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Reaktionsordnung

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Reaktionsordnung

Du fragst Dich, was der Unterschied zwischen der Reaktionsordnung und der Molekularität ist? Dann bist Du nicht allein. Die beiden Begriffe werden häufig verwechselt. Aber keine Sorge, mit dieser leicht verständlichen Erklärung wirst Du den Unterschied endlich verstehen.

Molekularität

Bei chemischen Reaktionen finden Veränderungen statt, die mithilfe von Reaktionsgleichungen beschrieben werden. Ein einzelner Reaktionsschritt wird dabei als Elementarreaktion bezeichnet. Wenn mehrere Schritte zur Herstellung des gewünschten Produkts nötig sind, handelt es sich um zusammengesetzte Reaktionen.

Elementarreaktionen werden nach der Molekularität unterteilt. Sie gibt an, wie viele Teilchen wechselwirken müssen, damit eine Reaktion stattfinden kann:

  1. Unimolekulare (monomolekulare) Reaktion: Ein Teilchen ist an der Reaktion beteiligt. Die Molekularität ist eins.
  2. Bimolekulare Reaktion: Zwei Teilchen sind an der Reaktion beteiligt. Die Molekularität ist zwei.
  3. Trimolekulare Reaktion: Drei Teilchen sind an der Reaktion beteiligt. Die Molekularität ist drei.

Die Molekularität ist also ein rein mechanistischer Begriff, der den Reaktionsweg beschreibt. Im Vergleich zur Reaktionsordnung lässt sie sich nicht so leicht experimentell bestimmen. Außerdem besteht kein direkter Zusammenhang mit der Reaktionsordnung.

Reaktionsordnung – Erklärung

Die Reaktionsordnung hängt mit der Reaktionsgeschwindigkeit zusammen. Wie schnell eine Reaktion abläuft, ist abhängig von der Konzentration der Edukte (Ausgangsstoffe). Um Reaktionen einordnen und vergleichen zu können, wurde diese Abhängigkeit experimentell untersucht und als Reaktionsordnung definiert.

Die Reaktionsordnung steht für die experimentell ermittelte Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Eduktkonzentration. Unterschieden wird zwischen:

ReaktionsordnungGeschwindigkeitsgesetz
0. Ordnung
1. Ordnung
2. Ordnung oder
3. Ordnung oder
Gebrochene Ordnung

Dabei steht vR für die Reaktionsgeschwindigkeit, k für die Geschwindigkeitskonstante und c für die Konzentrationen der Ausgangsstoffe. Die Konzentration der Edukte wird auch oft in eckigen Klammern angegeben. Also statt cA für die Konzentration des Ausgangsstoffs A wird dann einfach [A] oder c(A) verwendet, wobei A durch den Reaktanden ersetzt wird.

Wenn Du nach einer leicht verständlichen Erklärung zur Reaktionsgeschwindigkeit suchst, findest Du sie ebenfalls im Fachbereich zur physikalischen Chemie.

Reaktion 1. Ordnung

Bei Reaktionen 1. Ordnung ist die Reaktionsgeschwindigkeit nur von der Konzentration eines Stoffes abhängig. Das könnte zum Beispiel eine einfache Umwandlung eines Moleküls in ein anderes Isomer sein.

Isomere haben dieselbe Summenformel, unterscheiden sich aber in ihrer Struktur.

Außerdem sind Zerfallsreaktionen (beispielsweise Dissoziationen) häufig Reaktionen 1. Ordnung. Diese beiden Fälle kannst Du mit folgenden Reaktionsgleichungen beschreiben:

Dabei handelt es sich im ersten Fall um eine Umwandlung, also beispielsweise um eine Isomerisierung oder einen radioaktiven Zerfall. Die zweite Reaktionsgleichung beschreibt einen Zerfall (Dissoziation). Egal, ob Zerfallsreaktion oder Umwandlung, für beide Reaktionswege gilt für die Reaktionsgeschwindigkeit vR:

Hier stehen cA für die Konzentration des Ausgangsstoffs A und k für die Geschwindigkeitskonstante.

Um Reaktionen 1. Ordnung besser zu verstehen, kannst Du Dir mal eine Substitutionsreaktion anschauen, die in zwei Schritten verläuft, bei der die Geschwindigkeit aber trotzdem nur von der Konzentration eines Stoffes abhängt. Ein solcher Fall ist die Reaktion von 2-Brompropan mit Hydroxid-Ionen.

Der erste Schritt ist eine monomolekulare Reaktion, bei der ein Zerfall (Dissoziation) stattfindet. Das Brom-Atom wird in Form eines Bromid-Ions vom 2-Brompropan abgespalten. Es entsteht ein positiv geladenes Propyl-Kation. Der zweite Schritt ist eine bimolekulare Reaktion, bei der zwei Teilchen miteinander wechselwirken müssen. Hierbei greift das Hydroxid-Anion am positiv geladenen Propyl-Kation an, sodass sich ein Alkohol bildet.

Die Reaktionsgeschwindigkeit entspricht einer Reaktion 1. Ordnung:

cRBr steht hierbei für die Konzentration des Propyl-Kations.

Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt nämlich nur von der Konzentration des Propyl-Kations ab. Da die beiden Reaktionsschritte unterschiedlich schnell verlaufen, ist der Zerfall des 2-Brompropans in ein Propyl-Kation der geschwindigkeitsbestimmende Schritt. Und weil die erste Teilreaktion eine monomolekulare Reaktion ist, verläuft sie entsprechend einer Reaktion 1. Ordnung. Demnach ist auch die Reaktionsordnung der Gesamtreaktion 1. Ordnung.

Wenn der erste Teilschritt sehr schnell ablaufen und ein Überschuss an Propyl-Kationen für die zweite Reaktion vorliegen würde, dann wäre der zweite Teilschritt geschwindigkeitsbestimmend. Da es sich beim zweiten Reaktionsschritt um eine bimolekulare Reaktion handelt, für die zwei Reaktionspartner nötig sind, würde die Reaktionsgeschwindigkeit einer Reaktion 2. Ordnung entsprechen.

Und hier ist der Unterschied zwischen der Molekularität und der Reaktionsordnung sehr gut erkennbar:

Diese Gesamtreaktion darf nämlich nicht als monomolekulare Reaktion bezeichnet werden, obwohl sie experimentell gesehen als Reaktion 1. Ordnung gilt. Die Begriffe für die Molekularität beziehen sich immer auf einen einzelnen Teilschritt, mit anderen Worten also auf eine Elementarreaktion.

Reaktion 2. Ordnung

Bei Reaktionen 2. Ordnung hängt die Reaktionsgeschwindigkeit von der Konzentration zweier Stoffe ab, da zwei Edukte zu einem oder mehreren Produkten reagieren. Mithilfe einer Reaktionsgleichung kannst Du solche Reaktionen also wie folgt erklären:

Die Edukte können zwei unterschiedliche oder zweimal derselbe Stoff sein. Sie reagieren je nach Reaktionstyp zu einem oder mehreren Produkten. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt von den Konzentrationen beider Edukte ab:

Oder wenn zweimal A miteinander reagiert:

Im Abschnitt zu Reaktionen 1. Ordnung hast Du bereits gesehen, wie eine Substitution an 2-Brompropan aussieht. Der Zerfall zum Propyl-Kation war hier der geschwindigkeitsbestimmende Schritt. Wie sieht das aber bei anderen Alkylhalogeniden aus?

Experimentell stellt man fest, dass beispielsweise 1-Brompropan nicht zuerst zerfallen muss, damit es mit einem Hydroxid-Ion reagieren kann. In diesem Fall besteht die Reaktion nicht aus zwei einzelnen Teilschritten (Elementarreaktionen), sondern aus einem einzelnen. Die Reaktion besteht darin, dass ein Hydroxid-Ion am halogenierten C-Atom des 1-Brompropans angreift. Es handelt sich um eine bimolekulare Reaktion. Und da das der einzige Reaktionsschritt ist, liegt auch gleichzeitig eine Reaktion 2. Ordnung vor. Die Reaktionsgeschwindigkeit berechnet sich also wie folgt:

Ein anderes Beispiel für eine Reaktion 2. Ordnung, bei der jedoch zweimal dasselbe Edukt miteinander reagiert, ist der Zerfall von Stickstoffdioxid zu Stickstoffmonoxid und Sauerstoff:

Sieht zunächst nach einer Reaktion 1. Ordnung aus, da nur Kohlenstoffdioxid zu zerfallen scheint. Da Sauerstoff aber immer dimerisiert als O2 vorliegen muss, musst Du diese Reaktionsgleichung mal zwei nehmen:

Die Reaktionsgeschwindigkeit wurde experimentell untersucht und sie entspricht tatsächlich folgender Gleichung:

Reaktion 3. Ordnung

Bei Reaktionen 3. Ordnung reagieren drei Edukte zu einem oder mehreren Produkten. Reaktionsgleichungen würdest Du dann wie folgt aufstellen:

Eines der beiden Edukte kann, wie Du siehst, auch zweifach an der gleichen Reaktion teilnehmen. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt hier von den Konzentrationen der drei Edukte ab:

Oder wenn einer der Stoffe (z. B. Edukt A) zweimal an der Reaktion beteiligt ist:

Die Rückreaktion des Zerfalls von Stickstoffdioxid wurde experimentell als Reaktion 3. Ordnung eingestuft:

Bei dieser Reaktion gilt also für die Reaktionsgeschwindigkeit:

Ob es sich hier um eine trimolekulare Reaktion handelt, kann man aber leider nicht genau sagen, da drei verschiedene Reaktionswege möglich sind:

  • trimolekular:

  • bimolekular:

  • bimolekular:

Für alle drei Reaktionswege kann das gleiche Geschwindigkeitsgesetz gelten, auch wenn sie verschieden sind.

Reaktion 0. Ordnung

Bei Reaktionen 0. Ordnung ist die Reaktionsgeschwindigkeit nicht von der Konzentration der Edukte abhängig und entspricht der Geschwindigkeitskonstante k. Das bedeutet, sie bleibt durchgehend konstant. Eine solche Reaktion kann eigentlich nur in der Theorie existieren, da die Reaktionsgeschwindigkeit immer zu einem gewissen Grad von der Konzentration der Reaktanden abhängt.

Wenn Du Dir aber mal enzymatisch katalysierte Reaktionen anschaust, erkennst Du schnell, dass dessen Geschwindigkeit quasi konstant ist, solange ein Überschuss auf der Eduktseite vorliegt. Enzymatisch katalysierte Reaktionen laufen bei vollständiger Sättigung der Enzyme immer in einer bestimmten Geschwindigkeit ab, die nicht von der Konzentration der Edukte abhängt. In diesem Fall sprechen wir auch von Reaktionen pseudo-nullter Ordnung.

Wenn Du beispielsweise in ein Reagenzglas mit einer Stärkelösung etwas Amylase einrührst, beginnt diese die Stärke zu zersetzen. Aus den langen Stärke-Molekülen werden einfachere Zucker-Moleküle. Vielleicht kennst Du dieses stärkeabbauende Enzym auch schon aus dem Biounterricht.

Stell Dir jetzt einfach mal vor, dass sich in dem Reagenzglas 1.000 Amylase-Moleküle befinden und jedes einzelne 25.000 Stärke-Moleküle pro Sekunde spalten kann. Dann können in der ganzen Lösung pro Sekunde maximal 25 Millionen Stärke-Moleküle abgebaut werden, weil 1.000 · 25.000 = 25.000.000 sind.

Auch wenn sich in Deinem Reagenzglas eine Milliarde Stärke-Moleküle befinden würden, wäre die Reaktionsgeschwindigkeit immer noch dieselbe. Sie hängt also nicht von der Stärke-Konzentration, sondern einzig und allein von der Enzym-Konzentration ab. Wenn Du mehr Amylase in Dein Reagenzglas einmischst, wird mehr Stärke pro Sekunde gespalten. Weil aber der Katalysator – also in diesem Fall die Amylase – formal nicht an der Reaktion teilnimmt, brauchst Du sie nicht in die Geschwindigkeitsgleichung aufzunehmen.

Wenn Du mehr zum Thema Katalysatoren lernen willst, schau doch gern mal in unsere Erklärung zu diesem Thema.

Reaktionsordnung – Das Wichtigste

  • Die Molekularität einer Reaktion gibt an, wie viele Teilchen miteinander reagieren.
    • Unimolekulare (monomolekulare) Reaktion: Ein Teilchen ist an der Reaktion beteiligt. Die Molekularität ist eins.

    • Bimolekulare Reaktion: Zwei Teilchen sind an der Reaktion beteiligt. Die Molekularität ist zwei.

    • Trimolekulare Reaktion: Drei Teilchen sind an der Reaktion beteiligt. Die Molekularität ist drei.

  • Die Reaktionsordnung einer Reaktion gibt an, wie die Reaktionsgeschwindigkeit von der Konzentration der Reaktionspartner abhängt.
    • Reaktionen 0. Ordnung: Die Reaktion hängt nicht von der Konzentration eines Edukts ab.
    • Reaktionen 1. Ordnung: Die Reaktion hängt von der Konzentration eines Edukts ab.
    • Reaktionen 2. Ordnung: Die Reaktion hängt von der Konzentration zweier Edukte ab.
    • Reaktionen 3. Ordnung: Die Reaktion hängt von der Konzentration dreier Edukte ab.

References

  1. Dr. Christian Hess (2007). Kinetik. www.fhi-berlin.mpg.de. (22.06.2022)
  2. Hans Jakob Wörner (2016). PCII - Chemische Reaktionskinetik. ethz.ch. (22.06.22)
  3. u-helmich.de: Reaktionsordnung und -molekularität. (22.06.22)

Häufig gestellte Fragen zum Thema Reaktionsordnung

Die Reaktionsordnung gibt an, von wie vielen Edukten die Reaktionsgeschwindigkeit einer Reaktion abhängig ist. Ist die Geschwindigkeit beispielsweise von den Konzentrationen zweier Ausgangsstoffe abhängig, handelt es sich um eine Reaktion 2. Ordnung.

Die Geschwindigkeitskonstante kannst Du beispielsweise mithilfe der Arrhenius-Gleichung berechnen.

Bei einer Reaktion 1. Ordnung hängt die Reaktionsgeschwindigkeit von der Konzentration eines einzelnen Edukts ab.

Bei einer bimolekularen Reaktion reagieren zwei Teilchen miteinander.

Finales Reaktionsordnung Quiz

Frage

Die Molekularität ist zwei. Wie viele Edukte reagieren miteinander?

Antwort anzeigen

Antwort

Es reagieren zwei Edukte miteinander.

Frage anzeigen

Frage

Die Reaktionsordnung ist zwei. Ist die Molekularität in diesem Fall auch zwei?

Antwort anzeigen

Antwort

Nein. Die Molekularität könnte auch eins sein (unimolekular).

Frage anzeigen

Frage

Der radioaktive Zerfall kann auch als Reaktion angesehen werden. Welche Reaktionsordnung besteht hier?

Antwort anzeigen

Antwort

Bei einem radioaktiven Zerfall ist die Reaktionsordnung eins, da es sich um eine Zerfallsreaktion handelt.

Frage anzeigen

Frage

Warum hängt die Reaktionsgeschwindigkeit bei Reaktionen 0. Ordnung nicht von der Konzentration des Ausgangsstoffs ab?

Antwort anzeigen

Antwort

Der Grund dafür ist, dass die Geschwindigkeit von einer anderen Einheit vorbestimmt ist. Einen solchen Fall kannst Du zum Beispiel bei enzymatisch katalysierten Reaktionen beobachten.

Frage anzeigen

Frage

Eine Reaktion hat die Molekularität eins. Muss die Reaktionsordnung zwangsläufig auch eins sein?

Antwort anzeigen

Antwort

Nein. Die Reaktionsordnung kann auch zwei sein.

Frage anzeigen

Frage

Wann ist eine Reaktion, die nach dem SN1-Mechanismus abläuft, 1. Ordnung?

Antwort anzeigen

Antwort

Wenn der erste Schritt der geschwindigkeitsbestimmende ist.

Frage anzeigen

Frage

Eine Reaktion besteht aus mehreren Reaktionsschritten. Handelt es sich dann um eine Elementarreaktion?

Antwort anzeigen

Antwort

Nein. Elementarreaktionen bestehen generell aus nur einem Reaktionsschritt.

Frage anzeigen

Frage

Eine Gesamtreaktion setzt sich aus mehreren Teilschritten zusammen. Kann die Molekularität für die Gesamtreaktion angegeben werden?

Antwort anzeigen

Antwort

Nein. Die Molekularität kann nur für die einzelnen Teilschritte angegeben werde. Allerdings kann der Gesamtreaktion eine Reaktionsordnung zugewiesen werden.

Frage anzeigen

Frage

Eine Gesamtreaktion setzt sich aus mehreren Teilschritten zusammen. Der erste Schritt ist eine monomolekulare Reaktion und der zweite eine bimolekulare. Kann in diesem Fall die Reaktionsordnung für die Gesamtreaktion eins sein?


Antwort anzeigen

Antwort

Ja, wenn der monomolekulare Teilschritt der geschwindigkeitsbestimmende ist, dann ist die Reaktionsordnung eins.

Frage anzeigen

Frage

Warum lässt sich bei Reaktionen 3. Ordnung die Molekularität oft schwer zuweisen?

Antwort anzeigen

Antwort

Weil in den meisten Fällen mehrere Reaktionswege denkbar sind, die zum einen bimolekular und zum anderen trimolekular ablaufen.

Frage anzeigen

Frage

Bei einer monomolekularen Reaktion wird ein Katalysator eingesetzt. Handelt es sich nun um eine bimolekulare Reaktion?

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Antwort

Nein, da der Katalysator formal nicht an der Reaktion teilnimmt. Er geht unverändert aus der Reaktion hervor und senkt lediglich die Aktivierungsenergie.

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