Ein Platz an der Sonne

Warum der "Platz an der Sonne" nichts mit Sommer zu tun hat? Die Antwort darauf gibt es in der folgenden Erklärung. Du wirst erfahren, was "der Platz an der Sonne" war, wer diesen Ausspruch geprägt hat und was er mit dem Deutschen Kaiserreich zu tun hat.

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Inhaltsangabe

    Platz an der Sonne – Definition

    Bei dem Ausspruch „Ein Platz an der Sonne“ handelt es sich um ein Zitat aus der Reichstagsrede von Bernhard von Bülow vom 6. Dezember 1897. Der Ausspruch "Ein Platz an der Sonne" wurde zu einer Metapher für die Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II.

    Platz an der Sonne – Kolonialpolitik unter Bismarck

    Während Bismarcks Amtszeit stand außenpolitisch, vor allem die Bündnispolitik im Fokus –konkrete Expansionspläne gab es zuerst nicht. Doch auch Bismarck konnte sich der Kolonialpolitik schlussendlich nicht entziehen, um die wirtschaftlichen Außenhandelsstrukturen des Reichs zu sichern.

    So kam es von 1884 bis 1887 zur Kolonialisierung von:

    • Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Togo, Kamerun
    • Kolonien im Pazifik
    • Kiautschou (Gebiet in China)

    Doch gegen Ende seiner Amtszeit sprach sich Bismarck erneut gegen weitere Bestrebung in der Kolonialpolitik aus und wollte sich wieder verstärkt der europäischen Bündnispolitik widmen.

    Du möchtest mehr über Bismarcks Außenpolitik und den deutschen Kolonialismus erfahren? Dann schau doch mal bei den entsprechenden Erklärungen hier auf StudySmarter vorbei!

    Platz an der Sonne Deutsche Kolonien Karte StudySmarterAbbildung 1: Die Kolonien des Deutschen Kaiserreichs, 1914

    Platz an der Sonne – Kolonialpolitik unter Wilhelm II.

    Doch Kaiser Wilhelm II. wollte eine verstärkte und "aggressivere" Außenpolitik, um das Deutsche Kaiserreich fest als Weltmacht zu etablieren – es gab also ein "Weltmachtstreben". Man wollte expandieren, die deutschen Kolonien erweitern und Handelswege ausbauen.

    Zwei Punkte erschienen Wilhelm II. bei diesem Unterfangen besonders wichtig:

    1. Zum einen sollte das Deutsche Kaiserreich militärisch gestärkt werden (vor allem erkennbar im Flottenwettrüsten).

    2. Zum anderen sollte das Deutsche Kaiserreich seine Kolonien ausweiten, um so mit den anderen Weltmächten wie zum Beispiel England und Frankreich gleichzuziehen.

    Der Ausspruch "Ein Platz an der Sonne" wird oft als Wendepunkt von Bismarcks hin zu Wilhelms Außenpolitik gesehen.

    Platz an der Sonne – Bülow

    Bernhard von Bülow war der Staatssekretär des Auswärtigen Amts des Deutschen Kaiserreichs. Als solcher unterstützte er die verstärkte und militärisch fundierte Kolonialpolitik von Kaiser Wilhelm II., die dieser nach der Absetzung Bismarcks 1890 verfolgte. Bei der Reichstagsdebatte vom 6. Dezember 1897 äußerte Bülow im Kontext der deutschen Kolonialpolitik schließlich Folgendes:

    Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.

    Platz an der Sonne Bülow StudySmarterAbbildung 2: Bernhard von Bülow, 1895

    Platz an der Sonne – Bedeutung

    Mit dem "Platz an der Sonne" war ein Platz auf Augenhöhe mit den anderen Weltmächten gemeint. Das Deutsche Kaiserreich sollte konkurrenzfähig gemacht werden. England und Frankreich waren beispielsweise durch ihre starke Kolonialpolitik bereits gefestigte Weltmächte und hatten so schon besagten "Platz an der Sonne" – das Deutsche Kaiserreich wollte aufholen und mit ihnen gleichziehen.

    Platz an der Sonne – Erklärung

    Doch warum spielte der Ausbau der Kolonialpolitik bei diesem Weltmachtstreben des Deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. plötzlich eine so große Rolle? Warum war "Ein Platz an der Sonne" so erstrebenswert?

    Zur damaligen Zeit erschien es so, als könnte man die "Weltgeltung" eines Reichs (also eine weltweite Bedeutung und Autorität des Reichs) anhand einer ausgeprägten Kolonialpolitik legitimieren. Dies hatte viele verschiedene wirtschaftliche und politische Gründe.

    Kolonialpolitik war:

    • der Kampf um Rohstoffe,
    • der Kampf um Absatzmärkte und Handelsplätze
    • der Kampf um Arbeitsmärkte
    • der Kampf um Lebensräume
    • der Kampf um militärische Stützpunkte weltweit.

    Doch nicht nur die wirtschaftliche und politische Dominanz eines Landes ließ sich durch die Kolonialpolitik verdeutlichen, sondern auch die gesellschaftliche Vormacht- oder gar "Überlegenheitsstellung". Denn der Kolonialismus war für die Weltmächte auch:

    • Eine "Kulturmission", um die in ihren Augen als "minderwertig" geltenden Völker der Kolonien nach ihren kulturellen und religiösen Maßstäben zu "erziehen".

    Das Ganze war also ein Zusammenspiel aus Weltmachtstreben und wirtschaftlichem Interesse und eine ausgeprägte Expansions- und Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs versprach beides. Das Deutsche Kaiserreich wollte sicherstellen, dass es im Angesicht der anderen Weltmächte vor allem wirtschaftlich und militärisch konkurrenzfähig blieb und sich soeben auch seinen "Platz an der Sonne" sicherte.

    Der pseudowissenschaftliche Sozialdarwinismus

    Zur Zeit des Kolonialismus war die pseudowissenschaftliche Auffassung des sogenannten Sozialdarwinismus weitverbreitet, vor allem innerhalb der europäischen Weltmächte.

    Diese Pseudowissenschaft basierte auf der Annahme, dass nicht alle Menschen gleich viel "wert" wären.

    In Anlehnung an Darwins Evolutionstheorie mit dem Schlagsatz "Überleben des Stärkeren" sahen sich vor allem die europäischen Völker in einer wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell überlegenen Stellung.

    Die indigenen Völker der verschiedenen Kolonien wurden mithilfe des Sozialdarwinismus und in Abgrenzung zum "überlegenen" Europäer als "minderwertig" dargestellt.

    So legitimierten die Kolonialmächte die Annexion der Kolonien auch damit, ihre "Überlegenheit" in der Welt zu verbreiten.

    Der Sozialdarwinismus ist keine fundierte Wissenschaft! Bitte achte darauf, in diesem Kontext kritische Begriffe wie "minderwertig" oder "überlegen" stets in Anführungsstriche zu setzten, da diese dem pseudowissenschaftlichen Jargon entspringen.

    Platz an der Sonne – Probleme

    Doch es gab ein großes Problem, denn das Deutsche Kaiserreich war "zu spät dran". Weite Teile der Welt waren bereits von den anderen Weltmächten kolonialisiert. So kam es im Zuge der "aggressiven" Expansionspolitik Kaiser Wilhelm II. immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den anderen Weltmächten. Ein Beispiel hierfür waren die Marokkokrise (zwischen 1905 und 1911), bei der das Deutsche Kaiserreich und Frankreich um die koloniale Herrschaft in Marokko kämpften.

    Doch auch Finanzen spielten eine wichtige Rolle, denn die Kolonien mussten unterhalten werden. Gleichzeitig musste auch ein innenpolitisches Gleichgewicht gewahrt werden, um Konflikten wie zum Beispiel Aufständen vorzubeugen.

    Platz an der Sonne – Kritische Stimmen

    Von der deutschen Bevölkerung wurde der neue Kurs von Wilhelm II. in der Außenpolitik vorwiegend gutgeheißen.

    Doch einige Mitglieder des Reichstages äußerten sich immer wieder kritisch zum Vorhaben "Ein Platz an der Sonne". Vor allem der Politiker und Publizist Eugen Richter verkörperte diese kritische Stimme und äußerte bei verschiedenen Reichstagssitzungen unter anderem Folgendes:

    Kiautschou, der berühmte Platz ‚an der Sonne‘, kommt uns recht teuer zu stehen, die Millionen zerfließen dort wie die Butter.

    [...]der Platz an der Sonne ist schon heiß genug für uns in Kiautschou, daß wir gar keine Neigung empfinden können, das Territorium oder die Interessensphäre nach irgend einer Richtung zu erweitern.

    Was Eugen Richter in seinen Reden hauptsächlich kritisierte, waren die enormen Geldmittel, die die deutsche Kolonie Kiautschou quasi "verschlang". Kiautschou sollte für das Deutsche Kaiserreich eine Art "Musterkolonie" werden – ein Vorzeige- und Paradebeispiel für die deutsche Kolonialpolitik. Man investierte Unsummen in beispielsweise den Ausbau von Infrastrukturen (Häfen, Straßen, Eisenbahnlinien, Telegrafennetz etc.) und Bildungseinrichtungen (es wurden über 30 Schulen gegründet).

    Schlussendlich flossen über 100 Millionen Mark (Währung des Deutschen Kaiserreichs bis 1923) nach Kiautschou –diesem "Platz an der Sonne". Das Deutsche Kaiserreich hatte also bereits mit seinen bestehenden Kolonien finanzielle Probleme. Allein aus diesem Grund erschienen für Eugen Richter weitere koloniale Expansionen nicht erstrebenswert, ja sogar schädlich für das Deutsche Kaiserreich.

    100 Millionen Mark: Auf heutige Maßstäbe umgerechnet wären das über 600 Millionen Euro!

    Bedenken, wie die einheimische Bevölkerung durch den deutschen Kolonialismus behandelt wird, gab es nicht.

    Platz an der Sonne – Das Wichtigste

    • Bei dem Ausspruch „Ein Platz an der Sonne“ handelt es sich um ein Zitat aus der Reichstagsrede von Bernhard von Bülow vom 6. Dezember 1897.
    • Der Ausspruch "Ein Platz an der Sonne" wurde zu einer Metapher für die Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II.
    • Mit dem "Platz an der Sonne" war ein Platz auf Augenhöhe mit den anderen Weltmächten gemeint.
    • Die wirtschaftliche und militärische Konkurrenzfähigkeit des Deutschen Kaiserreichs sollte durch eine aggressivere Expansions- und Kolonialpolitik gewährleistet werden.

    Nachweise

    1. Abbildung 1: Die Kolonien des Deutschen Kaiserreichs 1914 – StudySmarter Original
    2. Abbildung 2: Bernhard von Bülow, 1895 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_146-2004-0098A,_Bernhard_von_B%C3%BClow.jpg) by Bundesarchiv, Bild 146-2004-0098A licensed by CC-BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Ein Platz an der Sonne

    Was ist mit dem Platz an der Sonne gemeint?

    Mit dem "Platz an der Sonne" ist ein Platz für das Deutsche Kaiserreich auf Augenhöhe mit den anderen Weltmächten gemeint. Die Konkurrenzfähigkeit des Deutschen Reichs sollte damals vor allem durch eine aggressivere Expansions- und Kolonialpolitik erreicht werden. 

    Warum wollte Deutschland einen Platz an der Sonne?

    Kaiser Wilhelm II. wollte das Deutsche Kaiserreich wieder zu Weltgeltung bringen und es erneut als Weltmacht etablieren. Wilhelms Ansicht nach gelang dies nur, wenn man den Weltmächten in Sachen Kolonialpolitik nacheiferte und so den außenpolitischen Einfluss des Reichs ausbaute. 

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