. Ein Pogrom hingegen, ist eine gewalttätige Aktion gegen Menschen, die einer Minderheit angehören. Daher ist der Begriff "Kristallnacht" verharmlosend für die brutalen Übergriffe auf Juden vom 9. November 1938.

In der "Reichskristallnacht" fand ein Pogrom, eine gewalttätige Aktion gegen Menschen einer Minderheit, gegen Juden statt. Dazu gehörte auch die Zerstörung ihrer Geschäfte und Gotteshäuser - den Synagogen. Auch vor brutalen Angriffen auf offener Straße und Mord schreckten die Nazis nicht zurück.

Der Begriff "Reichskristallnacht" ist im Vergleich zum Begriff Reichspogromnacht verharmlosend. Anstatt auf die brutalen Angriffe auf die Juden aufmerksam zu machen, weist der Begriff lediglich auf zerbrochenes Glas hin. Somit ist Reichspogromnacht besser zutreffend und macht die Gewalttaten deutlicher.

Ein Pogrom ist eine Gewalttat gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen, zumeist handelt es sich um eine religiöse, nationale oder ethnische Minderheit.

Finales Reichskristallnacht Quiz

Frage

Unter welchem Namen ist die Reichskristallnacht noch bekannt?

Antwort anzeigen

Antwort

Reichspogromnacht

Frage anzeigen

Frage

Wann fand die Reichskristallnacht statt?

Antwort anzeigen

Antwort

in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zur Zeit des Nationalsozialismus

Frage anzeigen

Frage

Gegen wen waren die Gewalttaten ausgerichtet?

Antwort anzeigen

Antwort

gegen Juden und ihre Geschäfte und Gotteshäuser

Frage anzeigen

Frage

Woher kommt der Begriff Reichskristallnacht?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Die Herkunft der Namen für das Ereignis haben unterschiedliche Ursprünge
  • Ein Pogrom ist die gewaltsame Ausschreitung von Menschen gegen andere, abgrenzbare Gruppierungen von Menschen
  • Die Reichspogromnacht beschreibt als die Nacht der Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland
  • Der Begriff Reichskristallnacht hatte sich aufgrund der vielen Glasscherben der zerstörten Schaufenster durchgesetzt, die am folgenden Tag wie Kristalle auf den Straßen verteilt waren
Frage anzeigen

Frage

Wie war die Vorgeschichte zur Reichskristallnacht?

Antwort anzeigen

Antwort

  • zu Beginn hauptsächlich rassistische und antisemitische Gründe, die von der nationalsozialistischen Regierung propagiert wurden, um Juden zu diskriminieren
  • Kriegsvorbereitung für den zweiten Weltkrieg lief zu dieser Zeit bereits auf Hochtouren, und durch die Enteignung des jüdischen Kapitals sollte diese finanziert werden
  • Vorbereitungen für die Enteignung, systematische Verfolgung und Abschiebung der Juden wurden bereits in den Jahren zuvor getroffen
  • Im August 1935 wurde ein Judenkartei von der Gestapo eingeführt
  • Ab dem 14. Juni 1938 mussten jüdische Gewerbebetriebe sich registrieren lassen und von außen sichtbar markiert werden, damit diese bei den Pogromen besser erkannt werden
Frage anzeigen

Frage

Was war die Polenaktion?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Im Oktober kam es schließlich zur sogenannten Polenaktion
  • Die polnische Regierung hatte verordnet, dass alle Pässe von Polen, die länger als 5 Jahre im Ausland waren, auslaufen sollten
  • Davon waren sehr viele arme Juden in Deutschland betroffen, die illegal im Reich lebten
  • Die deutsche Regierung verhaftete viele dieser Menschen und brachte sie zur polnischen Grenze bei Zbąszyń, wo sie sie über die Grenze jagten
  • Einige von diesen wurden daraufhin in einem Flüchtlingslager auf der polnischen Seite interniert
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Frage

Was für ein Attentat passierte noch in der Reichskristallnacht?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Am 3. November kam es daraufhin zu einem Attentat in einer deutschen Botschaft in Paris
  • Dort erfuhr ein 17-jähriger jüdischer Jugendlicher, dass auch seine Familie nach Zbąszyń abgeschoben wurde
  • Als Rache besorgte er sich einen Revolver um den deutschen Botschafter zu erschießen
  • Stattdessen erschoss er einen NSDAP-Mann, Ernst Eduard vom Rath
Frage anzeigen

Frage

Was für Übergriffe passierten in der Reichskristallnacht?

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Antwort

  • Schon am 7. November 1938 kam es zu den ersten Übergriffen auf jüdische Bevölkerungsgruppen und ihr Eigentum
  • Am 8. November erreichte dann die Nachricht von der Ermordung von Raths die deutsche Bevölkerung
  • In verschiedenen Zeitungen wurde der Mord durch den Juden öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet
  • Auch in der Parteizeitung der NSDAP, der Völkische Beobachter, war von einer neuen Haltung gegenüber den Juden die Rede, und es wurde subtil zu Gewalttaten gegen Juden aufgefordert
  • Am 8. November brannten bereits die ersten Synagogen
Frage anzeigen

Frage

Was haben Hitler und Goebbels  am 9.November beschlossen?

Antwort anzeigen

Antwort

  • In der Nacht vom 9. November nutzten Hitler und Goebbels den Mord schließlich, um das Weltjudentum vor versammelter SA- und Parteiführung für den Tod Raths verantwortlich zu machen und lobten die bereits stattgefundenen Aktionen gegen die Juden
  • Dies war der Aufruf für die anwesenden SA-Führer, mit eigenen Aktionen gegen die Juden vorzugehen
  • Die Festnahme von 20.000 bis 30.000 wohlhabenden Juden wurde vorbereitet und Instruktionen für die Zerstörung von jüdischen Eigentum wurden gegeben
  • Wertgegenstände sollten jedoch geschützt werden, was wiederum mit der Enteignung der Juden für die Kriegsvorbereitung zu tun hatte
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Frage

Was passierte in der Nacht des 9.Novembers?

Antwort anzeigen

Antwort

  • In der Nacht kam es dann zu den Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung, die auch noch bis spät am 10. November andauerten
  • In vereinzelten Orten hörten die Randale erst am 13. November auf
  • Geschäfte wurden zerstört, Synagogen abgebrannt, in Wohnungen von Juden wurde eingebrochen, viele wurden gefangen genommen
  • Etwa 30.000 junge, wohlhabende, männliche Juden wurde in die zuvor erweiterten Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen gebracht
Frage anzeigen

Frage

Was waren die Folgen der Reichskristallnacht?

Antwort anzeigen

Antwort

  • Die Folgen waren für die jüdische Bevölkerung verheerend
  • Waren sie davor nur diskriminiert worden, markierte die Reichskristallnacht den Beginn der systematisch Verfolgung der Juden
  • Sie durften ab diesem Moment nicht mehr Teil der deutschen Wirtschaft sein, wenn möglich versuchten sie auszuwandern
  • Direkt starben Schätzungen zu Folge 400 Juden an den Pogromen der Reichskristallnacht
  • Auch sollen über 1.400 Synagogen zerstört worden sein
  • Viele jüdische Kultusgemeinden lösten sich auf
  • Circa 30.000 Juden wurden in die deutschen Konzentrationslager verschleppt
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