Inhaltsverzeichnis▼
- Weimarer Republik im Überblick
- Entstehung: Novemberrevolution 1918
- Die Weimarer Verfassung von 1919
- Krisenjahre 1919 bis 1923
- Goldene Zwanziger und Stresemann-Ära
- Weltwirtschaftskrise und Ende 1929 bis 1933
- Warum scheiterte die Weimarer Republik?
- Weimarer Republik: Zeitstrahl
- Karteikarten
- Das Wichtigste
- Häufige Fragen
- Quellen
Weimarer Republik im Überblick
Die Weimarer Republik war der erste demokratische Staat in Deutschland. Sie entstand 1918 aus der Novemberrevolution und endete 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Benannt ist sie nach Weimar, wo 1919 die Nationalversammlung die Reichsverfassung beschloss. Historiker gliedern die Epoche in drei Phasen: Krise, Stabilisierung und Niedergang.
Der Name „Weimarer Republik" ist eine spätere Bezeichnung. Offiziell hieß der Staat weiterhin Deutsches Reich. Der Begriff verweist auf die thüringische Stadt Weimar, in der 1919 die verfassunggebende Nationalversammlung tagte, weil Berlin durch Unruhen unsicher war. Die knapp fünfzehn Jahre zwischen Kaiserreich und NS-Diktatur gelten als erste, letztlich gescheiterte Demokratie auf deutschem Boden.
Die folgende Übersicht ordnet die Epoche in ihre drei klassischen Phasen. Jede Phase hat eigene Schwerpunkte, die in den vertiefenden Artikeln dieses Themenbereichs ausführlich erklärt werden.
| Phase | Zeitraum | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Gründung und Krise | 1918 bis 1923 | Novemberrevolution, Verfassung 1919, Versailles, Putsche, Hyperinflation |
| Stabilisierung | 1924 bis 1929 | Goldene Zwanziger, Dawes-Plan, Stresemann, Völkerbund |
| Niedergang | 1929 bis 1933 | Weltwirtschaftskrise, Präsidialkabinette, Machtübernahme |
Entstehung: Novemberrevolution und Ausrufung 1918
Die Weimarer Republik entstand aus der Novemberrevolution von 1918. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg dankte Kaiser Wilhelm II. ab, und am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus. Die Übergangsregierung, der Rat der Volksbeauftragten, führte rasch das Frauenwahlrecht und den Achtstundentag ein.
Ausgelöst wurde die Revolution durch den Kieler Matrosenaufstand Ende Oktober 1918. Innerhalb weniger Tage bildeten sich überall Arbeiter- und Soldatenräte, und die alte Ordnung brach zusammen. Am 9. November 1918 verkündete Scheidemann vom Reichstag die Republik, wenige Stunden bevor der Spartakist Karl Liebknecht eine sozialistische Räterepublik ausrief. In diesem Wettlauf entschied sich früh, ob Deutschland eine parlamentarische Demokratie oder eine Räteordnung nach sowjetischem Vorbild werden würde.
Die Regierung unter dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert setzte auf eine parlamentarische Lösung und ließ eine Nationalversammlung wählen. Radikale Linke wollten dagegen die Räte zur Grundlage des Staates machen. Der Spartakusaufstand im Januar 1919 wurde mit Hilfe von Freikorps blutig niedergeschlagen. Diese frühe Spaltung der Arbeiterbewegung belastete die Republik dauerhaft.
Am 19. Januar 1919 fand die Wahl zur Nationalversammlung statt, bei der erstmals auch Frauen wählen durften. Wie es genau zur Republik kam, liest du im Detail im Artikel zur Novemberrevolution.
Merke dir zwei Daten: der 9. November 1918 steht für die Ausrufung der Republik, der 14. August 1919 für das Inkrafttreten der Verfassung. Beide zusammen markieren den Beginn der Weimarer Republik.
Die Weimarer Verfassung von 1919
Die Weimarer Verfassung trat am 14. August 1919 in Kraft und machte Deutschland zu einer parlamentarischen Demokratie. Das Volk wählte den Reichstag nach dem Verhältniswahlrecht und den Reichspräsidenten direkt für sieben Jahre. Artikel 48 erlaubte dem Präsidenten, im Notstand per Notverordnung ohne den Reichstag zu regieren.
Die Verfassung galt als eine der modernsten ihrer Zeit. Sie garantierte Grundrechte, das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen sowie Volksbegehren und Volksentscheid. An der Spitze standen drei zentrale Organe, deren Zusammenspiel du dir für die Klausur einprägen solltest.
Der Reichspräsident hatte eine starke Stellung. Er ernannte und entließ den Reichskanzler, konnte den Reichstag auflösen und in Krisen nach Artikel 48 mit Notverordnungen regieren. Diese Machtfülle wurde später zum Einfallstor für die Aushöhlung der Demokratie. Die genaue Struktur und die Schwächen der Verfassung erklärt der Artikel zur Weimarer Verfassung.
| Organ | Wahl und Amtszeit | Aufgabe |
|---|---|---|
| Reichspräsident | direkt vom Volk, 7 Jahre | Staatsoberhaupt, Oberbefehl, Notverordnung nach Art. 48 |
| Reichstag | Verhältniswahl, 4 Jahre | Gesetzgebung, Kontrolle der Regierung |
| Reichskanzler | vom Präsidenten ernannt | Regierungschef, braucht das Vertrauen des Reichstags |
| Reichsrat | Vertretung der Länder | Mitwirkung bei der Gesetzgebung |
Krisenjahre 1919 bis 1923
Die Krisenjahre von 1919 bis 1923 brachten die junge Republik an den Rand des Zusammenbruchs. Der Versailler Vertrag belastete Deutschland mit Gebietsverlusten und Reparationen. Putsche von rechts und links, die Ruhrbesetzung und die Hyperinflation von 1923 folgten. Erst die Rentenmark beendete im November 1923 die Geldentwertung.
Der Versailler Vertrag von 1919 wurde von vielen als „Diktat" empfunden. Deutschland verlor Gebiete, musste hohe Reparationen zahlen und die alleinige Kriegsschuld anerkennen. Rechte Kräfte nutzten diese Wut, um die Republik mit der Niederlage gleichzusetzen.
1920 versuchten rechtsgerichtete Militärs im Kapp-Putsch, die Regierung zu stürzen; ein Generalstreik ließ den Putsch scheitern. Als Deutschland 1923 die Reparationen nicht mehr zahlte, besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Der passive Widerstand kostete den Staat enorme Summen und heizte die Hyperinflation von 1923 an, in der ein Dollar zeitweise Billionen Papiermark kostete.
Am Ende dieses Krisenjahres stand der Hitler-Ludendorff-Putsch vom 8. und 9. November 1923 in München, der ebenfalls scheiterte. Die Einführung der Rentenmark im November 1923 beendete schließlich die Geldentwertung und leitete die Stabilisierung ein.
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1919 | Versailler Vertrag | Gebietsverluste, Reparationen, Kriegsschuldartikel |
| 1920 | Kapp-Lüttwitz-Putsch | Putsch von rechts, durch Generalstreik gestoppt |
| Januar 1923 | Ruhrbesetzung | Frankreich und Belgien besetzen das Ruhrgebiet |
| 1923 | Hyperinflation | Geldentwertung, Rentenmark im November |
| November 1923 | Hitler-Ludendorff-Putsch | Putschversuch in München scheitert |
Goldene Zwanziger und die Stresemann-Ära
Die Goldenen Zwanziger von 1924 bis 1929 waren die Blütezeit der Republik. US-Kredite aus dem Dawes-Plan stabilisierten die Wirtschaft, und Außenminister Gustav Stresemann söhnte Deutschland mit den früheren Kriegsgegnern aus. 1926 trat Deutschland dem Völkerbund bei. Kunst, Film und Wissenschaft erlebten einen international beachteten Aufschwung.
Nach der Währungsreform kehrte wirtschaftliche Ruhe ein. Der Dawes-Plan von 1924 regelte die Reparationen neu und brachte amerikanische Kredite ins Land. Diese finanzielle Erholung war die Grundlage der berühmten „Goldenen Zwanziger", die du im eigenen Artikel zu den Goldenen Zwanzigern vertiefen kannst.
Prägend war die Außenpolitik Gustav Stresemanns. Mit den Locarno-Verträgen von 1925 und dem Beitritt zum Völkerbund 1926 gewann Deutschland wieder außenpolitisches Ansehen. Gleichzeitig blühten Kultur und Wissenschaft: Berlin wurde zur Metropole von Film, Theater, Malerei und Literatur. Doch der Aufschwung ruhte auf geliehenem Geld, und die tiefen politischen Gegensätze blieben unter der Oberfläche bestehen.
Weltwirtschaftskrise und Ende der Republik 1929 bis 1933
Das Ende der Weimarer Republik begann mit der Weltwirtschaftskrise ab Oktober 1929. Die Arbeitslosigkeit stieg bis 1932 auf rund sechs Millionen. Ab 1930 regierten Präsidialkabinette per Notverordnung ohne Mehrheit im Reichstag. Die NSDAP wurde stärkste Partei, und am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.
Der Börsencrash an der Wall Street im Oktober 1929 traf Deutschland besonders hart, weil die USA ihre Kredite zurückzogen. Die Weltwirtschaftskrise führte zu Massenarbeitslosigkeit, Armut und wachsender Radikalisierung. Immer mehr Wähler wandten sich von den demokratischen Parteien ab.
Seit dem Bruch der letzten großen Koalition 1930 stützten sich die Regierungen nicht mehr auf eine Reichstagsmehrheit, sondern auf die Notverordnungen des Reichspräsidenten. Diese Präsidialkabinette unter Brüning, Papen und Schleicher höhlten den Parlamentarismus aus. Bei der Reichstagswahl am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37,3 Prozent stärkste Partei.
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Damit endete die Weimarer Republik. Kurz darauf beseitigten die Nationalsozialisten mit dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 die demokratischen Strukturen.
Hitler kam nicht durch einen Wahlsieg mit absoluter Mehrheit an die Macht, sondern wurde von konservativen Kräften ins Amt gehoben. Der Begriff Machtübernahme ist genauer als Machtergreifung.
Warum scheiterte die Weimarer Republik?
Warum scheiterte die Weimarer Republik? Verantwortlich war ein Bündel von Ursachen: die schwere Hypothek des Versailler Vertrags, strukturelle Schwächen der Verfassung wie Artikel 48 und die Zersplitterung durch das Verhältniswahlrecht, die Weltwirtschaftskrise sowie zahlreiche Gegner der Demokratie. Weimar gilt deshalb als Republik ohne genügend überzeugte Republikaner.
Historiker unterscheiden mehrere Ursachenebenen, die zusammenwirkten:
- Belastete Geburt: Die Republik startete mit Kriegsniederlage, Versailler Vertrag und der Dolchstoßlegende, die den Demokraten die Schuld an der Niederlage gab.
- Strukturelle Schwächen: Das Verhältniswahlrecht führte zu vielen kleinen Parteien und instabilen Regierungen. Artikel 48 gab dem Präsidenten zu viel Macht.
- Wirtschaftskrisen: Hyperinflation 1923 und Weltwirtschaftskrise ab 1929 zerstörten das Vertrauen breiter Schichten in die Demokratie.
- Fehlende Demokraten: Viele Eliten in Justiz, Militär und Verwaltung lehnten die Republik ab. Radikale Parteien von links und rechts bekämpften sie offen.
Die Detailanalyse mit Quellen und Deutungen findest du im Artikel zum Scheitern der Weimarer Republik. Wichtig ist die Erkenntnis: Weimar scheiterte nicht an einer einzigen Ursache, sondern an dem Zusammentreffen vieler Belastungen in kurzer Zeit.
Weimarer Republik: Zeitstrahl 1918 bis 1933
Der Zeitstrahl der Weimarer Republik bündelt die wichtigsten Daten: 1918 Ausrufung der Republik, 1919 Verfassung, 1923 Krisenhöhepunkt mit Ruhrbesetzung und Hyperinflation, 1924 bis 1929 Goldene Zwanziger, 1929 Beginn der Weltwirtschaftskrise und 1933 Ende der Republik. Mit dieser Chronologie ordnest du alle Ereignisse sicher ein.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 9. November 1918 | Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann |
| 19. Januar 1919 | Wahl zur Nationalversammlung, erstmals mit Frauenwahlrecht |
| 14. August 1919 | Weimarer Reichsverfassung tritt in Kraft |
| März 1920 | Kapp-Lüttwitz-Putsch |
| 11. Januar 1923 | Beginn der Ruhrbesetzung |
| 15. November 1923 | Rentenmark beendet die Hyperinflation |
| 1924 | Dawes-Plan, Beginn der Goldenen Zwanziger |
| 1925 | Locarno-Verträge, Hindenburg wird Reichspräsident |
| 1926 | Beitritt zum Völkerbund |
| Oktober 1929 | Beginn der Weltwirtschaftskrise |
| 31. Juli 1932 | NSDAP wird mit 37,3 Prozent stärkste Partei |
| 30. Januar 1933 | Hitler wird Reichskanzler, Ende der Republik |
Karteikarten zur Weimarer Republik
Sechs Karteikarten zur Weimarer Republik fassen die wichtigsten Fakten zusammen, vom Zeitraum über die Verfassung bis zum Ende 1933. Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen, und navigiere mit den Pfeilen durch das Set, ideal für die schnelle Wiederholung vor der Klausur.
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Weimarer Republik, das Wichtigste
Die Weimarer Republik war Deutschlands erste Demokratie und bestand von 1918/19 bis 1933. Sie durchlief drei Phasen: Krise, Stabilisierung und Niedergang. Trotz der kulturellen Blüte der Goldenen Zwanziger zerbrach sie an äußeren Lasten, strukturellen Schwächen und der Weltwirtschaftskrise. Ihr Scheitern gilt bis heute als Mahnung für die Demokratie.
- Zeitraum: 1918/19 bis 1933, benannt nach der Nationalversammlung in Weimar.
- Verfassung 1919: Reichspräsident (7 Jahre, Art. 48), Reichstag (Verhältniswahl), Reichskanzler.
- Drei Phasen: Krisenjahre, Goldene Zwanziger, Niedergang.
- Wendepunkte: Inflation 1923, Stabilisierung ab 1924, Weltwirtschaftskrise ab 1929.
- Ende: 30. Januar 1933, Hitler wird Reichskanzler; Ermächtigungsgesetz 1933.
Häufige Fragen zur Weimarer Republik
Die Weimarer Republik war der erste demokratische Staat in Deutschland. Sie bestand von der Ausrufung am 9. November 1918 bis zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Ihren Namen erhielt sie nach der Stadt Weimar, wo 1919 die Verfassung beschlossen wurde.
Als Beginn gilt der 9. November 1918, die Ausrufung der Republik. Rechtlich wurde sie mit der Verfassung vom 14. August 1919 gefestigt. Das Ende markiert der 30. Januar 1933, die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler.
Man unterscheidet die Krisenjahre von 1919 bis 1923, die Stabilisierung oder Goldenen Zwanziger von 1924 bis 1929 und den Niedergang von 1929 bis 1933 mit Weltwirtschaftskrise und Auflösung.
Artikel 48 gab dem Reichspräsidenten das Notverordnungsrecht. Er durfte in Krisen ohne Zustimmung des Reichstags regieren. Ab 1930 wurde dieses Recht so oft genutzt, dass die Präsidialkabinette den Parlamentarismus aushöhlten.
Zum Scheitern trugen die Belastung durch den Versailler Vertrag, strukturelle Verfassungsschwächen wie Artikel 48 und die Verhältniswahl, die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und viele Gegner der Demokratie bei. Man spricht von einer Republik ohne genügend Republikaner.
So nennt man die Stabilisierungsphase von 1924 bis 1929. Nach dem Ende der Inflation brachten US-Kredite aus dem Dawes-Plan und die Politik Gustav Stresemanns wirtschaftlichen Aufschwung und eine kulturelle Blüte.
Es gab zwei: Friedrich Ebert (SPD) von 1919 bis zu seinem Tod 1925 und Paul von Hindenburg ab 1925. Hindenburg ernannte 1933 Hitler zum Reichskanzler.
Nach der Weltwirtschaftskrise wurde die NSDAP 1932 stärkste Partei. In den Präsidialkabinetten ohne Mehrheit ernannte Reichspräsident Hindenburg Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Das Ermächtigungsgesetz beseitigte danach die Demokratie.
Quellen
Diese Übersicht stützt sich auf autoritative, frei zugängliche Quellen zur deutschen Geschichte:
- Weimarer Republik. Wikipedia. de.wikipedia.org
- Deutsches Historisches Museum, LeMO: Weimarer Republik. dhm.de/lemo
- Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Weimarer Republik. bpb.de