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Regierung Erhard

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Geschichte

In diesem Artikel geht es um die Regierung Erhard. Du lernst, was die Regierung Erhard war, was sie auszeichnete und welche Entscheidungen von ihr wir heute noch spüren. Dieser Artikel gehört zum Themenbereich Geteiltes Deutschland im Fach Geschichte.



Ludwig Wilhelm Erhard 


Ludwig Wilhelm Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth geboren und starb am 5. Mai 1977 in Bonn. Neben, beziehungsweise vor, seinen politischen Tätigkeiten war er Wirtschaftswissenschaftler. 


Abb.1: Ludwig Erhard Quelle: konrad-adenauer.de

 

 

Jugend, Ausbildung, Militärdienst und wissenschaftliche Karriere


Ludwig Erhard wuchs in gut bürgerlichen Verhältnissen auf. Sein Vater arbeitete als Textilwarenhändler und Weißwarengeschäftsbesitzer. Seine Mutter kümmerte sich vor allem um ihn und seine drei Geschwister. Mit zwei Jahren erkrankte Ludwig Erhard an spinaler Kinderlähmung und behielt einen deformierten Fuß als Langzeitfolge der Erkrankung. Erhard besuchte in seiner Heimatstadt Fürth die Volks- und Realschule und schloss 1916 eine Lehre als Einzelhandelskaufmann ab.  


Nach Beendigung dieser Lehre kämpfte Ludwig Erhard für die Bayerische Armee im Ersten Weltkrieg. Seinen Kriegseinsatz verbrachte er größtenteils in Rumänien und an der Westfront. 1918 wurde er in Belgien von einer Handgranate schwer verwundet, musste sieben Mal operiert werden und konnte in der Folge keine längeren Zeiten mehr stehen. Außerdem gab Erhard später an, die Verwundung seelisch nie ganz verarbeitet zu haben. 1919 schied er als Offiziersanwärter aus der Armee aus.


Durch seine Verwundung wurde die Arbeit im Geschäft seines Vaters nach dem Krieg unmöglich, sodass sich Erhard dazu entschied, in die Wissenschaft zu gehen. Von 1919 bis 1922 studierte Erhard trotz seines fehlenden Abiturs an der Handelshochschule Nürnberg. Dieses Studium schloss er als Diplom-Kaufmann ab. Bis Dezember 1925 promovierte er mit der. Note "gut" zum Dr. rer. pol. bei seinem Doktorvater Franz Oppenheimer. 


"Dr. rer. pol." ist die Abkürzung für die lateinische Bezeichnung "doctor rerum politicarum", was im deutschen Doktor für Staatswissenschaften bedeutet. 


Nach seiner wissenschaftlichen Ausbildung arbeitete Erhard als Geschäftsführer im Betrieb seiner Eltern, der jedoch 1928 bankrott ging. Ab 1928 war Erhard Assistent beim "Institut für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware an der Handelshochschule in Nürnberg" und publizierte in der linksliberalen Wochenzeitschrift "Das Tage-Buch". 


In seinen Artikeln sprach sich Erhard gegen den damals weit verbreiteten Protektionismus aus und forderte stattdessen eine Förderung der Verbrauchsgüterproduktion und eine internationale Wettbewerbswirtschaft und freie Marktpreisbildung. Sich selbst bezeichnete Erhard damals als Anhänger des National- beziehungsweise Ordoliberalismus.

Mit seiner Forderung nach weniger Protektionismus vertrat Ludwig Erhard Anfang der 1930er-Jahre sehr progressive wirtschaftspolitische Ansichten, was für seine spätere Außen- und Wirtschaftspolitik sicherlich von Vorteil war. Wenn du nicht weißt, was Protektionismus bedeutet, empfehlen wir dir daher, den Artikel zu Protektionismus im Fach Wirtschaft zu lesen. 



NS-Zeit 


Neben einigen wissenschaftlichen Tätigkeiten war Ludwig Erhard in der NS-Zeit als wirtschaftspolitischer Berater für die Integration der annektierten Gebiete in Österreich, Polen und Lothringen tätig und beriet somit direkt den dortigen Gauleiter Josef Bückerl. Dieses und einige weitere Ämter verlor er jedoch aufgrund seiner fehlenden Mitgliedschaft in der NSDAP


Ab Herbst 1942 beschäftigte sich Erhard in seinem selbstgegründeten "Institut für Industrieforschung" mit verschiedenen Fragen rund um die Wirtschaft im Dritten Reich. 


Laut dem Historiker Werner Abelshauser erstellte Ludwig Erhard für die NS-Regierung Gutachten, wie die besetzen Gebiete in Polen am besten auszubeuten sein. Er sprach sich dabei gegen die Diskriminierung der polnischen Bevölkerung und die Pläne einiger hochrangiger Nationalsozialisten aus, Polens Bevölkerung in einer Art Sklavenstatus zu unterdrücken. 


Einige Historiker*innen und Journalist*innen bewerteten Erhards Wirken im NS-Staat anders als das oft vermittelte Bild vom "unpolitischen Professor". Der Historiker Daniel Koerner bezeichnete Erhard als "keinen Widerstandskämpfer", sondern eher als "blauäugig" und "politisch naiv" im Umgang mit dem NS-Staat. Noch kritischer beurteilte die Journalistin Ulrike Hermann Erhards Wirken ein dieser Zeit. Sie warf Erhard vor, sich in der NS-Zeit "engagiert" und der Naziherrschaft somit "willig gedient" zu haben. 


Ämter


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelangte Erhard schnell in hohe politische Ämter. Unten findest du eine Liste mit allen politischen Ämtern Erhards nach dem Zweiten Weltkrieg.


Zeitraum 
Amt
1945-1946Bayerischer Staatsminister für Handel und Gewerbe in der amerikanischen Militärregierung
1947Leiter der Expertenkommission "Sonderstelle Geld und Kredit" in der britisch-amerikanischen Bizone
1948 Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes 
1949-1977Mitglied des Deutschen Bundestages
1949-1963 Bundesminister für Wirtschaft in der BRD
1957-1963Vizekanzler der BRD
1963-1966Bundeskanzler der BRD
1966Vorsitzender der CDU


Bayerischer Staatsminister für Handel und Gewerbe


Ludwig Erhard arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst einen Monat als Wirtschaftsreferent in seiner Heimatstadt Fürth. Jedoch gelangte er durch seinen Kontakt zum damaligen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner relativ schnell in hohe politische Ämter. Bereits im Oktober 1945 wurde Erhard zum Bayerischen Staatsminister für Handel und Gewerbe. Mit den Wahlen im Dezember 1946 endete Erhards Amtszeit. 


Wilhelm Hoegner wurde in der amerikanischen Militärregierung September 1945 der zweite Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Während seiner Amtszeit war Hoegner gleichzeitig Vorsitzender vom bayerischen Verfassungsausschuss. Er gilt daher auch als "Vater der bayerischen Verfassung". 


Er selbst soll vor allem für die Institutionalisierung von Volksbegehren und Volksentscheid, die Gleichstellung von Bekenntnisschule und Gemeinschaftsschule und die Verankerung der gemeindlichen Selbstverwaltung in der bayerischen Verfassung verantwortlich sein. Seine Amtszeit endete nach den ersten Wahlen im Dezember 1946. 

1954 wurde er für eine zweite Amtszeit gewählt. 


Da Hoegner der SPD angehörte, ist er bis heute der einzige nicht von der CSU gestellte Ministerpräsident in Bayern.


Leiter der Expertenkommission "Sonderstelle Geld und Kredit"


Mit seiner Tätigkeit als Leiter der Expertenkommission "Sonderstelle Geld und Kredit" in der britisch-amerikanischen Bizone war Ludwig Erhard für die Vorbereitung der Währungsreform zuständig. Nach anfänglichem Zögern schloss sich auch noch Frankreich dem Vorhaben an, sodass Ludwig Erhard für die Vorbereitung der Währungsreform in ganz Westdeutschland zuständig war. 


Die Währungsreform im Jahr 1948 bezeichnet die Umstellung der vorherigen Währungen "Reichs Mark" und "Renten Mark" (beide RM) auf das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel "Deutsche Mark" (DM).


Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes 


Am 2. März 1948 wurde Erhard auf Vorschlag der Liberalen zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes gewählt und war somit für die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik Deutschlands zuständig. Allerdings hatte er in dieser Position nur begrenzten Einfluss, da dieser zum Großteil bei den West-Alliierten lag. So wurde Erhard trotz seiner vorherigen Mitarbeit bei der Vorbereitung der Währungsreform erst 5 Tage vor ihrer Durchführung über den genauen Termin und Ablauf informiert. 


Mitglied des Deutschen Bundestages


Ludwig Erhard saß von 1949 bis zu seinem Tod im Jahr 1977 knapp 28 Jahre im Deutschen Bundestag. Insgesamt erlebte er damit 8 unterschiedliche Legislaturperioden. Bis 1969 gewann er sechs Mal das Direktmandat im Wahlkreis Ulm, wo er zu dieser Zeit wohnte. Danach zog er noch zwei Mal über die Landesliste der CDU Baden-Württemberg in das höchste deutsche Parlament ein. Während seiner beiden letzten beiden Amtszeiten oblag ihm als Alterspräsident die Eröffnung des 7. und 8. Deutschen Bundestages. 

 

Bundesminister für Wirtschaft 


Am 20. September wurde Ludwig Erhard vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer zum ersten Minister für Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland berufen. Dies gelang Erhard, da er sich durch seine vorherigen Ämter sowie seine wirtschaftspolitischen Anregungen innerhalb der CDU im Wirtschaftsbereich einen Namen gemacht hatte. Mehr dazu findest du im Absatz "Ludwig Erhard Soziale Marktwirtschaft". 


Durch seine wirtschaftspolitische Strategie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland fuhr seine Partei die CDU mit 45,2% (1953) und 50,2% (1957) außergewöhnliche Ergebnisse ein.

Mit 50,2% der Zweitstimmen und insgesamt 269 von 497 Bundestagsmandaten fuhr die CDU bei der Bundestagswahl 1957 das einzige Mal in der Geschichte ein Wahlergebnis mit einer absoluten Mehrheit ein. In der Folge konnte Bundeskanzler Konrad Adenauer in seiner dritten Amtszeit noch gestärkter regieren. 


Vizekanzler 


In Folge der absoluten Mehrheit seiner Partei bei der Bundestagswahl 1957 wurde Ludwig Erhard von Konrad Adenauer zum Vizekanzler ernannt. Angesichts von Adenauers 81. Geburtstages im selben Jahr, wurde Ludwig Erhard durch die Ernennung bereits zu diesem Zeitpunkt als der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gehandelt. 


Bundeskanzler


Nach Adenauers Rücktritt wurde Ludwig Erhard 1963 Bundeskanzler. Mehr dazu findest du im Absatz "Regierung Erhard".

 

Vorsitzender der CDU


Auch wenn Konrad Adenauer Ludwig Erhard als Bundeskanzler verhindern wollte, gelingt Erhard 1963 der Aufstieg in das Amt des Regierungschefs. 3 Jahre später - 1966 vollzog sich dieser Wechsel auch an der Spitze der CDU.


Funfact


Auch wenn Erhard seit 1949 für die CDU bei den Wahlen antrat und sogar Bundesminister und Bundeskanzler war, ist Erhard frühestens 1966 in die CDU eingetreten. Damals wurde seine Mitgliedschaft laut Konrad-Adenauer-Stiftung auf 3 Jahre rückdatiert, also auf den Beginn von Erhards Kanzlerschaft. 

Der ehemalige persönliche Mitarbeiter Erhards und Geschäftsführer der Ludwig-Erhard-Stiftung bestreitet hingegen, dass Erhard jemals Mitglied in der CDU gewesen sei. 


Laut ihm liege zwar eine auf 1949 rückdatierte Mitgliederkarte aus dem Jahr 1968 im CDU-Kreisverband Ulm vor. Allerdings habe Erhard diese nie unterschrieben. 


Sollte diese Aussage stimmen, wäre Erhard formal der einzige parteilose Bundeskanzler Deutschlands und gleichzeitig der einzige CDU-Bundes- und Ehrenvorsitzende, der nicht Mitglied der Partei, für die er arbeitete, war. 



Ludwig Erhard Soziale Markwirtschaft 


Am 28. August 1948 lud Ludwig Erhard zum Parteitag der CDU in der britischen Besatzungszone ein. Auf diesem wollte er die CDU von der Anfang 1947 im Ahlener Programm beschlossenen wirtschafts- und sozialpolitischen Position abbringen, welche als "Christlicher Sozialismus" beschrieben wurde. Er selbst sprach sich für ein Konzept einer "Sozialen Marktwirtschaft" aus. 


In den Düsseldorfer Leitsätzen, welche faktisch als Wahlprogramm der CDU bei der ersten Bundestagswahl fungierte, tauchten Punkte aus beiden Konzepten auf. Sowohl inhaltlich wie auch in der Bezeichnung hat sich Erhards Konzept der Sozialen Marktwirtschaft allerdings heutzutage durchgesetzt, da Ehrhard dieses in seiner Zeit als Bundeswirtschaftsminister von 1949 bis 1963 umsetzen konnte. 


Als Soziale Marktwirtschaft bezeichnet man ein gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Konstrukt, welches versucht, die wirtschaftlichen Vorteile der Marktwirtschaft mit einer ausreichenden sozialen Absicherung zu vereinen. 


Die Industrie trifft in einer Sozialen Marktwirtschaft die meisten Entscheidungen allein und der Markt bestimmt den Preis der Produkte. Jedoch kann der Staat in die Entscheidungen der Industrie sowie die Preisbildung am Markt eingreifen. Außerdem sollen alle Menschen durch die soziale Absicherung die gleichen Chancen erhalten. 



Regierung Erhard 


Ludwig Erhard war nach dem Rücktritt Konrad Adenauers in zwei unvollständigen Legislaturperioden zwischen dem 15. Oktober 1963 und dem 1. Dezember 1966 Bundeskanzler. 


Außenpolitik 


Ost- und Deutschlandpolitik 


Die USA drängten in der Zeit der Regierung Erhard auf eine deutsche Beteiligung in der Entspannungspolitik gegenüber dem Osten. Die Regierung Erhard probierte hier auf der einen Seite den USA entgegenzukommen, bestand aber andererseits auch auf eine vorherige Lösung in der Deutschlandfrage. 1963 und 1964 wurden Handelsverträge mit Polen, Rumänien, Ungarn und Bulgarien abgeschlossen, welche die DDR in Europa isolieren und somit zu einer Wiedervereinigung beitragen sollten. 


Mit der Veranlassung der Sowjetunion an die restlichen Ostblockstaaten, Beziehungen zu der BRD auf keinen Fall aufzubauen, der Ablehnung des Besuches vom sowjetischen Partei- und Staatschefs Chruschtschow in der Bundesrepublik sowie der Ablehnung der Bitte der DDR nach einem direkten Gespräch mit der BRD über die Deutsche Frage statt mit den "Vier Mächten" scheiterten zu Erhards Zeiten die Hoffnungen nach einer baldigen Wiedervereinigung. 


Im März 1966 hob die Bundesregierung in der Konsequenz seine Forderung, dass Fortschritte in der Entspannungspolitik mit dem Osten von den Fortschritten in der Lösung der Deutschlandfrage abhängig gemacht werden sollten auf. 


Die Deutschlandfrage bzw. "Deutsche Frage" bezeichnet die zwischen 1806 und 1990 in unterschiedlicher Form aufgetretene Form der Frage nach der territorialen Ordnung Deutschlands. Die Deutsche Frage war je nach Situation immer unterschiedlich. Seit der Wiedervereinigung und der vorherigen Anerkennung Deutschlands als vollständiges Mitglied in den Vereinten Nationen und der EU gilt die Deutsche Frage als abschließend geklärt und gelöst. 


Bündnispolitik im Westen 


Als überzeugter Atlantiker warb Erhard zu seiner Amtszeit für bessere Beziehungen mit den USA. Zusammen mit der damaligen US-amerikanischen Regierung trieb er die Pläne nach einer multilateralen Atomstreitmacht (MLF) nach vorn. Da zwischen den USA und Frankreich zu diesem Zeitpunkt Spannungen im Bereich der politischen Zusammenarbeit vorlagen, sah sich Erhard gezwungen, ein Angebot des damaligen französischen Charles des Gaulles in Zukunft die europäische Politik gemeinsam zu bestimmen, abzulehnen. 


Diese Entscheidung brachte die deutsch-französischen Beziehungen ebenfalls auf einen Tiefpunkt. Da sich außer der BRD und den USA keine weiteren Staaten zur Finanzierung der MLF bereit erklärten scheiterte das Projekt.


Europapolitik 


Die Bundesregierung verfolgte seit 1964 das Projekt der "Wiederbelebung der politischen Union" in Europa. Dieses Projekt sah eine intergouvernementale Zusammenarbeit in Form von regelmäßigen Ministerpräsidentenkonferenzen im Bereich der Außen-, Verteidigungs- und Kulturpolitik vor. Da die Bundesregierung jedoch Frankreich nicht von ihren Plänen überzeugen konnte und ein Beitritt Großbritanniens scheiterte, musste die Regierung Erhard ihre Pläne zurückziehen.  


Nahostpolitik


Da die Sowjetunion nach einem politischen Fehler Erhards in der Frage der Einstellung aller Waffenlieferungen in die Nahostregion Ägypten wirtschaftlich und militärisch förderte, kam es zu einem Abbruch der deutsch-ägyptischen Beziehungen. Nach der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel brachen außerdem die meisten arabischen Staaten (außer Tunesien, Libyen und Marokko) die diplomatischen Beziehungen zur BRD ab.


Innenpolitik 


Formierte Gesellschaft 


Ludwig Erhard sah in seiner ersten Amtszeit den Zerfall der Gesellschaft in zu viele unterschiedliche Interessengruppen als ein großes Problem. In der Folge forderte er eine sogenannte "formierte Gesellschaft" durch eine "kooperative Demokratie". Allerdings war vielen seiner Zeitgenossen und den meisten CDU-Mitgliedern nicht ganz klar, was er unter dieser Bezeichnung verstand, sodass seine Forderung schon kurze Zeit später keine Rolle mehr spielte. 


Wahl zum 5. Deutschen Bundestag 


Als Wirtschaftsminister hatte sich Erhard die Bezeichnung "Vater des Wirtschaftswunders" verdient. Dadurch war er bei vielen Wähler*innen äußerst beliebt. Dadurch kam die CDU/CSU bei den Wahlen im September 1965 auf 47,6%, die SPD und FDP nur auf 39,3% bzw. 9,5%. Mit diesem Ergebnis konnte eine neue bürgerlich-liberale Koalition aus CDU/CSU und FDP gebildet werden, obwohl sich beispielsweise der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke für eine "Große Koalition" aus CDU/CSU und SPD aussprach.


Wirtschaftliche Rezession 


Kurz nach der Regierungsbildung bekamen viele Bürger*innen der BRD aufgrund von sektoralen Schwankungen in der Kohle- und Stahlindustrie Angst vor einer wirtschaftlichen Rezession. Allerdings blieb diese aus. Es gab nur kleinere Einbrüche in der Preisstabilität, welche nach dem jahrelangen wirtschaftlichen Aufschwung allerdings auch schon für viele befremdliche wirkten. 


Weitere innenpolitische Krisen 


Die Starfighter-Affäre, die Bemühungen rund um die Notstandsgesetzgebung sowie der Vietnam-Krieg schwächten im Laufe der Regierung Erhard das Vertrauen in die Bundesregierung und Bundeskanzler Erhard. 


Ende der Regierung Erhard 


Im September 1966 geriet eine Deckungslücke von 7 Mrd. DM im Kabinettsvorschlag für den Bundeshaushalt 1967 in den Fokus der Öffentlichkeit. Diese beruhte auf der Nichtberücksichtigung der zu erwartenden Steuermindereinnahmen und der noch zu leistenden Ausgleichszahlungen für die USA, für dessen Verbindlichkeit Erhard selbst verantwortlich war.


Da Erhard in Washington ebenfalls keine Minderung der noch zu leistenden Zahlungen erreichen konnte, schlug die CDU zur Gegenfinanzierung Steuererhöhungen und Kürzungen im Bereich der Spar- und Bauförderung vor. Die FDP sprach sich zunächst gegen diese Maßnahmen aus, stimmte jedoch dann einem Kompromiss zu. Für diesen erntete sie starken medialen Gegenwind, sodass kurze Zeit später alle FDP-Minister ihr Amt niederlegten. 


Erhard bildete danach zunächst eine Minderheitsregierung, scheiterte jedoch mit seinem neuen Haushaltsvorschlag, da dieser einstimmig im Bundesrat aufgrund der immer noch vorliegenden Deckungslücke von 4 Mrd. DM abgelehnt wurde.


Dieses Scheitern trieb den Autoritätsverlust Erhards in der eigenen Partei und der Bevölkerung weiter voran, sodass er sich am 2. November 1966 auf Drängen seiner eigenen Bundestagsfraktion zum Rücktritt bereit erklärte. Mit der erfolgreichen Einigung zwischen CDU/CSU und SPD zur Bildung der ersten bundesweiten "Großen Koalition" wurde Kurt Georg Kiesinger der 3. Bundeskanzler der BRD. Erhard trat in der Folge endgültig zurück.




Regierung Erhard - Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ludwig Wilhelm Erhard wurde am 4. Februar 1897 in Fürth geboren und starb am 5. Mai 1977 in Bonn.
  • er saß knapp 28 Jahre im Bundestag, war ein Jahr lang bayerischer Wirtschaftsminister, 14 Jahre Bundeswirtschaftsminister, 6 Jahre Vizekanzler und 3 Jahre Bundeskanzler (1963-1966).
  • Ludwig Erhard gilt durch seine Zeit als Bundeswirtschaftsminister als der "Vater des Wirtschaftswunders und der Sozialen Marktwirtschaft"; während seiner Kanzlerschaft hingegen konnte eher weniger bewegen und wurde in der Bevölkerung unbeliebter.
  • die Außenpolitik seiner Kanzlerschaft war auf der einen Seite durch gute Beziehungen zu den USA und Israel geprägt, auf der anderen Seite aber auch durch einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit mehreren Nahoststaaten und einer Verschlechterung der Beziehungen mit Frankreich.
  • seine Regierung scheiterte an einer Deckungslücke im Bundeshaushalt 1967 in Höhe von 7 Mrd. Dollar, für die Erhard hauptverantwortlich war.




Häufig gestellte Fragen zum Thema Regierung Erhard

Ludwig Wilhelm Erhard wurde am 15. Oktober 1963 nach dem Rücktritt des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer zum zweiten deutschen Bundeskanzler gewählt. 

Nach Ludwig Erhards Rücktritt wurde Kurt Georg Kiesinger am 1. Dezember 1966 von der ersten Großen Koalition auf Bundesebene zum dritten deutschen Bundeskanzler gewählt. 

Der spätere Bundeskanzler und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard wird oftmals als Vater der sozialen Marktwirtschaft bezeichnet, da er der CDU das Konzept 1948 vorstellte und es in der Folge als Wirtschaftsminister unter Konrad Adenauer umsetzte. 

Soziale Marktwirtschaft zeichnet eine Wirtschaftsform, welche auf dem Kapitalismus beruht, sich aber im Gegensatz zur "freien Maßnahme" auch stark mit dem sozialen Ausgleich einer Gesellschaft und der sozialen Absicherung der einzelnen Bürger*innen beschäftigt. Der Markt kann in ihr nicht vollkommen frei agieren, sondern wird durch Leitlinien, welche für soziale Gerechtigkeit sorgen sollen, begrenzt.

Finales Regierung Erhard Quiz

Frage

Wann lebte Ludwig Erhard? 

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Antwort

1897-1977


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Frage

Welches Amt erlangte Ludwig Erhard direkt nach dem Zweiten Weltkrieg? 


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Antwort

Ludwig Erhard war 1945-1946 bayerischer Staatsminister für Handel und Gewerbe in der amerikanischen Militärregierung.

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Frage

Wovon machte die Regierung Erhard eine Beteiligung an der Entspannungspolitik gegenüber dem Osten abhängig? 


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Antwort

von einer vorherigen Lösung in der "Deutschen Frage"

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Frage

Als was galt Ludwig Erhard durch seine politische Einstellung gegenüber den USA?


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Antwort

Er galt als Atlantiker.

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Frage

An was scheiterte die Regierung Erhard? 

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Antwort

An einer Deckungslücke im Bundeshaushalt für das Jahr 1967

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Frage

Was besagen die Notstandsgesetze?

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Antwort

  • Die Notstandsgesetze änderten das Grundgesetz 
  • Bei einem innerem Notstand, Verteidigungsfall und Spannungsfall durften die Grundrechte eingeschränkt werden.
Frage anzeigen

Frage

Was sind die  Notstandsgesetze von 1968 ?

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Antwort

Als Notstandsgesetze werden die Grundgesetzänderungen bezeichnet, welche am 30. Mai 1968  vom Deutschen Bundestag beschlossen wurden.

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Frage

Wann wurden die Notstandsgesetze vom Bundestag beschlossen  ? 

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Antwort

am 30. Mai 1968

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Frage

Warum wurden die Notstandsgesetze 1968 erlassen ?

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Antwort

Die Notstandsgesetze würden sichern, dass der Bundestag  und die Bundesregierung die nötige Handlungsfähigkeit in einem Krisenfall hätten. 


Denn die militärischen Truppen der Westmächte waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland weiter stationiert.

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Frage

Warum war ein großer Teil der deutschen Bevölkerung gegen die Notstandsgesetze ?

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Antwort

Die deutsche Bevölkerung hatte Angst, dass der Staat zu viel Macht durch die Notstandsgesetze erhalten würde und einer Diktatur gleichen würde. 

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Frage

Was bedeutet APO ?

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Antwort

Außerparlamentarische Opposition

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Frage

Warum versammelten sich am 11. Mai 1968 über 40.000 Menschen in Bonn ?

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Antwort

Zu dem Massenprotest namens Sternmarsch 

Frage anzeigen

Frage

Sind die Notstandsgesetze auch heute noch im Grundgesetz verankert ?

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Antwort

Ja 

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Frage

Warum gefährdete die Reichstagsbrandverordnung 1933 die Weimarer Republik?


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Antwort

Der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg  beschloss 1933 die Reichstagsbrandverordnung, welche die Grundrechte außer Kraft setzte und die NS-Diktatur einleitete.

Frage anzeigen

Frage

Was ist der Hintergrund der Notstandsgesetze 1968? 


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Antwort

Hintergrund der Notstandsgesetze war, dass die Westmächte Sonderrechte zum Schutz ihrer Truppen vorbehalten hatten.


 Diese waren  in Deutschland auch nach dem Zweiten Weltkrieg stationiert. Damit Deutschland unabhängiger werden konnte, wollte die Bundesregierung sich für eine Notfallsituation gesetzlich absichern.

Frage 3

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Frage

Wann werden Notstandsgesetze verabschiedet? 


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Antwort

Wenn die Sicherheit des Staates in Gefahr ist.

Das ist der Fall bei einem 

  • innerem Notstand
  • Verteidigungsfall
  • Spannungsfall 


Frage anzeigen

Frage

Wer entwickelte den ersten Entwurf der Notstandgesetze ?

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Antwort

Bundesinnenministers Gerhard Schröder

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Frage

Aus welchen Parteien bestand die Große Koalition 1966?

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Antwort

CDU und SPD

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Frage

Was  führte zum Zerfall der APO ?

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Antwort

Das Inkrafttreten der Notstandsgesetze

Frage anzeigen

Frage

Wer war Heinrich Böll ?

Antwort anzeigen

Antwort

Heinrich Böll war ein berühmter Schriftsteller

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