Joseph von Eichendorff

Joseph von Eichendorff ist einer der bekanntesten Dichter der Romantik des 19. Jahrhunderts. Seine Werke wurden über viertausendmal vertont und sind heute Bestandteil vieler deutscher Lehrpläne. Doch wer war Eichendorff und was kann seine Biographie über seine schriftstellerischen Intentionen verraten?

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Inhaltsangabe

    Joseph von Eichendorff Biographie

    Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien als Sohn von Adolf Theodor Rudolf Freiherr von Eichendorff und Karoline Freiin von Kloche geboren. Eichendorffs Eltern waren gesellschaftlich gut aufgestellt: Adolf agierte als Offizier im Militär und Karoline stammte aus einer katholischen Adelsfamilie.

    Oberschlesien ist heute Teil von Polen.

    Kindheit

    Im Alter von fünf Jahren bekamen Joseph und sein eineinhalb Jahre älterer Bruder Wilhelm Privatunterricht. Während der Lehreinheiten setzten sie sich vor allem mit anspruchsvoller Literatur auseinander. Im November 1800 begann Eichendorff detailreiche Tagebucheinträge zu verfassen, in denen er fortan seine Erlebnisse dokumentierte.

    In seinen Aufzeichnungen hielt Eichendorff auch seine Zeit am katholischen Matthias-Gymnasium in Breslau fest, welches er ab 1801 besuchte. In dieser Phase seines Lebens entwarf er erste Gedichte und entwickelte durch regelmäßige Theaterbesuche eine Leidenschaft für die darstellende Kunst.

    Studium

    Ab 1805 studierte Eichendorff Rechtswissenschaften in Halle (Saale). Ein Jahr später unterbrach er sein Studium und kehrte in die oberschlesische Heimat zurück. Dort gab er sich dem gesellschaftlichen Leben hin und besuchte zahlreiche Tanzbälle sowie kulturelle Veranstaltungen.

    Im Mai 1807 setzte Eichendorff sein Jurastudium in Heidelberg fort. Dort gründete er mit seinen Freunden Friedrich Strauß und Wilhelm Budde den "Eleusinischen Bund", um eigene lyrische Werke zu besprechen.

    1809 verlobte sich Eichendorff mit der siebzehnjährigen Aloysia von Larisch. Drei Jahre später, 1812, schloss er das Rechtswissenschaftsstudium in Wien ab.

    Befreiungskriege

    Im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte nahm Eichendorff von 1813 bis 1815 seine Postion in den militärischen Truppen als Leutnant ein. 1816 heiratete er Aloysia, die im selben Jahr den gemeinsamen Sohn Hermann gebar. In den darauffolgenden Jahren folgten vier weitere Kinder, von denen allerdings nur drei überlebten.

    Die Befreiungskriege dauerten von 1813 bis 1815 an und zielten darauf ab, Europa von der Vorherrschaft Frankreichs zu befreien.

    1816 widmete sich Eichendorff der Arbeit im preußischen Staatsdienst und 1824 wurde er zum Oberpräsidialrat zu Königsberg ernannt.

    Eichendorffs letzte Jahre

    Eine schwere Lungenentzündung schwächte Eichendorff seit dem Jahr 1843 enorm, sodass er sich 1844 zur Ruhe setzte. Dreizehn Jahre später erkrankte Eichendorff erneut an einer Lungenentzündung und starb infolge der Erkrankung am 26. November 1857 im Alter von neunundsechzig Jahren in der oberschlesischen Stadt Neisse.

    Joseph von Eichendorff Epoche der Romantik

    Eichendorffs Werke sind in die Epoche der Romantik einzuordnen.

    Die Romantik kann als eine gesamteuropäische geistes- und kunstgeschichtliche Epoche bezeichnet werden. Sie begann am Ende des 18. Jahrhunderts und erstreckte sich bis in die Dreißigerjahre des 19. Jahrhunderts. Deutschland bildete hierbei das Zentrum der Romantik.

    Historischer Hintergrund der Romantik

    Die romantische Epoche stand vordergründig unter dem prägenden Einfluss der Französischen Revolution von 1789 sowie deren Folgen.

    In Frankreich endete durch die Französische Revolution die Herrschaft des Adels und der kirchlichen Schicht über den restlichen, zahlenmäßig überwiegenden Teil der Bevölkerung.

    Infolge der Revolution kam es zu einer Trennung von Kirche und Staat und zu der Entstehung neuer Staatsformen.

    Selbstverständnis der Romantikerinnen und Romantiker

    Die Künstlerinnen und Künstler der Romantik vertraten die Auffassung, dass sich die Menschen von den Idealen der Weimarer Klassik abwenden sollten.

    Die Weimarer Klassik war eine der Romantik vorangegangene Literaturepoche, die auf den Zeitraum von 1786 bis 1832 datiert wird. Das Anliegen ihrer Akteurinnen und Akteure war es, die Balance zwischen Verstand und Gefühl in ihren Werken zu wahren.

    Die Romantikerinnen und Romantiker lehnten die immer rationaler und technischer werdende Welt ab. Viel mehr standen die Mythen und Rätsel im Vordergrund, derer wissenschaftlichen Erklärungen eher weniger Bedeutung zugesprochen wurde. Die Werke der Romantik dienten vor allem dazu, den politischen Turbulenzen und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Umbrüchen zu entkommen.

    Themen und Motive der Romantik

    Wichtige Themen der Romantik:

    • die Entfremdung

    • Gefühle, Liebe, Subjektivität

    • die Seele

    • die Flucht in Traum- und Fantasiewelten

    Immer wieder aufgegriffene Motive der Romantik:

    • die blaue Blume (repräsentiert Sehnsucht)
    • das Nachtmotiv (steht für die Vergänglichkeit)
    • die Reiselust (symbolisiert den Drang nach Freiheit)
    • das Spiegelmotiv (Schnittstelle zwischen Realität und Illusion)

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    Joseph von Eichendorff Wichtigste Werke

    Joseph von Eichendorff veröffentlichte zahlreiche Novellen, Erzählungen und Romane sowie Gedichte und Dramen. Im Folgenden werden Dir die wichtigsten Werke des romantischen Dichters vorgestellt.

    Eine Novelle ist ein kurzer bis mittellanger Prosatext der Gattung der Epik.

    Joseph von Eichendorff – Das Marmorbild

    Die Märchennovelle "Das Marmorbild" von Joseph von Eichendorff wurde im Jahr 1819 veröffentlicht. Die Handlung spielt im spätmittelalterlichen Italien.

    Eine Märchennovelle kombiniert Merkmale des Märchens mit denen der Novelle.

    In "Das Marmorbild" befindet sich der junge Protagonist Florio in einem Konflikt zwischen Gut und Böse. Er entdeckt auf seinen Reisen eine Marmorstatue der Göttin Venus und ist verzückt von ihr, gleichzeitig wirkt diese jedoch auch unheimlich auf ihn. Die scheinbar lebendige Venus zieht Florio zunehmend in ihren Bann. Florio droht dem Zauber der Venus zu verfallen, bis er sich schließlich durch ein Gebet besinnt, die Stadt verlässt und seine wahre Liebe in seiner ursprünglich angebeteten Bianka erkennt.

    Die Handlung von "Das Marmorbild" kann als Realitätsflucht interpretiert werden. Das Mittelalter wird im Werk als romantische, schöne Zeit verklärt und idealisiert. So kann Eichendorffs Novelle als Fluchtmöglichkeit aus der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts verstanden werden.

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    Joseph von Eichendorff – Aus dem Leben eines Taugenichts

    Joseph von Eichendorff veröffentlichte 1826 seine Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts". Die Geschichte gewährt einen Einblick in das unbeschwerte Leben des sogenannten Taugenichts.

    In der Erzählung geht es um einen als Taugenichts bezeichneten Jungen, der sich in seiner naiv-optimistischen Art in die schöne Aurelie verliebt. Diese hält er fälschlicherweise für eine Gräfin.

    Mit "Aus dem Leben eines Taugenichts" schuf Eichendorff eine Alternative zu den für die Zeit um 1820 typischen Bildungsromanen: Die Novelle enthält gleich mehrere Wendepunkte und der Taugenichts durchlebt keine charakterliche oder geistige Entwicklung, wie es in Bildungsromanen normalerweise der Fall ist.

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    Joseph von Eichendorff Gedichte

    Joseph von Eichendorff ist vor allem für seine Lyrik bekannt. Insgesamt gibt es knapp vierhundert Gedichte, die aus Eichendorffs Feder stammen.

    Hier findest Du eine kleine Auswahl der bekanntesten Gedichte Eichendorffs:

    • "In einem kühlen Grunde" (1808)
    • "Zwielicht" (1812)
    • "Die zwei Gesellen" (1818)
    • "Sehnsucht" (1834)
    • "Wünschelrute" (1835)
    • "Mondnacht" (1837)

    In den folgenden zwei Abschnitten werden "Sehnsucht" und "Mondnacht" von Eichendorff näher erläutert.

    Joseph von Eichendorff Sehnsucht

    1833 schreib Eichendorff "Sehnsucht" und fing damit den Zeitgeist der Romantik ein. Das Gedicht handelt von einem lyrischen Ich, das bei Nacht am Fenster steht und zwei vorbeiwandernde Gesellen beobachtet. Diese singen ein Lied über die schöne Natur und alte verwunschene Ruinen.

    Hier findest Du die ersten vier Verse des Gedichts:

    Es schienen so golden die Sterne,

    Am Fenster ich einsam stand

    Und hörte aus weiter Ferne

    Ein Posthorn im stillen Land.1

    Die Sehnsucht des lyrischen Ichs, nach der das Gedicht benannt wurde, bezieht sich auf das Reisen und die Natur. Es scheint allerdings so, als könne es seine Wünsche nicht erfüllen und müsse hinter dem Fenster bleiben.

    Das Gedicht hat drei Strophen mit jeweils acht Versen und ist im Kreuzreim verfasst. Ein festes Metrum gibt es nicht, dennoch ist es rhythmisch gleichmäßig. "Sehnsucht" besitzt viele Merkmale, die für die Epoche Romantik typisch sind. Dazu gehören die Wertschätzung der Natur und das Reisen sowie Sehnsucht und Einsamkeit.

    Joseph von Eichendorff – Mondnacht

    "Mondnacht" wurde im Jahr 1837 erstmals veröffentlicht und zählt zu einem der wichtigsten Werke der Spätromantik. Das Gedicht beschreibt in drei Strophen mit jeweils vier Versen die Atmosphäre einer Nacht in der Natur und die Reaktion des lyrischen Ichs auf die Eindrücke dieser Nacht.

    Die vier ersten Verse aus "Mondnacht" lauten:

    Es war, als hätt' der Himmel

    die Erde still geküsst,

    dass sie im Blütenschimmer

    von ihm nun träumen müsst'1

    Der Inhalt von "Mondnacht" kann als Sehnsucht nach dem himmlischen Paradies und der Heimat interpretiert werden. Eichendorff verfasste sein Gedicht im Kreuzreim und dreihebigen Jambus.

    Thematisch greift Eichendorff unter anderem die Seele des lyrischen Ichs auf, die sich vom physischen Körper trennt und "frei" existiert. Das Gedicht kombiniert die Seelenmotivik mit dem Mondsymbol und der Faszination für die Nacht, was typische Merkmale der Romantik sind.

    Eine tiefgehendere Zusammenfassung, Analyse und Interpretation der beiden Gedichte findest Du in den Erklärungen "Sehnsucht Eichendorff" und "Mondnacht" auf StudySmarter.

    Joseph von Eichendorff Zitate

    Aus "Aus dem Leben eines Taugenichts" (1826) von Joseph von Eichendorff:

    Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt.2

    Aus "Ahnung und Gegenwart" (1815) von Joseph von Eichendorff:

    Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt.3

    Eichendorff an seine Freunde (überliefert):

    Der Dichter ist das Herz der Welt.4

    Joseph von Eichendorff - Das Wichtigste

    • Joseph von Eichendorff – Biographie: Er wurde am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien geboren. Am 26. November 1857 starb er im Alter von neunundsechzig Jahren in Neisse an den Folgen einer Lungenentzündung.
    • Joseph von Eichendorff Leben: Von 1805 bis 1812 studierte Eichendorff Jura erst in Halle, dann in Heidelberg und später in Wien. Als Leutnant beteiligte er sich an den Befreiungskriegen gegen Napoleon bis 1815, im selben Jahr heiratete er seine Verlobte Aloysia von Larisch, mit der er fünf Kinder zeugte.
    • Joseph von Eichendorff – Epoche: Eichendorffs literarisches Schaffen ist der Romantik zuzuordnen.
    • Joseph von Eichendorff – Wichtigste Werke: "Das Marmorbild" (1819), "Aus dem Leben eines Taugenichts" (1826)
    • Joseph von Eichendorff Gedichte: "Sehnsucht" (1833) und "Mondnacht" (1837).
    • Joseph von Eichendorff Zitate: "Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt3", "Der Dichter ist das Herz der Welt4"

    Nachweise

    1. Schurf; Wagener, ed. (2009). Texte, Themen und Strukturen. Cornelsen Verlag.
    2. Joseph von Eichendorff (2012). Aus dem Leben eines Taugenichts. Reclam.
    3. deutschestextarchiv.de: Eichendorff, Joseph von: Ahnung und Gegenwart. Nürnberg, 1815. (13.10.2022)
    4. beruehmte-zitate.de: Zitate berühmter Personen. (13.10.2022)
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Joseph von Eichendorff

    Wie viele Gedichte schrieb Joseph von Eichendorff?

    Eichendorff schrieb ca. 400 Gedichte.

    Wann ist Joseph von Eichendorff gestorben?

    Joseph von Eichendorff starb am 26. November 1857.

    Warum schrieb Eichendorff "Mondnacht"?

    Eichendorff thematisiert im Gedicht "Mondnacht" die Sehnsucht nach Erlösung, die er vermutlich im christlichen Glauben gesehen hat und seiner Leserschaft näherbringen wollte.

    Wo wurde Eichendorff geboren?

    Eichendorff wurde auf Schloss Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien geboren.

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