Calvinismus

In diesem Artikel geht es um den Calvinismus. Wir erklären dir, was der Calvinismus ist, wer ihn begründet hat, was Inhalt dieses religiösen Glaubens ist und wo und wie er heutzutage ausgeübt wird. 

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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsangabe

    Dieser Artikel gehört zum Fach Geschichte und vertieft die Themen Reformation und Frühe Neuzeit.

    Calvinismus: Definition

    Unter Calvinismus versteht man eine im 16. Jahrhundert entstandene religiöse Glaubenslehre innerhalb des Protestantismus. Die Glaubenslehre des Calvinismus zählt sich zu den reformierten Kirchen.

    Begründer des Calvinismus ist der Schweizer Reformator Johannes Calvin.

    Der Calvinismus betont die absolute Heiligkeit Gottes und basiert auf fünf strengen Glaubenssätzen, welche die Macht Gottes und die Abhängigkeit des Menschen von Gottes Gnade betonen.

    Johannes Calvin – der Begründer des Calvinismus

    • geboren am 10. Juli 1509 in Noyon, Picardie (Frankreich) / gestorben am 27. Mai 1564 in Genf (Schweiz).
    • Calvins Vater sah ihn für die geistliche Laufbahn vor → in der Kathedrale von Noyon erhielt Calvin bereits als Jugendlicher die Pfründe (das ist ein Kirchenamt, das mit einem Einkommen verbunden ist) und wurde zum Kleriker.
    • An der Artistenfakultät in Paris absolvierte er sein Grundlagen-Studium, um später die höhere Fakultät der Theologie besuchen zu können.
    • Doch Calvins Vater entschied, seinen Sohn an die Jura-Fakultät zu schicken, da dies mehr Gewinn für die Familie versprach.
    • So studierte Calvin Jura an der Universität Orléans: Während dieser Zeit widmete er sich aber verstärkt dem Humanismus und dem Bibelstudium → dies brachte ihn zunehmend dazu, mit den Ideen der Reformation zu sympathisieren und die konservativen Glaubenssätze zu hinterfragen.

    Im Jahr 1533 tobte in Paris der Streit zwischen den konservativen Kirchenanhängern und den humanistischen Reformern. Zu dieser Zeit bekannte sich Calvin offen als Reformer und musste Frankreich schließlich verlassen, als König Franz I. alle protestantischen Kirchenanhänger verfolgen ließ.

    Als Calvin schließlich ein Jahr später, 1534, die Priesterweihe ablehnte und die Pfründe seines Heimatortes Noyon zurückgab, brach er endgültig mit der konservativen katholischen Papstkirche.

    Calvinismus Johannes Calvin StudySmarterAbbildung 1: Johannes Calvin

    Calvinismus einfach erklärt: Die 4 Soli der Reformation

    Die vier soli sind die grundlegenden Glaubenssätze der reformierten Kirche und bilden auch die Grundlage des calvinistischen Glaubens. Sie lauten: "sola scripta", "sola christus", "sola gratia", "sola fide". Was genau sie bedeuten schauen wir uns jetzt genauer an!

    1. sola scripta: Der Glaubenssatz sola scirpta besagt, dass allein die Heilige Schrift, also die Bibel, als Fundament der Religion zu verstehen ist
    2. sola christus: Der Glaubenssatz sola christus lässt sich eigentlich wörtlich übersetzen: Nur Christus. Damit ist gemeint, dass Christus neben Gott selbst die höchste und alleinige Instanz der religiösen Autorität ist. Nur er ist der Vertreter Gottes auf Erden. Die katholische Papstkirche hingegen spricht auch der Institution Kirche selbst und vor allem ihrem Oberhaupt, dem Papst, eine solche Autorität zu.
    3. sola gratia: Der Glaubenssatz sola gratia besagt, dass der Mensch von Gottes Gnade abhängig ist, denn nur die Gnade Gottes kann die Menschen schlussendlich erretten und ihm das ewige Leben schenken.
    4. sola fide: Der Glaubenssatz sola fide besagt, dass Gott den Menschen ausschließlich an seinem Glauben misst und nicht an seinen Taten und Handlungen. Nur durch seinen starken und unerschütterlichen Glauben kann der Mensch ewiges Leben erlangen.

    Da der Calvinismus zu den reformierten Kirchen zählt, stützt sich auch diese religiöse Lehre auf die vier soli der Reformation und setzt diese in sehr strenger Weise um.

    Die Lehre des Calvinismus betont stets die absolute Heiligkeit Gottes und spricht sich entschieden gegen Traditionen und Kulte der katholischen Papstkirche wie bspw. Reliquienverehrung oder Ablasshandel aus. In den Augen der Calvinisten sind diese Kulte verpönt, da sie die Souveränität Gottes untergraben und somit die eigentliche Heiligkeit Gottes verschleiern.

    Übrigens: Die Bezeichnung "Calvinismus" für die von ihm aufgestellte Glaubenslehre ist nicht das Werk von Johannes Calvin selbst. Calvin lehnte es tatsächlich sogar ab, dass die Lehre seinen Namen trug.

    Calvins "Prädestinationslehre"

    Die Prädestinationslehre ist die grundlegende Lehre des Calvinismus und wurde von Calvin selbst verfasst.

    Sie besagt, dass Gott von Anfang an bestimmt, welche Menschen errettet werden und welche nicht. Es gibt also zwei Gruppen von Gläubigen:

    • Jene, die Erlösung und damit das ewige Leben finden
    • Jene, die in ewiger Verdammnis leben müssen

    In diesem Sinne redet man auch von der "doppelten Prädestination".

    Laut Calvin kann sich der Mensch aber nicht aussuchen, zu welcher Gruppe er gehört bzw. kann sich keinen Platz in einer der Gruppen "erarbeiten" (bspw. durch Gebete zur Erlösung finden). Diese Entscheidung liegt nicht beim Menschen, sondern allein bei Gott. Gott hat vorherbestimmt, wem seine Gnade und sein Erbarmen zuteilwerden und wem nicht. Diese Entscheidung ist unumstößlich.

    Calvinismus Regeln: Die 5 Punkte des Calvinismus

    Dem Calvinismus werden 5 grundlegende Schlagworte zugesprochen, welche die Glaubensgrundsätze dieser religiösen Lehre zusammenfassen sollen.

    Völlige Verderbtheit des Menschen

    Calvin konstatiert die völlige Verderbtheit des Menschen nach dem Sündenfall. Der Mensch ist zerfressen von Sünde und sein Leben wird durch Sünde bestimmt. Durch diese Verderbtheit spricht Calvin dem Menschen die Fähigkeit ab, das Wort Gottes und die Botschaft des Evangeliums selbstständig verstehen zu können. Erst durch die Hilfe Gottes und des Heiligen Geistes wird der Gläubige zum Verstehen befähigt.

    Bedingungslose Erwählung

    Unter diesem Punkt versteht man hauptsächlich die Prädestinationslehre. Gott hat die Gruppe der zu erlösenden Menschen bereits in seinem ewigen Ratschluss erwählt, unabhängig von den späteren Entwicklungen oder dem Glauben der jeweiligen Menschen – deshalb bedingungslos. Und genau deshalb kann der Mensch zu seinen Lebzeiten die Prädestination nicht durch sein Handeln beeinflussen - denn sie steht bereits vorher fest.

    Begrenzte Versöhnung

    Der Punkt der Begrenzten Versöhnung beinhaltete den Glauben daran, dass Jesus Christus nicht der Erlöser aller Menschen ist. Die Prädestination lehrt, dass nicht alle Menschen zur Erlösung bestimmt sind; und somit ist Jesus nur für jene gestorben, welche zur Gruppe der Erlösten zählen. Nur die Sünden der Erwählten wurden durch den Tod Jesus Christus getilgt.

    Unwiderstehliche Gnade

    Unwiderstehlich meint in diesem Fall eher "nicht abwendbar". Denn die unwiderstehliche Gnade besagt, dass der Mensch sich nicht gegen die Gnade Gottes erwehren kann. Zählt ein Mensch zur Gruppe der Erlösten, wird er unumstößlich die Erlösung finden und zu Gott gelangen.

    Beharrlichkeit der Heiligen

    Die Beharrlichkeit der Heiligen besagt, dass den Erlösten Gottes Gnade nicht entzogen werden kann. Wer einmal Gnade erfahren hat, kann diese nicht wieder verlieren, egal, was er tut.

    Nicht alle diese Grundsätze bzw. Schlagworte hat Calvin selbst aufgestellt bzw. in dieser konkreten Form verfasst. Vor allem die ersten beiden Punkte waren Zentrum seiner calvinistischen Lehre.

    Das erste Mal, dass alle 5 Punkte gesammelt und schriftlich auftauchten, war in den Jahren 1618–1619 in den Niederlanden. Zu dieser Zeit herrschte dort eine Auseinandersetzung zwischen der reformierten Kirche, der calvinistischen Lehre und den sogenannten Remonstranten. Diese hatten sich zuvor vom Calvinismus abgespalten, da sie die Prädestinationslehre nicht anerkannten.

    Aufgrund dieser religiösen Auseinandersetzungen berief die Abgeordneten-Versammlung der Vereinten Niederlande die sogenannte "Dordrechter Synode" ein. Auf dieser Synode wurde die Religion der Remonstranten offiziell von Seite der reformierten Kirche abgelehnt. Die freigläubige Ansicht der Remonstranten, dass nicht Gott die Erlösten auserwählt, sondern jeder Mensch sich frei für Gott entscheiden könne (Glaubensfreiheit) war nach Ansicht der calvinistisch geprägten Kirche gegen die Grundlagen der Bibel.

    Schließlich wurden bei der Synode die sogenannten Lehrregeln von Dordrecht niedergeschrieben, welche die wahren Ansichten der reformierten Kirche darlegten und im selben Zug mit den Lehren der Remonstranten "aufräumten". Nach dieser offiziellen Synode wurden die Remonstranten in den Niederlanden verfolgt.

    Aus den Lehrregeln von Dordrecht und Calvins zentralen Thesen entstanden später die 5 Punkte des Calvinismus, wie wir sie dir oben vorgestellt haben!

    Calvinismus Die Synode von Dordrecht 1618 StudySmarterAbbildung 2: Die Synode von Dordrecht 1618

    Die Ausbreitung des Calvinismus

    Der Calvinismus entstand in Genf in der Schweiz, der späteren Wahlheimat von Johannes Calvin. Von dort aus breitete er sich über Frankreich, die Niederlande nach England und Schottland aus. Später gelangte er auch mit Siedlern in die Neue Welt. Dies sind auch heute noch die Länder, in denen die Ansätze der calvinistischen Religionslehre am stärksten vertreten sind.

    Somit zählen die reformierten Kirchen der Schweiz, Frankreichs, Englands und der Niederlande und vor allem die presbyterianischen Kirchen Schottlands zum religiösen "Gebiet" des Calvinismus. In den USA leben vor allem die Gemeinden der Hugenotten, Puritaner und der Baptisten nach den Lehren Calvins

    Calvinistischer Lebensstil in der Praxis

    Was der calvinistische Glaube beinhaltet, weißt Du nun. Doch wie genau wird er in der echten Lebenswelt eigentlich praktiziert?

    Askese ist das zentrale Schlagwort, um das Leben der Calvinisten zu beschreiben. Sie führen also ein sehr enthaltsames, einfaches und arbeitsvolles Leben. Jeglichen weltlichen Luxus lehnen sie kategorisch als Quelle der Sünde und als eine Art des Götzendienstes ab.

    Harte Arbeit ist das höchste Gut der Calvinisten und die Größe des dadurch erreichten Wohlstandes wird gerne als Indikator für das "Auserwählt sein" durch Gott gesehen.

    In der Kirchenordnung selbst pflegen die Calvinisten kein hierarchisches System (anders als bspw. die katholische Kirche). Jedes Mitglied der Gemeinde kann theoretisch zum Priester geweiht werden und jeder Priester hat die gleiche "Machtstellung" innerhalb der Kirchengemeinde.

    Ein weiterer Unterschied zur katholischen Kirche ist die Einstellung der Calvinisten zum Abendmahl. Während die Katholiken die Eucharistie als Sakrament sehen, zelebrieren die calvinistischen Gemeinden das Abendmahl "lediglich" als eine Erinnerungsfeier. Die Calvinisten glauben nicht an die sogenannte Realpräsenz, also die Gegenwärtigkeit vom Blut und Leib Jesus Christus in Form von Wein und Brot während des Abendmahls.

    Die calvinistischen Gemeinden sind oft sehr strenge Glaubensgemeinschaften, weshalb sie in einigen auch heutzutage noch die sogenannte "Kirchenzucht" praktizieren. Dies sind Maßnahmen zur Sicherung der Ordnung innerhalb der Kirchgemeinde. Anders als der Begriff "Zucht/Züchtigung" nahelegt, sind diese Maßnahmen weniger körperlicher Natur. Sie umfassen beispielsweise den Ausschluss aus Gottesdiensten oder vom Abendmahl bis hin zur Aberkennung kirchlicher Rechte oder gar dem Ausschluss aus der Gemeinde.

    Fertig! Jetzt weißt Du alles Wichtige über den Calvinismus!

    Calvinismus - Das Wichtigste auf einen Blick

    • Der Calvinismus ist eine religiöse Glaubenslehre innerhalb des Protestantismus
    • Sein Begründer ist Johannes Calvin (1509 – 1564)
    • Der Calvinismus entstand im 16. Jahrhundert in der Schweiz
    • Der Calvinismus zählt sich zu den reformierten Kirchen
    • Calvinisten glauben an die absolute Heiligkeit Gottes
    • Die Grundlage des Calvinismus sind die vier soli der Reformation: "sola scripta", "sola christus", "sola gratia", "sola fide"
    • Die zentrale Lehre Calvins war die Prädestinationslehre: Dies ist der Glaube daran, dass Gott unumstößlich vorherbestimmt hat, welche Menschen die Erlösung finden und welche die Verdammnis. Der Mensch hat nicht das Recht zu wählen und ist abhängig von der Gnade Gottes
    • Im Calvinismus gibt es fünf grundlegende Glaubenssätze: Völlige Verderbtheit des Menschen, Bedingungslose Erwählung, Begrenzte Versöhnung, Unwiderstehliche Gnade und die Beharrlichkeit der Heiligen
    • Der Calvinismus findet sich in Europa heutzutage noch in den reformierten Kirchen Frankreichs, der Schweiz, der Niederlande, Englands und in den presbyterianischen Kirchen Schottlands
    • In den USA leben vor allen die Gemeinden der Hugenotten, Puritaner und der Baptisten nach den Lehren Calvins
    • Calvinisten leben in Askese. Sie führen ein enthaltsames und arbeitsvolles Leben
    • Im Calvinismus gibt es keine Hierarchie innerhalb der Kirche, jeder kann Priester werden
    • In einigen calvinistischen Gemeinden wird noch immer die Kirchzucht praktiziert

    Nachweise

    1. Abbildung 1: Johannes Calvin (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:John_Calvin_Museum_Catharijneconvent_RMCC_s84_cropped.png) Public Domain
    2. Abbildung 2: Die Synode von Dordrecht 1618 (https://en.wikipedia.org/wiki/File:Synode_te_Dordtrecht.jpg) Public Domain
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Calvinismus

    Was glauben Calvinisten?

    Calvinisten glauben an die absolute Heiligkeit Gottes und die sogenannte Prädestinationslehre. Dies ist der Glaube daran, dass Gott unumstößlich vorherbestimmt hat welche Menschen die Erlösung finden und welche die Verdammnis. Der Mensch hat nicht das Recht zu wählen und ist abhängig von der Gnade Gottes.


    Waren Calvinisten Protestanten?

    Ja. Der Calvinismus ist eine Glaubenslehre innerhalb des Protestantismus. 

    Was war Calvins Lehre?

    Calvins zentrale Lehre war die Prädestinationslehre. Dies ist der Glaube daran, dass Gott unumstößlich vorherbestimmt hat welche Menschen die Erlösung finden und welche die Verdammnis. Der Mensch hat nicht das Recht zu wählen und ist abhängig von der Gnade Gottes. 


    Des Weiteren gibt es fünf grundlegende Glaubensgrundsätze im Calvinismus: Völlige Verderbtheit des Menschen, Bedingungslose Erwählung, Begrenzte Versöhnung, Unwiderstehliche Gnade und die Beharrlichkeit der Heiligen.

    Wo wirkte Calvin?

    Calvin wirkte vor allem in seinem Heimatland Frankreich und seiner späteren Wahlheimat der Schweiz. 


    Der Calvinismus selbst verbreitete sich von Frankreich und der Schweiz über die Niederlande bis nach England und Schottland. Mit den Siedlern gelange der Calvinismus auch nach Amerika. 

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