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Hochkultur Ägypten

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Geschichte

Mit Sicherheit hast du schon einmal von der ägyptischen Hochkultur gehört. 

In diesem Artikel werden wir dir erklären, was eine Hochkultur eigentlich ist und wie sich das auf das alte Ägypten anwenden lässt. Außerdem findest du hier eine Erklärung wie die ägyptische Hochkultur eigentlich funktioniert hat.


Dieses Thema gehört zum „Alten Ägypten“ und ist dem Fach Geschichte zuzuordnen.

Es könnte außerdem helfen, unsere Artikel zum Thema "das Alte Ägypten" und "das Ägyptische Reich" zu lesen. Dort erhältst du eine Einführung in die Geschichte Ägyptens und dir werden wichtige Ereignisse vorgestellt.

 

Was ist eine Hochkultur?

Bei einer Hochkultur handelt es sich um eine Zivilisation und Gesellschaftsordnung, die sich durch ihre Komplexität und Organisation auszeichnet. Die Menschen in einer Hochkultur hatten also eine ausgeklügelte Lebensweise.

Dabei gibt es aber keine klare Liste, was für Bedingungen in welchem Umfang erfüllt werden müssen, damit eine Gesellschaft zu einer Hochkultur wird. 

Dennoch zeichnet sich eine Hochkultur durch die folgenden Merkmale aus:


  • Landwirtschaft (hauptsächlich: Überproduktion, auch: Anbausysteme) 
  • Technik (z.B. Metallverarbeitung, Architektur)
  • Marktwirtschaft (z.B. Steuern)
  • Schreibwesen                  
  • Soziale Schichten            
  • Politik und Verwaltung 
  • Religion mit Religionsangehörigen
  • Armee

 


Wie entstanden Hochkulturen?

Die meisten Hochkulturen entstanden aus landwirtschaftlichen Gründen. Die Menschen begannen in der Nähe von Flüssen sesshaft zu werden. 


Die Nähe zu einem fließenden Gewässer eröffnete den Anwohnern viele Möglichkeiten. So konnten z.B. Fischer extra Nahrung aus dem Fluss holen, über den Fluss konnte Handel mit anderen Dörfern betrieben werden, es konnten Freundschaften geschlossen werden und auch war dadurch die Trinkwasserversorgung sichergestellt. 


Das Wasser aus dem Fluss konnte verwendet werden, um die Felder zu bewirtschaften. Dafür war jedoch Planung notwendig. Um z.B. Kanäle zu bauen, die zu weiter entfernten Feldern führten, benötigte die Stadt eine Verwaltung und Handwerker, die diese Arbeit übernehmen konnten. Manche Flüsse hatten jährliche Überschwemmungen, um diese berechnen zu können wurden erste Kalender mithilfe von Astronomie und Mathematik geschaffen.


Mit Hilfe dieser Technik war es der Bevölkerung möglich, mehr Nahrung zu ernten als für ihr Überleben nötig war. Diese extra Nahrung wurde von der Verwaltung eingesammelt und in Speichern gelagert. Aber nicht nur Nahrung wurde so gelagert, sondern auch Metall, Werkzeuge oder Alkohol. Dies erlaubte der Bevölkerung auch in schlechten Zeiten zu überleben.


Des Weiteren zeichnen sich Hochkulturen auch dadurch aus, dass diese sozialen Normen, wie das Einlagern von Nahrung, später zu offiziellen Gesetzen, in Dokumenten niedergeschrieben, wurden.

 

Warum war das Alte Ägypten eine Hochkultur?

Das Alte Ägypten war eine der ersten Hochkulturen der Welt. Ab der Zeit des Alten Reiches (ca. 2707 – 2216 v. Chr.), einer Epoche in der Geschichte des Alten Ägyptens, spricht man auch von der ägyptischen Hochkultur. 


Um dir genau zu zeigen, warum das Alte Ägypten eine Hochkultur war, gehen wir die oben genannten Bedingungen einzeln durch. 

 

Landwirtschaft

Wie du sicher weißt, besteht Ägypten hauptsächlich aus Wüstenflächen. Diese sind unfruchtbar und lassen keine landwirtschaftliche Nutzung zu. Daher befanden sich die meisten Felder direkt am Nil oder in dessen Nähe. 


Der Nil ist ca. 6650 km lang und gilt damit als längster Fluss der Erde. Einmal im Jahr überschwemmt der Nil (Nilschwelle) und bedeckt einige Kilometer Landmasse mit Wasser. Dies nutzten die Ägypter, um ihre Felder zu bewässern und zu düngen, denn der Nilschlamm war sehr fruchtbar.


Da die Landwirtschaft ein großer Teil des ägyptischen Lebens war, wurde diese auch in den Gräbern dargestellt, wie du hier auf dem Bild sehen kannst:


Quelle: wikipedia.commons.de


Um die Zeit zwischen den Nilfluten zu überstehen, verwendeten die Ägypter so genannte Abflussbecken. Zur Zeit der Nilflut wurden die Felder über Kanäle geflutet und dann so gelassen, damit der Nilschlamm absacken konnte. Das übrig gebliebene Wasser wurde in die Abflussbecken geleitet und die Saat ausgeworfen. Dieses Wasser wurde dann im folgenden Jahr zur Bewässerung verwendet.


Das Bauen dieser Kanäle und Becken zählt übrigens zur Bedingung des Städtewesen und der Technik. Denn um dies hinzukriegen, musste erst alles geplant werden und dann während der Bauphase Beauftragte abgestellt (und bezahlt) werden, die sich darum kümmerten. Dazu brauchte man eine Stadtverwaltung mit dem nötigen Wissen.

 

Technik

Die altägyptische Bautechnik bestand aus mehreren Abschnitten, den Anfang machten die runden Bauten aus bemalten Matten, die auf einem Holzskelett gebaut wurden.

Mit der Niederlassung am Nil fanden die Ägypter einen neuen Baustoff: Nilschlamm. Aus diesem ließen sich Lehmziegel herstellen und es wurden verstärkt rechteckige Lehmbauten gebaut. 


Bei diesen an der Luft getrockneten Lehmziegeln gab es keine einheitliche Zusammensetzung. Durch den Tauschhandel mit anderen Städten jedoch ergaben sich lokale Mischungen. Die meisten bestanden aus Nilschlamm, Sand und Stroh. 

 

Marktwirtschaft

Die alten Ägypter hatten ein ausgeklügeltes Steuersystem.

Bauern zum Beispiel mussten Teile ihrer Ernte abgeben. Ägyptische Bauern bauten hauptsächlich Getreide und Früchte an. Hielten sich aber auch verschiedene Tiere wie Hühner oder Ziegen. 


Auch wenn die Nilschwemme einmal im Jahr kam, gab es einige Regionen, die manchmal nicht davon profitierten. Dort konnte es dann zu einer Hungersnot kommen, da die Bauern ihre Felder nicht bewirtschaften konnten. 

Die Bauern konnten auch keine Steuern zahlen und waren auf die gelagerten Vorräte angewiesen. Um den Bauern das Leben zu erleichtern, begann die ägyptische Verwaltung die Höhe der Steuern jedes Jahr erst nach der Nilflut festzulegen. So mussten Bauern mit einer starken Flut mehr bezahlen und Bauern bei denen weniger bzw. gar keine Flutschwemme auftrat, wenig Steuern bezahlen. Stieg das Wasser zu hoch, durchbrach die Dämme und zerstörte Häuser, mussten die Bewohner ebenfalls keine Steuern bezahlen.

 

Schreibwesen

Unter der ägyptischen Schrift stellst du dir mit Sicherheit die Hieroglyphen vor.

Tatsächlich gab es im Alten Ägypten aber zwei Schriftsysteme. Einmal die hieratische Schrift und die Hieroglyphen.


Die hieratische Schrift entwickelte sich zuerst (ca. 4000 v. Chr.) und wurde während der gesamten Zeit des Alten Ägyptens verwendet. Sogar die Römer nutzen sie Jahrtausende später noch.


Die Hieroglyphen entstanden erst später um ca. 3200 v. Chr. und wurden bis zum Untergang des Alten Ägyptens um ca. 395 n. Chr. verwendet. Sie entstanden als reine Bilderschrift, über die Jahre entwickelten sich auch Laut- und Deutzeichen dazu.  

Vom Schriftbild her sahen sich die hieratische Schrift und die Hieroglyphen ähnlich, wie du auf dem Bild sehen kannst. 

 

Rechts: Hieroglyphen, links: hieratisch; Quelle: wikipedia.commons.de


Hieroglyphen wurden anfangs nur für die Verwaltung verwendet, um z.B. offizielle Dokumente auszustellen oder Berichte zu schreiben. Später verwendeten die Ägypter Hieroglyphen auch im Alltag. Der Hauptzweck der Hieroglyphen, so wie wir sie heutzutage kennen, lag in der Beschriftung von Wänden in Tempeln und Gräbern. Diese waren meist bunt gemalt und stellten magische oder religiöse Texte da. 


Die hieratische Schrift, benannt nach dem griechischen Historiker Herodot, war die Alltagsschrift der Ägypter. Die Zeichen ließen sich schnell schreiben und wurden daher gegenüber den komplizierten Hieroglyphen bevorzugt. Mit ihnen wurden teilweise auch religiöse Texte geschrieben, der Fokus lag aber auf der alltäglichen Nutzung.


Die wenigsten Ägypter konnten schreiben oder lesen. Daher beauftragte man spezielle Beamte, so genannte Schreiber, um die benötigten Dokumente anfertigen zu lassen.

 

Soziale Schichten

Die sozialen Schichten im Alten Ägypten ergaben sich hauptsächlich aus dem Unterschied zwischen den Arbeitern (z.B. Bauern/Handwerker) und der herrschenden Elite (Pharao und Familie/Priester). 


Der Pharao wurde als Gott angesehen und war Herrscher über ganz Ägypten. Sowohl politisch als auch religiös. Seine Aufgabe war es, den Willen der Götter auszuführen.

Der Stellvertreter des Pharaos – der Wesir – hatte die zweithöchste Stellung inne. Er bekam seine Befehle direkt vom Pharao und übernahm die Verwaltung für die Schatzkammer, die Justiz, Nahrungsversorgung und die anderen Beamten.


Auf ähnlicher Ebene befanden sich die Hohepriester, sie waren dafür zuständig, die Befehle des Pharaos in den Tempel auszuführen.


Hohepriester mussten übrigens als einzige Gruppe keine Steuern zahlen.


Die untere Schicht bestand aus den normalen Bürgern.


Die Bauern machten den größten Teil der Bevölkerung aus. Sie mussten die höchsten Steuern bezahlen und konnten zum Baudienst eingezogen werden, um z.B. die Pyramiden zu bauen.


Neben den Bauern gab es auch Händler und Handwerker. Die Händler arbeiteten meistens am Nil, um ihre Waren aus anderen Städten oder Ländern zu erhalten und zu verschicken. Die Handwerker fertigten Möbel, Werkzeuge oder Kunst und konnten auch zum Baudienst eingezogen werden.

 

Politik und Verwaltung

Wie schon häufiger erwähnt, bestand die Verwaltung Ägyptens hauptsächlich aus dem Pharao, dem Wesir, den Beamten und Priestern. 


Neben der Zentralverwaltung mit dem Pharao und dem Wesir war Ägypten in viele lokale Provinzen unterteilt, diese waren nach den Göttern geordnet. 


Um Beamter zu werden, mussten die Bewerber lesen, schreiben und rechnen können. Bezahlt wurden sie mit Naturalien und Grund.

 

Religion

Wie in der Politik war der Pharao auch in der ägyptischen Religion der oberste Herrscher. Der Pharao wurde als Gott angesehen und es gab einige Traditionen, die nur er ausführen durfte. 


Da der Pharao jedoch nicht in allen Tempeln präsent sein konnte, setzte er Priester als seine Stellvertreter ein.


In der Priesterschaft gab es verschiedene Abstufungen. Hohepriester und Hem-Priester durften als einzige das Heiligtum, in der sich der Gott des Tempels befand, betreten. Die Wab-Priester kümmerten sich um die Zeremonien und konnten zu Hem-Priestern aufsteigen. Lesepriester konnten lesen und schreiben und waren für die ärztliche Betreuung der Bevölkerung zuständig. Zuletzt gab es die Sem-Priester, die sich um die Beerdigungen in der Region kümmerten. 


Bis zum Neuen Reich war es auch Frauen möglich, Priester zu werden.


Armee

Ägypten verfügte über eine stehende Armee, die nur aus Männern bestand. 


Diese Armee war ähnlich stark hierarchisch organisiert, wie bei den Priestern. Ganz oben stand der Pharao als Kriegsherr, dann der Thronfolger als Oberbefehlshaber. Danach teilte sich die Organisation in den Nord- und Südkorps, in Lokalgeneräle und die Fußsoldaten. 


Auch wenn der Pharao eine eigene Truppe zu seinem Schutz hatte, war Ausbildung, Bewaffnung und der Ort des Einsatzes der Soldaten durch die Lokalgeneräle geregelt. Sie waren dafür zuständig die Wehrpflichtigen in der Region einzuberufen und auszubilden. Die Versorgung und Logistik (z.B. Nahrungsversorgung) war hingegen zentralstaatlich organisiert und von Beamten verwaltet. 


Übrigens ähneln sich Armeen von heute mit den altägyptischen in Aufbau und Organisation sehr stark.

 

Hochkultur des Alten Ägyptens – Alles Wichtige auf einen Blick

  • Es gibt verschiedene Bedingungen, ob eine Zivilisation als Hochkultur anerkannt wird
  • Die meisten Hochkulturen entstanden an Flüssen - in Ägypten am Nil
  • Die Überproduktion des Hauptnahrungsmittels ist der erste Schritt in Richtung Hochkultur
  • Ägyptische Bauern wurden nach der Stärke der Nilflut besteuert
  • Es gab zwei Schriftsysteme: hieratische Schrift und Hieroglyphen
  • Der Pharao stand in der Gesellschaft ganz oben
  • Es gab zwischen den Priestern starke Hierarchien 
  • Beamte in Ägypten mussten lesen, schreiben und rechnen können
  • Ägypten verfügte über eine stehende Armee

Hochkultur Ägypten - Das Wichtigste auf einen Blick

  • Es gibt verschiedene Bedingungen, ob eine Zivilisation als Hochkultur anerkannt wird
  • Die meisten Hochkulturen entstanden an Flüssen - in Ägypten am Nil
  • Die Überproduktion des Hauptnahrungsmittels ist der erste Schritt in Richtung Hochkultur
  • Ägyptische Bauern wurden nach der Stärke der Nilflut besteuert
  • Es gab zwei Schriftsysteme: hieratische Schrift und Hieroglyphen
  • Der Pharao stand in der Gesellschaft ganz oben
  • Es gab zwischen den Priestern starke Hierarchien 
  • Beamte in Ägypten mussten lesen, schreiben und rechnen können
  • Ägypten verfügte über eine stehende Armee

Häufig gestellte Fragen zum Thema Hochkultur Ägypten

Eine Hochkultur ist eine Zivilisation, die einen komplexen Aufbau erreicht hat.

Durch die Nähe zum Nil konnten die Bauer viel Getreide anbauen, um die Bevölkerung zu ernähren. Dadurch entwickelten sich sowohl Verwaltung als auch Tauschhandel. Um die Verwaltung zu vereinfachen, bildeten sich Schriftsysteme und soziale Schichten. 

Die Hochkultur in Ägypten begann ca. 4000 v. Chr. mit dem Beginn der ersten Aufzeichnungen über ägyptische Könige und Städte.

Die Merkmale der ägyptischen Hochkulturen sind die Nähe zum Nil, der Tauschhandel mit anderen Ländern und die starke Religionspräsenz sowie die komplexe Zentral- und Lokalverwaltung des Landes.

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