Völkermord Herero: Zusammenfassung | StudySmarter
StudySmarter - Die all-in-one Lernapp.
4.8 • +11k Ratings
Mehr als 5 Millionen Downloads
Free

Völkermord Herero

Save Speichern
Print Drucken
Edit Bearbeiten
Melde dich an und nutze alle Funktionen. Jetzt anmelden
X
Du hast bereits eine Erklärung angesehen Melde dich kostenfrei an und greife auf diese und tausende Erklärungen zu
Geschichte

In diesem Artikel findest du eine Übersicht über den Völkermord  Herero. Wie es überhaupt zum Völkermord in diesen Ausmaßen kommen konnte, wer die Herero waren und was genau geschah, wird dir alles hier erklärt.


Dieser Artikel gehört zum Fach Geschichte und erweitert das Thema des Imperialismus.



Deutsch-Südwestafrika


Das Deutsche Reich besaß zur Zeit des Imperialismus mehrere Kolonialgebiete in Afrika. Dazu gehörte neben dem heutigen Kamerun, Togo, Tansania, Burundi und Ruanda auch Namibia, damals unter den Namen "Deutsch-Südwestafrika". Dort herrschte das Deutsche Reich als Kolonialmacht von 1884 bis 1915.


Kolonialgesellschaften trieben die Erschließung neuer Kolonialgebiete voran, auch wenn dies zum größten Teil privatwirtschaftlichen Initiativen überlassen wurde. Das Deutsche Reich war hauptsächlich nach wirtschaftlichen Profit und Ressourcen aus. Da die kolonisierten Gebiete in Südafrika eher eine geringe wirtschaftliche Bedeutung hatten, wurde kaum in den Aufbau von Infrastrukturen investiert.


Trotzdem siedelten sich viele Europäer in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika an. Von den rund 15.000 Siedlern, die bis 1914 nach Deutsch-Südwestafrika kamen, waren mehr als 12.000 davon deutscher Herkunft. 



Gründe des Herero-Aufstandes


Der halbnomadische Hirtenstamm der Herero verdiente seinen Unterhalt größten Teils durch traditionelle Viehzucht. Deswegen waren die Herero auf viele Wasserstellen angewiesen. Mit dem Eintreffen der Siedler wurden den Herero diese Wasserstellen und viele Hektar überlebenswichtiges Weideland weggenommen, da die Siedler diese für sich beanspruchten. Dies bedrohte die Lebensgrundlage vieler einheimischer Stämme, auch die der Herero.


Das Deutsche Reich schloss 1884 mit den einheimischen Stämmen Schutzverträge, den die Herero jedoch aus Protest wieder aufkündigten.


Zudem herrschte die Kolonialverwaltung in Deutsch-Südwestafrika und etablierte eine strikte Rassentrennung und die Unterdrückung der Einheimischen. Unter dem Gedanken des Sozialdarwinismus wurden die Einheimischen als Menschen zweiter Klasse angesehen. Die Kolonialherren sahen sich in jeder Hinsicht als die überlegene Rasse nahmen den Einheimischen jegliche Rechte.


Als es 1897 zu einer Rinderpest kam, verloren die Herero 90 Prozent ihres Viehbestandes. Um zu überleben waren die Herero gezwungen, fortan für die Kolonialmacht und ihre Siedler zu arbeiten. Von ihnen wurden die Herero brutal misshandelt und unterdrückt. Für Vergewaltigungen oder Mord gegenüber den Herero wurden die Siedler kaum oder sogar gar nicht bestraft. 


Die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes äußerte sich so über die Herero:

„Für Milde und Nachsicht hat der Eingeborene auf die Dauer kein Verständnis: er sieht nur Schwäche darin und wird infolgedessen anmaßend und frech gegen den Weißen, dem er doch nun einmal gehorchen lernen muss, denn er steht geistig und moralisch doch so tief unter ihm.“


Der Herero-Aufstand


Die Herero begannen schließlich sich gegen ihre Unterdrücker aufzulehnen. Am 12. Januar 1904 griffen sie koloniale Einrichtungen an, belagerten Militärstationen, blockierten Bahnlinien, kappten Telegraphenverbindungen und überfielen Handelsstationen. Auf Grund mangelnder Militärmacht vor Ort, waren die deutschen Kolonialtruppen mit 2.000 Soldaten den Herero unterlegen. 


Die Herero griffen auch deutsche Siedler an, von denen sie misshandelt worden waren. Sie brannten Höfe und Farmen nieder und töteten ihre Besitzer, wobei sie die Frauen und Kinder verschonten.


In den folgenden Monaten nach Beginn des Aufstandes kam es zwischen den deutschen Kolonialtruppen und den Kriegern der Herero immer wieder zu Auseinandersetzungen, wobei es jedoch nur geringe Verluste auf der Seite des Deutschen Reichs gab. Über die Anzahl der Opfer bei den Herero ist nichts bekannt.


Die Herero forderten noch weitere einheimische Stämme auf, sich dem Aufstand anzuschließen, worauf jedoch nur ein Stamm reagierte und dessen Aufstand sofort niedergeschlagen wurde.


Generalleutnant Lothar von Trotha wurde daraufhin im Mai 1904 das Kommando übertragen und angewiesen, die Aufstände militärisch niederzuschlagen. Die Kolonialtruppen wurden durch 14.000 Mann verstärkt. Trotha ging brutal gegen die Aufständischen vor und plante einen gezielten Vernichtungskrieg gegen die Herero.


Die Schlacht am Waterberg


Die nun deutlich überlegenen deutschen Kolonialtruppen trieben das Volk der Herero in die Enge, bis sie schließlich im August 1904 von den Soldaten auf dem Plateau des Waterberges eingekesselt waren. Das Volk der Herero, die bewaffneten Männer, jedoch auch Kinder und Frauen, wurde immer tiefer in die Omaheke-Wüste getrieben. Die Kolonialtruppen errichteten einen 250 Kilometer langen Absperrgürtel, der die Herero daran verhindern sollte, die Wüste zu verlassen.


Trotha war bewusst, dass diese Absperrung die vollkommene Vernichtung der Herero bedeuten würde. Am 02. Oktober 1904 verkündigte er:


"Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu Ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen."


Zehntausende der Herero starben in der Omaheke-Wüste. Sie erlagen ihren Verletzungen oder der Hitze, verhungerten oder verdursteten.


Durch die Absperrung gelang es nur wenigen, der Wüste zu entkommen. Einige erreichten britisches Kolonialgebiet im Norden und brachten sich dort in Sicherheit. Andere wurden von britischen Kolonialtruppen gefangen genommen und nach Kapstadt deportiert.


Am 08. Dezember 1904 erhielten die Kolonialtruppen den Gegenbefehl von Kaiser Wilhem II., den Herero, die nicht am Aufstand beteiligt waren, Gnade zu gewähren. Es wurde jedoch weiterhin willkürlich auf die Herero geschossen, wenn behauptet wurde, sie seien ins Kriegsgeschehen verwickelt gewesen. 



Folgen des Herero-Aufstandes


Weniger als 16.000 von den ursprünglich 60.000 bis 80.000 Herero überlebten die Schlacht am Waterberg und die Omaheke-Wüste, wobei die Zahl der Opfer jedoch noch höher geschätzt wird. 


Die wenigen Überlebenden, die die deutschen Truppen aus der Wüste sammelten, wurden zur Zwangsarbeit in Konzentrationslager verschleppt. Auch dort gab es tausende Todesopfer der einheimischen Bevölkerung, durch schmutziges Trinkwasser, Krankheiten wie Skorbut, Typhus und Ruhr oder durch Experimenten an den Gefangenen.


Insgesamt wird geschätzt dass rund 100.000 Menschen durch die Kolonialtruppen ermordet wurden, in der Wüste ums leben kamen oder in den Konzentrationslagern starben. Der Völkermord der Herero gilt als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts.


Die Nachricht der brutalen Niederschlagung des Herero-Aufstandes erreichte bald das Deutsche Reich und wurde dort öffentlich stark kritisiert, woraufhin Lothar von Trotha im November 1905 abberufen wurde.


Die Diskriminierung und die brutale Unterdrückung der Herero und anderer einheimischer Stämme zog sich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges hin. Erst als südafrikanische Truppen des British Empire die deutschen Kolonialtruppen 1915 zur Kapitulation zwangen, endete die Schreckensherrschaft des Deutschen Reiches über Deutsch-Südwestafrika.


Hinweis! Dieser Artikel behandelt das Schicksal der Herero. Ähnlich erging es jedoch auch dem Volk der Nama, die auch in Deutsch-Südwestafrika lebten und von deutscher Hand unterdrückt und ermordet wurden. Dies geschah beinahe zeitgleich zum Herero-Völkermord.


Aufarbeitung und Anerkennung des Herero Völkermordes


Mehrere Jahrzehnte lang erkannte die Regierung Deutschlands den Völkermord an die Herero nicht an. Sogar die Klage des Hereroführer auf Entschädigung und Anerkennung wurde 2002 abgelehnt. Die Bundesregierung sagte 2012 noch, dass die Niederschlagung des Herero-Aufstanden (und den der Nama) durch die deutschen Kolonialtruppen „nicht nach den heute geltenden Regeln des humanitären Völkerrechts bewertet und daher auch nicht als Völkermord eingestuft werden“ könne.


Erst am 28. Mai 2021 wurde die Vernichtung der Herero offiziell als Völkermord anerkannt. Außenminister Heiko Maas äußerte sich dazu wie folgt:


"Im Lichte der historischen und moralischen Verantwortung Deutschlands werden wir Namibia und die Nachkommen der Opfer um Vergebung bitten"


Zudem möchte die deutsche Regierung insgesamt 1,1 Milliarden Euro für ein Programm "zum Wiederaufbau und zur Entwicklung" bereitstellen. Einen Entschädigungsanspruch wird den Herero dadurch jedoch nicht gewährt.



Fertig!

Jetzt weißt du alles, was du über das Thema Völkermord Herero wissen musst. Die Kolonialisierung von dem damaligen Deutsch-Südwestafrika und der daraus resultierende Völkermord der Herero war eine Folge des Imperialismus. Wenn du mehr über Imperialismus erfahren möchtest, findest du auf StudySmarter noch weitere Artikel zu diesem Thema!



Völkermord Herero - Das Wichtigste auf einen Blick

  • Heimatgebiet der Herero wurde Kolonialisiert = Deutsch-Südwestafrika
  • Besitzt der Einheimischen von deutschen Siedler einverleibt
  • Bedrohung der Lebensgrundlage der Herero zwingt sie, für Kolonialmacht und Siedler zu arbeiten
  • Rassentrennung, brutale Misshandlung und Verbrechen gegen die Herero
  • Herero lehnen sich gegen ihre Unterdrücker auf: 12. Januar 1904
  • Herero werden im August 1904 vom Waterberg in de Omaheke-Wüste getrieben: von den 80.000 bis 60.000 Herero bleiben nur noch 16.000 übrig
  • Überlebende werden in Konzentrationslager verschleppt
  • Völkermord an die Herero wird von Deutschland jahrzehntelang nicht anerkannt
  • Erst 2021 erkennt die deutsche Regierung den Völkermord an und entschuldigt sich

Häufig gestellte Fragen zum Thema Völkermord Herero

Der Aufstand der Herero gegen die Unterdrückung der deutschen Kolonialmacht war der direkte Auslöser des Völkermords der Herero.

Herero wurden im August 1904 vom Waterberg in de Omaheke-Wüste getrieben: von den 80.000 bis 60.000 Herero bleiben nur noch 16.000 übrig.

Von den 80.000 bis 60.000 Herero bleiben nur noch 16.000 übrig.

Genozid (Völkermord) ist die planmäßige Vernichtung einer bestimmten Volksgruppe. Der Völkermord der Herero gilt als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts.

60%

der Nutzer schaffen das Völkermord Herero Quiz nicht! Kannst du es schaffen?

Quiz starten

Über 2 Millionen Menschen lernen besser mit StudySmarter

  • Tausende Karteikarten & Zusammenfassungen
  • Individueller Lernplan mit Smart Reminders
  • Übungsaufgaben mit Tipps, Lösungen & Cheat Sheets

Finde passende Lernmaterialien für deine Fächer

Hol dir jetzt die Mobile App

Die StudySmarter Mobile App wird von Apple & Google empfohlen.

Völkermord Herero
Lerne mit der Web App

Alle Lernunterlagen an einem Ort mit unserer neuen Web App.

JETZT ANMELDEN Völkermord Herero