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Bildanalyse Kunst

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Warum malte Van Gogh mit knalligen Farben, Monet mit einer flüchtigen Pinselführung und Braque in geometrischen Formen? Die wahren Begründungen von Gestaltungsentscheidungen vergangener Künstlerinnen und Künstler wissen diese vermutlich nur selbst. Dennoch ist es möglich, sich innerhalb einer Werkerschließung einem Werk zu nähern, es zu analysieren und zu interpretieren. In der Bildanalyse lässt sich herausfinden, wie verschiedene Bildaspekte zusammenspielen, was besonders im Werk hervorsticht und welche Wirkung durch Gestaltungsmittel entsteht.

Die Bildanalyse in der Kunst – Überblick & Definition

Die Bildanalyse ist ein Teil der Werkerschließung.

Bei einer Werkerschließung wird ein Kunstwerk genau betrachtet und untersucht, um ein Verständnis für das Kunstwerk zu bekommen.

Die Werkerschließung unterteilt man in der Regel in folgende drei Abschnitte, die aufeinander aufbauen und sich gegenseitig begünstigen:

  1. Bildbeschreibung
  2. Bildanalyse
  3. Bildinterpretation

Um mehr darüber zu erfahren, lies Dir gerne die Artikel "Bildbeschreibung Kunst" und "Bildinterpretation Kunst" durch!

Verwendung der Bildanalyse

In einer Bildanalyse werden alle Gestaltungsmerkmale eines Werkes genauestens unter die Lupe genommen und analysiert. Dabei werden einzelne Aspekte des Werkes untersucht. Ziel einer Bildanalyse ist es, die Wirkung eines Werkes herauszufinden und zu begründen. In der Analyse sollte keine Wertung stattfinden.

Folgender Fragestellung kann dabei hilfreich sein:

Wie sind die Bildelemente (zueinander) abgebildet und welche Wirkung wird dadurch erzeugt?

Im Idealfall hast Du vor Deiner Bildanalyse eine Bildbeschreibung angelegt. Diese hilft Dir, die einzelnen Bildelemente zu erfassen und wichtige Bestandteile des Bildes zu erkennen.

Mithilfe einer abgeschlossenen Bildanalyse ist es dann möglich, eine Bildinterpretation zu schreiben. Eine Bildanalyse wird erstellt, um (formale) Gestaltungsmittel nachzuvollziehen und Zusammenhänge im Bild zu erkennen. Diese Erkenntnisse werden anschließend gebraucht, um Rückschlüsse über den Künstler oder die Künstlerin sowie Inhalt und Werk innerhalb einer Interpretation zu ziehen.

Die Bildanalyse in der Kunst – Aufbau

Im Folgenden findest Du einen möglichen Aufbau für eine Bildanalyse.

Einleitung

Als Einleitung kannst Du Dir einen Satz überlegen, der einen Übergang von Deiner Bildbeschreibung zu Deiner Bildanalyse anzeigt.

Komposition und Bildaufbau

Als Erstes kannst Du mit der Analyse der Komposition beginnen. Sie dient als Basis für die folgenden Punkte.

Bei der Analyse der Komposition konzentrierst Du Dich auf den formalen Aufbau des Werkes. Dabei können folgende Formulierungen hilfreich sein:

KompositionselementeMögliche DarstellungenAnalyse / wie wirkt es?
Format
  • Hochformat
  • Querformat
  • Rund
  • Dreieckig
  • ...
  • standhaft
  • ruhig
  • haltlos
  • ...
Bildzonen
  • Vorder-, Mittel-, Hintergrund (Wo sind die Grenzen?)
  • homogene Farbflächen
  • ...
  • Verhältnis zu einander
  • Wie ist der Übergang?
  • ...
Formen
  • Welche Formen erkenne ich?
  • Statische/dynamische Formen?
  • Wie sehen die Formen aus (organisch/vereinfacht/geschwungen/...)?
  • Formkontraste?
  • ...
  • ruhig
  • statisch
  • dynamisch
  • laut
  • instabil
  • harmonisch
  • ...
Linien & Achsen
  • Vertikale
  • Horizontale
  • Diagonale
  • Kreuzungen von Linien
  • Richtungsweisende Linien
  • ...
  • negativ/haltlos (fallende Diagonale)
  • positiv/kraftvoll (steigende Diagonale)
  • standhaft/dynamisch
  • Welche Richtungen ergeben sich?
  • ...
Kompositionsform
  • Dreieckskomposition
  • Kreiskomposition
  • Ovalkomposition
  • Bilddiagonale
  • ...
  • geschlossen
  • offen
  • Welche Beziehung ergibt sich daraus?
  • ...
Gliederung
  • Teilungen
  • Goldener Schnitt
  • Schwerpunkte/optische Zentren
  • Bezug zum Format
  • ...
  • harmonisch/disharmonisch
  • klar, vollkommen
  • störend
  • ...
Ordnungsprinzipien
  • Reihung
  • Rhythmen
  • Gruppierung
  • Ballung
  • Zerstreuung
  • Symmetrie/Asymmetrie
  • ...
  • ausgeglichen, geordnet
  • disharmonisch, instabil
  • interessant
  • regelmäßig/unregelmäßig
  • Wo befinden sich sie Anordnungen?
  • ...
Formatbezug
  • Füllen des Formats
  • Einnehmen des Formats
  • Zurückgestellt
  • lädt zum Weiterdenken ein
  • sprengend, mächtig
  • klein, leise
  • ...
Blickführung
  • In welcher möglichen Reihenfolge werden die Bildelemente angeschaut?
  • ...
  • geordnet, ruhig
  • hektisch, verwirrend
  • ...

Kompositionsskizze

Zu einer vollständigen Kompositionsanalyse gehört auch eine Kompositionsskizze. Diese veranschaulicht Kompositionsaspekte und hilft dabei, Schlüsse über die Gesamtkomposition des Kunstwerkes zu ziehen.

Um eine Kompositionsskizze anzufertigen, wird zunächst das Kunstwerk skizziert und eigene Einzeichnungen von Kompositionselementen wie beispielsweise Formen oder Linien ergänzt. Anschließend kannst Du Deine Kompositionsskizze nach folgenden Aspekten untersuchen: gesamtes Bildgefüge, Strukturen, Fokusse, Kontraste und Bildelementbeziehungen.

Bildanalyse Kunst Kompositionsskizze StudySmarterAbbildung 8: Kompositionsskizze zu Manets Werk "Die Barke"Quelle: commons.wikimedia.org (bearbeitet)

Dies ist ein Beispiel für eine Kompositionsskizze zu dem Werk "Die Barke" von Édouard Manet aus dem Jahr 1874. Formulierungsbeispiele für einzelne Merkmale könnten sein:

  • Das im Vordergrund erkennbare Boot nimmt eine große Fläche ein, der Schiffsrumpf sticht besonders als eigene Fläche durch die dunkle Farbe heraus.
  • Der Kontrast zwischen statischen Vertikalen und den Rundungen lässt das Gemälde sanft dynamisch wirken und unterstützt damit das Gefühl eines schwankenden Bootes.
  • Beide Figuren lassen sich übergeordnet in einem Rechteck zusammenfassen. Dieses befindet sich zentral im Bild, zieht den Fokus auf sich und unterstützt eine stabile, harmonische Wirkung.

Eine vollständige Kompositionsanalyse des Werkes "Die Barke" von Édouard Manet und mehr zu dem Thema Bildaufbau findest Du bei der Erklärung "Komposition Kunst".

Darstellungsweise und Maltechnik

Um die angewandte Maltechnik zu analysieren, ist es hilfreich, das Entstehungsdatum zu kennen. Dieses steht meist beim Werk dabei. Außerdem ist es von Vorteil, wenn Du ein möglichst hochauflösendes Abbild des Werkes vor Dir liegen hast, um Strukturen besser zu erkennen.

Bei der Maltechnik untersuchst Du die Darstellungsweise, das verwendete Material und den Farbauftrag. Du kannst Dich dabei an folgenden Punkten orientieren:

GestaltungselementeMögliche DarstellungenAnalyse / wie wirkt es?
Malkonzept
  • naturalistisch
  • vereinfacht
  • abstrahiert
  • impressionistisch
  • expressionistisch
  • idealisiert
  • ...
  • laut
  • harmonisch
  • ruhig
  • ...
Farbauftrag
  • lasierend
  • deckend
  • pastos
  • großflächig
  • detailreich
  • pointillistisch
  • gestrichelt/getupft
  • ...
  • gleichmäßig
  • ruhig
  • flüchtig
  • hektisch
  • plakativ
  • starr
  • ...
Pinselführung
  • schnell
  • hektisch
  • dynamisch
  • Sind Spuren zu finden?
  • ...
  • Wie äußert sich das im Bild?
  • Einfluss auf Gesamtwirkung

Bildanalyse Kunst Darstellungsweise Maltechnik StudySmarterAbbildung 2: Beispielwerk zur Analyse der Darstellungsweise und MaltechnikQuelle: artsandculture.google.comClaude Monet: „Steilküste von Aval“ (1885)Öl auf Leinwand, 65 x 81 cmMuseum Barberini, Potsdam

Formulierungsbeispiele zur Darstellungsweise & Maltechnik:

  • Die flüchtige Pinselführung und das Hinterlassen von Pinselspuren verdeutlichen ein impressionistisches Malkonzept.
  • Der Farbauftrag ist zu teilen gestrichelt und pastos aufgetragen. Dadurch entsteht eine unruhige Wirkung.

Farbe

Die Analyse der Farbe ist ein wichtiger Bestandteil einer Bildanalyse. Wichtig dabei ist, das Zusammenspiel der Farben zu beachten, dominierende und zurücktretende Farben zu erkennen und Farbstimmungen zu ermitteln. Die Bedeutung der angewandten Farbe wird erst in der Bildinterpretation thematisiert.

Auf folgende Gestaltungspunkte solltest du eingehen:

GestaltungselementeMögliche DarstellungenAnalyse / wie wirkt es?
Farbpalette
  • chromatisch
  • monochrom
  • valeuristisch
  • Welche Farbtöne?
  • Farbabstufungen
  • ...
  • laut
  • vielfältig
  • einheitlich, ruhig
  • kühl/warm
  • ...
Farbwahl
  • Lokalfarbe (Eigenfarbe)
  • Erscheinungsfarbe (Einfluss von Licht & Atmosphäre)
  • Symbolfarbe
  • Ausdrucksfarbe
  • ...
  • wirklichkeitsgetreu
  • diffus
  • klar
  • expressiv
  • Was unterstützt die Farbwahl?
  • ...
Farbkontrast
  • Hell-Dunkel-Kontrast
  • Kalt-Warm-Kontrast
  • Farbe-an-sich-Kontrast
  • Quantitätskontrast
  • Qualitätskontrast
  • Komplementärkontrast
  • Simultankontrast
  • trist
  • dramatisch
  • spannend
  • lebendig
  • unruhig
  • aktiv/passiv
  • laut
  • stabil
  • kraftvoll
  • ...

Bildanalyse Kunst Farbe StudySmarterAbbildung 3: Werkbeispiel zur Analyse der FarbeQuelle: arthive.comHenri Matisse: „Die roten Fische“ (1911)Öl auf Leinwand, 147 x 98 cmStaatliches Puschkin-Museum Moskau

Formulierungsbeispiele zur Farbanalyse:

  • Im Bild zeigen sich rote bis rosa und grüne bis blaue Farbtöne. Die chromatische Farbpalette des Werkes erzeugt eine laute und spannende Wirkung.
  • Die intensiven Farben (Fische, Blätter, Pflanzentöpfe) können als Ausdrucksfarben angesehen werden, sie wirken stark expressiv.
  • Der Komplementärkontrast zwischen den roten Fischen und dem grünen Blattwerk bestimmt Matisses Farbkomposition. Er verleiht dem Werk eine lebendige und aktive Wirkung.

Mehr zu Grundlagenwissen über Farben und Farbkontraste erfährst Du in der Erklärung "Farbkreis".

Räumlichkeit und Perspektive

Wie tiefgehend sich ein Werk hinsichtlich der Räumlichkeit und Perspektive analysieren lässt, hängt immer von dem Werk selbst ab. Bei einem weitläufigen Hintergrund wie beispielsweise einer Landschaftsmalerei kann man viel mehr auf die perspektivischen Gestaltungsmittel und ihre Wirkung eingehen als bei einem Porträt mit einem einfarbigen neutralen Hintergrund. Daher bietet es sich an, immer die allgemeine Bildtiefe zu untersuchen und diese anzugeben (gering/hohe Bildtiefe).

Die Analyse der Räumlichkeit und Plastizität ist in den meisten Fällen möglich. Dabei gehst Du auf die Dreidimensionalität des Raumes und der Objekte ein.

GestaltungselementeMögliche DarstellungenAnalyse / wie wirkt es?
Perspektive
  • Parallelperspektive
  • Zentralperspektive
  • Zwei-/Dreifluchtpunktperspektive
  • Multiperspektive/ Ansichtskombination/ Abstrahierte Perspektive (siehe z. B. Kubismus)
  • Bedeutungsperspektive
  • Umgekehrte Perspektive
  • klar, harmonisch
  • verwirrend
  • (Un-)Symmetrisches Raumgefühl
  • ...
Betrachterstandpunkt
  • Normalperspektive
  • Vogelperspektive
  • Froschperspektive
  • neutral
  • unterwürfig/klein
  • mächtig/groß
Atmosphärische Perspektiven
  • Farbperspektive
  • Luftperspektive
  • Sfumato
  • Was unterstützt den Eindruck von Bildtiefe? Wodurch? (Farben, Verblassung etc.)
  • ...
Raumschaffende Mittel
  • Überdeckung
  • Höhenunterschied
  • Staffelung
  • Größenunterschied
  • Licht & Schatten
  • Auswirkung auf Plastizität und Räumlichkeit
Bildzonen
  • voneinander abgrenzbar
  • Vordergrund/Hintergrund
  • Wo unterteilbar?
  • ...
  • harmonisch
  • chaotisch
  • klar, symmetrisch
  • ...

Bildanalyse Kunst Perspektive StudySmarterAbbildung 4: Werkbeispiel zur Analyse der PerspektiveQuelle: commons.wikimedia.orgCaspar David Friedrich: „Der Watzmann“ (1824/25)Öl auf Leinwand, 135 x 170 cmAlte Nationalgalerie, Berlin

Formulierungsbeispiele zur Perspektive:

  • Die im Hintergrund verwendeten kühlen Farben erzeugen eine starke Bildtiefe und lassen die Berge ferner erscheinen als die Gebirgsformationen am unteren Bildrand (Farbperspektive).
  • Die Bildzonen lassen sich klar voneinander in Vorder-, Mittel- und Hintergrund trennen und erzeugen damit eine harmonische Wirkung. Der Übergang ist durch die geformten Hügelformationen, die sich nach rechts und links weich aus dem Bild ziehen, fließend.
  • Man erkennt die Anwendung der Luftperspektive durch einen zunehmenden Detailverlust und eine Verblassung der Farben in Richtung des Berges im Hintergrund. Die Bildtiefenwahrnehmung wird dadurch unterstützt.

Du möchtest mehr über die einzelnen Perspektivarten und ihre Wirkung erfahren? Dann schau gerne im Artikel "Perspektiven Kunst" vorbei!

Licht und Schatten

Licht und Schatten haben meist einen großen Einfluss auf die Gesamtwirkung eines Werkes. Häufig haben Licht und Schatten auch mit der Darstellung der Räumlichkeit zu tun.

GestaltungselementeMögliche DarstellungenAnalyse / wie wirkt es?
Licht
  • Lichtquelle (natürlich/künstlich)
  • Lichtführung (gerichtet/diffus)
  • Woher kommt das Licht?
  • Auswirkung auf Plastizität & Räumlichkeit
  • natürlich
  • inszeniert
  • weich, zart
  • spannungsvoll, dramatisch
  • ...
Schatten
  • Körperschatten
  • Schlagschatten
  • In welche Richtung zeigen die Schatten?
  • Mit welcher Technik gezeichnet/gemalt?
  • Auswirkung auf Plastizität & Räumlichkeit
  • hart
  • weich
  • geheimnisvoll
  • ...
Beleuchtungsstil
  • Normalstil
  • Schattenreich/Low-Key-Stil*
  • Überbelichtet/High-Key-Stil*
  • Zeigelicht ("Clair-obscure")
  • Atmosphärisch
  • ...
  • dramatisch
  • künstlich, unnatürlich
  • natürlich
  • unheimlich
  • inszeniert
  • ...
Lichtspiel
  • Reflexionen
  • Glanzpunkte
  • Spiegelungen
  • Auswirkung auf Plastizität & Räumlichkeit
  • edel, hochwertig
  • Symbol?

*Low-Key-Stil/ High-Key-Stil sind Fachbegriffe der Fotografie und werden selten in der Malerei verwendet.

Bildanalyse Kunst Licht Schatten StudySmarterAbbildung 5: Beispielwerk zur Analyse von Licht und SchattenQuelle: kunsthalle-karlsruhe.deJacob Marell: „Vanitas-Stillleben“ (1637)Öl auf Leinwand, 93 x 80 cmKunsthalle Karlsruhe

Formulierungsbeispiel zu Licht & Schatten:

  • Durch die Spiegelung in der Glasvase erkennt man die natürliche Lichtquelle eines Fensters, das ein weiches Licht von links oben in das Bild wirft.
  • Es entstehen Körper und Schlagschatten, die nach rechts gerichtet sind. Die Schlagschatten erscheinen weich und verleihen dem Werk Bildtiefe und Räumlichkeit.
  • Glanzpunkte an Messer und Geige sowie Lichtreflexionen in Seifenblasen und Vase unterstützen die Plastizität der Abbildung und wirken edel.

Um Dich in das Thema zu vertiefen, schau Dir gerne den Artikel "Licht und Schatten Kunst" an!

Schluss

Je nach Werk kann man noch weitere Punkte analysieren. Manchmal wird auch in der Aufgabenstellung speziell nach einem bestimmten Aspekt gefragt, der analysiert werden soll (zum Beispiel Bewegungsdarstellung, Zeitdarstellung, Figurenausdruck etc.).

Zum Schluss kannst Du beispielsweise in ein bis zwei Sätzen Deine Analyse zusammenfassen und die Gesamtwirkung des Bildes betonen. Damit lässt sich auch eine Überleitung zu der anschließenden Interpretation machen.

Die Bildanalyse in der Kunst – Beispiel

Im Folgenden findest Du nun eine gesamte Bildanalyse des Werks „Die Malkunst“ von Jan Vermeer (1666). Die genannten Gestaltungselemente sind immer türkis markiert, die aufgeführte Wirkung ist unterstrichen.

Jan Vermeer: „Die Malkunst“ (1666) — Bildanalyse

Bildanalyse Kunst Beispiel StudySmarterAbbildung 6: Beispielwerk zur BildanalyseQuelle: commons.wikimedia.orgJan Vermeer: „Die Malkunst“ (1666)Öl auf Leinwand, 120 x 100 cmKunsthistorisches Kunstmuseum, Wien

Komposition

Jan Vermeers Gemälde "Die Malkunst" ist im Hochformat auf einer 120 x 100 cm großen Leinwand angelegt. Die Bildzonen lassen sich in einzelne Bereiche trennen, wodurch trotz der vielen Bildelemente eine strukturierte Wirkung entsteht.

Im Vordergrund befinden sich der Vorhang und der linke Stuhl, sie eröffnen der betrachtenden Person den Blick in den Bildraum. Im Mittelgrund sieht man den Maler mit seiner Staffelei, den Hintergrund schmückt das Model und die große Landkarte an der Wand.

Formal betrachtet wird das Gemälde von statischen senkrechten und waagerechten Linien dominiert (siehe auch Kompositionsskizze weiter unten). Diese finden sich fast überall im Bild und bilden zusammen ein Raster, das sich über die Bildfläche aufspannt. Dadurch wirkt das Gemälde geordnet und ruhig. Einige Linien lassen sich gedacht fortführen und unterstützen damit den rasterartigen Aufbau.

So geht die rechte Begrenzungslinie der Landkarte in die rechte Seite der Leinwand auf der Staffelei über. Ähnlich ist es bei der Formung eines nach unten geöffneten Trapezes, das der Maler mit seiner Staffelei bildet. Die obere linke Kante der Staffelei wird durch das linke Stuhlbein des Hockers, auf dem der Maler sitzt, fortgeführt. Das nahezu gleichschenklige Trapez, das als zentrale Kompositionsform angesehen werden kann, verleiht dem Werk eine standhafte Wirkung.

Weitere statische Formen, die diese Ruhe und Stabilität im Bild unterstützen, sind der Kerzenleuchter, der senkrecht von der Decke hängt und die Landkarte an der Wand, die beide Figurenköpfe durch die äußere Linie rahmt.

Aufgebrochen wird das Gesamtbild durch einige dynamische Formen und Linien. Dies geschieht besonders durch den dominierenden Vorhang im Vordergrund, bei dem durch die Faltenbahnen geschwungene Linien entstehen. Die Requisiten, die sich links auf dem Tisch befinden, bilden ebenfalls dynamische Formen und lockern damit die rasterartige Statik des Werkes auf.

Der Bildinhalt füllt das Format aus, nach links und nach oben wird das Bild durch den Vorhang und die Decke abgeschlossen. Nach rechts hin kann man sich eine Fortsetzung denken, jedoch wird auch hier das Bild durch senkrechte Linien abgeschlossen. Insgesamt entsteht eine Rahmung des Bildinhalts zu allen Seiten, die das Werk einheitlich wirken lässt.

Die Blickführung des Bildes folgt der Staffelung des Bildaufbaus. Der im Vordergrund hängende Vorhang lädt in das Bild ein und führt mit seinen geschwungenen, in das Bild führenden Linien den Blick zum Maler und seiner Leinwand. Von dort aus folgt man dem Blick des Malers auf das Model im Hintergrund. Das Model steht fast im geometrischen Mittelpunkt des Bildes und bildet damit ein optisches Zentrum für die Betrachtenden.

Kompositionsskizze:

Bildanalyse Kunst Kompositionsskizze Beispiel StudySmarterAbbildung 7: Kompositionsskizze zu „Die Malkunst“ von Jan VermeerQuelle: commons.wikimedia.org (bearbeitet)

Darstellungsweise und Maltechnik

Vermeer verfolgt eine naturalistische Malweise und arbeitet Details naturgetreu aus. Zudem arbeitet er mit Farbflecken, die aus der Ferne betrachtet die Bildstrukturen erkennbar machen. Es entsteht eine hohe Stofflichkeit- und Oberflächenillusion, die die Materialien fast spürbar wirken lassen (Boden wirkt glatt, der Vorhang edel und schwer, die Haare des Malers weich). Die Pinselführung ist sorgsam genau und der Farbauftrag lasierend und deckend. Es lassen sich keine Spuren des Farbauftrags auf der Leinwand finden, was einen gleichmäßigen Eindruck unterstützt.

Farbe

Die Farbpalette des Werks ist koloristisch gehalten, jedoch dominieren warme Erd- und Beigetöne. Sie dienen als Basis im Bild. Hinzu kommt eine farbliche Binärkombination von Gelb- und (hellen) Blautönen. Fast unscheinlich findet man auch einen Rotton in den Strümpfen des Malers. Es ergibt sich eine Farbskala der Grundfarbtönen (nach Ittens Farbkreis) von Rot, Gelb und Blau, die eine harmonische Grundstimmung erzeugen.

An Farbkontrasten sticht besonders der Hell-Dunkel-Kontrast heraus. Er erscheint am reinsten im Fußboden und in der Kleidung des Malers (Schwarz/Weiß). Er lässt das Bild spannend wirken und unterstützt die räumliche Tiefe des Bildes (mehr unter "Perspektive"). Zwischen dem Gelb- und dem Blauton baut sich ein Kalt-Warm-Kontrast auf, der das Werk sehr interessant wirken lässt. Vor allem direkt nebeneinander, zwischen dem Kleid des Models und dem Buch in ihrem Arm, zieht der Kontrast den Blick auf sich. Beide Töne wiederholen sich in verschiedenen Bereichen im Bild. Bei der Landkarte an der Wand entsteht so beispielsweise ein Quantitätskontrast zwischen den kleinen blauen Farbflecken und der vorherrschenden Farbfläche in Ocker. Auch dieser Kontrast unterstützt die stabile und spannende Wirkung.

Räumlichkeit und Perspektive

Anhand der parallelen Rückwand und dem Tisch lässt sich erkennen, dass der Bildraum mithilfe der Zentralperspektive aufgebaut wurde. Wenn man davon ausgeht, dass die Mittelwaagerechte gleichzeitig den Horizont darstellt, führt eine Fluchtlinie entlang der rechten Tischkante zu einem Fluchtpunkt auf dieser Achse (siehe Kompositionsskizze). Jedoch erkennt man auch weitere Fluchtpunkte (außerhalb des Bildes), mit denen Vermeer arbeitet, wenn man die Fluchtlinien der schräg stehenden Gegenstände von Stuhl, Schemel und Staffelei verfolgt. Die Verwendung der Zentralperspektive bewirkt eine harmonische Stimmung, wird aber durch die Verwendung von mehreren Fluchtpunkten aufgelockert, sodass sie nicht künstlich oder starr wirkt. Der Betrachterstandpunkt ist in der Normalperspektive leicht untersichtig, wodurch das Gefühl eines stillen, unscheinbaren Betrachtenden verstärkt wird.

Wie zuvor erwähnt sind die einzelnen Bildzonen voneinander abgrenzbar und staffeln sich nach hinten hin, wodurch die Raumtiefe deutlich wird. Mit dieser Staffelung wird auch das raumschaffende Mittel der Überdeckung deutlich, sodass die räumliche Darstellung sehr klar wird: Der Maler und der Tisch verdecken die im Hintergrund befindliche Landkarte und das Model. Der Vorhang im Vordergrund wiederum verdeckt den Tisch und den Stuhl. Farblich wird die Räumlichkeit ebenfalls durch den Gegensatz von dunkleren Farben im Vordergrund und hellerer, kühlerer Farben im Hintergrund unterstützt.

Licht und Schatten

Die Hauptlichtquelle befindet sich außerhalb des Bildes, lässt aber aufgrund des diffusen Lichteinfalls auf ein Fenster vermuten (natürliche Lichtquelle). Das Licht scheint von links direkt das Model im Hintergrund an. Dabei nimmt die Lichtintensität in Richtung Vordergrund ab, die helleren Bereiche des Vorhangs veranlassen jedoch zur Annahme einer zweiten Lichtquelle, die sich ebenfalls links und außerhalb des Bildes befinden muss. Durch die weit hinten liegende Lichtquelle ergibt sich für die betrachtende Person eine Gegenlichtsituation.

Entsprechend der diffusen Lichtquelle ergeben sich weiche Körper- und Schlagschatten, die sich nach rechts richten. Es lassen sich viele Schatten erkennen, wodurch auch der zuvor genannte Hell-Dunkel-Kontrast hervorsticht. Zum Teil zeigen sich auch härtere Schatten, beispielsweise im Vorhang und bei den Requisiten auf dem Tisch. Die Schatten tragen maßgeblich zur Plastizität der Bildobjekte bei. Besonders deutlich wird dies bei den Rissen bzw. Wellen der Landkarte: Sie heben sich durch die Schattierung auf der rechten Seite sehr ab und erscheinen dadurch plastisch.

Glanzlichter an Kerzenleuchter, Stuhlverzierung und Vorhang lassen die Objekte besonders dreidimensional wirken und verleihen ihnen gleichzeitig ein hochwertiges Aussehen.

Schluss

Licht, Komposition, Farbe und Räumlichkeit verbinden sich zu einem Gesamtkunstwerk, das eine harmonische Grundstimmung hat. Gelegentlich wird diese durch geschwungene und kontrastreiche Elemente aufgebrochen und verleiht dem Werk Spannung und Dynamik. Das Werk wirkt dadurch nicht starr, sondern lebhaft und natürlich.

Um Dich in das Thema "Bildinterpretation" zu vertiefen, schau Dir gerne den dazugehörigen Artikel an!

Bildanalyse Kunst — Alles Wichtige auf einen Blick

  • Die Bildanalyse ist Teil einer Werkerschließung und wird in der Regel im zweiten Schritt nach der Bildbeschreibung und vor der Bildinterpretation gemacht.
  • Bei einer Bildanalyse werden alle Gestaltungsmerkmale eines Kunstwerkes untersucht und ihre Wirkung bestimmt.
  • Folgende Untersuchungsaspekte sollten in einer Analyse aufgegriffen werden: Komposition und Bildaufbau, Darstellungsweise und Maltechnik, Farbe, Räumlichkeit und Perspektive sowie Licht und Schatten.
  • Gelegentlich wird in einer Aufgabenstellung auch nach ganz individuellen Analysepunkten gefragt, nach denen eine Analyse ausgerichtet werden sollte.
  • Anschließend an eine Analyse folgt normalerweise eine Bildinterpretation.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Bildanalyse Kunst

Eine Bildanalyse ist so aufgebaut, dass folgende Untersuchungsaspekte vorkommen: Komposition & Bildaufbau, Darstellungsweise & Maltechnik, Farbe, Räumlichkeit & Perspektive und Licht & Schatten.
Die Bildanalyse ist Teil einer Werkerschließung und wird in der Regel im zweiten Schritt nach der Bildbeschreibung und vor der Bildinterpretation gemacht.

In eine Bildanalyse gehören folgende Untersuchungsaspekte: Komposition & Bildaufbau, Darstellungsweise & Maltechnik, Farbe, Räumlichkeit & Perspektive und Licht & Schatten. Es werden alle Gestaltungsmerkmale eines Kunstwerkes untersucht und ihre Wirkung bestimmt.

Eine Bildanalyse in Kunst kannst du mit einem Einleitungssatz beginnen, musst es aber nicht. Du kannst auch direkt mit dem ersten Untersuchungsaspekt, zum Beispiel dem Bildaufbau, beginnen.

Fachbegriffe die es in einer Bildanalyse gibt, sind meistens allgemeine Fachbegriffe aus dem Fach Kunst. Begriffe die du kennen solltest sind beispielsweise Komposition, Statisch/Dynamisch, Vertikale/Horizontale, Expressiv, Monochrom, und einige mehr.

Finales Bildanalyse Kunst Quiz

Frage

Wie ist eine Bildanalyse aufgebaut?

Antwort anzeigen

Antwort

Der Aufbau einer Bildanalyse kann in vier verschiedenen Etappen dargestellt werden. 

Du beginnst damit allgemeine Informationen zu dem Bild herauszufinden und beschreibst danach was auf dem Bild zu sehen ist. Darauf folgt die eigentliche Bildanalyse, bei der du bestimmte Merkmale des Werkes genauer beschreibst. Nach der Analyse interpretierst du das Bild. Du beendest deine Bildanalyse mit einer abschließenden Bewertung des Werkes.

Frage anzeigen

Frage

Worauf muss man bei der Interpretation eines Werkes achten?

Antwort anzeigen

Antwort

Bei der Interpretation achtest du auf biographische, gesellschaftliche, werkimmanenter und kunsthistorische Zusammenhänge und begründest deine Deutungen anhand dieser.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass jeder Betrachter das Werk unterschiedlich interpretiert. Das bedeutet, dass deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, solange du deine Deutung an, zum Beispiel formalen Gestaltungsmitteln, begründen kannst.


Frage anzeigen

Frage

Welche Bildgattungen gibt es?
Antwort anzeigen

Antwort

Stillleben, Historienmalerei, Portrait, Landschaft, Interieur, sakrale Malerei (heilig/kirchlich), Fotografie / Grafik, ungegenständliches / abstraktes Gemälde, Genrebild (Alltagsmalerei)
Frage anzeigen

Frage

Nenne sieben Farbkontraste:
Antwort anzeigen

Antwort

Kalt-Warm-Kontrast, Komplementär-Kontrast, Hell-Dunkel-Kontrast, Farbe-an-sich-Kontrast, Qualitätskontrast, Quantitätskontrast, Simultankontrast 
Frage anzeigen

Frage

Nenne verschiedene Darstellungsweisen:
Antwort anzeigen

Antwort

vereinfacht, abstrakt, abstrahiert, idealistisch, detailreich, naturnah (weniger am Naturbild), naturgetreu (sehr nah am Naturbild), deformiert  
Frage anzeigen
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