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Freie Marktwirtschaft

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Freie Marktwirtschaft

Der Markt regelt sich selbst. - Ursprung unbekannt

Diesen Satz hast Du vermutlich schon oft gehört. Er fasst das zusammen, was heute unter freier Marktwirtschaft verstanden wird. In diesem Artikel erfährst Du, wie die freie Marktwirtschaft definiert wird, welche Merkmale dieses Wirtschaftssystem hat und wo es in der Praxis zu finden ist.

Freie Marktwirtschaft Definition

Im System der freien Marktwirtschaft wird der Markt allein durch den Preismechanismus reguliert. Das bedeutet, dass Angebot und Nachfrage bestimmen, welche Waren und Dienstleistungen zu welchem Preis angeboten werden. Der Staat greift nicht in den wirtschaftlichen Prozess ein.

Die freie Marktwirtschaft ist eine Wirtschaftsordnung, die auf den Ideen des klassischen Liberalismus beruht. Ein Staat, der dieses Wirtschaftssystem zulässt, gewährt seinen Bürger*innen absolute Selbstverantwortung und eine volle wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit.

Wenn Du mehr zum Liberalismus erfahren möchtest, lies Dir gerne den entsprechenden Artikel dazu durch.

Das Ziel ist ein stabiler, sich selbstregulierender und staatsunabhängiger Markt. In der Vorstellung der freien Marktwirtschaft sind alle Wirtschaftssubjekte vernunftgeleitet. Das bedeutet, ihre individuellen und dezentralen Entscheidungen sorgen automatisch auch für eine optimale Verteilung von Ressourcen und Gütern innerhalb einer Volkswirtschaft. Eine aktive Wirtschaftspolitik wird nicht benötigt.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist in den ländlichen Regionen weniger stark ausgebaut als in großen Städten. Auf dem Land sind nahezu alle Arbeitnehmer*innen auf ein Auto angewiesen. Deshalb werden sich Automobilkonzerne für den Verkauf mehr Autohäuser in ländlichen Regionen als in Großstädten suchen. Das Angebot Auto ist folglich dort am höchsten, wo auch die Nachfrage am größten ist.

Das Gegenteil der freien Marktwirtschaft ist die Planwirtschaft. Dabei gibt nur der Staat vor, was zu welchem Preis und in welcher Menge angeboten wird.

Eine Planwirtschaft stellt eine Wirtschaftsordnung dar, in welcher die gesamte Volkswirtschaft von zentraler Stelle gelenkt wird. Staatliche Behörden entscheiden über die Verteilung von Rohstoffen und Arbeitskraft, die zu produzierenden Stückzahlen und die Preise für alle Endprodukte und Dienstleistungen. Die Planwirtschaft wird auch als Zentralverwaltungswirtschaft bezeichnet.

Diese Art der zentralen Wirtschaftsplanung war insbesondere in kommunistischen Staaten (Sozialismus) sehr verbreitet. Vor der Wiedervereinigung 1990 war die Planwirtschaft auch in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) die umgesetzte Wirtschaftsordnung.

Mehr zu dieser Wirtschaftsordnung erfährst Du im Artikel zur Planwirtschaft. Klick gerne einmal rein.

Der Vater der freien Marktwirtschaft: Adam Smith und die "unsichtbare Hand"

Doch bevor Du mehr über die Merkmale der freien Marktwirtschaft lernst, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Wann entstand die Grundidee dieser Wirtschaftsordnung und wer waren ihre Begründer?

Die Idee eines freien Marktes entstand in England im 18. Jahrhundert. Hintergrund war die Englische Revolution (Glorious Revolution). Die Revolutionäre wollten weg vom monarchischen Absolutismus und hin zu einer Gesellschaft, in der Freiheitsrechte des Individuums und soziale Gerechtigkeit ihren Platz fanden. In dieser Zeit entstand der politische Liberalismus.

Im Absolutismus war die vorherrschende Wirtschaftsordnung der Merkantilismus. So sollte der Wohlstand der Herrschenden durch die Steigerung der nationalen Wirtschaftskraft gesichert werden. Schutzzölle beschränkten den Import aus dem Ausland und niedrige Löhne senkten die Produktionskosten im Inland.

Auch die Industrialisierung ebnete den Weg hin zu einer liberalen Marktwirtschaft. Die maschinelle Produktion ermöglichte es, immer mehr Waren in kürzerer Zeit herzustellen. Dabei stellte sich die Frage, wie dies möglichst effizient geschehen kann.

An dieser Stelle kommt Adam Smith ins Spiel. In seinem Werk "Der Wohlstand der Nationen" sieht er den freien Markt als Grundlage für eine effektive und produktive Arbeitsteilung, in der jede*r Arbeiter*in nach seinen besonderen Fähigkeiten eingesetzt werden kann. Die Berufswahl des Individuums sollte also nicht mehr von der Herkunft allein abhängen, sondern auch von persönlichen Talenten. Damit gilt der schottische Philosoph heute als geistiger Vater der Marktwirtschaft.

Für ihn sind die Kerngedanken der Wirtschaft das Leistungsprinzip und die sogenannte "unsichtbare Hand". Die Idee dahinter: Wenn jeder einzelne nach seinem individuellen Vorteil strebt und dabei seine Talente einsetzt, profitiert auch die Gesamtbevölkerung davon.

Ein Bäcker produziert seine Backwaren in erster Linie, um damit Gewinne zu erzielen. Von diesem an sich egoistischen Ziel haben aber auch alle anderen einen Vorteil. Sie bekommen etwas zu essen, das im Idealfall satt macht und schmeckt.

In Smiths Modell nimmt der Staat nur eine untergeordnete Rolle mit minimalen Funktionen ein. Der sogenannte Nachtwächterstaat muss lediglich dafür sorgen, dass sich das Individuum, also die "unsichtbare Hand" frei entfalten kann.

Im Nachtwächterstaat agiert die Regierung nach dem Laissez-faire-Prinzip. Das bedeutet, dass keine aktive Wirtschaftspolitik betrieben wird und der Staat lediglich Rahmenbedingungen, wie den Schutz des Privateigentums, gewährleistet.

Der Begriff des Nachtwächterstaats wurde von Ferdinand Lassalle (1825-1864) geprägt. Er war der Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins.

Adam Smith ist zwar der bekannteste Vertreter der freien Marktwirtschaft, jedoch nicht der einzige. Folgende Männer gelten ebenfalls als Hauptvertreter dieses liberalen Wirtschaftssystems und sollten Dir deshalb bekannt sein:

  • John Locke: gilt als Vater des Liberalismus
  • David Ricardo: übertrug Smiths Ansichten zur Arbeitsteilung auf die internationalen Wirtschaftsbeziehungen (Theorie der komparativen Kostenvorteile)
  • Friedrich Hayek: konkretisierte Smiths Modell der "unsichtbaren Hand"
  • Ludwig von Mises: Hauptvertreter der Nationalökonomie in Österreich, Gründer des "Österreichischen Instituts für Konjunkturforschung" (zusammen mit Hayek)
  • Jean-Baptiste Say: Begründer des Say'schen Theorems als Grundlage der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik

Merkmale der freien Marktwirtschaft

Du hast bisher gelernt, wie sich die freie Marktwirtschaft definiert und wie die Idee entstanden ist. Im Folgenden erfährst Du mehr über die wesentlichen Merkmale einer liberalen Wirtschaftsordnung.

Alle Merkmale lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • dezentrales Wirtschaftssystem
  • wirtschaftliche Funktionen des Preises
  • minimale Rolle des Staates

Die freie Marktwirtschaft ist ein rein theoretisches Konstrukt. Das heißt, keine Volkswirtschaft wird jemals alle Merkmale erfüllen können.

Welche Ausprägungen der Marktwirtschaft es in der Praxis gibt und wie sich diese von der reinen liberalen Marktwirtschaft unterscheiden, erfährst Du im Abschnitt "Die freie Marktwirtschaft in der Praxis".

Dezentrales Wirtschaftssystem

Der Markt wird in dieser Wirtschaftsordnung dezentral gesteuert. Das heißt, dass nur die einzelnen Akteure Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen nehmen, nicht aber der Staat (s. Abbildung 1).

Freie Marktwirtschaft Marktregulierung in der freien Marktwirtschaft Freie Marktwirtschaft Definition StudySmarterAbbildung 1: Marktregulierung in der freien MarktwirtschaftQuelle: Bundeszentrale für politische Bildung

In der freien Marktwirtschaft gehört der Staat nicht zu den Wirtschaftssubjekten, sondern schafft lediglich gewisse Rahmenbedingungen. Wirtschaftssubjekte sind nur private Unternehmen und Haushalte. Sie allein können Angebot und Nachfrage, und damit schlussendlich die Preisbildung, beeinflussen.

Das Unternehmen SmartSolutions entwickelt Datenbrillen, die sich optisch kaum von handelsüblichen Lesebrillen unterscheiden, mit denen aber die virtuelle Kommunikation so realistisch wie ein Gespräch im selben Raum erscheint. Gesteuert werden die Brillen über Spracherkennung. Damit sind sie in der Handhabung noch einfacher als ein Smartphone.

Die Menschen sind nach anfänglicher Skepsis begeistert von dieser neuen Technologie. Die Nachfrage übersteigt das Produktionspotential von SmartSolutions und damit das Angebot. In der Folge steigt der Preis für die Brillen um 50 % und weitere Unternehmen treiben ihre Entwicklung in diesem Bereich voran.

Am Ende gibt es mehr Angebot und mehr Wettbewerb auf dem Markt der Datenbrillen. Der Preis sinkt und mehr Menschen können sich eine dieser innovativen Brillen leisten.

Zusammengefasst lassen sich folgende Merkmale der freien Marktwirtschaft erkennen, die dem dezentralen Wirtschaftssystem geschuldet sind:

  • Offene Märkte: Jeder kann kaufen, was er möchte, und anbieten, was er möchte.
  • Produktionsmittel und Produktionsstätten im Privateigentum: Die Entscheidungsmacht über Prozesse und Investitionen liegt allein beim Unternehmen.
  • Preisbildung durch Angebot und Nachfrage: Es gibt keine staatlich verordneten Zölle oder Steuern, die die Höhe des Preises beeinflussen.
  • Erzielung von Einkommen nur durch Gewinne privater Unternehmen
  • Freie Berufswahl: Es gibt keine staatliche Regulierung für Berufszulassungsvoraussetzungen oder Berufsverbote.
  • Individuelle Freiheitsrechte: Vertragsfreiheit, Gewerbefreiheit, Konsumfreiheit, Investitionsfreiheit

Wirtschaftliche Funktionen des Preises in der freien Marktwirtschaft

Wie Du im Beispiel mit den Datenbrillen sehen konntest, ist der Preis ein wichtiger Faktor auf dem freien Markt. Aufgrund seiner entscheidenden Rolle werden ihm verschiedene Funktionen innerhalb der freien Marktwirtschaft zugeschrieben. Die Preisfunktionen sind drei weitere Merkmale der hier beschriebenen Wirtschaftsordnung.

  • Lenkungsfunktion
  • Informationsfunktion
  • Sanktionsfunktion

Lenkungsfunktion bedeutet, dass der Preis Angebot und Nachfrage beeinflusst. Umgekehrt nehmen auch Angebot und Nachfrage Einfluss auf den Preis.

Ein Metzger ist bekannt dafür, die beste Bratwurst der Stadt zu machen. Die Leute kommen von überall her, um sie zu kaufen. Eines Tages kommt der Metzger auf die Idee, den Preis pro Kilogramm zu verdoppeln, weil die Nachfrage so rasant gestiegen ist.

Als sich an der hohen Nachfrage weiterhin nichts ändert, erhöht er erneut um 50 %. Daraufhin sind die meisten Menschen aber nicht mehr bereit, weite Strecken zurückzulegen, nur um eine überteuerte Wurst zu kaufen. In der Folge sorgt der Preis für einen Rückgang der Nachfrage und für Umsatzeinbußen.

Der Preis lenkt aber nicht nur Angebot und Nachfrage, er gibt auch Aufschluss darüber, wie viel eine Ware oder eine Dienstleistung wert sind. In diesem Fall erfüllt er eine Informationsfunktion.

Schließlich erfüllt der Marktpreis auch eine Sanktionsfunktion. Zu hohe Preise bei geringer Zahlungsbereitschaft der Konsument*innen verringern den Umsatz des Unternehmers, wie auch der Metzger im obigen Beispiel erfahren musste.

Minimale Rolle des Staates in der freien Marktwirtschaft

Du hast erfahren, dass sich der Staat im reinen Wirtschaftsliberalismus nicht in die wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmer*innen und Konsument*innen einmischt und deshalb als Nachtwächterstaat bezeichnet wird. Dennoch ist der Staat auch im freien Markt nicht überflüssig.

Damit das hier beschriebene Wirtschaftssystem funktionieren kann, muss der Staat einen liberalen Rahmen schaffen. Diese minimale Rolle des Staates ist ein weiteres Merkmal der freien Marktwirtschaft.

Da das Privateigentum an den Produktionsgütern, anders als in der Planwirtschaft, für die freie Marktwirtschaft kennzeichnend ist, muss dieses auch vor unbefugten Zugriffen Dritter geschützt werden. Diesen Schutz muss der Staat in einer liberalen Wirtschaftsordnung gewährleisten.

Auch die individuellen Freiheitsrechte müssen gesetzlich garantiert sein. Andernfalls könnte hier der Staat einschränkend agieren und so die Grundlage des freien Marktes zerstören. Für den Schutz von Privateigentum und individuellen Freiheitsrechten muss der Staat folglich ein funktionierendes Rechtssystem etablieren.

Der Staat möchte die Automobilindustrie verstaatlichen. Das bedeutet, dass sämtliche Automobilkonzerne in das Eigentum des Staates übergehen müssen. In einer freien Marktwirtschaft gibt es aber Gesetze, die eine derartige Enteignung verbieten. Die betroffenen Unternehmen können also gegen diese Entscheidung gerichtlich klagen.

Wenn sich Unternehmen an einem Ort ansiedeln möchten, muss eine entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Die Aufgabe des Staates besteht darin, den Bau dieser Infrastruktur voranzubringen.

Eine Spedition möchte sich im Heimatort des Geschäftsführers ansiedeln. Dort gibt es aber kein ausgewiesenes Industriegebiet, sodass dort keine Spedition gebaut werden darf. Die Gemeinde ist hier in der Pflicht, einen entsprechenden Bebauungsplan zu erlassen, der neben reinen Wohngebieten auch Gewerbegebiete vorsieht.

Einem Unternehmen ist bei der Standortwahl auch wichtig, dass es in der näheren Umgebung keine Kriminalität gibt. Der Staat muss hier in Form von Polizei oder Ordnungsamt für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Eine Marktwirtschaft lebt vom Handel. Wer Handel treiben möchte, benötigt aber ein sicheres Zahlungsmittel. Hier liegt die Aufgabe des Staates darin, eine einheitliche und stabile Geldwährung zur Verfügung zu stellen.

Du siehst, ganz ohne staatliche Aktivität funktioniert auch ein liberaler Markt nicht. Hier bekommst Du noch einmal eine zusammenfassende Übersicht über die Aufgaben des Staates in der freien Marktwirtschaft:

  • funktionierendes Rechtssystem implementieren
  • Infrastruktur ausbauen
  • Sicherheit und Ordnung schaffen
  • sichere Zahlungsmittel zur Verfügung stellen

Regelungen, die die Wirtschaftsprozesse selbst betreffen, darf der Staat dagegen nicht treffen.

Die Mehrwertsteuer, wie sie in Deutschland auf sämtliche Waren und Dienstleistungen erhoben wird, wäre in einer freien Marktwirtschaft nicht möglich. Dadurch würde nämlich der Preis vom Staat beeinflusst und nicht rein von Angebot und Nachfrage.

Vorteile und Nachteile eines liberalen Marktes

Wie so vieles hat auch das Modell der freien Marktwirtschaft Vorteile und Nachteile. Einerseits führt der anhaltende Wettbewerb auf einem freien Markt dazu, dass Unternehmen ein starkes Interesse an Innovationen und Fortschritt haben. Da alles im Privateigentum der Unternehmer*innen steht, werden diese immer möglichst effizient damit umgehen. Dies führt letztlich dazu, dass die gesamte Volkswirtschaft in Form eines zunehmenden Gesamtvermögens davon profitiert.

Außerdem geht das Modell der freien Marktwirtschaft davon aus, dass die individuellen Freiheitsrechte die Zufriedenheit der Bevölkerung steigert. Dadurch wird am Ende auch die Produktivität gesteigert, weil jede*r frei entscheiden kann, was er oder sie arbeiten möchte.

Andererseits kann es in der freien Marktwirtschaft zu sozialen Ungleichheiten kommen. Denn wer mehr leisten kann, verdient mehr. Alte, kranke und körperlich eingeschränkte Personen können dem Leistungsprinzip nur bedingt nachkommen und sind von Armut bedroht.

Auch die Monopolbildung ist eine Gefahr einer liberalen Marktwirtschaft. Überdies können öffentliche Güter vernachlässigt werden, da sie für Unternehmen nicht rentabel sind.

Die Verteidigung eines Landes kostet in erster Linie viel Geld und bringt keine Gewinne. Ein Unternehmen sieht folglich keinen Nutzen darin, diesen Bereich mit seiner unternehmerischen Tätigkeit abzudecken.

Die folgende Tabelle gibt Dir noch einmal einen Überblick über die wichtigsten Vorteile und Nachteile, die eine freie Marktwirtschaft mit sich bringt:

Vorteile
Nachteile
  • Gewinnanreize fördern Innovationen und wirtschaftliches Handeln der Unternehmer
  • Durch die wirtschaftliche Effizienz jedes Einzelnen erhöht sich das Gesamtvermögen des Landes
  • Dynamischer Wettbewerb bringt Fortschritt
  • Vielfältiges Warenangebot
  • Freie Entfaltung der Persönlichkeit
  • Freie Arbeitsplatzwahl
  • Privateigentum
  • Wettbewerb ohne staatliche Regulierung kann zu Monopolen und Wettbewerbsbeschränkungen führen
  • Starken Konjunkturschwankungen kann nicht oder nur mit hohem Aufwand entgegengewirkt werden
  • Zu geringe Bereitstellung öffentlicher Güter durch den Staat (Straßenbeleuchtung, Landesverteidigung)
  • Fehlende soziale und arbeitsrechtliche Absicherungen (Arbeitslosengeld, Mindestlohn)
  • Dynamischer Wettbewerb führt zu hohen Einkommensunterschieden und hoher Arbeitslosigkeit

Die freie Marktwirtschaft in der Praxis

Praktisch gibt es die hier beschriebene liberale Wirtschaftsform nicht in ihrer Reinform. Gerade die sozialen Nachteile (fehlende soziale Absicherung bei Krankheit oder Erwerbslosigkeit) können nur durch staatliche Eingriffe ausgeglichen werden. Dadurch entstanden in vielen Ländern Systeme, die zwar an die freie Marktwirtschaft angelehnt sind, bei denen der Staat aber bis zu einem gewissen Grad regulierend eingreifen kann.

Freie Marktwirtschaft Formen der Marktwirtschaft Unterschied freie und soziale Marktwirtschaft StudySmarterAbbildung 2: Formen der Marktwirtschaft

Dennoch sollten auch bei den praktisch relevanten Arten der Marktwirtschaft die Vorteile des freien Marktes nicht verloren gehen. Im Folgenden erfährst Du, welche Länder als freie Marktwirtschaften gesehen werden können. Zudem lernst Du, welche Formen der Marktwirtschaft es gibt und wie sie sich von der liberalen Marktwirtschaft unterscheiden.

Aber Vorsicht, falls Dir einmal der Begriff der sozialistischen Marktwirtschaft begegnet. Anders als der Name vermuten lässt, ist dies keine Form der Marktwirtschaft, sondern eine Art der Planwirtschaft.

Im Fokus der sozialistischen Marktwirtschaft steht das Gemeinwohl. Individuelle Bedürfnisse sind lediglich nachrangig. Produktionsfaktoren sind Staatseigentum und der Staat entscheidet weitestgehend, welche Produkte auf den Markt kommen.

Anders als in der reinen Planwirtschaft gibt es zwischen den Unternehmen aber einen Wettbewerb und der Staat gibt ihnen gewisse Entscheidungsbefugnisse. Das Ziel ist ein Markt mit optimaler Abdeckung des Bedarfs innerhalb der Volkswirtschaft.

Diese Form der Planwirtschaft gibt es in China und Vietnam. Diese Länder werden im Ranking der Heritage Foundation als "mostly unfree" (Vietnam) und "repressed" (China) geführt.

Länder mit liberalem Wirtschaftssystem

Formen der freien Marktwirtschaft findest Du vorwiegend in westlichen oder westlich geprägten Ländern mit demokratischer Staatsform. Die zugrundeliegende Gesellschaftsordnung ist der Kapitalismus.

Die Heritage Foundation berechnet mit ihrem "index of economic freedom", wie nah die einzelnen Länder mit ihrem Wirtschaftssystem an das Ideal des freien Marktes herankommen.

Im Jahr 2022 werden bei der Foundation diese fünf Länder als freie Marktwirtschaften geführt:

  1. Singapur (84,4/100)
  2. Schweiz (84,2/100)
  3. Irland (82,0/100)
  4. Neuseeland (80,6/100)
  5. Luxemburg (80,6/100)
  6. Taiwan (80,1/100)
  7. Estland (80,0/100)

Diese Länder werden oft auch als neoliberale Marktwirtschaften bezeichnet. Da diese Wirtschaftsordnung früher insbesondere in den Vereinigten Staaten geprägt wurde, wird sie gelegentlich als "amerikanisches Modell" bezeichnet.

Deutschland liegt mit einem Score von 76,1/100 auf Rang 16 und zählt damit zur Kategorie "mostly free".

Bei diesem Index werden folgende Kriterien berücksichtigt:

  • Verfügungsrechte des Einzelnen
  • Ausmaß staatlicher Regulierung des Marktes
  • Staatliche Korruption
  • Handelshemmnisse
  • Rechtsstaatsprinzip
  • Einkommens- und Körperschaftssteuer

Soziale Marktwirtschaft

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich in der Nachkriegszeit für die Form der sozialen Marktwirtschaft entschieden. Die Grundprinzipien sind im Wesentlichen dieselben wie bei der freien Marktwirtschaft. Die Produktionsfaktoren sind im Privateigentum der Unternehmen, die Märkte sind weitestgehend offen, es gibt individuelle Freiheitsrechte und der Preismechanismus aus Angebot und Nachfrage funktioniert auch hier.

Mehr zur historischen Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft findest Du auch im Bereich Geschichte im Artikel "Soziale Marktwirtschaft".

Unterschied zwischen freier und sozialer Marktwirtschaft

Doch es gibt auch Unterschiede. Die oben angeführten Nachteile werden hier durch soziale Elemente ausgeglichen. Außerdem kann der Staat eingreifen, wenn die Gefahr einer Monopolbildung besteht oder zu starke Konjunkturschwankungen drohen.

Freie Marktwirtschaft Marktregulierung in der sozialen Marktwirtschaft Unterschied freie und soziale Marktwirtschaft StudySmarterAbbildung 3: Die soziale MarktwirtschaftQuelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Anders als bei der freien Marktwirtschaft tritt der Staat in einer sozial-liberalen Wirtschaftsordnung auch als Wirtschaftssubjekt auf (siehe Abbildung 2). Er greift folglich nicht nur im Wege einer regulierenden Wirtschaftspolitik in den Markt ein, sondern beeinflusst auch durch eigenes Marktverhalten Angebot und Nachfrage.

Eine Stadt betreibt ein Stromkraftwerk und ist damit Grundversorger. In diesem Fall tritt der Staat als Anbieter auf, der frei über seine Preise entscheiden kann.

Das Landratsamt eines Landkreises bekommt neue Büros und benötigt hierfür Schränke, Schreibtische und Stühle. Hier ist der Staat Konsument, der bei jeder Kaufentscheidung für oder gegen einen Anbieter die Preise beeinflusst.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen sozialer und freier Marktwirtschaft sind demnach:

Merkmal
Soziale Marktwirtschaft
Freie Marktwirtschaft
offener MarktJaJa
Preisbildung allein durch Angebot und NachfrageNeinJa
individuelle FreiheitsrechteJaJa
Privateigentum an ProduktionsmittelnJaJa
Steuern und ZölleJaNein
soziale AbsicherungJa. In Deutschland in Form von Arbeitslosenversicherung, Mindestlohn und Krankenversicherung.Nein. Hier gilt das Leistungsprinzip: nur wer Leistung für die Gesellschaft erbringen kann, wird entlohnt.
Maßnahmen gegen MonopolbildungJa. In Deutschland durch das BundeskartellamtNein
Freie BerufswahlBedingt. Grundsätzlich darf jeder den Beruf erlernen, den er möchte. Allerdings gibt es Zugangsbeschränkungen. Eine Ausbildung kann nur machen, wer einen Schulabschluss hat. Für ein Studium wird das Abitur und gegebenenfalls ein bestimmter Notendurchschnitt verlangt.Ja
Staat als WirtschaftssubjektJaNein

Das Ziel der sozialen Marktwirtschaft war und ist es, ein gesellschaftliches Chaos aufgrund sozialer Ungerechtigkeiten zu verhindern. Sämtliche Handlungen sollen schlussendlich auch dem Allgemeinwohl dienen.

In Deutschland schützt Artikel 14 des Grundgesetzes das Privateigentum. Allerdings schreibt diese Norm auch vor, dass Eigentum verpflichtet und der Gebrauch des Eigentums immer auch dem Wohl der Allgemeinheit dienen soll. Im Extremfall wäre sogar eine Enteignung zum Wohlergehen der Gesellschaft zulässig.

Kritik an der sozialen Marktwirtschaft

Anders als in der Anfangszeit gedacht, rückt der Leistungsgedanke der Marktwirtschaft in der sozialen Form immer weiter in den Hintergrund. Kritiker*innen bemängeln immer wieder, dass die soziale Marktwirtschaft einen Wohlfahrtsstaat schafft, in dem das Subsidiaritätsprinzip immer weniger zum Einsatz kommt.

Der Wohlfahrtstaat bezeichnet einen modernen Staat, der sämtliche Risiken der Gesellschaft durch Vorsorgeeinrichtungen und umfangreiche sozialpolitische Maßnahmen absichern möchte. Er kümmert sich damit vollumfänglich um das Wohlergehen seiner Bürger*innen.

Das Subsidiaritätsprinzip besagt dagegen, dass der Staat erst dann absichernd und unterstützend tätig werden darf, wenn der betroffenen Person nicht anderweitig geholfen werden kann. Greift das Subsidiaritätsprinzip, liegt ein Sozialstaat vor, wie er in der sozialen Marktwirtschaft vorgesehen ist.

Gegner der sozialen Marktwirtschaft sehen zunehmend eine Verschiebung von der Leistungsgerechtigkeit hin zu einer Verteilungsgerechtigkeit. Damit verbunden ist die Gefahr, dass die einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft nicht mehr versuchen, sich primär selbst zu helfen, sondern sich primär auf die Unterstützung des Staates verlassen.

In Deutschland wird Sozialhilfe erst dann bezahlt, wenn kein Arbeitslosengeld mehr bezahlt wird und der Antragsteller kein nennenswertes Vermögen aufbringen kann, mit dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, bis er eine neue Arbeitsstelle gefunden hat.

In einem Wohlfahrtsstaat würde er dagegen sofort staatliche Hilfen erhalten.

Weitere Wirtschaftssysteme mit liberalen Elementen

Neben der sozialen Marktwirtschaft gibt es noch zwei weitere Wirtschaftsordnungen, die auf die liberalen Vorstellungen Adam Smiths zurückgreifen und die Du kennen solltest. Die nachfolgende Tabelle gibt Dir einen groben Überblick darüber.

Wirtschaftssystem
Beschreibung
Staaten, in denen das System vorkommt
Neomerkantilismusprotektionistische Wirtschaftsform mit liberalen Elementen: Importe werden durch hohe Zölle eingeschränkt und Exporte staatlich gefördertJapan
öko-soziale Marktwirtschaftsoziale Marktwirtschaft, die Aspekte des Klimawandels berücksichtigt. Wirtschaft, Umwelt und sozialer Frieden werden in Einklang gebracht.Deutschland und andere EU-Länder sind zumindest auf dem Weg dahin. In Deutschland sind die ökologischen Ziele seit 1994 jedenfalls im Grundgesetz verankert.

Freie Marktwirtschaft - Das Wichtigste

  • Freie Marktwirtschaft: Wirtschaftsordnung, die auf den Ideen des klassischen Liberalismus beruht
    • keine staatlichen Eingriffe in den wirtschaftlichen Verlauf
    • volle Selbstverantwortung und wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit für die Bürger*innen
  • Gegenteil der freien Marktwirtschaft ist die Planwirtschaft: Kapitalismus vs. Sozialismus
  • Adam Smith gilt als Vater der freien Marktwirtschaft
    • "unsichtbare Hand" des Marktes: Wenn jeder nach seinem Vorteil strebt und das macht, was er gut kann, profitiert die gesamte Gesellschaft davon
    • Idee entstand vor dem Hintergrund der Englischen Revolution und der beginnenden Industrialisierung
  • Merkmale der freien Marktwirtschaft
    • dezentrale Organisation der Wirtschaft
    • offene Märkte
    • Privateigentum an Produktionsmitteln
    • Preisbildung allein durch Angebot und Nachfrage
    • Einkommen allein durch Gewinnerwirtschaftung
    • freie Berufswahl und individuelle Freiheitsrechte
    • Rolle des Staates als Nachtwächterstaat
  • Vorteile der freien Marktwirtschaft
    • Fortschritt durch Innovationen
    • wirtschaftliche Effizienz jedes Einzelnen erhöht das volkswirtschaftliche Gesamtvermögen
    • vielfältiges Angebot
    • Zufriedenheit durch Freiheitsrechte
  • Nachteile der freien Marktwirtschaft
  • Ausprägungen der freien Marktwirtschaft in der Praxis
    • freie Marktwirtschaft in ihrer Reinform kommt in der Praxis nicht vor
    • neoliberale Marktwirtschaft, zum Beispiel in Singapur
    • soziale Marktwirtschaft, zum Beispiel in Deutschland
    • Neomerkantilismus, zum Beispiel in Japan
    • öko-soziale Marktwirtschaft, entwickelt sich allmählich in einigen EU-Staaten

Nachweise

  1. Wirtschaft-Kompakt: Volkswirtschaft (2019). Stark-Verlag
  2. bwl-lexikon.de: Makroökonomie. (05.08.2022)
  3. thinkaboutgeny.com: Freie Marktwirtschaft. (04.08.2022)
  4. bpb.de: Lexikon der Wirtschaft. (05.08.2022)
  5. bpb.de/shop/zeitschriften: Informationen zur politischen Bildung. (03.08.2022)
  6. heritage.org: 2022 Index of Economic Freedom. (05.08.2022)
  7. austrian-institute.org: Ludwig von Mises. (04.08.2022)

Häufig gestellte Fragen zum Thema Freie Marktwirtschaft

Die Grundlage sämtlicher in der Praxis vorkommender Marktwirtschaften ist die freie Marktwirtschaft. Da aber keine einzige Volkswirtschaft alle Merkmale der freien Marktwirtschaft erfüllen kann, haben sich verschiedene Ausprägungen entwickelt, bei denen der Staat mehr oder weniger stark in die Wirtschaft eingreift.


Diese sind:

  • neoliberale Marktwirtschaft
  • soziale Marktwirtschaft
  • öko-soziale Marktwirtschaft
  • Neomerkantilismus

Die freie Marktwirtschaft ist eine Wirtschaftsordnung, die auf den Ideen des klassischen Liberalismus beruht. Ein Staat, der dieses Wirtschaftssystem zulässt, gewährt seinen Bürger*innen absolute Selbstverantwortung und eine volle wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit


Der Staat greift hier nicht in die wirtschaftlichen Abläufe ein, sondern schafft lediglich rechtliche Rahmenbedingungen, damit die freie Wirtschaft funktionieren kann.

Die freie Marktwirtschaft ist ein theoretisches Konzept, das in praktisch keiner Volkswirtschaft in seiner Reinform vorkommt.


Die Idee der liberalen Wirtschaft entstand jedoch zur Zeit der Englischen Revolution und der Industrialisierung, also im 18. Jahrhundert. Ihr wichtigster Vertreter ist Adam Smith, der in seinem Werk "Wohlstand der Nationen" den Begriff der "unsichtbaren Hand" prägte.

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