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Kehrreim Definition, Wirkung & Beispiele

Der Kehrreim einfach erklärt: die wiederkehrende Verszeile im Gedicht, ihre Wirkung und Arten, verifizierte Beispiele wie Goethes Heidenröslein, und die klare Abgrenzung zwischen Kehrreim, Refrain und Reim.

SS
Autor StudySmarter Deutsch Redaktion
Erstellt 02.07.2026 · Aktualisiert 02.07.2026 · 4,7 (1.643 Stimmen)
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Deutsch · Textverständnis Aktualisiert 2. Juli 2026
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Kehrreim einfach erklärt

Ein Kehrreim ist eine Verszeile oder Verszeilengruppe, die sich in einem Gedicht oder Lied regelmäßig wiederholt, meist am Ende jeder Strophe. Kehrreim ist ein anderes Wort für Refrain und Kehrvers. Er gliedert den Text, betont eine zentrale Aussage und macht das Gedicht einprägsam.

Das Wort setzt sich aus "kehren", also "zurückkehren", und "Reim" im Sinne von "Vers" zusammen. Ein Kehrreim ist also im Wortsinn eine Zeile, die immer wiederkehrt. Genau das ist sein Kennzeichen: Zwischen den inhaltlich fortschreitenden Strophen taucht eine gleichbleibende Zeile immer wieder auf und verbindet die Abschnitte miteinander.

Typischerweise steht der Kehrreim am Strophenende, so wie im bekannten Kehrvers eines Volkslieds oder Popsongs. Er kann aus einer einzigen Zeile bestehen, aus mehreren Zeilen oder sogar aus einer ganzen kleinen Strophengruppe. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die Wiederkehr an einer festen Stelle.

In der Musik kennst du den Kehrreim unter seinem geläufigeren Namen: Der Refrain ist genau das, der Teil eines Liedes, den alle mitsingen können, weil er nach jeder Strophe zurückkommt. Genau diese Verbindung von Lied und Gedicht erklärt, warum der Kehrreim in der Lyrik so häufig auftritt.

Kehrreim, Refrain oder Reim?

Kehrreim und Refrain sind Synonyme: Beide meinen dieselbe wiederkehrende Verszeile. Der Reim ist dagegen etwas ganz anderes: Beim Reim klingen nur die Endsilben zweier Verse gleich, etwa Herz und Schmerz. Ein Kehrreim wiederholt dagegen ganze Zeilen. Das ist die häufigste Verwechslung rund um dieses Stilmittel.

Weil beide Wörter das Silbenstück "reim" enthalten, werden Kehrreim und Reim oft in einen Topf geworfen. Tatsächlich beschreiben sie zwei völlig verschiedene Dinge. Der Reim ist ein Klang-Phänomen am Versende, das Reimschema, etwa der Kreuzreim oder der umarmende Reim, ordnet diese Klänge. Der Kehrreim dagegen ist eine Wiederholung ganzer Zeilen an einer festen Stelle im Gedicht.

BegriffWas wiederholt sich?Beispiel
Kehrreim / Refrain / Kehrverseine ganze Verszeile oder Strophengruppe, wörtlich"Röslein auf der Heiden."
Reimnur der Klang der Endsilben zweier VerseHerz – Schmerz
Reimschemadie Anordnung der Reime, als Buchstabenfolge notiertabab (Kreuzreim)
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Merksatz für die Klausur

Der Reim betrifft nur den Klang am Versende, der Kehrreim ganze Zeilen, die wiederkehren. Kurz: Reim ist Klang, Kehrreim ist Wiederholung.

Kehrreim und Refrain kannst du dagegen bedenkenlos gleichsetzen. "Kehrreim" ist die deutsche Bezeichnung, "Refrain" die aus dem Französischen entlehnte, "Kehrvers" eine weitere deutsche Variante. In einer Analyse darfst du alle drei Begriffe verwenden, wichtig ist nur, dass du sie sauber vom Reim und vom Reimschema trennst.

Welche Wirkung hat ein Kehrreim?

Der Kehrreim gliedert das Gedicht in klare Abschnitte, bindet die Strophen aneinander und gibt gerade in Balladen und Liedern die Grundstimmung vor. Durch die Wiederholung wird eine zentrale Aussage betont, und der Text bleibt zusammen mit Reim und Versmaß leichter im Gedächtnis.

Die Wirkung des Kehrreims lässt sich in mehrere Punkte auffächern, die du in einer Gedichtanalyse gut belegen kannst:

  • Gliederung: Der Kehrreim trennt die Strophen sichtbar voneinander und gibt dem Gedicht eine feste Struktur.
  • Bindung: Zugleich klammert die wiederkehrende Zeile die Strophen zusammen und schafft einen roten Faden.
  • Betonung: Was immer wiederkehrt, wirkt wichtig. Der Kehrreim hebt eine Kernaussage oder ein Leitmotiv hervor.
  • Stimmung: In Balladen und Liedern erzeugt der Kehrreim eine Grundstimmung, die den ganzen Text trägt.
  • Einprägsamkeit: Gemeinsam mit Reim und Versmaß macht die Wiederholung den Text leicht merkbar, ein Grund, warum Kinderlieder und Volkslieder so oft einen Kehrreim haben.

Interessant wird die Deutung, wenn sich der Kehrreim leicht verändert. Bleibt die Zeile Strophe für Strophe gleich, verstärkt das die Beständigkeit einer Aussage. Verschiebt sich dagegen ein einzelnes Wort, kann das eine Entwicklung oder einen Stimmungswechsel andeuten. Genau solche Beobachtungen bringen in einer Analyse wertvolle Punkte, weil sie zeigen, dass du die Funktion des Stilmittels verstanden hast und nicht nur seinen Namen kennst.

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Arten des Kehrreims

Nach der Position unterscheidet man End-, Anfangs-, Binnen- und Rahmenkehrreim. Nach der Variation gibt es den festen Kehrreim, der immer gleich bleibt, und den flüssigen Kehrreim, der sich leicht verändert. Als Spezialform gilt der Kettenkehrreim, der sich Strophe für Strophe erweitert.

Kehrreime lassen sich auf zwei Ebenen einteilen: danach, wo sie in der Strophe stehen, und danach, ob sie sich verändern. Beide Kriterien sind für eine Gedichtanalyse nützlich, weil sie dir helfen, das Stilmittel präzise zu benennen.

Nach der Position in der Strophe

ArtPositionKurz erklärt
Endkehrreimam Strophenendedie häufigste Form, wie beim klassischen Refrain
Anfangskehrreimam Strophenanfangeröffnet jede Strophe mit derselben Zeile
Binnenkehrreiminnerhalb der Strophesteht mitten in der Strophe, nicht am Rand
RahmenkehrreimAnfang und Endedie erste Zeile kehrt am Strophenende zurück

Nach der Variation

  • Fester Kehrreim: Die Zeile wiederholt sich in jeder Strophe wortwörtlich gleich. Das ist der Normalfall und verstärkt die Beständigkeit einer Aussage.
  • Flüssiger Kehrreim: Die wiederkehrende Zeile verändert sich von Strophe zu Strophe leicht, passt sich also dem Inhalt an. So lässt sich eine Entwicklung im Gedicht spiegeln.
  • Kettenkehrreim: Eine Spezialform, bei der sich der Kehrreim mit jeder Strophe erweitert. Ein bekanntes Beispiel ist das englische Weihnachtslied "The Twelve Days of Christmas", bei dem in jeder Strophe eine neue Zeile hinzukommt.

Feste Gedichtformen bauen den Kehrreim sogar in ihre Regeln ein. Das Rondeau und das Triolett etwa sind Gedichte, die ganz auf einer wiederkehrenden Zeile aufgebaut sind. Hier ist der Kehrreim kein Schmuck, sondern das tragende Bauprinzip der Form.

Woher kommt der Kehrreim?

Der Kehrreim stammt aus dem Lied und dem Volkslied. Das Wort Refrain geht auf das altfranzösische refraindre für "wiederholen" zurück. Schon mittelalterliche Gedichtformen wie das Rondeau und das Triolett bauten auf einem festen wiederkehrenden Vers auf.

Der Kehrreim ist so alt wie das gesungene Lied selbst. Überall dort, wo Menschen gemeinsam sangen, half die immer gleiche Zeile allen, mitzumachen: Der Vorsänger trug die wechselnden Strophen vor, die Gruppe fiel beim Kehrreim ein. Diese Wurzel im Wechselgesang erklärt, warum der Kehrreim bis heute so eng mit Volkslied, Kinderlied und Ballade verbunden ist.

Aus dieser mündlichen Tradition wanderte der Kehrreim in die geschriebene Dichtung. In der mittelalterlichen Troubadour- und Trouvère-Lyrik entstanden feste Formen wie das Rondeau, in denen ein Vers regelmäßig zurückkehrt. Über solche Formen gelangte der Refrain als Kunstmittel in die europäische Lyrik und blieb dort bis heute lebendig.

Auch die moderne Musik knüpft direkt daran an. In der Popmusik ist der Refrain der tragende, oft besonders eingängige Teil eines Songs, der Abschnitt, der im Ohr bleibt. Im Rap heißt dieser wiederkehrende, meist gesungene Teil Hookline oder kurz Hook. So lebt das jahrhundertealte Prinzip des Kehrreims in jedem Ohrwurm weiter.

Kehrreim-Beispiele aus bekannten Gedichten

Ein klassisches deutsches Beispiel ist Goethes "Heidenröslein": In allen drei Strophen kehren dieselben Schlussverse wieder. Ein berühmtes englisches Beispiel ist Edgar Allan Poes "The Raven" mit dem Kehrreim "Nevermore", der die düstere Grundstimmung des Gedichts prägt.

Goethe: Heidenröslein

Johann Wolfgang von Goethe schrieb das "Heidenröslein" um 1770 in Straßburg. Das Gedicht hat drei Strophen zu je sieben Versen; die beiden letzten Verse wiederholen sich in jeder Strophe wortgleich und bilden so einen festen Endkehrreim:

Röslein, Röslein, Röslein roth, Röslein auf der Heiden. J. W. von Goethe: Heidenröslein (um 1770), wiederkehrende Schlussverse jeder Strophe. Zitiert nach Wikipedia.

Der Kehrreim gibt dem Gedicht seinen liedhaften Charakter, kein Zufall, denn das "Heidenröslein" wurde später vielfach vertont, unter anderem von Franz Schubert. Die immer gleiche Zeile am Strophenende bindet die drei Strophen zusammen und rückt das Bild des Rösleins in den Mittelpunkt.

Edgar Allan Poe: The Raven

Im erzählenden Gedicht "The Raven" von Edgar Allan Poe antwortet der Rabe auf jede Frage des Sprechers mit demselben Wort: "Nevermore". Dieser einzelne, immer wiederkehrende Ausruf wirkt wie ein Kehrreim und verdichtet die hoffnungslose, düstere Stimmung des Gedichts von Strophe zu Strophe. Das Beispiel zeigt, dass ein Kehrreim nicht immer eine ganze Zeile sein muss, auch ein prägnantes Wort kann diese Funktion übernehmen.

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Kehrreim in der Musik

Der Refrain deines Lieblingssongs ist im Grunde ein Kehrreim: der Teil, der nach jeder Strophe zurückkehrt und den du mitsingen kannst. Im Rap übernimmt die Hook dieselbe Rolle. Wenn du das im Kopf hast, erkennst du Kehrreime in Gedichten meist auf Anhieb.

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1Kehrreim, Refrain & Reim2 Lektionen
2Wirkung & Funktion im Gedicht3 Lektionen
3Arten des Kehrreims3 Lektionen
4Kehrreim in Balladen erkennen3 Lektionen
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Kehrreim im Gedicht erkennen

Um einen Kehrreim zu erkennen, markierst du zuerst die Strophen, suchst dann nach Zeilen, die mehrfach fast gleich auftauchen, bestimmst ihre Position und trennst sie vom bloßen Reim. Zum Schluss deutest du, was die Wiederholung im Gedicht bewirkt.

In der Gedichtanalyse ist der Kehrreim eines der leichter zu findenden Stilmittel, wenn du systematisch vorgehst. Diese fünf Schritte führen dich sicher zum Ziel:

  1. Strophen markieren. Lies das Gedicht und trenne die Strophen optisch. So siehst du sofort, wo Abschnitte beginnen und enden.
  2. Wiederholte Zeilen suchen. Achte auf Verszeilen, die in mehreren Strophen wortgleich oder fast gleich auftauchen. Genau diese Wiederkehr ist das Kennzeichen des Kehrreims.
  3. Position bestimmen. Steht die wiederkehrende Zeile am Anfang, in der Mitte oder am Ende der Strophe? Daraus ergibt sich die Art, also End-, Anfangs-, Binnen- oder Rahmenkehrreim.
  4. Vom Reim unterscheiden. Prüfe, ob sich wirklich ganze Zeilen wiederholen und nicht nur die Endsilben ähnlich klingen. Nur wiederkehrende Zeilen sind ein Kehrreim.
  5. Wirkung deuten. Erkläre, was die Wiederholung leistet: Betont sie eine Aussage, gliedert sie den Text oder trägt sie die Stimmung einer Ballade?
Faustregel: Wiederholt sich eine ganze Zeile an fester Stelle, ist es ein Kehrreim. Klingen nur die Versenden gleich, ist es ein Reim.

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Kehrreim, das Wichtigste

Ein Kehrreim ist eine Verszeile, die sich in einem Gedicht regelmäßig wiederholt, meist am Strophenende. Kehrreim, Refrain und Kehrvers sind Synonyme. Er gliedert und betont, prägt sich leicht ein und stammt aus dem Lied. Wichtig: Der Kehrreim wiederholt ganze Zeilen, der Reim betrifft nur den Klang der Versenden.

  • Definition: eine wiederkehrende Verszeile oder Strophengruppe, meist am Strophenende.
  • Synonyme: Kehrreim = Refrain = Kehrvers.
  • Wirkung: Gliederung, Bindung, Betonung, Stimmung, Einprägsamkeit.
  • Arten: nach Position (End-, Anfangs-, Binnen-, Rahmenkehrreim) und Variation (fest, flüssig, Kette).
  • Herkunft: aus Lied und Volkslied, feste Formen sind Rondeau und Triolett.
  • Merke: Kehrreim = ganze Zeile wiederholt, Reim = nur der Klang der Endsilben.
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Häufige Fragen zum Kehrreim

Ein Kehrreim ist eine Verszeile oder Verszeilengruppe, die sich in einem Gedicht oder Lied regelmäßig wiederholt, meist am Ende jeder Strophe. Kehrreim ist ein anderes Wort für Refrain. Er gliedert das Gedicht, betont eine Aussage und macht den Text einprägsam.

Ja. Kehrreim, Refrain und Kehrvers sind Synonyme und bezeichnen dieselbe wiederkehrende Verszeile oder Strophengruppe. Kehrreim ist die deutsche Bezeichnung, Refrain die aus dem Altfranzösischen entlehnte Form.

Beim Kehrreim wiederholt sich eine ganze Verszeile oder Strophengruppe wörtlich. Beim Reim stimmen nur die Endsilben zweier Verse im Klang überein, etwa Herz und Schmerz. Ein Reimschema beschreibt, welche Versenden sich reimen, ein Kehrreim dagegen die Wiederkehr kompletter Zeilen.

Der Kehrreim gliedert das Gedicht in klare Abschnitte, bindet die Strophen aneinander und gibt vor allem in Balladen und Liedern die Grundstimmung vor. Durch die Wiederholung wird eine zentrale Aussage betont, und der Text bleibt zusammen mit Reim und Versmaß besser im Gedächtnis.

Nach der Position unterscheidet man End-, Anfangs-, Binnen- und Rahmenkehrreim. Nach der Variation gibt es den festen Kehrreim, der immer gleich bleibt, und den flüssigen Kehrreim, der sich von Strophe zu Strophe leicht verändert. Als Spezialform gilt der Kettenkehrreim.

Ein klassisches Beispiel ist Goethes Heidenröslein. In allen drei Strophen wiederholen sich die Schlussverse: Röslein, Röslein, Röslein roth, Röslein auf der Heiden. In der Popmusik entspricht der Kehrreim dem gesungenen Refrain, im Rap der Hook.

Der Kehrreim stammt aus dem Lied und dem Volkslied. Feste Gedichtformen wie Rondeau und Triolett bauen auf einem wiederkehrenden Refrain auf. Das Wort Refrain geht auf das altfranzösische refraindre für wiederholen zurück.

Quellen

Der Artikel stützt sich auf enzyklopädische Standardquellen und den überlieferten Gedichttext:

  1. Refrain. Wikipedia. de.wikipedia.org
  2. Heidenröslein (Johann Wolfgang von Goethe). Wikipedia. de.wikipedia.org
  3. Rondeau (Gedichtform). Wikipedia. de.wikipedia.org
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