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Deutscher Bund

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Geschichte

Der Deutsche Bund war ein völkerrechtlicher Verein der souveränen Fürsten und freien Städten, der 1815 auf dem Wiener Kongress beschlossen wurde. Er war ein loser Staatenbund, bei dem jeder Staat selbstständig war. Das Bürgertum war mit dieser Lösung unzufrieden. Sie forderten einen Nationalstaat, sowie in Frankreich oder England. Wie der Deutsche Bund entstand, wie er sich zusammensetzte und wie er sich auf das Volk auswirkte erfährst du im folgenden Artikel.


Der Deutsche Bund ist Bestandteil des Fachs Geschichte und ist ein Unterthema des Wiener Kongress.


Deutscher Bund Vorgeschichte

In den Koalitionskriegen kämpften die europäischen Großmächte seit 1792 gegen die Vorherrschaft Napoleons. Nachdem Napoleon und seine Truppen aber nach den Befreiungskriegen nach Frankreich zurückkehren mussten, sorgte der Erste Pariser Frieden für ein vorläufiges Kriegsende. 


Darauffolgend trafen sich im September 1814 die Fürsten Europas auf dem Wiener Kongress. Der Wiener Kongress war eine Verhandlung auf der die Fürsten sich über die Prinzipien der Restauration, Legitimität und Solidarität einigen sollten. Dabei sollten sie Frieden und Gleichgewicht gewährleisten.


Deutsche Frage

Hierbei kam die Deutsche Frage auf, die eine besonders wichtige Rolle spielte. Während des Kriegs hatten viele der deutschen Bürger ein starkes Nationalbewusstsein entwickelt. Dieses wurde auch durch die Französische Revolution bestärkt. Die Bürger forderten dementsprechend die Bildung eines deutschen Nationalstaats, was die Fürsten jedoch ablehnten. Ihre Begründung dafür war, dass sie das friedliche Gleichgewicht nicht zerstören wollten.



Aufteilung Deutschlands
Quelle: Wikipedia

 

Der Deutsche Bund

1815 beschlossen die Fürsten auf dem Wiener Kongress dann für Deutschland den Deutschen Bund. Dies war ein lockerer Staatenbund von 35 Fürsten und vier Städten.

 

Ziele

Der Deutsche Bund sollte vor allem als Instrument der Restauration dienen und die Sicherheit und Unabhängigkeit Deutschlands bewahren. Genauso sollte er zur Wahrung des Gleichgewichts in Europa beitragen. Dieser Frieden hielt letztendlich auch 50 Jahre lang.


Zusammensetzung

Zum Deutschen Bund gehörten die Großmächte Preußen und Österreich. Jedoch waren sie nur mit einem Teil ihres Staatsgebietes im Deutschen Bund vertreten. Man sparte nämlich die Gebiete, die nicht dem deutschen Reich angehört hatten, aus. Dafür waren in den Mitgliedern auch Könige von nicht deutscher Herkunft, wie der König von England, der König von Dänemark und der König der Niederlande, vertreten.


Der Deutsche Bund war aber kein handlungsfähiger Bundesstaat mit gemeinsamen Organen, sondern jeder Staat traf seine eigenen Entscheidungen. Im Bund passierte dementsprechend wenig, da jeder König nicht wollte, dass etwas gegen ihn entschieden wird. Die Bundesversammlung, bzw. der "Bundestag", traf die Entscheidungen. Sie traten in Frankfurt zusammen. In der Versammlung haben die einzelnen Herrschaften, je nach Bedeutung ihres Landes, mehr oder weniger Stimmen. Den Vorsitz in der Bundesversammlung führt Österreich mit dem österreichischen Kanzler Metternich, der bereits den Wiener Kongress geleitet hatte. Für den Kriegsfall beschlossen sie gemeinsam zu handeln. Dafür existierte ein Kriegsheer aus verschiedenen Truppen der Mitgliedsstaaten.


Verfassungsfrage

Der Deutsche Bund war kein liberaler Verfassungsstaat. Anders als von den Bürgern erwünscht, war im Vertrag des Deutschen Bunds geschrieben: "Der Souverän ist nicht das Volk, sondern der Fürst." Einige deutsche Staaten, wie Baden, Württemberg und Bayern, verfügten zwar über Verfassungen und Parlamente, jedoch war der Grundsatz der Gewaltenteilung, wie z. B. in den USA, im Vertrag nicht festgeschrieben. Anstatt der geforderten Repräsentativsysteme nach französischem Vorbild bestanden oftmals die alten Ständevertretungen.



Bürgerbewegung

Die Bürger waren nicht nur  über die Ablehnung eines Nationalstaats enttäuscht, sondern auch darüber dass es keine neue Gesellschaftsordnung gab. Sie verlangten die Gleichheit vor dem Gesetz. Dazu gehörten Mitspracherecht, Parlamente und Verfassungen, die die Herrscher binden und ihre Macht beschränken würden. Sie wollten nämlich als Bürger und nicht als Untertanen, anerkannt werden.


Vormärz

Aus dieser Unzufriedenheit entstanden zunehmend politische Gruppierungen und Bewegungen. Die Studenten formten die Burschenschaften und das Wartburgfest 1817 markierte den Beginn des Vormärz. Die Obrigkeit fühlte sich durch den Aufstand der Bürger bedroht und führte die Karlsbader Beschlüsse ein. Die politischen Gegner werden gezielt verfolgt. Es wurde eine Pressezensur eingeführt, wodurch die Presse und die Zeitungen staatlich überwacht wurden.


Revolution 1848/49

Die Julirevolution 1830 in Frankreich sorgte für ein neues Erwachen des deutschen Revolutionsgeistes. Zwei Jahre später kamen auf dem Hambacher Fest knapp 30.000 Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen. Durch die zunehmende Kritik an der Fürstenherrschaft brach 1848 die deutsche Revolution aus. Sie scheiterte jedoch 1849 und der Deutsche Bund wurde wiederhergestellt.


Wirtschaft des Deutschen Bundes

Ein weiterer Kritikpunkt des Deutschen Bundes war die Wirtschaft. Zum Zeitpunkt des Deutschen Bundes boomte die Wirtschaft in Europa. Zudem wuchs die Bevölkerung auch immer mehr. In England herrschte schon seit 1780 die industrielle Revolution, durch die es Schienenverkehr gab und Fabriken, in denen produziert wurde. Deutschland hing jedoch hinterher. Dies lag an den vielen Zollgrenzen, die zwischen den einzelnen Staaten bestanden. Zudem hatte jeder Staat unterschiedliche Maße, Gewichte und Währungen. 


Deutscher Zollverein 

Preußen hatte das Problem, dass sein Staatsgebiet ziemlich zersplittert war. Um von Westpreußen nach Ostpreußen zu gelangen musste man auf dem Weg mehrere andere Staaten durchqueren und den jeweiligen Zoll zahlen. Somit ergriff Preußen die initiative ein einheitliches Zollgebiet zu schaffen. Österreich hingegen war ein kompaktes Land. Außerdem wollten sie aufgrund des Wettstreits um die Vorherrschaft Preußen schwächen. Der Kaiser in Wien blockierte dementsprechend den Vorschlag der Zolleinheit.


Erst 1834 gelang schließlich die Gründung des Deutschen Zollvereins, dem alle Staaten des Deutschen Bundes, bis auf Österreich, angehörten. Er ermöglichte ein wirtschaftliches Zusammenwachsen der deutschen Staaten, da die Zölle nun wegfielen. Um 1850 begann im Deutschen Bund die Zweite Industrielle Revolution. Zudem bildete der Deutsche Zollverein die Grundlagen für die politische Einheit Deutschlands, die 1871 unter Führung Preußens verwirklicht werden sollte.


Gebiete Deutscher Zollverein

Quelle: Wikipedia

 


Dualismus Preußen und Österreich 

Der Wettstreit der Großmächte Preußen und Österreich um die Vorherrschaft bildete eines der Hauptprobleme im Deutschen Bund. Formell betrachtet führte Österreich den Deutschen Bund an. Jedoch wollte Preußen mindestens ebenbürtig sein, welches sich politisch nur schwer umsetzen ließ.


Deutscher Krieg

Die Lage spitzte sich in den 1860er Jahren immer weiter zu. Preußen kämpfte mit seinen norddeutschen verbündeten gegen Österreich und seine süddeutschen Verbündeten. Am 23. August 1866 gewann Preußen und beanspruchte daraufhin die deutsche Nationalstaatsbildung zugunsten ihrer eigenen Machtzwecke. Österreich schied offiziell aus Deutschland aus.


Norddeutscher Bund

Nach den Einigungskriegen wurde 1866  der Norddeutsche Bund gegründet. Dadurch wurde der Deutsche Bund in seiner bisherigen Form aufgelöst. Der Norddeutsche Bund diente zunächst als Militärbündnis und entwickelte sich später zu einem föderalen Bundesstaat unter preußischer Führung. Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg erfolgte am 18. Januar 1871, unter Führung Preußens, die deutsche Reichsgründung. Deutschland war nun ein Nationalstaat.



Deutscher Bund - Das Wichtigste auf einen Blick

  • entstand 1815 auf dem Wiener Kongress nach der Neuordnung Europas
  • lockerer Staatenbund von 35 Fürsten und vier Städten.
  • diente der inneren und äußeren Sicherheit Deutschlands und Europas
  • kein liberaler Verfassungsstaat, der Souverän war der Fürst
  • Unzufriedenheit der Bürger; Vormärz begann 1817
  •  Verfolgung der Burschenschaften,  Karlsbader Beschlüsse 
  • Deutschland hing wirtschaftlich hinterher
  • 1834: Gründung des Deutschen Zollvereins
  • Preußen und Österreich kämpften um die Vorherrschaft Deutschlands
  • Preußen gewann 1866 den Deutschen Krieg
  • Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes war der Deutsche Bund aufgelöst worden

Häufig gestellte Fragen zum Thema Deutscher Bund

Der Deutsche Bund sollte vor allem als Instrument der Restauration dienen und die Sicherheit und Unabhängigkeit Deutschlands bewahren. Genauso sollte er zur Wahrung des Gleichgewichts in Europa beitragen.

Zum Deutschen Bund gehörten die Großmächte Preußen und Österreich. Jedoch waren sie nur mit einem Teil ihres Staatsgebietes im Deutschen Bund vertreten. Man sparte nämlich die Gebiete, die nicht dem deutschen Reich angehört hatten, aus. Dafür waren in den Mitgliedern auch Könige von nicht deutscher Herkunft, wie der König von England, der König von Dänemark und der König der Niederlande, vertreten.

Er war ein lockerer Staatenbund von 35 Fürsten und vier Städten. Jeder Staat traf seine eigenen Entscheidungen. Für den Kriegsfall beschlossen sie gemeinsam zu handeln. Dafür existierte ein Kriegsheer aus verschiedenen Truppen der Mitgliedsstaaten.

Der deutsche Bund war kein Bundesstaat, da die Gründung eines Nationalstaats von den Fürsten abgelehnt wurde. Die Staaten waren als lockerer Staatenbund miteinander verbunden, trafen jedoch ihre eigenen Entscheidungen. Außerdem herrschte ein Wettstreit der Großmächte Preußen und Österreich um die Vorherrschaft Deutschlands, welches ein Hauptproblem des Deutschen Bundes war.

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