Queer Bedeutung

Happy Pride-Month! Regenbogensocken, Caps, Rainbow Merch von Firmen – Das alles passt gut zu fröhlichen Sommertagen. Doch was bedeutet die Regenbogenflagge? Pride! Stolz sein auf die eigene Identität, die sexuelle Identität. Denn egal, wen Du liebst oder nicht liebst, wir sollten gemeinsam für die Liebe aller einstehen. Seit den 1960ern hat sich in unserer Gesellschaft einiges verändert und verbessert, aber nach wie vor erfahren nicht-heterosexuelle und queere Menschen Diskriminierung.

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Inhaltsangabe

    Im Folgenden geht es vor allem um homo- und bisexuelle Männer im europäischen Kontext, weil es dazu am meisten verlässliche Forschung gibt. Die historische Forschung hat andere Gruppe, wie bspw. Frauen, oft übersehen, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht existierten oder keine wichtige Rolle spielten.

    Gleichgeschlechtliche Liebe: Antike bis 20. Jahrhundert

    Die Gesellschaft legt Verhaltensregeln und Normen fest. Deshalb erfährst Du im Folgenden, wie gleichgeschlechtliche Liebe von den Gesellschaften im Laufe der Zeit bewertet wurde. In der Antike und im Mittelalter existierte das Wort Homosexualität, wie Du es heute kennst, noch nicht. Es gab dennoch bereits gleichgeschlechtliche Liebe.

    Die Bezeichnung Homosexualität ist eine hybride Wortbildung aus dem altgriechischen Wort homós (gleich) und dem lateinischen Wort sexus (Geschlecht). Sie stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

    Knabenliebe im antiken Griechenland

    Im antiken Griechenland, ca. 776 v. Chr., gab es die sogenannte Knabenliebe.

    • Ältere Männer suchten sich jüngere Männer zwischen 12 und 18 Jahren und sahen ihnen zu, wie sie nackt Sport trieben, machten ihnen Geschenke und öffentliche Liebeserklärungen.
    • Diese Situationen und auch sexuelle Kontakte wurden auch auf Vasen abgebildet.
    • Daher scheint die gleichgeschlechtliche Liebe und die Knabenliebe sozial akzeptiert gewesen zu sein.

    Aristokraten, die die gesellschaftliche und politische Macht im alten Griechenland hatten, konkurrierten auf verschiedenen Ebenen miteinander. Derjenige, der den stattlichsten Liebhaber präsentieren konnte, wurde von den anderen Aristokraten beneidet. D

    • Aristokraten warben mit Jagdbeute um Jünglinge, wie Bilder von ungefähr 500 v. Chr. zeigen.
    • Nur Aristokraten, die gute Beute machten, konnten um angesehene Knaben konkurrieren.

    Ein weiterer Punkt in den Beziehungen der Knabenliebe war die Vormundschaft. Ein jüngerer Mann lernte von einem angesehenen älteren Mann, wie er sich in der Gesellschaft zu verhalten hatte. Denn ab der Pubertät endete damals die Schulbildung und Heranwachsende gingen mit der Knabenliebe Verhältnisse mit ihren Lehrenden ein. Die Aristokraten hatten aber auch Sex mit ihren Ehefrauen und Prostituierten. Sex mit anderen Männern galt damals nicht als homosexuelles Outing, da im alten Griechenland gar nicht in sexuellen Kategorien gedacht wurde.

    Gleichgeschlechtliche Liebe im alten Rom

    Einige Jahrhunderte später im alten Rom veränderte sich das Bild und das Verhältnis zu gleichgeschlechtlichen Verbindungen.

    • Es war zwar sozial akzeptiert, für freie Römische Bürger mit weiblichen und männlichen Partnern intim zu werden.
    • Allerdings nur solange dabei die aktive Rolle eingenommen wurde.
    • Die römische Gesellschaft war anders aufgebaut als die der alten Griechen.
    • So war gleichgeschlechtlicher Sex zwischen gesellschaftlich Gleichgestellten verpönt und wurde teils schwer bestraft.
    • Römische Aristokraten hatten allerdings sehr wahrscheinlich Sex mit jüngeren männlichen Sklaven, wobei es sich dabei aus moderner Sicht um Zwangsprostitution handelte.
    • Ein höher gestellter Mensch befriedigte also seine sexuellen Triebe an einem niedriger gestellten Menschen.
    • So demonstrierte er seine Macht über ihn.
    • Ein Sklave wurde nicht als Mensch, sondern als Eigentum gesehen.

    Mit dem Wechsel zum christlichen Glauben lehnte man die gleichgeschlechtliche Liebe im Römischen Reich dann vollständig ab. Theodosius I. erklärte 390 n. Chr. die Homosexualität offiziell als illegal. Die antiken sexuellen Kontakte galten als "unrömische Sitte" und als politisch verdächtig.

    Gleichgeschlechtliche Liebe im Frühmittelalter

    Ab dem 8. Jahrhundert war die Kirche verantwortlich für die gesellschaftliche Ordnung. Unter dem Begriff Sodomie wurde gleichgeschlechtliche Liebe als Sünde bezeichnet. Sexueller Kontakt, der nicht der Fortpflanzung diente, also auch Homosexualität, war verboten.

    Der Begriff Sodomie geht auf die Geschichte in der Bibel Sodom und Gomorrahs zurück, diese beschreibt das Schicksal zweier Städte, die von Gott zerstört werden, weil deren Bewohner sich sündig verhielten.

    Verbot gleichgeschlechtlicher Liebe im Hochmittelalter

    Der Grund für das Verbot von Homosexualität lässt sich auf die Niederlage der Kreuzritter bei der Schlacht von Damaskus im Jahr 1148 zurückführen. Aus Sicht der Kirche hatten die Kreuzritter die Schlacht verloren, weil die Europäer*innen zu viele Sünden begangen hatten und Gott sie so bestrafte. Als Reaktion verschärften die Machthabenden die Gesetze, um die gesellschaftliche Ordnung nicht zu stören, obwohl die gleichgeschlechtliche Liebe faktisch nichts mit der Niederlage zu tun hatte.

    Doch auch im Mittelalter küssten sich Männer und teilten ein Bett, wie Bildquellen zeigen.

    • Damals wurden geschäftliche Verbindungen, die heute ein Händeschütteln zeigen würde, mit Ritualen wie Küssen dargestellt.
    • Gemeinsam in einem Bett zu schlafen galt als Zeichen besonderer Gastfreundschaft und Ehrerbietung.
    • Das Wort "Sodomit", bezeichnete jemanden, der Sex ohne die Möglichkeit zur Fortpflanzung hatte.
      • Es wurde als Schimpfwort verwendet, um Gegner politisch lächerlich zu machen.
    • Im 16. Jahrhundert zur Zeit Martin Luthers war das besonders gängig.
    • Auch der Papst wurde auf Flugblättern als Sodomit bezeichnet.

    Homophobie in der Neuzeit

    In der Neuzeit festigte sich ein Männlichkeitsideal, das Homosexualität als unmännlich einordnete. Homosexualität wurde ab 1532 mit der Todesstrafe bestraft. Erst mit der Französischen Revolution wurde die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen in Deutschland wieder abgeschafft. Ab 1872 jedoch stand Homosexualität im Deutschen Kaiserreich als "widernatürliche Unzucht" wieder unter Gefängnisstrafe.

    Um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es Widerstand dagegen.

    • Der Arzt Magnus Hirschfeld kämpfte für die Abschaffung des Gesetzes, das jedoch in der Weimarer Republik weiterhin bestand.
    • Dennoch entwickelte sich in BerlinAnfang des 20. Jahrhunderts eine homosexuelle Szene mit Bars und Tanzclubs.
    • Dort entstand zum ersten Mal eine homosexuelle Identität.
    • So mussten auch die Behörden ihren Blick auf Homosexualität verändern.
    • Im 20. Jahrhundert wurde zwischen der sexuellen Orientierung einer Person und den homosexuellen Handlungen unterschieden.

    Im Nationalsozialismus ab 1933 verschärfte sich die Situation für Homosexuelle. Sie wurden verfolgt, verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden homosexuelle Menschen verfolgt.

    Die Diskriminierung erreichte in den 1960er-Jahren in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) einen Höhepunkt. Homosexuelle begannen jedoch, sich gegen die Unterdrückung zu wehren. Beeinflusst wurde die Bewegung in Deutschland damals von den USA.

    Queersein in den 1960er-Jahren in den USA

    Allgemein markierten die 1960er-Jahre in den USA einen gesellschaftlichen Umbruch und stehen für einen neuen Zeitgeist. Doch die Rechte für Homosexuelle und andere queere Menschen veränderten sich zunächst nicht.

    Queer – Bedeutung

    Queer ist eine Sammelbezeichnung für Personen, die sich in ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität, von der hetero-normativen Gesellschaft abgrenzen. Zum Beispiel können sich Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Asexuelle, Intersexuelle und alle Menschen, die sich mit diesem Begriff wohlfühlen, als queer bezeichnen.

    Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sind unterschiedliche Dinge! Während die Geschlechtsidentität ein Teil des Selbsterlebens eines Menschen ist, bezieht sich die sexuelle Orientierung auf das Interesse an potenziellen Partnern.

    LGBTQIAP+ ist ein Akronym und steht für die verschiedenen sexuellen Orientierungen der Queeren Community. Dabei werden die Englischen Begriffe verwendet.

    In der untenstehenden Grafik siehst Du die dazugehörigen Flaggen zugeordnet.

    Queere Geschichte LGBTQIA+ StudySmarterAbb. 1 - Die Grafik schlüsselt die Abkürzung LGBTQIA+ auf und Du erfährst was die Begriffe, die dahinter stehen bedeuten.

    Strafrechtliche Verfolgung

    Die "Sodomiegesetze", die bereits seit 1625 in den USA galten, ermöglichten in vielen Bundesstaaten die strafrechtliche Verfolgung und die systematische Benachteiligung von queeren Menschen. Sie schufen die gesetzliche Grundlage für die unfaire Behandlung queerer Menschen.

    • In den 1960ern war in den Sodomiegesetzen festgeschrieben, dass alle sexuellen Begegnungen abgesehen von der Fortpflanzung verboten seien.
    • Das bedeutete, allen nicht heterosexuellen und queeren Menschen wurde das Recht sich sexuell auszuleben abgesprochen.
    • Dementsprechend wurden die Gesetze genutzt, um homosexuelle Menschen zu verfolgen.
    • Besonders in den 1960er-Jahren mussten sich queere Menschen deswegen heimlich treffen.

    In New York in den 1960ern wurden Bars, die als Treffpunkte für Homosexuelle galten, benachteiligt. So wurde ihnen die Erlaubnis zum Ausschank verwehrt und Polizeirazzien wurden regelmäßig durchgeführt, um zu kontrollieren, dass sich die Bars an das Verbot hielten.

    Die Polizei handelte bei diesen Razzien oft übergriffig. Meistens wurden Männer, die nach gesellschaftlicher Norm Frauenkleidung trugen, verhaftet. Außerdem mussten alle Barbesuchenden der Polizei ihre Identitäten offenlegen. Teilweise veröffentlichte die Polizei die Namen.

    Als Beginn des aktiven Widerstands der Schwulen- und Lesbenbewegung gegen die Diskriminierung gelten die Stonewall-Unruhen in der Christopher Street in New York City vor ca. 55 Jahren.

    Der Stonewall-Aufstand

    Am 28. Juni 1969 ereignete sich in Manhatten der sogenannte Stonewall-Aufstand.

    • Die New Yorker Polizei wollte routinemäßig die Schwulenbar "Stonewall Inn" an der Christopher Street räumen.
    • Doch die schwule Community wehrte sich erstmalig gegen die Kriminalisierung und Diskriminierung.
    • Deswegen wird der Tag heutzutage als Wendepunkt für die Schwulenbewegung in den Vereinigten Staaten gesehen.
    • Zeuginnen und Zeugen belegen, dass die lesbische Sängerin Stormé DeLarverie dabei eine Schlüsselrolle spielte.
    • Sie soll die Gäste animiert haben, sich gegen die Polizeiübergriffe zu wehren.

    Die Stonewall-Unruhen werden oft als Startpunkt der modernen LGBTQIA+-Bewegung angesehen werden, obwohl es auch vorher schon Widerstand und Aktivismus innerhalb der Gemeinschaft gab.

    Der Beginn einer Protestbewegung

    Viele Menschen folgten dem Aufruf und der Aufstand im "Stonewall Inn" mündete in einem Protestmarsch auf den Straßen New Yorks. Anwohnende und andere queere Personen unterstützten die Demonstrierenden.

    Sie bewarfen die Polizei mit Steinen und Flaschen und stimmten die Lieder "We shall overcome" und "Gay Power" an. Der Aufstand dauerte fünf Tage lang. Als sich die Proteste am 28. Juni 1970 jährten, trafen sich mehr als 4000 Menschen im "Stonewall Inn", um dem Aufstand friedlich zu gedenken.

    Christopher Street Day (CSD)

    Da das "Stonewall Inn" an der Christopher Street liegt, wurde der 28. Juni von da an zum "Christopher Street Liberation Day" oder auch "Christopher Street Day" (CSD) erklärt. Auch heute feiern viele Menschen den Tag als Erinnerung an den Auftakt der LGBTQIA+ Bewegung und die Herausforderungen in der Gegenwart und Zukunft. In Berlin fand der erste CSD 1979 statt. 2016 machte Barack Obama das "Stonewall Inn" zum Nationaldenkmal.

    Pride-Month

    Heute wird der ganze Juni als Pride-Month gefeiert. Die LGBTQIA+-Community und alle Unterstützenden erinnern jährlich an den Stonewall-Aufstand in Manhattan. Der ganze Juni wird international mit Umzügen, Picknicks, Partys, Workshops, Symposien und Konzerten gefeiert.

    Daneben finden auch Gedenkfeiern für alle queeren Menschen statt, die Hassverbrechen zum Opfer gefallen sind oder an HIV/AIDS verstarben. Der Gedenkmonat will darauf aufmerksam machen, was Homosexuelle, Bisexuelle, Transsexuelle und Queere Menschen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zur Geschichte beigetragen haben.

    Queere Geschichte - Das Wichtigste

    • Queer ist eine Sammelbezeichnung für Personen, die sich in ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität, von der hetero-normativen Gesellschaft abgrenzen.
    • LGBTQIAP+ ist ein Akronym und steht für die verschiedenen sexuellen Orientierungen der Queeren Community. Dabei werden die Englischen Begriffe verwendet.
    • Von der Antike bis heute gab es immer wieder Veränderungen in der Wahrnehmung gleichgeschlechtlicher Liebe.
      • Dabei ist die gesellschaftliche Akzeptanz nicht kontinuierlich gestiegen, sondern auch teils stark gesunken.
    • So war die sogenannte Knabenliebe in der Antike vollkommen normal.
    • Im alten Rom galt der sexuelle Kontakt dagegen als unsittlich,
    • Im Mittelalter wurde Homosexualität sogar mit der Todesstrafe bestraft.
    • Die Todesstrafe wurde mit der Französischen Revolution wieder aufgehoben, aber sogenannte Sodomiegesetze diskriminierten Homosexuelle weiterhin.
      • Homosexueller Kontakt wurde ab 1872 sogar mit dem Gefängnis bestraft.
      • Dennoch bildete sich in den 1920ern eine queere Szene in Berlin.
    • Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden Homosexuelle wieder verfolgt, verhaftet und in Konzentrationslager gebracht.
    • Danach kam in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) in den 1960er-Jahren die Diskriminierung zu einem Höhepunkt.
    • Homosexuelle begannen jedoch, sich gegen die Unterdrückung zu wehren.
    • Beeinflusst wurde die Bewegung in Deutschland damals von den USA.
    • In den USA wurde der Grundstein für den heutigen Pride-Month mit dem Stonewall-Aufstandin der Bar "Stonewall Inn" gelegt.
      • Dabei wehrten sich queere Menschen erstmalig gegen eine diskriminierende Polizeirazzia.
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    Häufig gestellte Fragen zum Thema Queer Bedeutung

    Was bedeutet es, queer zu sein?

    Queer ist eine Sammelbezeichnung für Personen, die sich in ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität, von der hetero-normativen Gesellschaft abgrenzen. Zum Beispiel können sich Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Asexuelle, Intersexuelle und alle Menschen, die sich mit diesem Begriff wohlfühlen, als queer bezeichnen.

    Was bedeutet LGTBQIA?

    LGBTIA kürzt u.a. Lesbian, Gay (= schwul), Bisexual, Transsexual, Queer, Intersexual und Asexual ab. Oft wird dem Begriff ein + beigefügt, um alle anderen nicht-heterosexuellen Sexualitäten einzuschließen.

    Welche Sexualitäten gehören zu LGBT?

    LGBT kürzt Lesbian, Gay (= schwul), Bisexual und Transsexual ab. Oft wird dem Begriff ein + beigefügt, um alle anderen nicht-heterosexuellen Sexualitäten einzuschließen.

    Seit wann gibt es LGBT-Menschen?

    LGBT-Menschen gibt es schon immer. Das Akronym LGBT gibt es vermutlich seit 1970, als auch der erste "Christopher Street Day" entstand.

    Was sind queere Menschen?

    Queere Menschen, sind Menschen, die sich nicht in dem binären System "Mann liebt Frau" und "Frau liebt Mann" einordnen. Queere Menschen können lesbisch, schwul, trans, nonbinär, bi, pan und vieles mehr sein.  

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