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Merowinger das erste fränkische Königsgeschlecht

Die Merowinger im Überblick: von Merowech und Chlodwig I. über die Reichsteilungen und die Macht der Hausmeier bis zum Ende der Dynastie im Jahr 751.

SS
Autor StudySmarter Geschichte Redaktion
Erstellt 02.07.2026 · Aktualisiert 02.07.2026 · 4,7 (1.844 Stimmen)
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Geschichte · Mittelalter Aktualisiert 2. Juli 2026
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Die Merowinger im Steckbrief

Die Merowinger waren das erste fränkische Königsgeschlecht. Sie herrschten von der Mitte des 5. Jahrhunderts bis 751 über das Frankenreich, benannt nach dem halblegendären Merowech. Ihr bedeutendster König war Chlodwig I., der die Franken einte. Am Ende lösten die Karolinger sie ab.

SteckbriefMerowinger
Arterstes fränkisches Königsgeschlecht
ZeitraumMitte 5. Jahrhundert bis 751
NamensgeberMerowech (halblegendär)
Wichtigster KönigChlodwig I. (482–511)
ReichFrankenreich (Gallien, West- und Süddeutschland)
Ende751 durch die Karolinger (Pippin)
Die Merowinger auf der Zeitleiste grün = das Ende der Dynastie um 450Merowech 482–511Chlodwig I. nach 511Reichsteilungen 687Tertry, Hausmeier 751Pippin, Ende Merksatz: Aufstieg unter Chlodwig, Zerfall durch Teilungen, Ende durch die Hausmeier 751.
Zeitleiste nach Wikipedia (Merowinger, Chlodwig I.).

Herkunft: Merowech und die ersten Frankenkönige

Die Merowinger stammen von den Salfranken ab und sind nach dem halblegendären Merowech benannt, dem Großvater Chlodwigs I. Sein Sohn Childerich I. (etwa 457 bis 482) regierte als fränkischer Kleinkönig und legte als Verbündeter Roms den Grundstein für den späteren Aufstieg der Dynastie.

Am Anfang der Merowinger steht keine große Reichsgründung, sondern ein einzelner Stammesverband: die Salfranken in Nordgallien. Ihr Name geht auf Merowech zurück, eine halb sagenhafte Gestalt aus der Zeit um 450. Über ihn ist historisch kaum etwas gesichert, doch er gab dem Königsgeschlecht seinen Namen. Um seine Herkunft rankten sich später Ursprungssagen, die den Königen einen fast übernatürlichen Ursprung zuschrieben.

Fassbarer wird die Geschichte mit Childerich I., dem Vater Chlodwigs. Er herrschte etwa von 457 bis 482 und stand als Föderat im Bündnis mit dem untergehenden Weströmischen Reich. Sein Grab in Tournai wurde 1653 entdeckt und zählt zu den wichtigsten archäologischen Zeugnissen der frühen Merowinger. Childerich sicherte die Salfranken als feste Macht in Nordgallien und schuf damit die Grundlage, auf der sein Sohn ein großes Reich aufbauen konnte.

Wichtig für das Verständnis: Die Merowinger traten in die Lücke, die der Zusammenbruch des Weströmischen Reichs im 5. Jahrhundert hinterließ. Wo einst römische Statthalter regierten, übernahmen nun germanische Könige die Kontrolle über Land und Menschen, oft in enger Anlehnung an die spätrömische Verwaltung.

Warum war Chlodwig I. so entscheidend?

Chlodwig I. (Regierungszeit 482 bis 511) war der bedeutendste Merowinger. Er unterwarf die fränkischen Kleinreiche, besiegte Syagrius, die Alamannen und die Westgoten und ließ sich katholisch taufen. Damit gewann er die Unterstützung der Kirche und schuf das Fundament des Frankenreichs.

Chlodwig übernahm mit etwa 16 Jahren die Herrschaft und begann sofort, seine Macht auszudehnen. 486 oder 487 besiegte er bei Soissons den römischen Heermeister Syagrius und beendete damit die letzte römische Herrschaft in Gallien. In den folgenden Jahren unterwarf er die anderen fränkischen Kleinkönige, oft mit Gewalt und Hinterlist, und einte so die Franken unter einer Krone.

496 schlug Chlodwig die Alamannen, der Überlieferung nach bei Zülpich. Ein weiterer Höhepunkt war 507 der Sieg über die Westgoten unter Alarich II. bei Vouillé, der ihm große Teile Südwestgalliens einbrachte. 508 erkannte ihn der oströmische Kaiser Anastasius offiziell an, was seine Stellung zusätzlich festigte. Chlodwig machte Paris zu seiner Residenz.

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Die Taufe Chlodwigs

Chlodwig ließ sich in Reims durch Bischof Remigius taufen und wählte das katholische, das heißt nicaenische Christentum, nicht den unter anderen Germanenherrschern verbreiteten Arianismus. Damit teilte er den Glauben der gallo-romanischen Mehrheit und gewann Kirche und Bevölkerung als Verbündete. Das genaue Jahr der Taufe (497, 498 oder 499) ist in der Forschung bis heute umstritten.

Diese Entscheidung war klug und folgenreich zugleich: Sie sicherte Chlodwig die Loyalität der romanischen Bevölkerung und der einflussreichen Bischöfe und verband das fränkische Königtum eng mit der Kirche. Aus dieser Verbindung erwuchs eine Tradition, die das ganze Mittelalter über prägend blieb.

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Reichsteilungen und die drei Teilreiche

Nach Chlodwigs Tod 511 wurde das Reich unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Durch weitere Teilungen und Bruderkriege bildeten sich drei Teilreiche heraus: Austrasien im Osten, Neustrien im Westen und Burgund im Südosten. Diese Zersplitterung schwächte die Königsmacht dauerhaft.

Nach fränkischem Brauch galt das Reich als persönlicher Besitz des Königs, den seine Söhne wie ein Erbe unter sich aufteilten. So zerfiel das eben erst geeinte Reich nach Chlodwigs Tod 511 sofort wieder in vier Teile für seine Söhne Theuderich, Chlodomer, Childebert und Chlothar. Immer wieder wurde das Reich in den folgenden Jahrzehnten geteilt, zusammengeführt und erneut geteilt.

Aus diesem ständigen Wechsel entstanden drei stabile Blöcke: Austrasien im Nordosten mit einem starken fränkischen Adel, Neustrien im Nordwesten rund um Paris und Burgund im Südosten. Diese Teilreiche wurden zu eigenständigen Machtzentren, die miteinander um Vorrang rangen.

Zwischen den Teilreichen tobten immer wieder blutige Konflikte, die als Bruderkriege in die Geschichte eingingen. Statt gemeinsam nach außen zu wirken, kämpften die Könige gegeneinander. Jede Teilung und jeder Krieg schwächte die zentrale Königsgewalt ein Stück weiter und öffnete den mächtigen Amtsträgern des Hofes, den Hausmeiern, den Weg zur Macht.

Verwaltung und Gesellschaft im Merowingerreich

Die Merowinger übernahmen viel von der spätrömischen Verwaltung. Der König regierte mit einem Hof, Grafen verwalteten die Landbezirke, und die Kirche wurde zu einer tragenden Säule. Gesellschaftlich standen ein kleiner Adel, freie Bauern und Unfreie in einer streng geordneten Rangfolge.

Anders als oft gedacht, brach mit dem Ende Roms nicht alles zusammen. Die Merowinger nutzten weiter römische Strukturen: Sie stützten sich auf Schreiber am Hof, auf Städte als Verwaltungszentren und auf lateinische Urkunden. Das Reich war jedoch kein moderner Staat mit fester Hauptstadt, sondern der König reiste mit seinem Gefolge umher und regierte von dort, wo er sich gerade aufhielt.

Eine zentrale Rolle spielte die Kirche. Bischöfe und Klöster besaßen große Ländereien, bildeten die wenigen Schreibkundigen aus und berieten die Könige. Herrscher wie Chlothar II. und sein Sohn Dagobert I. erließen Regelungen wie das Edictum Clotharii, das Rechte des Adels und der Kirche festschrieb. So verband sich weltliche und geistliche Macht immer enger.

Die Gesellschaft war klar gegliedert: An der Spitze standen der König und ein kleiner Kriegeradel, darunter freie fränkische Bauern und schließlich Halbfreie und Unfreie. Wichtige Rechtsfragen regelte das aufgeschriebene Stammesrecht, die Lex Salica (das Salische Recht), das etwa Bußgelder für Verbrechen festlegte. Dieses Recht zeigt, wie eine germanische Gesellschaft ohne durchgehende Staatsgewalt Konflikte zu ordnen versuchte.

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5 Kapitel
1Herkunft & Steckbrief der Merowinger2 Lektionen
2Chlodwig I. & die Reichseinigung3 Lektionen
3Reichsteilungen & Teilreiche3 Lektionen
4Hausmeier & Machtverfall3 Lektionen
5Klausurtraining Frühmittelalter4 Lektionen
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Wie kam die Macht zu den Hausmeiern?

Der Hausmeier (maior domus) war ursprünglich der oberste Verwalter am Königshof, zuständig für Haushalt und Güter. Weil die späten Merowinger als machtlose Schattenkönige (rois fainéants) galten, zogen die Hausmeier die tatsächliche Macht an sich, allen voran die Familie der späteren Karolinger.

Je schwächer die Königsmacht durch die Teilungen wurde, desto wichtiger wurden die Amtsträger, die das Reich im Alltag verwalteten. Der bedeutendste war der Hausmeier. Anfangs kümmerte er sich nur um den königlichen Haushalt und die Güter, doch bald kontrollierte er auch die Finanzen und schließlich das Heer. Wer Hausmeier war, hatte die eigentliche Macht in der Hand.

Die letzten Merowingerkönige waren zwar noch Könige dem Titel nach, hatten aber kaum noch Einfluss. Man nannte sie deshalb Schattenkönige, im Französischen rois fainéants, die "nichtstuenden Könige". Sie saßen zwar auf dem Thron, doch entschieden andere.

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Die Schlacht bei Tertry 687

Mit dem Sieg bei Tertry 687 sicherte sich die Familie der Pippiniden, aus der später die Karolinger hervorgingen, die Vormacht im ganzen Frankenreich. Von da an war das Hausmeieramt praktisch fest in ihrer Hand. Die Könige regierten nur noch dem Namen nach, während die Hausmeier die Entscheidungen trafen.

Ein berühmter Hausmeier war Karl Martell, der 732 in der Schlacht bei Tours und Poitiers ein arabisches Heer zurückschlug. Solche militärischen Erfolge machten die Hausmeier noch mächtiger und angesehener als die Könige, in deren Namen sie eigentlich handelten. Der Weg zur eigenen Königskrone war damit vorgezeichnet.

Das Ende 751: Der Aufstieg der Karolinger

Die Merowingerherrschaft endete 751. Der Hausmeier Pippin der Jüngere setzte den letzten Merowinger Childerich III. ab, schickte ihn ins Kloster und ließ sich mit Zustimmung des Papstes und der fränkischen Großen selbst zum König erheben. Damit begann die Dynastie der Karolinger.

Am Ende zog Pippin die letzte Konsequenz aus einer Entwicklung, die sich über Jahrzehnte angebahnt hatte: Er wollte nicht länger im Namen eines machtlosen Königs regieren, sondern selbst König sein. 751 setzte er den letzten Merowinger, Childerich III., ab und ließ ihn in ein Kloster bringen. Anschließend erhob man Pippin selbst zum König der Franken.

Entscheidend war, dass er sich diesen Schritt absichern ließ. Die fränkischen Großen stimmten zu, und auch der Papst billigte den Herrscherwechsel. Damit erhielt Pippins Königtum eine besondere religiöse Weihe, die die neue Dynastie legitimierte und das enge Bündnis zwischen den Frankenkönigen und dem Papsttum begründete.

So endete nach rund drei Jahrhunderten die Herrschaft der Merowinger. Ihr Erbe, das geeinte Frankenreich, übernahmen die Karolinger, die es unter Pippins Sohn Karl dem Großen zu seiner größten Ausdehnung führten. Die Merowinger hatten den Grundstein gelegt, auf dem die Karolinger weiterbauten.

Merowinger oder Karolinger?

Merowinger und Karolinger werden oft verwechselt, weil beide über das Frankenreich herrschten. Die Merowinger waren die erste Dynastie (bis 751), die Karolinger die zweite (ab 751). Die Karolinger stiegen als Hausmeier der Merowinger auf und übernahmen dann selbst die Krone.

Diese Verwechslung ist die häufigste Falle bei diesem Thema, deshalb lohnt sich ein klarer Vergleich. Beide Familien regierten dasselbe Reich, aber nacheinander und mit ganz unterschiedlicher Ausgangslage.

MerkmalMerowingerKarolinger
Rolleerste Frankendynastiezweite Frankendynastie
Zeitraumca. 450 bis 751ab 751
Berühmter HerrscherChlodwig I.Karl der Große
Aufstiegaus den Salfrankenaus dem Hausmeieramt
Übergang751 setzt Pippin Childerich III. ab und wird König

Als Faustregel gilt: Merowinger stehen am Anfang, Karolinger folgen. Und der Scharnierpunkt zwischen beiden ist das Jahr 751 mit Pippin. Wer sich diese Reihenfolge und das Datum merkt, verwechselt die beiden Dynastien in der Klausur nicht mehr.

Karteikarten zu den Merowingern

Sechs Karteikarten zu den wichtigsten Fakten über die Merowinger, von Chlodwig über die Teilreiche bis zum Ende 751, ideal zur schnellen Wiederholung. Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen, und navigiere mit den Pfeilen durch das Set.

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Merowinger, das Wichtigste

Die Merowinger waren die erste fränkische Königsdynastie (ca. 450 bis 751). Chlodwig I. einte die Franken und wurde katholisch. Reichsteilungen schwächten die Könige, sodass die Hausmeier die Macht übernahmen. 751 setzte Pippin den letzten Merowinger ab und begründete die Karolinger.

  • Dynastie: erstes fränkisches Königsgeschlecht, benannt nach Merowech.
  • Chlodwig I. (482–511): Reichseinigung und katholische Taufe.
  • Teilreiche: Austrasien, Neustrien und Burgund durch Reichsteilungen.
  • Verwaltung: spätrömische Strukturen, starke Rolle der Kirche, Lex Salica.
  • Machtverfall: Schattenkönige, während die Hausmeier regieren.
  • Ende 751: Pippin setzt Childerich III. ab, die Karolinger übernehmen.
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Häufige Fragen zu den Merowingern

Die Merowinger waren das erste fränkische Königsgeschlecht. Sie herrschten von der Mitte des 5. Jahrhunderts bis 751 über das Frankenreich und wurden dann von den Karolingern abgelöst. Namensgeber ist der halblegendäre Merowech.

Der bedeutendste Merowinger war Chlodwig I. (Regierungszeit 482 bis 511). Er einte die fränkischen Kleinreiche, eroberte große Teile Galliens und ließ sich als katholischer Christ taufen. Damit legte er das Fundament des Frankenreichs.

Chlodwig ließ sich in Reims katholisch taufen und wählte damit denselben Glauben wie die gallo-romanische Mehrheit seines Reichs. Das ersparte ihm Konflikte, brachte die Unterstützung der Kirche und stärkte seine Herrschaft. Das genaue Jahr der Taufe ist in der Forschung umstritten.

Als Schattenkönige (rois fainéants) bezeichnet man die späten, machtlosen Merowingerkönige. Die eigentliche Macht lag beim Hausmeier (maior domus), dem obersten Amtsträger am Königshof, der Haushalt, Güter und schließlich auch das Heer kontrollierte.

Durch die ständigen Reichsteilungen und Bruderkriege bildeten sich drei Teilreiche heraus: Austrasien im Osten, Neustrien im Westen und Burgund im Südosten. Diese Teilung schwächte die Königsmacht dauerhaft.

Die Merowingerherrschaft endete 751. Der Hausmeier Pippin der Jüngere setzte den letzten Merowinger Childerich III. ab, schickte ihn ins Kloster und ließ sich selbst zum König erheben. Damit begann die Herrschaft der Karolinger.

Die Merowinger waren das erste fränkische Königsgeschlecht (5. Jahrhundert bis 751), die Karolinger das zweite (ab 751). Die Karolinger stiegen als Hausmeier der Merowinger auf und übernahmen 751 selbst den Königstitel. Beide herrschten über das Frankenreich, aber nacheinander.

Quellen

Dieser Überblick stützt sich auf enzyklopädische Standardwerke und ein öffentlich-rechtliches Wissensportal:

  1. Merowinger. Wikipedia. de.wikipedia.org
  2. Chlodwig I. Wikipedia. de.wikipedia.org
  3. Planet Wissen (WDR/SWR): Karl der Große und der Aufstieg der Karolinger. planet-wissen.de
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