Bildinterpretation Kunst

Vielleicht musstest Du im Fach Kunst schon mal eine Bildinterpretation schreiben und hast dabei versucht, die Bedeutung des Werks sowie die Inhalte zu vermitteln. Doch was genau muss bei einer Bildinterpretation eigentlich genau beachtet werden? Wie sieht der Aufbau einer Bildinterpretation im Bereich Kunst aus und gibt es hierfür eine Anleitung mit einem Beispiel

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Inhaltsangabe

    Bildinterpretation Kunst – Anleitung und Überblick

    Die Bildbeschreibung, Bildanalyse und Bildinterpretation gehören alle zur Werkerschließung im Fach Kunst. Die Bildinterpretation ist der dritte Schritt der Werkerschließung und hat zum Ziel, das Bild zu deuten.

    In der Bildinterpretation erstellst Du einen Zusammenhang zwischen dem ersten Schritt, der Bildbeschreibung und dem zweiten Schritt, der Bildanalyse. Du erschließt also die Verbindung zwischen den Inhalten des Bildes und den bildnerischen Mitteln. In der Interpretation solltest Du zeigen, welche Bedeutung das Bild hat und wie der Inhalt vermittelt wird.

    Sieh Dir gern auch die Erklärungen zur "Bildbeschreibung Kunst" und "Bildanalyse Kunst" hier auf StudySmarter an!

    Untenstehend findest Du einen Überblick bzw. eine Anleitung in welcher Reihenfolge Du ein Werk erschließen solltest:

    1. Bildbeschreibung: "Das Bild zeigt eine blaue Vase."
    2. Bildanalyse: "Es sind überwiegend Blautöne im Bild zu finden."
    3. Bildinterpretation: "Die blaue Farbe der Vase ist ein Symbol der Sehnsucht in der Romantik."

    Die Bildinterpretation verwendet die Ergebnisse der Bildanalyse und setzt diese in einen größeren Kontext. Im Vergleich konzentriert sich die Analyse auf das Bild an sich. Die Bildinterpretation benötigt eine gewisse Fachkenntnis, um das Bild richtig deuten zu können. Wie Du ein solches Fachwissen erlangst, erfährst Du im nächsten Kapitel.

    Bildinterpretation Kunst: Sammeln von Informationen

    Deine Fachkenntnisse zur Bildinterpretation können mit dem zu interpretierenden Werk verbunden werden. Dieses Fachwissen beinhaltet insbesondere biografische und historische Kenntnisse über den Autor und die Zeit, in der das Bild entstanden ist, sowie den Ort der Entstehung.

    Das ist aber kein Wissen, was Du einfach haben sollst. Es ist wichtig, Recherchen zum Bildkontext anzustellen und diese in der Interpretation mit dem Bild in Verbindung zu setzen. Bei Deiner Recherche kannst Du Dir die folgenden Fragen stellen:

    • Biografischer Hintergrund des Künstlers: wo hat er gewohnt, mit wem hat er gearbeitet, was hat ihn bewegt und was hat er erlebt?
    • Information über die damalige Gesellschaft und Lebensweise: Wie war die Politik, wie waren gesellschaftliche Verhältnisse, war die Religion im Vordergrund?
    • Kunsthistorische Merkmale: Was waren die Einflüsse von anderen Künstlern, welche künstlerischen Strömungen waren zu finden, was waren die stilistischen Merkmale?

    Mit diesen Informationen schaffst Du es, Verknüpfungen zwischen dem Künstler und dem Bild herzustellen.

    Durch Deine Recherchen über die Kunstepoche des zu interpretierenden Bildes kannst Du etwa Verbindungen zwischen dem Werk und der Zeit schaffen. Gibt es typische oder untypische Merkmale an dem Bild? Passt das Bild zu anderen Werken der Epoche oder nimmt es einen besonderen Platz in der Epoche ein?

    Überdies kannst Du Informationen zum Leben des Künstlers oder der Künstlerin schaffen. Steht das Bild im Zusammenhang mit anderen Werken des Künstlers oder der Künstlerin? Oder weißt Du, in welchem Zusammenhang das Bild gemalt wurde bzw. was die Intention und der Auslöser für das Bild waren?

    Sollte es nur wenige Informationen oder wenige Ideen zu dem zu interpretierenden Bild geben, dann lässt sich meistens eine Aussage über den ersten Eindruck/die erste Wirkung auf den Betrachtenden des Bildes herleiten.

    Neben den Recherchen zum Fachwissen sind auch die Ergebnisse der Bildanalyse wichtig für die Bildinterpretation. Denn die analysierten Gestaltungsmittel (Ergebnisse der Bildanalyse) können helfen, den Bildinhalt zu verstehen. Die Geschichte der Kunst zeigt, dass Künstlerinnen und Künstler über viele Jahre und Jahrhunderte hinweg Symbole entwickelt haben, die immer eine ähnliche Aussage vermitteln sollen. Diese Symbole werden als solche gedeutet und auf ihre Bildbedeutung hinterfragt.

    Kunsthistorikerinnen und -historiker bezeichnen die Deutung der wiederkehrenden Symbole in Bildern mit dem Fachwort "Ikonographie". Wiederkehrende Symbole, also einzelne Motive im Bild mit symbolischem Gehalt, können etwa ein Adler sein, der für Könige und Götter stehen kann oder eine weiße Taube, die für Frieden steht.

    Neben der Ikonographie gibt es in der Kunstwissenschaft noch die sogenannte "Ikonologie", die die Bedeutungsebene eines Motivs der Ikonographie untersucht. Die Ikonologie versucht den Bildinhalt zu ergründen.

    Der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen liegt darin, dass die Ikonographie sich auf ein einzelnes Bild bezieht, während die Ikonologie sich in einem weiteren Sinne mit der Bedeutung von Symbolen beschäftigt (bspw. mit mehren Werken einer oder mehrerer Künstlerinnen und Künstler).

    Wenn Du mehr über die kunstwissenschaftlichen Methoden "Ikonographie" und "Ikonologie" wissen möchtest, klick Dich hier in die Erklärungen auf StudySmarter!

    Es gibt keine perfekte Anleitung zur Bildinterpretation, aber durch eigene Ideen und Gedanken zum Bild oder zu der Recherche kannst Du verschiedene Ansätze dafür finden, welche Bedeutung das Bild haben kann und welche Intentionen die Künstlerin oder der Künstler eventuell hatte.

    Bildinterpretation Kunst – Aufbau

    Wie Du ein Bild interpretierst, hängt nicht nur von Fachwissen ab, sondern auch von Deinem persönlichen Eindruck und Deinen Gedanken und Gefühlen beim Betrachten des Bildes.

    Wie sieht der Aufbau einer Bildinterpretation also aus? Die Bildinterpretation lässt sich in zwei Elemente gliedern: Zum einen in einen werkimmanenten Teil und zum anderen in einen werktranszendenten Teil.

    Werkimmanent bedeutet, das Bild aus sich selbst heraus, also ohne zusätzliches Fachwissen, zu interpretieren.

    Die werkimmanente Interpretation, auch kurz Werkimmanenz genannt, braucht kein zusätzliches Wissen über Künstlerinnen und Künstler, die Epoche oder über zeitliche Zusammenhänge.

    Du greifst in der werkimmanenten Bildinterpretation die Ergebnisse aus den ersten beiden Schritten der Werkerschließung auf (Bildbeschreibung und Bildanalyse) und erweiterst sie. Das tust Du, indem Du herausstellst, in welcher Beziehung Personen auf dem Bild zueinander stehen, was für Kleidung sie tragen, was für Gesten sie verwenden usw. Du sammelst also alles, was auf den ersten Blick erkennbar ist.

    Werktranszendent hingegen bedeutet, auf Grundlage von Fachwissen und Recherchen das Bild zu interpretieren.

    Du benutzt die gesammelten Informationen, um Dir Zusammenhänge im Bild und zwischen den Kunstschaffenden und dem Bild zu erschließen.

    • Werkimmanenter Teil: Wie wirkt das Bild auf die Betrachtenden?
    • Werktranszendenter Teil: Inwiefern klären die Ergebnisse der Recherche das Werkverständnis?

    Bildinterpretation Kunst Beispiel

    Im Folgenden findest Du eine mögliche Bildinterpretation anhand eines Beispielbildes:e

    Bildinterpretation Kunst Jacques-Louis Davis Tod Marat StudySmarterAbbildung 1: Beispielbild für BildinterpretationJacques-Louis David: "Der Tod des Marat" (1793)Öl auf Leinwand, 162cm x 128cmRoyal Museums of Fine Art in Belgien

    Bildinterpretation Kunst schreiben: Hintergrundinformationen zum Bild

    Wie schreibt man eine Bildinterpretation, ist Deine Frage? Bevor Du mit der Bildinterpretation beginnst, ist es wichtig, dass Du Hintergrundinformationen über das Werk, den Künstler und die Kunstepoche sammelst. Diese verwendest Du dann im nächsten Schritt bei der eigentlichen Interpretation. Hier findest Du ein Beispiel dafür, welche Informationen für die Interpretation der oberen Abbildung wichtig sein könnten:

    Das Bild "Der Tod des Marat" wurde 1793 von Jacques-Louis David gemalt. David lebte zur Zeit der Französischen Revolution.

    Die Französische Revolution (1787 bis 1799) war ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte Frankreichs. Die Bürgerinnen und Bürger setzten sich im Geiste der Aufklärung (1720 bis 1800) für ein größeres Mitspracherecht ein und es sollte eine neue Verfassung zur Verbesserung der Bürgerrechte ausgearbeitet werden. Doch nach einer Missernte warteten die Menschen nicht länger, bis die Verfassung in Kraft treten sollte.

    Am 14.07.1789 versammelten sich ca. hunderttausend Menschen vor dem Gefängnis "Bastille", mit dem Plan, die dortigen Waffen zu entwenden. Der Tag ging als "Der Sturm auf die Bastille" in die Geschichte ein und war der Anfang zahlreicher Aufstände und Überfälle seitens der französischen Bevölkerung.

    Am 26.08.1789 wurde dann die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte verabschiedet, in der grundlegende Menschenrechte wie Freiheit, Sicherheit etc. festgesetzt wurden. Die Macht des Königs wurde durch ein Parlament und ein eingeschränktes Vetorecht begrenzt. Um zu verhindern, dass der König sich Unterstützung in Österreich und Preußen zur Steigerung seiner Macht holt, wurde der Palast gestürmt und der König 1793 hingerichtet. Frankreich wurde zur Republik und es folgten Jahre voller Kriege gegen die Nachbarländer.

    „Der Tod des Marat“ ist ein Zeugnis des Mordes an dem Führer des französischen Nationalkonvents namens Jean-Paul Marat. Der Tatort ist Marat's Badezimmer, da er wegen einer Hautkrankheit oft seine Zeit in der Badewanne verbrachte. Der Zettel, den er in der Hand hält, zeigt den Namen der Mörderin. Das Gemälde wurde im Sitzungssaal des Nationalkonvents aufgehängt.

    Der Nationalkonvent war die Volksvertretung in der Französischen Revolution. Eine ihrer Aufgaben war es, Verfassungen zu verabschieden.

    Bildinterpretation Kunst schreiben: Interpretation der gesammelten Informationen

    Sobald Deine Hintergrundinformationen vollständig sind, musst Du alle gesammelten Fakten und Beschreibungen interpretieren. Das bedeutet, Du verbindest die Inhalte des Bildes (Bildbeschreibung) mit den bildnerischen Mitteln (Analyse) und den Hintergrundinformationen.

    Du kannst zuerst mit dem werkimmanenten Teil anfangen und dann den werktranszendenten Teil bearbeiten, um Deinen Text zu strukturieren und die Leserinnen und Leser besser zu leiten. Das könnte dann wie im folgenden Beispiel aussehen:

    Das Bild "Der Tod von Marat" von Jacques-Louis David stellt einen toten Mann in einer Badewanne mit einer Schreibfeder in der Hand dar. Auf der Kiste vor der Badewanne ist das Datum "Lan deux" erkennbar. Die Körperhaltung des toten Mannes erinnert an Darstellungen von Jesus. Auffällig ist, dass der Kopf und die Schreibfeder im Vordergrund ins Licht gerückt sind.

    Der tote Mann auf dem Bild ist der Führer des französischen Nationalkonvents, namens Jean-Paul Marat. Das Datum auf der Kiste verweist auf das zweite Jahr der Jakobinerherrschaft und Marat, der ein Jakobiner war, wurde von einer Frau ermordet. Sie verabscheute die Jakobiner und begann deshalb Mord an ihm. Marat ist für den Künstler ein Märtyrer der Revolution, weshalb er in seiner Gestaltung an Jesusdarstellungen erinnert. Außerdem war er für seine Intelligenz bekannt, die durch seine Tätigkeit als Autor und Redner bekannt wurde. Daher werden der Kopf und die Schreibfeder besonders hervorgehoben.

    Die Jakobiner waren eine politische Vereinigung während der Französischen Revolution. Ihre Mitglieder gehörten zum gehobenen Bürgertum und kämpften für soziale Gleichheit. Um ihre Ziele durchzusetzen, griffen sie zu gewalttätigen Methoden.

    Das Wichtigste an Deiner Interpretation ist, dass Du schlüssige Argumente hast. Diese sollten auf Grundlage Deiner Recherchen und Analyse basieren. Wie Du das Werk schlussendlich interpretierst, ist von da an ganz Dir überlassen.

    Diese Fragen können Dir helfen, das Ziel der Interpretation nicht aus den Augen zu verlieren:

    • Was will der Künstler zum Ausdruck bringen?
    • Was ist das Hauptthema des Bildes?
    • In welche Epoche ordnest Du das Bild ein?
    • Welche Belege hast Du für Deine Aussagen?

    Bildinterpretation Kunst – Das Wichtigste

    • Bildinterpretation Überblick:

      • Die Bildinterpretation ist der dritte Schritt der Werkerschließung. Du zeigst auf, was das Thema des Bildes ist und was die Künstlerin oder der Künstler mit dem Bild aussagen will.

    • Bildinterpretation Anleitung:

      • In folgender Reihenfolge solltest Du ein Werk erschließen:

        • Bildbeschreibung: "Das Bild zeigt eine blaue Vase."
        • Bildanalyse: "Es sind überwiegend Blautöne im Bild zu finden."
        • Bildinterpretation: "Die blaue Farbe der Vase ist ein Symbol der Sehnsucht in der Romantik."
    • Wie schreibt man eine Bildinterpretation?

      • Um den Bildinhalt deuten zu können, musst Du zunächst so viele Informationen wie möglich über die Künstlerin oder den Künstler und die Kunstepoche sammeln. Wichtige Informationen können sein:

        • das Erscheinungsjahr

        • die kunsthistorische Epoche der Entstehung

        • biografische Kenntnisse über die Künstlerin oder den Künstler

        • Einflüsse anderer Kunstschaffender etc.

      • Durch das gesammelte Fachwissen, kannst Du das Bild in einen größeren Kontext setzen und so Verbindungen zwischen Bild, Künstlerin oder Künstler und dem historischen Hintergrund ergründen.

    • Bildinterpretation Aufbau:

      • Du teilst die Interpretation in einen werkimmanenten und einen werktranszendenten Teil.

        • Im werkimmanenten Teil interpretierst Du nur das, was Du siehst.

        • Im werktranszendenten Teil nimmst Du die gesammelten Hintergrundinformationen hinzu.

      • Diese Einteilung hilft Dir dabei, Deinen Text zu strukturieren und die Leserschaft zu leiten.

    • Achte darauf, dass Du alle Deine Aussagen belegen und begründen kannst. Alle Deine Interpretationen müssen auf Deiner vorherigen Analyse und nachweisbaren Fakten basieren.


    Nachweise

    1. planet-wissen.de: Neuzeit: Die Französische Revolution. (15.06.2022)
    2. unterricht.kunstbrowser.de: Beschreibung, Analyse und Interpretation. (15.06.2022)
    3. daskreativeuniversum.de: Wie du eine perfekte Bildanalyse in der Kunst schreibst: Das 5-Phasen-Modell. (15.06.2022)
    4. Abb. 1 - Death of Marat by David (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Death_of_Marat_by_David.jpg), Public Domain (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/).
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Bildinterpretation Kunst

    Wie schreibt man eine Bildinterpretation?

    Eine Bildinterpretation schreibt man, indem Du einen Zusammenhang zwischen den Inhalten des Kunstwerks und den bildnerischen Mitteln herstellt. Hierzu sammelst Du vorab so viele Hintergrundinformationen wie möglich.

    Wie kann man ein Bild interpretieren?

    Um ein Bild zu interpretieren, brauchst Du zunächst Hintergrundinformationen, die Bildbeschreibung und die Ergebnisse der Bildanalyse. Diese fasst Du dann in der Interpretation zusammen und bringst sie in einen Zusammenhang.

    Wie ist eine Bildinterpretation in Kunst aufgebaut?

    Deine Bildinterpretation wird mit einem werkimmanenten Teil und einem werktranszendenten Teil aufgebaut. Du betrachtest also zuerst das Bild ohne zusätzliche Informationen und dann führst Du es mit den gesammelten Hintergrundinformationen zusammen.

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