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Julikrise

Wenn Du an den Juli denkst, wirst Du wahrscheinlich sommerliche Tage im Kopf haben. In dieser Erklärung geht es jedoch nicht um einen schönen Tag, sondern um die Julikrise 1914, die im Ausbruch des Ersten Weltkrieges mündete. Dabei erfährst Du alles zur kritischen Ausgangslage der Großmächte und ihren imperialistischen Bestrebungen. Diese Erklärung hilft Dir, die Ereignisse nach dem Attentat von Sarajevo besser zu verstehen.

Julikrise 1914

Mit der Julikrise von 1914 wird oft auch der Weg in den Ersten Weltkrieg beschrieben, doch nicht die Julikrise an sich war der direkte Weg in den Krieg. Bereits zuvor entstand zwischen den europäischen Großmächten ein Spannungsfeld, welches dann in der Julikrise zu eskalieren drohte und schließlich mit dem Ersten Weltkrieg führte.

Möchtest Du mehr über den Ersten Weltkrieg erfahren? Dann schau Dir gerne unsere Erklärung auf StudySmarter an!

Julikrise – Ausgangslage

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Verhältnis der europäischen Staaten angespannt. Zum einen war die veränderte Außenpolitik im deutschen Kaiserreich ein entscheidender Faktor in der europäischen Beziehung. Denn mit der Abdankung Bismarcks 1890 löste sich auch das Bündnissystem allmählich auf und die Triple Entente stand nun im Gegensatz zum Dreibund.

Zur Triple Entente gehörten die drei Mächte Frankreich, Großbritannien und Russland.

Der Dreibund setzte sich aus den beiden Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn, sowie Italien zusammen.

Zum anderen betrieben die Großmächte ein Wettrüsten, was gerade in der Bevölkerung zu einem Gefühl der Bedrohung führte. Auch Krisen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wie die Marokkokrise, sorgten für ein angespanntes Verhältnis zwischen den Großmächten. Daher wurde der Krieg von ihnen zunehmend als Notwendigkeit gesehen, um diese Spannungen zu entladen.

Die Erste Marokkokrise fand 1904 – 1906 statt und war ein internationaler Spannungszustand um den Einfluss in Marokko. Ausgelöst wurde dieser durch die Rivalität des Deutschen Reiches und Frankreich. In dem Fall versuchte sich Frankreich, als herrschende Macht in Marokko zu etablieren, während das Deutsche Reich darauf bestand, interessierten Mächten den Zugang nach Marokko zu gewähren.

Julikrise – Pulverfass Balkan

Im Kontext der Julikrise solltest Du von dem Pulverfass Balkan wissen, denn auch die Geschehnisse auf dem Balkan sind letztlich relevant für den Ersten Weltkrieg. Die Konfliktlage auf dem Balkan stand im direkten Bezug zum Kriegsausbruch und zum Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn.

Das Verhältnis der Balkanstaaten war zunächst durch den Zerfall des Osmanischen Reiches Anfang des 20. Jahrhunderts angespannt. Allgemein führte der Zerfall zu einem veränderten Kräfteverhältnis.

Zusätzlich wollte Serbien zu einem souveränen Staat werden und Bosnien-Herzegowina annektieren. Da der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn jedoch Angst vor einem zu starken Serbien hatte, annektierte Österreich-Ungarn im Jahr 1908 Bosnien-Herzegowina. Zudem setzte Österreich-Ungarn die Unabhängigkeit Albaniens durch und mischte sich somit ein weiteres Mal in die Interessen Serbiens ein. Denn eigentlich wollte Serbien sich einen Zugang zur Adria durch Albanien verschaffen.

1912 kam es zum ersten Balkankrieg, in dem es den Balkanstaaten gelang, das Osmanische Reich zurückzudrängen. Im Jahr 1913 kam es zum zweiten Balkankrieg, aus dem Serbien mit einem verdoppelten Staatsgebiet hervorging. Fortan wurde Serbien von Russland unterstützt. Dadurch erhoffte sich Russland Macht über die türkischen Meere zu erlangen.

Julikrise – Attentat von Sarajevo

Die eigentliche Julikrise begann Juli 1914 in Sarajevo. Bei einem Staatsbesuch des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand wurde dieser von einem Attentäter ermordet. Der Attentäter war Anhänger des Panslawismus, eine übersteigerte Form des Nationalismus in Serbien. Das Attentat von Sarajevo am 28. Juni war Auslöser der Julikrise im Jahr 1914.

Der Panslawismus war eine Form der Panbewegung und entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts als romantischer Nationalismus. Ziel war es, eine kulturelle, religiöse und politische Einheit aller slawischen Völker zu bilden. Aus der panslawistischen Bewegung gingen im 20. Jahrhundert Jugoslawien und die Tschechoslowakei hervor. Seit dem Zerfall dieser Staaten gilt der Panslawismus als politisch gescheitert.

Infolge dieses Ereignisses kam es zu einer ganzen Kette von Reaktionen der Großmächte. Während Großbritannien auf diplomatischem Wege versuchte einen Weltkrieg abzuwenden, machten alle weiteren Großmächte hektisch strategische Züge und stürzten sich somit immer weiter ins Unglück.

Julikrise – Zusammenfassung

Die Ereignisse der Julikrise folgten sehr rasch aufeinander und bezogen sich direkt auf das Attentat. Denn das Attentat hatte weitreichende Konsequenzen auf die europäischen Beziehungen. Der ermordete Prinz Franz Ferdinand war schließlich der einzige Thronfolger Österreich-Ungarns. Infolgedessen forderte Österreich Vergeltung.

Der Vielvölkerstaat sah durch das Attentat von Sarajevo einen Grund, Serbien den Krieg zu erklären und gleichzeitig die Chance, die immer größer werdende Macht des Königreichs Serbiens einzudämmen.

Doch für einen Krieg war die Ausgangslage nicht unbedingt optimal, da Russland als Serbiens Schutzmacht fungierte. Österreich-Ungarn hätte nicht allein gegen diesen großen Gegner vorgehen können.

Julikrise – Mission Hoyos

Daher wurde am 05. Juli 1914 der österreichische Legationsrat Alexander Hoyos nach Berlin entsandt, um im Falle eines Krieges die deutsche Rückendeckung zu haben – auch im militärischen Vorgehen gegen Serbien.

Am 05. Juli 1914 wurde ein Blankoscheck von Deutschland ausgefüllt und am 06. Juli 1914 wurde dieser vom Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg bestätigt. Mit ihm wurde die deutsche Treue und Rückendeckung für ein militärisches Vorgehen bestätigt. Österreich konnte nun selbst entscheiden, welche Form der Hilfe es von der deutschen Macht benötigte. Österreich-Ungarn hatte also die bedingungslose Hilfe Deutschlands im Krieg erhalten. Mission Hoyos hatte somit Erfolg.

Als Blankoscheck versteht man umgangssprachlich eine Art Vollmacht oder Erlaubnis an eine dritte Partei, ohne Beschränkungen handeln zu dürfen.

Gleichzeitig bestätigte Frankreich sein Bündnis mit Russland bei einem Staatsbesuch des französischen Staatspräsidenten Raymond Poincaré.

Julikrise Telegramm Hoyos-Mission StudySmarterAbb. 2 - Auszug aus dem Telegramm des österreichisch-ungarischen Botschafters in Berlin an Außenminister Graf Berchtold in Wien zum Ergebnis der Hoyos-Mission.

Julikrise – Ultimatum

Am 23. Juli 1914 stellte Österreich ein Ultimatum an die serbische Regierung, welches einen Forderungskatalog beinhaltete. Dies war die letzte Möglichkeit, die Situation auf diplomatischem Wege zu entschärfen. Österreich-Ungarn wollte durch die Bedingungen des Katalogs Serbiens Macht zurückdrängen, da die Nation immer mehr zur Gefahr für den Vielvölkerstaat wurde.

Der Forderungskatalog sah unter anderem vor, die Hintermänner des Attentats von Sarajevo zu bestrafen. Außerdem sollten österreichische Beamte fortan in Serbien eingesetzt werden.

Julikrise Ausschnitt Forderungskatalog StudySmarterAbb. 3 - Ausschnitt des Forderungskatalogs von Österreich an Serbien.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Forderungskatalogs, der von Österreich an Serbien gestellt wurde. Dieser beinhaltet insgesamt 10 Punkte.

Während einige Punkte jegliche Äußerungen gegen die Unterdrückung der österreichischen Monarchie und allgemeine Propaganda gegen Österreich-Ungarn zu unterbinden forderten, sah Serbien allein den Einsatz österreichischer Beamte im eigenen Land kritisch.

Dennoch akzeptierte Serbien den Forderungskatalog zwei Tage später. Allerdings mit der Ausnahme, dass keine österreichischen Beamten in Serbien eingesetzt werden durften, da Serbien so keine Möglichkeit sah eine eigene Nation zu bilden.

Julikrise – Kriegsausbruch

Nach einem erneuten Blankoscheck der deutschen Regierung erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg, genau einen Monat nach dem Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand. Bereits einen Tag später, am 29. Juli 1914, begann Österreich mit der Beschießung Belgrads.

Russland begann mit der Generalmobilmachung am 30. Juli 1914. Am 31. Juli 1914 forderte Deutschland die Neutralität Frankreichs im Falle eines Krieges, woraufhin Frankreich jedoch mit der Generalmobilmachung reagierte. Daraufhin erklärte Deutschland am 01. August 1914 erst Russland und dann am 03. August 1914 Frankreich den Krieg.

Als Deutschland am 03. August 1914 in Belgien einmarschierte, erklärte auch Großbritannien als Schutzmacht Belgiens Deutschland den Krieg und am 06. August 1914 erklärte schließlich Österreich-Ungarn Russland den Krieg.

Das genaue Datum des Beginn des Ersten Weltkriegs fällt damit also auf den 28. Juli 1914.

1914: Julikrise – Zeitstrahl

  • 28. Juni: Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Franz Ferdinand

  • 5./6. Juli: „Mission Hoyos“ und der deutsche „Blankoscheck“

  • 20. bis 23. Juli: Besuch der französischen Regierung in St. Petersburg

  • 23. Juli: Österreichisches Ultimatum an Serbien

  • 25. Juli: Vorbehalte Serbiens gegen Teile des Ultimatums

  • 25. Juli: Österreichische Teilmobilmachung

  • 27. Juli: Russische Teilmobilmachung

  • 28. Juli: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien

  • 30. Juli: Russische Generalmobilmachung

  • 31. Juli: Österreichische Generalmobilmachung

  • 31. Juli: Deutsches Ultimatum an Russland, seine Mobilmachung einzustellen

  • 31. Juli: Deutsches Ultimatum an Frankreich, sich neutral zu erklären

  • 1. August: Generalmobilmachung und Kriegserklärung Deutschlands an Russland

  • 3. August: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich

  • 3. August: Einmarsch deutscher Truppen in Belgien

  • 4. August: Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland

Julikrise - Das Wichtigste

  • Bei einem Staatsbesuch des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Bosnien-Herzegowina wurde dieser von einem Attentäter in Sarajevo ermordet.
  • Das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 war Auslöser der Julikrise.
  • Am 23. Juli 1914 stellte Österreich ein Ultimatum an die serbische Regierung, das einen Forderungskatalog beinhaltete.
  • Serbien akzeptierte den Forderungskatalog zwei Tage später, mit der Ausnahme, dass keine österreichischen Beamten in Serbien eingesetzt werden durften.
  • Mit der Julikrise von 1914 wird oft auch der Weg in den Ersten Weltkrieg beschrieben.

Nachweise

  1. Abb. 2 - Auszug aus dem Telegramm des österreichisch-ungarischen Botschafters in Berlin an Außenminister Graf Berchtold in Wien zum Ergebnis der Hoyos-Mission (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/d/d0/Telegramm_zur_Hoyos-Mission.jpg) unter der Lizenz gemeinfrei.
  2. Abb. 3 - Ausschnitt des Forderungskatalogs von Österreich an Serbien (http://wk1.staatsarchiv.at/diplomatie-zwischen-krieg-und-frieden/oesterreich-ungarns-ultimatum-an-serbien-1914/#/?a=artefactgroup8) unter der Lizenz Öffentlich (https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=513)

Häufig gestellte Fragen zum Thema Julikrise

Die Julikrise wurde durch das Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914 ausgelöst. Hier wurde der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand von einem Attentäter ermordet.

In der Julikrise spitzte sich die Konfliktlage zwischen den europäischen Großmächten zu. Mit der Mission Hoyos erlangt Österreich den Blankocheck Deutschlands. Zudem stellte Österreich-Ungarn nach dem Attentat von Sarajevo ein Ultimatum an Serbien, als diesem nicht zugestimmt wurde, folgte die Kriegserklärung an Serbien.

Unter der Julikrise versteht man die Zuspitzung mehrerer Konflikte zwischen den fünf europäischen Großmächten und Serbien, die auf die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 folgte und schließlich zum Ersten Weltkrieg führte. 

Die Julikrise spielte sich im Jahre 1914 ab.

Finales Julikrise Quiz

Frage

Welche Auslöser gab es für die Julikrise?

Antwort anzeigen

Antwort

1. Das Attentat von Sarajevo 

2. Die angespannte Lage der Großmächte durch bspw. die Marokkokrise oder das massive Wettrüsten. 

Frage anzeigen

Frage

Wann fand das Attentat von Sarajevo statt?

Antwort anzeigen

Antwort

28. Juni 1914

Frage anzeigen

Frage

Welche Forderung aus dem österreichischen Forderungskatalog wurde von Serbien abgelehnt?

Antwort anzeigen

Antwort

Serbien lehnte den Einsatz österreichischer Beamter in Serbien ab, da es so keine Möglichkeit sah einen souveränen Staat aufzubauen. 

Frage anzeigen

Frage

Was ist das Resultat der beiden Balkankriege Anfang des 20. Jahrhundert?

Antwort anzeigen

Antwort

Das Resultat ist das veränderte Kräfteverhältnis auf dem Balkan und der Zerfall das Osmanischen Reiches. Serbien konnte seine Macht im Balkan ausbauen und wurde geografisch verdoppelt. 

Frage anzeigen

Frage

Was ist der Panslawismus? 

Antwort anzeigen

Antwort

Eine übersteigerte Form des Nationalismus in den slawischen Bevölkerung, welche den Zusammenschluss in allen slawischen Völkern anstrebt.

Frage anzeigen

Frage

Wann fand das Attentat in Sarajevo statt?

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Antwort

28. Juni 1914

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Frage

Wer wurde beim Attentat umgebracht?

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Antwort

Das österreich-ungarische Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und Sophie Chotek

Frage anzeigen

Frage

Wie viele Attentatsversuche gab es in Sarajevo 1914?

Antwort anzeigen

Antwort

Zwei

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Frage

Wie hießen die beiden Hauptattentäter? 

Antwort anzeigen

Antwort

Nedeljko Čabrinović

Gavrilo Princip

Frage anzeigen

Frage

Welcher Organisation gehörten die Attentäter an?

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Antwort

Sie gehörten der serbisch-nationalistischen Organisation "Junges Bosnien" an. 

Frage anzeigen

Frage

Welches Ziel verfolgte "Junges Bosnien"?

Antwort anzeigen

Antwort

Ihr Ziel war es, Bosnien-Herzegowina aus der Hand Österreich-Ungarns zu befreien und ein gemeinsames Jugoslawien zu ermöglichen.  

Frage anzeigen

Frage

Welche Geheimorganisation war neben "Junges Bosnien" am Attentat von Sarajevo beteiligt?

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Antwort

Die serbische Geheimorganisation "Schwarze Hand", die für ein serbisches Großreich auf dem Balkan kämpfte. 

Frage anzeigen

Frage

Weshalb konnten die Attentäter ihr Vorhaben so gut planen?

Antwort anzeigen

Antwort

Das genaue Datum und das Besuchsprotokoll wurden in der Presse veröffentlicht. 

Frage anzeigen

Frage

Wie sah der erste Attentatsversuch aus?

Antwort anzeigen

Antwort

Čabrinović warf eine Bombe auf das Fahrzeug des Thronfolgerpaares, verfehlte dieses aber. 

Frage anzeigen

Frage

Wie sah der zweite Attentatsversuch aus?

Antwort anzeigen

Antwort

Princip schoss auf das Thronfolgerpaar, als ihr Fahrzeug bei einem Wendemanöver in seiner Nähe zum Stehen kam. Franz Ferdinand und Sophie wurden tödlich verletzt. 

Frage anzeigen

Frage

Welche Folgen hatte das Attentat von Sarajevo 1914?

Antwort anzeigen

Antwort

Julikrise

Frage anzeigen

Frage

In welchem Kriegsereignis mündete die Julikrise schließlich?

Antwort anzeigen

Antwort

Erster Weltkrieg

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